Tintenzirkel - das Fantasyautor:innenforum

Handwerkliches => Das Sprachbastelboard => Thema gestartet von: Tanrien am 02. Dezember 2011, 17:10:29

Titel: Verhältnis von Action zu Beschreibung bei Sätzen
Beitrag von: Tanrien am 02. Dezember 2011, 17:10:29
(Ich hoffe, das Thema ist hier richtig. Alternativ hatte ich Workshop oder Schreiblinks angedacht. Und hoffentlich gibt es das noch nicht, die Suche hat mir nichts ausgespuckt.  :gähn: )

Und zwar geht es um das Verhältnis von Aktionssätzen und Beschreibungssätzen. In einem Tutorial für das Schreiben von Sexszenen war ein Teil davon genau diesem Verhältnis gewidmet: Dass bei Action- und Sexszenen die Ratio höher sein sollte als bei anderen Szenen, mindestens 1:2, wenn nicht 1:3 bis 1:5. Das heißt, auf jeden Satz, der eine Handlung benennt, kommen zwei oder mehr Beschreibungen. Die Beschreibungen können auch um den Satz herum aufgebaut oder ihm vorgestellt, oder auch nur Satzteile sein. Unter Beschreibung fällt danach alles, was keine Handlung ist: Gefühle, Gedanken, Dialog, klassische Beschreibung.

Erstmal wollte ich fragen, ob jemand diese Methode kennt, darüber mal gelesen hat und/oder weiß, ob es da irgendwelche Schreibratgeber gibt, bei denen man mehr darüber lesen kann, oder auch schlicht andere Links, unter denen das beschrieben wird? Laut dem Tutorial benutzen bekannte Autoren wie King die Methode, aber Quellen oder Links werden soweit ich mich erinnern kann - der Link funktioniert gerade nicht - eben nicht genannt. Ich habe leider auch gerade keine englischen Bücher von King in der Nähe, um zu zählen.

Dann würde es mich interessieren, ob ihr die Methode bewusst oder unbewusst beim Schreiben und/oder Überarbeiten anwendet und wie ihr sie findet und einschätzt?

Ich selbst kannte sie vorher nicht, sie klingt aber schonmal logisch, auch, wenn sie auf das Miterleben ausgerichtet ist; aber gerade das ist ja bei Actionszenen auch ein mögliches Ziel. Vermutlich würde es bei der Anwendung dann wirklich so verlaufen, wie bei anderen Sachen: Solange nach der Formel korrigieren, bis man es drin hat und auch so schon in der ersten Fassung schreibt.

Ich würde allerdings gerne mehr darüber lesen, vor allem auch Beispiele, aber es kommt mir recht schwer vor, danach zu suchen. Vielleicht wisst ihr ja mehr!

edit:

Hier ist das Essay/Tutorial (http://cupidsbow.livejournal.com/194295.html). (Warnung: explizite Sexszenen!)
Titel: Re: Verhältnis von Action zu Beschreibung bei Sätzen
Beitrag von: Runaway am 02. Dezember 2011, 17:24:47
Mir sträuben sich die Haare! Also wenn ich mir jetzt vorstelle, ich versuche, beim Schreiben das Verhältnis von A zu B irgendwie zu erfassen... also nee. Das ist mir zu sklavisch. Ich find's auch gar nicht zutreffend für jedes Genre. Bei Fantasy gibt's mehr Beschreibungen als z.B. in Krimis.
Ich würde einen Roman in einem Aktions-Beschreibungs-Verhältnis von 1:5 nicht lesen wollen! Da pennen einem ja die Füße ein.

Ich glaub, von Andreas Eschbach war das, was mir grad im Kopf rumschwirrt... bei Bedarf such ich noch mal. Jedenfalls hat er (?) mal fern von jeder bezifferten Ratio schon auch den Tip gegeben, in Texten auf das Verhältnis Handlung, indirekte Handlung, wörtliche Rede und Beschreibungen zu achten.
Darauf achte ich auch immer. Ich versuche, keine seitenlangen Dialoge zu schreiben, keine ewigen Beschreibungen, sondern alles irgendwie zu mischen. So, daß ich hinterher denke, es paßt und es ist abwechslungsreich genug.
Aber so eine Formel? Nee. Das ist mir jetzt alles zu... theoretisch. Wenn ich sowas tun müßte, würde mir ja die Lust am Schreiben vergehen! Das halte ich nicht für sehr zielführend. Und ich denke, man entwickelt mit der Zeit auch ein Auge und ein Gefühl dafür, daß man mit seinen Texten genau das rüberbringt, was man sagen will, und auch auf die richtige Art und Weise.

Oder hat jemand mit sowas gute Erfahrungen gemacht? Dann wär ich aber auch mal neugierig, weil ich mir das echt nicht vorstellen kann!
Titel: Re: Verhältnis von Action zu Beschreibung bei Sätzen
Beitrag von: Naudiz am 02. Dezember 2011, 17:37:50
Wenn ich Formeln haben will, mache ich Mathematik. Beim Schreiben würde mich so etwas nur unnötig einschränken. Zumal ich ein Buch mit derartig vielen Beschreibungen nicht mehr atmosphärisch, sondern einfach nur langatmig finden würde.
Dementsprechend würde sich eine solche Formel mit meiner Philosophie, ein Buch so zu schreiben, dass ich es selbst lesen wollen würde, ziemlich beißen. Vermutlich hätte es sogar einen negativen Einfluss auf meinen Stil und damit auf die gesamte Geschichte. Das würde ich nicht riskieren wollen.

Titel: Re: Verhältnis von Action zu Beschreibung bei Sätzen
Beitrag von: Tanrien am 02. Dezember 2011, 17:41:02
Zitat von: Dani am 02. Dezember 2011, 17:24:47
Oder hat jemand mit sowas gute Erfahrungen gemacht? Dann wär ich aber auch mal neugierig, weil ich mir das echt nicht vorstellen kann!

Es ist ein englisches Tutorial, falls das hilfreich ist, und die Beispiele klangen schon gut/sinnvoll. Vielleicht ist es auch so eine Sache, die manche Leute ganz automatisch im Kopf machen... Aber, wie gesagt, keine Ahnung. Ich hab keine Probleme mit Formeln, vor allem für die Korrektur nicht, deswegen frage ich nach, aber ich weiß auch nicht mehr als das, was ich erwähnt habe.  :-\


Zitat von: Dani am 02. Dezember 2011, 17:24:47
Ich glaub, von Andreas Eschbach war das, was mir grad im Kopf rumschwirrt... bei Bedarf such ich noch mal. Jedenfalls hat er (?) mal fern von jeder bezifferten Ratio schon auch den Tip gegeben, in Texten auf das Verhältnis Handlung, indirekte Handlung, wörtliche Rede und Beschreibungen zu achten.

Danke schonmal für den Tipp! Wenn du es spontan noch finden könntest, wäre das cool, aber mach dir nicht zu viel unnötigen Aufwand. Mit einem Namen kann ich ja auch selbst suchen. :)

Zitat von: Naudiz am 02. Dezember 2011, 17:37:50
Zumal ich ein Buch mit derartig vielen Beschreibungen nicht mehr atmosphärisch, sondern einfach nur langatmig finden würde.

Ein Buch besteht ja nicht nur als Action- und Sexszenen. Meistens zumindest. Manchmal. ;)
Aber ich weiß, was du meinst. Mir kommt es auch beim Schreiben immer so vor, als müssten in Actionszenen möglichst, nun, viele Aktionen. Allerdings deckt sich die Methode oben mit dem Tipp, den z.B. Dwight V. Swain zum Kürzen gegeben hat, nämlich, Aktionen zu kürzen und Gefühle drinzulassen. Das würde ja auch auf ein 1:2 und höher Verhältnis hindeuten.
Titel: Re: Verhältnis von Action zu Beschreibung bei Sätzen
Beitrag von: Kati am 02. Dezember 2011, 17:42:28
Über sowas habe ich mir noch nie Gedanken gemacht. Ich mache das einfach aus dem Bauch heraus, wie ich es auch lesen würde.   :) Ich merke ja jetzt schon, wo ich bloß über Metaphern und solche Dinge nachgrüble, dass ich nicht mehr gern schreibe, sobald ich anfange, das ganze nach Formeln und Regeln zu betrachten. Also x:y-Verhältnisse aufzustellen, finde ich nicht hilfreich und eigentlich auch nicht sinnvoll. Wenn jeder Autor also nach diesen "Idealformeln" gehen würde, würden die Romane sehr vorhersehbar werden, denke ich.
Titel: Re: Verhältnis von Action zu Beschreibung bei Sätzen
Beitrag von: Runaway am 02. Dezember 2011, 17:50:48
Ja, der Thread bzw. das, was ich da im Kopf hab, war in der Editorengilde. Hier mal der Link (http://www.andreaseschbach.de/schreiben/page96/page96.html) zu Andreas Eschbach, wobei ich da besonders an die Punkte 8-10 gedacht hab in dem Kontext.
Und was ich noch im Kopf hatte, war auch aus der Editorengilde:

ZitatPhase 2: Verhältnismäßigkeit
Ist die Verhältnismäßigkeit zwischen Beschreibungen, direkter Handlung und indirekter Handlung pasend? Halte ich den Fluss der Ereignisse aufrecht oder verzettele ich mich in Nebensächlichkeiten, technischen oder sonstigen Detailbeschreibungen, die nur mich aber nicht den Leser interessieren? Habe ich mich was Details betrifft auf das eingeschränkt, was der Leser wissen sollte?
Beispiel: In der Regel kann ich darauf verzichten zu Beschreiben,dass es Bohnensuppe gab, Blumenkohl als Hauptgericht und Apfelstrudel als Nachspesie, es sei denn, mein Protagonist gerät durch die daraus resultierenden Blähungen in eine unangenehme oder gefährliche Situation. 
Titel: Re: Verhältnis von Action zu Beschreibung bei Sätzen
Beitrag von: Pestillenzia am 02. Dezember 2011, 17:50:59
Mir geht es ebenso. Ich kann es mir auch nicht vorstellen, nach einer Formel zu schreiben.
Das Verhältnis von Dialog, Action, Beschreibung etc. muss in sich zwar stimmig sein, aber das ist für mich Gefühlssache und sicher nichts, was man anhand mathematischer Formeln berechnen und planen kann.
Es kommt meiner Meinung nach ja nicht nur auf das Genre oder die jeweilige Szene an, sondern auch das ganze Setting, wie kam es zu der Handlung, wo führt sie hin etc..
Mal komme ich in einer Kampfszene mit - die Zahlen sind völlig willkürlich gewählt, ich habe noch nie nachgezählt - zwei Beschreibungssätzen im Verhältnis zu acht Actionsätzen aus, ein anderes Mal brauche ich fünf Beschreibungssätze, weil vor den Augen der Figur der beste Freund niedergemetzelt wird und seine Welt zusammenbricht etc.

Abgesehen davon, dass die Länge der Sätze auch noch berücksichtig werden muss, gibt es ja nicht nur reine Action- oder Beschreibungssätze, sondern auch Mischformen. Wie werden die dann gewertet?

Ich will niemandem etwas unterstellen, aber im ersten Moment dachte ich bei dieser "Formel" daran, dass sich da jemand etwas Pseudowissenschaftliches ausgedacht hat, um (angehende) Autoren zu beeindrucken und sich als besonders versiert darzustellen.

Ich werde jedenfalls auch in Zukunft garantiert nicht anfangen, meine Sätze in Kategorien aufzuteilen, sie zu zählen und in das "richtige" Verhältnis zu einander zu setzen.


Titel: Re: Verhältnis von Action zu Beschreibung bei Sätzen
Beitrag von: Runaway am 02. Dezember 2011, 17:53:59
Zitat von: Pestillenzia am 02. Dezember 2011, 17:50:59
Ich will niemandem etwas unterstellen, aber im ersten Moment dachte ich bei dieser "Formel" daran, dass sich da jemand etwas Pseudowissenschaftliches ausgedacht hat, um (angehende) Autoren zu beeindrucken und sich als besonders versiert darzustellen.

/sign!!  :rofl:

Manchmal sind so Schreibratgeber auch echt einfach nur Schrott...
Titel: Re: Verhältnis von Action zu Beschreibung bei Sätzen
Beitrag von: Malinche am 02. Dezember 2011, 18:02:59
Also, ich könnte mir am ehesten noch vorstellen, dass ich beim Überarbeiten eine Szene habe, die absolut nicht funktioniert, und dann vielleicht darauf komme, dass es ein entsprechendes Missverhältnis gibt.

Insgesamt schreibe ich aber auch eher nach Gefühl, und mehr als Zahlenverhältnisse habe ich einfach show don't tell im Kopf. Und das funktioniert in den meisten Fällen ganz gut.

Ich muss halt auch ehrlich sagen, dass es mir sehr schwer fällt, die genaue Trennung zwischen Beschreibung und Action zu sehen.

ZitatDie Beschreibungen können auch um den Satz herum aufgebaut oder ihm vorgestellt, oder auch nur Satzteile sein. Unter Beschreibung fällt danach alles, was keine Handlung ist: Gefühle, Gedanken, Dialog, klassische Beschreibung.

Wenn man ganz streng danach geht, müsste man doch Handlung / Action komplett auf die Verben runterbrechen und alles, was Vergleich, Adjektiv oder Adverb ist, würde schon in die Beschreibung münden. Oder wie soll ich das aufschlüsseln?  ??? Da würden mich Beispiele einfach mal interessieren.
Titel: Re: Verhältnis von Action zu Beschreibung bei Sätzen
Beitrag von: Erdbeere am 02. Dezember 2011, 18:04:17
Mit meinem inexistenten Talent für Formeln und Zahlen brauche ich nicht einmal nur daran zu denken, nach solch einem Schema zu schreiben. Das finde ich unglaublich schwierig zu bewerkstelligen. Vor allem müsste ich dann ja praktisch jeden Abschnitt genauestens unter die Lupe nehmen und mit dem Rest des Buches vergleichen, um die gewünschte Formel zu erhalten.
Ne, ist mir definitiv zu aufwendig und zu mühsam. Ausserdem sehe ich keinen wirklichen Sinn dahinter, jetzt ein Buch nach einer Formel zu schreiben. Genauso gut könnte ich einem Chemiker sagen, er soll seine Labortests anhand den Bewegungen einer Balletttänzerin machen. :rofl:
Für mich ist das demnach überhaupt nicht die richtige Schreibformel. Ich muss uneingeschränkt und von Normvorgaben frei schreiben können (die Normseite macht da eine Ausnahme), sonst funktioniert das bei mir nicht. Eine mathematische Formel hat für mich immer etwas zwanghaftes.
Titel: Re: Verhältnis von Action zu Beschreibung bei Sätzen
Beitrag von: Tanrien am 02. Dezember 2011, 18:07:47
Super! Danke, Dani, fürs Raussuchen!
Interessant wäre jetzt für mich noch, woher er das mit den Verhältnissen hat.  :hmmm:

Zitat von: Pestillenzia am 02. Dezember 2011, 17:50:59
Abgesehen davon, dass die Länge der Sätze auch noch berücksichtig werden muss, gibt es ja nicht nur reine Action- oder Beschreibungssätze, sondern auch Mischformen. Wie werden die dann gewertet?

In dem Tutorial wurde gesagt, dass man den Satz dann eben einfach zerlegt in die einzelnen Bestandteile und die zählt. "Satz" ist hier mehr die von mir gewählte Übersetzung. (Ist so ärgerlich, dass jetzt gerade heute der Link auch noch nicht geht. Ich hoffe, das wird schnell repariert.)

Zitat von: Malinche am 02. Dezember 2011, 18:02:59
Wenn man ganz streng danach geht, müsste man doch Handlung / Action komplett auf die Verben runterbrechen und alles, was Vergleich, Adjektiv oder Adverb ist, würde schon in die Beschreibung münden. Oder wie soll ich das aufschlüsseln?  ??? Da würden mich Beispiele einfach mal interessieren.

Ich kann dir den Link auch zuschicken - wenn du Stargate Atlantis Fanfiction-Sexszenen ertragen kannst -, nur momentan ist Livejournal leider down und das Tutorial deswegen nicht erreichbar. Aber deine Frage ist gut, das würde mich auch interessieren und genau deswegen wäre es genial, wenn das hier jemand kennt und sagen kann, woher es kommt und wie es genau begründet wird.
Titel: Re: Verhältnis von Action zu Beschreibung bei Sätzen
Beitrag von: Arcor am 02. Dezember 2011, 18:10:54
Nach einer fixen Formel würde ich auch nicht unbedingt gehen. Dann ist man nur noch mit Rechnen beschäftigt, da denke ich kommt nichts Gutes bei rum, wenn man bewusst anfängt zu zählen. 5 Beschreibungen, 1 Handlung. 5 Beschreibungen, 1 Handlung.

Aber ich kann aus meiner Erfahrung nur sprechen, dass man es bei Actionszenen relativ schnell merkt, wenn irgendwas am Verhältnis nicht stimmt. 5:1 fände ich zwar zu viel für Beschreibungen, da man ja wissen will, wie es weitergeht, aber Action- oder auch Sexszenen, die nur aus Handlung bestehen, funktionieren einfach nicht. Die sind plump und langweilig. Also würde ich schon sagen, dass es da wichtig ist, ein entsprechendes Verhältnis zu haben, wichtiger vermutlich, als bei Dialogen z.B. Aber sklavisch an 3:1 oder 5:1 würde ich mich nicht halten wollen.
Titel: Re: Verhältnis von Action zu Beschreibung bei Sätzen
Beitrag von: HauntingWitch am 02. Dezember 2011, 18:42:12
Für mich klingt das ein bisschen wie Malen nach Zahlen, nur halt eben beim Schreiben. Das soll jetzt kein Angriff auf irgendjemanden sein, wenn jemand das für sich als richtig und gut empfindet, soll er das machen. Ich für mich stimme den meisten anderen zu: Das wäre mir zu einschränkend. Da wäre ich völlig blockiert, wenn ich mir bei jedem Abschnitt solche Dinge überlegen müsste. Wenn ich schreibe, schreibe ich einfach. Nach Gefühl, das geht bei mir wie automatisch. Natürlich überlege ich dabei laufend, welche Formulierungen und Worte ich benutze, aber wenn ich daran denke, mich an ein Schema oder eine Formel halten zu müssen, bekomme ich Zustände. Das würde bei mir schlechter herauskommen, als wenn mir das schnurzegal ist. Was ich auch habe, wie Malinche, ist, dass mir beim drüber gehen über das Geschriebene ("überarbeiten" würde ich es jetzt nicht gleich nennen) auffällt, dass es irgendwie komisch klingt. Dann überlege ich mir schon, ob es so etwas wie ein "Formel-Fehler" geben könnte, aber ich kenne keine, nach denen ich da gehen müsste.

Reizt dich das denn, Tanrien? Wenn ich Freude daran hätte, würde ich es einfach mal ausprobieren mit einer Szene, einfach nur nach diesem Tutorial. Man kann ja dann immer noch löschen/umschreiben/basteln, was auch immer.  ;)
Titel: Re: Verhältnis von Action zu Beschreibung bei Sätzen
Beitrag von: Nirathina am 02. Dezember 2011, 19:08:11
Ach du heilige ... Schmeißfliege  :o

Nun, es ist gewiss die eine Sache, wenn man sich beim Beschreiben zurückhält. Es ist auch eine Sache, wenn man übertreibt. Aber eine Verhältnisformel aufzustellen, entzieht sich irgendwie jeglicher ... Begeisterung an der Materie.  :pfanne:

Zitat von: Naudiz am 02. Dezember 2011, 17:37:50
Dementsprechend würde sich eine solche Formel mit meiner Philosophie, ein Buch so zu schreiben, dass ich es selbst lesen wollen würde, ziemlich beißen. Vermutlich hätte es sogar einen negativen Einfluss auf meinen Stil und damit auf die gesamte Geschichte. Das würde ich nicht riskieren wollen.

Exakte mundo. Sich im eigenen Stil von irgendeiner Formel führen zu lassen, das würde mir persönlich echt gegen den Strich gehen. Man könnte es natürlich versuchen, aber ich glaube, dass niemand wirklich glücklich damit werden würde. Es ist der Stil, der den Autor auszeichnet; Tolkiens Stil erkennen wir an seinen humorösen Randbemerkungen und den dicht verwobenen Beschreibungen. Ich glaube, wenn dieser Mann sich an eine derartige Formel gehalten hätte, wäre der Herr der Ringe ... nicht der Herr der Ringe.

Was das Verhältnis von Actio/Reactio betrifft, stimme ich da ebenfalls einem meiner Vorredner zu:

Zitat von: Arcor am 02. Dezember 2011, 18:10:54
Aber ich kann aus meiner Erfahrung nur sprechen, dass man es bei Actionszenen relativ schnell merkt, wenn irgendwas am Verhältnis nicht stimmt.

Die Mischung aus Beschreibung, Handlung und Dialog ist bei jedem Autor anders, weil jeder es auf seine Art als gut empfindet. Ich zum Beispiel neige zu ausschweifenden Beschreibungen, kann mich aber gut zurückhalten, weil ich mich dabei selbst kontrolliere - und das nicht  mit einer Formel.
Außerdem muss man auch noch einmal einen Schnitt zwischen Action- und Sexszenen machen. Jene lebt von Knall, Bumm, Peng, Kreisch und Brülll, die andere lebt von etwas anderem - ihr wisst, was ich meine - und von den Gefühlen der betreffenden Personen. Wenn ich z. Bsp. eine epische Schlacht beschreiben will, sind die Gefühle des Charakters oftmals eher abgestumpft, was an der Natur der Sache liegt. Na ja, aber das führt jetzt wieder zu weit weg.

Ich werde mich jedenfalls davor hüten, mich an eine solche Faustformel zu halten. Das würde so manch einem Lehrer vermutlich passen, aber mir nicht .
Titel: Re: Verhältnis von Action zu Beschreibung bei Sätzen
Beitrag von: Tanrien am 02. Dezember 2011, 19:35:27
Zitat von: Nirathina am 02. Dezember 2011, 19:08:11
Aber eine Verhältnisformel aufzustellen, entzieht sich irgendwie jeglicher ... Begeisterung an der Materie.  :pfanne:
Als großer Mathe- und Wissenschaftsfan kann ich da nur sagen, dass es ja unterschiedliche Ausdrucksformen von Begeisterung gibt. Nicht nur ist Textanalyse ein eigener Strang, der überhaupt nichts mit dem Strang des Schreibens zu tun hat, wobei beide auf der Begeisterung für Wörter begründen können. Außerdem geht es ja auch darum, zu gucken, was wirkt und das anderen zu erklären, was man machen kann. Mit einem "Jaaa, irgendwie musst du da halt gucken, vielleicht, irgendwie hast du da manchmal zu wenig Beschreibung, oder so" kann ich persönlich weniger anfangen als mit einem "Bei Actionszenen ist ein 1:3 Verhältnis empfehlenswert, guck doch mal nach, ob der nicht-so-schöne Absatz das erreicht und füg vielleicht noch einen Satz hinzu". :)

Zitat von: HauntingWitch am 02. Dezember 2011, 18:42:12
Reizt dich das denn, Tanrien? Wenn ich Freude daran hätte, würde ich es einfach mal ausprobieren mit einer Szene, einfach nur nach diesem Tutorial. Man kann ja dann immer noch löschen/umschreiben/basteln, was auch immer.  ;)

Leider ist das Tutorial momentan nicht erreichbar, weil Livejournal rumzickt. Aber es lässt einfach ganz viele Fragen offen. Dass Dialoge als Beschreibung gezählt werden, beispielsweise, weiß ich auch nur, weil das als Randbemerkung in einem Kommentar fällt. (Es ist insgesamt mehr ein Essay als ein Tutorial...)
Aber, ja, mich reizt es auf jeden Fall. Als ehemalige Mathestudentin hab ich halt absolut keine Angst vor Formeln und dergleichen und finde das auch sehr viel angenehmer als die Anweisung "Schreib nach Gefühl, und wenn Fehler drin sind und es doof klingt, nun, vielleicht findest du heraus, wie du es besser machen kannst nach dem vierzigsten Umstellen; vielleicht auch nicht. Dann hast du Pech gehabt." ;) Arcor beschreibt das ja ganz passend:

Zitat von: Arcor am 02. Dezember 2011, 18:10:54
Aber ich kann aus meiner Erfahrung nur sprechen, dass man es bei Actionszenen relativ schnell merkt, wenn irgendwas am Verhältnis nicht stimmt. 5:1 fände ich zwar zu viel für Beschreibungen, da man ja wissen will, wie es weitergeht, aber Action- oder auch Sexszenen, die nur aus Handlung bestehen, funktionieren einfach nicht. Die sind plump und langweilig.
Da merkt man, dass der Wurm drin ist, kann es aber nicht verbessern, weil man nicht weiß, wie genau. Oder man muss ewig rumprobieren. Oder die Szene klingt total mittelmäßig und man weiß nicht, wie man sie besser machen kann.

Am liebsten hätte ich so Formeln für alle Arten von Szenen...

edit:
Kaum schicke ich das hier ab, schon kann man wieder auf das Tutorial zugreifen. (Leider weiß ich immer noch nicht, ob ich es verlinken darf.)

edit2:
Hab das Okay bekommen.  :vibes:

Hier ist das Essay/Tutorial (http://cupidsbow.livejournal.com/194295.html). (Warnung: explizite Sexszenen!) Für diesen Thread ist der erste Teil interessant, wobei der zweite sicher auch irgendwann eine nette Diskussion abgeben könnte. ;) Ich hab den Link auch im Eingangspost hinzugefügt.
Titel: Re: Verhältnis von Action zu Beschreibung bei Sätzen
Beitrag von: Zit am 07. Dezember 2011, 14:46:37
Hmm ... Ich denke, die Version funktioniert wirklich gut nur bei (expliziten) Sex-Szenen. (Davon abgesehen, dass solche Sexszenen das auch brauchen, um eben nicht Porno zu sein.)

Wenn ich mir jetzt einen Söldner vorstelle, der eiskalt vor sich hinmetzelt, wäre mir das zu viel Gelaber zwischendurch. Vorallem, weil es für den Söldner nichts besonderes ist, jemanden zu töten, sogar jmd., zu dem er keinerlei Beziehung hat. Der denkt über soetwas nicht nach, sondern tut es einfach nur. Aber da würde ich das Geschnetzel auch nicht ins letzte Detail beschreiben wollen; wie gesagt, ist nichts besonderes für den Charakter, also zack und fertsch. Genauso bei Assasinen oder Huren oder weiß Geier; bei allen Charakteren, deren Handlungen keine Emotionen in ihnen hervor rufen, wären solche beschreibenden Satzteile dazu unpassend.

Ob man nun mit dem Verhältnis auskommt, liegt wohl auch daran, wie schnell die Szene sein soll. Beschreibuungen verlangsamen auch und wenn ich mir ein Verhältnis von 1:5 vorstelle -- anhand des Stils von cupidsbow gemessen -- kann das ja nur auf hocherotischen, verträumten, langsamen Sex am Kaminfeuer hinaus laufen.

Kann man ausprobieren, sollte man aber mit Vorsicht genießen. Wie immer, funktioniert das vll. beim Autor, aber nicht zwangsläufig beim Rest der Welt.
Titel: Re: Verhältnis von Action zu Beschreibung bei Sätzen
Beitrag von: Tanrien am 07. Dezember 2011, 17:40:22
Zitat von: Zitkalasa am 07. Dezember 2011, 14:46:37
Hmm ... Ich denke, die Version funktioniert wirklich gut nur bei (expliziten) Sex-Szenen.

Was ich mich dann frage, ist, woher diese Formel denn nun kommt, wenn sie eigentlich für Action-Szenen gedacht ist. Die sollen ja gerade nicht langsam sein, sondern zum Mitfühlen, um spannend zu sein. (Mir fällt gerade gar nichts ein: Weder eine gute Action-Szene mit reinem Handlungsablauf, in der trotzdem Spannung aufgebaut wird, noch eine nach dem 1:2+-Schema; was aber mehr daran liegt, dass ich keine Zeit habe und sehr müde bin. ;) ) Selbst bei dem emotionslosen Söldner spritzt ja (meistens) das Blut auf dramatische Weise und die Köpfe fliegen kunstvoll durch die Luft - also vielleicht nicht unbedingt Beschreibung der Gefühle, aber eben Beschreibung als Nicht-Reine-Handlung.

edit: Das englische "context" macht das alles irgendwie klarer, als ich in meiner Beschreibung im ersten Post...
Titel: Re: Verhältnis von Action zu Beschreibung bei Sätzen
Beitrag von: Sprotte am 07. Dezember 2011, 17:42:16
Dazu gehört beim Söldner aber auch dessen Anstrengung, Schwitzen, Atmung, vielleicht Schmerzen von der Überanstrengung. Oder?
Titel: Re: Verhältnis von Action zu Beschreibung bei Sätzen
Beitrag von: Zit am 07. Dezember 2011, 18:50:59
Hm, vll. war der Söldner nicht das passende Beispiel, weil es bei ihm gerade umgedreht ist. Je mehr es spritzt, umso mehr nähert man sich dem Splatter und dann ist die Grenze zur sinnlosen Gewalt nicht mehr weit -- was ja eben nicht erwünscht ist. (Zumindest bei mir.)
Aus dem ersten Beispiel geht hervor, dass sie großteils Gefühle, Sehnsüchte, Begierden des aktiveren Parts einwebt und eben sich nicht an Beschreibungen der schwitzenden Körper und Genitalien ergötzt. Habe ich mich wohl irre leiten lassen; eben auch, zugegeben, dass ich mir schon das zweite Bsp. nicht mehr antun konnte. Warum, sei dahingestellt.

Woher sie die Formel hat, weiß ich nicht. Warum fragst du sie nicht einfach, Tanrien? Ich habe ja schon den ein oder andere Ratgeber gelesen, aber davon hatte ich bisher nicht gehört. Nur eben das Typ., dass eine Szene mehr als reine Handlung (von A nach B) braucht, sondern auch Emotionen, Sinneswahrnehmungen, Reflexionen der Charaktere -- wenn man im personalen Erzähler schreibt und die Szene es hergibt. Nicht alles muss in jeder Szene vorkommen, aber schön über den Roman verteilt, immer mal wieder, auch dramturgisch vll. benutzt, sicherlich.

Ich glaube, die Verhältnis-Vorgehensweise ist nur eine Art Show Don't Tell in eine Anwendungsformel zu bringen. Ob soetwas einen ganzen Roman über bei jeder Art von Szene funktioniert und bei jedem Genre, sei dahingestellt. Ich schätze ja beinahe, dass so ein Zahlenmuster selbst dem unbedrafsten Leser irgendwann auffällt und wenn er nur das unbestimmte Gefühl hat, dass die Szenen immer ähnlich ablaufen.
Titel: Re: Verhältnis von Action zu Beschreibung bei Sätzen
Beitrag von: Suggarfly am 21. Dezember 2011, 20:00:59
Nun, haltet mich für unterbelichtet, aber was genau bedeutet diese Formel Aktion vs. Beschreibung 1:5????

So etwas hab ich ja auch noch nie gehört. Könnte mir da mal jemand einen Beispielsatz nenne, das wäre echt super. Auch wenn alleine schon beim Lesen solcher Formen (ich hasse Formeln seit meiner Mathematik-Schulzeit) einem die Lust auf das Schreiben vergeht, würde ich dennoch gerne wissen, worum es dich dabei handelt. Wäre nett, wenn mir das einmal jemand kurz erläutern könnte.

Danke!
Titel: Re: Verhältnis von Action zu Beschreibung bei Sätzen
Beitrag von: Tanrien am 21. Dezember 2011, 23:59:00
@Zitkalasa: Der Post selber ist schon so alt... aber wenn ich wirklich gar nichts mehr finde, wird mir wohl nichts anderes übrig bleiben, als nachzufragen und auf eine Antwort zu hoffen.

Zitat von: Suggarfly am 21. Dezember 2011, 20:00:59
Nun, haltet mich für unterbelichtet, aber was genau bedeutet diese Formel Aktion vs. Beschreibung 1:5????

Dass auf einen Aktionssatz (eine Handlung) fünf Beschreibungssätze kommen. Ich habe mittlerweile das Tutorial verlinket, hier (http://cupidsbow.livejournal.com/194295.html), da sind auch relativ viele Beispiele. :)
Titel: Re: Verhältnis von Action zu Beschreibung bei Sätzen
Beitrag von: Rika am 22. Dezember 2011, 20:01:29
Was an diesem Essay meiner Meinung nach gut gezeigt wird ist, wie wichtig Kontext für das mitERLEBEN und mitFÜHLEN des Lesers ist. "Beschreibung" läßt das schwafeliger klingen als es gemeint ist.
"Er küsste sie." läßt mich so zusammenhanglos völlig kalt. Wird diese Aktion mit Kontext/Beschreibung gemischt, dann kann es mich berühren, mitreißen.

Ich brauche dafür keine Formel - wenn die Formel allerdings jemandem hilft, ob nun als Richtlinie im Hinterkopf beim Schreiben oder als Werkzeug bei der Analyse eine Szene die "nicht funktioniert"... fein. :)
Titel: Re: Verhältnis von Action zu Beschreibung bei Sätzen
Beitrag von: Alana am 22. Dezember 2011, 21:18:10
Ich finde solche Anleitungen für Anfänger wie mich ehrlich gesagt schon sehr hilfreich. Natürlich setze ich mich jetzt nicht hin, und rechne das Verhätlnis in meinen Texten aus. Und natürlich muss ich erst für mich entscheiden, ob das, was da beschrieben ist, mich überzeugt. Aber wenn ja, dann finde ich das schon ganz gut, denn ich habe überhaupt keine Ahnung, wie man Texte auseinandernehmen und nach welchen Kriterien man sie beurteilen und überarbeiten kann. Solche Tutorials helfen mir, einen Blick für soetwas zu entwicklen und ich würde mir ein ganzes Buch voll mit solchen Anleitungen wünschen. (Falls jemand einen Tipp hat, her damit ;))
Wobei ich wie gesagt kritisch herangehen und nicht zu allem ja und amen sagen würde. Ich finde zum Beispiel eines der Negativ-Beispiele aus dem Artikel viel besser, als das Positiv-Beispiel ;D

Ich habe es allerdings nicht so verstanden, dass der Ratio höher sein muss, je actionhaltiger die Szene. Sondern dass man mit dem Ratio herumspielen kann, um verschiedene Effekte zu erzielen. Die Szene mit dem 1:5 Ratio ist ja eine sehr langsame, bedächtige Szene, die durch die viele Beschreibung an Atmosphäre und Bedeutung gewinnt. Wohingegen die Szenen mit dem 1:2 Ratio eher schnell sind.
Titel: Re: Verhältnis von Action zu Beschreibung bei Sätzen
Beitrag von: Tanrien am 23. Dezember 2011, 13:00:38
Zitat von: Alana am 22. Dezember 2011, 21:18:10
Ich habe es allerdings nicht so verstanden, dass der Ratio höher sein muss, je actionhaltiger die Szene. Sondern dass man mit dem Ratio herumspielen kann, um verschiedene Effekte zu erzielen. Die Szene mit dem 1:5 Ratio ist ja eine sehr langsame, bedächtige Szene, die durch die viele Beschreibung an Atmosphäre und Bedeutung gewinnt. Wohingegen die Szenen mit dem 1:2 Ratio eher schnell sind.

Hab es mir jetzt nochmal angeguckt, und eigentlich sagt sie ja, dass bei Actionszenen die Ratio 1:2 sein, äh, sollte. Sobald die Aktion dann mehr Bedeutung (ja, Atmosphäre) bekommt, könnte man das hochschrauben auf 1:3, 1:4, 1:5... Ich seh den Kontext da so ein bisschen als Ummantelung, als Möglichkeit, die einzelne Aktion zur Schau zu stellen. Bei fünf nicht-aktionshaltigen Sätzen um den einen aktionshaltigen herum, wird man als Leser sicher viel eher auf den gestoßen.
Sie zielt ja auf die physische Reaktion beim Leser ab, die bei Action- und Sexszenen das Ziel sein sollte/kann.
Titel: Re: Verhältnis von Action zu Beschreibung bei Sätzen
Beitrag von: Alana am 23. Dezember 2011, 20:52:54
Ja, so würde ich das auch sehen. Allerdings wird die Szene dann schon entschleunigt, wenn man 1:5 nimmt, finde ich. Oder?
Titel: Re: Verhältnis von Action zu Beschreibung bei Sätzen
Beitrag von: Churke am 24. Dezember 2011, 14:49:50
Seit Beginn des Threads denke ich darüber nach, was mir an der Nummer nicht passt.
Es klingt ja ganz vernünftig, liest sich nicht schlecht und mag in der Regel auch funktionieren.

Aber speziell für Kampf- und Fechtszenen ist es eine Anleitung dazu, Dinge auseinander zu ziehen, die zusammen gehören. Ich fechte einach nicht so, dass ich irgendwas tue und mir dann 2 Sätze lang Gedanken darüber mache oder die Wirkung meiner Handlung beobachte. Natürlich kann man das so schreiben, aber es fühlt sich nicht so an. Ich empfinde Handlung und Emotion als Einheit. Basisgefühle wie Angst oder Zorn sollte man sowieso vorher abgelegt haben, weil sie einen am Gewinnen hindern. Darüber hinaus steht ein Fechter technisch gesehen unter Drogen (Adrenalin, ggf. Endorphine), das darf man auch nicht vergessen.
Titel: Re: Verhältnis von Action zu Beschreibung bei Sätzen
Beitrag von: Rika am 24. Dezember 2011, 23:20:28
Zitat von: Churke am 24. Dezember 2011, 14:49:50
Aber speziell für Kampf- und Fechtszenen ist es eine Anleitung dazu, Dinge auseinander zu ziehen, die zusammen gehören. Ich fechte einach nicht so, dass ich irgendwas tue und mir dann 2 Sätze lang Gedanken darüber mache oder die Wirkung meiner Handlung beobachte. Natürlich kann man das so schreiben, aber es fühlt sich nicht so an. Ich empfinde Handlung und Emotion als Einheit. Basisgefühle wie Angst oder Zorn sollte man sowieso vorher abgelegt haben, weil sie einen am Gewinnen hindern. Darüber hinaus steht ein Fechter technisch gesehen unter Drogen (Adrenalin, ggf. Endorphine), das darf man auch nicht vergessen.
Klar, aber es ließt sich doch sch... und vermittelt auch die Szene nicht wirklich, etwa sowas zu schreiben:
A stieß mit dem Schwert nach Bs Schulter, doch B wich aus und konterte mit einem Hieb nach As Beinen. A sprang über die Klinge hinweg und nutzte den Schwung des Sprunges um B mit dem Ellbogen aus dem Gleichgewicht zu schubsen.
B fing sich ab und konterte As Hieb nach seinem Hals.
A gelang es, seinen Spitzdolch unter Bs Arm, wo dessen Rüstung ihn nicht schützte, zu stechen....

So bleibt das doch völlig kalt, emotionslos und... langweilig. Und auch wenn die Kampfszene besser entworfen ist als ich das jetzt in 90 Sekunden beim Abfassen eines schlechten Beispiels hinbekomme, ändert sich daran nichts. Erst wenn die Szene durch Kontext erfahrbar, erfühlbar, miterlebbar wird... und dazu gehören numal Gefühle, Sinneswarnehmungen, Gedanken, Hoffnungen, Ängste der Beteiligten Charas. Wieviel wovon... na, das hängt auch immer davon ab, was es für Charas sind.
Das heißt für mich auch nicht, daß der Kontext die Dinge auseinander ziehen muß oder sollte, daß es separate Sätze werden sollten - letzteres sogar oft eher weniger. Aber ganz ohne bleibt es einfach flach.
Titel: Re: Verhältnis von Action zu Beschreibung bei Sätzen
Beitrag von: Churke am 25. Dezember 2011, 10:27:26
Zitat von: Rika am 24. Dezember 2011, 23:20:28
So bleibt das doch völlig kalt, emotionslos und... langweilig.

Du hast schon recht, dein Beispiel ist hundsmiserabel und einem 1:2-Schema zweifellos unterlegen.  ;D

Das Problem ist allerdings ein anderes: Ein Fechter nimmt einen Kampf nicht so war, wie du ihn in guter R.-A.-Salvotore-Tradition beschreibst. Als Einzelaktionen nehme ich in der Regel nur die Eröffnung bewusst wahr und einen Treffer. Dafür lese ich den Gegner und versuche seine Stärken und Schwächen zu erkennen. Ich denke, dass sich das mit etwas Übung auch von Autoren ohne Fechtstunde nachbauen lässt. Aber man verliert diese Dinge aus dem Blick, wenn man stur das Schema abarbeitet.
Titel: Re: Verhältnis von Action zu Beschreibung bei Sätzen
Beitrag von: Rika am 25. Dezember 2011, 11:04:07
Zitat von: Churke am 25. Dezember 2011, 10:27:26
Du hast schon recht, dein Beispiel ist hundsmiserabel und einem 1:2-Schema zweifellos unterlegen.  ;D
Prima, dann ist mir das ja gelungen.  ;D

Zitat von: Churke am 25. Dezember 2011, 10:27:26
Das Problem ist allerdings ein anderes: Ein Fechter nimmt einen Kampf nicht so war, wie du ihn in guter R.-A.-Salvotore-Tradition beschreibst. Als Einzelaktionen nehme ich in der Regel nur die Eröffnung bewusst wahr und einen Treffer. Dafür lese ich den Gegner und versuche seine Stärken und Schwächen zu erkennen. Ich denke, dass sich das mit etwas Übung auch von Autoren ohne Fechtstunde nachbauen lässt. Aber man verliert diese Dinge aus dem Blick, wenn man stur das Schema abarbeitet.
Ok, jetzt bin ich neugierig auf deine Warnehmung in einem Kampf - und wie du das schriftlich darstellen würdest. :)

Ich finde, auch wenn mensch mein Beispiel auf Eröffnung und nur Treffer reduziert, gibt es den gleichen Effekt. Das "Lesen und versuchen Stärken und Schwächen zu erkennen" würde ich nämlich schon unter Kontext einstufen. (Eher Warnehmung als Handlung.)
Titel: Re: Verhältnis von Action zu Beschreibung bei Sätzen
Beitrag von: Alana am 25. Dezember 2011, 12:32:22
Es geht ja auch nicht darum, die Gedanken des Fechters darzustellen, sondern etwas zu beschreiben, das dem Leser hilft, die Szene mitzuerleben.
Schweißausbrüche, einknickende Knie, einen Stolperer, um die Szene anschaulich zu machen. Das muss den Fluss der Handlung nicht unterbrechen. Natürlich stellt das nicht genau dar, was du während des Kampfes empfindest. Aber man schreibt ja auch Dialoge nicht genauso, wie man spricht. Sonst wären die ganz schön zerstückelt und nicht gut lesbar.
Abgesehen davon würde mich eine Fechtszene von dir auch interessieren. Wenn dein Hauptanliegen ist, zu beschreiben, was in dem Fechtenden vorgeht, oder wie er das erlebt, dann kann man es sicher auch ganz anders machen und trotzdem gut rüberbringen.
Titel: Re: Verhältnis von Action zu Beschreibung bei Sätzen
Beitrag von: Tanrien am 25. Dezember 2011, 17:18:27
Zitat von: Alana am 23. Dezember 2011, 20:52:54
Ja, so würde ich das auch sehen. Allerdings wird die Szene dann schon entschleunigt, wenn man 1:5 nimmt, finde ich. Oder?

Ich glaube nicht, dass die Schnelligkeit eines Szene davon abhängt, welches Verhältnis man nimmt - eher davon, welche Art von Beschreibung und Kontext man wählt. Man kann ja "schnell beschreiben", knallige Wörter vielleicht oder viele kurze Stakkato-Sätze, oder eben "langsam beschreiben", mit langen, langsamen Wörtern, die tatsächlich beim Lesen langsamer machen, etc.

Es geht beim Wechsel vom 1:2 auf 1:5 eher darum, würde ich sagen, wie weit man reinzoomt. Man kann ja jede Handlung auf verschiedenen Detail/Wichtigkeits-Ebenen erzählen. So kann ich beschreiben, wie jemand die Tür aufreißt und zack, ist sie drinnen. (eine Aktion, wenig Beschreibung, Ziel: Tür auf, 1:2) Ich kann aber auch beschreiben, wie jemand die Tür aufreißt und ganz großzügig ausführen, wie das Herz stehen bleibt, der Schock durch die Wirbelsäule trümmert. (eine Aktion, viel Beschreibung, Ziel: Tür auf, 1:5)

Dann kann ich beschreiben, wie jemand die Türklinge berührt, ganz schnell einen Fuß vor den anderen setzt, vorwärts springt und drinnen ist. (viele Aktionen, wenig Beschreibung, Ziel: Tür auf, mehrmals 1:2) Oder eben wie jemand die ganzen kleinteiligen Aktionen durchführt und jede dieser Aktionen untermale ich mit Beschreibung, wie sich die Türklinke anfühlt oder eben wie der Herzschlag donnert. (viele Aktionen, viel Beschreibung, Ziel: Tür auf, mehrmals 1:5)

Aber ich würde sagen, jedes dieser Beispiele kann in einer Actionszene schnell oder langsam sein, einfach, indem die Art der Beschreibung verändert wird. ("context" - da gehört ja alles zu, auch Dialoge, etc.)
Titel: Re: Verhältnis von Action zu Beschreibung bei Sätzen
Beitrag von: Churke am 25. Dezember 2011, 17:25:43
Zitat von: Alana am 25. Dezember 2011, 12:32:22
Es geht ja auch nicht darum, die Gedanken des Fechters darzustellen, sondern etwas zu beschreiben, das dem Leser hilft, die Szene mitzuerleben.

Genau das ist das Problem. Wenn ich die Perspektive eines Fechter einnehme, dann läuft es so ähnlich, wie ich es beschrieben habe.
Einem neutralen Beobachter stellt sich die Sache wieder anders da. Effektiv "sieht" der aber wohl nur 20 % von dem Kampf, der Rest ist zu schnell.

Zufällig habe ich gerade vorhin so eine richtig gute Stelle bei Catherine Asaro gelesen. Die Protagonistin wird von einem Pärchen angemacht, das sie im Auto mitnehmen will. So à la die Kinderschänder lassen grüßen.
Und dann fliegen die Fäuste. Anstelle einer Kampfbeschreibung liefert Asaro eine Beschreibung der Physis und der extremen Reflexe der Gegnerin. Die Protagonistin hat den Eindruck, des mit zweien zu tun zu haben, so gut ist die Alte.  Als es vorbei ist, liegt der Kollege tatsächlich auf dem Boden. Es waren zwei.
Titel: Re: Verhältnis von Action zu Beschreibung bei Sätzen
Beitrag von: Alana am 25. Dezember 2011, 20:11:44
ZitatEs waren zwei.

Das klingt auf jeden Fall interessant, das würde ich gern mal lesen.

Ich mag Action-Szenen meist nicht so sehr, deswegen würden mir die 20% völlig reichen. ;D
Ich glaube, man kann hier gar nicht nach richtig oder falsch aufspalten, sondern erzielt dann einfach eine unterschiedliche Wirkung.
Titel: Re: Verhältnis von Action zu Beschreibung bei Sätzen
Beitrag von: Nandriel am 07. April 2014, 00:57:47
Hach, Tanrien, danke für den Link - ich finde den toll. Zwar bin ich was Mathe anbelangt ne ziemliche Niete, aber ich mag Formeln. Weil sie Dinge vereinfachen, runterbrechen.
Ich bin leider auch nicht mehr so wirklich fit, was das Englische angeht, habe aber mit Hilfe von leo.org weitestgehend verstanden, was cupidsbow da geschrieben hat, denke ich. Und ich finde das wirklich hochinteressant.
Nicht weil ich mir einer wie auch immer lautenden Formel beim Schreiben bewusst wäre, sondern weil ich tatsächlich nach solchen suche - im fertig geschriebenen Text. Das ist mein Job; vor jeder Interpretation steht eine saubere Analyse.

Kann ich also eine funktionierende Szene auf eine solche Formel heruterbrechen? Das müsste ich wohl mal selbst nachprüfen; die Beispiele von cupidsbow sind jedenfalls mal hilfreich.

Zitat von: HauntingWitch am 02. Dezember 2011, 18:42:12
[...] Das wäre mir zu einschränkend. Da wäre ich völlig blockiert, wenn ich mir bei jedem Abschnitt solche Dinge überlegen müsste. Wenn ich schreibe, schreibe ich einfach. Nach Gefühl, das geht bei mir wie automatisch. [...]

Es geht dabei vermutlich auch nicht darum, bewusst beim Schreiben auf derartige "Regeln" zu achten, sondern diese zu verinnerlichen und sie als Werkzeug zu betrachten, um ganz bestimmte Reaktionen damit beim Leser hervorzurufen.Somit ist die Wahl von 1:2, 1:3, 1:4, 1:5 also nichts anderes als ein Mittel zum Zweck wie viele andere Kniffe beim Schreiben auch.

Zitat von: Nirathina am 02. Dezember 2011, 19:08:11
Aber eine Verhältnisformel aufzustellen, entzieht sich irgendwie jeglicher ... Begeisterung an der Materie.  :pfanne:

Es ist wohl nicht schwer zu erraten, dass ich das ganz anders sehe, oder? ;)
Wenn ein Text / eine Szene mich begeistert, mich völlig vom Hocker reißt, dann wird die Detektivin in mir gereizt, dann will ich wissen, warum das so ist. Wie schafft der Autor das? Und falls sich dann tatsächlich herausstellen sollte, dass das auf eine solche Formel (bzw. die Kombination von so einfachen Kniffen) zurückzuführen ist, dann begeistert mich das total - das ist die wahre Kunst der Worte! Und ich kann, ganz eventuell, einen Blick hinter den Vorhang werfen und eine Ahnung davon bekommen, wie dieser Wortakrobat, dieser Magier von einem Autor, das in mir auslösen konnte - wow, wie genial ist das denn! (gut, ich gebs zu, jetzt heb ich minimal ab...)
Ich gestehe allerdings: Meistens dürften diese Autoren das ganz unbewusst "richtig" machen. Es gibt (gab?) aber auch jene, die das sehr bewusst tun:

Ich führe mal wieder mein Lieblingsbeispiel C.F.Meyer an - der Typ hat seinen "Heiligen" vier Jahre lang überarbeitet, und jeder Satz ist gaaanz bewusst genau so verfasst, wie er verfasst ist. Er manipuliert den Leser, und der kriegt nix davon mit. Und selbst beim sechsten Mal Lesen (!) habe ich noch neue Zusammenhänge oder Hinweise in der Geschichte entdeckt. Alles ist hier konstruiert, und ich würde mich nicht wundern, wenn er tatsächlich solchen Formeln gefolgt wäre (wovon ich allerdings nichts weiß).

Oder wie Tanrien es ausgedrückt hat:
Zitat von: Tanrien am 02. Dezember 2011, 19:35:27
Als großer Mathe- und Wissenschaftsfan kann ich da nur sagen, dass es ja unterschiedliche Ausdrucksformen von Begeisterung gibt. Nicht nur ist Textanalyse ein eigener Strang, der überhaupt nichts mit dem Strang des Schreibens zu tun hat, wobei beide auf der Begeisterung für Wörter begründen können. Außerdem geht es ja auch darum, zu gucken, was wirkt und das anderen zu erklären, was man machen kann. [...]

Eben. Ich will es verstehen. Und um das zu können, muss ich es beschreiben können. Halleluja, wenn eine solche Formel doch tatsächlich nachgewiesen werden könnte - und schade, dass da keine Quellen dabei stehen.

Zitat von: Nirathina
Ich werde mich jedenfalls davor hüten, mich an eine solche Faustformel zu halten. Das würde so manch einem Lehrer vermutlich passen, aber mir nicht .

:rofl: Wie passend ;D Disqualifiziert das nun eher die Formel oder mich?

Zitat von: Alana am 22. Dezember 2011, 21:18:10
Ich finde solche Anleitungen für Anfänger wie mich ehrlich gesagt schon sehr hilfreich. Natürlich setze ich mich jetzt nicht hin, und rechne das Verhätlnis in meinen Texten aus. Und natürlich muss ich erst für mich entscheiden, ob das, was da beschrieben ist, mich überzeugt. Aber wenn ja, dann finde ich das schon ganz gut, denn ich habe überhaupt keine Ahnung, wie man Texte auseinandernehmen und nach welchen Kriterien man sie beurteilen und überarbeiten kann. [...]

Ich habe zwar ein wenig Ahnung davon, wie ich "Texte auseinandernehmen und nach welchen Kriterien [ich] sie beurteilen und überarbeiten kann", aber leider ist das eben etwas ganz anderes als selbst nach solchen Kriterien zu schreiben - und das kann ich leider (noch) nicht.
Um hier aber mal einem Schreibratgeber zu folgen: Gnadenlos abgucken bei denen, die es gut machen, ist das Beste, was man machen kann. Sofern man rauskriegt, wie sie es anstellen. Eine Formel wie die vorliegende wäre also eine Hilfe bei der Analyse und bei der Überarbeitung (immer vorausgesetzt natürlich, wir nehmen sie mal als funktionierend / korrekt an!).

Und irgendwann einmal werde ich dann hoffentlich in der Lage sein, rein aus dem Bauch heraus eine solche Formel anzuwenden, ohne mir darüber nen Kopf zu machen. Wie beim Autofahren - da überlege ich ja auch schon lange nicht mehr, wann ich welchen Gang einlegen sollte, sondern tue es einfach, und es passt.

So, und nu muss ich ins Bettchen. Und über diese Formel nachdenken. Ich finde die nämlich toll :)

Titel: Re: Verhältnis von Action zu Beschreibung bei Sätzen
Beitrag von: Christopher am 07. April 2014, 07:03:42
Bedanke mich auch noch mal für den Link. Sehr anschaulich und interessant. Nu weiss ich schon, was ich heute Abend mit ein paar meiner Szenen machen werde ;D
Titel: Re: Verhältnis von Action zu Beschreibung bei Sätzen
Beitrag von: Tinnue am 10. April 2014, 19:14:58
Hapuu, also generell kann ich mich da nur Malinche, Naudiz usw. anschließen. Wenn ich wirklich permanent versuchen wollte, beim Schreiben auf ein irgendwie geartetes Großenverhältnis zu achten, da würd so gut wie gar nix mehr gehen. Das kann man aber sicher auch lernen. Oder manche können das einfach. Ich nicht. Ich muss mich so schon beherrschen, weil der Germanist in mir ständig den Grammatik-Stock hebt und mir auf die Finger hauen will. Dabei noch frei zu schreiben, naja ...

Allerdings ist das Ganze ziemlich intressant und ich bedanke mich für den Link. In manchen Schreibratgebern lesen sich ja auch so Sachen wie: In Actionszenen fallen die Sätze kürzer aus. Oder generell: Sprache und Satzbau passen sich der Szenerie an. Wenn mein Held wegrennt, Angst hat, auf der Flucht ist, dann dürfen das ruhig knappe, kurze Sätze sein mit einem Rhythmus, der zur Stimmung passt. Das erzeugt m.M.n. beim Lesen dieses Gefühl, das auch der Prota empfindet. Ich denke, mit diesem Größenverhältnis von Beschreibungen usw. läuft das auch irgendwie auf diese Schiene raus, oder?

Ich hab mich da leider eine Zeitlang zu sehr auf Regeln eingeschossen, sodass ich erst wieder lernen musste, freier zu schreiben. Daher fahre ich (oder versuche ich zu fahren) nach Malinches "Nach Gefühl". Das mag hier und da vielleicht noch nicht ganz klappen und ist erlernbar, je mehr man über sein Handwerk weiß. Allerdings denke ich, dass man seinem Gefühl recht gut vertrauen kann. Und wenn dann doch etwas hakt, weil die Länge von Beschreibungen u.a. nicht zur Szene passen, dann merkt man das beim Lesen/Überarbeiten. Ich stocke da recht schnell und merke: Da ist irgendwas noch nicht ganz stimmig.
Titel: Re: Verhältnis von Action zu Beschreibung bei Sätzen
Beitrag von: Exilfranke am 23. April 2014, 23:20:27
Passt wohl am ehesten hier hinein. Also, nicht ganz, aber ich habe keinen passenderen Thread gefunden und wollte wegen einem Satz kein neues Topic eröffnen. Es geht um die folgende Handlung:

"Zähne, Speichel und Blut flogen durch den Raum, dann fiel der Krummdolch zu Boden. Der Rotbart hielt sich noch einen kurzen Moment auf den Beinen, dann tat er es seiner Waffe gleich und folgte."

Für mich ist das klar ersichtlich, aber kann man das so schreiben? Würde "tat es seiner Waffe gleich" reichen? Oder ist die ganze Formulierung unorthodox?
Titel: Re: Verhältnis von Action zu Beschreibung bei Sätzen
Beitrag von: Fianna am 23. April 2014, 23:52:39
Ob es gefällt, ist immer Geschmackssache, aber es ist eindeutig verständlich und ohne Schwierigkeiten lesbar.
Titel: Re: Verhältnis von Action zu Beschreibung bei Sätzen
Beitrag von: Debbie am 24. April 2014, 01:13:05
Zitat von: Exilfranke am 23. April 2014, 23:20:27
"Zähne, Speichel und Blut flogen durch den Raum, dann fiel der Krummdolch zu Boden. Der Rotbart hielt sich noch einen kurzen Moment auf den Beinen, dann tat er es seiner Waffe gleich und folgte."

Für mich ist das klar ersichtlich, aber kann man das so schreiben? Würde "tat es seiner Waffe gleich" reichen? Oder ist die ganze Formulierung unorthodox?

Für mich fühlt sich der Satz unvollständig an und "rhytmisch" unrund. Ich vermute, dir geht es um die Vermeidung einer Widerholung von "Boden", deshalb würde ich es vielleicht so gestalten:

Zitat"Zähne, Speichel und Blut flogen durch den Raum, dann fiel der Krummdolch auf die blutverschmierten Dielen/den Dielenboden/den Teppichboden/ in den Staub, etc. Der Rotbart hielt sich noch einen Moment auf den Beinen, dann tat er es seiner Waffe gleich/folgte er seiner Waffe und ging zu Boden.
Titel: Re: Verhältnis von Action zu Beschreibung bei Sätzen
Beitrag von: Klecks am 24. April 2014, 06:26:39
Ich habe erst beim dritten Mal lesen verstanden, was in diesem Satz wirklich passiert. Dass er es seiner Waffe gleichtut, ist für mich, eine Schnellleserin, schon wieder zu lange her, um es miteinander in Verbindung zu bringen.

Allerdings bin ich absolut kein Fan von "gleichtun", wenn die Figur nicht gerade einem anderen Menschen etwas gleichtut. Wenn man einem Gegenstand etwas "gleichtut", klingt das für mich holprig und abgekürzt, als Notlösung dafür, dass man ein Wort nicht nochmal erwähnen will. Wie Debbie fände ich es besser, wenn du ein Synonym suchst, dann kannst du gleich noch eine kleine Beschreibung mit hinein bringen.  :)
Titel: Re: Verhältnis von Action zu Beschreibung bei Sätzen
Beitrag von: Nirahil am 24. April 2014, 07:05:53
Ich hatte keine Probleme beim Verständnis und finde ihn auch passend. Allerdings würde ich den Textteil "und folgte" eher streichen, das fühlte sich doppelt an. Aber letztlich ist sowas tatsächlich Geschmackssache, mit Debbies Umschreibungen hätte ich jetzt auch keine Probleme beim Lesen.
Titel: Re: Verhältnis von Action zu Beschreibung bei Sätzen
Beitrag von: Guddy am 24. April 2014, 08:07:35
Ich mag den Satz, lieber noch als die Überarbeitung, die hier angeboten wurde :) "Und folgte" würde ich aber tatsächlich weglassen