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Autor Thema: Nur eine Vision: Die Verlags-Community  (Gelesen 2721 mal)

Lennard

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Nur eine Vision: Die Verlags-Community
« am: 11. November 2007, 16:32:15 »
Im Hinblick auf das Autorendasein macht mir zur Zeit eine grundsätzliche Frage Kopfzerbrechen: „Was will ich?“
Hierzu muss ich zunächst etwas ausholen. Einige Fragen wurden mir beim Durchforsten dieses Forums beantwortet und einige Antworten konnte ich mir bereits auf anderen Autorenseiten holen. Ich will mal die für mich bedeutsamsten Sachverhalte zusammenfassen (berichtigt mich bitte, wenn ich falsch liege):

Bis eine Reaktion von Seiten des Verlages auf das eingesandte Manuskript erfolgt (und sei es auch nur eine Absage), kann die Wartezeit für einen noch unbekannten deutschsprachigen Autor sehr lang sein, mindestens 6 Monate, eher länger.

Ich hatte bislang wirklich die naive Vorstellung, das die jeweiligen Lektoren/Lektorinnen mehr als nur die ersten 3 Zeilen des Manuskripts lesen, bevor sie eine Entscheidung fällen, die bei „Newcomern“ i.d.R. negativ ausfällt (insbesondere im Genre Fantasy).
Ich hab mich hierzu mal schlau gelesen und wurde eines Besseren belehrt. Ich bitte, dies nicht falsch zu verstehen. Ich unterstelle den jeweiligen Lektoren weder Oberflächlichkeit, noch sonst irgendetwas Böses. Dies ist gewiss auf den Zeitmangel der Lektoren zurückzuführen. Aber wie dem auch sei, die Behauptung, das ein Lektor (und sei er auch noch so erfahren) sich in der Lage sieht, bereits nach den ersten 3-5 Zeilen zu wissen, ob er einen Bestseller oder einen Flop in der Hand hält, finde ich dennoch erstaunlich (um es mal diplomatisch auszudrücken).
Die Situation für einen unbekannten Fantasy-Autor ist also ohnehin sehr schlecht.

Gehört man zu den Glückseligen, die mit ihrem Manuskript tatsächlich von einem Verlag unter Vertrag genommen werden, hat man i.d.R. keinen Einfluss auf die Covergestaltung. Na gut, damit hatte ich mich schon zähneknirschend abgefunden, obwohl es für mich ein Alptraum ist, mein Werk von einem Cover eingerahmt zu sehen, das ich für gänzlich unpassend halte oder einfach nur total kitschig ist.
Was ich aber bislang nicht wusste ist, das der Verlag auch den Buchtitel festlegt. :o Der Titel meines Werkes hat für mich einen solch wesentlichen Charakter, das ich im Moment nicht weiß, ob ich bereit bin, das in Kauf zu nehmen. Ich glaube...eher nicht.

Von den vom Verlag bzw. Lektors auferlegten Änderungen, Streichungen etc., die nach dessen Meinung notwendig sind und im Extremfall dazu führen können, das der Autor selbst sich mit seinem Werk kaum noch identifizieren kann, ganz zu schweigen.

In Anbetracht dessen, komme ich nun auf die eingangs gestellte Frage zurück, die mich beschäftigt: Was will ich? Wie viele Abstriche bin ich bereit, hinzunehmen? Oder um es überspitzt zu formulieren: Bin ich bereit, als Hiwi für den Verlag zu fungieren, viel Zeit und Liebe in einen Roman zu investieren, die Rechte daran an den Verlag abzutreten und sich dem Diktat des Verlages zu unterwerfen, nur um am Ende, vor Dankbarkeit zerfließend, ein Buchcover mit meinem Namen im Buchhandel zu sehen?
Ich bin da noch etwas zwiespältig. Damit habe ich schon irgendwie ein Problem.

Warum schreibe ich das alles? Mal angenommen, ich will den obigen Weg so nicht gehen, was sehr wahrscheinlich ist, welche „bessere“ Alternative gibt es?
Eigenverlag mit Hilfe von „Book on Demand“, z.B. Lulu oder dergleichen?

Ich weiß, ich weiß...diese Thematik wurde bereits in einigen anderen Threads angesprochen. In der Erwartung eines Tadels von Maja, will ich das dennoch an dieser Stelle ansprechen, da ich in diesem Zusammenhang auf etwas anderes hinaus will.
Den Weg über „BoD“ sehe ich wie folgt (wobei dies nur meine persönliche Meinung ist, andere mögen es anders sehen):
BoD ist dann eine interessante Alternative, wenn man für einen eng umrissenen Personenkreis schreibt (Verwandte, Freunde etc.). Ein Vertrieb des Buches, der darüber hinaus geht, ist in meinen Augen Illusion. Es mag gewiss Ausnahmefälle geben, bei denen durch eigene PR-Anstrengungen (Lesungen, Pressearbeit etc.) Achtungserfolge eingetreten sind. Aber grundsätzlich ist BoD für einen einzelnen Autor eine sinnvolle Möglichkeit, einem bestimmten Personenkreis, welcher auch quasi schon freudig auf das Buch wartet, entsprechend zu bedienen. In einem anderen Thread las ich den treffenden Begriff „special-interest-book“.
Insoweit ist dieser Weg für mich „zunächst“ auch nicht so interessant, aber...
Und jetzt komm ich zum Punkt:

Ich spinn jetzt nur mal so rum  ;).
Mal angenommen, eine Gruppe von gleichgesinnten Autoren schließt sich zusammen, um „gemeinsam“ eine Art Verlag mit Hilfe von Book-on-Demand (Lulu oder was auch immer) ins Leben zu rufen. Wenn sich mehrere Autoren zusammenschließen, um z.B. mit Lulu unter einem Dach zu veröffentlichen, wird daraus schon ein anderer Schnack.
Je mehr Autoren/Buchtitel unter diesem Verlag zusammen kommen, umso interessanter wird dieses Projekt, sei es für Vertriebswege im Internet oder vielleicht sogar irgendwann für die herkömmlichen Buchläden.
Weitere Punkte, die mir dazu einfallen, will ich jetzt mal nur stichwortartig anführen: Aufgabenteilung, Verlagsalternative für junge unbekannte Autoren, Verlagshomepage, eine etwas andere Verlagsphilosophie und viele andere Vorteile für die Autoren...

Ich will noch nicht auf Details eingehen, das würde jetzt zu weit führen. Dieses Posting is eh schon lang genug. Ich bin mir sicher, das es hierzu noch viele Dinge gibt, die ich noch nicht bedacht habe, aber vielleicht wird aus meinem Gedankengang ein Brainstorming, aus einer Vision wird vielleicht eine Idee, aus einer Idee wird vielleicht konkretes Projekt, aus einem Projekt wird vielleicht irgendwann ein etablierter Fantasy-Verlag...

Und nun bitte ich um eure Statements.

Ach ja...bitte nehmt es mir nicht übel, aber die Sprüche wie z.B. „Der Weg eines Autors ist nun mal steinig“ sind an dieser Stelle unangebracht. Das weiß ich alles. Ich brauche keine Vorhaltungen. Vielmehr würde ich mich freuen, wenn wir gemeinsam versuchen, dies zu ändern. Ich weiß, das hört sich jetzt hochtrabend an, aber egal.

Herzliche Grüße aus dem Norden
Lennard




Offline Maja

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Re: Nur eine Vision: Die Verlags-Community
« Antwort #1 am: 11. November 2007, 16:57:02 »
Das Problem bei solchen Verlagscommunities ist der Aspekt der Freundschaft. Ehrlich. Das meine ich folgendermaßen: Wenn ich einen Verlag gründe, auch mit Kleinstauflagen, dann will ich natürlich immer noch das bestmögliche Ergebnis mit den bestmöglichen Büchern. Aber wenn ich das ganze über eine Community aufziehe, bekomme ggf. ich Bücher geschickt von Leuten, die ich kenne, mag, und mit denen ich mich sehr gut verstehe - wenn ich aber nun die Bücher nicht gut finde, was tue ich dann?
a) ich bringe sie raus, um der lieben Freundschaft willen, und riskiere ein Ergebnis, das mein Label trägt, aber bei dem ich nicht voll dahinterstehe und bei dem ich um den literarischen Ruf meines Verlags fürchte
b) ich lehne das Buch freundlich, aber bestimmt ab, mit ganz vielen lieben und aufmunternden Worten, und muß trotzdem damit rechnen, ein Herz gebrochen und einen guten Freund verloren zu haben

Ich biete allen, die ihr Buch über Lulu rausbringen wollen, meine Hilfe an, kann aber nicht versprechen, daß ich wirklich die Zeit für ein aufwendiges Layout aufbringen kann. Für ein Titenzirkellabel, das auch schon lange angedacht ist, würde aber für mich schon wieder das Kriterium Qualität ins Spiel kommen, denn der Zirkel ist mein Baby und alles kommt auf uns zurück - vernichtende Kritiken für einen Titel ziehen das ganze Angebot runter, sobald man den Ruf weghat "alles zu drucken, wenn es nur von einem Tintenzirkler stammt". Deswegen will ich auf die Dauer lieber einen richtigen Verlag aufziehen, auch mit Absagen.

Übrigens, wenn mich ein Buch kaltläßt, merke ich das wirklich meistens in den ersten paar Sätzen, ohne bösen Willen oder Abneigung gegen Neuautoren. Spätestens nach einer Seite erkläre ich so ein Buch dann für Zeitverschwendung und lege es beiseite. Geht übrigens auch vielen Titeln so, die schon publiziert worden sind und nicht nur Neuautoren.
Und trotz positiver Erfahrungen mit Lulu hätte ich meiner Bücher lieber bei einem "richtigen" Verlag. Mehr Auflage, mehr Ruhm, mehr Geld.
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Offline Elena

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Re: Nur eine Vision: Die Verlags-Community
« Antwort #2 am: 11. November 2007, 16:59:43 »
Ich wollte eigentlich nicht, aber gut ... Nur kurz (hoffentlich):

Zitat
Aber wie dem auch sei, die Behauptung, das ein Lektor (und sei er auch noch so erfahren) sich in der Lage sieht, bereits nach den ersten 3-5 Zeilen zu wissen, ob er einen Bestseller oder einen Flop in der Hand hält, finde ich dennoch erstaunlich (um es mal diplomatisch auszudrücken).
Die Situation für einen unbekannten Fantasy-Autor ist also ohnehin sehr schlecht.


Das geht. Hört sich komisch an, aber es geht. Man kann vielleicht nicht den Bestseller an den ersten drei Sätzen rausfiltern, aber den Schrott. Das kann sogar ich, wie ich bemerkt habe, als ich mich durch das "Was ist euer letzter Satz"- Thema beim NaNo lesen konnte. Anhand dieser Sätze konnte man schon erkennen, ob es sich lohnen würde weiterzulesen oder ob der Autor besser noch ein wenig übt, bevor er sich um eine Veröffentlichung bemüht.
Ich denke, anhand der ersten drei Sätze kann man mindestens die Hälfte der eingesandten Manuskripte aussortieren, von den übrig gebliebenen noch einmal drei Viertel anhand der ersten drei Absätze.
Ein Drittel ist von vorneherein herausgeflogen, weil irgendwelche Fantasyautoren ihre Werke Kochbuchverlagen angeboten haben ...
Also: Es ist nicht so erschreckend schlimm, wie es sich anhört. Lektoren lesen sicher die ganze Leseprobe. Wenn sie das Gefühl haben, dass sich der Zeitaufwand lohnt.

Zitat
Von den vom Verlag bzw. Lektors auferlegten Änderungen, Streichungen etc., die nach dessen Meinung notwendig sind und im Extremfall dazu führen können, das der Autor selbst sich mit seinem Werk kaum noch identifizieren kann, ganz zu schweigen.


Wenn solche Umgestaltungen der Fall sind, kann der Autor wohl nicht besonders gut schreiben ...
Ziel des Lektorats ist es ja in erster Linie, ein gutes, verkaufbares Buch zu machen, nicht, den Autor zu ärgern.

Zu deiner Idee: So etwas hört sich im ersten Augenblick gut an, aber es hat einen großen Schwachpunkt, nämlich genau das, was das "Problem" für Autorenbewerbungen bei Publikumsverlagen ist: die Qualitätssicherung. Die müsste gegeben sein, damit das ganze sich nicht negativ auswirkt. Das heißt, gewonnen hätten sowieso nur die, die was können, und von denen müsste vermutlich auch nur ein kleinerer Teil auf alternative Veröffentlichungmöglichkeiten zurückgreifen.
Abgesehen von dem zeitlichen und Kostenaufwand, den solche Dinge mit sich bringen, bräuchte man ein Lektorat. Mit Leuten, die Ahnung haben, und Zeit. Vor allem aber mit Leuten, die auch zu guten Freunden "Nein, tut mir Leid, das können wir nicht bringen, weil du unsere Qualitätsanforderungen noch nicht erfüllst" sagen können.

Sprich: Man hätte wenig gewonnen, mit Ausnahme vielleicht derer, die aus verschiedenen Gründen nicht bei Publikumsverlagen veröffentlichen wollen (man hat bei Covern durchaus ein Veto-Recht, zumindest in einigen Verlagen) oder derer, die so für die Nische schreiben, dass sie zwar gut sind, aber eben nicht marktgängig genug.
Die anderen müssten dann weiter den steinigen Weg gehen und sehen, dass sie besser werden.

Liebe Grüße,

Elena
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(aus Novecento von Alessandro Baricco)

Offline Astrid

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Re: Nur eine Vision: Die Verlags-Community
« Antwort #3 am: 11. November 2007, 17:21:36 »
Ich picke mal eins deiner Argumente heraus: die Sache mit dem Titel.

Wenn du einen guten, zugkräftigen, ungewöhnlichen Titel für dein Buch hast, wird der Verlag ihn übernehmen. Wenn nicht, wird man versuchen, mit dir zusammen einen besseren zu finden. Ich habe zwar zähneknirschend mehrere ? ? ?-Titel akzeptieren müssen, die ich grauenhaft fand, aber daran bin ich selbst schuld, weil zum Zeitpunkt der Titelkonferenz noch keine Geschichte da war und ich deshalb keine bessere Alternative anbieten konnte.

Bei Einhornzauber war mein Arbeitstitel "Über die Nebelbrücke". Der gefiel dem Verlag gut - aber nur für den ersten Band, nicht für die ganze Serie. Bessere Vorschläge gab es aber auch nicht. Meine Lektorin sprach dann so oft von "Einhornfantasy", dass sie es irgendwann für einen tauglichen Titel hielt. Weil sich mir daraufhin sämtliche Zehennägel hochrollten, habe ich daraus wenigstens noch "Einhornzauber" gemacht, und damit waren dann alle einverstanden.

Es ist also definitiv nicht so, dass der Verlag über deinen Kopf hinweg dein Buch zu irgendeinem Mist verarbeitet. Bei den Titelbildern hast du allerdings meistens wirklich kaum eine Wahl. Es sei denn, du sicherst dir vorher im Vertrag ein Mitspracherecht bei der Gestaltung. Aber das wird den Vertriebsprofis im allgemeinen nicht gefallen, weil sie eben wissen, was sich verkauft und was nicht.

Trotzdem ist der Grundsatz immer: Wenn du eine tolle eigene Idee hast, sind die Chancen gut, dass du sie durchbringst. Wenn dein Buch allerdings "Die ziemlich verworrene Reise des Hobbits Frodo und seiner merkwürdigen Gefährten" oder "Hin und wieder zurück" heißt, musst du erwarten, dass der Verlag mit etwas Kurzem, Prägnantem kommt.  ;D

Und nun zurück zum Thema, zu dem ich gerade nichts sagen kann.

Gruß

Astrid

Offline Lavendel

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Re: Nur eine Vision: Die Verlags-Community
« Antwort #4 am: 11. November 2007, 17:46:37 »
Ich denke mal, dass du dich an den Gedanken gewöhnen musst, dass ein Buch ein Verkaufsartikel ist, der auch verkauft werden will. Der Buchmarkt heißt nicht umsonst Markt. Es gelten die gleichen Gesetze, wie für jeden anderen Markt auch.

Ich gebe Elena Recht, was die ersten Sätze/Absätze eines Manuskripts betrifft. Wenn ein MS absoluter Müll ist, wird man das sofort sehen. Da geht es nicht nur um grausige Rechtschreibung oder Grammatik, sondern auch um Satzbau, Wortschatz und all das. Wenn die Sprache der ersten drei Sätze Mist ist, warum soll ich dann weiterlesen? Da wäre wohl der Lektoratsaufwand unverhältnismäßig, selbst wenn die Idee hinter dem Buch ansich gut ist.

Verlage sind nicht böse. Jedenfalls ist das meine Meinung. Lektoren streichen nicht böswillig in Manuskripten rum, weil sie Autoren ärgern wollen. Sicher bringen sie unter Umständen Änderungsvorschläge ein, die einem nicht besonders gefallen. Aber Lektorat ist dann immer noch kein Diktat und man kann sicherlich über vieles diskutieren.

Auslese muss man sich abfinden. Und ich habe nicht erst einmal gehört, dass man als Autor vor allem eines braucht: Ausdauer (nicht nur beim Schreiben selbst, sonder auch auf der Suche nach einem passenden Verlag).

Offline Grey

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Re: Nur eine Vision: Die Verlags-Community
« Antwort #5 am: 11. November 2007, 18:27:06 »
Hier muss ich auch mal Lavendel beipflichten. Verlage und Lektoren sind nicht böse. Ich habe auch gerade ein recht anstrengendes Lektorat hinter mir, und ich dachte erst "NEIN! Der macht meine ganze Geschichte kaputt!"

Aber letztendlich ist doch was dabei rausgekommen, mit dem ich mich gut abfinden kann. Wieder was gelernt, was Kompromisse angeht. Und die muss man ja immer und überall im Leben machen. Zumindest, wenn man sich und sein Werk vermarkten will.
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Lennard

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Re: Nur eine Vision: Die Verlags-Community
« Antwort #6 am: 11. November 2007, 20:25:46 »
Vielen Dank für die bisherigen Antworten.

@Maja

Ich kann deine Bedenken nachvollziehen. Aber ich glaube, du hast meine Idee ein wenig missverstanden.
Die Bezeichnung „Verlags-Community“ ist gewiss auch nicht ganz treffend. Ich bin mir nicht mal sicher, ob „Verlag“ wirklich zutreffend ist. Aber in jedem Fall schwebt mir ein Gemeinschaftsprojekt vor. Ein Zusammenschluss von mehreren Autoren unter einem Verlagsprojekt, mit dem Ziel, auch jungen, noch unbekannten, talentierten Nachwuchsautoren eine Chance zu geben. Ich betone „Gemeinschaftsprojekt“. Um es ganz platt zu sagen: In dem Fall wäre es nicht dein Verlag. Du wärst ein Teil davon, nicht mehr, nicht weniger. Ob ein Buch unter diesem gemeinschaftlichen Label vertrieben wird, hängt von dem Entscheid eines mehrköpfigen Gremiums ab (wie auch immer der sich zusammensetzt).
Insofern wären deine Bedenken im Hinblick auf den Freundschaftsaspekt unbegründet. Du hättest nicht alleine darüber zu befinden und somit können auch gute Freunde dich nicht für eine Absage verantwortlich machen.
Genauso gut kann es sein, das du ein Manuskript für ungeeignet hältst, aber die Mehrheit der Entscheidungsträger anderer Meinung ist und entsprechend votiert. Auch das müsstest du dann akzeptieren.
Ist eine Beurteilung von mehreren Personen und die daraus folgende Entscheidung über ein Manuskript nicht für alle Beteiligten besser?

@Elena

Wenn du in Bezug auf die von mir skizzierte Auslese von Seiten der Lektoren schreibst: „Das geht.“ Nun, dann muss ich dir das glauben. Wahrscheinlich liegt meine Skepsis daran, das ich bislang noch keinen Schrott gelesen habe. Ich oute mich hiermit als Otto-normal-Fantasyleser, d.h. ich gehe in einen Buchladen und kaufe mir dort ein Buch das mich anspricht. Somit habe ich also bislang nur Werke gelesen, die von dem jeweiligen Verlag als lesenswert ausgewiesen sind (logisch, denn Schrott wird ja nicht verlegt). Mag sein, das ich ein Geschreibsel, das wirklich Schrott ist, ebenfalls nach wenigen Zeilen erkennen würde. Ich weiß es nicht *schulterzuck*.

Aber andersrum gesehen, habe ich mir mal den Spaß gemacht und wahllos einige Romane aus meinem Regal gezogen. Ich habe dann noch mal jeweils die ersten Zeilen gelesen. Hmm...also ganz ehrlich, wenn ich nach den ersten 3-5 Zeilen eine Entscheidung treffen müsste, ob ich weiterlese oder nicht, dann würde so manch gutes Buch ungelesen in meinem Regal stehen.  :)

Ich möchte an dieser Stelle betonen, das meine Ausführungen nicht als Vorwurf an die Lektoren zu verstehen sind. Ich habe großen Respekt vor deren Arbeit und erkenne sie auch an. Ein Lektorat hat zweifelsohne alle Hände voll zu tun und ich möchte nicht mit ihnen tauschen. Das sind gewiss erfahrene und fachkundige Leute.

Aber besteht ganz nüchtern betrachtet unter den gegebenen Umständen nicht eine gewisse Wahrscheinlichkeit, das womöglich so manch talentierter Autor, so manch guter Roman unveröffentlicht bleibt, weil die Lektoren gar nicht die Zeit haben, sich mit jedem Manuskript näher zu beschäftigen?
Ein Beispiel: Ich habe vor längerer Zeit eine Dokumentation im TV gesehen, in dem ein Lektor zugab, das Manuskript von Dan Brown´s „Sakrileg“ abgelehnt zu haben, weil er es (irrtümlicherweise) für ungeeignet hielt. Ok, Dan Brown blieb hartnäckig und das Manuskript wurde schließlich von einem anderen Verlag genommen.
Aber ich wage mal die Behauptung, das es auch genug „gute“ Autoren gibt, denen es nach 30 Absagen reicht. Sind es deshalb nun schlechte Autoren?

Elena, wenn du schreibst, das bei auferlegten, umfangreichen Änderungen eines Manuskripts  der Autor wohl nicht besonders gut schreiben kann, muss ich sagen, ohne dir zu nahe treten zu wollen, aber ist eine solche Pauschalierung nicht zu einfach?

Ansonsten gebe ich dir vollkommen Recht. Dem Lektorat/Verlag geht es einzig und allein um den wirtschaftlichen Aspekt. Alles dreht sich letztendlich um Umsatz und Gewinn. Ich will das nicht verteufeln. Ganz im Gegenteil, das muss so sein. Es geht ja auch um Arbeitsplätze.
Da setzt aber meine Idee an: Kein Verlag, bei dem der zu erzielende Umsatz im Vordergrund steht, sondern vielmehr die Förderung und Veröffentlichung von Fantasyromanen junger Nachwuchsautoren aus dem deutschsprachigen Raum. Also mehr ideelle Aspekte. Warum nicht aus der Not eine Tugend machen?

Trotzdem sollte natürlich die Qualitätssicherung selbstverständlich sein. Auch im Rahmen meiner Idee wird nicht alles aufgenommen. Das ist klar.

@Astrid

Zum Thema Buchtitel: Es freut mich zu hören, das du andere Erfahrungen gemacht hast. Wenn dies die Regel wäre und kein Ausnahmefall, dann wäre ich wahrlich begeistert. Doch ich befürchte, dem ist leider nicht so.

Und wenn dies doch die Regel ist, das der Buchtitel nur in Absprache und Zustimmung mit dem Autor festgelegt werden darf, hurra *freu*, dann sag mir bitte, wo im Standard-Vertrag dies festgeschrieben steht.

@Grey
Zitat: "...und ich dachte erst "NEIN! Der macht meine ganze Geschichte kaputt!"

genau davor hab ich Angst  ;)

Übrigens habe ich nicht behauptet, das die Lektoren den Autoren was Böses wollen. Da hast du mich missverstanden.



Offline Astrid

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Re: Nur eine Vision: Die Verlags-Community
« Antwort #7 am: 11. November 2007, 21:49:12 »
Zum Thema Buchtitel: Es freut mich zu hören, das du andere Erfahrungen gemacht hast. Wenn dies die Regel wäre und kein Ausnahmefall, dann wäre ich wahrlich begeistert. Doch ich befürchte, dem ist leider nicht so.

Und wenn dies doch die Regel ist, das der Buchtitel nur in Absprache und Zustimmung mit dem Autor festgelegt werden darf, hurra *freu*, dann sag mir bitte, wo im Standard-Vertrag dies festgeschrieben steht.


Ich habe nichts dergleichen gesagt. In meinen Verträgen steht folgender Absatz:

"Die Verfasserin überlässt dem Verlag alle geschäftlichen Maßnahmen, insbesondere die Ausstattung des Werkes, die Festsetzung des Titels, die Auflagenhöhe und den Erscheinungstermin."

Es geht hier allerdings um eine fest zementierte Reihe, nämlich die drei ? ? ?. Da habe ich nicht die geringsten Rechte, die über mein reines Urheberrecht hinausgehen. Trotzdem darf ich in Absprache mit der Lektorin einen Titel vorschlagen und am Titelbild rumnörgeln. Da ich mittlerweile auch die Coverillustratorin kenne, weiß ich, dass auch dort Änderungsvorschläge angenommen werden - wenn sie realisierbar sind.

Es ist eben nicht alles nur im Vertrag. Da läuft unheimlich viel über Absprachen. Und bei einem "normalen" Buch, also nicht einer Auftragsarbeit in einer vor -zig Jahren festgelegten Serie, sondern deinem eigenen, an dem alle Rechte dir gehören, kannst du selber mit dem Verlag abstimmen, welche Rechte du haben willst. Du kannst dir ein Mitspracherecht bei der Gestaltung vorbehalten, du kannst sämtliche buchfernen Nebenrechte behalten, du kannst dem Verlag Teilrechte an deiner Welt einräumen. Ein Vertrag ist kein Knebel, mit dem Verlage ihre Autoren mundtot machen, sondern ein Geschäftsvertrag zwischen zwei gleichgestellten Partnern. Ich komme nicht als Bittstellerin zum Verlag; die wollen ja schließlich auch was von mir. Natürlich wird kein Verlag begeistert sein, wenn du ihm ins Konzept pfuschst, aber kein Mensch zwingt dich, einen Vertrag zu unterschreiben, dessen Konditionen dir nicht gefallen.

Ich will nicht sagen, dass man nicht auch an einen Verlag geraten kann, an dem man sich die Zähne ausbeißt. Aber dann bleibt die Frage, ob man mit diesen Leuten überhaupt einen Vertrag machen will.

Offline Maja

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Re: Nur eine Vision: Die Verlags-Community
« Antwort #8 am: 12. November 2007, 01:42:40 »
Zitat
Da setzt aber meine Idee an: Kein Verlag, bei dem der zu erzielende Umsatz im Vordergrund steht, sondern vielmehr die Förderung und Veröffentlichung von Fantasyromanen junger Nachwuchsautoren aus dem deutschsprachigen Raum. Also mehr ideelle Aspekte. Warum nicht aus der Not eine Tugend machen?


Das Problem ist - womit willst du fördern? Von welchem Geld? Der Grund, waurm Verlage auf Umsatz aus sind und nicht jeden Titel nehmen, ist ganz einfach der: Ein Buch zu produzieren kostet Geld. Da läßt sich bei einem Gemeinschaftsprojekt sicher einiges einsparen: Der begnadete Künstler macht das Cover, der Mediengestalter den Satz, die Deutschlehrerin das Korrektorat, etc. Aber gedruckt werden und gebunden werden muß es immer noch. Fördern ist schön, wenn man eine Stiftung hat und einen freundlichen Gönner, dem es egal ist, ob auch nur ein Exemplar des Buches am Ende verkauft wird. Ich hatte mal das Vergnügen, so ein Stiftungswerk zu tippen und zu lektorieren, sogar gegen Geld. War kein Fantasy, sondern eine Seniorenschreibgruppe, aber es funktioniert gleich.

Und: Kein Prokjekt funktioniert ohne einen, der die Fäden in der Hand hält. Sonst gibt es nur Chaos. Einer muß am Ende das letzte Wort haben können, sei es, um einen übereifrigen Illustrator zu bändigen, der zwar hochmotiviert ist, dessen Werke aber dann doch nicht gut genug sind. Oder einen Zwist zwischen Autor und Lektor auszubügeln. Ich betreibe seit über drei Jahren ein moderiertes Forum - ich weiß, wovon ich rede, und Demokratie ist überbewertet, die funktioniert nur bei Leuten, die sich sonst nicht kennen.
Es ist eine Utopie - zwar eine schöne, aber keine realistische - daß eine Gruppe von Autoren aus reinem Enthusiasmus heraus ihre Bücher im Team selbst herausgibt. Letztenendes werden sie daran verzweifeln - an der Feststellung, daß sie zwar gedruckte Bücher haben, die ihre ganzen Ersparnisse verschlungen haben, aber niemand kommt um sie zu lesen. Trotz der hochmotivierten Buchhändler im Vertriebsteam. Und daran zerbricht letztenendes die Gruppe. Da mache ich es lieber wie bisher, biete gnädig von oben herab Hilfe an und freue mich, wenn's was wird. Oder gründe einen richtigen Verlag, ohne Rudeldenken. Fördern und Fordern.
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Re: Nur eine Vision: Die Verlags-Community
« Antwort #9 am: 12. November 2007, 06:50:31 »
Zitat
@Astrid
Zum Thema Buchtitel: Es freut mich zu hören, das du andere Erfahrungen gemacht hast. Wenn dies die Regel wäre und kein Ausnahmefall, dann wäre ich wahrlich begeistert. Doch ich befürchte, dem ist leider nicht so.


Guten Morgen Lennard,

auch ich bin in der überaus glücklichen Lage einen Verlag gefunden zu haben, bei dem mein Mitspracherecht sehr groß ist. So hatte ich zum Beispiel sehr viel Einfluss , was den Titel und die Covergestaltung angeht. Und da es sich um ein illustriertes Kinderbuch handelt, habe ich auch sehr eng mit der illustratorin zusammengearbeitet.

Zitat
Die Bezeichnung „Verlags-Community“ ist gewiss auch nicht ganz treffend. Ich bin mir nicht mal sicher, ob „Verlag“ wirklich zutreffend ist. Aber in jedem Fall schwebt mir ein Gemeinschaftsprojekt vor. Ein Zusammenschluss von mehreren Autoren unter einem Verlagsprojekt, mit dem Ziel, auch jungen, noch unbekannten, talentierten Nachwuchsautoren eine Chance zu geben. Ich betone „Gemeinschaftsprojekt“.

 

Meines Erachtens ist es im Endeffekt völlig egal, wie du ein solches Projekt nennst. Letztlich bleibt dann doch wieder die Selektion der Manuskripte. Und die Entscheidung, was wird als gut und was als schlecht empfunden. Hinzu kommen die Produktionskosten, die nicht unerheblich sind. In sofern sind Maja´s Bedenken, bei einem solchen Projekt völlig richtig. ich durfte gerade miterleben, wie kostenreich eine solche Produktion ist und wir reden hier von einer kleinen Auflage eines Kinderbuches. Maja bringt es ganz richtig auf den Punkt:
Zitat
Es ist eine Utopie - zwar eine schöne, aber keine realistische - daß eine Gruppe von Autoren aus reinem Enthusiasmus heraus ihre Bücher im Team selbst herausgibt. Letztenendes werden sie daran verzweifeln - an der Feststellung, daß sie zwar gedruckte Bücher haben, die ihre ganzen Ersparnisse verschlungen haben, aber niemand kommt um sie zu lesen. Trotz der hochmotivierten Buchhändler im Vertriebsteam. Und daran zerbricht letztenendes die Gruppe. Da mache ich es lieber wie bisher, biete gnädig von oben herab Hilfe an und freue mich, wenn's was wird. Oder gründe einen richtigen Verlag, ohne Rudeldenken. Fördern und Fordern.


Dann die Frage: Wer entscheidet darüber, ob jemand talentiert ist oder nicht? Traust du dir eine solch schwere Last zu? Also ich könnte das nicht, weil mir einfach der nötige Sachverstand fehlt. Ich denke man sollte ganz klar trennen, zwischen Autor und Lektorenarbeit. Nur weil ich schreibe habe ich noch lange keine Ahnung vom verlegen und all den anderen Kriterien, die eine Entscheidung für ein Ja oder ein Nein beeinflussen. Ein Lektor hat so einen Sachverstand. Ein Buch muss nicht nur allein gut geschrieben sein, nein, es muss sich auch verkaufen. Aber unser Lomax, der kann dir sicher viel besser Auskunft über die Arbeit eines Lektors geben. Auch wenn du eingangs geschrieben hast...

Zitat
Ach ja...bitte nehmt es mir nicht übel, aber die Sprüche wie z.B. „Der Weg eines Autors ist nun mal steinig“ sind an dieser Stelle unangebracht. Das weiß ich alles. Ich brauche keine Vorhaltungen. Vielmehr würde ich mich freuen, wenn wir gemeinsam versuchen, dies zu ändern. Ich weiß, das hört sich jetzt hochtrabend an, aber egal.


... so ist dies aber ganz genau das, was zutrifft.  ;)

LG
Termi


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Offline Die Wölfin

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Re: Nur eine Vision: Die Verlags-Community
« Antwort #10 am: 12. November 2007, 07:55:13 »
Mal angenommen, ein Verlag bekommt pro Jahr zwischen den 1.500 bis 3.000 Einsendungen 50 Autoren auf den Tisch, der er mit geringem Aufwand zu veröffentlichungsreifen Berufsautoren aufbauen kann und die auch ein ins Programm passendes Thema anbieten?
Wieviele davon würde er ins Programm nehmen?
Wahrscheinlich ebensoviele wie derzeit auch: 2 oder 3 maximal.
Denn egal ob Verlagskollektiv oder Publikumsverlag, es kann immer nur eine gewisse, sehr geringe Anzahl an unbekannten Autoren gefördert werden. Einen neuen Autor auf dem Markt einzuführen, ihm die ersten Bücher zu lektorieren und wenigstens die Druck- und Lektoratskosten wieder reinzuholen, endet normalerweise in einem Flop. Man kann nicht alle 50 aufbauen und im nächsten Jahr wieder 50. Das wird auch kein Verlagskollektiv lösen können.

Ich denke, Du definierst Kollektiv eher so, wie eine Werbegemeinschaft: Jeder gibt den Druckauftrag für sich und die Vermarktung läuft unter dem Namen "Edition talentierte Neuautoren".
Diese Idee ist an und für sich nicht schlecht. Ähnliche Überlegungen gibt es bereits für den Tintenzirkel. Wenn es dazu kommt, wirds allerdings auch hier jemand selektieren, weil sein Name für diese Edition steht.

Wenn Du solch ein Kollektiv enger verzahnen möchtest, als ein bloßes Label und die Einstellung: "Wenn ich Werbung bei der Buchhandlung mache, nehme ich die Bücher meiner Kumpel mit.", dann kann es Dir auch passieren, dass der llustrator Dir sagt: "Nee Du, ich finde, Dein Manuskript ist noch nicht so weit. Ich werde Dir kein Cover erstellen und ich sehe es nicht ein, das Buch im Kollektiv zu fördern, weil ich nicht sehe, wie man damit mehr als 20 Leser erreichen kann."
Oder es sagt gar jemand: "Vergiss es, das ist auf Fanzine-Niveau."

Ich habe einmal 3 Monate als Praktikantin in einem Verlag gesessen und kann aus meiner Sicht nur sagen: Man erkennt den Schrott nach wenigen Sätzen und es gibt weniger veröffentlichungsreife Schriftsteller, als viele glauben. Selbst Talente, die man sich mit einem Lektorat zurecht schleifen kann sind rar. Verlage brauchen keine Hobbyautoren, die davon träumen, hin und wieder ein Buch zu veröffentlichen, sie brauchen Leute, die bereit sind, jeden Tag 4 bis 8 Stunden zu schreiben, um zweimal im Jahr einen Roman in gleichbleibender Qualität abzuliefern. Das können nur Wenige neben dem Beruf leisten.

Das Verlagkollektiv ist sicher für Autoren eine Lösung, die kritisch sind und wissen, dass sie das als Hobby machen. Der Aufwand wird durch die Erträge normalerweise nie reinkommen. Und damit meine ich nicht nur den finanziellen Ertrag, sondern auch den geistigen, wenn man vor 10 Leuten eine Lesung macht oder nach einem Jahr nur 40 Bücher verkauft sind und keiner rezensieren will.
Es gibt unglaublich Viele, die mittlerweile die Wege von BoD und Lulu nutzen und sich mehr auf die eigene Arbeit konzentrieren, als noch zu lesen oder zu Lesungen zu gehen. Wer soll all die Künstler noch lesen und hören, wenn jeder selbst produziert?

Noch ein Satz zu den Lektoraten: Gehen wir mal weg von den Konzernen, gibt es erstaunlich viele Verlage, die tatsächlich die Manuskripte lesen und die der Leseprobe über mehrere Seiten eine Chance geben. Es gibt sogar Verlage, die Autoren für ein anderes Genre unter Vetrag nehmen, weil die Leseprobe sie beeindruckt hat, sie aber kein Fantasy verlegen.

Grüße
Wölfin
"Die wahren Elben gewinnen immer!"

zitatus

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Re: Nur eine Vision: Die Verlags-Community
« Antwort #11 am: 12. November 2007, 08:15:34 »
Lieber Lennard!
Zur Umsetzbarkeit eines Autorenverlags mit so viel Verantwortungsverteilung und Ehrenamtlichkeit, wie Du es hier vorschlägst, fällt mir ein einfaches Beispiel ein. Der Kindergarten meiner Tochter betreut vier Gruppen a 30 Kindern. Der Förderverein hat gerade mal 28 Mitglieder. Ehrenamtlich tatsächlich tätig davon sind drei (der Vorstand)... In einer Comunity, wo sich fast jeder nur mit Nicknamen kennt, räumlich über zig Kilometer getrennt... das kann nicht funktionieren.

Aber trotzdem ein Vorschlag für das Brainstorming: Die Auswahl, das Lektorat und die Korrektur könnten wie im "Federfeuer"-Forum funktionieren. Das hätte allerdings noch langsamere Bearbeitung als im Verlagswesen zur folge.

Grüßle Zitatus

Offline Lynn

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Re: Nur eine Vision: Die Verlags-Community
« Antwort #12 am: 12. November 2007, 09:32:53 »
Nachdem ich ja selbst das Glück hatte bei einem gut aufgestellten Verlag unter zu kommen, kann ich nur sagen: Alles ist verhandelbar. Inwieweit man dir als Anfänger Zugeständnisse machen und Mitspracherecht einräumen wird, sei jetzt mal dahingestellt, aber wie schon zuvor gesagt wurde: Niemand zwingt dich einen Vertrag zu unterschreiben.
Aber sieh's mal von der anderen Seite: Die entsprechenden Leute im Verlag haben - oft jahrelange - Erfahrung in dem was sie tun. Sie können den Markt ganz anders beobachten, als du oder ich.

Bedenke bitte auch: Jedes Jahr kommen zig tausend Neuerscheinungen auf den Markt. Abgesehen davon, dass ein Großteil kaum seine Herstellungskosten einbringen wird ehe der Verlag sie als unproduktiv und nur Kosten verursachend rammscht, fürchte ich, hat eine junge 'Verlags-Community' keinen besonders guten Stand im Buchhandel, allein was das Marketing angeht - es sei denn einer hat gerade mal ein paar hundert Tausend Euro über, die er bereit ist ins Marketing zu stecken, damit der Buchhandel diesen neuen Verlag überhaupt wahrnimmt und bereit ist, es zumindest mal mit einem Titel zu versuchen.

Und was das Thema Freundschaften angeht: Freundschaften gehen schon in die Brüche, wenn zwei sich auf den gleichen Job bewerben und einer davon tatsächlich genommen wird. Wie wäre das dann in einer  solchen Community?
Die einen Verkrachen sich, weil der eine mehr Bücher verkauft als der andere, weil er im Katalog besser plaziert ist, weil für ihn (scheinbar) mehr Werbung betrieben wurde und die nächsten reden nicht mehr miteinander,  weil der eine einen jungen Autor unbedingt ins Programm nehmen wollte, dessen Buch ihm super gefallen hat, der andere das Buch aber schlicht nur noch schei** fand.

Sorry, aber meine Freundschaften wären mir - zumindest mir persönlich - wichtiger. Und gibt es nicht auch einen Spruch, der heißt: Bei Geld hört die Freundschaft auf?

Wenn du einen philantropisch veranlagten Millionär findest, der ein solches Projekt unterstützen würde, ohne sich davon Provit zu versprechen, läge die Sache vermutlich anders. Allerdings wollen solche Leute dann meist auch genannt werden und da geht die Krux von vorne los: Bitte nur mit positiven Schlagzeilen

Versteh mich nicht falsch: Es ist ein schöner Traum und ich fände es klasse, wenn man ihn umsetzen könnte. Aber leider sehe ich nicht, wie das gehen sollte.
Ein stolzer Mensch verlangt von sich selbst das Außergewöhnliche, ein hochmütiger schreibt es sich zu.
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Offline Lomax

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Re: Nur eine Vision: Die Verlags-Community
« Antwort #13 am: 12. November 2007, 09:53:36 »
Geld und Fachkenntnis wurde schon angesprochen, und auch persönliche Befindlichkeiten, wenn es um Entscheidungen über so "intime" Dinge wie selbstgeschriebene Literatur geht. Ich möchte mich nun allerdings nicht aus meiner Perspektive als Lektor zu Wort melden, sondern eher aufgrund meiner früheren jahrelangen Erfahrungen mit ehrenamtlicher Hobby-Fandomtätigkeit. Und da fällt mir auf, dass ein Punkt noch gar nicht angesprochen wurde: So ein Unternehmen am Laufen zu halten, ist Arbeit.
  Es ist ordentlich Arbeit vonnöten, um auch nur ein Buchprojekt mehr schlecht als Recht vom Lektorat bis zum Verkauf zu betreuen. Es ist Arbeit nötig, um sich auch nur auf Hobbyniveau so weit einzuarbeiten, dass man solche Projekte stemmen kann. Und es ist weit mehr Arbeit als man sich vorstellen kann, wenn man nicht schon ein paar Jährchen Erfahrung mit all den Problemen hat, die dabei auftreten können. Und bei der Arbeit im "Kollektiv" kostet schon die Entscheidungsfindung und die Kommunikation einen ordentlichen Batzen Zeit und Energie.
  Ich habe im Fandom viele ambitionierte Projekte entstehen sehen, und die meisten von ihnen platzten nach ein, zwei, drei Ausgaben wieder, weil die Hobby-Herausgeber schlicht von der Arbeit überrascht und ausgelaugt wurden. Bezahlung hilft bei der Motivation - aber bei einer Hilfestellung nur auf "Gegenseitigkeit" wird man im günstigsten Fall feststellen, dass entweder die Fluktuation der Mitglieder sehr groß wird, weil sich ständig einzelne Enthusiasten verabschieden, die sich die Detailarbeit im Alltag so nicht vorgestellt hatten; und im Normalfall wird es so sein, dass einfach gar nichts läuft, weil die Überforderten sich nicht abmelden, sondern ihren Arbeitsanteil einfach liegen lassen, in der Hoffnung, dass er sich von selbst erledigt, oder dass sie irgendwann mehr Zeit haben ("Upps, ist denn schon wieder ein Jahr vorbei?"); oder weil die Leute sich gegenseitig belauern, aufeinander warten und darauf achten, dass sie nicht zu viel machen und übervorteilt werden.
  Denn bei jedem "Kollektiv" in dem Bereich, das ich bisher kennengelernt hatte - sprich: "Clubs" mit entsprechenden Publikationen - stellt man bald fest, dass viele mitreden wollen, aber letztlich immer nur einige wenige und immer dieselben die Arbeit machen. Und dass überhaupt nur dann etwas passiert, wenn es genau eine Person gibt, die koordiniert, motiviert und hinter allem herläuft.
  Für deinen Vorschlag, Lennard, ist die Arbeit sicher kein unüberwindbares Hindernis. Aber eines, dass zu allen anderen genannten Punkten noch hinzukommt und erfahrungsgemäß in der Planung vorher immer wieder übersehen oder allzu enthusiastisch als "geht schon" beiseite geschoben wird  ;)
   "Whatever happened to me in my life, happened to me as a writer of plays... I watched my life as if it were happening to someone else. And Prospero and Miranda, Caliban and Gonzalo ... all of them are more real to me than ... the good citizens of Stratford" (Shakespeare in Neil Gaimans "Sandman")

Lennard

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Re: Nur eine Vision: Die Verlags-Community
« Antwort #14 am: 12. November 2007, 11:12:56 »
Guten Morgen,

Ich denke, Du definierst Kollektiv eher so, wie eine Werbegemeinschaft: Jeder gibt den Druckauftrag für sich und die Vermarktung läuft unter dem Namen "Edition talentierte Neuautoren".


Ja, sowas in der Art.

Insofern gehen eure Bedenken insbesondere, was die Kosten angeht, schon viel zu sehr in Richtung eines richtigen Verlages (Druck, Vermarktung etc.).

Mein Gedanke war halt nur:
Wenn sich jemand, aus welchen Gründen auch immer, für Book-on-Demand entscheidet, dann macht er alles selbst, insbesondere die Öffentlichkeitsarbeit und den Vertrieb. Quasi nach dem Motto: Meine Bücher sind erhältlich unter BoD.de oder auf meiner Homepage dingenskirchen.de

Ich dachte, man könnte das Procedere (auch was die Kosten angeht) so laufen lassen, wie sonst auch. Der einzige Unterschied wäre halt nur, das eine Art Label gegründet wird, unter dem die Werke verschiedener Autoren angeboten werden.
Das hat meiner Ansicht nach mehrere Vorteile. Der wesentliche Punkt ist aber: Es macht einfach mehr her.

@Maja

Ich stimme dir vollkommen zu. "Förderung" meinte ich aber auch nicht im finanziellen Sinne. Wenn ein Autor bei der Internet-Präsentation seines Buches nicht alleine da steht, sondern im Rahmen einer "Edition hastenichgesehn" auf einer HP dieser Autorengemeinschaft, betrachte ich das schon in gewisser Weise als Förderung (im weitesten Sinne).

@all

Natürlich habt ihr Recht. Die Frage der Entscheidungsfindung müsste noch besprochen werden. Zuviele Köche verderben den Brei, stimmt. Auch ich habe da schon leidvolle Erfahrungen gemacht. Aber so detailliert wollte ich das noch gar nicht diskutieren  :)

Ob das wirklich umsetzbar ist, auch im rechtlichen Sinne, weiß ich nicht. Hey, es war nur mal so ein Gedanke, der mir durch den Kopf ging.

Abschließend möchte ich eines klarstellen: Ich bin sicher nicht imstande zu entscheiden, welches Manuskript gut oder schlecht ist. Klar, ich glaube an das, was ich tue, sonst würde ich nicht schreiben, aber letztendlich weiß ich natürlich nicht, ob meine Werke gut genug für einen Verlag sind. Das vermag ich nicht zu beurteilen. Insofern vertraue ich schon dem fachkundigem Urteil eines Lektorats.
Für mich persönlich ist das alles noch nicht relevant. Ich dachte nur, es wäre schön, wenn es sowas in der Art (oder ähnlich) gäbe *schulterzuck*

Mag sein, das meine Vision nicht praktikabel ist, dennoch bin ich froh, diesen Thread ins Leben gerufen zu haben, denn er hat mir etwas sehr wertvolles gebracht: Die Zuversicht, das die Ausgangssituation für einen Autor nicht ganz so schlimm ist, wie es den Anschein hat.
Daher sage ich: Vielen Dank euch allen.
Wie gut, das ich dieses Forum gefunden habe.

Herzliche Grüße
Lennard