Tintenzirkel - Das Fantasyautor:innenforum

Handwerkliches => Workshop => Thema gestartet von: HauntingWitch am 08. Dezember 2011, 15:08:36

Titel: Wie detailliert recherchiert ihr?
Beitrag von: HauntingWitch am 08. Dezember 2011, 15:08:36
Die Frage an sich beschäftigt mich schon seit längerer Zeit, aber aus aktuellem Anlass stelle ich sie nun endlich: Wie detailliert recherchiert ihr? Muss in einer "realen" Welt (gerade bei Urban Fantasy) wirklich jede letzte Einzelheit der Wirklichkeit entsprechen oder kann man auch mal etwas erfinden? Wo würdet ihr die Grenze ziehen?

Im Thread bezüglich "emotionale Textkritik" (um den es mir hier aber nicht geht und den ich jetzt nur still verfolgt habe), hat Dani geschrieben:

Zitat
Jemand, der sich mit Veröffentlichungsabsichten trägt, kann nicht einfach sagen: Hm, da war's dann schwierig zu recherchieren, also hab ich mir den Rest ausgedacht.

Aber da gibt es doch auch eine Grenze, oder? Ich meine, ich erfinde zum Beispiel Locations wie eine Bar oder ein Café gerne mal, einfach weil es mir wirklich zu anstrengend ist, jetzt recherchieren zu gehen, ob es irgendwo in einer deutschen Stadt vor Berlin an einer eher breiten Strasse ein reales Café gibt, das meinen Ansprüchen gerecht wird. Da kann doch ein fiktives Café nehmen.

Handkehrum verstehe ich aber auch die andere Seite: Für einen Einheimischen eines bestimmten Ortes ist es natürlich irritierend, wenn so ein Ort in real nicht existiert und er das weiss, sich das aber vorstellen soll.

Das sind jetzt nur Orte. Aber auch betreffend Handlungen/Situationen/Umstände: Habe ich einen Prota, der unter der Hand einen Job bekommen soll, weil er zufällig an einem wichtigen Ort etwas Wichtiges tut; Soll ich jetzt recherchieren gehen, ob es in angesetztem Jahr in der spielenden Stadt irgendeine wichtige Location gegeben hat, in der etwas Entsprechendes stattgefunden hat? Ist doch Quatsch, wie soll denn das gehen? Da bräuchte ich für mich konkret jetzt dermassen viel Zeit für die Recherche, dass sich das imo gar nicht mehr rechnet. Kann ich da mein wichtiges Ereignis nicht einfach erfinden?

Worauf es hinausläuft, ist folgendes: Da ein Roman, vor allem ein Fantasy-Roman, ja sowieso unter der Prämisse "erfunden" geschrieben wird, stört das dann irgendjemanden? Eine wie grosse Rolle spielt das? Was ich verstehe ist, dass, wenn man reale Vorbilder nimmt, man sich auch im Roman an die Fakten halten sollte. Aber wenn es keine entsprechenden realen Vorbilder gibt, bzw. wie oben gesagt, man nicht weiss, ob es diese gibt - ist es dann ein Problem?

Joa, das sind jetzt doch mehr Fragen geworden, ich hoffe, sie sind einigermassen verständlich.

LG Witch
Titel: Re: Wie detailliert recherchiert ihr?
Beitrag von: Thaliope am 08. Dezember 2011, 15:24:45
Ich denke, man sollte die Frage, wie viel bzw. wie detailgenau man recherchiert, nicht nur vom Arbeitsaufwand abhängig machen, sondern davon, welches Endergebnis man gerne hätte.
Wenn ich ein besonders authentisches Flair wiedergeben möchte, zum Beispiel von einem bestimmten Kiez/Viertel, das wiedererkennbar sei sollte, ist es sicher hilfreich, die Cafés und das entsprechende Interieur genau zu recherchieren.
Für einen rein fiktiven Roman ist es - wie schon in dem anderen Thread angedeutet - eher wichtig, dass die Läden glaubwürdig sind. Da würde ich große Bauwerke, Wahrzeichen, Institutionen übernehmen, aber Cafés und Kneipen wechseln ja auch so oft ... Wenn es glaubwürdig ist, dass in dieser oder jener Straße ein solches Café existiert (hat), ist es gut. Dann kann man auch ganze Straßen erfinden, die es auf der Karte gar nicht gibt - aber geben könnte. Ich denke, das ist der springende Punkt.
Die Entscheidung, ob ich recherchiere oder erfinde, sollte aber auf jeden Fall vom gewünschten Effekt abhängig gemacht werden und nicht aus Angst vor zu viel Arbeit fallen.

Ein Beispiel aus dem Fernsehen: Der Münster-Tatort. Da gibts tolle Szenen, wie ein Auto durch die Stadt fährt. Unverkennbar Münster. Aber wenn man darauf achtet, wo der Fahrer rauskommt, wenn er um diese oder jene Ecke biegt, merkt man, dass sie es ganz anders zusammengesetzt haben. Das ist okay, finde ich. Es ist der Handlungsort einer fiktiven Geschichte.
Gerade wenn man Geschäfte oder Kneipen in der Geschichte verwendet, in denen sich wichtige, hässliche oder gesetzeswidrige Handlungen vollziehen, ist es wahrscheinlich sogar sinnvoller, sich einen ähnlichen Laden auszudenken, anstatt dem real existierenden die Geschichte unterzujubeln.

So. Jetzt hab ich aber viel gebabbelt. War wohl Nachholbedarf :)
LG
Thali
Titel: Re: Wie detailliert recherchiert ihr?
Beitrag von: Runaway am 08. Dezember 2011, 15:26:15
Ich hab das drüben geschrieben, weil es drüben für mein Empfinden eher nicht um Fantasy ging, sondern schon um etwas Realexistierendes, wo nur ordentlich viel Fiktion statt Recherche ihr Unwesen trieb. So wie ich das verstanden habe, ging es ja um eine Romanze in der heutigen Welt und nicht um Fantasy.
Bei Fantasy recherchier ich mir auch keinen Wolf! Ganz klar. Die einzige Recherche, die ich bei Fantasy betrieben habe, drehte sich um Kampfkunst, viel Medizinisches und noch irgendsoein Zeug, mit dem meine Protas in ihrer Welt in Berührung gekommen sind.

Zitat
Ich meine, ich erfinde zum Beispiel Locations wie eine Bar oder ein Café gerne mal, einfach weil es mir wirklich zu anstrengend ist, jetzt recherchieren zu gehen, ob es irgendwo in einer deutschen Stadt vor Berlin an einer eher breiten Strasse ein reales Café gibt, das meinen Ansprüchen gerecht wird. Da kann doch ein fiktives Café nehmen.
Kann man. Mach ich auch. Das ist aber dann auch so ein kleines unwichtiges Detail, wo man ruhig kreativ werden und sich was ausdenken kann. Das ist ja nicht so handlungstragend wie im genannten Indianer-Beispiel, wo einfach mal der Indianerstamm, um den es geht, erfunden wird.

Ich finde, das ist der wichtige Punkt. Man sollte bei allem, was nicht Fantasy ist (und da gern trotzdem auch!) die wirklich wichtigen Elemente recherchieren, so daß man ein glaubhaftes Konstrukt erschafft. Wenn man darüber hinaus bei den Details in die Fiktion geht, nimmt einem das keiner übel.

In meinem konkreten Beispiel war's schon so, daß ich mir einen ganzen Tag in der Stadt angetan hab, in der meine Geschichten spielen. Ich hab mir die Orte angeguckt, von denen ich wußte, daß sie vorkommen und ich hab Fotos wie ein Weltmeister gemacht.
In der Folge passiert es jetzt auch immer mal wieder, daß Orte vorkommen, die ich nicht kenne. Ich hab da zum Beispiel kein Kino gesehen, aber meine Protas gehen da mal hin. Einmal kurz. Da steck ich dann keine Energie rein und schreib dann halt: Sie gehen ins Kino.
Was die Handlung und den ganzen Psycho-Krams angeht, hab ich sehr genau recherchiert, um mich nicht schämen zu müssen, wenn den Text mal einer liest, der sich auch damit auskennt.
Ich glaub, im Grunde genommen kann man sagen: Man muß glaubhaft sein. Das hat ja drüben im Thread meines Wissens auch einer gesagt. Wenn man insgesamt kundig rüberkommt und sich keine dicken Schnitzer bei irgendwelchen Fakten erlaubt, darf auch mal ein bißchen Phantasie gestattet sein! Schließlich sind wir ja Künstler und keine Journalisten.
Titel: Re: Wie detailliert recherchiert ihr?
Beitrag von: Malinche am 08. Dezember 2011, 15:26:36
Zitat
Aber da gibt es doch auch eine Grenze, oder? Ich meine, ich erfinde zum Beispiel Locations wie eine Bar oder ein Café gerne mal, einfach weil es mir wirklich zu anstrengend ist, jetzt recherchieren zu gehen, ob es irgendwo in einer deutschen Stadt vor Berlin an einer eher breiten Strasse ein reales Café gibt, das meinen Ansprüchen gerecht wird. Da kann doch ein fiktives Café nehmen.

Das sehe ich auch so – wenn es wirklich nur darum geht, dass es irgendeine Bar, irgendein Café, irgendeine breite Straße ist. Es würde mich jetzt auch nicht stören, wenn ich z.B. deinem Beispiel folgend von einem Café in Berlin lese, dann dort vorbeikomme und es gibt das gar nicht. Carlos Ruiz Zafón hat das im »Schatten des Windes« sehr schön vorgemacht: Er beschreibt ein sehr reales Barcelona, teilweise auch mit ganz genauen Ortsangaben, aber wenn man hinfahren und nachsehen würde, würde man feststellen, dass es an der Adresse dann doch keine kleine Buchhandlung oder eine verfallene Villa gibt. Und das stört selbstverständlich niemanden.

Bei Ruiz Zafón funktioniert das, weil er Barcelona kennt und beschreiben kann. Und ich denke, genau das ist der Punkt.

Wenn wir von Orten sprechen, ist Recherche vor allem dazu da, das Bühnenbild stimmig zu gestalten. Wir können einen fiktiven Ort – einen Park, ein Café, eine Bibliothek, einen Vorlesungsraum – in Berlin, Barcelona oder sonstwo beschreiben, und niemand wird uns deshalb auf die Füße treten, weil es den in echt nicht gibt. Er muss sich nur »echt« anfühlen. Man muss also nicht recherchieren, ob es an der Müllerstraße in Berlin-Wedding ein Café gibt, das zu meinem Plot passt, aber man sollte vielleicht ungefähr herausfinden, wie es in dieser Straße denn sonst so zugeht, ob da Plattenbauten stehen oder Altbauten mit Stuckfassade, ob die Straße von Designershops oder doch eher türkischen Gemüseläden gesäumt wird. Ich behaupte mal, dass das alles nicht unbedingt im Text stehen muss, aber ich als Autor sollte das Bild im Kopf haben. Wenn ich behaupte, es ist ein Café in Berlin-Wedding, dann sollte der Leser mir das abnehmen.

Meine Projekte spielen fast immer in der realen Welt und Recherche ist für mich darum unheimlich wichtig. Ich recherchiere relativ genau, und zwar soweit, dass ich mich selber beim Schreiben sicher fühle. Als ich meinen NaNo-Roman 2010 begann, stolperte ich gleich am Anfang, weil ich nicht wusste, wie man in einem kleinen Andendorf des 18. Jahrhunderts wohl Licht gemacht hat. Kerzen? Öllampen? Feuersteine? Streichhölzer? Den Leser wird das Detail vielleicht nie interessieren, aber mir war es wichtig, weil ich das Gefühl hatte, dass es für den Gesamteindruck einfach wichtig ist.

Zitat
Habe ich einen Prota, der unter der Hand einen Job bekommen soll, weil er zufällig an einem wichtigen Ort etwas Wichtiges tut; Soll ich jetzt recherchieren gehen, ob es in angesetztem Jahr in der spielenden Stadt irgendeine wichtige Location gegeben hat, in der etwas Entsprechendes stattgefunden hat? Ist doch Quatsch, wie soll denn das gehen? Da bräuchte ich für mich konkret jetzt dermassen viel Zeit für die Recherche, dass sich das imo gar nicht mehr rechnet. Kann ich da mein wichtiges Ereignis nicht einfach erfinden?

Wenn es nur darum geht, dass er unter der Hand einen Job bekommt, reicht Erfinden vielleicht aus. Wenn es für den Plot und den Prota auch wichtig ist, was für einen Job er bekommt, könnte man durchaus noch mal gucken. Wenn es z.B. ein Bauarbeiter sein soll, findet man doch ziemlich schnell heraus, ob es in der Zeit irgendwelche Großbauprojekte gegeben hat … Ich finde es sehr reizvoll, Fiktion und Realität bei so etwas zu mischen. Ich mag das bei Büchern auch ganz gerne, wenn Fiktives auf diese Weise real unterfüttert wird. Es kann dem Leser, wenn man es gut macht, meiner Meinung nach eben vermitteln, dass der Autor sorgfältig recherchiert hat und weiß, wovon er spricht.

Und Details können ungeheuer viel ausmachen.

Gerade habe ich eine Kurzgeschichte geschrieben, die an einem ganz bestimmten Tag in Perú spielt, an dem ein furchtbares Erdbeben stattgefunden hat. Länger als das Schreiben hat auf jeden Fall die Recherche gedauert. Ich habe mir endlos Dokumentationen und Videos auf Youtube angesehen – langwierig, mühsam, aber anders hätte ich nicht herausbekommen, was an jenem Tag für ein Wetter war, dass an genau diesem Tag das Eröffnungsspiel einer Fußball-WM ausgetragen wurde usw. und so fort. Für mich hat sich der Aufwand gelohnt, weil ich dann das Gefühl hatte, eine runde Geschichte schreiben zu können. Von daher: Ich recherchiere meistens solange, bis ich meinen schriftstellerischen Seelenfrieden habe. :)
Titel: Re: Wie detailliert recherchiert ihr?
Beitrag von: TheaEvanda am 08. Dezember 2011, 15:29:44
Eine wichtige Regel habe ich mal von einem Lokalkrimi-Autor gelernt:

Orte wo die Bösen wohnen/hantieren/agieren MÜSSEN erfunden sein.
Orte, wo die Guten wohnen/hantieren/agieren DÜRFEN erfunden sein.

Und wenn man etwas erfindet, muss es sich ins Lokalkolorit einfügen. In der Biedermannstraße stehen nur vierstöckige Bürgerhäuser. Ein weiteres dazuerfinden ist OK, aber das dazuerfundene Haus als modernen Glaspalast darstellen ist nich in Ordnung.

Zusätzlich ist es immer gesund, nicht zu konkret zu werden - man muss als Autor nicht schreiben, dass es zwanzig Schritte von Haustür A nach Haustür B sind, solange es nicht plotrelevant ist. Gesünder für Autoren und fan-atische Leser ist es, "von A nach B war es nicht weit" zu schreiben. Eine gewisse Unschärfe macht die Geschichte lesbarer und überschüttet den Leser nicht mit zu vielen Fakten.

(Außerdem ist es dann einfacher, weitere Geschichten in der gleichen Gegend anzusiedeln oder eine Fortsetzung zu schreiben)

Recherche ist sehr wichtig in Sachen Ambiente und plotrelevante Details. Ich verwende trotzdem nicht mehr als 10% der recherchierten Fakten in einem Roman - der Rest klüngelt in meinem Hinterkopf herum und sorgt dafür, dass die Atmosphäre besser rüberkommt.

Ein Schauplatz-Beispiel:
Setzung: Edles Großbürgerdomizil 2011
Unterstützende Details: Knüpfteppiche auf dem Boden, Designersofa, Schlüssel mit Lochmuster statt Bart. Alles ist blitzeblank aufgeräumt - man betritt offensichtlich den öffentlichen Teil des Hauses.

Das reicht schon um die Atmosphäre zu transportieren. Dass im Vorbild dieses Hauses (ein ganzer Satz Einrichtungszeitschriften und Möbelkataloge der höheren Preisklasse) die Teppiche echte hochflorige Nomadenteppiche mit Farbfehler sind, das Designersofa und die Küche in der 40.000 Euro-Preisklasse (Vollholz vom Schreiner, 2008 und Büffelleder, 2010 erworben) liegen, dass der Hausherr wegwerfend über seine Teppiche sagt, dass er im Irak auf dem Markt schwach geworden ist, dass der Schaukelstuhl Baujahr 1988 ist und die Harfe in der Ecke vom amerikanischen Harfenbauer Venus stammt und mit echtem Blattgold verziert ist... das braucht es nicht wirklich für diesen Ort.

Das ist nur schön-zu-wissen, falls der Protagonist in einem dieser Bereiche ein gebildetes Auge hat. Den Leser würde man damit schnell erschlagen.
Viel Recherche ist gut, die Ergebnisse gut zu dosieren ist besser. Aber dafür braucht man die Recherche, um das Wesentliche zu finden und ein Gefühl für die Dosis zu entwickeln.

--Thea
Herzogenaurach Germany
Titel: Re: Wie detailliert recherchiert ihr?
Beitrag von: Michaela am 08. Dezember 2011, 15:30:00
Zitat
Worauf es hinausläuft, ist folgendes: Da ein Roman, vor allem ein Fantasy-Roman, ja sowieso unter der Prämisse "erfunden" geschrieben wird, stört das dann irgendjemanden? Eine wie grosse Rolle spielt das? Was ich verstehe ist, dass, wenn man reale Vorbilder nimmt, man sich auch im Roman an die Fakten halten sollte. Aber wenn es keine entsprechenden realen Vorbilder gibt, bzw. wie oben gesagt, man nicht weiss, ob es diese gibt - ist es dann ein Problem?


Gebäude können erfunden werden, viele Schriftsteller tun das, sogar bei nicht Fantasy Romanen. Es ist kein Problem solange du kein Reales Setting wählst. Wenn du über einen bestimmten Berufszweig etwas schreibst, solltest du über das Berufsbild bescheid wissen. Sonst könnte es peinlich werden. Es gibt Dinge die sachlich korrekt niedergeschrieben werden sollten, wenn es sich um etwas reales handelt.
Wenn du eine neue Tierart oder Pflanzenart erfindest, entscheidest ja auch du allein, wie sie aussieht, duftet und sich anfühlt.

Ich hoffe das hilft dir weiter.

Liebe Grüße Michaela
Titel: Re: Wie detailliert recherchiert ihr?
Beitrag von: Nirathina am 08. Dezember 2011, 15:37:20
Also viel gibt es dazu ja nicht mehr zu sagen, das haben meine Vorredner bereits erledigt.

Dennoch: Vor allem, wenn ich High Fantasy mit Mittelalter-Setting schreibe, bin ich viel mit Recherche beschäftigt. Schmieden, Gerben, all so was wird ja ab und zu mal näher beschrieben und dann reicht es mir nicht, wenn ich nur was von "Schmiede" dahinklatsche. Esse, Hammer, Amboss, Wasser, gefalteter Stahl - das ist eine authentische Schmiede  :)

Auch die Bestandteile einer Rüstung kommen nicht von ungefähr, genauso wie Steinmetzarbeiten oder Werkzeuge. Oder Schiffsbau und die Einzelteile eines Schiffes, das Herstellen von Netzen, der Aufbau einer Werft oder einer mittelalterlichen Feudalgesellschaft: Das sind alles Dinge, die ich nicht wusste, bis ich sie recherchiert hatte.

Und wie Malinche es so schön ausdrückte: Auch ich beende die Recherche erst dann, wenn ich glaube, dass alles stimmt und ich genug weiß, um damit arbeiten zu können.
Titel: Re: Wie detailliert recherchiert ihr?
Beitrag von: Nycra am 08. Dezember 2011, 15:41:48
Hm, ich denke auch, Recherche ist wichtig. Bis zu einem gewissen Grad. Natürlich kann man im Fantasy Naturgesetze außer Kraft setzen. Aber wenn ich beschreiben will, wie etwas nicht funktioniert, muss ich vorher wissen, wie es funktioniert.

Meine Dhraden spielen z.B. in Neuseeland. Meine Recherchen waren langwierig, weil man zwischen Nord- und Südinsel unterscheidet, und dort Flora und Fauna unterschiedlich sind. Ich habe diverse Links abgespeichert, in Foren gestöbert und teilweise derart unterschiedliche Informationen erhalten, dass ich nicht mehr weiter wusste. Ich habe daher beschlossen, erstmal runterzuschreiben und alles an dem von mir geplanten Ort anzusiedeln.

Aber: Der springende Punkt ist, jemand der sich dort auskennt, wird in der aktuellen Fassung sofort merken, dass ich keine Ahnung habe, wovon ich da schreibe und dass ich nur des Nutzens Willen diesen Ort gewählt habe. Gleichsam bedeutet das für mich, weiter zu recherchieren (über persönliche Kontakte in diversen Foren), und dann nachzuarbeiten. In diesem Fall eine bewusste Entscheidung.

Habe ich die Recherchen im Vornhinein gründlich durchgeführt (und eine Bar, ein Haus oder Café an einem bestimmten Ort würde ich nicht dazu zählen, es sei denn, es ist ein allgemeinbekanntes Gebäude (Museum, Polizeistation etc. pp)), bekomme ich hinterher nicht allzu große Probleme, glaubhaft zu machen, wo ich mich in der Erzählung befinde.

Viel Wichtiger finde ich Recherchen zu Themen, über die fast jeder ein bisschen was, aber nicht alles weiß. Wenn ich auf die Dinge zurückgreife, die ich vielleicht mal irgendwo aufgeschnappt oder übers TV verkauft bekommen habe.

Ein wie ich finde passendes Beispiel:

Jeffrey Deaver hat in seinem letzten Romane eine Killer mithilfe von Strom töten lassen. Ahem. Ich war so frei und habe die darin vorgegeben Erklärungen von meinem Mann (Elektroniker) prüfen lassen - auch aus dem Grund, weil ich den ganzen Schmodder darin sehr gut und für mich verständlich erklärt fand. Mein Holder hat mir dann bestätigt, dass das sehr gut recherchiert und alles der Wahrheit entsprechend war. Hätte er den Roman gelesen und es wäre alles falsch gewesen, hätte er das Buch beiseite gelegt und gesagt, was für ein Schrott. So aber: Hut ab!
Titel: Re: Wie detailliert recherchiert ihr?
Beitrag von: gbwolf am 08. Dezember 2011, 15:42:07
Ich gehöre zu den Leuten, die meistens sehr genau recherchieren. Liegt zum einen daran, dass ich selbst Authentizität sehr schätze und zum anderen schreibe ich viel SF und da hauen einem die meisten Leser einen auf die Nase, wenn man plötzlich Lasergeräusche im All hören kann oder der Flug zum Jupiter 2 Tage dauert, obwohl ich einen konventionellen Antrieb habe.

Generell aber muss die Recherche zum Roman (Novelle/Kurzgeschichte/...) passen und die Welt in sich glaubhaft sein. Da hat man es mit der realen Welt eigentlich sogar am einfachsten: Wir kennen alle die Naturgesetze, nach denen sie funktioniert, der Tabakladen an der Ecke steht nunmal dort und den geschichtlichen Hintergrund einer Statue weiß man auch. Die Welt in sich funktioniert einfach. Bei einer erfundenen oder teilweise erfundenen Welt muss ich meine Teile so ausbalancieren, dass alles in sich authentisch ist. Dabei ganz entscheidend ist die Lesererwartung.

Schreibe ich für einen Leserkreis, der Star Wars heiß und innig liebt und mehr Wert auf Action legt als auf Physik, dann muss es im All knallen, Naturgewetze hin oder her! Aber dann auch gleichmäßig. Will meinen: Dann darf ich nicht den ganzen Roman akkurat halten und an einer Stelle schummeln. Dann muss es sich passend einfügen und die ganze Handlung muss klar machen: Hier geht es nicht um Pi auf die letzte Stelle genau, sondern um Action, mitreißende Figuren, eine Space Opera-Story, die einen alles vergessen lässt!
Genauso ist es momentan ja mit den sogenannten "Love & Landscape"-Romanen. Die wenigsten der Autorinnen waren je in Neuseeland, Afrika, Südamerika und selbstverständlich erst recht nicht im 19. Jahrhundert! Die Romane halten sich an die Erwartungen der Leser. Das führt natürlich zu moppernden Kommentaren von Leuten, die sich dort auskennen, aber so lange man in einem gewissen freien Rahmen bleibt (Also beispielsweise ein fiktives Dorf gestaltet, in dem die Leute aber so leben, wie Leute damals in der Gegend gelebt haben), dann darf man selbstverständlich auch ein wenig Romantisieren und Idealisieren. Als Recherche bieten sich hier vor allem gängige Genreromane an, um zu verstehen: Was wünschen sich die Leser an Realismus und was wünschen sie sich an romantisierten Idealen?

Dann kann ich natürlich kleine Dinge in ein bestehendes System einfügen. Die ausgedachte Bar ist so ein Fall. Klar ist das Stadtviertel real und auch die Leute, die dort herumrennen, aber man kann aus diversen Gründen nicht immer eine echte Bar benutzen. Hauptsache, man hat so gut recherchiert, dass die Leser dem Autor glauben, dass eine solche Bar mit einem solchen Publikum in einem solchen Viertel möglich ist. Also kein blinkendes Edelbordell im muslimischen Viertel. Das ist ja mit den Werwölfen und Vampiren genauso: Ihr Auftauchen und ihre Existenz haben eine Begründung. Es steht nicht plötzlich ein Wer-Pinguin in einer völlig normalen Welt beim Bäcker, weil dem Autor nichts besseres einfällt, um anzudeuten, wie fischig die Brötchen schmecken. Der Alligator steht da, weil in der Welt ein gewisser Grad an Seltsamkeiten normal ist (Was man dann wiederum mit der Historie in Deckung bringen muss. Dann steht in Leipzig halt kein Goethe aus Bronze, sondern ein Goethe-Kätzchen aus Blei).

Und selbst wenn ich alles komplett erfinde, muss die Welt passen. Mich hat es bei der Neuverfilmung von "Planet der Affen" fürchterlich aufgeregt, dass die Affen Möbel wie Menschen haben. Affen hätten Möbel, die nach ihren Möglichkieten gestaltet wären! Also einen Basketballkorb, der mit wagemutigen Klettereien zu erreichen ist, ein Spielfeld, dass zu ihrer Bewegungsart passt und keinen flachen Platz.
Natürlich hat man auch hier Freiraum, wenn die Leser die Geschichte so akzeptieren, aber schöner sind stimmige Welten wie die Null-Schwerkraft bei Karl Schroeder "Planet der Sonnen" oder die Fliegerkultur mit ihren Stürmen aus George R. R. Martins "Sturm über Windhaven".
Und ein Schwertschlag ist nunmal ein Schwertschlag und ein Mensch ein Mensch: Die Verletzungen sind die selben wie bei uns. Und wenn Leder nicht magisch gegerbt wird, dann muss man nunmal draufpinkeln und dann stinken billige Lederrüstungen und der Ritter in der Plattenrüstung ersäuft im Fluss oder ist zu langsam gegen den Drachen.

Wir sehen: Ich bin in Sachen Recherche Puristin und kaum etwas sträubt mir mehr die Nackenhaare als Andeutungen, bei Fantasy, SF oder Alternativhistorie dürfte man alles. Man darf alles - aber man muss viel Arbeit in die Glaubwürdigkeit stecken!
Titel: Re: Wie detailliert recherchiert ihr?
Beitrag von: Grey am 08. Dezember 2011, 15:44:34
Von daher: Ich recherchiere meistens solange, bis ich meinen schriftstellerischen Seelenfrieden habe. :)

Sehr gut auf den Punkt gebracht. ;D

Was für mich immer an erster Stelle steht, ist die Glaubwürdigkeit. Wenn ich über "echte" Orte schreibe, dann will ich diese Orte auch in meinem Buch einfangen, so dass man sie wiedererkennt. Wenn ich über eine bestimmte Zeitepoche schreibe oder ein bestimmtes Land, dann möchte ich nicht, dass mir jemand, der sich intensiv mit diesem Land und/oder dieser Epoche beschäftigt hat, mir mein Buch einfach auseinandernehmen und mir beweisen kann, dass es so niemals hätte stattfinden können - während ich nur hilflos gucken und sagen kann: "Aber es ist doch eine *fiktive* Geschichte!" Das befriedigt meinen Anspruch an mich selbst nicht. Ich möchte wissen, wovon ich rede.

Ein Beispiel: In der "Blutgabe" habe ich mir einen Virus ausgedacht, der für Vampirismus verantwortlich ist. Natürlich gibt es den nicht. Trotzdem habe ich mehrere Biologen und Biochemiker/Immunologen, die sich schon sehr viel länger mit der Materie beschäftigen als ich, drüberschauen lassen, ob dieses Konstrukt zumindest theoretisch so plausibel ist.

Ich gehe da immer von meinen eigenen Ansprüchen als Leserin aus. Ich habe es am liebsten, wenn eine Geschichte so glaubwürdig erzählt ist, dass Realität und Fiktion verschwimmen. Mein liebstes Beispiel dafür ist "Schattenlichter" von Theodore Roszak. Darin geht es um Filmgeschichte und eine Verschwörungstheorie. Roszak verwebt historisches (Fach-)Wissen und die Geschichte, die er erzählt, so gut, dass ich ziemlich oft nachgeschlagen habe, welche der Filme und Persönlichkeiten, die er auftreten lässt, nun erfunden und welche "echt" sind. Man nimmt ihm alles ab, von vorn bis hinten. Genau so möchte ich schreiben. Aber dafür muss man sich eben gut auskennen in dem Thema, das man behandelt. Sonst kann man das nicht.
Titel: Re: Wie detailliert recherchiert ihr?
Beitrag von: Snöblumma am 08. Dezember 2011, 15:47:43
Als jemand, der bisher nur reine Fantasy ohne Berührung zur realen Welt geschrieben hat, muss ich sagen, dass ich trotzdem unwahrscheinlich viel recherchiere. Medizinische Details sind mir wichtig, beispielsweise. Im Bezug auf Kampftechniken habe ich meine Freunde in der Hinterhand, die fechten, diverse Kampfsportarten betreiben und so weiter. Mein Lieblingsprojekt spielt unter Piraten und auf Segelschiffen - ich weiß gar nicht mehr, wie viele Bücher zu Nautik, Schiffsbau, Schiffsarten und Segeln ich als Landratte gewälzt habe. Das war weder einfach noch spaßig, aber ich wollte mir nicht nachsagen lassen, dass das alles so gar nicht geht, wie ich das schreibe. Bei so etwas bin ich pingelig.

Natürlich hat man im Fantasy immer den Ausweg, Dinge passend zu machen. Weil man zum Segeln bestimmte Techniken im europäischen Mittelalter nicht hatte, heißt das ja nicht, dass ich die in meiner Welt nicht doch schon haben kann. Dann muss ich aber trotzdem wissen, worauf diese Techniken aufbauen, um sie logisch einbauen zu können.

Noch mehr Recherche habe ich in wirtschaftliche und soziale Hintergründe gesteckt. Hier kommt mir mein Interesse zum Glück entgegen, aber ich habe auch da eigentlich nichts dem Zufall überlassen. Ich will wissen, wie und warum die Dinge in meiner Welt so sind, wie sie sind. Der Leser erfährt davon fast nichts. TheaEvandas 10% sind wahrscheinlich eine ganz gute Richtschnur im Bezug darauf, wie viel meiner Recherche der Leser wirklich mitbekommt. Dennoch brauche ich dieses Hintergrundwissen, um mich sicher zu fühlen und die Dinge logisch erklären zu können.

Was Romane anbelangt, die in der realen Welt spielen: Hier kann man meiner Meinung nach gar nicht genug recherchieren. Natürlich darf man ein Café in einer Stadt erfinden. Allerdings muss es in die Gegend passen. Ich kann kein schickes Szenecafé in das Glasscherbenviertel setzen, ohne eine Erklärung dazu, dass es vielleicht gerade deswegen so schick ist, als Geheimtipp, als Adventuretrip für verwöhnte Großstädter oder ähnliches. Anders herum ist es seltsam, wenn plötzlich ein Indie-Studentencafé im schicksten Viertel der Stadt steht. Location und Umgebung müssen zusammenpassen - oder es braucht eine Erklärung, warum sie gerade nicht zusammenpassen. Die Atmosphäre muss stimmen, und wenn ich in der realen Welt schreibe, brauche ich eine Atmosphäre, wie sie in der realen Welt sein könnte. Natürlich darf ich ein Internat für einen Schulroman erfinden, aber es muss wirken, als gäbe es dieses Internat wirklich. Dazu muss ich wissen, wie das Schulsystem derzeit funktioniert, welche Schultypen es gibt, welche Organisationsformen, welche pädagogischen Ansichten, was das Recht des Staates, in dem es liegen soll, mir erlaubt, und und und. Das alles wird im Buch nicht auftauchen, aber nur aus diesen Details werde ich eine glaubwürdige Location zusammenbasteln können.

TheaEvandas Tipp, nicht zu konkret zu werden, finde ich gut. Man muss eine Stimmung transportieren, kein Abbild einer Wirklichkeit fotografieren. Dazu genügt es, einige wenige Details anzudeuten - aber die müssen dann 100% stimmen.
Titel: Re: Wie detailliert recherchiert ihr?
Beitrag von: Lomax am 08. Dezember 2011, 15:57:58
Ich denke, man sollte die Frage, wie viel bzw. wie detailgenau man recherchiert, nicht nur vom Arbeitsaufwand abhängig machen, sondern davon, welches Endergebnis man gerne hätte.
Damit hat Thali eigentlich alles wichtige gesagt. Im Prinzip gibt's da gar kein "Muss". Du kannst sogar den größten unrecherchierten Schmonzes zusammenschreiben, mit aneneinandergereihten Klischees, und damit einen Bestseller landen. Hat es schon gegeben, und muss dich gar nicht stören ... selbst wenn jede Menge Leute sich aufregen, kann es dir egal sein, solange du nicht ausgerechnet auf die Leute, denen es nicht gefällt, als Käufer gezielt hast.
  Also, du hast alle Freiheiten - solltest aber dabei darauf achten, was am Ergebnis wichtig ist und was die Leute interessiert, die das Buch kaufen sollen. Was du darüber hinaus für einen persönlichen "Recherchekodex" hast, ist dann eher dein privates Luxusproblem. ;)
  Aber genauso, wie du in dein Buch reinschreiben kannst, was du willst, dürfen auch alle Kritiker später über dein Buch schreiben, was sie wollen - auch die, für die du's eigentlich nicht geschrieben hast. Tun sie auch oft genug. Wie sehr dich das stört und wie sehr du dir das zu Herzen nimmst, ist dann auch dein persönliches Problem. Bei steigender Auflage wird es dann wohl auch zum Luxusproblem. ;D Du kannst also tun, was du willst; du darfst nur nicht damit rechnen, dass es jedem gefällt und musst ggf. damit leben, wenn dir jemand mangelnde Recherche vorwirft.

Ansonsten hindert dich natürlich keiner daran, viel zu recherchieren und dann trotzdem zu erfinden - weil einfach das, was du erfindest, besser passt als das, was die Wirklichkeit hergibt. Ist meines Erachtens der beste Weg, weil man natürlich umso besser entscheiden kann, wo es am besten fürs Buch ist, wenn man von der Wirklichkeit abweicht, wenn diese Abweichung nicht von der eigenen Unkenntnis diktiert wird, sondern wenn du eine bewusste Abwägung zwischen beiden Alternativen vornehmen kannst. Recherche vs. Erfindung ist nach meinem Empfinden kein Widerspruch.
  Ich find's traurig, wenn Kreativität als Entschuldigung für besseres Wissen und Sorgfalt herhalten muss. Aber das ist dann auch wiederum nur meine persönliche Meinung.
Titel: Re: Wie detailliert recherchiert ihr?
Beitrag von: Jara am 08. Dezember 2011, 16:01:05
Seit mir meine Mitbewihnerin damals in Tschechien gesagt hat ( weil ich mir einen Wolf abrecherchiert habe, inwieweit ein unterirdisches Erdöllager oder etwas entsprechendes explodieren und dabei Umweltzerstörungen hervorrufen kann, die dann in meiner Parallelwelt als schweres Erdbeben in Erscheinung treten):
Es ist doch egal. Wenn es soetwas nicht gibt, erfinde es und lass die Folgen beliebig sein, so wie es dir passt. Es ist doch nur Fantasy.
Wie man sich denken kann, hat sie kaum Fantasy gelesen. Aber an diesem Satz sieht man, wie viel Respekt dem Genre Fantasy von vielen Leuten zuteil wird. Nämlich kaum einer bis keiner.
Und da ich als Schriftsteller ( auch wenn dieses Wort für mich natürlich viel zu groß ist ;)) ernst genommen werden möchte, gebe ich mir Mühe außerhalb aller genretypischen Elemente, die ich nutze, alles logisch und plausiebel zu gestaltet.
Haben meine Charas keine Eidechsengene oder ähnliches, was es erklären könnte, ist das Bein weg, wenn es abgesäbelt wird. Schreibe ich Urban Fantasy und es gibt keine unterirdischen riesigen Erdöltanks, die detornieren können, muss ich mir etwas anderes überlegen. Egal ob jemals irgendwer herausfindet, dass es sie nicht gibt.
Klar bei Cafes, die ohnehin nur Randomschauplatz sind, ist das egal.
Geht mein Prota regelmäßig in ein bekanntes Szenelokal, schaue ich es mir an, inklusive Speisekarte und Veranstaltungen, die dort stattfinden.
Immerhin geben wir uns genauso viel Mühe wie jeder Krimiautor. Fantasy ist auch ein lesenswertes Genre. Und eben nicht jeder kann qualitative Fantasy schreiben Und ich finde eben, Recherche ist ein gutes Merkmal dafür, wie qualitativ wertvoll ( nicht nur) ein Fantasyroman ist.
Titel: Re: Wie detailliert recherchiert ihr?
Beitrag von: Kati am 08. Dezember 2011, 16:02:39
Erstmal muss man ja sagen, dass jeder Roman fiktiv ist und dass ein Leser das auch annehmen muss und nicht erwarten kann, dass alles ganz genau so ist, wie beschrieben (was manche aber leider tun, aber egal).

Trotzdem ist es natürlich wichtig, große Dinge richtig zu beschreiben. Zum Beispiel kann ich nicht einfach in einer meiner London-Geschichten die Tower Bridge schon im 18. Jahrhundert bauen lassen, obwohl sie erst seit Ende des 19. steht. Das geht nicht. Oder bei normaler Urban Fantasy 2011 einfach mal ganz wegnehmen. Wenn man das jetzt mal etwas übertreiben möchte. Ich würde mir auch keine "großen Dinge" ausdenken, wie ein riesiges Bürogebäude mitten in der Stadt. Ich würde schon bei einem Park halt machen. Aber ein Haus einfach dazu erfinden oder ein Café oder einen Supermarkt, das lässt sich doch gar nicht vermeiden. Man kann sich ja nicht einfach ein Haus aussuchen und dort seinen Prota wohnen lassen.  ;D Bei Städten halte ich es ähnlich: Kleine Dörfer ausdenken ist für mich okay, weil die oft nicht mal auf Karten eingezeichnet sind. Große Städte aber würde ich mir nicht ausdenken, das fällt sofort auf.

Hin und wieder habe ich aber den Drang, selbst bei sehr kleinen Details genau zu sein. Ich hatte das letztens erst. Meine Prota klettert über ein Tor zu einem Park. Ich habe Stunden gebraucht um ein Bild von diesem Tor im Internet zu finden. Obwohl ich selbst schon dort war, wusste ich nicht mehr, ob man über das Tor einfach rüberklettern kann, oder nicht. Und ich wollte es nicht falsch machen. Weil: Das Tor ist da seit Jahren und wird da sicherlich auch noch Jahre bleiben. Ein Café hingegen kann morgen zumachen und weg sein. Da überlege ich immer, wie wahrscheinlich es ist, dass etwas so austauschbar ist, dass man es sich ausdenken kann. Sobald ich mir bei sowas nicht sicher bin, gucke ich es nach um bloß keinen Unsinn zu schreiben. Beim Lesen fällt mir das nämlich schon auf, wenn ich den Ort gut kenne. Ich habe mal einen Roman gelesen, indem ein Prota immer einfach so auf einen Friedhof spaziert ist, von dem ich weiß, dass er abgesperrt ist. Man kann da nicht einfach drauf. Das fand ich schon merkwürdig.

Noch dazu sollte man meiner Meinung nach Dinge, die man gar nicht ändern kann, immer sehr genau recherchieren. Historisches, zum Beispiel. Wenn man nicht gerade alternative Geschichte schreiben möchte, muss da alles stimmen.  ;)

Zitat
TheaEvandas Tipp, nicht zu konkret zu werden, finde ich gut.

Ich auch. Was man schwammig lässt, kann man nicht falsch machen.
Titel: Re: Wie detailliert recherchiert ihr?
Beitrag von: Tanrien am 08. Dezember 2011, 16:15:24
Ahhh, ich bin alleine auf weiter Flur? Ich hasse Recherche.  :versteck: Wenn ich erst recherchieren würde, bevor ich schreibe, würde ich nie schreiben, weil ich mich ganz vor dem Recherchieren drücken würde. Da schreibe ich lieber erst und mache danach die Recherche als ein umfangreiches fact-checking beim Überarbeiten. Wenn ich dadurch ganze Plotstränge umändern muss, dann ist das halt Pech. Ist mir das immer noch lieber als die grausige Vorstellung, vor dem Schreiben recherchieren zu müssen.

TheaEvandas Tipp, nicht zu konkret zu werden, finde ich gut. Man muss eine Stimmung transportieren, kein Abbild einer Wirklichkeit fotografieren. Dazu genügt es, einige wenige Details anzudeuten - aber die müssen dann 100% stimmen.
Das klingt gut! Gewisse Stellen, wo es passend ist, richtig herausarbeiten und den Rest (grob) in sich stimmig halten. Um mit Nirathinas Beispiel von der Schmiede zu arbeiten:
Schmieden, Gerben, all so was wird ja ab und zu mal näher beschrieben und dann reicht es mir nicht, wenn ich nur was von "Schmiede" dahinklatsche. Esse, Hammer, Amboss, Wasser, gefalteter Stahl - das ist eine authentische Schmiede
Braucht man ja auch nur, wenn der Protagonist sich mal länger in einer Schmiede aufhält und selber Ahnung davon hat. Um einmal zu einer Schmiede zu gehen, weil man den Schmied, der eh gerade Pause macht, nach der abgebrannten Kneipe fragen will, müsste man ja das nicht wissen - die Schmiede kann also "unklar" bleiben. Der Fokus befindet sich auf anderen Sachen.
Titel: Re: Wie detailliert recherchiert ihr?
Beitrag von: Sorella am 08. Dezember 2011, 16:19:29
Ich finde auch, dass es die Mischung macht. Ich schreibe Urban Fantasy. Manche Kapitel handeln an ganz bestimmten Orten in der realen Stadt. Die muss ich wirklich ausführlich recherchieren. Manche Szenen spielen in Wohnhäusern, Gassen, Supermärkten - die sind wohl in jeder deutschen Stadt verhältnismäßig gleich, da brauche ich nicht zu recherchieren, sondern schreibe aus meinem Erfahrungsschatz heraus.

Allerdings sind mir die gut recherchierten Kapitel mit coolen Settings die allerliebsten, auch wenn sie eine Heidenarbeit machen. Gerade schreibe ich ein Kapitel in einer ganz speziellen Großraumdisco. Die habe ich ausführlich recherchiert, aber umbenannt in SixSixSix  ;D  - weil ich was Teuflisches gebraucht habe  :darth:.
Titel: Re: Wie detailliert recherchiert ihr?
Beitrag von: Serisamara am 08. Dezember 2011, 16:21:24
Also ich muss schon sagen, ja ihr habt Recht.

Aber ich muss dazu sagen, ich recherchiere zwar auch aber nicht wirklich intensiv. Ich habe bei mir in der Story mehrere Orte in verschiedenen Ländern. Und ja ich hab mir Fotos von der Stadt angeschaut, nur bleiben meine Charas nicht lange an einem Ort. zumindest jetzt noch nicht. Und an dem Ort, wo sie sich länger aufhalten, hab ich ein Schloss im Wald von Frankreich erfunden, weil ich keins gefunden hab, was mir richtig zusagt, oder weil die Schlösser nicht  bewohnt sind und sie von Touristen besucht werden. Das wird bei mir nicht gehen. Also hab ich ein Schloss erfunden, welches in einem großen Waldgebiet verborgen liegt.

Ist das schlimm? Ich frage nur, da ich es sonst abändern muss ;-)
Titel: Re: Wie detailliert recherchiert ihr?
Beitrag von: HauntingWitch am 08. Dezember 2011, 16:22:56
Die Entscheidung, ob ich recherchiere oder erfinde, sollte aber auf jeden Fall vom gewünschten Effekt abhängig gemacht werden und nicht aus Angst vor zu viel Arbeit fallen.

Das ist ein wertvoller Hinweis, danke. Ich hatte nämlich bislang zu viel Angst vor zu viel Aufwand und gar nicht daran gedacht, dass das den Effekt so massiv beeinflussen könnte.

Orte wo die Bösen wohnen/hantieren/agieren MÜSSEN erfunden sein.
Orte, wo die Guten wohnen/hantieren/agieren DÜRFEN erfunden sein.

Das leuchtet mir ein, ich werde es mir merken.

Zu der Dichte: Ein Teil davon leuchtet mir ein und ist mir auch klar. Natürlich möchte ich keinen Leser mit Details darüber erschlagen, wie viele Meter sich zwischen dem Bahnhof Zürich Altstetten und der Strasse, wo mein Prota wohnt, ziehen. Natürlich erzähle ich dem Leser auch nicht, wie viele Fenster ein Grossmünster oder eine Frauenkirche hat. Da stimme ich völlig zu. ;) Aber ich finde, ob die nun von besagtem Bahnhof nach Hause zwei Stunden oder eineinhalb Stunden zu Fuss gehen, kommt dann schon wieder drauf an. Aber das auch nur, weil ich einheimisch bin und mich bei dem längeren Weg fragen würde, ob die denn da nicht extrem langsam sind. Dann wiederum kenne ich den exakten Weg aber selbst nicht, also wird es wohl kaum eine Rolle spielen. Kommt aber dann der einzige Zürcher Leser, der zufällig dieselbe Distanz jeden Tag geht, und sagt: Hey, du, Witch, aber... dann komme ich mir blöd vor, zumal ich ja im Prinzip selbst einheimisch bin. Gut, das ist jetzt ein sehr einfaches Beispiel und war auch einfach herauszufinden in Zeiten von Google Maps. ;)

Aber das wäre mir fast wieder eine eigene Frage wert, einfach vom Leser-Aspekt her: Wie viel Detail geht, ab wann ist es zu viel?

Carlos Ruiz Zafón hat das im »Schatten des Windes« sehr schön vorgemacht: Er beschreibt ein sehr reales Barcelona, teilweise auch mit ganz genauen Ortsangaben, aber wenn man hinfahren und nachsehen würde, würde man feststellen, dass es an der Adresse dann doch keine kleine Buchhandlung oder eine verfallene Villa gibt. Und das stört selbstverständlich niemanden.

Bei Ruiz Zafón funktioniert das, weil er Barcelona kennt und beschreiben kann. Und ich denke, genau das ist der Punkt.

Ein enorm wertvoller Hinweis. Ich war jetzt nämlich genau aus demselben Grund die ganze Zeit im Zwist. Geht das, auch wenn jetzt da an dieser Strasse tatsächlich kein Haus mit genau dieser Farbe steht oder ist das schon wieder zuu unrealistisch? [OT] Das Buch liegt übrigens noch auf meinem Stapel ungelesener Bücher und wird in dem Fall bald verschlungen. [/OT]

Wenn es nur darum geht, dass er unter der Hand einen Job bekommt, reicht Erfinden vielleicht aus. Wenn es für den Plot und den Prota auch wichtig ist, was für einen Job er bekommt, könnte man durchaus noch mal gucken. Wenn es z.B. ein Bauarbeiter sein soll, findet man doch ziemlich schnell heraus, ob es in der Zeit irgendwelche Großbauprojekte gegeben hat … Ich finde es sehr reizvoll, Fiktion und Realität bei so etwas zu mischen. Ich mag das bei Büchern auch ganz gerne, wenn Fiktives auf diese Weise real unterfüttert wird. Es kann dem Leser, wenn man es gut macht, meiner Meinung nach eben vermitteln, dass der Autor sorgfältig recherchiert hat und weiß, wovon er spricht.

Es ist absolut plottragend, was für ein Job er bekommt. Nun muss ich aber sowieso noch recherchieren, ob mein geplantes Szenario für diesen Beruf überhaupt erst realistisch ist. Das mit dem Mischen ist ein paar Gedanken wert.  :hmmm:

@Grey: Ich habe vor ein paar Wochen an einer Leserunde teilgenommen, da kam in dem Buch ein merkwürdiger Stoff vor (später ein Medikament). Jedenfalls hat die Prota an diesem geleckt, mit der Zunge, um herauszufinden, was es genau ist. Die Prota war geübte, ehemalige CIA-Agentin. Wir haben das alle einfach so hingenommen, weil ja, sieht man ja in den Filmen immer und dann schreibt die einzige Biochemikerin in der Leserunde dazu, dass das absoluter Quatsch sei  und alle diese Filme falsch seien. Etwas Dümmeres könne man nicht machen.

Da dachte ich dann auch so: Hm, okay. Eben, bei mir wäre das wohl der einzige Zürcher-Altstetter oder so, aber das spielt ja dann im Detail keine Rolle. Obwohl ich zwar jetzt Angst habe, dass mir so etwas eventuell auch irgendwann einmal passieren könnte, schreckt mich halt ein gewisses Mass an Aufwand schon ab. Wobei, es dann einfach weniger genau zu beschreiben, ist auch blöd, oder? Dann fehlt dem Leser wieder die Vorstellung...

@Lomax: Nun, in Sachen Kritik denke ich, es wird immer mindestens einen geben, der irgendetwas auszusetzen hat, selbst wenn man detailliert recherchiert hat und sachlich absolut korrekt ist. Dann wird ihn etwas anderes stören. Inwiefern ich damit umgehen könnte, wenn ich schlecht recherchiert hätte, habe ich mir allerdings noch nie überlegt. Auch hier danke für den Hinweis.

@all: Das mit dem "richtigen Flair" gibt einigen Aufschluss, danke. :) Dass es glaubwürdig sein muss, steht ausser Frage, ich war mir nur nicht sicher, ab welchem Punkt das kippt. Aber langsam erschliesst es sich mir.
Titel: Re: Wie detailliert recherchiert ihr?
Beitrag von: Arcor am 08. Dezember 2011, 16:23:47
Ich stimme Tanrien zu. Wenn das Schmieden z.B. unwichtig für die Handlung ist, braucht man es nur wenig zu recherchieren. Im Film wäre das etwas anderes, aber im Buch muss man den Blick nicht auf Sachen lenken, die keine Rolle spielen.

Wenn es hingegen eine Rolle spielt oder eine Tätigkeit beschrieben wird, sollte das bitteschön schon so recherchiert worden sein, dass man keine Anfängerfehler macht.
Für meine neue Geschichte brauche ich z.B. Hintergrundwissen über's Segeln. Verschiedene Segeltechniken kenne ich inzwischen, da ich entsprechende Literatur zuhause habe. Aber dennoch werde ich mich nochmal auf die Suche begeben, um für die benötigten Schiffstypen das Interior herauszufinden, da ich das nur von anderen Typen weiß und es doch sehr unterschiedlich ist.

Aber einen Wolf muss man sich nicht recherchieren, v.A. für Fantasy nicht. Niemand wird merken, ob man etwas von Segeln versteht, wenn die Protagonisten nur durch einen Hafen laufen.  ;)
Titel: Re: Wie detailliert recherchiert ihr?
Beitrag von: Serisamara am 08. Dezember 2011, 17:08:59
@witch, mein Freund ist ITler und rauft sich immer die Haare, wenn in Filmen oder Serien die sogenannten Hacker ganz schnell und einfach mal sich irgendwo reinhacken. Oder wenn in z.B. CSI die Leute ein kleines Bild 100fach vergrößern und dann ein glasklares Bild des Verbrechers erscheint. Er erklärt mir auch immer warum das nicht geht ( ich vergesse es nur ständig) . Aber er sagt auch, das es halt ein Film ist.

Das mir nochmal dazu.
Titel: Re: Wie detailliert recherchiert ihr?
Beitrag von: Dogtales am 09. Dezember 2011, 13:17:17
Aber einen Wolf muss man sich nicht recherchieren, v.A. für Fantasy nicht. Niemand wird merken, ob man etwas von Segeln versteht, wenn die Protagonisten nur durch einen Hafen laufen.  ;)

Sehe ich genau so.
Wenn mein Prota aus einer Stoff-verarbeitenden Familie stammen würde, dann müsste ich recherchieren von wo der Stoff kommt, wie er gewonnen, verarbeitet, gefärbt, was auch immer wird. Dann würde ich da aber auch Herzblut reinstecken und alles genau wissen wollen. Wenn er aber nur eine Hose kauft, dann wird ihn (und den Leser) die Herstellung wohl wenig interessieren.

Im Prinzip versuche ich, von allem einen gewissen Grundstock an Wissen zu haben. Und nur da, wo es wirklich notwendig wird, tiefer zu gehen und weiter zu recherchieren.

Das jedoch nur für Fantasy. Ich wage zu behaupten, dass auch ein Fantasy-Leser eine ganz andere Erwartungshaltung hat, als Leser von SF oder Historischen Romanen. Wenn ich in einem Buch lese, wie eine Brücke oder ein Dom gebaut werden, dann verlange ich auch, dass die Informationen die der Autor mir vorlegt stimmig sind.
Wenn eine Protagonistin in der Steinzeit ganz viele tolle Dinge erfindet, Kulturen und Völker überwindet und zusammenführt und kurz davor steht, das Rad zu erfinden, dann glaube ich das nicht. Auch dann nicht, wenn die Autorin sich intensiv mit der Epoche beschäftigt hat und den Rest halbwegs stimmig rübergebracht hat.

Es stellt sich mir aber auch die Frage, kann man zu viel recherchieren?
Ich meine, irgendwann gibt es vielleicht ein zuviel des Guten, man ist versucht, Wissen zu übermitteln, dass der Leser nicht braucht oder das vielleicht sogar den Lesefluss oder die Glaubwürdigkeit stören würde, obwohl es an sich korrekt ist.

Das fällt mir nämlich ein, weil ich meinte, nachdem mein Freund und ich Breaking Dawn gesehen haben, das Ausdrucksverhalten der (Wer-)Wölfe stimmt nicht mit ihrem Verhalten und Gedanken überein. Ein Detail, was mir auffällt, weil ich mich damit intensiv beschäftigt habe. Ein Detail, dass die Wölfe für mich unglaubwürdig gemacht hat und das Empfinden des Films negativ beeinflusst hat. Mein Freund jedoch meinte, es würde die Dramatik beeinflussen, wenn sie sich "korrekt" verhielten, da der Zuschauer Zähne und Speichel und böse, böse Wölfe sehen wollte.
Gut, das war jetzt beim Film, aber vielleicht gilt das auch beim Roman?
Titel: Re: Wie detailliert recherchiert ihr?
Beitrag von: HauntingWitch am 09. Dezember 2011, 14:32:55
Gut, das war jetzt beim Film, aber vielleicht gilt das auch beim Roman?

Ja, habe ich sogar schon gelesen. Da stand in einem Vampirbuch, dass das Blut in einer riesigen Fontäne herausspritzt, wenn die Halsschlagader aufgerissen wird. Das ist medizinisch korrekt, dieses Blut müsste spritzen und der guten Dame über Haut und Kleider fliessen, bis sie die Wunde nicht mehr spürt vor Nässe. Aber ich als Vampirfan, will ich, dass der Vampir so schlechte Tischmanieren hat? Nein, natürlich nicht, ich will einen, der dieses Blut alles sofort in seinen Mund führt und zwar gefälligst ohne zu kleckern. Versuch das mal (also nein, natürlich nicht in Realität!!), das geht praktisch nicht. Auch der geübteste Vampir wäre rein physisch nicht in der Lage, so viel Blut auf einmal aufzusaugen oder da wegzulecken. Aber als Leser ist mir das Piepegal, denn ein Vampir hat elegant und agil zu sein, da gibt es nichts zu rütteln.  ;D

Also ja, kann man. Ich frage mich auch immer, wo ist die Grenze zur Allgemeinbildung? Wann nötige ich meinem Leser zuviel Information auf, die er aber eigentlich sowieso schon besitzt? Ich weiss nicht, ob das noch zum Thema gehört, finde ich aber auch sehr schwierig.
Titel: Re: Wie detailliert recherchiert ihr?
Beitrag von: Alana am 09. Dezember 2011, 14:47:49
Ich sehe das so, wie wohl die meisten hier. Manches muss einfach stimmen. Medizinisches zum Beispiel. Oder auch Pflanzen. Naütrlich kann ich eine Pflanze erfinden, aber wenn ich über eine existierende Pflanze schreibe, dann möchte ich auch, dass die Daten stimmen. Wenn ich über eine andere Zeit schreibe, muss es nicht total akkurat sein, aber es muss möglich sein. Bis zu einem gewissen Grad natürlich. Wenn man sich nicht ganz konkret dafür entscheidet, die Regeln so richtig zu brechen. Das ist ja eigentlich auch das reizvolle daran. Wenn man immer nur schreiben würde, was wirklich passiert oder passiert ist, dann wäre es ja eine Nacherzählung und kein Roman. Aber um die Grenzen zu sprengen, muss man eben auch eine gewisse Menge an Wissen haben.
Wieviel hängt für mich vom Genre, von der Zielgruppe und von der Vorkommenshäufigkeit im Roman ab. Ich schreibe keine historischen Romane, deshalb recherchiere ich meistens solange, bis ich etwas finde, mit dem ich arbeiten kann und das ausreicht, um die Geschichte logisch und authentisch erscheinen zu lassen.

@Dogtales: Das ist definitiv so, wie dein Freund sagt. Ich habe mal eine Doku über genau solche absichtlich falschen Fakten in Filmen gesehen. Zum Beispiel gibt es da das Phänomen des Einschusslochs. Das Blut läuft immer auf der Seite raus, wo der Zuschauer ist. Der Dramatik wegen. Müsste aber, soweit ich mich erinnere, da rauslaufen, wo die Kugel austritt.

@Tanrien: Ich mache das auch so. Ich schreibe erst ein Gerüst, informiere mich teilweise während des Schreibens ein wenig und recherchiere dann erst hinterher richtig. Ich habe vor, das dann jetzt beim editieren umzusetzen. Das hängt aber auch damit zusammen, dass ich wenig Plotte und oft erst beim schreiben merke, was ich überhaupt an Fakten brauche. Bei meinem Nano-Roman habe ich vorher nicht gewusst, dass ich einiges aus dem Mittelalter brauchen würde.

Titel: Re: Wie detailliert recherchiert ihr?
Beitrag von: Darielle am 14. Dezember 2011, 10:23:44
Guten Morgen.

Zitat
Ich schreibe erst ein Gerüst, informiere mich teilweise während des Schreibens ein wenig und recherchiere dann erst hinterher richtig.

Diese Arbeitsweise ist mir früher auch angenehmer gewesen. Inzwischen gehöre ich zu denen, die am liebsten plotten und das "spontane, freie Schreiben" eher als lästiges Tippen betrachten. Nein, natürlich überrascht einen der Charakter hier und da, aber gerade - da schließe ich mich eurer Meinung an - wenn es um recht "reale" Welten geht, der Effekt gar erzielt werden soll, dass sich der Leser direkt hineinversetzen kann, weil er weiß wie eine Villa oder ein Zaun aussieht, dann muss gründlich recherchiert werden.
Ich schließe mich erst jetzt diesem Thema an, obgleich ich schon öfter hier mitgelesen habe. Der Fakt, dass ich meine Shadows vor nunmehr einem Jahr aus einer witzigen Idee heraus geboren und einfach mal so eben getippt habe, lässt mich jetzt daran zweifeln wie sinnvoll das war. Keine Frage, eine Szene zu schreiben und dann zu wissen, dass man genau das weiter verfolgen möchte, ist reizvoll. Viel erträglicher erscheint es mir aber, erst gründlich zu recherchieren und dann zu plotten. Erst am Ende, wenn der Plot lückenlos und detailreich genug erscheint - in logischer Abfolge ohne Haken wohlgemerkt, dann kann das Tippen beginnen.
Ich sehe mich besonders bei den Shadows immer wieder mit dem Gedanken konfrontiert, dass ich ja erst noch recherchieren muss, um bestimmte Szenen nachträglich einfügen zu können. Wenn ich kein Material, kein Wissen zu der Materie habe, fällt mir das Tippen, ja das Erzählen, ausgesprochen schwer. Ich werde unsicher und möchte am liebsten nochmal nachschauen.
So habe ich zum umstrittenen Wohl des NaNo die Shadows inklusive Recherchen gänzlich eingefroren, um sie jetzt wieder auszugraben. Ja, einmal in den Zoo fahren und intensiv forschen, das ist mir aktuell nicht möglich. Zwar kann ich mich inzwischen auf verschollen geglaubte Schätze in Buchform beziehen, es ist doch aber nicht das gleiche. Es erzeugt nicht das Gefühl, die Grundstimmung die ich brauche.

Anders bei den Falva. Ja, auch hier recherchiere ich vorher. Aber nicht so akribisch. Ich möchte mit beiden Werken auf gesellschaftliche Missstände hinweisen, liebe aber gerade bei den Falva die Freiheit, meine Welt entgegen irdisch-logischen Gesetzen aufzubauen. Die Hintergrundrecherchen können fast nebenher stattfinden.
Allein, weil ich die Vorgehensweise als leichtgängiger, einfacher organisierbar und mit mehr Durchhaltepotential schätze, würde ich sie jedem Interessierten zumindest zeigen wollen. Ob derjenige sie umsetzt, bleibt ihm überlassen. Jedoch könnte ich auch bei reiner Fantasy nicht gänzlich drauf los schreiben. Das macht es zugegeben sehr schwer und ich komme vor allem mit den Shadows gelegentlich an meine Grenzen, wenn ich die kargen Ressourcen anschaue und mich frage auf welchen vorzeigbaren Quellen ich meine Arbeit aufbauen soll. Trotzdem. Ich glaube, wenn man wirklich an den Recherchen interessiert ist, sich dafür begeistert, dann fällt es nicht schwer an dem Projekt als Ganzes festzuhalten und nachhaltig voranzukommen.

Zitat
Es stellt sich mir aber auch die Frage, kann man zu viel recherchieren?
Ich meine, irgendwann gibt es vielleicht ein zuviel des Guten, man ist versucht, Wissen zu übermitteln, dass der Leser nicht braucht oder das vielleicht sogar den Lesefluss oder die Glaubwürdigkeit stören würde, obwohl es an sich korrekt ist.

Ganz genau das Gefühl hatte ich bei den "Säulen der Erde". Der Anfang war spannend, aber als ich merkte, dass es nur um die Technik ging, wie dieses Ding nun gebaut werden sollte, da ließ ich das Buch sinken. Ok, hätte man mir vorher gesagt, dass dieser Roman was für Architekten ist und nicht für jemanden, der eine spannende Geschichte erwartet, hätte ich es von Beginn an nicht gelesen. Den Spagat zu finden, ist schwierig, aber nicht unmöglich. Wo war das nochmal mit der Formel von der Beziehung zwischen Aktionssätzen und Beschreibungen? Ich glaube, dass auch das eine Rolle spielt - bei allzu viel Beschreibung bleibt immer noch etwas auf der Strecke, wahrscheinlich zu Anfang irgendwo der Leser. Was ich mir vorgenommen habe, ist das Wissen nur unterschwellig durchschauen zu lassen. Ich gebe der Handlung dabei den Vortritt, auf die Gefahr hin, dass der Leser am Ende immer noch nachfragen wird. Aber das darf er. Denn ich möchte ausreichend recherchieren, um diese eventuell kritischen Fragen problemlos beantworten zu können.

Und um nochmal das Beispiel mit der Stadt aufzugreifen - man darf mich nicht fragen in welcher Stadt all diese Grausamkeiten spielen. Ich würde mir gar nicht trauen, das einer Stadt anzuhängen. Davon abgesehen, dass das Institut und auch die dahinterstehenden Sponsoren rein fiktiv sind. Ich würde mich wahrscheinlich auch nicht wohl fühlen bei dem Gedanken, diese Straße entlang gehen zu müssen, ganz real. Selbst wenn dort kein Haus steht. Hinzu kommt, dass ich mir eine bestimmte Dichte/ Struktur der Stadt vorstelle - ich bin nicht sicher, wo ich genau diese finden würde. An dieser Stelle steht für mich die Geschichte wieder im Vordergrund. Es geht nicht darum, wo es passiert, sondern was und wem. Das stellt sich bei reiner Fantasy wahrscheinlich wieder anders dar, aber so weit bin ich noch nicht. Was die Erschaffung der Falva-Welt anbelangt, so bin ich noch ganz am Anfang des Lernprozesses. Das einzige was ich letztlich über den Ort allgemein wissen muss, ist, dass er irgendwo in Deutschland liegt und nicht etwa in Brasilien - denn dann würde sich doch auch die Intention zu stark verändern.

Ich glaube, ich rede hier grad drumrum... Dazu muss ich mir auf jeden Fall noch einmal Gedanken machen.  :-X
Titel: Re: Wie detailliert recherchiert ihr?
Beitrag von: Erdbeere am 14. Dezember 2011, 12:39:46
Bei gewissen Dingen kann ich aus meinem eigenen Erfahrungsschatz oder aus meinem direkten Umfeld zehren, was sehr praktisch ist. Segeln ist da so ein Beispiel: Meine Mutter hat den Hochseeschein, ist leidenschaftliche Seglerin und hat mich als Jugendliche dazu verdonnert, Kurse zu nehmen. Ich habe es gehasst, aber immerhin weiss ich, wie es sich anfühlt, bei starkem Wind alleine und in Panik in einer kleinen, wackligen Nussschale zu sitzen. Dies und vor allem mein Aufwachsen in den Bergen und meine Leidenschaft für die Natur haben mir auch sehr viel über Wetter beigebracht.
In meinem Umfeld habe ich mehrere Reiter (eine Freundin reitet sogar Western), ich habe Sänger und Piloten, Spiritisten und Biologen, Anwälte und Elektroniker. Wenn ich ein konkretes Problem habe und mit den Recherchen nicht mehr weiter komme, finde ich meist jemanden, der mein Problem auseinander nehmen kann und mir helfen kann, da derjenige die Fachperson ist.

Ich finde, Recherchen helfen einem nicht nur, seinen Roman plausibel und logisch zu gestalten, sondern erweitern auch das persönliche Wissen. Man hat schliesslich nie ausgelernt. Es ist immer wieder amüsant, wenn Leute mich irritiert anschauen und fragen, woher ich denn das jetzt wieder wüsste. Ich zucke dann nur mit den Schultern und sage, ich hätte mich eben mal damit beschäftigt. Zudem liebe ich es, mein Hirn zu füttern. 8) Es ist ja nicht so "zwanghaft" wie damals in der Schule, sondern auf freiwilliger Basis, und vielleicht macht genau das den Reiz für mich aus. Wenn ich jetzt, wie aktuell der Fall, Budapest Ende des 19. Jahrhunderts als Setting brauche, so wälze ich eben Bücher aus der Bibliothek, verbringe Stunden im Internet, bevor ich auch nur einen Satz schreibe. Ich habe da, wie Malinche so schön gesagt hat, einen hohen Anspruch an mich selbst, bis ich zufrieden bin und das Setting atmosphärisch, stimmig und glaubwürdig rüberbringen kann, auch wenn es sich um Fantasy handelt.

Komisch ist nur, dass, obwohl ich in Zürich lebe, ich die Stadt jetzt nie als Setting brauchen könnte. Es fühlt sich einfach seltsam an, meine Figuren durch die mir so vertrauten Viertel gehen zu lassen. Zürich ist nicht sooo klein, aber doch zu klein, um in meinen Augen Setting für Urban Fantasy zu bilden. Da gehe ich lieber nach New York, Berlin, London oder Tokyo. Keine Ahnung, warum, aber ich habe auch das Gefühl, dass deutsche Grossstädter nicht unbedingt ein Buch lesen wollen, das in der kleinen Schweiz spielt. Mag ich ja nicht mal selbst. Meine Mutter hat mir gestern grad ein Buch gezeigt (Krimi, schweizer Autor), in dessen Eingangskapitel die Figur beschreibt, wo sie her kommt - aus meinem Heimatdorf, verdammt, und das ist wirklich ein Kaff in den Bergen. Klar hat mein Herz geklingelt bei all den vertrauten, regionalen Namen, die nur wir kennen, die dort aufwuchsen, trotzdem grauste es mir davor, es zu lesen.

@Witch: Da ich auch mal in Altstetten gewohnt habe, würde ich dir auch auf die Finger klopfen, wenn du deinen Prota den falschen Bus nehmen lässt. ;D
Titel: Re: Wie detailliert recherchiert ihr?
Beitrag von: HauntingWitch am 14. Dezember 2011, 16:57:28
Komisch ist nur, dass, obwohl ich in Zürich lebe, ich die Stadt jetzt nie als Setting brauchen könnte. Es fühlt sich einfach seltsam an, meine Figuren durch die mir so vertrauten Viertel gehen zu lassen. Zürich ist nicht sooo klein, aber doch zu klein, um in meinen Augen Setting für Urban Fantasy zu bilden. Da gehe ich lieber nach New York, Berlin, London oder Tokyo. Keine Ahnung, warum, aber ich habe auch das Gefühl, dass deutsche Grossstädter nicht unbedingt ein Buch lesen wollen, das in der kleinen Schweiz spielt.

Genau deshalb schreibe ich eins.  ;) Und genau das Gleiche dachte ich anfangs auch: Zürich kennst du zu gut, Zürich ist zu klein, Zürich ist zu unweltlich. Aber wer sagt denn das? Wer schreibt mir denn das vor? Lukianenkos Wächter-Reihe spielt in Moskau. Das ist auch "somewhere far beyond" um einmal meinen diesbezüglichen Lieblingsausdruck zu gebrauchen und die Romane meines Lieblingsautors spielen in Schweden, meist nicht einmal direkt in Stockholm selbst. Ist das nicht genauso unweltlich und klein und nicht "Urban" genug? Nun ja, die Bücher funktionieren. Warum sollte also ein Urban Fantasy Buch in Zürich nicht funktionieren? Ich werfe ja keine Leichen in die Limmat oder Ähnliches. ;) Das wäre mir dann doch etwas zu schweizerisch. Und ich merke dabei auch, wie wenig ich die Stadt eigentlich kenne. Das ist ganz witzig: Es kommt den Beschreibungen enorm zugute, dass ich gewisse Dinge einfach weiss, die ich mir bei fremden Städten gar nicht erst überlege bzw. ich dann drüber stolpere, weil ich es nicht weiss. Gerade Namen von Buslinien oder Distanzen oder gewisse räumliche Beschreibungen. Es wird einfach automatisch irgendwie genauer. Bis jetzt gefällt mir das super und ich würde nicht im Traum auf die Idee kommen, das Setting zu ändern. Im Gegenteil. Irgendein Lektor mag dann meine Stadt schon auch so sehr wie ich. (Sage ich jetzt einfach mal so ganz selbstherrlich).  ;D
Titel: Re: Wie detailliert recherchiert ihr?
Beitrag von: et cetera am 14. Dezember 2011, 20:19:52
@Erdbeere
Vielleicht findet sich doch der eine oder andere Ort in Zürich, der einen guten Schauplatz für einen Roman abgeben würde :) Ich fand meine Heimatstadt auch immer zu langweilig, aber wenn ich jetzt so darüber nachdenke, hat sie immerhin ein Schloss und ein Römerkastell, daraus müsste sich eigentlich was machen lassen.

@Thema
Ich denke, es macht einfach einen Unterschied, ob man recherchiert und dann das Wissen aus guten Gründen nicht nutzt (z.B. weil es notwendig ist, dass die gewünschte Bar neben der Uni liegt und nicht am anderen Ende der Stadt) oder ob man von vorneherein nicht recherchiert, weil es zu aufwendig ist.
Ich selbst recherchiere auch nicht sonderlich gerne, aber ich stelle einfach fest, dass es ohne nicht geht, weil man den Texten anmerkt, dass ich keine Ahnung von der Materie hatte. Dabei geht es mir noch nicht einmal so sehr um lokale Begebenheiten, sondern eher um Arbeitsweisen oder Abläufe (z.B. was geschieht mit einem Mann, der laut brabbelnd durch die Innenstadt geht und dabei einer Polizeistreife über den Weg läuft?).
Also, ein klares "Ja" zur Recherche, auch wenn es manchmal lästig ist.
Titel: Re: Wie detailliert recherchiert ihr?
Beitrag von: Alana am 14. Dezember 2011, 20:26:06
Zitat
Viel erträglicher erscheint es mir aber, erst gründlich zu recherchieren und dann zu plotten. Erst am Ende, wenn der Plot lückenlos und detailreich genug erscheint - in logischer Abfolge ohne Haken wohlgemerkt, dann kann das Tippen beginnen.

Ja das wäre mir auch lieber. Ich würde mir so wünschen, dass ich das könnte. Ich hab es auch versucht. Das Ergebnis war, dass ich 2 Jahre lang nichts geschrieben habe. Jetzt versuche ich es also mal andersrum und habe immerhin schonmal ein First Draft, aus dem vielleicht mal etwas werden kann. Ich hoffe aber sehr, dass ich mit der Zeit lerne, es andersrum zu machen, weil es wirklich viel effizienter ist.

@Thema: Ich drücke mich immer ein wenig vor der Rechcherche, weil ich dann von einem zum nächsten gehe und das Gefühl habe, die kostbare, kinderfreie Zeit schlecht zu nutzen. Mir ist klar, dass das eigentlich Blödsinn ist, aber dennoch fühlt es sich so an. Dabei merke ich zur Zeit, dass gerade die Recherche auch viel Inspiration birgt. Plötzlich hat man doch nochmal eine neue Idee für den Plot oder findet einen Charakterzug für den Prota, den man bisher einfach nicht festnageln konnte.

Titel: Re: Wie detailliert recherchiert ihr?
Beitrag von: Erdbeere am 20. Dezember 2011, 21:44:50
@Witch, et cetera: Der Punkt geht an euch. Eigentlich hätte Zürich einiges zu bieten, auch historisch gesehen. Trotzdem brauche ich wohl noch etwas "Zeit", bis ich mich wage, die Stadt als Setting zu nehmen. Falls überhaupt jemals.
Titel: Re: Wie detailliert recherchiert ihr?
Beitrag von: Manbou am 21. Dezember 2011, 16:30:21
Leider kann ich nicht ständig auf Reisen gehen, um zu recherchieren und mir Sachen genau anzuschauen, denn dann hätte ich immerhin eine Ausrede, ständig weg zu sein  ;)

Zitat
Ahhh, ich bin alleine auf weiter Flur? Ich hasse Recherche.
Nein, überhaupt nicht. Aber ich finde schon, dass es manchmal ein notwendiges Übel ist, weshalb ich mir meine Schauplätze gerne mal erfinde (was mich auch auf Fantasy gebracht hat, da man ja da normalerweise nichts über irgendwelche Orte herausfinden muss). Wenn am eine Story in einer realen Stadt spielen lassen will, musst man sie allerdings kennen - sei es die Heimatstadt oder einfach nur eine Stadt, in der man schon mal war - oder man reimt absichtlich etwas um, damit es in den Plot passt, wie et cetera richtigerweise behauptet hat. Wenn man allerdings in einem Kaff wohnt wie ich, wäre es natürlich ein bisschen langweilig für Leute, die außerhalb dieses Kaffes leben...
Natürlich spielt Authentizät  schon eine große Rolle, aber notfalls spielen solche Schnitzer keine Rolle, wobei man es natürlich nicht darauf ankommen lassen sollte. Tatsächlich gibt es zum Beispiel in der Harry Potter-Serie einen Fehler, nämlich dass es im Bahnhof King's Cross in London gar keinen Bahnsteig zwischen Gleis 9 und 10 gibt (zumindest so ähnlich), und das Buch verkaufte sich trotzdem mehr als gut. Also rate ich dir, Erdbeere, von Gewalttaten aufgrund des falschen Busses ab; und außerdem, wenn du da wohntest, wie willst du dr sicher sein, dass sich nicht längst alles geändert hat?  ::)

Trotzdem finde ich es immer wieder schön, in einem Buch (ab und zu mal!) detaillierte Beschreibungen von Vorgängen, Gebäuden zu finden. Das versetzt einen Doch ein wenig mehr in die Situation hinein.
Titel: Re: Wie detailliert recherchiert ihr?
Beitrag von: Arcor am 22. Dezember 2011, 18:34:49
Ich widerspreche einfach mal meinem obigen Post und gestehe, dass ich mir gerade absolut einen Wolf recherchiere.  :P

Segelnamen, Segelmanöver, Mastaufbauten, Segelbefehle, Seemannssprache, was geht bei welchem Wind und warum. Die Liste ließ sich noch lange fortsetzen. Ich versuche zwar, so viel wie möglich davon vom Leser fernzuhalten, da nichts nerviger ist (gerade in einer der Unterhaltung dienenden Geschichte), als wenn man mit Fachwörtern zugebombt wird. Aber für mich selber habe ich dennoch das Gefühl, dass ich wissen muss, was ich da eigentlich beschreibe und was passieren soll. Vielleicht bin ich auch zu perfektionistisch, aber solange ich keinen Plan habe, komme ich auch nicht wirklich aus den Puschen - nicht dass ich das so täte, bei 10 Normseiten in 2 Tagen.  ::)
Titel: Re: Wie detailliert recherchiert ihr?
Beitrag von: Erdbeere am 22. Dezember 2011, 19:08:07
Arcor, ich habe zwar vom Segeln an sich keine Ahnung, aber mir half es ungemein, dass ich einmal einen Segelkurs machen musste (und dass meine Mutter Segelfreak ist...). Für das Feeling, das du dem Leser ja rüberbringen willst, ist es immer toll, wenn man die Sache selber erlebt oder gemacht hat. Oder sprich mit Leuten, die segeln, lass dich auf ein Boot mitnehmen und rauskuttern. ;D
Titel: Re: Wie detailliert recherchiert ihr?
Beitrag von: Arcor am 22. Dezember 2011, 19:13:04
Da stellt sich mir nur das Problem, dass ich sehr schnell mordsseekrank werde. Hafenrundfahrt im Hamburger Hafen war nicht so spaßg und selbst Essen auf'm Schiff, das im Rhein vor Anker lag, war irgendwie unlustig.  ;D
Titel: Re: Wie detailliert recherchiert ihr?
Beitrag von: Erdbeere am 22. Dezember 2011, 19:23:29
Hm, ja dann wirds schwierig. :rofl: Das heisst für doch wohl weiterhin Bücher wälzen und Piratenfilme schauen. Oder auf Youtube, gerade entdeckt, Segellernvideos (http://www.youtube.com/watch?v=r-vPXo9LfdI)! Echt wahr! ;D Diese Nussschalen sind mein Albtraum, die kentern so leicht...
Titel: Re: Wie detailliert recherchiert ihr?
Beitrag von: Arcor am 22. Dezember 2011, 19:32:53
Hey, die Videos sind cool, danke für den Tipp.  :jau: Mal sehen, was ich da so finde, brauch halt was, was mit Rahsegeln funktioniert.
Titel: Re: Wie detailliert recherchiert ihr?
Beitrag von: Ryadne am 01. April 2012, 16:38:19
Ich habe es eigentlich nicht so mit Recherchen. Andererseits mag ich es nicht, wenn ich ein Buch lese, bei dem ich merke, dass der Autor keine Ahnung hat von dem, worüber er schreibt.
Wieder mal nehme ich da das Hohlbein-Beispiel zu dem Band aus der Chronik der Unsterblichen, der in Cadiz spielt (Glaube, es war Göttersterben). Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Mann nie dort war und er hat auch mal in einem Interview erwähnt, dass er die Orte selten aufsucht, in denen seine Handlungen spielen. Nun hab ich dafür ja Verständnis, aber wenn man sich offenbar noch nicht mal auf andere Weise mit der Stadt auseinandergesetzt hat, dann finde ich das schon schade, auch wenn es nicht unbedingt heißen muss, dass der Roman dadurch verlieren würde.
Wenn die Stadt von zentraler Bedeutung ist, dann sollte man sie jedenfalls schon sehr genau wiedergeben. Vielleicht nicht bis aufs letzte Eckcafé (da hätte ich dann schon wieder Angst vor Urheberrechtsfragen), aber zumindest so, dass z.B. anhand von Straßennamen oder ähnlichem klar wird, dass der Autor sich zumindest ein bisschen Gedanken über die Stadt gemacht hat.
Ist die Stadt aber nur Schauplatz, ohne dass viel rumgelaufen würde, dann kann man da ruhig auch nachlässig sein. Schönes Beispiel ist da z.B. Blutrote Schwestern von Jackson Pearce. Die Autorin führt Atlanta erst ganz schön auf allgemein gehaltene Art ein und dann hält sie sich aber auch nicht mehr mit Details auf. Da in diesem Buch nur die finsteren Hinterhöfe und Parks von Interesse sind, ist das okay.

Jo, aber ich bin wie gesagt nicht so der übermäßige Recherchierer und das Dilemma löse ich grob gesagt so, dass ich mich einfach erstmal nur an Themen und Orte wage, bei denen ich in der Ausgestaltung entweder frei bin oder womit ich mich auskenne. Natürlich stößt das an Grenzen, z.B. bei Kämpfen und dann muss ich eben doch mal recherchieren oder aber ich bleibe vage. Zum Beispiel habe ich gerade das Problem, dass ich nicht recht weiß, wie Mordermittlungen ablaufen. Habe es jetzt gelöst, indem ich da sehr vage bleibe, was sicher nicht das Gelbe vom Ei ist, aber es ist mir immer noch lieber, als Falsches reinzubringen. Und so kann ich es ja auf das Unwissen der Protagonistin schieben. ;)

Was mir bei aller Liebe zum Detail aber auch nicht so gefällt, ist, wenn ein Autor sich in seinem Detailwissen verliert.
Titel: Re: Wie detailliert recherchiert ihr?
Beitrag von: Notrya am 01. April 2012, 20:49:19
Ich recherchiere momentan wirklich viel bzw. habe mittlerweile den Großteil meiner Recherche für mein aktuelles Projekt schon fertig. Es hat erschreckend lange gedauert, bis ich alle Infos, die ich brauche, zusammenhatte :gähn:, was aber auch sicher an meiner Zielsetzung liegt, eine Geschichte zu schreiben, die sich widerspruchslos (mal abgesehen davon natürlich, dass es eine Fantasy-Geschichte ist ;)) in historische Ereignisse einfügen lässt. Zu allem Überfluss habe ich mir da eine Epoche ausgesucht, über die zwar schon viel geforscht wurde, über die aber immer noch relativ wenig Konkretes und vor allem seeehr viel Widersprüchliches durch die Forschung geistert, sodass ich eigentlich viel mehr Mühe damit hatte, meinen Plot und meine Hintergrundinfos für die Geschichte (z.B. Familienstammbäume, Orte, Regierungszeiten der entsprechenden Herrscher, etc.) an die bekannten Fakten anzupassen, als mit der Recherche an sich.

Bezüglich der Handlungsorte einer Geschichte sehe ich das ähnlich wie Ryadne; es kommt wirklich auf die Bedeutung des Ortes für die Handlung an. Ein Teil meines Romans spielt in Hamburg und Oxford, ersteres kenne ich grob, letzteres überhaupt nicht. Aber da beide Orte nur als Anfangsschauplatz dienen, weil meine Figuren nun einmal an einem Ort wohnen müssen, der ein Mindestmaß an Kritierien erfüllt und bei der Suche Hamburg und Oxford herauskamen, benötige ich kaum Recherchen über die Orte. Über die Orte, die wirklich wichtig für die Handlung sind, habe ich mich allerdings mehr als ausführlich informiert, weil es da doch ziemlich peinlich wäre, wenn ich in der Beschreibung Dinge behaupte, die überhaupt nicht stimmen... Natürlich sind das Orte, über die man nur sehr schwer etwas im Internet findet. Aber da muss man dann wohl durch, wenn man sich das schon so ausgesucht hat... :wart:
Titel: Re: Wie detailliert recherchiert ihr?
Beitrag von: Churke am 01. April 2012, 21:28:49
Ich habe gerade bei einer Steampunk-Geschichte wieder mal gemerkt, dass mir viele Ideen bei der Recherche kommen. So gesehen kann man also gar nicht zuviel recherchieren. Als ich z.B. nach Waffen suchte, stieß ich auf eine Luger 08 mit verlängertem Lauf, Anschlagkolben, 32-Schuss Trommelmagazin und Autofeuer. Man könnte es nicht besser erfinden.  :D  Auch inspirierend: die Titelsucht im Kaiserreich. "Oberst Dr. h.c. Geh. Komm-R Otto von Normalverbraucher." Eine Schleimspur zum Ausrutschen. (Hinweis: Für die Karriere machte alles auf Reseoffizier; die restlichen einschließlich des Adelstitels sind alle gekauft.) Wenn dann mehrere solche Typen auftauchen, wir das sehr schnell sehr lächerlich.  ;D
Titel: Re: Wie detailliert recherchiert ihr?
Beitrag von: Zit am 01. April 2012, 21:34:41
Was meinst du mit "Reseoffizier"?

Edith sagt noch: Schön sind auch immer königl. Schreiben, die eine Titelaufzählung von einer halben Seite und mehr haben ...
Titel: Re: Wie detailliert recherchiert ihr?
Beitrag von: Lavendel am 01. April 2012, 23:29:13
Mir fällt grade auf, dass ich hier noch gar nichts geschrieben habe, dabei ist das doch irgendwie mein Thema. ::)

Ich recherchiere ja für mein Leben gern, aber auch nur, weil ich mit der Zeit gelernt habe, wie es geht, und zwar einigermaßen schnell und effizient. Ich recherchiere auch sehr detailliert, einfach, weil ich mich bei dem, über was ich schreibe, auskennen will. Dann fühle ich mich selbst sicherer und weil ich ehrlichgesagt einfach neugierig bin. Natürlich läuft man gefahr, sein ganzes Wissen dann auch im Text unterzubringen. Den Fehler sollte man nicht machen, aber man kann es nicht schaffen, ausschließlich das zu recherchieren, was man gerade im Text braucht - allerdings kommt es natürlich auch darauf an, ob man gerade generelle Zusammenhänge oder Detailwissen recherchiert. Man muss ja nicht alles, was man weiß auch aufschreiben. Man kann sich einfach freuen, dass man wieder ein bisschen klüger ist.

Man sollte sich, glaube ich, erst mal drei Fragen stellen, bevor man anfängt. Was will ich wissen, zu welchem Zweck will ich es wissen und wie genau muss ich es wissen? Es hilft ungemein, das klar zu umreißen, denn erst wenn man eine klare Vorstellung hat, was man eigentlich sucht.

Noch eins sollte man sich klar machen. Wissen sammeln funktioniert nicht, wie eine Datenbank anzulegen. Man baut im Kopf sein eignes, individuelles Netzwerk aus Fakten auf, die untereinander verknüpft sind, und das sich beliebig erweitern lässt. Je größer das Wissensnetz zu einem bestimmten Themenfeld ist, desto leichter fällt es auch, neues Wissen zu integrieren, weil man bereits verschiedene Anknüpfungspunkte hat, zu denen die neuen Fakten gut passen. Es ist also auch wichtig, Dinge zu wissen, die vielleicht nicht ganz unmittelbar relevant sind, weil sie letztlich das Verständnis der wichtigen Dinge erleichtern können.

Der schwierigste Schritt ist immer der Anfang. Wo soll man suchen und vor allem, nach was soll man suchen, um zum gewünschten Ergebnis zu kommen? Ich kann schon verstehen, wenn jemand das nicht gerne macht. Manchmal ist man halt einfach auf dem falschen Dampfer und sucht nicht an der richtigen Stelle. Dann kann man schon mal frustriert sein.
Ich fange meistens einfach ganz stumpf an, den ersten Suchbegriff, der mir einfällt, zu googlen. Da findet man dann schon mal erste Spuren (dabei sollte man natürlich auch bedenken, dass man nicht allen Internetseiten vertrauen kann, darum muss man immer alles kritisch im Auge haben und ins Impressum gucken, bevor man sich auf irgendwelche Infos verlässt). Ich suche mir zum Beispiel bevorzugt Seiten von Unis (Endungen mit .edu oder .ac) oder von Organisationen, bei denen ich mir sicher sein kann, dass sie keinen Quatsch auf ihre Seite stellen. Auf Uniseiten findet man oft nicht unbedingt total detaillierte Infos, machmal nur eine Seite mit einem Seminarplan, aber auch in dem Fall kann man oft was damit anfangen, denn viele Profs stellen ihre Literaturlisten ins Internet. Und sich die anzuschauen lohnt sich immer.
Noch was, was beim Bedienen einer Suchmaschine nützlich sein kann: Englisch. Sucht auf Englisch, und ihr findet mindestens drei Mal so viele nützliche Ergebnisse zu den meisten Themen. Wenn ihr andere Sprachen sprecht, dann nutzt auch diese!

Zu vielen Themen, vor allem, wenn man sich auf historischem Gebiet umsieht, gab es mal Ausstellungen, und zu einigen Ausstellungen gibt es Bände mit Aufsätzen, die man sich ausleihen kann - zumindest in Unibibliotheken und zumindest per Fernleihe.

Wenn man dann eine Liste mit Literatur mit vielversprechenden Titeln vor sich hat, heißt das immer noch nicht, dass auch in jedem Buch was drinsteht, das man gebrauchen kann. Für einen ersten Eindruck kann man von zu Hause mal schnell schauen, ob man im Netz ein Inhaltsverzeichnis finden kann. Auf Amazon kann man sich das ja bei einigen Titeln anschauen, genau wie bei google-books. Da kann man schon mal sortieren, was rausfällt und was besonders wichtig ist. Ansonsten schaut man nach, ob das Buch in der Stadtbibliothek oder in der nächsten Unibib steht und geht dann hin um reinzuschauen.
Ich kann wirklich nur empfehlen, sich nicht vor den Unibibliotheken zu scheuen, auch wenn man vielleicht mal ein Stück dafür fahren muss und auch wenn sie auf den ersten Blick groß und kompliziert erscheinen. Es gibt da Führungen und Bibliothekare, die einem erklären, wie alles funktioniert.

Wenn man vor einem Regal steht, in dem ein Titel zu finden ist, nach dem man sucht, in was für einer Bibliothek auch immer, dann sollte man nicht nur das eine Buch in die Hand nehmen, sondern auch mal rechts und links schauen, denn da stehen Bücher zum gleichen Sachgebiet. Einfach mal Titel und Inhaltsverzeichnisse angucken. Meist sind noch ein, zwei Titel dabei, die man auch gebrauchen kann.
Ich kann auch nur empfehlen, in Aufsatzdatenbanken zu suchen. Zeitschriftenaufsätze sind meist konkreter mit einem bestimmten Aspekt eines Themas befasst, was ungemein gut ist- wenn man denn den richtigen Ausatz findet. Wenn man sich über diese Möglichkeit gut informiert, kann man da wirklich einiges reißen. Auch das können Bibliothekare einem erklären. Auf manche Datenbanken hat man nur vom Campus aus Zugriff. Deshalb empfiehlt es sich auch hier, man in eine Unibib zu gehen.

Für Städte oder Regionen, in die man nicht fahren kann, kann man Reiseführer oder Reisemagazine als gute erste Referenz benutzen. Die kann man in der Stadtbücherei ausleihen. Man kann auch mal nach Reiseberichten im Netz suchen, einfach um zu sehen, wie andere Menschen den betreffenden Ort erlebt haben oder einfach um mal Fotos anzuschauen, die nicht von einem Topfotgrafen auf Hochglanz getrimmt wurden. Und nicht vergessen, dass es Streetview und so gibt, das man durchaus schön benutzen kann, um einen Eindruck von einer Stadt zu bekommen.

Generell sollte man mit offenen Augen und Ohren durch die Welt gehen. Manchmal erfährt man von echten Menschen in einem kurzen Gespräch mehr, als aus allen Büchern. ;)

Es ist nicht zuletzt wichtig zu wissen, wie man eigentlich liest. Natürlich kann keiner zehn Bücher durchlesen, nur um herauszufinden, ob was Nützliches drinsteht. Darum, wie gesagt, Inhaltsverzeichnisse anschauen. Außerdem hilft es auch, sich den Index am Ende anzugucken und zu schauen wo im Buch etwas zu einem bestimmten Thema steht.
Wenn man sich nicht sicher ist, ob ein bestimmter Abschnitt oder ein bestimmtes Kapitel nun wichtig ist: Ersten Absatz lesen, letzten Absatz lesen. Wenn es interessant ist, kann man auch den Rest anschauen, ansonsten kann man es auch in den meisten Fällen gleich lassen. So kriegt man in maximal einer Viertelstunde einen Überblick über jedes Buch. Funktioniert übrigens auch bei jedem anderen Text. :)
Wenn man etwas genauer sein will und noch schauen möchte, ob sich doch irgendwo im Kapitel ein relevante Info versteckt, dann lese ich von jedem Absatz den ersten und den letzten Satz. Oder ich lese Quer - also, ich schaue überfliege alles und halte nur an, wenn ich ein interessantes Schlagwort sehe. Die erste Methode liegt mir aber mehr.

Und jetzt noch als Bonus:
Auf bestimmten Fernsehsendern laufen laufend Dokumentationen. Nicht jede Doku ist gut, aber wenn man die Augen offenhält, findet man schon die ein oder andere interessante dazwischen.
Auch Filme und Serien finde ich persönlich echt nützlich. In dem Fall muss man natürlich immer dran denken, nicht alles für bare Münze zu nehmen und vor allem sollte man lernen, Klisches und Tropen zu erkennen, die immer gern ungefragt reproduziert werden (auch in Dokus, möchte ich dazu sagen). Ich finde sowas interessant, um mir anzuschauen, wie andere ein Thema bearbeitet und dargestellt haben, aber man muss auch da immer kritisch rangehen.

Wieviel man letztlich für eine Geschichte recherchieren muss, hängt sicher von der Geschichte ab. Wichtig ist natürlich auch, sich nicht in der Recherche zu verlieren. Wichtig ist, dass man glaubwürdig ist. Man kann auch kompetent klingen bei völliger Ahnungslosigkeit - wobei man natürlich nichts behaupten sollte, von dem man nicht weiß, ob es auch stimmt, auch nicht, wenn man einen Fantasyroman schreibt, er ja eigentlich alles darf - wenn es nur glaubwürdig ist.
Romane sind keine Geschichtsbücher und keine sozialwissenschaftlichen oder kulturhistorischen Studien. Vor allem geht es im Roman um etwas, was man sich aus Sachtexten heraus nicht unbedingt erarbeiten kann, und das kein Medium außer dem Roman (gut, begrenzt die Kurzgeschichte) kann: uns - wenn auch nur als Illusion - das Innenleben eines anderen erleben zu lassen. Das ist meiner Meinung nach das, worum es eigentlich geht, wenn wir Romane lesen (und schreiben). Ein bisschen Voyeurismus und ein bisschen Alltagsflucht. Recherche ist wichtig, und sie kann einer Geschichte erst die nötige Tiefe verleihen, die ihr ohne fehlen würde. Aber wie gesagt, ein Roman ist ein Roman ist ein Roman. Kein Sachbuch.
Titel: Re: Wie detailliert recherchiert ihr?
Beitrag von: Churke am 02. April 2012, 12:54:11
Was meinst du mit "Reseoffizier"?

Oh, sorry. Ich meinte "Reserveoffizier."
Titel: Re: Wie detailliert recherchiert ihr?
Beitrag von: HauntingWitch am 02. April 2012, 16:32:18
Ich habe gerade bei einer Steampunk-Geschichte wieder mal gemerkt, dass mir viele Ideen bei der Recherche kommen. So gesehen kann man also gar nicht zuviel recherchieren.

Das ist etwas, was mir mittlerweile auch aufgefallen ist. Selbst wenn man eine Information für das dazugehörige Projekt nicht gebrauchen kann: Vielleicht gibt sie einem die Idee für das nächste.

Was mir ausserdem bei einem meiner aktuellen Skripte aufgefallen ist: Die Stellen, für die ich detaillierter recherchiert habe, wurden automatisch lebendiger. Ich fühlte mich sicherer während dem Schreiben, musste nicht so viel überlegen und konnte somit viel mehr Atmosphäre einfliessen lassen. Das ist ein Aspekt, den man durchaus einrechnen darf, schaden kann es ja nicht.
Titel: Re: Wie detailliert recherchiert ihr?
Beitrag von: Merrit am 02. April 2012, 18:50:30
Recherche ist wichtig. Zumindest sollte man einen guten Eindruck davon haben, was man da schreibt, auch wenn das Thema nur angekratzt wird. Ich recherchiere gerade über Beschläge bei Zugochsen und Rindern. Man bin ich dankbar für unseren Hufschmied! Auch wenn ich davon nur wenig ins Manuskript einbringen werde, muss doch auch das wenige schlüssig erscheinen. Ich ärgere mich immer zutiefst, wenn ich etwas lese, was vollkommen unsinnig ist. Meistens handelt es sich dabei um Sachen, die mit Pferden zu tun haben  :brüll:. Zu Glück findet man vieles raus, wenn man einfach Fachleute fragt ;-). Aber ich ziehe den Hut vor den Aufwendungen, die hier einige betreiben :jau:.
Titel: Re: Wie detailliert recherchiert ihr?
Beitrag von: Debbie am 02. April 2012, 19:07:46

Ich recherchiere jetzt bereits solange ich schreibe - also seit ungefähr acht Jahren. Zu Anfang habe ich mir - wie Lavendel - viele Bücher aus der Bibliothek ausgeliehen, wobei ich zum Thema slawische Mythologie in unserer Stadtbibliothek bereits auf Grenzen stieß. Dann hab ich eben die Landesbibliothek bemüht - dort fand ich dann eines der ausschlaggebenden Bücher, aber man kann Recherche oft nicht auf ein einziges Buch beschränken; wissenschaftlich fundiert oder nicht. An dem Punkt fing ich dann an, diesen Ratschlag zu beherzigen:


Noch was, was beim Bedienen einer Suchmaschine nützlich sein kann: Englisch. Sucht auf Englisch, und ihr findet mindestens drei Mal so viele nützliche Ergebnisse zu den meisten Themen. Wenn ihr andere Sprachen sprecht, dann nutzt auch diese!

Das Gleiche gilt für Bücher!  :jau: Ab dem Moment, in dem ich anfing mich gleichermaßen über englische Rechercheliteratur zu informieren, wie über deutsche, hatte ich praktisch zu jedem Thema eine regelrechte Auswahl an Büchern. Dazu kommt, dass die englischen Bücher oftmals günstiger sind, als die deutschen.
Aber Achtung: amazon.de führt zwar fast alle englischen Bücher, die ich brauchte, gefunden hab ich sie über die entsprechenden Stichwörter aber oftmals nur bei amazon.com. Die Suchmaschine funktioniert anders und spuckt weit mehr Ergebnisse aus.

Der nächste Schritt war dann eine große Überwindung: Ich musste lernen meinen Respekt für Bücher im Bezug auf Rechercheliteratur etwas einzuschränken. Der Schritt, wichtige Textpassagen mit Textmarker zu markieren, hat mir extrem viel abverlangt. Inzwischen bin ich längst soweit, dass ich nicht mehr nur Stichwörter, sondern komplette Absätze anstreiche. Dementsprechend, bin ich bereits seit einiger Zeit dazu übergegangen mir wichtige Rechercheliteratur zu kaufen anstatt zu leihen; auch weil man spezielle Lexika oftmals nicht ausleihen, sondern nur einsehen kann.
Bei deutschen Büchern kann die Bibliothek u. U. die Vorauswahl erleichtern, bei englischer Literatur wirds da schon schwieriger - Rezensionen sind dabei oftmals unverzichtbar, und manchmal möchte man Präsentkörbe an Rezensenten verschicken, die ihren Job besonders gründlich gemacht haben.

Meine gesammelten Markierungen landen dann in entsprechenden, von mir angelegten, Lexika. Während ich meine beide Magie-Lexika noch ausschließlich mit Hand verfasse, hab ich mir die Arbeit bei meinem Lexikon der slawischen Mythologie bereits mit dem Laptop erleichtert. Man lernt dazu, wenn man tagelang ein Taubheitsgefühl in den Fingerkuppen hat  ;)

Abgesehen von der Bibliothek und dem Internet - bei dem man, wie von Lavendel schon erwähnt - extrem vorsichtig sein muss, ist das Quell - und Literaturverzeichnis, im Anhang der bereits vorhandenen Literatur, die erste Anlaufstelle. Bestens geeignet ist da oftmals ein Lexikon oder Handbuch zum entsprechenden Thema. Das Verzeichnis lässt sich auch aus Bibliotheksbüchern meist schnell rauskopieren, so dass man sich daheim intensiver mit den genannten Quellen befassen kann.

Inzwischen hab ich fast zwei ganze Billy Regale voller Nachschlagewerke (ca. 150 - 170 Bücher) - falls also jemand mal einen Anhaltspunkt zu diversen Mythologien oder Magie braucht, darf er mich jederzeit gerne belästigen  :vibes:

Derzeit darf ich zu Recherchezwecken einige Bildbände durchstöbern - dieser Teil der Recherche erfreut mein Fotografen-, mein Autoren- und mein Fernweh-Ich gleichermaßen. Recherche kann also durchaus auch Spaß machen.

Das ist etwas, was mir mittlerweile auch aufgefallen ist. Selbst wenn man eine Information für das dazugehörige Projekt nicht gebrauchen kann: Vielleicht gibt sie einem die Idee für das nächste.

Was mir ausserdem bei einem meiner aktuellen Skripte aufgefallen ist: Die Stellen, für die ich detaillierter recherchiert habe, wurden automatisch lebendiger. Ich fühlte mich sicherer während dem Schreiben, musste nicht so viel überlegen und konnte somit viel mehr Atmosphäre einfliessen lassen.

Ich habe gerade bei einer Steampunk-Geschichte wieder mal gemerkt, dass mir viele Ideen bei der Recherche kommen.

Beiden Aussagen kann ich nur absolut zustimmen! Einfallsreichtum und Kreativität entwickeln meist die Breite einer Geschichte, während Recherche für die Tiefe und Glaubwürdigkeit einfach unverzichtbar ist! Sehr viele Plot- und Detailideen sind bei mir durchs Lesen entstanden - und wenn man das Gelesene mal weder im jetzigen, noch im nächsten Projekt verwenden kann, schadet es der Allgemeinbildung mit Sicherheit nicht  ;)

Titel: Re: Wie detailliert recherchiert ihr?
Beitrag von: Ryadne am 02. April 2012, 19:28:04

Beiden Aussagen kann ich nur absolut zustimmen! Einfallsreichtum und Kreativität entwickeln meist die Breite einer Geschichte, während Recherche für die Tiefe und Glaubwürdigkeit einfach unverzichtbar ist! Sehr viele Plot- und Detailideen sind bei mir durchs Lesen entstanden - und wenn man das Gelesene mal weder im jetzigen, noch im nächsten Projekt verwenden kann, schadet es der Allgemeinbildung mit Sicherheit nicht  ;)

Dem muss ich allerdings auch zustimmen, trotz relativer Recherchefaulheit. Gerade fällt mir das auch bei der Arbeit im Museum auf, wo ich zwangsläufig viel recherchieren muss. Allein die vielen Lebensläufe der Künstler gäben super Stoff ab für Geschichten. Und es ist natürlich auch befriedigender, wenn man weiß, dass man Ahnung von dem hat, worüber man schreibt.
Mein Problem ist nur häufig, dass ich mir denke, es gibt Leute, die noch mehr Ahnung davon haben und am Ende sauer sind, wenn sie ihr Spezialgebiet bei mir verhunzt sehen.  :schuldig: Darum sollte ich mir wohl keine Gedanken machen, ganz perfekt wirds selten, aber dennoch hab ich das immer im Hinterkopf, wenn ich mich dann an etwas mache, was ich nur über zweckmäßige Recherchen kennengelernt habe und nicht über persönliches Interesse und (physisches) Engagement.
Titel: Re: Wie detailliert recherchiert ihr?
Beitrag von: Alana am 02. April 2012, 20:14:01
@Lavendel: Vielen Dank für diese unheimlich interessante Zusammenfassung!

Zum Thema fremde Städte wollte ich noch anfügen, dass man ja mittlerweile mit Google Streetview ein recht gutes Instrument hat, um mal eine Straße entlang zu gehen, die man noch nie in echt gesehen hat.

Titel: Re: Wie detailliert recherchiert ihr?
Beitrag von: Angela am 02. April 2012, 22:00:37
Ich habe ja das Glück, eine kanadische Bücherei in der Nähe zu haben, da grabe ich mich durch und finde bisher eigentlich zu jedem Thema jede Menge Infos.
Doch trotz aller Erkundigungen, ich bin der Ansicht, wenn man Fantasy schreibt, sollte man sich auch ganz bewusst gegen die Realität oder die üblichen Vorgaben entscheiden dürfen und können, diese abändern oder gänzlich neu erfinden.
Die besten Bücher sind für mich die, die mich überraschen.
Titel: Re: Wie detailliert recherchiert ihr?
Beitrag von: Churke am 02. April 2012, 22:09:05
Ich habe ja das Glück, eine kanadische Bücherei in der Nähe zu haben, da grabe ich mich durch und finde bisher eigentlich zu jedem Thema jede Menge Infos.
Doch trotz aller Erkundigungen, ich bin der Ansicht, wenn man Fantasy schreibt, sollte man sich auch ganz bewusst gegen die Realität oder die üblichen Vorgaben entscheiden dürfen und können, diese abändern oder gänzlich neu erfinden.

Natürlich, natürlich. Aber wie du richtig bemerkst, ist es ein Unterschied, ob man sich bewussst für oder gegen etwas entscheidet oder ob man aus Unwissenheit im Nebel stochert.
Titel: Re: Wie detailliert recherchiert ihr?
Beitrag von: HauntingWitch am 03. April 2012, 12:03:40
Doch trotz aller Erkundigungen, ich bin der Ansicht, wenn man Fantasy schreibt, sollte man sich auch ganz bewusst gegen die Realität oder die üblichen Vorgaben entscheiden dürfen und können, diese abändern oder gänzlich neu erfinden.

Das durchaus. Nur eine wirklich gezielte Abänderung der realen Vorgaben kann man ja erst dann vornehmen, wenn man über diese Bescheid weiss. Tut man das nicht, kann das ganz schnell peinlich werden und man kommt in Erklärungsnot.

Ich glaube, man muss da auch unterscheiden, ob man eine komplett fiktive oder eine reale Welt hat, ob der Protagonist einer erfundenen Spezies angehört oder ein gewöhnlicher Mensch ist. In einer fiktiven Welt wird kein Leser einer erfundenen Spezies übel nehmen, dass sie nichts essen muss, sofern das die Gesetze dieser Welt bzw. die Eigenheiten dieser Spezies sind. Habe ich aber ein Mensch in einer realen Stadt, der länger als zwei Tage ganz ohne Essen funktioniert, fragen sich bestimmt einige. Das ist jetzt ein ganz plumpes, übertriebenes Beispiel, aber so ist es doch bei allen Dingen. Man muss immer damit rechnen, dass es einen Leser gibt, der das Detailwissen zu einer Sache hat und der einen dafür an den Pranger stellt, wenn es falsch ist.
Titel: Re: Wie detailliert recherchiert ihr?
Beitrag von: Bianca Jones am 03. April 2012, 19:23:35
@Debbie: Wow, ein eigenes Lexikon? Mensch, dass ist ja wirklich beeindruckend! Wie viel Arbeit da drin stecken muss... Aber ist sicher auch eine große Arbeitserleichterung.

@Lavendel: Ja, Uni-Bibs sind da wirklich eine gute Empfehlung, sie haben dann doch viel mehr und ofmals "wissenschaftlichere" Literatur; ich merk das grad nämlich auch, meine Stadtbibi stößt da schnell an ihre Grenzen.

Also, ich muss sagen, ich recherchiere immer sehr viel, manchmal schon zu viel- darüber vergesse bzw. verschiebe ich das eigentliche Schreiben. Diese Angewohnheit hab ich irgendwie aus der Uni-Zeit noch mitgenommen. Besonders bei psychologischen Sachen suche ich immer lange: Wie würde man sich fühlen, wenn das passiert oder wenn einem diese angetan wird. Oder wenn man mit anderen Mentalitäten arbeiten... Denn ein Mensch, der in einer Diktatur aufwächst, verhält sich ja ganz anders, als einer, der Demokratie denkt. Ich weiß nicht, wie viel ich gerade zu dem Punkt schon gelesen habe...

Aber ich denke, es kommt wirklich sehr auf die Geschichte an, obwohl es durchaus nicht einfacher ist, eine eigene Welt zu erfinden. Da ist nämlich oft das Problem, dass man eben nicht alles einfach erfinden kann - denn dann wäre es oftmals eine einfache Version von der realen Welt (z.B. bei Regierungsformen)- sondern, wie andere auch schon schrieben, muss man sich wirklich guten Imput suchen, um ihn dann so abzuwandeln und in die eigene, neue Welt einzubauen.

Was mich noch interessieren würde: Wie geht ihr denn mit euren Quellen um? Notiert ihr euch immer, wo ihr welche Infos herhabt? Nennt ihr sie gar in einer Danksagung oder sowas? Als Geisteswissenschaftlerin musste ich da ja immer ganz pingelig Buch führen (Fußnoten) mit direkten und indirekten Zitaten, aber jetzt bearbeitet man das Gelesene ja viel mehr. Da tue ich mich grad noch schwer mit...

Grüssle,
Bianca 
Titel: Re: Wie detailliert recherchiert ihr?
Beitrag von: Zit am 03. April 2012, 19:29:06
Ich schreib mir für mich selbst auf, woher ich die Infos habe, zumindest bei Büchern. Internetseiten nur, wenn sie noch mehr bieten und ich weiß, dass ich früher oder später wieder darauf zurück greifen will.
In einer Danksagung habe ich soetwas noch nicht gesehen und würde es selbst nicht tun. Man kann ja auch nur Menschen danken. ;) Wenn ich also eine Koriphäe anschreiben würde und mir die Info wirklich weiter hilft, dann würde ich mich wohl bedanken (auch wenn die Koriphäre das selbst nie lesen wird *g*).
Titel: Re: Wie detailliert recherchiert ihr?
Beitrag von: Bianca Jones am 03. April 2012, 19:45:41
@Zitkalasa: Freilich kann man nur Menschen danken, da hast du Recht  :) Ich meinte dann auch den Verfasser... Mir ist das nur mal bei Naomi Novik (Feuerreiter seiner Majestät) aufgefallen; die Chronik spielt quasi in der realen Welt zur Zeit Napoleons (mit dem Unterschied, dass es Drachen gibt) und sie hat sich da auf zwei Quellen gestützt. Mir ist das irgendwie im Gedächtnis geblieben...deswegen dachte ich, ich frag mal, wenn's schon um Recherche geht...
Titel: Re: Wie detailliert recherchiert ihr?
Beitrag von: Rosentinte am 03. April 2012, 22:12:28
Also gerade in geschichtlichen Romanen gibt es oft Quellenangaben. Gerade auch für Interessierte, die sich über die geschichtlichen Gegebenheiten noch mal detaillierter und sachlicher informieren wollen, ist das wohl sehr praktisch.
Titel: Re: Wie detailliert recherchiert ihr?
Beitrag von: HauntingWitch am 04. April 2012, 15:12:27
Was mich noch interessieren würde: Wie geht ihr denn mit euren Quellen um? Notiert ihr euch immer, wo ihr welche Infos herhabt? Nennt ihr sie gar in einer Danksagung oder sowas? Als Geisteswissenschaftlerin musste ich da ja immer ganz pingelig Buch führen (Fußnoten) mit direkten und indirekten Zitaten, aber jetzt bearbeitet man das Gelesene ja viel mehr. Da tue ich mich grad noch schwer mit...

Aufschreiben und Links notieren, ja, aber in die Danksagung aufnehmen würde ich das nicht. Da gibt es meiner Meinung nach wichtigere Dinge zu erwähnen, als irgendwelche Internetseiten oder Bücher. Ich behalte meine Notizen aber alle, da ich meistens ein eigenes Dokument für Recherche-Quellen habe, in dem ich die Links und Bücher aufliste. Das wird dann mit allem anderen in den "ewigen" Sphären meiner PC-Festplatte gespeichert.  ;D Was ich nicht aufschreibe sind so Kleininformationen, z.B. wie schnell ein Wolf werden kann oder wie lange der Bus von dort nach dort braucht. Das sind meistens Dinge, dich nur einmal erwähne und jederzeit wieder ergoogeln kann.
Titel: Re: Wie detailliert recherchiert ihr?
Beitrag von: Churke am 04. April 2012, 16:15:50
Notiert ihr euch immer, wo ihr welche Infos herhabt? Nennt ihr sie gar in einer Danksagung oder sowas?

Anhänge mit Bibliographien halte ich für Wichtigtuerei bzw. einen Marketing-Gag, mit dem der Autor den Eindruck erwecken möchte, besonders sorgfältig zu gearbeitet zu haben. Hat er tatsächlich sorgfältig gearbeitet, sollte sich das eigentlich erübrigen. Literaturhinweise würde ich nur unter dem Aspekt "Wenn Sie mal was richtig Interessantes lesen wollen..." geben.

Übrigens: Wenn man während der Recherche schreibt bzw. während des Schreibens recherchiert, braucht man sich vieles gar nicht mehr aufzuschreiben, weil es nämlich schon im Text drin steht.
Titel: Re: Wie detailliert recherchiert ihr?
Beitrag von: Debbie am 08. Juni 2012, 16:39:12
Ich frage mich gerade, ob man eine Recherche-Zwangsstörung haben kann...  :gähn:

Das ich die Kleidermarken und Lieblingsbands meines Protas ordentlich recherchieren muss, hat seine Gründe - obwohl es, mit Abstand betrachtet, irgendwie auch schon ziemlich abgedreht ist - aber warum kann ich bei der "Bepflanzung" meiner fiktiven Welt, nicht einfach nach Klima und Aussehen der Pflanzen gehen? Muss ich denn wirklich jede Pflanze und jeder Baum eine Assoziation mit dem entsprechenden Standort haben  ???

Habt ihr so einen Zwang auch schon mal verspürt? Und habt ihr ihm nachgegeben, oder ihn in die Schranken gewiesen?
Titel: Re: Wie detailliert recherchiert ihr?
Beitrag von: HauntingWitch am 08. Juni 2012, 16:46:51
Bei mir war es zwar nur ein geringer Recherche-Aufwand, aber ich hatte das einmal mit Namen. Ich wollte, dass alle meine Namen von demselben Sprachzweig abgeleitet sind, plus eine entsprechende Bedeutung haben, usw. Das ist dann daran gescheitert, dass ein bereits sehr lange existierender Protagonist einen unpassenden hatte. Der hatte sich aber schon so sehr festgesetzt, dass ich ihn nicht mehr einfach ändern konnte (oder wollte), da habe ich es aufgegeben und bin jetzt bei einer ziemlichen Willkür angelangt.
Titel: Re: Wie detailliert recherchiert ihr?
Beitrag von: AlpakaAlex am 03. September 2021, 21:32:48
Also ich halte es mit Locations prinzipiell immer so: Sofern ich nicht aus einem bestimmten Grund jetzt ein bestimmtes Haus oder Gebäude brauche (in welchem Falle es meistens irgendwelche Sehenswürdigkeiten sind) erfinde ich die Gebäude selbst immer. Sie existieren in realen Stadtteilen und dergleichen, aber das Gebäude selbst wird erfunden sein. Einfach weil es so an meine Bedürfnisse angepasst werden kann. Genau so sehe ich das halt auch mit Wäldern oder ähnlichem. In Der Schleier der Welt war zum Beispiel der Trossachs in einer Ecke deutlich dichter, als er es normal eigentlich wäre, aber die Geschichte hat es halt verlangt, dass der Wald da etwas dichter ist.

Und natürlich gibt es das Anderson Hospital aus Mosaik auch nicht in der Realität (noch eins in der Nähe, wo das Krankenhaus in der Geschichte ist).

Generell recherchiere ich allerdings dennoch relativ viel. Aber die häufigsten Themen, über die ich Recherchiere sind: