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Autor Thema: Nicht-weiße Antagonisten - ja oder nein?  (Gelesen 2505 mal)

Offline Nikki

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Re: Nicht-weiße Antagonisten - ja oder nein?
« Antwort #15 am: 24. August 2021, 19:35:18 »
Ich schreibe dir eine PN, bevor der Thread in eine Richtung gesponnen wird, die sich zu weit von der Ausgangsfrage entfernt. :)
  

Offline Malou

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Re: Nicht-weiße Antagonisten - ja oder nein?
« Antwort #16 am: 24. August 2021, 19:44:51 »
@NelaNequin

Sorry  :prost: Ich bin sicher, du wirst noch einige spannende Antworten zu deiner Frage erhalten und eine gute Lösung für dein "Problem" finden  ;)
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Offline AlpakaAlex

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Re: Nicht-weiße Antagonisten - ja oder nein?
« Antwort #17 am: 24. August 2021, 23:42:22 »
Das wirkt auf mich, als wäre das singapurische (was ist eigentlich die geographische Zuordnung deiner Figur? weiß ist ein politischer Begriff und keine geographische Zuordnung) Geschwisterpaar ein Mittel zum Zweck, damit deine weiße Figur eine Entwicklung durchmachen kann.
Die Figur ist Amerikanerin, hat allerdings große Teile ihres Lebens in Südafrika gelebt. In Amerika geboren, in der Jugend nach Kapstadt gezogen, dann mit 18 zum US Militär, in den Irak geschickt worden (also 2003), dort verletzt worden, in Folge dessen einen Arm verloren, dann zurück nach Kapstadt, wo sie seither lebt.

Diese "andere Figuren dienen zur Entwicklung des weißen Charakters" Sache finde ich allerdings nicht fair. Weil wenn wir danach gingen, dürfte man keine Geschichten mit weißem Prota und nicht-weißen Nebenprotas/Nebenfiguren haben, weil Nebenfiguren meistens dazu dienen die Handlung voran zu treiben - die wiederum meistens dazu dient, Prota zu entwickeln. Das hieße dann im Umkehrschluss, dass wenn man eine weiße Hauptfigur hat, keine BI_PoC Nebenfiguren vorkommen dürften, womit halt auch niemanden geholfen wär. Ich meine, es ist eine Sache, wenn es ein effektives BI_PoC-Version des Magic Pixie Dreamgirls ist - aber solange die Charaktere nicht nur für den Prota existieren, sehe ich kein Problem.

Und die Charaktere haben ihre eigene Handlung. Ich nehme nur meine weiße Prota als PoV, weil ich eben diese Geschichte erzählen will.

Was ich gelernt habe, nachdem ich dieses Jahr die Crazy Rich Asians Reihe durchgesuchtet habe, ist dass ich die Bevölkerung Ostasiens als sehr viel homogener wahrgenommen habe, als sie eigentlich ist. Auch wenn die beiden Geschwister ostasiatischer Herkunft sind, würde ich sie also nicht automatisch als "Ausgleich" für ostasiatische Antagonisten sehen.
Das stimmt schon, allerdings mache ich mir darüber weniger Gedanken, weil ich in der Regel nicht mitbekomme, dass sich Leute daran im speziellen stören, sondern eher daran, wenn es immer "Ostasiaten" sind, die negativ dargestellt werden oder so.

Aber wenn das Buch Fantasy ist, warum möchtest du dich dann unbedingt an eine reale Mafiaorganisation anlehnen? Klar, realistisch gesehen haben lokale Gruppen da vielleicht ein Monopol. Aber es ist auch Fantasy. Könntest du nicht eine Fantasygruppierung erfinden (also nicht nur eine erfundene Gruppe, sondern auch eine mit einem Fantasyelement, was das Erfinden der Gruppe nochmal zusätzlich rechtfertigen würde)? Da wärst du dann sehr frei.
Weil es effektiv nichts ändern würde. Es ist Urban Fantasy, das heißt ich habe einen gewissen Realitätsanspruch und unter diesem Anspruch bleibt es halt einfach ein Fakt, dass in dem Bereich ein paar wenige Gruppen ein Monopol haben, was auf komplexe historische Hintergründe zurückgeht.

Die Sache ist ja, dass diese Geschichte nicht in einer neuen Welt spielt, sondern in der, die ich in meinen anderen Geschichten (und eben speziell Mosaik) schon etabliert habe.

Offline Nikki

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Re: Nicht-weiße Antagonisten - ja oder nein?
« Antwort #18 am: 25. August 2021, 00:01:30 »
Ich kenne ja nur Versatzstücke deiner Handlung und Figuren. Du siehst eine Problematik in (ausschließlich) BIPoC als Antgonist*innen. Gepaart mit einer weißen Protagonistin verstärkt sich diese Problematik in meinen Augen, da es halt in den Stereotyp von Gut/weiß vs. Böse/nicht-weiß mitreinspielt. Eigentlich dreht sich die Geschichte um die singapurische Schwester, die von kriminellen Organisationen unter Kontrolle gebracht werden soll, trotzdem lässt du die Geschichte nicht von ihr erzählen. Hat diese Person denn nicht viel mehr zu verlieren als deine momentane Protagonistin? Von der groben Struktur her, die ich kenne, würde es sich in meinen Augen eher anbieten, aus deren Sicht zu erzählen als aus der Sicht deiner weißen Figur. Kannst du ausschließen, dass du den white savior Trope bedienst?

Zitat
Das hieße dann im Umkehrschluss, dass wenn man eine weiße Hauptfigur hat, keine BI_PoC Nebenfiguren vorkommen dürften, womit halt auch niemanden geholfen wär.

Das sage ich nicht. Ich sage nur, dass es auf mich so wirkt, als ließest du die Geschichte der Schwester von deiner aktuellen Protagonistin erzählen, als wäre es ihre eigene.

Zitat
[...] weil es zentral darum geht, dass mehrere kriminelle organisationen die singapurische Schwester unter ihre Kontrolle bringen wollen, weil sie eine bestimmte Fähigkeit, die mit der örtlichen Mythologie in Verbindung steht, hat. Und ich denke mir halt, mit dieser besonderen Fähigkeit können die Triaden und Yakuza eher etwas anfangen, als bspw. die Vory v Zarkone oder die Cosa Nostra.

Ist das wirklich der Hauptkern deiner Handlung? Wenn ja, welche Rolle spielt deine momentane Protagonistin da? Was hat sie zu verlieren?
  

Offline AlpakaAlex

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Re: Nicht-weiße Antagonisten - ja oder nein?
« Antwort #19 am: 26. August 2021, 14:34:53 »
Kannst du ausschließen, dass du den white savior Trope bedienst?
Ja, weil nicht automatisch weiße Protagonist*innen White Saviors sind. (Technisch gesehen wird hier sowieso niemand richtig "gerettet" werden.)

Das sage ich nicht. Ich sage nur, dass es auf mich so wirkt, als ließest du die Geschichte der Schwester von deiner aktuellen Protagonistin erzählen, als wäre es ihre eigene.
Es ist aber nicht wirklich die Geschichte der Schwester. Die Schwester ist der Auslösende Faktor, aber die Geschichte ist die Geschichte der Söldner*innen, die in diese Sache hineingezogen werden, nicht wirklich die Geschichte der Schwester.

Die Schwester im spezifischen (der Bruder ist anders) ist ein super passiver Charakter, der sehr wenige Entscheidungen in der Geschichte treffen, weil sie eigentlich mit der Situation in erster Linie überfordert ist.

Offline Nikki

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Re: Nicht-weiße Antagonisten - ja oder nein?
« Antwort #20 am: 26. August 2021, 14:54:34 »
Zitat
Ja, weil nicht automatisch weiße Protagonist*innen White Saviors sind.

Wieso generalisierst du schon wieder? Ich will dir konkrete Ratschläge für deine Geschichte geben und wenn ich nachfrage, um Details herauszufinden, kommt es mir vor, als ob du mauern und ausweichen würdest.

Zitat
weil es zentral darum geht, dass mehrere kriminelle organisationen die singapurische Schwester unter ihre Kontrolle bringen wollen, weil sie eine bestimmte Fähigkeit, die mit der örtlichen Mythologie in Verbindung steht, hat. Und ich denke mir halt, mit dieser besonderen Fähigkeit können die Triaden und Yakuza eher etwas anfangen, als bspw. die Vory v Zarkone oder die Cosa Nostra.
Zitat
Es ist aber nicht wirklich die Geschichte der Schwester. Die Schwester ist der Auslösende Faktor, aber die Geschichte ist die Geschichte der Söldner*innen, die in diese Sache hineingezogen werden, nicht wirklich die Geschichte der Schwester.

Siehst du den Widerspruch nicht? Was ist der zentrale Konflikt deiner Geschichte?

Auch das hier:
Zitat
Die Protagonist*innen würden aus einer weißen Frau (der PoV-Person), einem indischen Mann (der allerdings stirbt), einer schwarzen Frau und einem Geschwisterpaar aus Singapur bestehen.
Zitat
Die Schwester im spezifischen (der Bruder ist anders) ist ein super passiver Charakter, der sehr wenige Entscheidungen in der Geschichte treffen, weil sie eigentlich mit der Situation in erster Linie überfordert ist.
ist ein extremer Widerspruch. Wenn sie passiv ist, kann sie keine Protagonistin sein. Welche Aussage stimmt denn nun?
  

Offline Alana

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Re: Nicht-weiße Antagonisten - ja oder nein?
« Antwort #21 am: 26. August 2021, 15:04:15 »
@Nikki Ich finde überhaupt nicht, dass sich das widerspricht. Ich fände es auch schön, wenn du deine Ratschläge mehr als Fragen oder Möglichkeiten formulieren könntest, dann werden sie auch als solche wahrgenommen. So kommt etwas, was deine Meinung ist, häufig leider belehrend rüber und verfehlt dadurch sein Ziel, nämlich, dass du ja helfen möchtest.

Ich brauche jetzt kein Entenfett.

Offline Roca Teithmore

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Re: Nicht-weiße Antagonisten - ja oder nein?
« Antwort #22 am: 02. September 2021, 13:28:48 »
Ich würde dir empfehlen wenn du das international veröffentlichen willst auch international die Meinungen von Leuten einzuholen. Was für uns als Europäer nicht rassistisch und als Kleinigkeit wirkt, kann für andere Kulturen sehr verletzend sein. Kürzlich habe ich z.B. bei einem befreundeten Autor mitbekommen, als er ein Draft Amerikanern gezeigt hat, dass sich eine Dame unglaublich über den Ausdruck Dreadlocks aufgeregt hatte, da die Figur die diese hat weiß ist. Da es eine Geschichte von Diskriminierung in den USA gab bezüglich Dreadlocks ok für weiße Mitarbeiter aber nicht für schwarze ist das eng verknüpft mit Identitätsklau von kulturellen Werten. Etwas was für uns beide so gar nicht in den Sinn gekommen ist, da Dreadlogs ja z.B. von den Nordischen Ländern in Europa bekannter sind, als von Afrika. Das ganze geflochtenes Haar zu nennen, hat das Problem dann gelöst.

Ich denke, wenn es dir wichtig ist, gewisse Gruppen nicht vor den Kopf zu stoßen, such dir Konstruktive Kritik von eben diesen Gruppen. Ich weiß jetzt nicht wie hoch der Prozentsatz von POC hier im Forum ist. Aber da es deutsch ist vermute ich mal, dass es einen ähnlichen Prozentsatz hat wie POC in Deutschland. Man kann nicht immer alles richtig geschweigedenn es allen Recht machen. Deine POC Charaktere wirken auf mich von dem was ich überflogen habe so, dass die Gefahr beseht POC könnten diese als Tokenisation wahr nehmen. Also Charaktere die da sind nur um zu sagen "Hey wir haben nicht nur weiße gute Leute".

Kannst du nochmal genau erklären was dir wichtig ist dass die zwei Antagonisierenden Gruppen aus den Triaden stammen? Sind das kulturelle Elemente, oder Konflikte die du hervor heben möchtest? Findest du eine Tradition der Triaden besonders cool oder ansprechend für die Geschichte?
Wenn möglich, würde ich ggf. die Triaden gegen eine andere Mafia Organisation oder lokale Gangs ausspielen, dass kann sogar interessant sein kulturell gesehen. Ich habe nämlich noch nicht genau verstanden warum es zwei Japanische Clans sein müssen, wenn deine Geschichte in Südafrika spielt. Ich hab auch nicht genug Erfahrung mit den Kriminellen Mächten die derzeit in Südafrika aktiv sind. Aber ich habe schon Geschichten mit bekommen, dass es dort ein ganz schön raues Pflaster ist.

Es würde ggf. auch wirklich helfen deinem MC eine POC die eventuell genau so ein Insider ist und über die Lokalen Machtverhältnisse Informationen hat als wichtigen Support Charakter zu geben. Alla Watson für Homles. Das würde auch dem passiv Problem entgegen wirken. Wenn dir die Charaktere von der Geschichte davor wichtig sind. Würde ich sie ggf. auch nur als kleinen Support einbauen.
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Offline Frostschimmer

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Re: Nicht-weiße Antagonisten - ja oder nein?
« Antwort #23 am: 02. September 2021, 16:04:43 »
Schreib es doch einfach so, wie es sich für dich richtig anfühlt. Ich denke nicht, dass du die Charaktere, die jetzt nicht weiß sind, schlechter darstellen willst, als die anderen. Und wenn das doch in einem entsprechenden Setting spielt, in dem die geplanten Antagonisten sinnhaft und nicht aufgesetzt sind, sollte das doch wohl gehen, oder?
Ich denke, man muss ja nicht in alles gleich Rassismus reininterpretieren und von problematischem Gedankengut ausgehen, oder? Ich habe mich jetzt ein bisschen darüber informiert und finde schon, dass das teilweise echt zu weit geht. Eine gewisse Sensibilität ist sicher wichtig, aber das sollte nicht in Paranoia übergehen.
Danach, wie du schreibst, würde ich schon vermuten, dass du da ein ziemlich gutes Gespür und ein großes Maß an Empathie hast, also solltest du dich nicht selbst verrückt machen, finde ich.

Offline Marius

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Re: Nicht-weiße Antagonisten - ja oder nein?
« Antwort #24 am: 03. September 2021, 05:48:20 »
Schreib es doch einfach so, wie es sich für dich richtig anfühlt. Ich denke nicht, dass du die Charaktere, die jetzt nicht weiß sind, schlechter darstellen willst, als die anderen. Und wenn das doch in einem entsprechenden Setting spielt, in dem die geplanten Antagonisten sinnhaft und nicht aufgesetzt sind, sollte das doch wohl gehen, oder?
Ich denke, man muss ja nicht in alles gleich Rassismus reininterpretieren und von problematischem Gedankengut ausgehen, oder? Ich habe mich jetzt ein bisschen darüber informiert und finde schon, dass das teilweise echt zu weit geht. Eine gewisse Sensibilität ist sicher wichtig, aber das sollte nicht in Paranoia übergehen.
Danach, wie du schreibst, würde ich schon vermuten, dass du da ein ziemlich gutes Gespür und ein großes Maß an Empathie hast, also solltest du dich nicht selbst verrückt machen, finde ich.
Dem schließe ich mich an.

Offline Damiano

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Re: Nicht-weiße Antagonisten - ja oder nein?
« Antwort #25 am: 22. April 2022, 13:42:43 »
Um die Eingangsfrage zu beantworten:

Es käme meiner Ansicht nach darauf an, wie sowohl Protagonisten als auch Antagonisten als Persönlichkeiten gestaltet sind.

Ohne egozentrisch sein zu wollen, kann ich als Beispiel nur meine eigene Geschichte anbringen:
Die Handlung findet ausschließlich in einem von mir erfundenen Kosmos statt. Hauptakteure sind Mitglieder der Gattung der Felinen.
Felinen sind Kreaturen, die von der Schöpfung die Fähigkeit erhalten haben, sich der Realität nach Wahl mal als Katzentier und mal als Mensch zu zeigen.
Dabei gibt es auch hier im Menschenbild Unterschiede. Servale zeigen sich in der Regel als PoC, während an BKH angelehnte Charaktere in der Regel
weiß sind. Das ist jetzt sehr pauschal erläutert, denn natürlich gibt es auch hier Überschneidungen.
Die Linie zwischen Protagonisten und Antagonisten ist nicht eindeutig, da ich versuche, allen Seiten eine Perspektive zu geben und dabei sehr tief in
die psychischen Mechanismen der einzelnen Charaktere einzudringen.
Die Motivlage ist so gut wie nie in reiner Bösartigkeit zu finden, sondern schlicht durch Lebenserfahrungen und im Falle der Antagonisten oft durch
ein Gefühl der Machtlosigkeit und Resignation begründet. Leid und Angst werden so im konträren Versuch, den eigenen Lebenskreis zu bewahren,
zwischen Protagonisten und Antagonisten hin und her getauscht. Dabei sind die Felinen als solche bereits geeint, aber im menschlichen Erscheinungsbild
sind alle Parteien divers, beispielsweise PoC und Weiße aufgrund gegenseitige rEmpathie vereint in einer gemeinsamen Agenda.

Solange die PoC in der Rolle eines Antagonisten nicht als negatives, eindimensionales Schreckgespenst dargestellt wird, sondern ein Charakter mit
nachvollziehbaren Emotionen und einem moralischen Kompass ist, sollte das meiner Meinung nach kein Problem sein. Die Konstellationen sollten aber besser
nicht rein auf "PoC gegen Weiß" eingestellt sein. Vielmehr sollten die einzelnen Lebenswege zu einer Vereinigung unterschiedlicher Charaktere verschiedener
Herkunft in einer Konstellation führen. 


   
 

Offline Frostschimmer

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Re: Nicht-weiße Antagonisten - ja oder nein?
« Antwort #26 am: 22. April 2022, 14:09:13 »
Im Endeffekt finde ich, dass es überhaupt keine Rolle spielen dürfte, wer jetzt welche Hautfarbe hat. Schlussendlich ist es im Kern auch rassistisch, verkrampft darauf zu achten, Menschen mit anderen Hautfarben als weiß bloß niemals böse oder negativ darzustellen, unterstellt man ihnen damit doch, nicht damit umgehen zu können. Wenn man ständig darauf achtet, unterstellt man schließlich doch wieder Unterschiede, wo gar keine sein sollten. Eine Geschichte mit rassistischer Konnotation sollte eigentlich für jeden mit ein wenig Empathie sofort als solche erkennbar sein (Beispiel: Die Legende von Aang).
Es ist selbstverständlich, dass man als Autor all seine Charaktere mit der gleichen Sorgfalt darstellt. Eine eindeutig rassisitische Geschichte wäre doch gar nicht lesenswert. Es muss aber - meiner Meinung nach - nicht dahingehend eskalieren, dass man sich selbst als Autor immer wieder selbst hinterfragen muss, wenn ein nicht-weißer Charakter mal nicht immer die Perfektion in Person oder auch mal der Böse ist.
Man muss auch nicht immer überall gleich Rassismus vermuten, das bringt uns eher auseinander als zusammen. Wenn man immer nur nach fehlgeleiteten Intentionen sucht oder diese interpretiert, erschafft das Grenzen, obwohl wir diese eigentlich abbauen und zusammen agieren sollten. Mensch ist Mensch, die Farbe ist doch uninteressant... (sollte zumindest so sein, finde ich)

Offline Mondfräulein

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Re: Nicht-weiße Antagonisten - ja oder nein?
« Antwort #27 am: 22. April 2022, 16:16:35 »
Zitat
Im Endeffekt finde ich, dass es überhaupt keine Rolle spielen dürfte, wer jetzt welche Hautfarbe hat. Schlussendlich ist es im Kern auch rassistisch, verkrampft darauf zu achten, Menschen mit anderen Hautfarben als weiß bloß niemals böse oder negativ darzustellen, unterstellt man ihnen damit doch, nicht damit umgehen zu können. Wenn man ständig darauf achtet, unterstellt man schließlich doch wieder Unterschiede, wo gar keine sein sollten. Eine Geschichte mit rassistischer Konnotation sollte eigentlich für jeden mit ein wenig Empathie sofort als solche erkennbar sein (Beispiel: Die Legende von Aang).

Deine These ist hier, dass es rassistisch ist, nichtweiße Figuren anders zu behandeln als weiße Figuren und meinst damit konkret, dass man weder bei weißen noch bei nichtweißen Figuren auf die Hautfarbe und damit verbundene Konnotationen achten sollte.

Du schreibst, dass man nichtweißen Menschen damit unterstellt, nicht damit umgehen zu können, wenn man sie negativ oder böse darstellt. Das zeigt, dass du offensichtlich noch nicht verstanden hast, was überhaupt das Problem ist. Nichtweiße Menschen müssen in unserer Gesellschaft tagtäglich damit umgehen, dass sie als Person nur aufgrund ihrer Hautfarbe oder ethnischen Zugehörigkeit in bestimmte Schubladen gesteckt werden. Wenn von vorne herein ungleiche Bedingungen bestehen, schafft Gleichbehandlung keine Gleichberechtigung.

Menschen neigen dazu, andere Menschen in Gruppen einzuteilen. Das führt dazu, dass es Menschen gibt, die der eigenen Empfindung nach zur eigenen Gruppe gehören und solchen, die zur Fremdgruppe gehören. Das führt unter anderem dazu, dass man Mitglieder der eigenen Gruppe heterogener wahrnimmt als Mitglieder der Fremdgruppe. Diese Unterteilung kann aufgrund unterschiedlicher Merkmale passieren: Geschlecht, Sexualität, Hautfarbe, Parteimitgliedschaften, Affinitäten zu einem bestimmten Fußballverein, Beruf, Bildungsstatus, finanzielle Situation, Star Wars vs. Star Trek, die Ärzte vs. Die Toten Hosen. In der Praxis kann das zum Beispiel so aussehen, das ich als Schalke-Fan ein Fußballspiel besuche und sehe, wie ein anderer Schalke-Fan jemandem betrunken auf die Schuhe kotzt. Ich werde denken „Der ist aber besoffen, hat der sich nicht im Griff?“ und weil ich selbst Schalke-Fan bin, führe ich seine Trunkenheit nicht auf den Verein zurück, den er mag, sondern auf ihn als Person. Wenn ich aber einen BVB-Fan sehe, der jemandem betrunken auf die Füße kotzt, könnte ich denken „Der ist aber besoffen, haben sich diese BVB Fans nicht im Griff?“ In diesem Fall führe ich die Trunkenheit darauf zurück, dass er BVB-Fan ist und generalisiere, indem ich vom Verhalten eines Einzelnen auf eine ganze Gruppe schließe. Zwei Fußballspiele später erzähle ich immer noch davon, dass ich den BVB nicht mag, weil sich die Fans nicht benehmen können und sich immer so besaufen. Mir kommt das nicht wie eine unfaire Generalisierung vor, denn ich habe ja beobachtet, wie der BVB-Fan jemandem auf die Füße gekotzt hat. Das passiert einem bestimmt nicht immer, aber generell treffen wir solche Generalisierungen bei Fremdgruppen sehr viel einfacher und schneller.

Aber Fußballfans zu generalisieren ist nicht dasselbe wie Rassismus. Der Unterschied besteht zum einen darin, dass manche dieser oben aufgelisteten Eigenschaften gewählt sind (welchen Fußballverein ich mag, ob ich Star Trek lieber mag als Star Wars), manche unverschuldet sind (finanzieller Status, in großen Teilen der Bildungsstand) und manche angeboren (Geschlecht, Sexualität, Hautfarbe, ethnische Zugehörigkeit). Der Unterschied ist auch, und das ist noch wichtiger, auf welcher Ebene diese Generalisierungen stattfinden. Wenn Fans eines Fußballvereins Vorurteile gegenüber einem anderen Verein haben, dann ist das vielleicht nicht schön, aber die Auswirkungen sind erstmal begrenzt. Rassismus zum Beispiel ist aber Diskriminierung, die auf unterschiedlichen Ebenen stattfindet, nicht nur auf der persönlichen. Hier wirken sich diese Vorurteile und Generalisierungen in vielen unterschiedlichen Lebensbereichen negativ auf das Leben der Personen aus. Von Rassismus betroffene Personen sind gegenüber weißen Personen strukturell benachteiligt.

Es gibt eine Wechselwirkung zwischen Geschichten (Bücher, Filme, Serie, etc.) und den Vorurteilen in unserer Gesellschaft. Rassismus ist tief in unserer Gesellschaft verankert, wirkt sich auf unterschiedliche Lebensbereiche aus und wird uns von klein auf beigebracht. Wir sind alle davon betroffen und haben diese Vorurteile verinnerlicht, ob wir wollen oder nicht. Das zu entlernen ist harte Arbeit, aber wenn wir uns diese Arbeit nicht machen, laufen wir unwiderruflich in Gefahr, dass unsere verinnerlichten Rassismen in unsere Geschichten sickern und sich dort wiederfinden, besonders wenn wir nichtweiße Figuren schreiben. Gleichzeitig wirken sich Geschichten auf das Denken derjenigen aus, die sie konsumieren. Geschichten sind mächtige Werkzeuge, um Einstellungen zu verändern. Sie können dementsprechend also Vorurteile verstärken, sie können sie aber auch abbauen. Unsere Vorurteile wirken sich also auf unsere Geschichten aus, andersherum wirken sich unsere Geschichten aber auch auf unsere Vorurteile aus.

Wir hinterfragen Geschichten nicht auf dieselbe Weise wie logische Argumentationen. Bei Geschichten neigen wir vielmehr dazu, Dinge hinzunehmen, ohne sie zu hinterfragen. Das heißt nicht, dass Rassismus gar nicht vorkommen darf, weil wir ihn sonst ungefragt hinnehmen würden. Aber viele Geschichten geben uns einen Rahmen vor, in dem wir Dinge hinterfragen sollen, indem sie die Dinge selbst hinterfragen. Es macht einen Unterschied, ob ich Rassismus unhinterfragt reproduziere oder ob ich ihn durch meine Geschichte gezielt hinterfrage. Gleichzeitig besteht die Gefahr der Generalisierung bei Figuren, die nicht der Mehrheitsgesellschaft angehören bzw. die Teil einer marginalisierten Gruppe sind viel eher.

Wenn ich aber einen Cast aus weißen Figuren habe und dann einen Antagonisten, der nicht weiß ist, dann ist das in den meisten Fällen ein unhinterfragtes Reproduzieren von Rassismus und kein kritisches Hinterfragen. Und gerade da wir hier schon eine existierende Ungleichheit haben, in der eine weiße Mehrheitsgesellschaft systematische und strukturelle Benachteiligungen für nichtweiße Personen schafft, sorgt eine absolute Gleichbehandlung, wie du sie forderst, nur dazu, dass bestehende Vorurteile und Ungleichbehandlungen verfestigt werden. Wenn wir schon von ungleichen Bedingungen ausgehen, schaffen wir durch Gleichbehandlung keine Gleichberechtigung. Wenn wir bestehende Ungleichheiten ignorieren, verfestigen wir sie noch. Ja, da sollten keine Ungleichheiten sein, aber sie sind trotzdem da und wegzusehen hilft definitiv nicht dabei, sie abzubauen.

Die Forderung, sensibler damit umzugehen, in welchem gesellschaftlichen Kontext unsere Geschichten existieren, soll Rassismus abbauen. Sie kommt nicht von weißen Menschen, sondern von nichtweißen Menschen, die direkt von den Auswirkungen betroffen sind. Wenn du sagst, dass das schon rassistisch ist bzw. Ungleichbehandlungen schafft, das anzusprechen, unterstellst du denen Rassismus, die direkt davon betroffen sind. Das ist eine Täter-Opfer-Umkehr.
 
Zitat
Es ist selbstverständlich, dass man als Autor all seine Charaktere mit der gleichen Sorgfalt darstellt.

Letztendlich ist nichts selbstverständlich genug, um nicht mehr erwähnenswert zu sein.

Zitat
Eine eindeutig rassisitische Geschichte wäre doch gar nicht lesenswert.

Es gibt leider sehr viele Geschichten, die Rassismus, Homophobie, Sexismus oder Transfeindlichkeit so schamlos reproduzieren, dass sich mir die Fußnägel hochrollen. Und trotzdem haben sie gute Rezensionen und werden gerne gelesen.

Zitat
Es muss aber - meiner Meinung nach - nicht dahingehend eskalieren, dass man sich selbst als Autor immer wieder selbst hinterfragen muss, wenn ein nicht-weißer Charakter mal nicht immer die Perfektion in Person oder auch mal der Böse ist.

Wenn wir Figuren schreiben, die marginalisierten Gruppen angehören, dann können wir uns entweder immer und immer wieder hinterfragen, oder wir werden früher oder später die Diskriminierung, die in unserer Gesellschaft vorherrscht, in unseren Geschichten reproduzieren.

Es geht auch nicht darum, dass nichtweiße Figuren perfekt sein müssen, das hat auch niemand gesagt. Es hat auch niemand gesagt, dass sie niemals Bösewichte sein dürfen. Es geht einfach nur darum, zu hinterfragen, welche Aussagen unsere Geschichten letztendlich beinhalten und welchen diskriminierenden Stereotypen wir in die Hände spielen.

Zitat
Man muss auch nicht immer überall gleich Rassismus vermuten, das bringt uns eher auseinander als zusammen. Wenn man immer nur nach fehlgeleiteten Intentionen sucht oder diese interpretiert, erschafft das Grenzen, obwohl wir diese eigentlich abbauen und zusammen agieren sollten. Mensch ist Mensch, die Farbe ist doch uninteressant... (sollte zumindest so sein, finde ich)

Das ist, und ich sage das als weiße Person, eine sehr weiße Sichtweise. Ich muss ehrlich sagen, dass mir erst kürzlich klar geworden ist, wie sehr ich Rassismus unterschätzt habe. Obwohl ich mich informiere und weiterbilde. Ich teile diese Erfahrung einfach nicht und obwohl ich wusste, dass Rassismus real ist, dass er existiert, war mir nicht bewusst, wie allgegenwärtig er für nichtweiße Menschen ist und wie oft solche Dinge wirklich passieren.

Insofern: Wen bringt das mehr auseinander als zusammen? Geht es hier nur um eine weiße Sichtweise, die sich an eine Welt klammert, in der Rassismus Teil einer schändlichen Vergangenheit ist, und die nicht gestört werden will? Die deshalb gerne unterstellt, man würde ja übertreiben, man würde bewusst nach Rassismen suchen, man würde bewusst nach fehlgeleiteten Intentionen suchen? Oder sind wir nicht letztendlich schon tief gespalten und es fühlt sich nur an, als würde es uns auseinanderbringen, weil man sich nunmal bewegen muss, um Platz für wirklich alle Menschen zu schaffen?

Offline Frostschimmer

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Re: Nicht-weiße Antagonisten - ja oder nein?
« Antwort #28 am: 23. April 2022, 10:01:31 »
Ich ziehe mich aus diesem Thread zurück, bevor es wieder einmal zu Eskalationen kommt. Ich möchte nur sagen, dass forcierter andauernder Kampf ganz sicher keine positiven Gefühle erwecken wird.
LG
Frost

Offline Damiano

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Re: Nicht-weiße Antagonisten - ja oder nein?
« Antwort #29 am: 24. April 2022, 15:21:55 »
Entschuldigung, es war nicht meine Absicht, hier einen Streit anzufeuern.

Ich wollte lediglich meine Meinung dahingehend äußern, dass es bei dem angefragten Konstrukt wohl auf die Konnotation der betroffenen Charaktere und die Struktur zwischen Protagonisten und Antagonisten ankommt.

Das war nicht als Grundlage für Ärger gedacht.

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