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Autor Thema: Triggerwarnungen - wichtig oder überflüssig?  (Gelesen 2367 mal)

Offline Alana

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Re: Triggerwarnungen - wichtig oder überflüssig?
« Antwort #45 am: 08. Oktober 2019, 16:04:40 »
"Tote Mädchen lügen nicht" ist insgesamt ein Beispiel dafür, wie man es absolut nicht machen sollte. Der Umgang mit dem ganzen Thema ist gruselig, besonders das Ende der ersten Staffel. Da hilft auch nicht, dass man es vorher schon wusste.

»Ich weiß, das kommt jetzt überraschend, aber der Tintenzirkel ist gar kein Ego-Shooter.«
- Malinche

Offline Ananke

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Re: Triggerwarnungen - wichtig oder überflüssig?
« Antwort #46 am: 08. Oktober 2019, 16:06:57 »
Noch ein gutes Beispiel, das mir gerade eingefallen ist: In dem wunderbaren Ballettfilm
Spoiler (click to show/hide)
wäre eine Triggerwarnung zum Thema Suizid am Anfang desaströs und würde den letzten Akt des Films komplett ruinieren.
Ja, man kann fast jedes Thema künstlerisch wertvoll aufbereiten, wenn die Bearbeitung nur gut genug ist.

Offline Mondfräulein

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Re: Triggerwarnungen - wichtig oder überflüssig?
« Antwort #47 am: 08. Oktober 2019, 17:24:13 »
Künstlerische Freiheit hört da auf, wenn Menschen im echte Leben Suizid begehen, weil sie von Medien beeinflusst wurden, die unverantwortlich mit diesem Thema umgegangen sind. Künstlerische Freiheit hat in jedem Fall Grenzen. Tote Mädchen lügen nicht ist wahnsinnig unverantwortlich mit dem Thema umgegangen und hat die Empfehlungen zahlreicher Expert*innen ignoriert, nur weil sie dachten, so erzählen sie eine coolere Geschichte. Da hört der Spaß einfach auf. Der Werther-Effekt ist beispielsweise für den Tod von Robert Enke gut nachgewiesen und bei Tote Mädchen lügen nicht gibt es eindeutige Hinweise darauf, dass die Serie einen negativen Einfluss hat (die Studien dazu habe ich vor einer Weile mal rausgesucht, aber noch nicht sehr gründlich gelesen, ich schicke sie aber gerne weiter, insgesamt muss man aber sagen, dass es sehr schwierig ist, Studien zu diesem Thema durchzuführen).

Manchmal bedeutet das eben, dass ich am Ende des Films keinen dramatischen Selbstmord-Twist haben kann. Manche Themen kann ich eben nicht einfach verwenden wie ich will, weil das sehr reale Konsequenzen haben kann. Gerade bei Suizid habe ich durch die wahnsinnig hohe Nachahmungsgefahr und durch den nachgewiesenen Einfluss von Geschichten auf die Rezipient*innen eine hohe Verantwortung. Das ist dann aber auch mit einer Trigger-Warnung nicht mehr zu retten, sondern sollte von vorne herein nicht vorkommen. Aber auch ein Roman, der sich verantwortungsvoll mit Suizid auseinander setzt (und den Papageno-Effekt gibt es eben auch), sollte so eine TW oder CN haben. Beim von dir genannten Beispiel hätte der Film übrigens auch ohne Suizid am Ende funktioniert, das war wirklich alleine für den dramatischen Effekt und absolut verantwortungslos.

Zum Thema Suizid gibt es übrigens für den journalistischen Bereich Empfehlungen verschiedener Organisationen, wie man über das Thema berichten sollte. Falls das jemanden interessiert, dann schreibt mich gerne an und ich gebe meine Liste weiter. Viele Empfehlungen lassen sich auch auf das kreative Schreiben übertragen. Vielleicht verdient der Umgang mit Suizid in der Literatur aber auch sogar einen eigenen Thread.

Sobald ich für ein Publikum schreibe, habe ich als Schriftsteller*in die Verantwortung, mir des Einflusses meiner Geschichten bewusst zu sein und gerade mit solchen nachgewiesenermaßen sensiblen Themen verantwortungsvoll und sensibel umzugehen.

Offline Ananke

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Re: Triggerwarnungen - wichtig oder überflüssig?
« Antwort #48 am: 08. Oktober 2019, 17:50:44 »
Tote Mädchen lügen nicht ist wahnsinnig unverantwortlich mit dem Thema umgegangen und hat die Empfehlungen zahlreicher Expert*innen ignoriert, nur weil sie dachten, so erzählen sie eine coolere Geschichte. Da hört der Spaß einfach auf.

Das passt jetzt wieder zu meinem ursprünglichen Punkt, dass eben auch spezifische und ausführliche Triggerwarnungen dieses Problem nicht zufriedenstellend lösen können.

Gefahren bestehen ud lassen sich nicht einfach aus der Welt räumen. Der Umgang mit Kunst verlangt eine aktive Beschäftigung – von allen Seiten. Willst du wirklich in einer Gesellschaft leben, in der es nur Werke gibt, die wirklich niemand falsch verstehen könnte und die brav genug sind, dass auch der vorgeschädigtste Leser nicht zum Nachahmer werden kann? Tut mir leid, aber das klingt mir bei weitem zu sehr nach "Schöne neue Welt".
Und deiner Meinung nach mag das Ende des genannten Films effektheischerisch sein, aber ich würde dich bitten, das nicht zu verallgemeinern. Meiner Meinung nach stellt es eines der großartigsten Kunstwerke dar, die ich kenne – um den Film selbst zu zitieren, "perfekt".

Ich bin dafür, dass Menschen darin geschult werden, Verantwortung zu übernehmen. Verantwortung für die Werke, die sie schaffen, und auch Verantwortung für die Werke, die sie konsumieren. So habe ich eine Bekannte, für die das Geräusch eines Föns einen harten Suizid-Trigger auslöst (die Ursache kann man sich wohl ausmalen). Sie verlangt nicht, dass Menschen bspw. in Filmen aufhören, Föns zu benutzen – sie passt auf sich auf, so gut es geht, und weiß, wie sie mit einer unglücklichen Situation umgeht, wenn diese doch erfolgen sollte.
Meine Freiheit, deine Freiheit … es ist die übliche Abschätzung und einfache Antworten gibt es meist nicht.

Offline Mondfräulein

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Re: Triggerwarnungen - wichtig oder überflüssig?
« Antwort #49 am: 08. Oktober 2019, 18:02:37 »
Gefahren bestehen ud lassen sich nicht einfach aus der Welt räumen. Der Umgang mit Kunst verlangt eine aktive Beschäftigung – von allen Seiten. Willst du wirklich in einer Gesellschaft leben, in der es nur Werke gibt, die wirklich niemand falsch verstehen könnte und die brav genug sind, dass auch der vorgeschädigtste Leser nicht zum Nachahmer werden kann? Tut mir leid, aber das klingt mir bei weitem zu sehr nach "Schöne neue Welt".

Oh, wow. Willst du mich eigentlich falsch verstehen? Es geht nicht um falsch verstandene Werke oder brave Werke. Es geht um wissenschaftlich fundierte Effekte. Es geht darum, dass es zu diesem Thema zahlreiche Empfehlungen unterschiedlicher Expert*innen gibt, die man befolgen sollte, wenn man über dieses Thema schreibt. Damit nicht noch mehr Menschen Suizid begehen. Die Kunstfreiheit steht hier nicht über Menschenleben.

Das ist ein Thema, mit dem man eben nicht einfach umgehen kann, wie man lustig ist, weil alle Expert*innen sagen, dass es reale Konsequenzen haben kann und wird. Wenn einen das so sehr einschränkt, dann sollte man seinen schriftstellerischen Horizont erweitern. Das heißt nicht, dass ich nicht über Suizid schreiben kann, aber es heißt, dass ich das Thema eben nicht als überraschenden Plot Twist am Ende des Buches benutzen sollte, nur weil mir nichts besseres eingefallen ist. Das heißt, dass ich nicht über das Thema schreiben sollte, ohne es gründlich genug zu recherchieren.

Manche Themen sind einfach viel zu ernst, um sie nur der Überraschung wegen einzubauen.

Offline Ananke

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Re: Triggerwarnungen - wichtig oder überflüssig?
« Antwort #50 am: 08. Oktober 2019, 18:06:57 »
Es hat ja auch niemand darüber geredet, das Thema "just for fun" zu verwenden. Aber wenn wir uns schon bei diesem von mir erwähnten Film uneins sind, ob das Ende nun eine perfekte Konklusion der Geschichte ist oder ein effektlastiger Twist, wie willst du dann bestimmen, welche Thematisierung von Suizid noch akzeptabel ist und welche nicht?

Und ein anderer Denkanstoß: Die (sinnvolle) Beschäftigung mit dem Thema kann für viele Betroffene eine heilsame Erfahrung darstellen und eine Gelegenheit bieten, einen dringend benötigten Abschluss zu finden. Es ist eben nicht immer alles schwarz oder weiß, hilfreich oder schädlich. Genau deswegen rede ich ja von einem verantwortungsbewussten Umgang.

Offline Yamuri

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Re: Triggerwarnungen - wichtig oder überflüssig?
« Antwort #51 am: 08. Oktober 2019, 18:18:11 »
Aber ist es nicht gerade deshalb, weil unterschiedliche Betroffene ein Kunstwerk auch unterschiedlich wahrnehmen und verarbeiten können, wichtig, dass sie wissen, worauf sie sich da einlassen? In der Psychologie gibt es ja den Ansatz sich bei Phobien in der Therapie seinen Ängsten zu stellen. Diese Art der Therapie ist aber nicht für jeden gleichermaßen nützlich und kann bei manchen das Problem sogar verschlimmern. Aber natürlich möchten Betroffene irgendwann von dem Leidensdruck wegkommen. Dazu gibt es dann unterschiedliche Wege.

In einer Vorabinformation über die Themeninhalte, die in einem Buch/Film behandelt werden, sehe ich die Möglichkeit jeden Menschen zu informieren. Durch die Information kann dann jeder selbstverantwortlich entscheiden ob er/sie den Film/das Buch konsumieren möchte. Daher mag ich inzwischen Horrorfilme nicht mehr. Denn oftmals werden diese als Gruselthriller angepriesen und enden dann aber als Splatter. Ich mag aber keine Splatter Filme. In diesen Fällen fände ich es schön, wenn vorab durch einen Tag deutlich gemacht würde, dass Splatter vorkommt und es sich nicht um einen Psychothriller oder klassischen Gruselfilm handelt.

Ich persönlich habe jedenfalls für mich beschlossen mit meinen Büchern so zu verfahren, wie ich es mir auch selbst wünschen würde, nach dem Motto, was ich nicht will, das andre tun, mache ich auch nicht. Daher nenne ich im Falle von sensiblen Themen diese auch. Wer sich damit befassen mag, ist gern dazu eingeladen den text dann trotzdem zu lesen, aber es weiß dann jeder worauf er/sie sich einlässt. So Mogelpackungen wie im Falle der Gruselfilme, die sich als Splatter entpuppen, auf denen etwas anderes steht, was dann drin ist, finde ich nicht gut.



“Every human being relies on and is bounded by his knowledge and experience to live. This is what we call “reality”. However, knowledge and experience are ambiguous, thus reality can become illusion. Is it not possible to think that, all human beings are living in their assumptions?” ― Masashi Kishimoto, Naruto, Vol. 42: The Secret of the Mangekyo

Offline Amanita

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Re: Triggerwarnungen - wichtig oder überflüssig?
« Antwort #52 am: 08. Oktober 2019, 18:35:09 »
Bei Fanfictions ist die Verwendung von Warnungen ja allgemein üblich und hat mich eigentlich auch nie gestört. (Wobei ich aber auch zu den Leuten gehöre, für die das Ende einer Geschichte und das "Spoilern" zweitranging ist, es sei denn, das Ende ist meiner Meinung nach misslungen. Da lese ich dann auch nicht mehr gerne weiter, wenn ich das vorher weiß.)

Ich hatte zum Glück keine wirklich traumatischen Erlebnisse, aber doch unschöne Erfahrungen Krankheiten in der Familie, sodass ich über dieses Thema auch nur sehr ungern unvorbereitet lese. Deswegen kann ich da zumindest etwas nachempfinden, wie es Betroffenen bei anderen Themen geht. (Körperliche Krankheiten finden sich ja eher selten auf der üblichen Liste für Triggerwarnungen, obwohl ich mir denke, dass sie da durchaus auch hingehören könnten.)

Deswegen halte ich es einerseits ganz sinnvoll wie schon von anderen vorgeschlagen Warnungen so einzubauen, dass derjenige, der darauf achten möchte, Bescheid weiß, die anderen aber auch die Möglichkeit haben die Warnungen zu ignorieren, wenn sie sich Sorgen wegen Spoilern machen. Andererseits ist es aber ziemlich schwierig wirklich vorher zu wissen, was problematisch sein könnte. Bei Themen wie Suizid, sexualisierter Gewalt oder psychischen Erkrankungen ist das noch relativ klar, aber es gibt ja auch vieles andere, wo es nicht so offensichtlich. Ich reagiere beispielsweise auch auf Mobbing ziemlich stark und mag bestimmte Darstellungen davon eigentlich nicht lesen, aber das lässt sich auch kaum im Voraus beurteilen.

Offline FeeamPC

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Re: Triggerwarnungen - wichtig oder überflüssig?
« Antwort #53 am: 08. Oktober 2019, 18:55:03 »
Aber noch einmal: Braucht wirklich jeder Film, jedes Buch mit einschlägigen Inhalten eine Triggerwarnung oder Ähnliches? Ist nicht oft genug bereits das Genre aussagekräftig genug, dass man weiß, worauf man sich einlässt? Horror, Thriller, Kriegsromane, Hardcore-Fantasy, die gleich kriegerische Ereignisse im Klappentext erwähnt, ja sogar entsprechende Geschichtsromane, da weiß doch jeder, der die Zeitung liest oder im Geschichtsunterricht aufgepasst hat, was da passiert. Da gibt es die grausamsten Dinge, Verhaltensweisen, die heute bei uns gesellschaftlich absolut inakzeptabel sind, und so ziemlich alles kann triggern. Ist es da wirklich nötig, noch eine Warnung draufzuschreiben?
So nach dem Motto, ich berichte über einen Krieg, darin kommen Leute grausam um und Frauen werden vergewaltigt?
Sollte nicht jeder einigermaßen nachdenkende Mensch diese Assoziation bereits von vornherein haben?
Biete für werdende Hexen folgende Kurse:
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Offline Amanita

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Re: Triggerwarnungen - wichtig oder überflüssig?
« Antwort #54 am: 08. Oktober 2019, 19:15:51 »
Zitat
So nach dem Motto, ich berichte über einen Krieg, darin kommen Leute grausam um und Frauen werden vergewaltigt?
Sollte nicht jeder einigermaßen nachdenkende Mensch diese Assoziation bereits von vornherein haben?
Zumindest bei Fantasy finde ich das nicht so selbstverständlich. Bei Werken wie Harry Potter wird durch die Magie doch einiges deutlich unblutiger und Vergewaltigungen gibt es auch nicht, aber auch im Herrn der Ringe werden keine Gewaltexzesse explizit dargestellt. Und auch in Mythen und Sagen wird sexualisierte Gewalt meist nicht in expliziter Form dargestellt, zumindest nicht in den Versionen, die mir geläufig sind.
Nur die Information, dass es dort einen Krieg gibt, sagt einem also nicht notwendigerweise, dass es dort zugeht wie beispielsweise bei Game of Thrones.

Offline Yamuri

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Re: Triggerwarnungen - wichtig oder überflüssig?
« Antwort #55 am: 08. Oktober 2019, 19:20:40 »
Wenn das Genre und der Klappentext aussagekräftig sind und auch hält, was drauf steht, dann benötigt es keine extra Information, denke ich.

Nur ist es mir tatsächlich schon öfter passiert, dass ich mir einen Film angesehen habe und dann war es anstatt einem Horrorfilm ein Splatter mit entsprechend detaillierten Szenen. Wenn ich einen Horrorfilm sehe erwarte ich eigentlich nicht Splatter und/oder Gore. Es triggert mich zwar nicht, aber es widert mich an und ich gehe dann aus dem Film mit einem unbefriedigten Gefühl und ärgere mich, dass ich schon wieder auf die harmlos klingende Beschreibung reingefallen bin.

Was ich wichtig finde ist: dass das draufsteht, was auch drin ist und nicht der Eindruck erweckt wird es ginge um etwas ganz anderes. Auch ein Kriegsfilm muss noch lange kein Gore oder Splatter sein. Wenn es das aber ist, dann sollte das im Genre mit erwähnt werden oder einfach ersichtlich werden, dass es eben mehr ist als ein Kriegsfilm. Ich finde es schon wichtig, die wichtigsten Themen einfach zu nennen, das muss keine explizite Triggerwarnung sein, das genügt vollkommen im Klappentext, der Kurzbeschreibung und in manchen Fällen auch durch die Angabe des jeweiligen Genres. Ich würde da auch nicht pauschalisieren, sondern sagen, das muss von Fall zu Fall gesondert betrachtet werden.


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Offline Evanesca Feuerblut

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Re: Triggerwarnungen - wichtig oder überflüssig?
« Antwort #56 am: 08. Oktober 2019, 19:57:38 »
Zitat
Braucht wirklich jeder Film, jedes Buch mit einschlägigen Inhalten eine Triggerwarnung oder Ähnliches? Ist nicht oft genug bereits das Genre aussagekräftig genug, dass man weiß, worauf man sich einlässt? Horror, Thriller, Kriegsromane, Hardcore-Fantasy, die gleich kriegerische Ereignisse im Klappentext erwähnt, ja sogar entsprechende Geschichtsromane, da weiß doch jeder, der die Zeitung liest oder im Geschichtsunterricht aufgepasst hat, was da passiert.
Genau um die geht es allerdings gar nicht.
Ich nehme da als Beispiel immer gerne mein eigenes Buch "Zarin Saltan", das wie fluffige Romantasy mit Milliardär daherkommt und dann ein paar Themen aufgreift, die für so manche Person harter Tobak sind und für die ich inzwischen eine ausführliche Liste mit Triggerwarnungen auf meiner Homepage habe, damit Leute, die entsprechende Traumata haben, zumindest die Möglichkeit haben, sich frei zu entscheiden:
Verkraften sie das Thema grundsätzlich nicht? Gerade jetzt nicht (kaufen also das Buch und legen es auf den SUB, bis sie so weit sind, sich dem Thema und den Ängsten zu stellen) oder trauen sie sich zu, es zu schaffen, wissen aber, dass da xy passieren könnte, sodass sie gewappnet sind?
Es geht darum, den Menschen diese Wahl zu lassen.
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Offline Elona

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Re: Triggerwarnungen - wichtig oder überflüssig?
« Antwort #57 am: 08. Oktober 2019, 20:20:37 »
Hm joa. Also wie gesagt bin ich ja dafür, aber @Evanesca Feuerblut meinst du nicht, dass das ein wenig zu arg ist?
Zum einen kann man gar nicht alles einfangen, die Liste könnte man ja echt beliebig fortführen z.B. mit jeglichen Farben. Zum anderen sehe ich persönlich die Gefahr darin, dass besonderes schlimme Ereignisse ihre "Wertigkeit" verlieren bzw. könnte man es auch so interpretieren, als würde derjenige sich darüber lustig machen. (Und ja, ich weiß dass du das nicht machst! Ich sage nur, wie es wirken könnte.)


Offline Evanesca Feuerblut

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Re: Triggerwarnungen - wichtig oder überflüssig?
« Antwort #58 am: 08. Oktober 2019, 20:40:45 »
Ich habe mich bei der Aufzählung an "Does the dog die" orientiert - und ich kenne mindestens eine Person, die schon vom Anblick einer gezeichneten Wespe eine Panikattacke bekommt.
Deswegen warne ich lieber ausführlicher.
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Offline AngelikaD

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Re: Triggerwarnungen - wichtig oder überflüssig?
« Antwort #59 am: 09. Oktober 2019, 04:22:10 »
Wenn ich ein Fim/Serienproduzent bin und eine Reihe wie Tote Mädchen machen will, sind humanitäre Gedanken wahrscheinlich das letzte was mich interessiert.
Gleiches bei Büchern und einem großen Verlag, der viele, viele absetzen will und weiß, dass Spoiler den Großteil der Leser verärgern wird.
Wenn wirtschaftliche Interessen im Vordergrund stehen, wird entweder die Triggerwarnung genützt, um Publicity zu erzeugen "Falling Fast" oder es wird nicht gewarnt, um der großen Mehrheit der Leserinnen nicht die Überraschung/Spannung zu verderben.
Wirtschaftsunternehmen wie große Verlage oder Netflix tun immer das, was mehr Geld bringt.
Von ihnen Trigger um der Wirkung wegen zu fordern wird erst dann Erfolg haben, wenn die große Mehrheit der Nichttriggerbaren das als Kauf-/Konsumargument unterstützt.
 


Schreibe derzeit: "Der Atem des Waldes" Short Story aus dem Schattenthron Universum

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