0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

  • Drucken

Autor Thema: Triggerwarnungen - wichtig oder überflüssig?  (Gelesen 2366 mal)

Offline Zitkalasa

  • Blaustern
  • *****
  • Beiträge: 4.939
  • (╯°□°)╯︵ ┻┻
Re: Triggerwarnungen - wichtig oder überflüssig?
« Antwort #60 am: 09. Oktober 2019, 06:00:01 »
Na, ganz so negativ ist es nun auch nicht. In der aktuellen Federwelt 05/19 ist auch ein Artikel zu Triggerwarnungen enthalten, in dem u.a. auch @Lothen zitiert wird (ihr Roman Sand & Klinge als Beispiel) oder ohneohren zu Wort kommt genauso wie Art Skript Fantastik, die Content Notes/ Triggerwarnungen benutzen. Auch piper ist dabei, wobei die befragte Lektorin zugibt, dass sie das "sehr individuell mit dem Autor – oder der Autorin" ausmachen, und dass sie solche CN auch selbst anregen, wenn sie beim Lektorat merken, dass sensible Themen intensiv aufbereitet werden, es aber letztlich beiM AutorIN liegt, ob es gemacht wird.

Offline Lothen

  • Liga-Siga 2015
  • Blaustern
  • *****
  • Beiträge: 7.049
  • Geschlecht: Weiblich
  • Und meine Seele spannte weit ihre Flügel aus
    • Autorenseite Elea Brandt
Re: Triggerwarnungen - wichtig oder überflüssig?
« Antwort #61 am: 09. Oktober 2019, 12:17:39 »
@Elona : Klar, man kann unmöglich alle potenziellen Trigger oder Inhalte aufzählen, oft sind die ja auch sehr spezifisch und von Außenstehenden nicht als solche zu erkennen. Aber wie Evanesca schrieb, es gibt gewisse Themen, die einfach ein sehr hohes Trigger-Potenzial haben (Suizid wurde genannt, Mobbing, sexuelle Gewalt usw.).

TWs oder CNs werden nie eine 100%-ige Sicherheit für Betroffene darstellen, der Illusion sollte man sich nicht hingeben, aber deswegen ganz drauf zu verzichten, finde ich dann doch übertrieben.

Ich finde den Vergleich mit Allergenen immer gut: Viele Menschen in D haben eine Erdnussallergie oder sind laktoseintolerant, deswegen werden diese Bestandteile auf Lebensmitteln aufgezählt, auch wenn sie nur in Spuren enthalten sein können. Für Personen mit anderen, hochspezifischen Allergien ist es schwieriger, weil diese Bestandteile vielleicht nicht immer gekennzeichnet sind. Trotzdem würde man nicht zu dem Schluss kommen, man sollle Allergenkennzeichnungen ganz weglassen, weil man ja unmöglich vor allem warnen könne. Für Erdnussalleriker*innen sind sie u.U. immer noch überlebenswichtig.
"Truth is a matter of the imagination"- Ursula K. le Guin

Offline AngelikaD

  • Forengott
  • *****
  • Beiträge: 908
  • Geschlecht: Weiblich
  • weil worte wirken
    • Angelika Diem - weil worte wirken -
Re: Triggerwarnungen - wichtig oder überflüssig?
« Antwort #62 am: 09. Oktober 2019, 13:12:04 »
Ich schätze, das mit den Allergenen hat sich durchgesetzt, weil es eben lebenswichtig ist und auch ungesetzlich wäre, wenn sowas heute fehlt und ein Erdnussallergiker stirbt an der Sauce zu seinen Nudeln.

Bei den Triggerwarnungen gibt es noch keine Gesetze und damit noch kein rechtliches Druckmittel den Contenterzeugern und -verbreitern gegenüber.

Ich glaube, es fängt damit an, dass es eine klare Unterscheidung geben muss zwischen:

Das Element im Buch hat mich an ein negatives Erlebnis erinnert und ich konnte nicht weiterlesen, musste das Buch weglegen und lange nachdenken und ich habe danach schlecht geschlafen und davon geträumt.
und
Nachdem ich dieses Element im Buch gelesen habe, bekam ich Schweißausbrüche, Herzrasen und musste meinen Therapheuten anrufen. Ohne Medikamente hätte ich die nächste Nacht nicht überstanden und allein der Gedanke an das Buch hat mich zum Kotzen gebracht.

Ich stelle mir das zum Beispiel furchtbar vor, von einer Farbe getriggert zu werden, wo doch die ganze Welt bunt ist. Wenn man das nicht ohne Medikamente ertragen kann, ist das einfach nur schrecklich.

Es ist, um bei dem Allergiebeispiel zu bleiben, irgendwie wie der Unterschied zwischen leichter bis mittlerer Unverträglichkeit mit Unwohlfühlen, leichten Verdauungsbeschwerden und einer richtige Allergie mit Schweißausbrüchen, Ausschlag, Dauerdurchfall und Kreislaufproblemem.
Es gibt soweit ich weiß, keine Warnbuchstaben für die Unverträglichkeit von Steinfrüchten, Erdbeeren oder Orangen.



Schreibe derzeit: "Der Atem des Waldes" Short Story aus dem Schattenthron Universum

Offline AngelikaD

  • Forengott
  • *****
  • Beiträge: 908
  • Geschlecht: Weiblich
  • weil worte wirken
    • Angelika Diem - weil worte wirken -
Re: Triggerwarnungen - wichtig oder überflüssig?
« Antwort #63 am: 09. Oktober 2019, 13:13:18 »
Sorry, Doppelpost
Schreibe derzeit: "Der Atem des Waldes" Short Story aus dem Schattenthron Universum

Offline Mondfräulein

  • Blaustern
  • *****
  • Beiträge: 1.194
Re: Triggerwarnungen - wichtig oder überflüssig?
« Antwort #64 am: 09. Oktober 2019, 14:11:58 »
Das Element im Buch hat mich an ein negatives Erlebnis erinnert und ich konnte nicht weiterlesen, musste das Buch weglegen und lange nachdenken und ich habe danach schlecht geschlafen und davon geträumt.
und
Nachdem ich dieses Element im Buch gelesen habe, bekam ich Schweißausbrüche, Herzrasen und musste meinen Therapheuten anrufen. Ohne Medikamente hätte ich die nächste Nacht nicht überstanden und allein der Gedanke an das Buch hat mich zum Kotzen gebracht.

Was du beschreibst ist eine sehr, sehr extreme Reaktion. Damit definierst du Panikattacken weit strikter als es die ICD-11 tut:

Zitat
A discrete episode of intense fear or apprehension accompanied by the rapid and concurrent onset of a number of characteristic symptoms. These symptoms may include, but are not limited to, palpitations or increased heart rate, sweating, trembling, sensations of shortness of breath, feelings of choking, chest pain, nausea or abdominal distress, feelings of dizziness or lightheadedness, chills or hot flushes, tingling or lack of sensation in extremities (i.e., paresthesias), depersonalization or derealization, fear of losing control or going mad, and fear of imminent death. Panic attacks can appear out of the blue or can be triggered by particular situations.

Quelle: https://icd.who.int/browse11/l-m/en#/http://id.who.int/icd/entity/1707067746


Offline Shedzyala

  • Blaustern
  • *****
  • Beiträge: 1.421
  • Geschlecht: Weiblich
  • Wenigstens regnet es …
    • Annette Juretzki schreibt …
Re: Triggerwarnungen - wichtig oder überflüssig?
« Antwort #65 am: 09. Oktober 2019, 14:56:51 »
Es ist, um bei dem Allergiebeispiel zu bleiben, irgendwie wie der Unterschied zwischen leichter bis mittlerer Unverträglichkeit mit Unwohlfühlen, leichten Verdauungsbeschwerden und einer richtige Allergie mit Schweißausbrüchen, Ausschlag, Dauerdurchfall und Kreislaufproblemem.

Das Beispiel finde ich gar nicht mal schlecht, denn ja, die Allergiehinweise wurden zwar für Menschen mit Allergien geschrieben, aber es profitieren auch alle mit Unverträglichkeiten davon, während es dem Rest nicht schadet. Also eine Win-Win-Situation ;)
Wenn sie dich hängen wollen, bitte um ein Glas Wasser. Man weiß nie, was passiert, ehe sie es bringen …
– Andrzej Sapkowski, Die Dame vom See

Offline AngelikaD

  • Forengott
  • *****
  • Beiträge: 908
  • Geschlecht: Weiblich
  • weil worte wirken
    • Angelika Diem - weil worte wirken -
Re: Triggerwarnungen - wichtig oder überflüssig?
« Antwort #66 am: 10. Oktober 2019, 13:17:18 »
Zitat
A discrete episode of intense fear or apprehension accompanied by the rapid and concurrent onset of a number of characteristic symptoms. These symptoms may include, but are not limited to, palpitations or increased heart rate, sweating, trembling, sensations of shortness of breath, feelings of choking, chest pain, nausea or abdominal distress, feelings of dizziness or lightheadedness, chills or hot flushes, tingling or lack of sensation in extremities (i.e., paresthesias), depersonalization or derealization, fear of losing control or going mad, and fear of imminent death. Panic attacks can appear out of the blue or can be triggered by particular situations.
Quelle: https://icd.who.int/browse11/l-m/en#/http://id.who.int/icd/entity/1707067746

Du liebes Bisschen, die Aufzählung klingt ja noch härter als meine paar Begriffe allein:  an Hitzewallungen, Zittern, Taubheit ect.. habe ich gar nicht gedacht.
Ich habe mich an die Symptome gehalten, die zwei Menschen in meinem Umfeld bei ihren Panikattacken durchlitten. Und beide sind sowohl in psychologischer wie auch in medizinischer Betreuung, was ich wichtig finde, denn Gesundheit ist das höchste Gut.
Ihnen hat beides soweit geholfen, dass sich ihr Lebensqualität bei sorgfältigem Monitoring und regelmäßiger Medikamenteneinnahme inzwischen deutlich gebessert hat.
Schreibe derzeit: "Der Atem des Waldes" Short Story aus dem Schattenthron Universum

  • Drucken