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Autor Thema: Ich-Perspektive im Jugendbuch  (Gelesen 1698 mal)

Offline Oneira

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Re: Ich-Perspektive im Jugendbuch
« Antwort #30 am: 20. März 2020, 11:10:55 »
Aber der Nachteil, den ich mir dafür einkaufe, ist gewaltig. Es gibt nur einen einzigen Erzählstrang und das Verflechten mehrerer Stränge ist schwierig.

Das braucht kein Nachteil zu sein. Die Beschränkung auf eine Erzählperspektive bietet auch Möglichkeiten, denn man entscheidet sich aus dramaturgischen Gründen dafür, dem Leser Informationen vorzuenthalten. Das ermöglichst Plots und Erzählungen, die mit mehreren Handlungssträngen nicht funktionieren. Die optimale Erzählform hängt von der Geschichte ab.

Für mich ist das sogar einer der größten Vorteile der Ich-Perspektive. Ich sehe die Welt durch die Augen einer bestimmten Person, eingefärbt durch ihre ganz individuellen Gegebenheiten (Meinungen, Überzeugungen, Wünsche, Erfahrungen, ...) - für mich ist das Lese- und Schreiberlebnis dadurch intensiver und realer.

Ja, aber das geht auch ohne Ich-Perspektive, wenn quasi "über die Schulter" dieses einen Charakters erzählt wird. Ist also nicht nur ein Vorteil der Ich-Perspektive. Und da ich auch ausgesprochen gerne mit verflochtenen Handlungssträngen schreibe, stimme ich @Trippelschritt zu: Mehrere handelnde Charaktere zu verflechten, stelle ich mir absolut unmöglich und unübersichtlich in Ich-Perspektive vor. Es kommt, finde ich, wirklich darauf an, ob man sich mehr auf den einen Charakter konzentriert oder mehr auf die Handlung mit verschiedenen Strängen.
Ich persönlich finde auch nicht, dass das Verwenden der Ich-Perspektive die Spannung oder das Einfühlsvermögen in irgendeiner Weise verbessern würde, es hängt ganz vom Autor ab, wie er das Potential ausnutzt. Aber das ist ja ein vollkommen subjektiver Eindruck. Wenn sich ein Autor besser in die Ich-Perspektive hineinversetzen kann, wird das Ergebnis auch bei mir als Leser überzeugender ankommen.
Um es kurz zu sagen: Ich konnte noch nie viel mit Ich-Perspektive anfangen und es gibt sehr wenige Autoren, bei denen ich mit der Perspektive klarkam, zum Beispiel in der Edelsteintrilogie von Kerstin Gier. Auch Nina Blazon ("Totenbraut" etc.) hat das hinbekommen.
Bücher sind der einzige Ort, an dem man den Charakter eines Menschen mit einem Federstrich ändern kann.

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