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Lyanne - Der Paladine Lied

Begonnen von Jakob Weikum, 12. April 2026, 19:05:56

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Jakob Weikum

Hallo. Das ist ein sehr spannendes Format und ich würde das gern ausprobieren. Aus den Autorenchallange weiß ich, dass man seine Figur nie in- und auswendig kennt. Es gibt immer Aspekte, Gedanken, Eigenheiten, Vorlieben und Sichtweisen, die einem vorher gar nicht in den Sinn gekommen waren.
Theoretisch weiß ich viel über Lyanne. Aber ich bin ja nicht hier, um zu wissen, sondern um zu lernen und zu überdenken.

Ich überlasse also meine Protagonistin euren Fragen und bin üneraus gespannt.
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Was ist das für ein Ort? Wer seid ihr? Weiß Stahlfalke, dass ich hier bin? Oder Reticeo?

Was? Nein! Ruhe jetzt.

Verzeiht, ich ... ich bin Lyanne. Lyanne Feldmann. Sechzehn Winter alt und komme aus Neusiedlingen. Das liegt westlich von Appelburg. Ihr wisst schon: Damgarisches Reich.
Nicht? Na gut. Seid Ihr vom Solitariat? Ich bin nicht weggelaufen! Und schaut! Ich trage noch die Ägis.

Entschuldigt bitte. In Ordnung: Mein Vater ist ein Feldmann, wie ihr euch schon denken könnt. Aber kein normaler Bauer, sondern ... naja, sagen wir mal, er ist wohlhabend. Oder ... mittlerweile müsste er schon Großbauer im Dienste des Barons sein. Das wollte er zwar nie, aber ... ja. Jetzt ist er es wohl. Wegen ... tja. Da kommen wir auch schon zu mir: Ich habe es verbockt — und zwar so richtig. Oh Gott ... muss ich wirklich?

Schon gut. Hör auf!

Das war nicht an Euch. Vor ... ich weiß nicht genau wann. Da ist etwas passiert. Seitdem bin ich ... ich bin manchmal so ... so wütend.
Verzeiht. Ich habe jemandem sehr wehgetan. Romael. Romael von Baumkronen, den Sohn und Knappen von Ritter Ronaldin von Baumkronen. Also eigentlich habe ich ihn windelweich geprügelt. Er hätte es auch verdient, aber ... tja. Wie? Keine Ahnung. Es war schlimm. Ich konnte einfach nicht aufhören. Ich wollte ihm ... ja. Ich wollte ihm wehtun. Und wie.

Was? Nein!

Verzeiht. Ich rede manchmal mit ... egal. Er — also Herr Ritter Ronaldin — ist eine echte Berühmtheit und wirklich gütig. Sogar für einen Ritter. Naja. Die Strafe wäre trotzdem ... Tod oder Tribut. Niemand wollte das wirklich — denke ich. Außer vielleicht Romael. Aber er — also Herr Ritter Ronaldin — bot mir einen Ausweg an: Ich soll Romael heiraten. Ich habe ihn gehasst. Und er mich. Aber ... das wäre es: Die Prügel wären vertuscht — Streit zwischen Liebenden, würde es heißen. Und mein Vater könnte weiter einfach Feldmann sein, ohne dem Baron zu gehören. Nur zwei Söhne. Das war das Angebot. Dann würde man mich in Ruhe lassen und alles wäre vergessen und ...
Und wisst ihr, was ich gesagt habe: Dass ich lieber sterben würde. Nur war das gelogen.

Oh Silberlichtiger, ich bin so dumm. So dumm! Ich habe dann alles nur noch schlimmer gemacht. Und dann ... dann war Scheusal da und half mir. Nur ein Mal. Ich wollte einfach nicht ... ich ... ich wollte nicht. Aber ... dann habe ich es getan. Ein einziges Mal schwach geworden. Ein einziges Mal nicht aufgepasst und ... Mama. Ich. Ich habe sie getötet. Ich. Dreck.

Es ist nur ...

Naja. Mein Vater — er war nicht wütend — er wäre nicht mein Vater, wenn er nicht einen Ausweg gefunden hätte. Mit den Gilden. Mit Fürst Aravell und dem Solitariat: Kloster. Der Konvent zur Silberähre im Himmelsendgebirge. Ganz weit weg, bei den Silberschwestern und den Paladinen. Die Bedingung war, dass er dem Baron die Treue schwört — wegen mir! Dreck.

Reticeo hat mich dorthin gebracht. Er ist ein Paladin. Ist er hier? Weiß er, dass ich hier bin?

Verdammt. Ich halte es kurz, ja? Ich bin ... der Nyktiri hat ...
Was ein Nyktiri ist? Na, ein Geistlicher der Sechs. Also, ich habe ... ich wollte nur den Schwestern helfen. Es war nicht richtig, was er ... so etwas sollte man nicht tun — niemand. Dieses Schwein.

Ich habe also wieder die Hand gebissen, die mich füttert. Und schützt. Und über mein Schicksal entscheidet. Und nun heißt es: Scheusal bezwingen oder ... Tribut oder Tod.

Die Silberschwestern dürfen mir nicht mehr helfen. Ende. Den Paladinen ist es gleich. Wäre ich ein Kerl, dürfte ich ein Paladin werden — so einfach ist das. Aber ich bin nun mal keiner. Mädchen ist es in Damgar sogar verboten, ein Schwert zu berühren!

Reticeo und Cain hatten einen Einfall: In meiner Heimat, im olgetischen Reich, da wird Leuten wie mir anders geholfen. Dort könnte ich eine Nebelwächterin werden. Eine ... ich weiß nicht. Artella scheint mir auch eine Art Priesterin zu sein. Baro ist ein Krieger. Und sie behaupten von sich, Jäger zu sein. Die Priesterschaft Tyras. Aber nicht wie die Nyktiri oder die Silberschwestern. Keine Ahnung. In Damgar beten wir zu Tasinah.

Aber dieser Nyktiri hat mir noch einen reingewürgt: Vierzehn Monde — bis zum nächsten Tribut. So viel Zeit habe ich, um eine Nebelwächterin zu werden. Allein die Reise dauerte fast zwei. Dreck. Und dann darf ich auch nur von Stahlfalke ausgebildet werden. Wenn ihr die kennenlernen würdet ... Weiß meine Meisterin, dass ich hier bin? Ich darf nicht ohne ihr Wissen fort — oder ohne dass Reticeo davon weiß. Es ist wichtig! Redet mit mir!

Entschuldigt mich bitte. Ich wollte nicht unhöflich sein.

Ich bin ein Nebeling. Eine Nebelwächterin in Ausbildung — oder so. Aber ich lerne hier nichts. Jeden Tag nur den Schwebebalken, Jagdkunde und Meditation. Sinnfrei. Scheusal ist immer noch da. Dreck. Dreck! Ich glaube, sie will mich einfach loswerden und weggeben, und es macht mich ... mich ...
Verzeiht. Ich will doch nur nach Hause zu Pa. Ich will das alles nicht. Ich ...

Sei du still!

Nicht Ihr! Ich meine: Seid ... seid Ihr wirklich ein Zirkel? Zauberer und Hexen? Das ist ... weiß Reticeo, dass ich hier bin? Er wird sauer, wenn ... Ihr solltet weg sein, wenn er mich holen kommt. Er ist schließlich ein Paladin und Ihr ... naja. Ihr wisst schon.

Emmi

Hey Lyanne,
du sagst oft Verzeihung und Entschuldigung. Aus Höflichkeit oder hast du Angst? Wenn ja, wovor genau?

Jakob Weikum

Zitat von: Emmi am 12. April 2026, 20:40:45Hey Lyanne,
du sagst oft Verzeihung und Entschuldigung. Aus Höflichkeit oder hast du Angst? Wenn ja, wovor genau?

Angst? Verzeihung. Ja.

Ähm. Ich weiß, es ist ziemlich peinlich ... aber ich habe Angst im Dunkeln. Ist Euch klar, dass wir uns nie fürchten allein in der Dunkelheit zu sein — sondern das wir nicht allein sind?

Ich bin gern höflich — meistens. Zu denen, die es verdienen, dass man höflich zu ihnen ist. Ich mag auch, wenn die Dinge ihre Ordnung haben.

Verzeihung. Das habe Ihr gar nicht gefragt.

Ich ... ich habe fürchterliche Angst. Dreck. Wenn ... wenn ich zum Tribut muss ... dann war alles umsonst. Vater wäre ...

Ich habe Angst. Große Angst sogar. Und ich soll eine Jägerin werden? Eine, die im Nebel durch Wälder streift und nach Monstern Ausschau hält? Das kann doch nur ein Witz sein.

Sam

Hallo Lyanne,
Wieviele seid ihr eigentlich? (Ich weiß, großes Geheimnis und so, aber weißt du es genau?)

Hat jede(r) von euch eigene Charaktere? Zeigst du dich mal von einer mal von der anderen Seite? So etwa wie in Split, wo jede nächste Persönlichkeit die Taten der Persönlichkeit davor vergisst? Oder sind das eher die Stimmen im Kopf?

Warum habt ihr das? Kindheitstrauma? Besonderheiten der Völker im Dumgarischen Reich?

Hat Lyanne zwischen euch noch einen eigenen Charakter oder weiß sie nicht mehr, wer sie ist/war und die Stimmen haben eigentlich das Sagen?

Was magst du, wenn du Zeit hast, keine Angst zu haben?
Was sind die Leute, die dir wichtig sind?

Du willst zurück zum Pa (oder Vater? sind schon sehr unterschiedliche Färbungen der Gefühle zum Menschen)
: warum eigentlich? Ist das Abenteuer nicht spannender als die Zwangsheirat? Was willst du wirklich? Was wollt ihr wirklich?
Gibt es Momente, wo du dich gut und stark und zufrieden fühlst?
Zitat von: Jakob Weikum am 12. April 2026, 21:31:51Ich bin gern höflich — meistens. Zu denen, die es verdienen, dass man höflich zu ihnen ist. Ich mag auch, wenn die Dinge ihre Ordnung haben.
Wer von euch mag die Ordnung und ist höflich?
Fragen über Fragen... Bis zum nächsten mal!


Sie wussten nicht, dass es unmöglich war, also haben sie es getan
Mark Twain

Jakob Weikum

Zitat von: Sam am Gestern um 22:55:22Hallo Lyanne,
Wieviele seid ihr eigentlich? (Ich weiß, großes Geheimnis und so, aber weißt du es genau?)

Wartet. Ihr haltet mich für verrückt, oder? Dreck. Das kann ich Euch nicht verdenken, Herr.
Verrückt. Wahnsinnig. Das dachte ich lange auch. Aber nein. Scheusal. Er ist ein Dämon. Und er ist in mir. Ich weiß nicht seit wann und wie und ... sowas kommt schon vor. Es gibt viele, die so sind wie ich. Naja ... nicht ganz so wie ich.

Zitat von: Sam am Gestern um 22:55:22Hat jede(r) von euch eigene Charaktere? Zeigst du dich mal von einer mal von der anderen Seite? So etwa wie in Split, wo jede nächste Persönlichkeit die Taten der Persönlichkeit davor vergisst? Oder sind das eher die Stimmen im Kopf?

Ich bin ich. Lyanne. Und er ... ja, er ist zerbrochen. Ich kann es manchmal in den Träumen sehen. Vergangene Leben. Aspekte seines Seins. Da gibt es dieses Mädchen - Tochter eines Wegelagerers. Und dann dieser Wächter. Ich weiß nicht wie er hieß. Aber er ist so verbittert. Scheusal ist ... er ist Legion. Denn er ist viele.

Zitat von: Jakob Weikum am 12. April 2026, 21:31:51Warum habt ihr das? Kindheitstrauma? Besonderheiten der Völker im Dumgarischen Reich?

Warum ich das habe? Warum ich Scheusal habe? Weil er es genießt mir das Leben zur Hölle zu machen? Ich denke, es ist kompliziert. Vermutlich kann er nicht von mir weg, genauso wenig wie ich von ihm weg kann. Er ist wie ein Löwe im Käfig. Und ich bin seine Gitterstäbe. Also kommt nicht zu nah.

Zitat von: Jakob Weikum am 12. April 2026, 21:31:51Hat Lyanne zwischen euch noch einen eigenen Charakter oder weiß sie nicht mehr, wer sie ist/war und die Stimmen haben eigentlich das Sagen?

Wenn er nur eine Stimme wäre. Scheusal tut mir weh. Ein kleiner Schnitt schmerz wie das Höllenfeuer. Aber sollte ich mich wirklich schlimm verletzt haben und bluten, dann macht er, dass ich es nicht merke. Er schreit mich an, wenn mir jemand etwas wichtiges sagen will. Er verdreht meine Gedanken und hält sie verborgen, wenn er will. Und manchmal ... wenn ich wütend werde ...
Dann bin ich nicht mehr ich. Dann bin ich er. Und dann will ich ... ich will ... was? Verzeiht. Ich ... geht das noch lange hier?


Zitat von: Jakob Weikum am 12. April 2026, 21:31:51Was magst du, wenn du Zeit hast, keine Angst zu haben?
Was sind die Leute, die dir wichtig sind?

Zuhause? Ich habe meine Vater geholfen. Er besitzt einen großen Hof mit viel Land. Mehr Land, als ein Feldmann haben dürfte. Aber die Leute mögen ihn. Und ich half ihm gern bei den Briefen und der Papierkram. Ich half auf dem Feld und irgendwann hätte ich den Hof übernommen. Naja, mein zukünftiger Ehemann hätte ihn übernommen. Wenn ...  Ich reite gern ... naja. Zumindest ritt ich gern. Jetzt nimmt jedes Tier Reißaus, wenn ich mir nur nähre. Ich hatte Freunde: Martha, Werny, Mika ... Nalim. Wir haben Paladin und Hexe hinten am Hüggleforst gespielt - früher. Meine Mama hatte uns immer ihren berühmten Karottenkuchen gemacht und wir durften bei Siggi die jungen Pferde einreiten. Mama war eine Olgetin durch und durch. Darum hat sie sich in Damgar nie wirklich wohl gefühlt ... Ich liebe meinen Pa. Und Gustav! Er ist wirklich komisch. Unser Leibeigener. Wir haben ihn, seit ich denken kann. Er hat mich immer zum Lachen gebracht.
Jetzt? Ich habe keine Zeit. Meine Meisterin ist da eisern: Vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang ist sie mein Gott. Nur die Nacht gehört mir. Und da versuche ich zu schlafen. Wenn Scheusal mich schlafen lässt. Wenn mich meine schmerzenden Beine schlafen lassen oder meine Wunden. Der Arm ist seit Wochen bandagiert, weil mich eine Bestie ... ich habe sie geschlagen. Ich habe so fest zugeschlagen wie ich konnte. Ich wollte ihr weh tun. Ich ...

Sei Still!

Verzeiht. Scheusal. Er ist ... Tut mir wirklich leid.

Zitat von: Jakob Weikum am 12. April 2026, 21:31:51Du willst zurück zum Pa (oder Vater? sind schon sehr unterschiedliche Färbungen der Gefühle zum Menschen)
: warum eigentlich? Ist das Abenteuer nicht spannender als die Zwangsheirat? Was willst du wirklich? Was wollt ihr wirklich?

Ich weiß nicht, was er will. Manchmal glaube ich, er weiß es selbst nicht.
Aber ich will nur nach Hause. Und nein. Liebe heirate ich Romael, als ... nein. Das stimmt nicht ganz. Ich habe mich bei den Silberschwestern sehr wohl gefühlt. Ich dachte wirklich, dass dies mein neues Leben sein könnte. Eine Silberschwester. Allem entsagen. Sich ganz den Sechs hingeben und Menschen helfen. Und stattdessen bin ich hier. Am buchstäblichen Arsch der Welt, kaum zwei Tagesreisen von den Aschelanden und versuche eine Ausbildung zu einer Nebelwächterin, also einer waschechten Dämonenjägerin über´s Knie zu brechen. Ernsthaft? Ich kann nicht einmal mit dem Bogen schießen! Nein. Ich habe mir früher immer Abenteuer gewünscht. Aber jetzt ... nein.


Zitat von: Jakob Weikum am 12. April 2026, 21:31:51Gibt es Momente, wo du dich gut und stark und zufrieden fühlst?

Ja. Leider gibt es sie. Und in diesen Momenten, da kommt er. Nein. Es ist besser, wenn Scheusal dort bleibt, wo er ist. Tief in meiner Brust, unter dem Herzen.
Wenn ich es schaffe, ihn zurück zu drängen. Das fühlt sich nach Stärke an. Nur weiß ich nicht, wann ich es bin, die ihn wegsperrt und wann er sich zurückzieht um mir eine Falle zu stellen. Ich kann mir nicht vertrauen. Das ist ... ich fühle mich alles andere als stark.

Zitat von: Jakob Weikum am 12. April 2026, 21:31:51Wer von euch mag die Ordnung und ist höflich?

Ich mochte schon immer, wenn die Dinge ihren Platz haben. Wenn es sauber und ordentlich ist. Ihm ist das vermutlich ziemlich egal ... denke ich.

Zitat von: Jakob Weikum am 12. April 2026, 21:31:51Fragen über Fragen... Bis zum nächsten mal!

Ähm. Na gut. Darf ich jetzt gehen? Meine Meisterin wird wirklich ärgerlich, wenn ich zu lange wegbleibe. Und Reticeo muss immer wissen, wo ich bin. Sie sind ... sie sind ... Fesseln. Gefängnis. Arrogant. Tappen im Dunkeln, wie dem Irrlicht verfallen. HA! Sie wissen nichts. Warten. Ich warte. Geduld. Bald. Zähne in Fleisch. Krallen in Haut. Klinge ins Herz. Sie wissen nicht ...

Verzeiht. Ich ... Habt Ihr etwas gesagt?