Im Hinblick auf das Autorendasein macht mir zur Zeit eine grundsätzliche Frage Kopfzerbrechen:
„Was will ich?“Hierzu muss ich zunächst etwas ausholen. Einige Fragen wurden mir beim Durchforsten dieses Forums beantwortet und einige Antworten konnte ich mir bereits auf anderen Autorenseiten holen. Ich will mal die für mich bedeutsamsten Sachverhalte zusammenfassen (berichtigt mich bitte, wenn ich falsch liege):
Bis eine Reaktion von Seiten des Verlages auf das eingesandte Manuskript erfolgt (und sei es auch nur eine Absage), kann die Wartezeit für einen noch unbekannten deutschsprachigen Autor sehr lang sein, mindestens 6 Monate,
eher länger.
Ich hatte bislang wirklich die naive Vorstellung, das die jeweiligen Lektoren/Lektorinnen mehr als nur die ersten 3 Zeilen des Manuskripts lesen, bevor sie eine Entscheidung fällen, die bei „Newcomern“ i.d.R. negativ ausfällt (insbesondere im Genre Fantasy).
Ich hab mich hierzu mal schlau gelesen und wurde eines Besseren belehrt. Ich bitte, dies nicht falsch zu verstehen. Ich unterstelle den jeweiligen Lektoren weder Oberflächlichkeit, noch sonst irgendetwas Böses. Dies ist gewiss auf den Zeitmangel der Lektoren zurückzuführen. Aber wie dem auch sei, die Behauptung, das ein Lektor (und sei er auch noch so erfahren) sich in der Lage sieht, bereits nach den ersten 3-5 Zeilen zu wissen, ob er einen Bestseller oder einen Flop in der Hand hält, finde ich dennoch erstaunlich (um es mal diplomatisch auszudrücken).
Die Situation für einen unbekannten Fantasy-Autor ist also ohnehin sehr schlecht.
Gehört man zu den Glückseligen, die mit ihrem Manuskript tatsächlich von einem Verlag unter Vertrag genommen werden, hat man i.d.R. keinen Einfluss auf die Covergestaltung. Na gut, damit hatte ich mich schon zähneknirschend abgefunden, obwohl es für mich ein Alptraum ist, mein Werk von einem Cover eingerahmt zu sehen, das ich für gänzlich unpassend halte oder einfach nur total kitschig ist.
Was ich aber bislang nicht wusste ist, das der Verlag auch den Buchtitel festlegt.

Der Titel meines Werkes hat für mich einen solch wesentlichen Charakter, das ich im Moment nicht weiß, ob ich bereit bin, das in Kauf zu nehmen. Ich glaube...eher nicht.
Von den vom Verlag bzw. Lektors auferlegten Änderungen, Streichungen etc., die nach dessen Meinung notwendig sind und im Extremfall dazu führen können, das der Autor selbst sich mit seinem Werk kaum noch identifizieren kann, ganz zu schweigen.
In Anbetracht dessen, komme ich nun auf die eingangs gestellte Frage zurück, die mich beschäftigt: Was will ich? Wie viele Abstriche bin ich bereit, hinzunehmen? Oder um es überspitzt zu formulieren: Bin ich bereit, als Hiwi für den Verlag zu fungieren, viel Zeit und Liebe in einen Roman zu investieren, die Rechte daran an den Verlag abzutreten und sich dem Diktat des Verlages zu unterwerfen, nur um am Ende, vor Dankbarkeit zerfließend, ein Buchcover mit meinem Namen im Buchhandel zu sehen?
Ich bin da noch etwas zwiespältig. Damit habe ich schon irgendwie ein Problem.
Warum schreibe ich das alles? Mal angenommen, ich will den obigen Weg so nicht gehen, was sehr wahrscheinlich ist, welche „bessere“ Alternative gibt es?
Eigenverlag mit Hilfe von „Book on Demand“, z.B. Lulu oder dergleichen?
Ich weiß, ich weiß...diese Thematik wurde bereits in einigen anderen Threads angesprochen. In der Erwartung eines Tadels von Maja, will ich das dennoch an dieser Stelle ansprechen, da ich in diesem Zusammenhang auf etwas anderes hinaus will.
Den Weg über „BoD“ sehe ich wie folgt (wobei dies nur meine persönliche Meinung ist, andere mögen es anders sehen):
BoD ist dann eine interessante Alternative, wenn man für einen eng umrissenen Personenkreis schreibt (Verwandte, Freunde etc.). Ein Vertrieb des Buches, der darüber hinaus geht, ist in meinen Augen Illusion. Es mag gewiss Ausnahmefälle geben, bei denen durch eigene PR-Anstrengungen (Lesungen, Pressearbeit etc.) Achtungserfolge eingetreten sind. Aber grundsätzlich ist BoD für einen einzelnen Autor eine sinnvolle Möglichkeit, einem bestimmten Personenkreis, welcher auch quasi schon freudig auf das Buch wartet, entsprechend zu bedienen. In einem anderen Thread las ich den treffenden Begriff „special-interest-book“.
Insoweit ist dieser Weg für mich „zunächst“ auch nicht so interessant, aber...
Und jetzt komm ich zum Punkt:
Ich spinn jetzt nur mal so rum

.
Mal angenommen, eine Gruppe von gleichgesinnten Autoren schließt sich zusammen, um „gemeinsam“ eine Art Verlag mit Hilfe von Book-on-Demand (Lulu oder was auch immer) ins Leben zu rufen. Wenn sich mehrere Autoren zusammenschließen, um z.B. mit Lulu unter einem Dach zu veröffentlichen, wird daraus schon ein anderer Schnack.
Je mehr Autoren/Buchtitel unter diesem Verlag zusammen kommen, umso interessanter wird dieses Projekt, sei es für Vertriebswege im Internet oder vielleicht sogar irgendwann für die herkömmlichen Buchläden.
Weitere Punkte, die mir dazu einfallen, will ich jetzt mal nur stichwortartig anführen: Aufgabenteilung, Verlagsalternative für junge unbekannte Autoren, Verlagshomepage, eine etwas andere Verlagsphilosophie und viele andere Vorteile für die Autoren...
Ich will noch nicht auf Details eingehen, das würde jetzt zu weit führen. Dieses Posting is eh schon lang genug. Ich bin mir sicher, das es hierzu noch viele Dinge gibt, die ich noch nicht bedacht habe, aber vielleicht wird aus meinem Gedankengang ein Brainstorming, aus einer Vision wird vielleicht eine Idee, aus einer Idee wird vielleicht konkretes Projekt, aus einem Projekt wird vielleicht irgendwann ein etablierter Fantasy-Verlag...
Und nun bitte ich um eure Statements.
Ach ja...bitte nehmt es mir nicht übel, aber die Sprüche wie z.B. „Der Weg eines Autors ist nun mal steinig“ sind an dieser Stelle unangebracht. Das weiß ich alles. Ich brauche keine Vorhaltungen. Vielmehr würde ich mich freuen, wenn wir gemeinsam versuchen, dies zu ändern. Ich weiß, das hört sich jetzt hochtrabend an, aber egal.
Herzliche Grüße aus dem Norden
Lennard