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Autor Thema: Aus zwei Plots werden eins und doch wieder zwei  (Gelesen 724 mal)

Offline Haru

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Aus zwei Plots werden eins und doch wieder zwei
« am: 02. Februar 2021, 22:18:55 »
Hallo ihr Lieben!

Ich versuche mal kurz mein Problem zu erklären:
Wie ihr vielleicht in meiner Bewerbung gelesen habt, schreibe ich nun schon seit gut 20 Jahren an meinem Baby. Unter anderem auch weil meine Charatere irgendwie immer wieder ausarten und selbst die Kontrolle übernehmen. In einer recht langen Pause habe ich eine andere Storyline angefangen, die aber teilweise als Vorgeschichte zählen könnte und in der auch Charaktere aus der "Hauptstory" mitspielen. Als ich mir nun zum NaniWriMo meine Story wieder ausgegraben habe, habe ich beide zusammengefügt.
Was allerdings auch bedeutet, dass sich meine Story kurz in der Mitte teilt und man zum einen aus Nathaniels Sicht und zum anderen aus Nessays Sicht lesen kann was gerade parallel passiert. Nach einigen Kapiteln würde die Geschichte dann wieder zusammenlaufen und wie auch am Anfang weiterhin aus Nathaniels Sicht erzählt werden.
Ist es zu chaotisch mittendrin für ein, zwei Kapitel die Sicht zu ändern oder erzähle ich eher diese Ereignisse als Rückblick? Da sie relativ wichtig sind kann ich sie nicht komplett rauslassen.

Ganz lieben Dank schonmal!


Vielleicht als kurze Zusammenfassung:
Es ist Urban Fantasy, spielt in London. Es geht um einen Dämonen (Nathaniel) der einen Engel mit Gedächtnisverlust findet und dadurch in einige Schwierigkeiten gerät. Wie sich herausstellt war dieser Engel der Wächter von Morpheus und um mit dieser Kontakt aufzunehmen brauchen sie die Hilfe von Nessaya, einer Traumgängerin. (superkurze zusammenfassung)

Offline Herbstblatt

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Re: Aus zwei Plots werden eins und doch wieder zwei
« Antwort #1 am: 02. Februar 2021, 23:22:45 »
Ich persönlich würde es verwirrender finden, wenn du eine Perspektive rückblickend erzählst.
Es ist sicher kein Problem, wenn du für zwei Kapitel die Sicht änderst. Solltest aber darauf achten, dass du den Leser nicht plötzlich aus der einen Perspektive hinausreißt, der hm... Ark... oder die Szene sollte grundsätzlich abgeschlossen oder geklärt sein, also so mittendrin, wo es spannend wird, würde ich die Perspektive nicht wechseln.

Grundsätzlich finde ich zwei parallele Perspektiven nicht bedenklich, liest man öfter, im Moment lese ich ein Buch, wo das passiert und ich musste auch zwei Handlungsstränge aus zwei verschiedenen Perspektiven schreiben. Es soll dann eben klar werden, dass die parallel ablaufen, vielleicht mit Hinweisen mit Wetter oder kürzlich vergangenen Ereignissen? Ich habe eine low-effort-Methode gewählt und unter das Kapitel sowas wie ein paar Tage zuvor geschrieben.

Ich weiß nicht ganz, wie du dir einen Rückblick vorstellst? Wenn der Ark recht lang ist, fände ich das sehr verwirrend.
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Offline Mia Nordstern

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Re: Aus zwei Plots werden eins und doch wieder zwei
« Antwort #2 am: 03. Februar 2021, 14:07:50 »
Also ich bin sehr empfindlich, was POV angeht (maximal 2 sind ok für mich, aber jeder muss seine eigene Stimme haben und für sich etwas wichtiges zu erzählen haben) und ich hasse es, wenn das mitten in der Geschichte passiert. Das kommt dann sehr unerwartet.

Ich habe mal etwas von einem Vertrag mit dem Leser gelesen. Den legt man am Anfang fest. Zum Beispiel wechselnde oder einfache POV. Erzählform, Stil. Das sind Dinge, von denen man nicht ohne wirklich guten Grund abweichen muss und der Grund muss sich aus der Geschichte ergeben.

Mal umgekehrt gefragt: gibt es einen Grund, die Gedanken von Nessaya geheim zu halten? Also wenn beide das gleiche erleben, einfach abwechselnd erzählen oder eben einen Nebenstrang schreiben, wie Nessaya zu dem Punkt kommt. Das fände ich die beste Lösung, wenn beide durchgehend etwas zu erzählen haben.

Ansonsten könnte man noch Nathaniel diese Dinge herausfinden lassen, womöglich aus verschiedenen Quellen und das zu einem Teil seiner Quest machen, oder Nessaya erzählt es ihm. Das könnte aber zu lang werden, vermutlich wäre es besser, wenn sie das häppchenweise tut, also immer mehr andeuten, bis es dem Leser am entsprechenden Punkt klar ist.

Eine Lösung mit etwas Bauchweh wäre der berühmt-berüchtigte Prolog. Du lässt Nessaya ein kryptisches Stückchen aus ihrer Geschichte am Anfang erzählen und fädelst dann später ihre Geschichte ein. Das wäre zwar am einfachsten, aber nicht unbedingt am empfehlenswertesten.

Ungefragter Rat (ignoriere es einfach, wenn du es nicht magst) :
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Offline Marlemee

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Re: Aus zwei Plots werden eins und doch wieder zwei
« Antwort #3 am: 03. Februar 2021, 17:20:42 »
Hallo!  :) Also erst mal Respekt, dass du auch nach 20 Jahren noch an der Geschichte dran bist. :jau: Ich persönlich mag wechselnde Perspektiven sehr gerne. Natürlich alles mit Maß und gut durchdacht sollte es auch sein. Aber ich finde gerade hier liegt ein großes Potential des Schreibens: man kennt als Autor eben alle Innensichten der Charaktere und kann dann damit spielen, was man den Leser wann und auf welche Weise wissen lässt. Das kann natürlich auch mal nach hinten losgehen und trifft nicht jeden Geschmack. Aber mich hat ein gut gemachter Perspektivenwechsel schon so manches mal aus den Socken gehauen. Was ich dabei wichtig finde ist, dass der Leser vorab die Möglichkeit bekommt, mit beiden Charakteren warm zu werden. Und dass beide in etwa gleich gut "ausmodelliert" sind, sich spannend lesen und ihre Ecken und Kanten haben.
Ich hatte vor kurzem ein ähnliches Problem: ich wollte die Geschichte streng aus einer Sicht erzählen, stand aber plötzlich vor einer Situation, in der die Protagonisten sich aufteilen. Beide parallel ablaufenden Handlungsstränge fand ich gleich wichtig und wegen des Spannungsbogens kam es für mich nicht infrage, einen Teil davon im Nachgang zu erzählen (wenn sozusagen schon alles vorbei ist). Ich hab mich dann auch dafür entschieden, für drei Szenen die Perspektive zu wechseln und bin im Nachgang froh, dass ich es so gemacht habe. Vielleicht probierst du die Option einfach mal aus und hinterher weißt du, ob es für dich funktioniert oder nicht. Schaden kann es auf keinen Fall.  :)

Offline Haru

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Re: Aus zwei Plots werden eins und doch wieder zwei
« Antwort #4 am: 03. Februar 2021, 19:52:52 »
Danke euch für die Antworten! Ich denke, das hilft mir schon weiter.
Und ja... wenn man sich so lange mit diesen Charakteren befasst hat man irgendwie viel mehr Story als in das eigentliche "Buch" reinsoll. Ich habe schon so viele Charaktere gestrichen, die aber trotzdem komplett ausgearbeitet sind.

Danke für Antworten!!

Offline Tina

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Re: Aus zwei Plots werden eins und doch wieder zwei
« Antwort #5 am: 04. Februar 2021, 07:29:56 »
Ich finde Perspektivenwechsel auch eher mühsam, es kann funktionieren, muss aber nicht. Für kurze Momente, wie in deinem Fall, finde ich es allerdings schon annehmbarer. Hier ist es mir als Leser immer nur sehr wichtig, dass sich nicht so viel wiederholt. Manche schreiben ja ganze Kapitel quasi doppelt in den verschiedenen Perspektiven, mit den gleichen Dialogen usw., das ist mir dann deutlich zu viel und auch ein Grund das Buch wegzulegen. Wenn hingegen viel neues passiert und mir der Perspektivenwechsel wichtige Erkenntnisse für den Plot bringt, dann kann das gut funktionieren. :)

Offline Felix Fabulus

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Re: Aus zwei Plots werden eins und doch wieder zwei
« Antwort #6 am: 05. Februar 2021, 13:19:44 »
Grundsätzlich ist alles erlaubt - wenn's denn funktioniert. Auf den ersten Blick scheint es mir eher befremdlich, relativ kurz in die Perspektive einer anderen Hauptfigur zu wechseln. Ich würde erwarten, regelmässig Einblick in Nessays Gedankenwelt zu erhalten. Kommt denn Nathaniel in diesen Kapiteln nicht vor? Bzw. was spricht dagegen, alles aus seiner Perspektive zu erzählen?
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Offline Haru

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Re: Aus zwei Plots werden eins und doch wieder zwei
« Antwort #7 am: 07. März 2021, 19:18:58 »
Grundsätzlich ist alles erlaubt - wenn's denn funktioniert. Auf den ersten Blick scheint es mir eher befremdlich, relativ kurz in die Perspektive einer anderen Hauptfigur zu wechseln. Ich würde erwarten, regelmässig Einblick in Nessays Gedankenwelt zu erhalten. Kommt denn Nathaniel in diesen Kapiteln nicht vor? Bzw. was spricht dagegen, alles aus seiner Perspektive zu erzählen?

Nein, Nathaniel lernt Nessaya erst um einiges später kennen. Was mich eigentlich auch erst veranlasst hat den Perspektivenwechsel vorzunehmen. Aber eventuell lasse ich die Szene auch einfach raus. Bin mir da noch ziemlich unsicher.

Offline Annie

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Re: Aus zwei Plots werden eins und doch wieder zwei
« Antwort #8 am: 08. März 2021, 18:52:42 »
Perspektivwechsel sind definitiv Geschmackssache. Ich persönlich finde Perspektivwechsel spannend, vorausgesetzt sie sind gut gelöst und strukturiert. So kann ich als Leser mehr über die Charaktere erfahren, als es aus einer einzelnen Sichtweise möglich wäre. In meiner Geschichte gibt es auch zwei Protagonisten, dessen Perspektiven sich abwechseln. Ich achte dabei vor allem darauf, dass die Sprünge gut zu erkennen sind, gerade weil sie mit den Abschnitten wechseln und nicht mit den Kapiteln. Ich versuche dazu z.B. den Aufbauc, sprich Länge und Abfolge, gleich bzw. ähnlich zu halten, sodass trotz der Sprünge ein angenehmer Lesefluss möglich ist. Was ich nicht machen würde sind Sprünge innerhalb eines Absatzes.

Offline Manouche

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Re: Aus zwei Plots werden eins und doch wieder zwei
« Antwort #9 am: 08. März 2021, 19:37:13 »
Perspektivwechsel finde ich grundsätzlich kein Problem. Wie schon von einigen erwähnt, kann es spannend sein die verschiedenen Charaktere besser kennen zu lernen. Es gibt der*dem Leser*in die Möglichkeit sozusagen Geheimnisse der Charaktere zu kennen.
Andererseits kann es in deinem Fall vielleicht auch spannend sein, Nessayas Sicht nur anzudeuten mit Situationen, Gesprächen, Handlungen...
Oder eine Art Titel mit den Namen vor der neuen Perspektive, dann hast du eine klare Ansage, aus wessen Sicht die nächsten Kapitel erlebt werden. Ich weiss nicht ob ich selber es machen würde, aber es hat mich noch nie gestört, beim Lesen.

Offline Halblingschruut

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Re: Aus zwei Plots werden eins und doch wieder zwei
« Antwort #10 am: 16. März 2021, 09:59:26 »
Falls du dein Problem noch nicht gelöst hast- hier mal noch mein Senf dazu ;D

Ich bin ein grosser Fan von Perspektivwechseln. Mein aktuelles Projekt wechselt sich immer wieder zwischen 2 Sichten ab und am Anfang haben beide nichts miteinander zu tun. Sie lernen sich erst später kennen, sind dann aber unumgänglich miteinander verwoben..  :hmmm:

Ich denke, dein Perspektivenwechsel mitten im Buch könnte durchaus spannend sein. Er könnte der Geschichte einen zusätzlichen Funken geben und die Spannungskurve nach oben treiben, vor allem wenn du neue Infos reinstreust.
Ich mag Vorgeschichten, das zeigt mir als Leser dass du deine Story wirklich kennst und weckt mein Interesse mehr zu erfahren :jau:
Ich glaube ich würde es nicht als Rückblick schreiben sondern als Nebenstrang miteinzubauen  :jau:
Den Tod als Gewissheit,
geringe Aussicht auf Erfolg.
Worauf warten wir noch?
~ Gimli, Glóins Sohn

Offline Haru

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Re: Aus zwei Plots werden eins und doch wieder zwei
« Antwort #11 am: 03. Mai 2021, 19:46:40 »
Falls du dein Problem noch nicht gelöst hast- hier mal noch mein Senf dazu ;D

Ich bin ein grosser Fan von Perspektivwechseln. Mein aktuelles Projekt wechselt sich immer wieder zwischen 2 Sichten ab und am Anfang haben beide nichts miteinander zu tun. Sie lernen sich erst später kennen, sind dann aber unumgänglich miteinander verwoben..  :hmmm:

Ich denke, dein Perspektivenwechsel mitten im Buch könnte durchaus spannend sein. Er könnte der Geschichte einen zusätzlichen Funken geben und die Spannungskurve nach oben treiben, vor allem wenn du neue Infos reinstreust.
Ich mag Vorgeschichten, das zeigt mir als Leser dass du deine Story wirklich kennst und weckt mein Interesse mehr zu erfahren :jau:
Ich glaube ich würde es nicht als Rückblick schreiben sondern als Nebenstrang miteinzubauen  :jau:

Danke! Ja, nachdem ich die Story jetzt zwei, drei Monate in Ruhe gelassen habe, habe ich mich entschlossen es tatsächlich aus zwei Sichten zu erzählen. Es wird zwar nicht nach jedem Kapitel gewechselt aber ich mag die Idee tatsächlich auch irgendwie zwei Erzählstränge zu berichten, die sich dann erst später treffen.

Offline Haru

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Re: Aus zwei Plots werden eins und doch wieder zwei
« Antwort #12 am: 03. Mai 2021, 19:59:40 »
Danke für eure Hilfe! :knuddel:

 Ich habe mein Problem mit dem Perspektivenwechsel gelöst und dies Thema kann geschlossen werden!


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