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Autor Thema: Geschichten, die sich nicht „rentieren“  (Gelesen 399 mal)

Offline kathy

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Geschichten, die sich nicht „rentieren“
« am: 13. September 2019, 08:21:57 »
Hey,
Also um erstmal die Anführungszeichen im Titel zu erklären: Ich bin mir nicht hundertprozentig sicher, ob man das Wort „rentieren“ in diesem Zusammenhang nur auf den möglichen Erfolg beim Verlegen reduzieren darf.

Mich interessiert nur, ob ihr an Werken arbeitet, von denen ihr überzeugt seid, dass sie keinen solchen Erfolg haben werden.
Ich stehe nämlich gerade selber vor dem Problem, dass ich gerne ein Buch schreiben würde, obwohl ich mir sicher bin, dass es keinen solchen Erfolg haben wird. Ich weiß nur noch nicht, ob ich den gesamten Aufwand mit der Entwicklung von Sprachen und einer ganzen Welt haben möchte.

Wie ist denn eure Meinung zu solchen Themen?

Liebe Grüße,
Kathy

Offline Arcor

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Re: Geschichten, die sich nicht „rentieren“
« Antwort #1 am: 13. September 2019, 08:34:22 »
Das hängt ja auch ein bisschen von der eigenen Zielsetzung ab.

Schreibe ich nur Geschichten, um sie auf jeden Fall zu veröffentlichen? Am besten bei einem Verlag? Dann sollte man vielleicht wirklich darauf achten, was gefragt ist, was einen möglichst großen Erfolg haben kann, und entsprechend andere Ideen nicht schreiben oder erst einmal verschieben.

Schreibe ich primär für mich selbst, um Spaß am Schreiben und der Geschichte zu haben, und denke nur sekundär ans Veröffentlichen (z. B. via Selfpublishing)? Dann sehe ich kein Problem darin, etwas für eine Nische zu schreiben, die vermutlich nicht so viele Leute interessiert.

Persönliches Beispiel: Wenn ich rein nach der Resonanz in meinen Morgan-Tarmus-Romanthreads hier im Forum gehe (gerade im Verhältnis zu anderen), sollte ich wohl nicht ein Wort an den Geschichten schreiben. Trotzdem quäle ich mich über Monate durch die störrischen Plots, weil ich bei aller Arbeit trotzdem Spaß an den Geschichten habe, weil ich meine Figuren und das Setting liebe und erzählen möchte, was meine beiden Protas erleben. Und ich weiß, dass ich stolz auf mich und glücklich sein werde, wann immer ich ein "Ende" unter einen der Bände setzen kann, selbst wenn ich sie nie veröffentlichen sollte.

So wie ich es sehe, musst du dir also primär selber die Frage stellen, ob du nur etwas schreiben willst, was veröffentlicht werden und von vielen gelesen werden soll, oder ob es dir da nicht so sehr drum geht.  :)

Offline Yamuri

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Re: Geschichten, die sich nicht „rentieren“
« Antwort #2 am: 13. September 2019, 09:10:18 »
Ich glaube an all meine Projekte. Dabei spielt es bei mir keine Rolle was andere zu einem potenziellen Erfolg meinen. Bevor ich das Buch nicht geschrieben und nicht veröffentlicht habe, weiß ich schlichtweg nicht was die Zukunft bringt. Wenn ich an ein Projekt nicht glaube, dann würde ich es ganz sein lassen. Denn zumindest als Autor*in sollte man voll und ganz hinter dem stehen, was man schreibt. Ob es dann bei der Leserschaft ankommt, zeigt die Zukunft. Die Zukunft ist ungeschrieben und niemand kann wissen was sie bringt. Man kann vielleicht Wahrscheinlichkeitsrechnungen aufstellen, aber auch diese Rechnungen können komplett falsch liegen. Schreib das, was dir am Herzen liegt, wohinter du stehen kannst und was du selbst gern lesen möchtest. Alles weiter hängt zu stark von Variablen ab, die wir nicht beeinflussen können. Das bedeutet aber nicht, dass ich nicht auch Zweifel habe und manchmal verunsichert bin. Und es bedeutet auch nicht, dass ich ein Projekt nicht anpassen würde. Wenn ich beispielsweise einen Verlag an der Angel hätte, meine Leseprobe gefällt, aber das ein oder andre geändert werden sollte, weil es dann besser ins Programm passt, wäre ich auch dazu bereit, solange es keine Komplettänderung ist. Aber grundsätzlich schreibe ich das, was mir auch etwas bedeutet.

Liebe Grüße  :winke:

Offline Jen

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Re: Geschichten, die sich nicht „rentieren“
« Antwort #3 am: 13. September 2019, 09:14:04 »
Absolut. :) Mittlerweile denke ich mir bei zwei meiner drei aktuellen Projekte, dass ich es nicht einmal bei einem Verlag versuchen brauche. Stattdessen bekommt es ein wunderschönes, verlags-unverpfuschtes Cover von „meinem“ Zeichner und landet eben im Selfpublishing – dafür ist das ja da. Und die Verkäufe sind mir mittlerweile auch relativ egal, vielleicht aber auch, weil ich nicht davon leben muss.

»Was ich weiß, kann jeder wissen.
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Offline Trippelschritt

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Re: Geschichten, die sich nicht „rentieren“
« Antwort #4 am: 13. September 2019, 09:57:09 »
Andreas Eschenbach hat mal gesagt: "Wenn du nicht schreiben musst, dann lass es."
Das ist vielleicht ein wenig überspitzt, trifft es aber recht genau. Wer mehr als einen Abstecher in die Schreiberei machen will, ist gut beraten herauszufinden, warum er schreiben will. Am einfachsten haben es die, die gar nicht anders können. Die werden zwar später unter Umtständen leiden, aber für sie erledigt sich die Frage nach dem "Warum?".

Und wenn Du das herausgefunden hast, Kathy, dann wird sich wahrscheinlich Deine Ausgangsfrage in dieser Formulierung von selbst auflösen. Die Praxis ist häufiger so: Wer unbedingt schreiben will, schreibt und fängt meist mit dem an, was er einigermaßen beherrscht und was ihn antreibt. Fast jeder, der schreibt, möchste aber auch, dass er gelesen wird. Deshalb schreibt er für sich und für andere und geht damit einen Kompromiss ein. Das ist kein Problem, solange noch genug vom alten Feuer dabei ist.

Was Deine Entwicklung von Sprachen angeht, meine ich, dass das davon abhängt, ob du gern Sprachen entwickelst. Tolkien hat das gemacht. Er hatte aber auch ein Händchen dafür und die Kompetenz. Mir fiele das nie ein. Ich habe das schon sehr, sehr früh eingestellt. In Kindertagen. Aber wenn es dich kitzelt, tue es. Mit dem Schreiben hat das aber nichts zu tun. Du kannst diese Tätigkeit unter Umständehn für ein paar Details nutzen, aber die Kraft einer Geschichte kommt woanders her.

So jedenfalls sehe ich das.
Liebe Grüße
Trippelschritt
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Offline Coppelia

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Re: Geschichten, die sich nicht „rentieren“
« Antwort #5 am: 13. September 2019, 10:51:51 »
Ich denke, nur wer vom Schreiben lebt, kann sich nicht erlauben, Geschichten zu schreiben, die sich nicht rentieren. Und vielleicht ist es dann noch möglich, wenn von der Person genug andere Geschichten geschrieben werden oder geschrieben worden sind, die sich rentieren.

Ich stimme den anderen zu, die hier schon gepostet haben. Außer dem "Erfolg" spielen beim Schreiben noch viele andere Dinge eine Rolle, z. B. der Spaß, den man selbst damit hat. Wenn man bedenkt, was für ein Massenprodukt Literatur ist, wie viele andere Menschen ihre Bücher auch verkaufen wollen und wie wenige Menschen man wohl so tief berührt und interessiert, wie man selbst von den eigenen Texten berührt/interessiert ist, ist der eigene Spaß vielleicht das, was am wichtigsten ist - wenn man nicht vom Schreiben lebt.
Und wie Arcor finde ich auch, dass man Spaß haben kann, obwohl Schreiben so eine Knochenarbeit ist und man oft mit dem was man macht, kämpft und daran verzweifelt. So geht's mir jedenfalls.

Zugleich finde ich es sehr hart, zu wissen, dass das, woran ich schreibe, sich mit sehr großer Wahrscheinlichkeit nicht rentieren (d. h. nur wenige Menschen interessieren, vielleicht kaum gelesen werden) wird. Aber ich "muss" (eher: will) es trotzdem schreiben, weil es mir so extrem am Herzen liegt. Ich habe mir immer gewünscht, vom Schreiben leben zu können. Mittlerweile habe ich aber längst akzeptiert, dass das nie der Fall sein wird.

Schwierig finde ich es außerdem, sehr viel Zeit für eine Geschichte aufzuwenden, die voraussichtlich wenig Leser*innen finden wird. Aber da ich langsam arbeite und nicht allzu viel Freizeit habe, ist es bei mir trotzdem so. Es gefällt mir nicht, aber ich kann es nicht ändern. Auch hier ist es mir einfach wichtig, dass die Geschichte gut wird, und es dauert halt so lange, wie es dauert. Aber lieber würde ich noch viel, viel mehr schreiben.

Das hat nichts damit zu tun, dass ich nicht an meine Geschichten glaube. Ich liebe, liebe, liebe sie. ;)
  

Offline Alana

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Re: Geschichten, die sich nicht „rentieren“
« Antwort #6 am: 13. September 2019, 12:34:50 »
Ja, ich muss gestehen, dass es mir schwerfällt, meine Zeit innetwas zu investieren, das sich vielleicht nicht verkaufen lässt. Manchmal tue ich es dennoch, z.B. im Nano. Wenn ich etwas unbedingt schreiben will, weil es mich einfach nicht loslässt, dann mache ich es auch. Aber meist hat man ja viele Ideen und Projekte und dann wähle ich oft das aus, was gut verkaufbar erscheint.

»Ich weiß, das kommt jetzt überraschend, aber der Tintenzirkel ist gar kein Ego-Shooter.«
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Offline Steffi

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Re: Geschichten, die sich nicht „rentieren“
« Antwort #7 am: 13. September 2019, 13:01:17 »
Ich schreibe leider ausschließlich Bücher, die sich nicht verkaufen lassen, zumindest in der Fantasy. Oder zumindest nichts, an das größere Verlage oder Agenturen glauben, weshalb ich auch immer noch keine Agentur gefunden habe, was ziemlich schmerzt. Daher habe ich oft dasselbe Problem wie du - ich weiß, dass meine Bücher keine Aussicht auf Erfolg haben. Mittlerweile denke ich zwar, dass ich sie einfach als SP auf den Markt werfen werde, aber sich zum Schreiben zu motivieren wenn man weiß, dass sich kein Schw*** für die Bücher interessieren wird, ist auch Knochenarbeit.
Sic parvis magna


Offline Yamuri

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Re: Geschichten, die sich nicht „rentieren“
« Antwort #8 am: 13. September 2019, 13:34:00 »
Bei mir ist es auch tatsächlich so, sollte ich sagen, dass ich noch nicht weiß, ob sich meine Geschichten werden verkaufen lassen. Ich habe was das Veröffentlichen anbelangt noch keine Erfahrung. Zwar schreibe ich schon seit meiner Kindheit, habe insofern Schreiberfahrung, denke aber erst seit ein paar Jahren übers veröffentlichen nach (meine Fanfictions und Romanstilrollenspiele in Foren klammer ich bewusst aus). Da ich mit dem Selfpublishing liebäugel will ich mir erst einen Puffer anschreiben, wobei ich durchaus auch Interesse an Verlagen/Agenturen habe, wenn sich durch die Buchmesse zufällig was ergibt. Wahrscheinlich bin ich daher auch optimistischer und sage mir ich glaube daran, dass sich meine Projekte rentieren werden. :) Ob ich dann das Glück habe zum richtigen Zeitpunkt, die richtigen Leute damit zu erreichen, wird die Zukunft zeigen. Natürlich kann ich auch Pech haben, aber davon lass ich mich mal nicht einschüchtern.

Was Trippelschritt erwähnte, finde ich sehr gut. Finde heraus was deine Motivation zum Schreiben ist. Für mich hab ich herausgefunden ich brauche das Schreiben. Nur dann fühl ich mich erfüllt. Von daher stellt sich mir die Frage mit dem rentieren auch nicht wirklich, weil ich sowieso schreiben würde. Und daher ist meine Antwort auch ja, wobei ich hoffe, dass es sich gelohnt haben wird :)

Offline Alina

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Re: Geschichten, die sich nicht „rentieren“
« Antwort #9 am: 13. September 2019, 16:02:17 »
Ich schreibe erst seit ein paar Jahren und habe bisher noch nichts veröffentlicht. Und ich glaube nicht daran, dass ich mit meinen gegenwärtigen Buchprojekten irgendwelches Geld verdienen kann. Für mich wäre es schon ein großer Erfolg, Leser zu finden, die meine Geschichten gerne lesen.
Aber ich denke, dass man sich beim Schreiben weiterentwickelt, dazulernt und Erfahrungen sammelt. Und ich mache mir zumindest Hoffnungen, im Laufe der Zeit vielleicht auch mehr Erfolg beim Verlegen zu haben.
Insgesamt geht es mir so, wie Trippelschritt es beschrieben hat: Ich könnte gar nicht aufhören, zu schreiben.

Offline Feuertraum

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Re: Geschichten, die sich nicht „rentieren“
« Antwort #10 am: 13. September 2019, 21:34:33 »
Ich muss da mal Fragen zurückfragen, auch wenn ich damit Gefahr laufe, schallend ausgelacht zu werden:
Wie definieren Sie "rentieren"? Und wie "Erfolg"?

Grundsätzlich schließe ich mich meinen Vorrednern an und sage: Irgendwo "muss" man schreiben, weil es einen nicht mehr loslässt. Weil da ein inneres Stimmchen sagt: Hei, komm, schreib mich.
Wenn ich die Begriffe rentieren und Erfolg für mich selber definiere, ist das Rentieren eigentlich dadurch gegeben, dass die Geschichte geschrieben ist, ich sie auf die Welt geholt habe, dem unendlichen Buch der Geschichten eine weitere hinzugefügt habe. Ob sie dabei nun kommerziell erfolgreich wird oder nicht, sollte dabei Nebensache sein.

Erfolg ist für mich, wenn die Geschichte fertig ist, und zwar so fertig, wie ich eine Geschichte gerne lesen möchte.
Zudem hat das ganze noch einen Vorteil: wenn man tatsächlich eine Story fertig hat, so kann man diese unter Umständen auf seine Webseite packen, und falls ein Interessierter vorbeikommt, bekommt er einen Eindruck vom Schaffen des/der Autoren/Autorin.
 
Das Fahrrad heulte herzergreifend, weil an ihm ein Hund  seine Notdurft verrichtete.

Offline Kaeptn

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Re: Geschichten, die sich nicht „rentieren“
« Antwort #11 am: 13. September 2019, 22:14:14 »
Was "rentieren" in diesem Zusammenhang heißt, kann man mMn auf drei Arten definieren:

1) Wie schon diverse es hier nannten, wegen des Schreibens selbst. Wenn einfach das Fertigwerden einem schon eine tiefe Befriedigung verschafft und man stolz und zufrieden ist, vielleicht nach harten Kämpfen mit Plot, Charakteren ... eine fertige Geschichte zu haben, hat sich das Schreiben für viele schon gelohnt.

2) Wegen der Wertschätzung: Manch einer will gar nicht veröffentlichen oder Geld verdienen, er gibt die Geschichte nur Freunden oder Bekannten zu lesen, oder verschenkt sie via Wattpad - und freut sich über das (hoffentlich positive) Feedback. Die Arbeit hat sich rentiert, weil Leser das Werk zu schätzen wissen.
Und selbst wenn man die Geschichte veröffentlicht und sie total floppt, kann sie sich durch positives Feedback der Betaleser oder durch gute Rezensionen noch "rentieren."

3) Und dann gibt es eben noch den wirtschaftlichen Aspekt, also "rentieren" im wahrsten Sinne des Wortes. Hat die Arbeit sich auch monetär gelohnt? Nebenbei zeigt der wirtschaftliche Erfolg dabei aber auch noch an, wie viele Leser man erreicht hat.

Welche Ziele man verfolgt, ist sicher bei jedem Autor unterschiedlich und hängt vielleicht auch vom Erfolg ab, den man schon mal hatte. Und als Self-Publisher ist Punkt 3 nun mal nicht ganz unerheblich, weil man eben die Kosten für Lektorat und Cover wieder reinholen muss.
Jörg Benne
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Offline Vidora

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Re: Geschichten, die sich nicht „rentieren“
« Antwort #12 am: 14. September 2019, 10:11:17 »
Wie andere schon angeführt haben, kommt es natürlich sehr darauf an, was man für sich erreichen möchte und warum man überhaupt schreibt.

Als jemand, der seinen Lebensunterhalt damit zu verdienen versucht, würde ich schon von mir sagen, dass ich versuche, mich nicht in Ideen zu verlieben, die ich für Ladenhüter halte - aber bisher war das auch kein großes Problem. "Rentabel" ist ein Buch für mich, wenn es einen bestimmten Umsatz im Verhältnis zu der Zeit erzielt, die ich für die Erstellung (von Planung bis Veröffentlichung) brauche. Ein Buch, an dem ich zwei Monate gearbeitet habe, und dessen Cover mich 300 € gekostet hat, sollte nicht nur 500 € einspielen ... grob gesagt.
Natürlich muss man auch immer abwägen. Ich könnte nicht wochenlang an etwas arbeiten, das mich nicht packt und mitreißt. Ich habe auch schon einen Roman geschrieben, von dem ich vorher geahnt habe, dass er sich nicht so gut verkaufen würde ... hat er dann auch nicht, aber ich habe es durchgezogen, weil mir das Buch wichtig war. Kann man machen, wenn man es sich leisten kann :D
Das Herz bestimmt gerne, was gemacht wird.
Wenn finanziell nicht so viel davon abhängt, würde ich immer dazu raten, das zu schreiben, wofür das Herz schlägt. Egal ob das dann ein seltsamer Genremix ist, oder ein Thema, das als kaum verkäuflich gilt.

Offline Maja

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Re: Geschichten, die sich nicht „rentieren“
« Antwort #13 am: 15. September 2019, 06:43:49 »
Wenn ich eine Geschichte habe, die ich unbedingt schreiben will, dann schreibe ich sie - und habe dabei meistens im Hinterkopf, dass es keinen Markt dafür gibt, und halte mich an diesem für mich sehr befreienden Gedanken fest, bis die Geschichte fertig ist und ich sie doch anbiete. Aber ich mag es, beim Schreiben keinen Druck zu haben, und wenn ich schon von Vornerein davon ausgehe, dass die Geschichte sowieso keine Chance hat, dann kann ich alle Plotentscheidungen nur davon abhängig machen, was ich selbst gerade will oder was die Geschichte braucht.

Der größte Luxus, den diese Bücher für die Schublade haben, ist, dass ich mir mit ihnen Zeit lassen kann. Wenn mir danach ist, schreibe ich dran. Wenn nicht, zurück in die Schublade damit. Aber ich schreibe an diesen Sachen deutlich freier als an dem, für das ich einen Vertrag in der Tasche habe. Tatsächlich bin ich beim Schreiben von Dingen, für die ich einen Vertrag habe, so deramßen blockiert, dass es mich alle Freude am Schreiben kostet. Ich beiße mich durch, und ich werde brav auch den dritten Band meiner Fälscher schreiben - aber das wird bis auf weiteres das letzte Buch, das auf diese Weise entstehen muss.

Ich kann diesen Druck beim Schreiben nicht brauchen. Er tut mir nicht gut. Ich bin zur Zeit körperlich und psychisch ein Wrack, weil ich sechs Monate lang nur verbissen auf meine Deadline hin gearbeitet habe. Ich will Bücher schreiben, ohne mir Gedanken über ihre Verkaufschancen machen zu müssen, Bücher, die ich erstmal nur für mich und den Spaß am Schreiben schreibe, und die sich dann vielleicht doch verkaufen oder eben nicht.

Ich liege sowieso immer daneben mit meiner Einschätzung, was sich verkauft und was nicht. Meine "Mohnkinder", denen ich echt gute Karten eingeräumt hätte, sind echt bei allen Verlagen in der Vorrunde durchgefallen. Mein "Puppenzimmer", das ich für zu versponnen und schräg und genrefremd hielt, war ein großer Erfolg. Bei den "Spiegeln von Kettlewood" hat das gleiche Schnittmuster dann nicht mehr funktioniert. Ich will nicht mehr raten. Ich schreibe, was ich will, und im Zweifelsfall habe ich hinterher ein gutes Buch, das ich mit Vergnügen lesen kann. Mit Glück habe ich ein Buch, das jemand kauft. Aber das will ich wirklich nicht mehr zur Voraussetzung machen, ob ich ein Buch schreibe oder nicht.

Ich habe im Moment nur einen einzigen Verlag, der bereit ist, mit mir zusammenzuarbeiten. Und dieser Verlag wird nicht jedes Jahr ein Buch mit mir machen. Wenn die Fälscher durch sind, werde ich Wartesemester einlegen müssen - die Hobbit Presse hat nicht mehr als einen deutschen Autoren pro Halbjahr im Programm, jetzt im Herbst kommt zB der neue Plaschka, und zum Glück inzwischen doch deutlich mehr als zwei deutschsprachige Autoren. Wenn also 2021 der dritte Teil der Fälscher erscheint, rechne ich nicht vor 2024 mit dem nächsten Projekt. Was mache ich in der Zeit? Bücher schreiben, nehme ich an.

Aber ich sehe keinen anderen Verlag, der an mir interessiert wäre. Wir suchen ja noch was für meine Jugendbücher, da habe ich ein paar wirklich schöne in der Schublade, aber das Interesse daran ist mehr als verhalten. Trotzdem schreibe ich meine "Stadtkinder" zuende und liebe jedes Wort davon. Oder mein "Lied aus Glas". Und in der Erwachsenenfantasy liebe ich einfach meine "Gauklerinsel" noch immer, und meine "Traumstadt" gerade wieder ganz besonders, und ich freue mich auf so viele neue Projekte ... Haben die alle eine Chance? Sicher nicht. Aber ich schreibe sie, um ihrer selbst willen - und um meiner. Weil sie mich einfach glücklich machen. Jeden Erfolg darüber hinaus werte ich als nicht einklagbaren Bonus.
   I am never forget the day my first book is published.

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