Tintenzirkel - Das Fantasyautor:innenforum

Allgemeines => Tintenzirkel => Thema gestartet von: Wildfee am 09. September 2021, 13:39:00

Titel: An die Frauen und Non Binarys: Warum schreibt ihr SF? Und warum nicht?
Beitrag von: Wildfee am 09. September 2021, 13:39:00
Ich frage mich schon seit einiger Zeit, warum es so wenige sichtbare (deutschsprachige) SF Autorinnen/Non Binarys (ist das ok, wenn ich den Begriff verwende?) gibt. In Facebook und Co. gibt es immer wieder Diskussionen, dass die Preisträger diverser deutscher SF Preise in den wenigsten Fällen Frauen/NBs sind und dass ihre Sichtbarkeit geringer ist als die der männlichen Autoren. (Stichwort Kurt Laßwitz Preis z.B.)

Wenn ich mir den Romanbereich des letztjährigen Nanos ansehe, ist dort verhältnismässig wenig SF zu finden und ich vermute, das dies in den vergangenen Jahren ähnlich war.
An der mangelnden Vielfalt des Genres kann es ja eigentlich nicht liegen, oder etwa doch?

Also, woran liegt es eurer Meinung nach, dass Frauen/NBs augenscheinlich weniger SF schreiben?
Was treibt euch an oder hält euch ab?

Ich freue mich auf eine vielfältige Diskussion  :vibes:




Titel: Re: An die Frauen und Non Binarys: Warum schreibt ihr SF? Und warum nicht?
Beitrag von: Mondfräulein am 09. September 2021, 14:14:02
Interessantes Thema!

Science Fiction ist ein Genre, das mich unter anderem deshalb weder als Autorin noch als Leserin anspricht, weil ich das Gefühl habe, die Bücher werden nicht für Frauen geschrieben. Mit High Fantasy hatte ich lange dasselbe Problem. Jetzt gibt es mehr High Fantasy, die auch für Frauen geschrieben wird. Dadurch interessiere ich mich auf einmal viel mehr für das Genre und will auch in diesem Genre schreiben.

Es gibt in der Literaturbranche glaube ich bestimmte Vorstellungen davon, wie man Bücher für Frauen schreibt, die alle wahnsinnig sexistisch sind. Große Gefühle, Herzschmerz, Männer zum anschmachten. Was ich meine ist aber, dass ich einem Buch anmerke, was für ein Frauenbild der*die Autor*in hat. Ich merke, ob Frauenfiguren geschrieben sind, damit sich irgendjemand vielleicht mit ihnen identifizieren kann, oder ob sie geschrieben sind, damit sie irgendeinen Zweck in der Fantasie eines Mannes erfüllen können.

Das beste Beispiel, das mir dazu einfällt, sind die Peter-Grant-Reihe von Ben Aaronovitch und die Alex-Verus-Bücher von Benedict Jacka. Beide Bücher ähneln sich vom Genre her stark und sind deshalb finde ich gut vergleichbar, aber die Frauenfiguren unterscheiden sich stark. Ben Aaronovitch schreibt Frauenfiguren, die sich wie Menschen anfühlen. Sie haben ein Leben und Ziele, die mit der Hauptfigur nichts zu tun haben. Bei Benedict Jacka habe ich die ganze Zeit das Gefühl, die Bücher wären 40 Jahre alt. Die Frauen dienen alle nur dazu, die Hauptfigur cool wirken zu lassen und sind dermaßen klischeehaft geschrieben, dass es die Bücher wirklich für mich ruiniert. Eine ist typisch Damsel in Distress und Love Interest, eine ist die böse Verführerin, eine ist vollkommen durchgedreht. Das alles gibt mir das Gefühl, dass die Bücher nur für Männer geschrieben sind, nicht für Frauen.

Science Fiction macht als Genre den Eindruck auf mich, dass Frauen dort auch nur als Männerfantasien geschrieben werden, nicht als Menschen. Ein paar Bücher habe ich mal gelesen und die haben diesen Eindruck gemacht. Teilweise durch die Filme und Serien, die ich sehe, die häufig auch keine guten Frauenfiguren haben. Vielleicht liege ich da auch falsch, denn deshalb lese ich ja auch nicht viel in diesem Genre, aber es schreckt mich ab. Und weil ich nichts in diesem Genre lese, schreibe ich auch nichts in diesem Genre, ganz einfach.

Wahrscheinlich würden mir viele Bücher sogar gefallen. Ich bin mit Science Fiction aufgewachsen und liebe Science Fiction Filme, warum sollte ich dann keine Bücher lieben? Aber das Genre gibt mir einfach nicht das Gefühl, dass es mich als Leserin haben will, nur weil ich eine Frau bin. Vielleicht hängt das auch mit dem Gatekeeping zusammen, das in der Community sowieso schon herrscht. Es gibt auch bei Filmen und Serien viel Sexismus, einerseits in den Filmen und andererseits im Fandom. Das schreckt sehr ab.
Titel: Re: An die Frauen und Non Binarys: Warum schreibt ihr SF? Und warum nicht?
Beitrag von: Wildfee am 09. September 2021, 14:49:10
Ich finde deine Antwort interessant, weil ich persönlich einen ganze andere Leseerfahrung habe, die (vermutlich) an meinem Alter liegt bzw. an der Sichtbarkeit der betreffenden Autorinnen.
Ich habe vor allem in den 80er und 90er Jahren sehr viel bzw. alles von Marion Zimmer Bradley und Anne McCaffrey gelesen und dann auch u.a. einige andere Autorinnen entdeckt wie Margaret Atwood, Barbara G. Walker und Ursula K. le Guin.
Das was ich dort gelesen habe, war eben nicht von einer rein männlichen Sichtweise geprägt.

In den 90ern waren es dann die diversen SF Serien, die starke Frauenfiguren hatten wie Star Trek, Babylon 5, Stargate oder Farscape etc.

Vielleicht liegt es daran, dass ich nach wie vor gerne SF lese und schreibe.

Titel: Re: An die Frauen und Non Binarys: Warum schreibt ihr SF? Und warum nicht?
Beitrag von: Antennenwels am 09. September 2021, 14:53:56
Eine gute Frage, und ich habe nicht wirklich eine Antwort. Nicht, dass ich bereits besonders viel geschrieben hatte, aber das war bisher immer (einschliesslich Kurzgeschichten) Fantasy.
Ich lese hin und wieder Sci-Fantasy, aber eigentlich wenig 'harte' Science Fiction (das letzte war Project Hail Mary von Andy Weir) und das obwohl ich Naturwissenschaftlerin bin... oder vielleicht deswegen.  ;) Irgendwie reizt mich moderne Technologie einfach nicht so sehr beim Schreiben, obwohl ich sie im Alltag sehr gerne und oft nutze und mich auch für neue Entwicklungen interessiere. Aber in meine Geschichten bleibe ich lieber in der Vorindustriellen Zeit, oder im Übergang dazu.
Vielleicht ist es aber auch schlicht eine Sache der Gewohnheit. Ich denke wenn ich wieder mal eine KG schreibe, werde ich vielleicht probehalber mal einen Abstecher in die Science Fiction machen, nur um sehen wie es sich anfühlt.

Das beste Beispiel, das mir dazu einfällt, sind die Peter-Grant-Reihe von Ben Aaronovitch und die Alex-Verus-Bücher von Benedict Jacka. Beide Bücher ähneln sich vom Genre her stark und sind deshalb finde ich gut vergleichbar, aber die Frauenfiguren unterscheiden sich stark. Ben Aaronovitch schreibt Frauenfiguren, die sich wie Menschen anfühlen. Sie haben ein Leben und Ziele, die mit der Hauptfigur nichts zu tun haben. Bei Benedict Jacka habe ich die ganze Zeit das Gefühl, die Bücher wären 40 Jahre alt. Die Frauen dienen alle nur dazu, die Hauptfigur cool wirken zu lassen und sind dermaßen klischeehaft geschrieben, dass es die Bücher wirklich für mich ruiniert. Eine ist typisch Damsel in Distress und Love Interest, eine ist die böse Verführerin, eine ist vollkommen durchgedreht. Das alles gibt mir das Gefühl, dass die Bücher nur für Männer geschrieben sind, nicht für Frauen.

Das geht jetzt zwar am Thema vorbei, aber ich finde es interessant, wie unterschiedlich man Dinge sehen/lesen kann. Ich kenne beide Reihen und ich mag die meisten Frauenfiguren in der Alex Verus Reihe mehr, als bei Ben Aaronovitch (mit Ausnahme von Lesley, die ich wirklich sehr interessant fand). Ich würde definitiv nicht sagen, dass die Figuren bei Benedict Jacka nur dazu dienen den Protagonisten voranzutreiben. Allenfalls in den ersten ein, oder zwei Bänden. Aber Luna, Anne, Arachne oder auch die vielen weiblichen Nebenfiguren haben durchaus Motive und Ziele, die sie verfolgen. Hingen fand ich die Frauenfiguren in der Rivers of London Reihe teils ein wenig übersexualisiert. Ein wirklich negatives Beispiel in dieser Hinsicht waren für mich die Dresden Files um in der Urban Fantasy zu bleiben, da habe ich nach dem zweiten Buch aufgegeben.
Titel: Re: An die Frauen und Non Binarys: Warum schreibt ihr SF? Und warum nicht?
Beitrag von: Mondfräulein am 09. September 2021, 15:01:01
@Wildfee Ja, das ist wahrscheinlich eher meine subjektive Erfahrung des Genres, aus der Perspektive von jemandem, der nicht drinsteckt. Ich habe nicht viel gelesen und vielleicht bin ich an die falschen Bücher geraten, aber so wirkt das Genre von außen auf mich. Ich habe auch mal überlegt, ob ich mal einem Buch eine Chance geben soll, aber ich weiß da nie, wo ich anfangen und woher ich gute Empfehlungen bekommen soll. Kai Meyer hat vor ein paar Jahren mal Science Fiction geschrieben, das ist immer das erste, was mir einfällt, aber bei dem finde ich die Frauenfiguren auch oft sehr meh.

Das geht jetzt zwar am Thema vorbei, aber ich finde es interessant, wie unterschiedlich man Dinge sehen/lesen kann. Ich kenne beide Reihen und ich mag die meisten Frauenfiguren in der Alex Verus Reihe mehr, als bei Ben Aaronovitch (mit Ausnahme von Lesley, die ich wirklich sehr interessant fand). Ich würde definitiv nicht sagen, dass die Figuren bei Benedict Jacka nur dazu dienen den Protagonisten voranzutreiben. Allenfalls in den ersten ein, oder zwei Bänden. Aber Luna, Anne, Arachne oder auch die vielen weiblichen Nebenfiguren haben durchaus Motive und Ziele, die sie verfolgen. Hingen fand ich die Frauenfiguren in der Rivers of London Reihe teils ein wenig übersexualisiert. Ein wirklich negatives Beispiel in dieser Hinsicht waren für mich die Dresden Files um in der Urban Fantasy zu bleiben, da habe ich nach dem zweiten Buch aufgegeben.

Das kann vielleicht genau daran liegen. Ich habe von Benedict Jacka nur zwei Bände gelesen. Die Frauenfiguren bei Ben Aaronovitch werden finde ich mit der Zeit auch immer besser und da habe ich wirklich alle Bände gelesen, mittlerweile gibt es ja einige. Ich weiß nicht, ob ich Alex Verus nochmal eine Chance geben werde, bisher hat es mich nicht so überzeugt.
Titel: Re: An die Frauen und Non Binarys: Warum schreibt ihr SF? Und warum nicht?
Beitrag von: Evanesca Feuerblut am 09. September 2021, 15:05:41
Sozialisierung und Perspektive machen enorm viel aus. Ich wurde bei einem meiner letzten kleinen Interviews genau das gefragt, wie ich zu Science-Fiction gekommen bin und der Punkt ist, für ein Kind der Post-Sowkjetunion war sie halt einfach da.
Selbstzitat:
Zitat
Ich bin da irgendwie reingerutscht. Als ich angefangen habe regelmäßig mit Veröffentlichungsabsicht zu schreiben, wollte ich eigentlich in die Fantasy, die Fantasy und nichts als die Fantasy. Trotzdem war Science-Fiction für mich schon seit meiner Kindheit einfach … da. Ich bin da mit Geschichten aus der Sowjetunion aufgewachsen – in der „Zauberer der Smaragdenstadt“-Reihe, die eigentlich als Fantasygeschichte für Kinder (und noch eigentlicher als sowjetische Neuerzählung von „Der Zauberer von Oz“) anfing, landen in einem späten Band Aliens und mir wurde die Geschichte „Il pianeta degli alberi di Natale“ (Planet der Weihnachtsbäume) auf Russisch vorgelesen. Ich bin mit dem Genre praktisch aufgewachsen.
Daher war für mich dieses "Das ist kein Genre für dich" nicht in dem Maße präsent. Das kam erst auf, als ich mich in die Szene gewagt habe und irgendwie das Gefühl hatte, nicht so recht reinzupassen. Aber da ich das Gefühl so ziemlich immer und überall erst einmal habe, dachte ich nicht, dass es dieses eine Mal tatsächlich sogar einen Grund haben könnte und dass Gatekeeping dieser Grund sein könnte. Das Bewusstsein dafür kam erst später und da schrieb ich meine Science-Fiction schon längst.
Titel: Re: An die Frauen und Non Binarys: Warum schreibt ihr SF? Und warum nicht?
Beitrag von: Ryadne am 09. September 2021, 15:14:09
Der Anteil an nicht-männlichen SF-Schreibenden ist gar nicht mehr so gering (bei Twitter ging gestern etwas mit ca. 25 % Frauenanteil im deutschsprachigen Raum um). Am Wochenende halte ich z. B. in Wetzlar einen Vortrag über deutschsprachige Cyberpunk-Autorinnen - da kommen einige Namen zusammen, aber viele veröffentlichen eher im Jugendbuchbereich oder in Romance-affinen Verlagen, die in der traditionellen SF-Szene einen schweren Stand haben. Dass dem so ist, liegt wiederum an weitreichenden strukturellen Problemen, die Frauen generell eher den Jugend- oder Romancebereich als die SF zugestehen. Und bei SF denken viele vornehmlich an Hard SF, wo der prozentuale Anteil nicht-männlicher Schreibender gegenüber Dystopien oder Space Opera deutlich sinkt.

Trotzdem ist der Gap sicher da, bedingt durch Inhalte, Klischees (wie Mondfräulein sie angesprochen hat) und Vorurteile. Ich musste mir damals z. B. gut zureden lassen, damit ich mich an die D9E-Reihe (=Space Opera) gewagt habe. Ich hatte Angst, nicht genug physikalisches Wissen dafür zu haben, was rückblickend Quatsch war. Die Science in der Fiction hat viele Facetten und man muss sich nicht im Detail Gedanken darüber machen, wie ein Raumschiff nun genau funktioniert, um Genrematerial schreiben zu können. Allerdings mache ich als SF-Autorin auch die Erfahrung, dass meine Werke noch mal kritischer betrachtet werden als die von Kollegen. Ich spüre in der SF insofern mehr Druck, Fehler zu vermeiden als in der Fantasy. (Natürlich will ich Fehler generell vermeiden, aber ihr versteht schon ;)) Noch mehr gilt das aber für sekundärliterarische Texte. Wenn mir hier ein Fehler passiert, kann ich mich drauf verlassen, dass manches SF-Forum ihn genüsslich seziert. Das hat in den letzten Jahren stark zugenommen, früher habe ich mich deutlich willkommener im SF-Fandom gefühlt. Aber momentan bestehen da glaube ich viele Widerstände und Ängste durch die Szene-Veränderungen.

Titel: Re: An die Frauen und Non Binarys: Warum schreibt ihr SF? Und warum nicht?
Beitrag von: Wildfee am 09. September 2021, 15:51:20
@Evanesca Feuerblut
Das erinnert mich an meine Kindheit und Jugend. Ich komme aus einem Haushalt, in dem Bücher immer präsent waren und in dem ich alles gelesen habe, was mir in die Finger kam. Da war zwar keine SF dabei, aber dank eines großen Bruders bin ich mit Star Trek und Star Wars großgeworden. Vor der Schule wurde die Star Wars Hörspielkassette rauf- und runtergenudelt und meine Haare mussten so aussehen wie die von Prinzessin Leia, nachmittags wurde Enterprise geschaut.

@Ryadne
Was meinst du mit "Szene Veränderung"? Hast du Lust, das näher zu erläutern? (würde mich brennend interessieren, da ich mich derzeit nicht in SF Foren herumtreibe)
Titel: Re: An die Frauen und Non Binarys: Warum schreibt ihr SF? Und warum nicht?
Beitrag von: Ryadne am 09. September 2021, 16:09:14
@Ryadne
Was meinst du mit "Szene Veränderung"? Hast du Lust, das näher zu erläutern? (würde mich brennend interessieren, da ich mich derzeit nicht in SF Foren herumtreibe)

Nun, die Szene wird aufgebrochen durch neue Akteur*innen, Verlage und Movements wie Progressive Phantastik, Hope- oder Solarpunk. Oder allgemeiner gesprochen auch durch die Kritik an tropes und mangelnder Diversität. Sicher gab es immer schon Gegenbewegungen - es gab da wohl mal einen legendären Heidelberger Con in den 1970ern, auf dem sich die verschiedenen Seiten in die Haare gekriegt haben ;) -, aber aktuell ist wieder einiges im Umbruch. Und durch Diskussionen wie die um die Wikipedia-Liste deutschsprachiger SF-Autorinnen oder um das "Nova"-Magazin sind Meinungsfronten entstanden, zwischen denen zu vermitteln nicht ganz einfach ist, um es höflich auszudrücken.
Titel: Re: An die Frauen und Non Binarys: Warum schreibt ihr SF? Und warum nicht?
Beitrag von: Barra am 09. September 2021, 16:20:21
Warum ich SF schreibe?
Während meines Studiums (lang ist's her) habe ich mal eine Hausaufgabe abgegeben mit dem Thema: "Deutschsprachige SF Autorinnen". Sie war sehr schmal. Es war eine Zeit in der es keine Wikipediaseite (https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_deutschsprachiger_Science-Fiction-Autorinnen) gab. Eine Zeit, in der ich in die Buchhandlung ging, meine Frage stellte und ein: "Uff, da muss ich mal überlegen", bekam.
Klar Anne McCaffrey war und ist eine der Namen, die ich sofort schmettere in dem Zusammenhang, gerade wegen ihres Romans: "Die Wiedergeborene", in der sie im Vorwort schreibt, dass sie dieses Buch nur aus dem Grund geschrieben hat, weil es ein männliches dominiertes Feld ist, in dem Frauen allenfalls dummes, zu rettendes, schmückendes Beiwerk sind.
Dazu kam dann noch der Tipp: Wenn du SF veröffentlichen willst, mach's unter einem männlichen Pseudonym, verkauft sich besser. Da war bei mir das Fass übergelaufen vor Frust.
Seitdem ist das so tief in mir drin, ein Bedürfnis SF zu schreiben. Wenn wir das ändern wollen, können nur wir das ändern. Generell hatte ich aber schon immer das Gefühl, dass die SF ein Stiefkind der Fantasy ist. Was sich aber schon geändert hat, über all die Jahre, finde ich. Gerade was auch den 'Dystopie' Sektor betrifft, findet sich doch einiges.
Dass ich das nicht immer mache, ist auch klar. Mein T12 hat sich dies Jahr immer mal wieder im dem Genre umgetrieben und auch in Prompts schreib ich es öfter. Mein diesjähriger T12 spielt "irgendwo auf einem Planeten" (nicht der Erde), was mir persönlich aber noch keine Einstufung als SF rechtfertigt, weil ich noch nicht weiß wie weit ich da gehen werde.
Ich wünsch mir für die Zukunft mehr Frauen und Nonbinary in der SF. Wir müssen uns nur trauen, denn es ist gar nicht so abschreckend.
Titel: Re: An die Frauen und Non Binarys: Warum schreibt ihr SF? Und warum nicht?
Beitrag von: Alana am 09. September 2021, 16:33:11
Ich mag extrem wissenschaftlich basierte SF, aber nichts mit militärischen Strukturen. Ich mag keinen Schmuggel, keine Space Politics, keine Intrigen. Damit fällt fast alles an SF für mich raus. Die meiste SF spricht mich einfach überhaupt nicht an, dabei liebe ich SF und vor allem auch Science Fantasy. Ich glaube, für extrem wissenschaftlich basierte Fantasy so wie Andy Weir sie schreibt (ich liebe seine Bücher, abgesehen von Artemis) oder auch Andreas Eschbach, müsste ich Themen recherchieren, die ich gern spanennd und ausführlich präsentiert bekomme, wo ich mich aber nicht reinknien will. Und für Science Fantasy fehlt mir bisher noch die zündende Idee. Ich habe tatsächlich ein Projekt in Arbeit, aber wenn ich sowas mache, dann soll es natürlich so genial sein wie Star Wars oder Doctor Who  8) und soweit bin ich noch nicht. Letzendlich muss ich als Berufsautorin aber auch wirtschaftlich denken. Ich kann es mir schlicht nicht leisten, SF zu schreiben, wenn ich für Romantasy oder Romance die vierfachen Vorschüsse bekomme.

Kurz um: ich fühle mich von durchschnittlicher SF nicht repräsentiert und habe das Gefühl, dass die SF, die ich mag, keine guten Chancen auf dem deutschen Markt hätte.
Titel: Re: An die Frauen und Non Binarys: Warum schreibt ihr SF? Und warum nicht?
Beitrag von: Maja am 09. September 2021, 17:27:00
Ich bin nichtbinär, und ich würde sagen, die Sichtbarkeit nichtbinärer Autor*innen liegt, egal in welchem Genre man sich bewegt, bei Null. Deswegen finde ich die Fragestellung etwas unglücklich - gerade weil ich mich nicht als Frau fühle oder definiere, bin ich mit "Frauen/NB" als homogener Außenseitergruppe nicht so glücklich.

Interessanter wird es aber dadurch, dass ich erst, nachdem ich angefangen habe, meine eigene nicht-weibliche Identität zu verstehen, mich sciencefiction-lastigeren Themen zugewandt habe - nicht ausschließlich, ich werde immer auch High Fantasy machen, aber ich traue mich jetzt auch an dystopische oder post-apocalyptische Settings heran, um die ich früher einen Bogen gemacht hätte. Das kann aber einfach sein, dass da einfach in einem allgemeinen Prozess des Reifens und über-den-Tellerrand-Schauens mehrere Dinge zusammengefallen sind - ich schreibe, seit ich über vierzig bin, einfach tendenziell andere Sachen als in meinen zwanzigern oder dreißigern.

Klassische Science Fiction, Space Opera, etc. ist mein Ding nicht, da fehlt mir einfach das Interesse und die Ideen. Ich habe auch in all meinen Geschichten phantastische, nicht mit Technik oder Wissenschaft erklärbare Elemente, weswegen ich mich weiterhin als Fantasyautor*in sehe. Grundsätzlich ist die Sichtbarkeit von Autorinnen (ohne Sternchen, weil ausdrücklich der weibliche Teil gemeint ist) auch in der High Fantasy schlecht. Das ist nicht nur eine Science Fiction-Sache. Das ist, wenn Frauen etwas anderes machen als typische Frauenthemen - in unserem Genre also alles mit dem Zusatz "Romance". Und wenn man sich dann hier im Forum umschaut, gibt es viele Frauen, die querbeet alles schreiben, mit und ohne Romanzen. Sie sind ja da, die Autorinnen. Nur an der Sichtbarkeit hapert es.

Das PAN-Stipendium in der Kategorie Science Fiction ist übrigens an die Autorin einer Space Opera gegangen. Ich hoffe, da kommt langsam Bewegung rein. Oder schnell.
Titel: Re: An die Frauen und Non Binarys: Warum schreibt ihr SF? Und warum nicht?
Beitrag von: Klecks am 09. September 2021, 20:10:59
Mir stößt die Fragestellung ein bisschen auf, weil es in meinem Fall nichts mit dem Geschlecht zu tun hat. Ich habe darauf nur eine Antwort: Ich habe keine Ahnung von Technik, Physik und dergleichen, deshalb ist Hard SciFi automatisch raus und macht mir, weil ich kaum etwas verstehe, auch beim Lesen keinen Spaß. Viele SciFi-Autoren sind meinem Eindruck nach auch Experten auf den Gebieten, die sie da beschreiben. Ich habe Soft SciFi-Ideen in der Schublade liegen, aber dass es soft ist, hat ebenfalls nichts mit meinem Geschlecht zu tun, sondern schlicht mit meinem Unwissen. Aneignen könnte ich mir dieses Wissens natürlich - aber auch das nicht besser oder schlechter als ein Mann.

Die Frage müsste meiner Meinung nach eher lauten, warum Frauen und NBs unterrepräsentiert in diesem Genre sind, nicht, warum sie es schreiben oder nicht. Ich gehe stark davon aus, dass viel mehr Frauen und NBs SciFi in all seinen Schattierungen schreiben, als man denkt. Und viel mehr männliche Autoren Liebesromane. Ect. pp.  ;)
Titel: Re: An die Frauen und Non Binarys: Warum schreibt ihr SF? Und warum nicht?
Beitrag von: Wildfee am 09. September 2021, 20:15:38
Ich bin nichtbinär, und ich würde sagen, die Sichtbarkeit nichtbinärer Autor*innen liegt, egal in welchem Genre man sich bewegt, bei Null. Deswegen finde ich die Fragestellung etwas unglücklich - gerade weil ich mich nicht als Frau fühle oder definiere, bin ich mit "Frauen/NB" als homogener Außenseitergruppe nicht so glücklich.
Wie hätte ich mich ausdrücken sollen, damit du dich inkludiert fühlst? Ich bin da (noch) etwas ratlos und mir fehlt eine Hilfestellung um solche unbeabsichtigten Fettnäpfchen zu vermeiden. Danke!

Unabhängig von den bisher genannten Aspekten (vielen, vielen Dank dafür!) habe ich die These, dass ein Grund für einen geringeren Autorinnenanteil in der SF in der Schulbildung liegen könnte.
Mädchen wird bewußt oder unbewußt weniger Technikverständnis zugestanden und sie werden weniger offensiv in den MINT Fächern gefördert. Projekte wie das Ada Lovelace Projekt (https://ada-lovelace.de/) sind da leider noch zu wenig bekannt.
Würdet ihr da zustimmen oder seht ihr das ganz anders?

Edit: hat sich mit Klecks überschnitten


Titel: Re: An die Frauen und Non Binarys: Warum schreibt ihr SF? Und warum nicht?
Beitrag von: Maja am 09. September 2021, 20:32:08
Ich bin nichtbinär, und ich würde sagen, die Sichtbarkeit nichtbinärer Autor*innen liegt, egal in welchem Genre man sich bewegt, bei Null. Deswegen finde ich die Fragestellung etwas unglücklich - gerade weil ich mich nicht als Frau fühle oder definiere, bin ich mit "Frauen/NB" als homogener Außenseitergruppe nicht so glücklich.
Wie hätte ich mich ausdrücken sollen, damit du dich inkludiert fühlst? Ich bin da (noch) etwas ratlos und mir fehlt eine Hilfestellung um solche unbeabsichtigten Fettnäpfchen zu vermeiden. Danke!
Wenn es gezielt um die Frage geht, warum die Wahrnehmung von Frauen in der Science Fiction so niedrig ist, möchte ich mich gar nicht inkludiert fühlen. :) Ist nicht bös gemeint, aber das sind einfach Äpfel und Birnen - das eine betrifft grob die Hälfte der Bevölkerung, das andere eine doch ziemlich kleine Minderheit, die auch in keinem anderen Bereich des Lebens, geschweige denn der Literatur, wahrgenommen wird. Da verwässert es die Fragestellung, wenn man um jeden Preis die Nichtbinären in die Fragestellung miteinbeziehen muss.
Titel: Re: An die Frauen und Non Binarys: Warum schreibt ihr SF? Und warum nicht?
Beitrag von: Mondfräulein am 09. September 2021, 20:49:48
Unabhängig von den bisher genannten Aspekten (vielen, vielen Dank dafür!) habe ich die These, dass ein Grund für einen geringeren Autorinnenanteil in der SF in der Schulbildung liegen könnte.
Mädchen wird bewußt oder unbewußt weniger Technikverständnis zugestanden und sie werden weniger offensiv in den MINT Fächern gefördert. Projekte wie das Ada Lovelace Projekt (https://ada-lovelace.de/) sind da leider noch zu wenig bekannt.
Würdet ihr da zustimmen oder seht ihr das ganz anders?

Ja, da würde ich zustimmen. In der Schule wurden wir teilweise getrennt von den Jungs in naturwissenschaftlichen Fächern unterrichtet. Weil Mädchen da angeblich einen anderen Zugang haben. Das hat die Unterschiede, wenn sie überhaupt da waren, nur verstärkt. Auch darüber hinaus hatte ich immer das Gefühl, dass sowas nichts für mich ist, quasi eine selbsterfüllende Prophezeiung. Ich weiß nicht, ob ich mich sonst mehr für Naturwissenschaften interessiert hätte, aber mir hat das schon immer Spaß gemacht. Für Informatik hätte ich mich bestimmt interessiert.

Aber es gibt wahrscheinlich viele Gründe, warum das Genre so männerdominiert ist. Bei mir, dass mich die Bücher nicht ansprechen. Darüber hinaus bestimmt auch, dass die nicht-Männer, die SF schreiben, weniger Chancen bekommen und anders behandelt werden. Die Erfahrung von cis Frauen und nichtbinären Menschen und trans Menschen ist da bestimmt nochmal anders, das möchte ich nicht auf eine Stufe stellen. Aber insgesamt ist das Genre sehr männerlastig und eigentlich müsste es das nicht sein.
Titel: Re: An die Frauen und Non Binarys: Warum schreibt ihr SF? Und warum nicht?
Beitrag von: Jen am 09. September 2021, 20:52:18
Mal ganz von meiner Geschlechtsidentität abgesehen existiert auch dieses Stigma gegen Selfpublishing, das es quasi unmöglich macht, für solche Preise nominiert zu werden. (Schreibe SF als Dystopie)
Titel: Re: An die Frauen und Non Binarys: Warum schreibt ihr SF? Und warum nicht?
Beitrag von: Zit am 09. September 2021, 21:48:39
Unabhängig von den bisher genannten Aspekten (vielen, vielen Dank dafür!) habe ich die These, dass ein Grund für einen geringeren Autorinnenanteil in der SF in der Schulbildung liegen könnte.
Mädchen wird bewußt oder unbewußt weniger Technikverständnis zugestanden und sie werden weniger offensiv in den MINT Fächern gefördert. Projekte wie das Ada Lovelace Projekt (https://ada-lovelace.de/) sind da leider noch zu wenig bekannt.
Würdet ihr da zustimmen oder seht ihr das ganz anders?

Ich sehe hier zwei Probleme: Dass SF auf Hard-SF reduziert wird (als wäre Fantasy nur High Fantasy) und all die anderen Spielarten und Schwerpunkte außen vor lässt – gleichzeitig andere Spielarten aber auch abwertet, und dann natürlich noch doppelt zutritt, wenn man als Pro-Argument für "Warum kaum Frauen in der SF?" sagt: Ist ja klar, Mädchen/ Frauen sind zu doof/ werden kleingehalten/ doof gemacht. Heißt nicht, dass ich die Frage blöd finde. Patriachale Strukturen außerhalb der SF haben natürlich grundlegenden Einfluss auf die SF. An dem Punkt drehen wir uns aber im Kreis.

Ich habe ein interessantes Video von Florent Farges auf youTube gesehen, in dem er die Frage stellt/ infrage stellt, warum Weiße Monochrome für so viel Geld verkauft werden (können) (https://www.youtube.com/watch?v=6rR1RjKqHvs) (Video auf Englisch). Früher oder später kommt natürlich die Frage auf: "Was ist Kunst?" Und für Weiße Monochrome hält er eine Definition von George Dickie für besonders wichtig (ca. ab 5:10): "Ein Kunstwerk ist 1) ein Gegenstand/ Produkt 2) dem der Status eines "Kandidaten für Anerkennung" verliehen wurde durch eine Person oder durch Personen, die im Auftrage von Institutionen (die Kunstwelt) handeln." Was soviel heißt: Ein Gegenstand wird dann zur Kunst, wenn ein Mitglied der Kunstwelt es für würdig erachtet/ zum Kunstwerk erklärt. Was Kunst ist, definiert sich also darüber, dass man als (Kunst)Schaffender den "Inner Circle" becircen kann.
Soviel dazu. Der Zusammenhang zur SF: So wie Literaturkritiker innerhalb ihrer Blase/ ihres Circles bestimmen, was Literatur ist und was nicht, so bestimmen die, die Teil der SF-Szene sind, was SF ist. Kreisschluss zurück zu den patriachalen Strukturen innerhalb der SF-Szene, und Kreisschluss zurück zum Gatekeeping innerhalb der SF-Szene, das sagt, dass Frauen kaum SF schreiben/ kein SF schreiben können und damit natürlich Recht behält, weil die (überwiegend cis-dude-geprägte Hard-) SF-Szene bestimmt, was SF-Szene ist. :omn:

Über all das kann ich mich als Frau aufregen. Oder mir sagen, dass es auch Gruppen außerhalb der cis-dudigen Hard-SF-Szene gibt und mir das Eierschaukeln, das dort veranstaltet wird, am Poppes vorbeigeht. Ich schreibe SF, weil es schon immer da war und ich mit Sachen wie Adolars Phantastische Abenteuer oder Red Planet aufwuchs. (Alle älteren TiZis gähnen jetzt vielleicht müde weil sie schon mit Raumpatrouille Orion starteten. ;D Zu meiner Verteidigung: Das ist eine West-Serie und ich bin nunmal in den Ruinen der DDR groß geworden.) In gewisser Form treibt SF ja den Sense of Wonder (oder eher: "Desire for Wonder") noch weiter als es Fantasy tut. Mein Problem war aber ein paar Jahre lang, dass wir in unserer realen Welt unseren Planeten nie verlassen werden können. Wir kommen vielleicht mit Ach und Krach bis zum Mars bevor hier alles verödet. Aber schon durch unser eigenes Sonnensystem zu reisen wie in Cowboy Bebop, The Expanse oder Alien oder darüber hinaus wie in Star Trek, Altered Carbon oder Die wandernde Erde – lol, nope. Wir werden auf diesem Planeten wie in Bladerunner jämmerlich versauern (vermutlich sogar sprichwörtlich wie buchstäblich). Das hat mich lange blockiert. Genauso wie das ganze wissenschaftliche Gedöns dahinter (nicht, dass ich der Wissenschaft abgeneigt bin, aber mein Hirn hat einfach, besonders mathematische, Grenzen) mich abschreckte. Jetzt schreibe ich halt SF, die auf der Erde spielt, in denen sich Menschen in virtuellen Realitäten verlieren und bei der mich mehr zwischenmenschliche Beziehungen und soziale Fragen umtreiben als wissenschaftliche.
Titel: Re: An die Frauen und Non Binarys: Warum schreibt ihr SF? Und warum nicht?
Beitrag von: Mindi am 09. September 2021, 21:58:58
Ja, da würde ich zustimmen. In der Schule wurden wir teilweise getrennt von den Jungs in naturwissenschaftlichen Fächern unterrichtet. Weil Mädchen da angeblich einen anderen Zugang haben. Das hat die Unterschiede, wenn sie überhaupt da waren, nur verstärkt. Auch darüber hinaus hatte ich immer das Gefühl, dass sowas nichts für mich ist, quasi eine selbsterfüllende Prophezeiung. Ich weiß nicht, ob ich mich sonst mehr für Naturwissenschaften interessiert hätte, aber mir hat das schon immer Spaß gemacht. Für Informatik hätte ich mich bestimmt interessiert.

Wow, das gibt es heutzutage? Das finde ich heftig. Bei uns gab es so etwas nicht, da wäre auch niemand auf die Idee gekommen. Allgemein hatte ich bei mir in der Familie nie den Eindruck, als würde Frauen irgendeinen Beruf nicht leisten können. Wenn dann waren Frauen eher bei körperlich ungünstiger Arbeit nicht vertreten, wie auf dem Bau, aber in Technik schon.
Ich frage mich gerade, ob das wieder so ein Unterschied zwischen der ehemaligen DDR und der damaligen BRD ist? Viele Frauen in der DDR haben technische Berufe gelernt und auch studiert. Klar, nicht jede, aber es war, soweit ich das beurteilen kann, nicht ungewöhnlich.

Ich könnte nicht sagen, dass ich SF nicht mag. Es gibt etliche Teilbereiche der SF die ich total interessant finde. Es gibt andererseits viele Bücher, Themen und vermutlich auch Autoren, die mich nicht interessieren. Aber das ist in der Fantasy genauso. Auch da mag ich nicht alles, nur weil es im Grunde Fantasy ist. SF hat mehr Themen als Raumschiffe und andere Planeten. Ich mag Städte, ich mag auch Städte auf anderen Planeten.

Irgendwie schreibe ich selbst auch SF und ärgere mich ab und zu, dass ich so wenig Ahnung von Informatik habe. Was doof ist, wenn man auf die eigentliche Welt Cyberpunk draufkleben würde und VR großes Thema ist.

(Mit Zit überschnitten)
Titel: Re: An die Frauen und Non Binarys: Warum schreibt ihr SF? Und warum nicht?
Beitrag von: Solmorn am 09. September 2021, 22:06:40
Ich habe das Gefühl, das sind jetzt mehrere Fragen auf einmal.
Warum sind Frauen in der SciFi so unterrepräsentiert?
Warum sind nonbinäre Personen in der SciFi so unterrepräsentiert?
Warum mögen wir persönlich SciFi (nicht) lesen und schreiben?

Die ersteren beiden Fragen sind zu komplex, als dass ich mir dazu jetzt eine distinkte Meinung anmaßen möchte; ich finde aber die These, dass die klischeehaften Fähigkeiten in MatNat-Fächern eine Rolle spielen, zumindest bedenkenswert. Ich habe meine ganze Schullaufbahn über vermittelt bekommen, dass ich in solchen Fächern gut bin, deshalb habe ich auch jetzt keine Berührungsängste, sie in Fiktion einzuflechten.

Ich muss auch ertappt feststellen, dass ich bei "Science Fiction" nur an die Hard Science Fiction mit Raumschiffen, fremden Planeten und kiloweise Techno-Babbel denke. Mir persönlich gefällt das nicht gut, ich mag aber sehr gerne Geschichten, die SciFi und Fantasy vermischen - dass man also bis zu einem gewissen Punkt sieht, inwiefern die Elemente von realer Technik und Wissenschaft ausgehen, es sich irgendwann aber nicht mehr mit den bekannten Naturgesetzen durcherklären lässt. Und wenn es nur die Annahme eines mystischen lebendigen Energiefeldes ist, das zu den Bewohnern einer Galaxis spricht.

Ich hätte zur Frage, warum nonbinäre Personen in der SciFi unterrepräsentiert sind, ebenfalls eine Theorie, von der ich nicht einschätzen kann, wie zutreffend sie ist:
Ich zumindest benutze meine Fantasy-Romane immer auch ein Stück weit für meinen eigenen Eskapismus; dort kann ich eine Welt erschaffen, in der jede*r sein kann, was er*sie halt ist, ohne es erklären oder sich rechtfertigen zu müssen und ohne gelabelt zu werden. In einem SciFi-Setting würde aber meinem Gefühl nach eher passieren, dass alles mögliche erst recht gelabelt und bis ins Detail erklärt und ergründet werden muss, inklusive Geschlechtsidentitäten.
Wo Fantasy die Möglichkeit gibt, das ganze Thema einfach mal sein zu lassen, ohne sich Gedanken darüber machen zu müssen, bringt SciFi den Druck, es erst recht bis aufs Blut zu durchdenken, und das ist etwas, was mich definitiv davon wegtreibt.
Seht ihr das auch so? Ist das nachvollziehbar oder doof?
Titel: Re: An die Frauen und Non Binarys: Warum schreibt ihr SF? Und warum nicht?
Beitrag von: Mondfräulein am 09. September 2021, 22:20:21
Das ganze Thema weckt in mir den Wunsch, es doch mal mit dem Genre zu probieren, zumindest als Leserin. Vielleicht könnte man im Buchempfehlungsboard einen Thread machen, in dem jeder Bücher empfehlen kann, die sich besonders für Einsteiger*innen des Genres eignen? Das ist bestimmt auch für andere Genres hilfreich, quasi "ich will es mit dem Genre probieren, das und das schreckt mich immer ab, was könnt ihr mir empfehlen?". Macht das Sinn?

Ich hätte zur Frage, warum nonbinäre Personen in der SciFi unterrepräsentiert sind, ebenfalls eine Theorie, von der ich nicht einschätzen kann, wie zutreffend sie ist:
Ich zumindest benutze meine Fantasy-Romane immer auch ein Stück weit für meinen eigenen Eskapismus; dort kann ich eine Welt erschaffen, in der jede*r sein kann, was er*sie halt ist, ohne es erklären oder sich rechtfertigen zu müssen und ohne gelabelt zu werden. In einem SciFi-Setting würde aber meinem Gefühl nach eher passieren, dass alles mögliche erst recht gelabelt und bis ins Detail erklärt und ergründet werden muss, inklusive Geschlechtsidentitäten.
Wo Fantasy die Möglichkeit gibt, das ganze Thema einfach mal sein zu lassen, ohne sich Gedanken darüber machen zu müssen, bringt SciFi den Druck, es erst recht bis aufs Blut zu durchdenken, und das ist etwas, was mich definitiv davon wegtreibt.
Seht ihr das auch so? Ist das nachvollziehbar oder doof?

Ich bin cis und kann deshalb nichts dazu sagen, ob sich das auf die Repräsentation nichtbinärer Menschen im Genre auswirkt, aber ich kann deinen Gedankengang nachvollziehen. Mein Eindruck vom Genre ist auch, dass vieles sehr wissenschaftlich durcherklärt wird und das auch ein Stück weit erwartet wird. Ich erinnere mich, von interessanten und inklusiven Konzepten bezüglich Gender gelesen zu haben, die Leute in SF eingebaut haben, nicht nur einmal, sondern immer mal wieder. Die Erklärungen wirkten dann zum einen aber immer recht biologisch, zum anderen bezogen sie sich oft auf Aliens und das Trope vom Queer Alien gibt es ja auch und wird kritisiert. Insofern: ich habe echt keine Ahnung, aber ich fände es interessant, mal zu recherchieren, wie diese Art der Repräsentation von nichtbinären Menschen tatsächlich empfunden wird.

Darüber hinaus ist dieses Durcherklären von Details aber auch etwas, das mich oft abschreckt. Ich glaube, die meisten Geschichten profitieren davon, wenn es Dinge gibt, die man eben nicht weiß und nicht verstehen kann. An Star Trek fand ich zum Beispiel die Folgen mit Q immer am coolsten, weil er so ein großes Rätsel war und mir das den Eindruck gab, dass es eben im Universum immer noch Dinge geben wird, die man nicht verstehen kann.
Titel: Re: An die Frauen und Non Binarys: Warum schreibt ihr SF? Und warum nicht?
Beitrag von: Frostschimmer am 09. September 2021, 23:01:06
Grundsätzlich mag ich SF, aber viele der Werke sind wirklich unfassbar sexistisch, das geht schon bei der Kleidung los. Spätestens dann, wenn ich wieder einmal eine lächerlich vollbusige Dame in knappsten Lumpen, gerne auch aus Metall, sehe, kann ich nur noch die Augen verdrehen. Ich denke aber, dass einige eben genau diese Assoziationen mit dem Genre haben und es daher vielleicht meiden?

Oft sind solche Werke auch total oberflächlich, haben einfach keine richtige Story oder sind von absolut lächerlichem Humor durchzogen.

Es gibt aber auch wirklich gute SF, ich habe schon als Kind total gerne Star Trek: Voyager geguckt und mag es bis heute, obwohl auch da teilweise ziemlich platter Humor drin ist.

Ich schreibe selbst seit Jahren Fanfiction im Star Wars Bereich (falls das als SF durchgeht) und hatte da noch nie den Eindruck, dass Männer überrepräsentiert sind. Bei Star Wars sind die weiblichen Charaktere aber generell nicht einfach schmückendes Beiwerk, sondern sind auch selbst aktiv.

Bei SF spielt natürlich auch immer Technologie mit rein, je nach Setting auch sehr ausführlich. Selbst bei Fanfiction bedeutet das massiven Rechercheaufwand, gute Physikkenntnisse sind auch nicht verkehrt.

Zur Frage, warum ich sowas gerne schreibe: Primär macht es Spaß und solche Settings geben viel her. Auch bei Dystopie-Settings spielt das ja gerne mit rein, zum Beispiel bei Panem. Ich denke, wenn man das Genre SF ein bisschen weiter fasst, wird man merken, dass es da auch einige Autorinnen gibt, die das bedienen.
Titel: Re: An die Frauen und Non Binarys: Warum schreibt ihr SF? Und warum nicht?
Beitrag von: Wildfee am 09. September 2021, 23:39:37
Ich denke, hier ist doch der passende Rahmen für diese Liste:
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_deutschsprachiger_Science-Fiction-Autorinnen
(da sind einige Tizis dabei ;-) )

Titel: Re: An die Frauen und Non Binarys: Warum schreibt ihr SF? Und warum nicht?
Beitrag von: Eluin am 10. September 2021, 04:30:21
Ja, da würde ich zustimmen. In der Schule wurden wir teilweise getrennt von den Jungs in naturwissenschaftlichen Fächern unterrichtet. Weil Mädchen da angeblich einen anderen Zugang haben. Das hat die Unterschiede, wenn sie überhaupt da waren, nur verstärkt. Auch darüber hinaus hatte ich immer das Gefühl, dass sowas nichts für mich ist, quasi eine selbsterfüllende Prophezeiung. Ich weiß nicht, ob ich mich sonst mehr für Naturwissenschaften interessiert hätte, aber mir hat das schon immer Spaß gemacht. Für Informatik hätte ich mich bestimmt interessiert.

Wow, das gibt es heutzutage? Das finde ich heftig. Bei uns gab es so etwas nicht, da wäre auch niemand auf die Idee gekommen. Allgemein hatte ich bei mir in der Familie nie den Eindruck, als würde Frauen irgendeinen Beruf nicht leisten können. Wenn dann waren Frauen eher bei körperlich ungünstiger Arbeit nicht vertreten, wie auf dem Bau, aber in Technik schon.
So habe ich es auch in meiner Familie erlebt. Bei uns gab es auch keine Trennung in der Schule, auch wenn manche Lehrer Vorurteile hatten. Oft haben aber wir Mädels den Unterricht in Naturwissenschaften "geführt" - passt das Wort? - sprich wir waren aktiver.
Meine Schwester ist Mathematikerin und arbeitet im Bereich e-Mobilität, ich bin Biologin (und hatte überlegt parallel Chemie zu studieren und es nur wegen der Doppelbelastung gelassen) und Softwareentwicklerin. Aber ja, gerade in der Softwareentwicklung gibt es nicht gerade viele Frauen. Warum wüsste ich auch gerne.

Ich liebe Technik und Naturwissenschaften und bin mit SF - vor allem Star Trek - aufgewachsen. Wobei ich SF-Serien durch meine Mutter und meine Tanten kennengelernt habe (keine Ahnung, was die Herren in meiner Familie da geguckt oder gelesen haben).
SF habe ich außer Dystopien zwar immer noch nicht viel Fertiges (= Rohfassungen) in der Schublade, das liegt schlicht daran, dass ich mich im Fantasybereich bislang leichter austoben konnte. Da ich mich mittlerweile aber auch problemlos an Steampunk (höherer Recherche Aufwand) traue, wird SF (hier will ich noch präziser sein) auch bald nachziehen. Von Krimis (noch mehr Planung und Ähnliches; ich bin und bleibe Bauchschreiber) lasse ich aufgrund dieses Perfektionismus aber vermutlich noch sehr lange die Finger, falls ich überhaupt jemals einen schreibe.

Bei mir hat es also schlicht mit dem gefühlten Aufwand für mich zu tun und worauf ich gerade Lust habe. Dystopien sind mein Steckenpferd und da lasse ich auch oft Biologie und Informatik mit einfließen. Weltraum-SF habe ich mehrere Kurzgeschichten geschrieben und angefangene Romane (die werden auch noch beendet, im Moment brauche ich mehr Zeit).

Schade fand ich vor allem die Erlebnisse auf einer SF-Convention (Perry Rhodan war vorherschendes Thema; habe ich nie gelesen), wo sehr deutlich bei den Herren (40+ vom Alter) anklang, dass Frauen keine SF können würden. Wir (@L. F. Montemunion @Cel und andere aus der Schreibgruppe) haben uns da schöne Diskussionen geliefert. Ein Fazit warum diese Gedanken da sind gab es nicht. Ich bleibe trotzdem dabei SF zu schreiben.
Titel: Re: An die Frauen und Non Binarys: Warum schreibt ihr SF? Und warum nicht?
Beitrag von: Volker am 10. September 2021, 08:38:13
Schade fand ich vor allem die Erlebnisse auf einer SF-Convention (Perry Rhodan war vorherschendes Thema; habe ich nie gelesen), wo sehr deutlich bei den Herren (40+ vom Alter) anklang, dass Frauen keine SF können würden.
Da waren die aber sehr beschränkt. Ich bin ja auch im selben Alter (cis50+) - und für mich gehören Ursula K. Le Guin, Anne McCaffrey, Andre Norton, C.J.Cherry und andere zu den Klassikern der SF, die man gelesen haben und kennen muss. Wer die unterschlägt, der tut das dann vermutlich auch mit Asimov, Lem, Foster und anderen.

Aber jetzt wo ich mich erinnere: es gibt da im SFCD- und Rhodan-Umfeld eine Ecke, die nur in ihrer eigenen, kleinen, abgeschotteten Pfütze der frühen deutschen SF 'runpaddelt und so beim Stand der 1970er aufgehört hat sich neues anzuschauen. Was ich für SF-Fans sehr schade finde - weil sie je eigentlich neues sucht. Ich wenn ich mal so 'drüber nachdenke: mir fallen kaum Bücher oder Serien ein, bei denen es keine starken Frauenfiguren gibt. Gut, frühe Perry Rhodans vielleicht... (womit sich der Zirkel schließt)
Titel: Re: An die Frauen und Non Binarys: Warum schreibt ihr SF? Und warum nicht?
Beitrag von: Eluin am 10. September 2021, 08:52:29
@Volker ja, waren sie. Leider.
Titel: Re: An die Frauen und Non Binarys: Warum schreibt ihr SF? Und warum nicht?
Beitrag von: AlpakaAlex am 10. September 2021, 12:23:16
Also ich bin ein genderfluides Demigirl und SciFi und ich ist so eine Sache. Nach meinen ersten zwei "großen" (das eine hatte gerade mal 35k) Schreibprojekten habe ich erst einmal Fanfiction geschrieben und zwar zwei Digimon Tamers Fanfictions, die gemeinsam über 500k Wörter kommen. Dabei hatte gerade die zweite einen starken Cyberpunk und "We all live inside a simulation" Einschlag.

Cyberpunk hat mich als Genre auch immer schon fasziniert. Ich habe es bisher nur außerhalb dieser beiden Fanfictions nicht geschrieben. Vornehmlich, weil ich ein wenig zögerlich bin, da Cyberpunk als Genre auch voll bis zum geht nicht mehr mit anti-asiatischen Tropes ist. (Das Problem war bei einer Fanfiction, die in Japan spielt, weniger ausgeprägt.) Allerdings habe ich ein paar Post-Cyberpunk Kurzgeschichten geschrieben.

Aktuell hat mich das Genre Solarpunk auch ziemlich gepackt. Da würde ich gerne etwas drin schreiben. Allerdings weiß ich auch, dass mein Solarpunk deutlich phantastischer wäre, als SciFi-mäßig. Sprich: Natürlich gibt es futuristische Technologien, aber auf jeden Fall auch Magie und diese Dinge.

Dennoch fühle ich mich letzten Endes in der Fantasy, im speziellen  der Urban Fantasy, einfach am wohlsten. Da kann ich besser über die Themen schreiben, die mir dahingehend am Herzen liegen.

Ich habe ein paar Plotbunnies für Cyberpunk (größtenteils Novellen) und ich habe auch einen Plotbunny für eine Solarpunk-Geschichte, aber mal sehen, ob ich die schreiben werde ^^"
Titel: Re: An die Frauen und Non Binarys: Warum schreibt ihr SF? Und warum nicht?
Beitrag von: springcrow am 22. September 2021, 21:48:14
Ich hab eine Lieblings Star Trek Buchreihe (Das Q Kontinuum) welches an GTN anschließt. Ich mag auch Douglas Adams und grundsätzlich, wenn sehr die Charaktere und die Handlung im Vordergrund stehen. SciFi ist gerne mal sehr technikverliebt... klar, darum geht es ja. Aber wenn die Beschreibung zu sehr ins Detail geht, ist meine Aufmerksamkeit weg, dann skippe ich Seiten, oder lege es ganz weg. Ist man hingegen technikbegeistert und versteht etwas davon, sind solche Werke sicher der reine Genuss. Da mag man jetzt mehr Männer finden, auf die das zutrifft, darüber lässt sich streiten. Selber schreiben würde ich SciFi aus dem einen Grund nicht, weil ich mich absolut nicht mit Technik auskenne und mich unwohl dabei fühle, wenn ich genau weiß, der erste Techniker, der das Buch in die Hand nimmt, zerreisst mich in der Luft. Also gute SCiFi lese ich gern, aber selber schreiben, davor schrecke ich zurück. Klar, kann man vieles auch nachlesen, aber das würde mich wahrscheinlich schnell langweilen. Ob meine mangelnde Technikbegeisterung am Geschlecht liegt... glaube ich nicht. Ich kenne technikaffine Frauen und Mädchen, die wohl ihre helle Freude an techniklastigen Büchern hätten, ich gehöre nur einfach nicht dazu.
Titel: Re: An die Frauen und Non Binarys: Warum schreibt ihr SF? Und warum nicht?
Beitrag von: Amber am 23. September 2021, 11:06:00
Ich bin nichtbinär, und ich würde sagen, die Sichtbarkeit nichtbinärer Autor*innen liegt, egal in welchem Genre man sich bewegt, bei Null. Deswegen finde ich die Fragestellung etwas unglücklich - gerade weil ich mich nicht als Frau fühle oder definiere, bin ich mit "Frauen/NB" als homogener Außenseitergruppe nicht so glücklich.
Wie hätte ich mich ausdrücken sollen, damit du dich inkludiert fühlst? Ich bin da (noch) etwas ratlos und mir fehlt eine Hilfestellung um solche unbeabsichtigten Fettnäpfchen zu vermeiden. Danke!
Wenn es gezielt um die Frage geht, warum die Wahrnehmung von Frauen in der Science Fiction so niedrig ist, möchte ich mich gar nicht inkludiert fühlen. :) Ist nicht bös gemeint, aber das sind einfach Äpfel und Birnen - das eine betrifft grob die Hälfte der Bevölkerung, das andere eine doch ziemlich kleine Minderheit, die auch in keinem anderen Bereich des Lebens, geschweige denn der Literatur, wahrgenommen wird. Da verwässert es die Fragestellung, wenn man um jeden Preis die Nichtbinären in die Fragestellung miteinbeziehen muss.

Ich vermute allerdings, dass bei den meisten Lesenden leider noch gar nicht angekommen ist, dass du nicht-binär bist, weil dein Name weiblich klingt. Insofern hängt die Außenwahrnehmung deiner Werke meines Erachtens durchaus mit der Wahrnehmung von Autorinnen zusammen.

Die Motivation, dieses oder jenes zu schreiben ist natürlich noch mal etwas anderes, das in erster Linie von einem selbst ausgeht.
Titel: Re: An die Frauen und Non Binarys: Warum schreibt ihr SF? Und warum nicht?
Beitrag von: Amber am 23. September 2021, 11:12:17
Unabhängig von den bisher genannten Aspekten (vielen, vielen Dank dafür!) habe ich die These, dass ein Grund für einen geringeren Autorinnenanteil in der SF in der Schulbildung liegen könnte.
Mädchen wird bewußt oder unbewußt weniger Technikverständnis zugestanden und sie werden weniger offensiv in den MINT Fächern gefördert. Projekte wie das Ada Lovelace Projekt (https://ada-lovelace.de/) sind da leider noch zu wenig bekannt.
Würdet ihr da zustimmen oder seht ihr das ganz anders?

Edit: hat sich mit Klecks überschnitten

Ich stimme dir hier zu, Wildfee. Der Frauenanteil in den sogenannten MINT-Fächern ist immer noch nicht sonderlich hoch.
Schwierig finde ich die Denke, dass man zwingend technische oder naturwissenschaftliche Vorbildung bräuchte, um SF zu schreiben. Oder die Annahme, die mir öfter begegnet ist, dass "Hard SF" irgendwie echter/besser sei als "Soft SF".

Ich persönlich kann mit "Hard SF" nicht wirklich was anfangen ... überspitzt formuliert: wenn ich eine technische Bedienungsanleitung lesen will, dann mache ich das.

Es schreiben ja auch Leute sehr gute historische Romane, die keine Historiker*innen sind.