• Willkommen im Forum „Tintenzirkel - das Fantasyautor:innenforum“.
 

Lyanne - Der Paladine Lied

Begonnen von Jakob Weikum, Gestern um 19:05:56

« vorheriges - nächstes »

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Jakob Weikum

Hallo. Das ist ein sehr spannendes Format und ich würde das gern ausprobieren. Aus den Autorenchallange weiß ich, dass man seine Figur nie in- und auswendig kennt. Es gibt immer Aspekte, Gedanken, Eigenheiten, Vorlieben und Sichtweisen, die einem vorher gar nicht in den Sinn gekommen waren.
Theoretisch weiß ich viel über Lyanne. Aber ich bin ja nicht hier, um zu wissen, sondern um zu lernen und zu überdenken.

Ich überlasse also meine Protagonistin euren Fragen und bin üneraus gespannt.
________________________________

Was ist das für ein Ort? Wer seid ihr? Weiß Stahlfalke, dass ich hier bin? Oder Reticeo?

Was? Nein! Ruhe jetzt.

Verzeiht, ich ... ich bin Lyanne. Lyanne Feldmann. Sechzehn Winter alt und komme aus Neusiedlingen. Das liegt westlich von Appelburg. Ihr wisst schon: Damgarisches Reich.
Nicht? Na gut. Seid Ihr vom Solitariat? Ich bin nicht weggelaufen! Und schaut! Ich trage noch die Ägis.

Entschuldigt bitte. In Ordnung: Mein Vater ist ein Feldmann, wie ihr euch schon denken könnt. Aber kein normaler Bauer, sondern ... naja, sagen wir mal, er ist wohlhabend. Oder ... mittlerweile müsste er schon Großbauer im Dienste des Barons sein. Das wollte er zwar nie, aber ... ja. Jetzt ist er es wohl. Wegen ... tja. Da kommen wir auch schon zu mir: Ich habe es verbockt — und zwar so richtig. Oh Gott ... muss ich wirklich?

Schon gut. Hör auf!

Das war nicht an Euch. Vor ... ich weiß nicht genau wann. Da ist etwas passiert. Seitdem bin ich ... ich bin manchmal so ... so wütend.
Verzeiht. Ich habe jemandem sehr wehgetan. Romael. Romael von Baumkronen, den Sohn und Knappen von Ritter Ronaldin von Baumkronen. Also eigentlich habe ich ihn windelweich geprügelt. Er hätte es auch verdient, aber ... tja. Wie? Keine Ahnung. Es war schlimm. Ich konnte einfach nicht aufhören. Ich wollte ihm ... ja. Ich wollte ihm wehtun. Und wie.

Was? Nein!

Verzeiht. Ich rede manchmal mit ... egal. Er — also Herr Ritter Ronaldin — ist eine echte Berühmtheit und wirklich gütig. Sogar für einen Ritter. Naja. Die Strafe wäre trotzdem ... Tod oder Tribut. Niemand wollte das wirklich — denke ich. Außer vielleicht Romael. Aber er — also Herr Ritter Ronaldin — bot mir einen Ausweg an: Ich soll Romael heiraten. Ich habe ihn gehasst. Und er mich. Aber ... das wäre es: Die Prügel wären vertuscht — Streit zwischen Liebenden, würde es heißen. Und mein Vater könnte weiter einfach Feldmann sein, ohne dem Baron zu gehören. Nur zwei Söhne. Das war das Angebot. Dann würde man mich in Ruhe lassen und alles wäre vergessen und ...
Und wisst ihr, was ich gesagt habe: Dass ich lieber sterben würde. Nur war das gelogen.

Oh Silberlichtiger, ich bin so dumm. So dumm! Ich habe dann alles nur noch schlimmer gemacht. Und dann ... dann war Scheusal da und half mir. Nur ein Mal. Ich wollte einfach nicht ... ich ... ich wollte nicht. Aber ... dann habe ich es getan. Ein einziges Mal schwach geworden. Ein einziges Mal nicht aufgepasst und ... Mama. Ich. Ich habe sie getötet. Ich. Dreck.

Es ist nur ...

Naja. Mein Vater — er war nicht wütend — er wäre nicht mein Vater, wenn er nicht einen Ausweg gefunden hätte. Mit den Gilden. Mit Fürst Aravell und dem Solitariat: Kloster. Der Konvent zur Silberähre im Himmelsendgebirge. Ganz weit weg, bei den Silberschwestern und den Paladinen. Die Bedingung war, dass er dem Baron die Treue schwört — wegen mir! Dreck.

Reticeo hat mich dorthin gebracht. Er ist ein Paladin. Ist er hier? Weiß er, dass ich hier bin?

Verdammt. Ich halte es kurz, ja? Ich bin ... der Nyktiri hat ...
Was ein Nyktiri ist? Na, ein Geistlicher der Sechs. Also, ich habe ... ich wollte nur den Schwestern helfen. Es war nicht richtig, was er ... so etwas sollte man nicht tun — niemand. Dieses Schwein.

Ich habe also wieder die Hand gebissen, die mich füttert. Und schützt. Und über mein Schicksal entscheidet. Und nun heißt es: Scheusal bezwingen oder ... Tribut oder Tod.

Die Silberschwestern dürfen mir nicht mehr helfen. Ende. Den Paladinen ist es gleich. Wäre ich ein Kerl, dürfte ich ein Paladin werden — so einfach ist das. Aber ich bin nun mal keiner. Mädchen ist es in Damgar sogar verboten, ein Schwert zu berühren!

Reticeo und Cain hatten einen Einfall: In meiner Heimat, im olgetischen Reich, da wird Leuten wie mir anders geholfen. Dort könnte ich eine Nebelwächterin werden. Eine ... ich weiß nicht. Artella scheint mir auch eine Art Priesterin zu sein. Baro ist ein Krieger. Und sie behaupten von sich, Jäger zu sein. Die Priesterschaft Tyras. Aber nicht wie die Nyktiri oder die Silberschwestern. Keine Ahnung. In Damgar beten wir zu Tasinah.

Aber dieser Nyktiri hat mir noch einen reingewürgt: Vierzehn Monde — bis zum nächsten Tribut. So viel Zeit habe ich, um eine Nebelwächterin zu werden. Allein die Reise dauerte fast zwei. Dreck. Und dann darf ich auch nur von Stahlfalke ausgebildet werden. Wenn ihr die kennenlernen würdet ... Weiß meine Meisterin, dass ich hier bin? Ich darf nicht ohne ihr Wissen fort — oder ohne dass Reticeo davon weiß. Es ist wichtig! Redet mit mir!

Entschuldigt mich bitte. Ich wollte nicht unhöflich sein.

Ich bin ein Nebeling. Eine Nebelwächterin in Ausbildung — oder so. Aber ich lerne hier nichts. Jeden Tag nur den Schwebebalken, Jagdkunde und Meditation. Sinnfrei. Scheusal ist immer noch da. Dreck. Dreck! Ich glaube, sie will mich einfach loswerden und weggeben, und es macht mich ... mich ...
Verzeiht. Ich will doch nur nach Hause zu Pa. Ich will das alles nicht. Ich ...

Sei du still!

Nicht Ihr! Ich meine: Seid ... seid Ihr wirklich ein Zirkel? Zauberer und Hexen? Das ist ... weiß Reticeo, dass ich hier bin? Er wird sauer, wenn ... Ihr solltet weg sein, wenn er mich holen kommt. Er ist schließlich ein Paladin und Ihr ... naja. Ihr wisst schon.

Emmi

Hey Lyanne,
du sagst oft Verzeihung und Entschuldigung. Aus Höflichkeit oder hast du Angst? Wenn ja, wovor genau?

Jakob Weikum

Zitat von: Emmi am Gestern um 20:40:45Hey Lyanne,
du sagst oft Verzeihung und Entschuldigung. Aus Höflichkeit oder hast du Angst? Wenn ja, wovor genau?

Angst? Verzeihung. Ja.

Ähm. Ich weiß, es ist ziemlich peinlich ... aber ich habe Angst im Dunkeln. Ist Euch klar, dass wir uns nie fürchten allein in der Dunkelheit zu sein — sondern das wir nicht allein sind?

Ich bin gern höflich — meistens. Zu denen, die es verdienen, dass man höflich zu ihnen ist. Ich mag auch, wenn die Dinge ihre Ordnung haben.

Verzeihung. Das habe Ihr gar nicht gefragt.

Ich ... ich habe fürchterliche Angst. Dreck. Wenn ... wenn ich zum Tribut muss ... dann war alles umsonst. Vater wäre ...

Ich habe Angst. Große Angst sogar. Und ich soll eine Jägerin werden? Eine, die im Nebel durch Wälder streift und nach Monstern Ausschau hält? Das kann doch nur ein Witz sein.