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Autor Thema: Triggerwarnungen - wichtig oder überflüssig?  (Gelesen 2131 mal)

Offline Mindi

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Re: Wie überflüssig dürfen Triggerwarnungen sein?
« Antwort #15 am: 16. September 2019, 10:41:53 »
Der erste Teil des verlinkten Buches enthält ja auch schon die Anmerkung "Dieser Roman enthält Gewalt."
Empfinde ich in dem konkreten Beispiel auch sehr ... nichtssagend. Da hätte man den ganzen Klappentext präziser formulieren können. Gewalt kann ja sehr vielfältig sein und manche Formen würde ich vielleicht lesen wollen, andere aber nicht. Da finde ich konkretere Hinweise auf den Inhalt sinnvoller wie z.B. "Enthällt Verstümmelungen, körperliche Folter."

Nur dazu eine andere Frage:

Ich habe in letzter Zeit ab und an Triggerwarnungen bzw. Content Notes auf den Webseiten der Autor*innen gesehen.
Meist verpackt in einem Spoiler. Nur ich frage mich:
Wie erfährt jemand, der kurz davor ist, ein Buch zu kaufen, zu leihen oder zu lesen, von der Existenz dieser Content-Notes? Die sich auf einer Webseite befinden, die er gerade nicht besucht? Weil er nun mal im Laden, in der Bücherei oder auf einem OnlineShop ist.
Im Klappentext tauchen diese Notes natürlich nicht auf (was ich auch gut finde, da sie ja quasi auch die Handlung ein Stück weit spoilern) - packt man dazu einen Hinweis auf die ersten Seiten? Ist das üblich bei Autoren, die Content Notes verwenden? Oder geht man einfach davon aus, dass sich der potenzielle Buchkäufer einfach über jedes Buch informieren sollte, das er kauft? Nur um dann festzustellen, dass vermutlich 95% der Autoren keine Content Notes auf ihren Webseiten haben, es teilweise auch einfach nicht erforderlich sein könnte.
Ich selbst bin vermutlich nicht trigger-gefährdet, aber manchmal gibt es auch einfach Themen, die ich in gewissen Genre-Büchern nicht lesen will. Wenn es mir weder vom Titel, noch vom Cover, noch vom Klappentext ersichtlich wird, dass zwischen den Buchdeckeln so etwas steckt (vermutlich sogar als Plottwist oder große Enthüllung), woher soll ich erfahren, dass es irgendwo Content Notes gibt? Ich rufe doch nicht bei jedem Buch, dass ich kaufen oder leihen will, eine Autorenwebseite auf.

Offline Fianna

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Re: Wie überflüssig dürfen Triggerwarnungen sein?
« Antwort #16 am: 16. September 2019, 10:52:24 »
Ich habe bei Content Notes auf Webseiten bisher immer den Eindruck gehabt, dass die Autoren erst nach der Veröffentlichung des Buches dafür sensibilisiert wurden.
In der Regel scheinen sie auf den letzten Seiten zu stehen - mit einem Hinweis vorne, damit man weiss, wo man danach suchen muss.
„Und seit wann… kannst Du Schmerzen riechen?“ fragte Sechet und schob sich vorsichtig rückwärts. (Bastets Kinder)

Offline FeeamPC

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Re: Wie überflüssig dürfen Triggerwarnungen sein?
« Antwort #17 am: 16. September 2019, 11:17:39 »
Ich wüsste da die ideale Triggerwarnung:
Diese Geschichte ist so grausam, herzlos und gewalttätig wie das reale Leben der meisten Menschen in den letzten paar tausend Jahren. Wer sich damit nicht auseinandersetzen möchte, sollte die Lektüre meiden.

Edit:
Da es selbst jetzt nicht klappt, zu vermitteln, was ich als Intention zu dem Posting habe, muss ich das wohl deutlich ausschreiben:
SATIRE!
Und wer jetzt meint, das Thema sei zu ernst dazu: Nein! Wenn dieses Mittel nicht mehr erlaubt ist, landen wir bei einer Bankrotterklärung des freien Geistes.
Biete für werdende Hexen folgende Kurse:
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Offline Christian

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Re: Wie überflüssig dürfen Triggerwarnungen sein?
« Antwort #18 am: 16. September 2019, 11:21:12 »
Da hätte man den ganzen Klappentext präziser formulieren können.
Klappentexte sind ein Marketinginstrument, keine Packungsbeilage.
     

Offline Mondfräulein

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Re: Wie überflüssig dürfen Triggerwarnungen sein?
« Antwort #19 am: 16. September 2019, 11:33:39 »
Ich wüsste da die ideale Triggerwarnung:
Diese Geschichte ist so grausam, herzlos und gewalttätig wie das reale Leben der meisten Menschen in den letzten paar tausend Jahren. Wer sich damit nicht auseinandersetzen möchte, sollte die Lektüre meiden.

Ich finde es in dieser Diskussion ehrlich gesagt überhaupt nicht hilfreich, sich so über Triggerwarnungen lustig zu machen. Hier haben viele schon sehr differenziert ihren Standpunkt vertreten, aber du sagst im Prinzip, Triggerwarnungen sind sinnlos, weil das Leben selbst brutal ist, aber das ist doch, wie schon ausgeführt, überhaupt nicht der Punkt.

Ich denke es gibt einen Unterschied zwischen Dingen, die nur mich persönlich triggern und wahrscheinlich sehr, sehr wenige Personen sonst und Dingen, die wahrscheinlich viele andere Personen triggern könnten. Gerade Suizid ist da so ein Thema, weil es nunmal nachgewiesenermaßen dazu kommen kann, dass Medien, die sich damit auseinandersetzen, auch bei den Rezipient*innen Suizidgedanken auslösen können. Besonders wenn ich weiß, dass ich in dieser Hinsicht gefährdet bin, sollte ich die Möglichkeit haben, solche Bücher zu vermeiden. Ich persönlich würde sogar so weit gehen zu behaupten, dass Suizid generell nie als überraschender Plot Twist benutzt werden sollte, aber leider sehen das nicht alle Autor*innen so.

Soweit ich mich erinnere gibt die FSK für Spiele und Filme eine Liste heraus, in der aufgeführt ist, wie sie zu der entsprechenden Bewertung kommen. Wenn ich weiß, dass ich auf manche Dinge empfindlich reagiere, kann ich dort vorm Anschauen eines Filmes nachsehen, ob zum Beispiel explizite Gewalt mit auf der Liste ist. Bei Büchern gibt es so etwas nicht, was schade ist. Aber gerade wenn Triggerwarnungen oder Content Notices gut formuliert sind, schadet es nicht, eine Liste damit zu haben, die ich mir ansehen kann, wenn ich will, denn wenn mich so etwas nicht interessiert, kann ich sie auch einfach ignorieren.

Ich schließe mich an, dass die Warnung beim hier verlinkten Beispiel unsinnig ist, weil sie zu wenig aussagt, aber ich glaube auch nicht, dass sie so viel schadet. Sie verschwendet höchstens Platz. Bei Fanfictions ist es interessanterweise gang und gäbe, dass sehr detailliert aufgelistet wird, womit ich alles zu rechnen habe. "Implied sexual content, references to past child abuse, canon typical violence, alcohol, strong language." Natürlich funktionieren Fanfictions anders als der Buchmarkt, was in sich schon ein spannendes Thema ist, und ich will keinesfalls sagen, dass wir das so detailliert auch für Bücher brauchen (manche Warnungen finde ich manchmal auch ziemlich unnötig), aber ich finde es für die Debatte interessant zu beobachten, was passiert, wenn es mal in dieses Extrem übergeht. Es nimmt natürlich Überraschungen vorweg, aber insgesamt führt es dazu, dass Leser*innen sehr viel genauer selektieren, was sie lesen möchten und was nicht. Es verändert aber auch die Erwartungen der Leser*innen, denn wenn etwas nicht aufgeführt wird, erwarte ich vielleicht auch, dass es nicht vorkommt und nicht, dass da jemand einfach dachte, davor muss ich doch nicht warnen (besonders bei Dingen wie Alkohol, Drogen und Schimpfwörtern).

Offline Grummel

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Re: Wie überflüssig dürfen Triggerwarnungen sein?
« Antwort #20 am: 16. September 2019, 11:58:03 »
Danke für die Worte @Mondfräulein , sehe ich genau so. Triggerwarnungen sind wichtig und die vorliegende tut nicht weh, auch wenn sie ein schlechtes Beispiel ist.

"Kaffee?"
"Ja, gerne."
"Wie möchtest du ihn?"
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Offline Mindi

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Re: Wie überflüssig dürfen Triggerwarnungen sein?
« Antwort #21 am: 16. September 2019, 12:00:29 »
Da hätte man den ganzen Klappentext präziser formulieren können.
Klappentexte sind ein Marketinginstrument, keine Packungsbeilage.

Hast du dir den Klappentext des ersten Buches mal durchgelesen? Das klingt eher wie die Inhaltszusammenfassung eines Schülers, der sich nicht viel Mühe gegeben hat. Also sowohl dieser Hinweis am Ende, als auch der Klappentext sind in diesem Beispiel nicht sonderlich hilfreich – und ja, ich bleibe dabei: Man hätte das ganze Ding präziser formulieren können. (Nicht nur in Hinblick auf die wie auch immer geartete Gewalt in diesen Büchern).

@Fianna

Danke. Ja, das klingt sinnvoll, es so zu handhaben. Ich habe noch nie ein Buch mit einer Content-Warnung im Buch selbst in der Hand gehabt, daher die Frage.

@Mondfräulein

Stimmt, bei Fanfictions ist mir das auch schon so aufgefallen.
Ich finde solche Warnung schon wichtig und auch, dass sie für den sichtbar sind, der sie sehen will.

Ich habe mal eine Erotikreihe gelesen, bzw. nach dem ersten Teil abgebrochen, in der die Protagonistin im Verlauf der Handlung eine Essstörung bzw. genauer gesagt eine Bulimie entwickelt hat. Das war sehr deutlich gezeigt, auch wie sie das versucht hat zu vertuschen usw. Das hat mich einfach nur aus thematischer Sicht abgestoßen, es in diesem Zusammenhang zu lesen. Im Voraus war nicht erkenntlich, dass es zum Thema werden wird. Und beim Durchstöbern der Rezessionen der anderen Bücher wurde mir auch klar, dass das noch bis zum 3. oder 4. Band so weitergeht. Also, dass es niemand wirklich anspricht, niemand bemerkt, niemand reflektiert und es einfach nur so hingenommen und immer wieder gezeigt wird. Der Mann fand es sogar im 1. Teil toll wie schön schlank sie geworden ist und dass das ja ganz neue Möglichkeiten für ihn bot. Nur sein Bruder hatte es mal erwähnt, dass sie auf sich aufpassen soll.
Dieses Buch hätte ich niemals gelesen, wenn ich es vorher gewusst hätte. Ich habe keine Essstörungen und bin auch nicht gefährdet, aber ich möchte dieses Thema nicht einfach so in einem Roman untergeschoben bekommen, und erst recht nicht so unreflektiert. Was nicht am Thema an sich liegt, ich fand z.B. den Netflix Film "To the Bone" sehr sehenswert, aber da wusste ich, auf was ich mich einlasse.

Offline Shedzyala

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Re: Wie überflüssig dürfen Triggerwarnungen sein?
« Antwort #22 am: 16. September 2019, 12:07:44 »
@Mindi
Mal als konkretes Beispiel: In meinem Roman werden die Content Notes im Impressum stehen, damit jeder beim Stöbern im Buchladen oder beim Blick ins Buch bei Amazon sie sehen kann. Auf meiner Webseite stehen sie dazu zusätzlich, denn wer sich dort über meine Werke informieren will, findet dort einen vollständigen Überblick. Außerdem ist es, wie Fianna schon sagte: Bei den ersten beiden Romanen hatte ich mich noch nicht mit diesem Thema befasst. Und bei den Kurzgeschichten war es schlicht nicht meine Entscheidung.
Wenn sie dich hängen wollen, bitte um ein Glas Wasser. Man weiß nie, was passiert, ehe sie es bringen …
– Andrzej Sapkowski, Die Dame vom See

Offline Christian

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Re: Wie überflüssig dürfen Triggerwarnungen sein?
« Antwort #23 am: 16. September 2019, 12:24:49 »
Hast du dir den Klappentext des ersten Buches mal durchgelesen? Das klingt eher wie die Inhaltszusammenfassung eines Schülers, der sich nicht viel Mühe gegeben hat. Also sowohl dieser Hinweis am Ende, als auch der Klappentext sind in diesem Beispiel nicht sonderlich hilfreich – und ja, ich bleibe dabei: Man hätte das ganze Ding präziser formulieren können. (Nicht nur in Hinblick auf die wie auch immer geartete Gewalt in diesen Büchern).
Nein, wozu auch? Worum geht es denn hier? Um schlechte Klappentexte oder um "Triggerwarnungen"? So sinnbefreit ich letzteres in der Art der Ausführung bei dem von Fee verlinkten Beispiel auch empfinde, so sinnvoll finde ich doch die Absetzung (in kursiv) vom eigentlichen Klappentext.
     

Offline Mindi

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Re: Wie überflüssig dürfen Triggerwarnungen sein?
« Antwort #24 am: 16. September 2019, 13:33:19 »
Ich würde den Klappentextes (bzw. dessen Qualität und Bedeutung) nicht ausklammern, nur weil es in diesem Thema um Triggerwarnungen geht.
Immerhin war die Frage danach, wie "überflüssig" eine Triggerwarnung sein darf. "Enthält Gewalt" ruft ggf. Verwirrung und falsche Erwartungshaltungen hervor. Diese Warnung ist für mich überflüssig, da man sie genauso gut im Klappentext hätte integrieren können. Das gehört für mich schon zusammen und das kann ich nicht unabhängig voneinander betrachten.

Abgesetzt unter dem Klappentext funktioniert auch nur bei so groben Warnungen.
Ich würde das als störend empfinden, sobald es konkreter wird als im obrigen Beispiel. Content Notes, wie sie z.B. @Shedzyala auf ihrer Webseite zu "Von Rache und Regen" aufführt, gehören für mich nicht auf einen Buchdeckel. Ich bin mal so frei und hole dein Beispiel hier rüber, ich hoffe, das ist okay. Danke, dass du mir dein konkretes Beispiel genannt hast.


Da finde ich die Lösung, es im Impressum aufzuführen, sehr unaufdringlich. Wenn es mich nicht interessiert, dann kann ich es einfach überblättern. In einem Klappentext kann man sich dem schlechter entziehen, wenn man es nicht lesen möchte. (So geht es zumindest mir.)

Offline Fianna

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Re: Wie überflüssig dürfen Triggerwarnungen sein?
« Antwort #25 am: 16. September 2019, 13:52:34 »
Irgendwie bin ich auf Twitter in solche Tweets reingerutscht (ich glaube, der Algorhithmus zeigt an, was Leute liken, denen ich folge) und da habe ich sehr viele Tweets von Betroffenen mitbekommen.
Das hat mir den Eindruck vermittelt, dass für einen Teil der Betroffenen schon eine Triggerwarnung ausreicht, um negative Erinnerungen oder Flashbacks auszulösen.
Daher haben die meisten Autoren, die ich auf Twitter in solchen Diskussionen lese, beschlossen, Triggerwarnungen weniger sichtbar zu machen. Labilere Gemüter sehen dann zuerst den Hinweis, dass es Triggerwarnungen gibt (was sie bei dem Genre oder Klappentext vielleicht gar nicht erwartet haben) und
können das Buch weglegen, ohne die Triggerwarnungen zu lesen und Flashbacks zu bekommen.

Bei Horror, Thriller, Military Fantasy würde ich so etwas nicht machen. Aber bei Büchern, die harmloser aussehen, könnte ich so eine zweiteilige Warnung (Die Content Notes stehen auf Seite X) in Erwägung ziehen .
„Und seit wann… kannst Du Schmerzen riechen?“ fragte Sechet und schob sich vorsichtig rückwärts. (Bastets Kinder)

Offline Christian

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Re: Wie überflüssig dürfen Triggerwarnungen sein?
« Antwort #26 am: 16. September 2019, 13:53:59 »
Ich würde den Klappentextes (bzw. dessen Qualität und Bedeutung) nicht ausklammern, nur weil es in diesem Thema um Triggerwarnungen geht.
Zitat
Diese Warnung ist für mich überflüssig, da man sie genauso gut im Klappentext hätte integrieren können. Das gehört für mich schon zusammen und das kann ich nicht unabhängig voneinander betrachten.
Okay, an der Stelle bin ich raus.
     

Offline Lucien

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Re: Wie überflüssig dürfen Triggerwarnungen sein?
« Antwort #27 am: 16. September 2019, 15:02:58 »
@Maja Ich habe es bei mir Inhaltshinweise und nicht Triggerwarnungen genannt, weil ich es genauso verstehe: Nicht jeder mag jedes Thema, ohne dass es gleich ein Trigger sein muss. Ich hab aktuell zum Beispiel keine Lust, über Vergewaltigungen zu lesen, werde dadurch aber nicht getriggert.

Ich habe einmal im Leben eine Buchreihe gesehen, bei der ein Warnhinweis angebracht war. Das war der Manga "Naru Taru", der von der Optik her wie eine niedliche Kindergeschichte daherkommt, und auch der Klappentext des ersten Bandes ließ noch nichts böses ahnen, sich aber als ein mordsbrutales Stück voller körperlicher, sexueller und psychischer Gewalt herausstellt. In solchen Fällen, wenn das Äußere eben nicht auf das Innere schließen lässt und ein Leser den Schock seines Lebens bekommt, bitte warnt. Aber warnt nicht vor allem. Sonst nutzt es sich ab, und dann werden die Warnungen nicht mehr warhrgenommen.

Da bin ich ganz bei euch. Ich persönlich habe es zweimal erlebt, dass ich vom Inhalt kalt erwischt wurde und mir eine unmissverständliche Warnung gewünscht hätte.
Beim ersten Mal war es "Einst herrschten Elfen" von James Barclay. Das Cover der deutsche Ausgabe sieht fast schon verträumt aus. Der Klappentext macht deutlich, dass es um Krieg geht. Grundsätzlich war ich also auf Gewalt und Blut eingestellt. Was ich aber dann serviert bekam, war eine meiner Meinung nach vollkommen abartige Form von Gewalt. Das war eines der wenigen Bücher, die ich abgebrochen und in die Tonne gekloppt habe, weil mir speiübel war. (Und ich vertrage in schriftlicher Form so einiges, anders als bei Filmen, wo ich das Gemetzel tatsächlich sehe.) 
Beim zweiten Mal war es der Mange "In these words". Ich wusste, dass es um unzensierte Homoerotik geht (freigegeben ab 18), allerdings ging ich nach lesen des Klappentextes davon aus, dass die Handlung hauptsächlich aus Psychospielchen zwischen einem Psychiater und einem Serienmörder bestehen würde. Allerdings wurde ich dann als erstes mit einer Vergewaltigungsszene konfrontiert. (Inzwischen bin ich mit den Werken von GuiltPleasure vertraut und weiß, was mich erwartet, aber für "Neulinge" kann das schon erstmal eine böse Überraschung sein.)

Expliziten Triggerwarnungen stehe ich unentschlossen gegenüber, denn wie hier schon erwähnt wurde, könnte so ziemlich alles, was für die Mehrheit normal ist, für einzelne Leser alte Wunden aufreißen. Andererseits gibt es natürlich Themen, bei denen man damit rechnen könnte, dass mehr Menschen getriggert werden, weil es in der Gesellschaft häufiger vorkommt und entsprechend mehr Menschen persönlich davon betroffen sind.

Offline Maja

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Re: Triggerwarnungen - wichtig oder überflüssig?
« Antwort #28 am: 16. September 2019, 19:43:18 »
Ich habe den Betreff des Threads geändert, damit klar ist, dass wir hier ergebnisoffen Diskutieren und nicht voraussetzen, dass Triggerwarnungen immer und grundsätzlich überflüssig sind.
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Robert Gernhardt

Offline Slenderella

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Re: Triggerwarnungen - wichtig oder überflüssig?
« Antwort #29 am: 17. September 2019, 20:24:45 »
Ich habe mittlerweile bei meinen Selfpublishing Büchern den Hinweis, wenn jemand Triggerinfos haben will, soll er mich da oder dort kontaktieren. Bums. Das kann jeder nutzen, oder es lassen und dann bitte nachher nicht schimpfen. Mehr als es anbieten kann ich nicht. Hat bisher noch niemand nach gefragt.
Ich brauch noch eine Katze
Und ein Beil wär nicht verkehrt
Denn ich gehe heute abend
Auf ein Splatter-Pop-Konzert

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