Liebe Freunde des Forums,
ich habe ja schon ein paarmal aus dem Nähkästchen geplaudert, wie wir mit der einen oder anderen Bewerbung verfahren sind, worauf wir positiv reagieren und worauf negativ. Unser frisch eingetroffenes neustes Mitglied hat dabei eine Premiere veranstaltet: Uns nämlich allein mit ihrer knappen Leseprobe von einem einzigen Satz so sehr begeistert, daß wir trotz arg knapper Vorstellung nachgehakt und so eine tolle Autorin an Land geholt haben. Und hier ist nun, mit äußerst ansprechenden Ergänzungen, Zonkas
Vorstellung
Hallo Tintenzirkler,
viele, viele Jahre schreibe ich, genau so gerne wie ich lese. Veröffentlicht habe ich bisher noch nichts, aber wer weiss...
Im Fantasy-Bereich schreibe ich derzeit an einem Roman, bei dem die Personen, die darin vorkommen mich so lange heimgesucht haben, bis ich ihre Geschichte aufschreiben musste.
Langsam kommt das Ende ihrer Reise in Sicht und für mich die Zeit der Überarbeitung der Rohfassung.
In diesem Forum suche ich Gleichgesinnte, die Freude an treffenden Formulierungen haben, an ihren Charakteren und Storys feilen, bis die Geschichte rund wird.
Ich bin verheiratet, Mutter dreier Kinder vom Kindergarten bis ins Pubertäter-Alter und zu meinen Hobbys gehören außer Lesen und Schreiben u.a. Kelten, Cornwall und Wandern.
Ergänzung
Da meine Bewerbung etwas zu knapp ausfiel wurde ich gebeten doch etwas ausführlicher zu schreiben.
Ich musste darüber schmunzeln.
Knappe Bewerbung, typisch, denn ich selbst stehe nicht gerne im Mittelpunkt.
Warum auch, wenn solche hinreißenden Wesen, wie ein kotzender Barbar, eine hyperaktive Wandlerin und eine Hexe, die ihre Beschwörung versiebt mein Manuskript bevölkern.
Ich sitze gerne in der zweiten Reihe und beobachte, was passiert.
Knapp, denn ich liebe klare, knackige Prosa, epische Landschaftsschilderungen treiben mich in den Wahnsinn.
Das ist natürlich ein Widerspruch zu den über 300 Seiten, die mich meine Helden bereits auf Trab halten, ich kann es nicht ändern.
Am Schreiben reizt mich die Herausforderung das mit Worten darzustellen, was ich wahrnehmen kann, wenn ich mit Aufmerksamkeit schaue, die Widersprüche, die Spannung, der Witz, der entsteht, wenn unterschiedliche Menschen aufeinander treffen.
Wenn es mir gelingt dieses Schauen in Sprache zu verdichten, dann bin ich in meinem Element.
Meine ersten Teenager Schreibversuche waren fürchterliche Die-Welt-versteht-mich-nicht Gedichte. Ich habe damit ein Feuer entzündet und weiter geschrieben.
Mein Ziel ist es jemanden in meine Welt mitzunehmen.
Wenn jemand meinen Text gelesen hat und sagen kann:
"Ich war dort, ich habe das Funkeln des Quarzfalls gesehen, bin im Schnee der Berge ausgerutscht und nun muss ich mir erst die klammen Hände am Lagerfeuer wärmen; erzähl mir den Witz von dem Zwerg und dem Barbar noch einmal,"
dann habe ich mein persönliches Ziel erreicht.
Das ist die Revanche für die Blasen an den Füßen, die ich mir in Mittelerde gelaufen habe.
Fantasy ist mein persönliches Steckenpferd,
weil alles möglich ist, aber das große Ganze doch einer inneren Logik folgen muss, sonst funktioniert es nicht, wiederum eine Herausforderung.
Im Tintenzirkel suche ich niemanden, den ich mit meiner unausgegorenen Rohfassung traktieren möchte,
sondern Erfahrungs und Meinungsaustausch für ganz konkrete handwerkliche Fragen rund ums Schreiben.
Ich mag den konstruktiven Ton des Forums, ich kann hysterisches Gezicke nicht leiden.
Wenn ich nicht schreibe bin ich Erzieherin für Heim und Sonderpädagogik, manage aber zur Zeit "nur" meine große Familie und bin in unserer Dauerbaustelle für Mosaik, Gips und Streichen zuständig.
Außerdem mache ich in einem Winter mehr Feuerholz, als ein Clan Zwerge...
LG
Zonka
kurze Kostprobe
Als die ersten Schmährufe und faulen Äpfel Goran trafen stellte er den einzigen Vorteil einer Schandmaske fest: Keiner sah seine Tränen.