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Autor Thema: Jörg Benne: Thanars Entscheidung  (Gelesen 3119 mal)

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Re: Jörg Benne: Thanars Entscheidung
« Antwort #1 am: 01. Januar 1970, 01:00:00 »
Böser Fehler von Thanar... ich kann verstehen dass er danach beginnt, das Vertrauen in seine Fähigkeiten zu verlieren. Ich mag die Tragik darin.

An einigen Stellen fällt mir das hier schon oft diskutierte Plusquamperfekt störend auf...da hättest du auch die einfache Vergangenheitsform verwenden können - die auch noch mehr Spannung hineinbringt...und es finden sich öfter Wortwiederholungen...z.B. hier...

Zitat
Ein Blick zu den Türmen zeigte Thanar, dass auch die Zinnen mit Schützen besetzt waren, jedoch wären Bogenschützen hier besser postiert gewesen.

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Offline Kaeptn

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Re: Jörg Benne: Thanars Entscheidung
« Antwort #2 am: 01. Januar 1970, 01:00:00 »
Danke..... Du meinst "schützen?" Kann man von "Armbrustler" sprechen, oder was für ein Synonym gibt's noch.

Plusquamperfekt..... oh je, Deutsch-Grammatik war noch nie meine Stärke. Ist das "wäre gewesen" "hätte sein sollen" und so?

Ich hab selbst eine Kritik zu meinem Text: Wie weit kann ein Mensch eigentlich (bei freier Sicht) sehen? Ich bin mir darüber nicht ganz im klaren. Im Text steht, das Thanar eine halbe Meile hinter der Frontlinie steht und die Orks brechen aus dem Wald, der zwei Meilen von den Türmen weg ist, sprich er guckt hier von Drabonus Schultern aus mehr als 2 Meilen weit... Allerdings in eine Senke... Ist das realistisch? JHaben wir zufällig einen Optiker oder Augenarzt unter uns? ;)
Jörg Benne
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Re: Jörg Benne: Thanars Entscheidung
« Antwort #3 am: 01. Januar 1970, 01:00:00 »
Knorkator (eine komische Band) behauptet (in einem komischen Lied namens "Wie weit ist es bis zum Horizont?"), man könne ca. 4,65 Km weit ins Land blicken - sofern man 1,70 groß ist und das Land eine Ebene. Der langjährige Mathenachhilfelehrer neben mir vermutet stark, so sei es auch. Wenn man dann die Senke hinzunimmt dürfte das Ganze also gar kein Problem darstellen... ;)

Das arme kleine Plusquamferfekt...die "Vorvergangenheit"...du hast den Übeltäter fast erkannt...es verbricht Formulierungen wie "hat getan" oder "ist gewesen". "Wäre gewesen" ist wieder eine andere Form...aber da lassen mich auch meine Grammatikkenntnisse im Stich. Möglichkeitsform? Mhhh... *grübel*

"Armbrustler" geht leider nicht... *g* aber was hälst du davon:

"Ein Blick zu den Türmen zeigte Thanar, dass auch die Zinnen mit Armbrustschützen besetzt waren. Krieger mit Bögen wären hier besser postiert gewesen."
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Re: Jörg Benne: Thanars Entscheidung
« Antwort #4 am: 01. Januar 1970, 01:00:00 »
Das würde ich noch einfacher sagen:

"Ein Blick zu den Türmen zeigte Thanar, daß auch die Zinnen mit Armbrustschützen besetzt waren. Bögen hätten dort mehr Sinn gemacht."

- ein "gewesen" ist draußen (Hossa!)
- der Satz wird kürzer und geschmeidiger
- nicht "hier" (das ist unten bei Thanar), sondern "dort" (öfter mal Sesamstrasse gucken, die erklären das immer so schön :-) )
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Offline Linda

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Re: Jörg Benne: Thanars Entscheidung
« Antwort #5 am: 01. Januar 1970, 01:00:00 »
Vorweg einiges, wie das Plusquamperfekt wurde bereits angesprochen, daher schenke ich mir das.

Vorbemerkung:
Grundsätzlich bin ich kein Freund von Fantasy mit verschiedenen Volksgruppen und auch nicht so von Schlachtszenen (die Fantasy-Bibel sei hier mal ausgenommen). Daher halte ich meine private Meinung da raus und versuche, mich an den objektiveren Punkten wie Sprache und innere Logik. Und auch das ist nur meine persönliche Ansicht und soll nicht schulmeisterlich oder verletzend rüberkommen.  
Allgemein kann ich nur sagen, dass ich die Szene übersichtlich geschrieben fand, keine Selbstverständlichkeit im Schlachtengetümmel, sie mich aber in emotionaler Hinsicht wenig mitgerissen hat. Vielleicht, weil ich die Figuren nicht kenne, vielleicht auch, weil das meiste aus Thanars Sicht Gedanken zum Geschehen sind und wenig Sinnenseindrücke. Die meisten Leser »heute« erwarten da mehr »Innensicht« Als Beispiele: kalter Wind, unsicherer Boden, Dunkelheit. Angst. Schock, Behinderung durch Verletzungen. Heißes Blut, klebrig, nass... Atemlos vom Laufen und Schwertschwingen, sowas eben.
Er glaubte den Atem der Orks im Nacken zu spüren, doch so nah konnten sie nicht sein. Dieser Satz hat mir in der Hinsicht sehr gut gefallen, weil er sich aus der reinen Beobachtung löst und das »psychologische Moment« berücksichtigt.
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Aber lieber mal von Anfang an:
Urtext normal, mein Senf kursiv (und ich hoffe, diese Formatierung wird auch vom Forum übernommen!)

kurz darauf erscholl hinter ihnen das Kriegsgeheul der Orks. Sie brachen aus dem Wald hervor und hetzten in breiter Front über die etwa zwei Meilen lange Grasebene bis zu den Türmen. 

cool, ganz schön ausdauernd die Jungs, mit Schwert und Rüstung in soo kurzer Zeit (s.u.) die 3 km zu laufen. Aber vielleicht ist auch gemeint »Richtung der Türme«?

Nur noch Sekunden bis die Fronten aufeinanderprallten, seine Truppe stand etwa eine halbe Meile hinter den Türmen, die Front nur wenige Meter vor den Türmen.

Dazwischen wird eine halbe Seite erzählt, was Thanbar so alles treibt, die Kampfvorbereitungen. Das wirkt wie etwa eine Minute. In der Zeit sind die Orks entweder die gesamten 2 Meilen gelaufen oder gar nicht vom Fleck gekommen, denn:

Wieder blickte er zu den Orks, es würde nicht mehr viel Zeit vergehen ehe sie nah genug waren um ihre Schützen einzusetzen, so welche bei ihnen waren.

Letzter Halbsatz klingt auch umständlich Mein Vorschlag: »wenn sie welche hatten«

Oder das alles ist ein Missverständnis meinerseits was die Schlachtaufstellung und die Landschaft betrifft.

Er stieg von Drabonus hinunter und bedeutete Cayad mit einem Wink zu sich.

Ich denke, das 'bedeutete' ist hier um eine Nuance mit dem falschen Anschluss versehen. (Bedeuten = zu verstehen geben) Hier würde ich...   bedeutete Cayad mit einem Wink, herzukommen den Vorzug geben, aber 100 % sicher bin ich selbst nicht.

Gellende Schreie von der Front ließen ihn abbrechen.

Sorry, das scheint mir eine Stilblüte. Es ist klar, was gemeint ist, doch vor meinem geistigen Auge, sah ich, wie Thanar, quasi ein Riese unter seinen Zwergenkumpels, plötzlich in der Mitte durchbricht. Schreibs doch aktiv: Gellende Schreie von der Front unterbrachen ihn / seine Worte, Rede etc. Damit der arme Thanar auch später noch kraftvoll zuschlagen kann :-)

Er versuchte zu erkennen, ob die Reiter es geschafft hatten hinter die Orks zu gelangen, konnte aber nichts erkennen

Es geht wiederholt um Kommunikationsprobleme (Dunkelheit, unübersichtliches Terrain). Sowas wurde in früheren irdischen Zeiten durch Meldereiter etc geklärt.- Abgesehen mal von der Wortwiederholung erkennen

Armbrustbolzen surrten als die Schützen im Laufen ihre Waffen abfeuerten.

Schießen beim Laufen finde ich sehr gewagt. Als alte Rollenspielerin kenne ich diese fiesen Fumbles, wenn man mit der Armbrust den eigenen Fuß perforiert. Upps, gestolpert (es ist dunkel und irgendwo lag auch noch Schnee = glatt)
Naja, mal im Ernst. - Ist es eine so große Masse Orks, dass die Schützen quasi blind hineinfeuern können? Sie haben genau einen Schuss, danach müssen sie auf jedenFall stehenbleiben und nachladen. Das ist nicht unaufwendig mit der ganzen Kurbelei Ich meine, Navarr, der schwarze Ritter (alias Rutger Hauer) aus »Der Tag des Falken« kann das natürlich und seine Armbrust durchschlägt auch jeden Plattenpanzer, aber realistisch finde ich das nicht. Zudem sind Armbrüste Scheiße schwer, damit läuft man auch nicht lange
.

Geistesgegenwärtig setzte Thanar sein Horn an die Lippen und blies das Rückzugssignal.

»blies zum Rückzug«, liest sich flüssiger, finde ich.

Haß war ein Feind des Kriegers, hatte er gelernt.

Das finde ich gut! Klasse. Dieses kleine Statement sagt mir was über die Welt, die Werte und Lehren dort. Es ist ein Merksatz, eine Essenz aus Thanars Leben als Krieger, die mir mehr über ihn verrät als der Rest des Textes.

Die wenigen verbliebenen Orks aus der ersten Angriffswelle waren zu schwach um ihnen nachzusetzen, doch der neue Orktruppe bereitete Thanar Sorge.

Da ist entweder der falsche Artikel vor der Orktruppe, oder es ist ein »2e« zuviel an den Orks

Sie durften nicht zum Halten kommen, sie mussten so schnell wie möglich durch die Orklinien durchbrechen und zum Wald weiterlaufen.

Zweimal durch ist doppelt gemoppelt.  Durch die Orklinien brechen, reicht völlig. Sowas mit dem »durch/durchbrechen« kam auch vorher schon. Ach ja, hier:

Der Gorman nickte knapp und drängte sich durch die Zwergengruppe zu dem anderen Tscharik durch (das zweite durch kann man löschen) um auf der dem Wald zugewandten Seite ihres kleinen Ringes den Angriff der herannahenden Orks zu erwarten.

Minuten, Sekunden, Meter

- irdische Maßeinheiten, moderne wie Meter noch dazu, sind ein grundsätzliches Problem. Es gbt gute Argumente dafür, wollte nur mal darauf hinweisen, dass das manchen Leser aus dem Text reißt.

Ansonsten sollte beim Text nochmal auf folgende Punkte geschaut werden: Interpunktion und falsche das (daß). Hab das zwar bei mir angestrichen, aber das führt zu weit.
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Offline Linda

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Re: Jörg Benne: Thanars Entscheidung
« Antwort #6 am: 01. Januar 1970, 01:00:00 »
Jetzt mal zum Problem der Bogen- und Armbrustschützen.
Bogner und Armbruster geht leider nicht, da das ja die Berufe sind, die diese Waffen herstellen.
Die Schützen wurden auch schon häufiger frequentiert. Bleibt nur noch die Umschreibung oder Umformulierung (siehe auch Majas Post)
Vielleicht kann man die noch ganz anders benennen. Quasi ein Eigenname für diese Abteilung oder Kompanie: die Federpfeile oder Blitzfedern etc. Dann bringt man den Eigennamen mit der Erklärung, was das ist, und kann später in der Benennung abwechseln
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Offline Kaeptn

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Re: Jörg Benne: Thanars Entscheidung
« Antwort #7 am: 01. Januar 1970, 01:00:00 »
WOW.

Vielen, vielen Dank, das war alles sehr ausführlich und hilfreich. Fast alle Punkte kann ich nachvollziehen und werde sie auch ändern.

Einzig was die grundsätzliche Art angeht: Thanar ist (wie in der Einleitung beschrieben) Mitglied einer Kriegerkaste, Kampf ist sein Handwerk, für ihn gibt es da wenig Emotionen.
Und genau darum geht es ja: Zu Beginn der Schlacht ist er noch der überlegene Held, wie wir ihn aus zahlreichen Romanen kennen, der es locker mit einem Dutzend Orks aufnehmen kann, a la Aragorn in Herr der Ringe Film Teil 1. Aber mit dieser Schlacht, mit seiner Fehleinschätzung und dem von ihm verschuldeten Tod der Kameraden bröckelt das. Deshalb tauchen Emotionen erst auf, als sich das Blatt wendet.

Es gibt in dem Roman andere Kampfszenen aus Sicht weniger abgebrühter Gesellen, da sieht die Sache dann anders (emotionaler) aus.


Ich frag mich, warum man eigene Weortwiederholungen auch beim vierten Mal überarbeiten überliest, sie aber in texten anderer immer sofort erkennt.... Schon seltsam...

Jörg Benne
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Re: Jörg Benne: Thanars Entscheidung
« Antwort #8 am: 01. Januar 1970, 01:00:00 »
Hi Kaeptn,

das mit den Wiederholungen kenn ich.  :)  Der Grund dafür liegt wahrscheinlich in den selben geheimnisvollen Klüften wie die Ursache dafür, dass wir überhaupt Geschichten schreiben. Und tröste dich, dafür war gerade mal ein Schreibfehler (stehengelassenes e bei der Orktruppe) auf den 7 Seiten  ;-)

Um noch mal auf die Emotionalität zurückzukommen. Ich denke sie ist drin, nur etwas zu versteckt. Einiges hatte ich ja auch schon zitiert und es stehen auch Sätze drinnen wie "er spürte Hass in sich auflodern". Ich denke nur, man könnte das mit kleinen Körperreaktionen unterfüttern und zeigen... Zähneknirschen, Fäuste ballen etc, dann wirkt es mehr, vor allem auf die Leser, die den "inneren Film" haben möchten.
Natürlich ist er als geübter Krieger anders drauf als ein Frischling, deswegen werden sie sich in ihren Reaktionen auch unterscheiden.

Was mir noch eingefallen ist (merke, immer eine Nacht vor der Textkritik über dem ganzen schlafen): deine Armbrustschützen sind Zwerge, oder? Man könnte dann ja sagen, sie sind ausdauernder, stärker als menschliche Schützen, deswegen können sie mit den Waffen gut rennen.
Aber, du merkst, ich hatte das zwischenzeitlich aus dem Auge verloren, weswegen ich dir raten würde, so zwischendrinnen immer mal wieder auf die Besonderheiten der Rasse einzugehen. "Pfeile zischten über die Köpfe der gedrungenen Gestalten mit den grimmigen Gesichtern hinweg..." sowas. Das weckt gleich die Erinnerung: Ach sind ja Zwerge.
So, nun aber genug gemotzt...

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Damorius

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Re: Jörg Benne: Thanars Entscheidung
« Antwort #9 am: 12. Januar 2007, 14:14:27 »
Ich finde die Geschichte wirklich klasse.
Von den Texten, die ich bisher so gelesen habe spricht sie mich am meisten an und zieht mich förmlich in einen Bann. Ich würde mich über mehr freuen.