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Autor Thema: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede  (Gelesen 7817 mal)

Offline Philian

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Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
« am: 16. September 2018, 09:39:44 »
Den Satz:

Zitat
„Nun komm schon!“, versuchte er mich zu überreden.

… empfinde ich als grauenvoll. Spätestens nach dem dritten Auftreten einer solchen Formulierung in einem Buch, klappe ich dasselbe zu und lege es weg. Warum?
Erstens merke ich selbst, welche Absicht der Sprecher hegt, wenn die Worte, die ihm in den Mund gelegt werden, eindeutig sind. Ich fühle mich verschaukelt, wenn der Autor meint, mir das erst noch erklären zu müssen.
Und zweitens darf hinter der wörtlichen Rede, verbunden mit einem Komma, nur ein Verb des Sprechens stehen.
So weit so gut. Nun habe ich beim Überarbeiten meines Manuskriptes aber gemerkt, dass ich mich selbst gar nicht so streng an die Regel halte, wie es vielleicht angebracht wäre.

„wandte er ein“ und „gab er zu bedenken“, sind ebenfalls keine Verben des Sprechens, kommen in meinem Buch aber durchaus vor. Tatsächlich erscheinen mir diese Formulierungen nicht ganz so schlimm zu sein, wie obiges Beispiel. Vielleicht aber auch nur deshalb, weil ich sie von mir selbst eben gewohnt bin. Wie seht ihr das?

Oder was haltet ihr von diesem Satz:

   
Zitat
"Wieviel Ambrosia hast du noch?", forsche ich weiter.


Auch hier fällt auf: 'forschen' ist kein Verb des Sprechens. Es symbolisiert lediglich den Drang, mit dem der Fragesteller Wissen erlangen will. Oder hier ein anderes Beispiel aus meinem Buch:

Zitat
»Sie sagen die Wahrheit«, wiederholt Prometheus so bestimmt, dass ich verstumme.
Ungemütliches Schweigen füllt den Raum.
»Dann lügen unsere Erinnerungen?«
»Nicht deine, aber meine vielleicht«, gibt Prometheus so leise zurück, dass ich ihn fast nicht verstehe.
Keine Ahnung, wie er auf die Idee kommt, dass jemand an seinen Erinnerungen herumgepfuscht haben könnte, aber seine Befürchtung lässt sich ja leicht aus der Welt räumen. Ich springe in Prometheus’ Kopf.

Weder „wiederholen“, noch „zurückgeben“ sind Verben des Sprechens. Würdet ihr den Dialog also umschreiben? Wenn ja, wie?

Lektoren beanstanden auch gerne ein:
Zitat
„…“, knurrte er.
Mit der Begründung, dass Menschen nicht knurren. Ich finde aber sehr wohl, dass Menschen auch knurren. Zum Beispiel wenn sie zum Sprechen genötigt werden, aber eigentlich gar nichts sagen wollen. Für mich symbolisiert das Verb darüber hinaus auch eine gewisse Aggressivität.
„Knurren“ benutze ich vorwiegend bei männlichen Protagonisten, weil eine tiefe Stimme eben eher knattert und dieses unwillige Hervorstoßen von Worten besser ausdrückt. Bei Frauen nutze ich gern „fauchen“, obwohl das ja eigentlich den Katzen vorbehalten ist.
Na ja, ein Hauptmann, der seine Befehle bellt, wird auch nicht gleich zum Hund, nur weil er bellt, oder?
Wie handhabt ihr das?

Offline Waldhex

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Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
« Antwort #1 am: 16. September 2018, 12:45:03 »
Ich bin anscheinend ziemlich unbedarft, denn von dieser Regel habe ich noch nie etwas gehört. Dementsprechend halte ich sie auch nicht ein.
Immer ein 'sagte er', 'fragte sie' ... ist langweilig und ggf. auch nichtssagend. Gerade Deine Beispielsätze würden mit dieser Regel nicht funktionieren bzw. der Text wäre relativ emotionslos.
Wie meinte jemand schon in anderen Threads: Regeln sind dazu da gebrochen zu werden - wenn man dies bewusst macht, um eine bestimmte Athmosphäre zu schaffen.

Sprotte

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Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
« Antwort #2 am: 16. September 2018, 12:51:30 »
Das kleine Inquit, japp.

Es ist das Einzige, das mit Komma an die wörtliche Rede angehängt werden darf, das Einzige, das mit Doppelpunkt vor der wörtlichen Rede stehen darf. Tätigkeiten, die tatsächlich Worte hervorbringen können.

Man kann einen Satz nicht grinsen. Aber ihn grinsend sagen.

Ob und wie viel autor da an Erklärungen zupackt, um die Emotion und den Sinn eines Satzes zu betonen, ist Geschmackssache, denke ich. Manchmal ist weniger mehr, manchmal muss es doch mehr sein.

Offline chaosqueen

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Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
« Antwort #3 am: 16. September 2018, 13:10:50 »
Ich bin da bei Sprotte, sehe bei einigen der von Philian genannten Beispiele aber kein Problem. Klar kann ich einen Satz nicht grinsen. Aber was spricht gegen forschte er (nach) oder gab er zu bedenken / wandte er ein? Das sind für mich völlig legitime Arten, den Sprechakt zu beschreiben.

Und ich knurre auch glegentlich und finde es daher total verständlich und korrekt, wenn Figuren das auch mal tun! ;)

 :wache!:
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Offline Christopher

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Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
« Antwort #4 am: 16. September 2018, 13:16:24 »
Wie Sprotte erwähnt muss/soll man da natürlich etwas vorsichtig sein.

"Das ist ja toll!", strahlte er.

Ist, so wie ich es verstehe, grammatikalisch nicht in Ordnung. Findet man so oder so ähnlich aber sicherlich in einigen Büchern des öfteren. Warum? Weil es sich meiner Meinung nach gut macht. Nicht unbedingt dieses Beispiel, aber anders angewandt kann es sehr sinnvoll sein und den Text bereichern.

"Lass das!", schrie er.

Ist hingegen ein Beispiel für etwas überflüssiges, obwohl es grammatikalisch in Ordnung ist. Das "!" impliziert bereits das Schreien.

Wie ich das handhabe?
Ich nutze es wann immer nötig. Also wenn eine wörtliche Rede länger als zwei Wechsel zwischen dem Sprechern beinhaltet und/oder mehr als zwei Personen sprechen. Anderenfalls kann es für einen Leser schnell passieren, dass er den Faden verliert. Beim Schreiben merkt man das nicht so deutlich - schließlich weiß man ja genau wer was sagen soll - aber als Leser? Da ist es manchmal schwer einem Dialog zu folgen und im Kopf zu behalten, wer gerade spricht. Oder es erfordert Konzentration, wo ich mich eigentlich entspannen und Spaß beim Lesen haben wollte.
Darum das ", sagte Tim.", oder das ", belehrte er ihn."

Im ernst: Dir fällt es wohl zur Zeit recht oft auf, aber beim Lesen versuche ich ab und zu auf solche Dinge zu achten. Und wenn ich dann ein, meiner Meinung nach, gutes Buch in der Hand habe, das sich flüssig und entspannt liest, und mal bei den Dialogen schaue... Dann entdecke ich sowas alle Nase lang. Da kommt fünf mal pro Seite ein "...sagte Tim.", "...sagte Tom." o.ä. und das fällt mir überhaupt nicht auf. Soetwas überliest man einfach, die Information wer gerade spricht ist aber da.

Zudem geben diese Anhänge die Möglichkeit, einen Dialog mit etwas Handlung zu bereichern und ihn anschaulicher zu machen ohne ihn aufzublähen.
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Online Shedzyala

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Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
« Antwort #5 am: 16. September 2018, 14:00:08 »
"Lass das!", schrie er.

Ist hingegen ein Beispiel für etwas überflüssiges, obwohl es grammatikalisch in Ordnung ist. Das "!" impliziert bereits das Schreien.

Da merkt man wieder, wie subjektiv sowas doch ist. Für mich ist ein "Lass das!", schrie er. von der Stimmlage wesentlich lauter als ein "Lass das!", sagte er. ;D
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Offline Philian

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Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
« Antwort #6 am: 16. September 2018, 14:05:29 »
Immer ein 'sagte er', 'fragte sie' ... ist langweilig und ggf. auch nichtssagend.
Ich habe mal gelesen, dass gerade dies den Reiz des 'sagte' ausmacht: Der Leser liest einfach darüber hinweg. So versichert es dem Lesern noch mal, wer gerade spricht, lenkt ihn aber nicht vom Wesentlichen ab. Darauf weist Christopher in seinem Beitrag ja auch hin.

Eine Gegenmeinung dazu, die ich auch mal gelesen habe: Wenn du schon erwähnst, dass er das sagt, dann schreib wenigstens dazu, wie er das sagt. Müde, frustriert, lachend ... Ansonsten rechtfertigt sich das "sagte", "fragte" usw. nicht.

Tatsächlich scheue ich mich, ein einfaches "sagte ich" zu verwenden und suche lieber andere Ausdrücke. Eine Scheu, die ich vermutlich getrost ablegen könnte.

Sprotte

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Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
« Antwort #7 am: 16. September 2018, 14:09:03 »
Ich denke, es wie bei vielen Dingen: Die Dosis macht das Gift.
Hänge ich an jedes "sagte er/sie" ein lachend, grinsend, drohend dran, nutzt sich das ab und ermüdet. Ich streue in Dialoge lieber Aktionen ein, dass jemand sich mal an der Nase kratzt (kein Inquit), wechsle die Inquit-Formeln, ergänze sie manchmal und manchmal eben nicht. Doch gerade bei längeren Dialogen gehören sie für mich eingestreut dazu, um es der lesenden Person zu erleichtern, im Dialog nicht die Übersicht zu verlieren, wer da eigentlich gerade spricht (wobei da natürlich auch die Unterscheidung durch die Wortwahl und den Satzbau des Sprechenden eine Hilfe gegeben sein sollte).

Offline Philian

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Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
« Antwort #8 am: 16. September 2018, 14:19:12 »
Ich bin da bei Sprotte, sehe bei einigen der von Philian genannten Beispiele aber kein Problem. Klar kann ich einen Satz nicht grinsen. Aber was spricht gegen forschte er (nach) oder gab er zu bedenken / wandte er ein? Das sind für mich völlig legitime Arten, den Sprechakt zu beschreiben.

Und ich knurre auch glegentlich und finde es daher total verständlich und korrekt, wenn Figuren das auch mal tun! ;)

Das beruhigt mich zu hören!

:wache!:
Kleine Mod-Anmerkung: @Philian, magst Du zukünftig bitte einfach Deinen Beitrag editieren, wenn Du direkt im Anschluss noch etwas ergänzen willst, anstatt einen weiteren Beitrag anzuhängen? Das erleichtert den Lesefluss und treibt die Threadlänge nicht unnötig in die Höhe.
Danke! :)
(Wenn Du jetzt direkt auf jemanden reagierst, rechtfertigt das selbstverständlich einen neuen Beitrag.)
Das hatte ich ursprünglich auch vor, bin aber wohl auf die Anführungsstriche gekommen und merkte erst später, dass ich nicht meinen urpsprünglichen Beitrag verändert hatte, sondern den zitierten. Weil mir das bei meinem Beitrag im Willkommensthread auch schon passiert ist, dachte ich, dass sich losgeschickte Beiträge hier halt nicht mehr verändern lassen.
Inzwischen eines Besseren belehrt, habe ich das jetzt nachgeholt. Leider gelingt es mir nun nicht, den jetzt überflüssigen zweiten Beitrag von mir zu löschen. Ist Löschen nicht möglich?
Und kann ich die Überschrift im Willkommensthread tatsächlich nicht ändern, oder habe nur ich mich dabei so dämlich angestellt, dass es eben nicht geklappt hat? Bitte um Aufklärung.

Sprotte

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Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
« Antwort #9 am: 16. September 2018, 14:21:52 »
Du kannst keine Beträge löschen. Und die Überschrift im Willkommensthread kannst Du nicht ändern, weil es nicht Dein Beitrag ist, sondern der von Chaosqueen. Für diesen Thread könntest Du es, weil Du Threaderstellerin bist.

(Noch ein Tipp: Hier findest Du den Allgemeine-Fragen-Thread, wenn Du Fragen dort stellst, haben alle was davon, während Fragen und Antworten zur Forumstechnik oder den Regeln in normalen Threads einmal auftauchen und dann wieder verschwinden, während im Fragenthread alles geballte Info für die Ewigkeit bleibt.)

Offline Philian

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Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
« Antwort #10 am: 16. September 2018, 14:30:30 »
Ich denke, es wie bei vielen Dingen: Die Dosis macht das Gift.
Hänge ich an jedes "sagte er/sie" ein lachend, grinsend, drohend dran, nutzt sich das ab und ermüdet. Ich streue in Dialoge lieber Aktionen ein, dass jemand sich mal an der Nase kratzt (kein Inquit), wechsle die Inquit-Formeln, ergänze sie manchmal und manchmal eben nicht. Doch gerade bei längeren Dialogen gehören sie für mich eingestreut dazu, um es der lesenden Person zu erleichtern, im Dialog nicht die Übersicht zu verlieren, wer da eigentlich gerade spricht (wobei da natürlich auch die Unterscheidung durch die Wortwahl und den Satzbau des Sprechenden eine Hilfe gegeben sein sollte).
Wird nicht alles, was zwischen zwei wörtlichen Reden von ein und derselben Person geschrieben wird, als Inquit bezeichnet? Oder bezieht sich der Ausdruck tatsächlich nur auf den, durch Komma angehängten Teil einer wörtlichen Rede?

Eine Beschreibung dessen, was die sprechende Person gerade macht, nutze ich auch oft, um erlaubtermaßen einen Absatz in eine lange wörtliche Rede zu bringen. Ich beende die wörtliche Rede, hüpfe in einen neuen Absatz und beginne mit: "Prometheus Blick wanderte zum Fenster hinaus." Und dann redet er eben weiter. Wie handhabt ihr das?

Ich weiß, man soll seine Protas nicht so lange an einem Stück reden lassen, aber manchmal ist das eben nicht zu umgehen.

Offline Philian

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Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
« Antwort #11 am: 16. September 2018, 14:43:34 »
Du kannst keine Beträge löschen.
Unpraktisch eigentlich!
Und die Überschrift im Willkommensthread kannst Du nicht ändern, weil es nicht Dein Beitrag ist, sondern der von Chaosqueen. Für diesen Thread könntest Du es, weil Du Threaderstellerin bist.
Nur leider will ich es hier nicht, drückt dieser Titel doch genau das aus, was ich sagen wollte. Die Überschrift im Willkommensthread dagegen ... Nun ja, mir war einfach nicht bewusst, dass mein Anliegen aus dem Betreff zur Überschrift werden würde. Jetzt glänze ich durch eine völlig fantasielose Überschrift - echt peinlich.
(Noch ein Tipp: Hier findest Du den Allgemeine-Fragen-Thread, wenn Du Fragen dort stellst, haben alle was davon, während Fragen und Antworten zur Forumstechnik oder den Regeln in normalen Threads einmal auftauchen und dann wieder verschwinden, während im Fragenthread alles geballte Info für die Ewigkeit bleibt.)
Danke für den Hinweis. Vermutlich steht da auch schon irgendwo die Frage, ob man seine Beiträge noch mal löschen kann, wenn sie erst mal losgeschickt sind. Mein Vorschlag in solchen Fällen: Wenn man sie schon nicht löschen kann, so doch wenigstens leeren. Immerhin kann ich sie verändern. Das werde ich mit meinem zweiten Beitrag in diesem Thread gleich mal probieren.

Sprotte

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Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
« Antwort #12 am: 16. September 2018, 14:58:08 »
Zitat
Wird nicht alles, was zwischen zwei wörtlichen Reden von ein und derselben Person geschrieben wird, als Inquit bezeichnet? Oder bezieht sich der Ausdruck tatsächlich nur auf den, durch Komma angehängten Teil einer wörtlichen Rede?

Eine Beschreibung dessen, was die sprechende Person gerade macht, nutze ich auch oft, um erlaubtermaßen einen Absatz in eine lange wörtliche Rede zu bringen. Ich beende die wörtliche Rede, hüpfe in einen neuen Absatz und beginne mit: "Prometheus Blick wanderte zum Fenster hinaus." Und dann redet er eben weiter. Wie handhabt ihr das?

Das Inquit ist wirklich nur "sagte er" in allen Variationen.

Ich lasse beisammen, was zusammen gehört. Auch wenn ich einen längeren Monolog durch eine Handlung des Sprechenden unterbreche, ist das kein neuer Absatz, da Absatz einen Sprecherwechsel signalisiert.

OT: Es haben Mitglieder in der Vergangenheit Beiträge gelöscht, was vom Thread nur eine löchrige Ruine übrig ließ. Das Gleiche gilt für geleerte Beiträge: nicht erwünscht (steht auch in den Regeln, meine ich.) Falls Du einen versehentlichen Doppelpost löschen lassen möchtest, wende Dich an einen Mod Deines Vertrauens.

Offline Mia Nordstern

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Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
« Antwort #13 am: 16. September 2018, 14:59:56 »
Zitat
„Nun komm schon!“, versuchte er mich zu überreden.

Das ist stilistisch grausam und grammatisch falsch, weil in Inquit, wie schon gesagt wurde, nur eine Art des Sprechens sein kann.
Verbessern würde ich:
Zitat
"Nun komm schon!" Er versuchte mich zu überreden.
Aber "schön" fände ich, wenn man das vollkommen streichen würde und die wörtliche Rede stehen ließe. Ich finde es immer schwierig, wenn solche Dinge "behauptet" (zeigen, nicht beschreiben/ behaupten) werden und damit dem Leser vorgekaut. Das hat der ja nach "nun komm schon" selbst verstanden. Auf mich wirkt so ein übertriebenes Erklären immer so, als würde man den Leser mit einem "Der Himmel ist übrigens blau" regelrecht entmündigen und ihm die Fähigkeit zur Benutzung des eigenen Verstandes absprechen.

Zitat
„wandte er ein“ und „gab er zu bedenken“, sind ebenfalls keine Verben des Sprechens, kommen in meinem Buch aber durchaus vor. Tatsächlich erscheinen mir diese Formulierungen nicht ganz so schlimm zu sein, wie obiges Beispiel. Vielleicht aber auch nur deshalb, weil ich sie von mir selbst eben gewohnt bin. Wie seht ihr das?

die finde ich in Ordnung und würde sie stehenlassen, solange es nicht überhand nimmt.

Zitat
Auch hier fällt auf: 'forschen' ist kein Verb des Sprechens. Es symbolisiert lediglich den Drang, mit dem der Fragesteller Wissen erlangen will.

Auch das hier fände ich in Einzelfällen akzeptabel. Aber auch hier müsste man eben versuchen, den Leser nicht zu verschaukeln, wie du es so schön schreibst. Sicher fällt dir auf, dass im Vergleich zum ersten Beispiel ein vollkommen anderer Satzbau verwendet wird.


Zitat
»Sie sagen die Wahrheit«, wiederholt Prometheus so bestimmt, dass ich verstumme.
Ungemütliches Schweigen füllt den Raum.
»Dann lügen unsere Erinnerungen?«
»Nicht deine, aber meine vielleicht«, gibt Prometheus so leise zurück, dass ich ihn fast nicht verstehe.
Keine Ahnung, wie er auf die Idee kommt, dass jemand an seinen Erinnerungen herumgepfuscht haben könnte, aber seine Befürchtung lässt sich ja leicht aus der Welt räumen. Ich springe in Prometheus’ Kopf.

Beim ersten Mal finde ich es noch akzeptabel. Auch vom Satzbau her. Schlimmer finde ich, dass sich die Art des Satzbaus wiederholt. (Blablat er so, dass ich blabla). Dann würde ich mich noch an "fast" aufhängen, das ist ein Füllwort. Versteht er ihn oder nicht? Bei der zweiten Inquitformel würde ich  wirklich einfach "flüsterte" oder "murmelte" schreiben. Dass man ihn dann schlecht versteht, finde ich logisch und nicht erwähnenswert. Auch finde ich "gibt/ gab er zurück" generell stilistisch nicht sehr gelungen.

 
Zitat
Mit der Begründung, dass Menschen nicht knurren. Ich finde aber sehr wohl, dass Menschen auch knurren. Zum Beispiel wenn sie zum Sprechen genötigt werden, aber eigentlich gar nichts sagen wollen. Für mich symbolisiert das Verb darüber hinaus auch eine gewisse Aggressivität.
„Knurren“ benutze ich vorwiegend bei männlichen Protagonisten, weil eine tiefe Stimme eben eher knattert und dieses unwillige Hervorstoßen von Worten besser ausdrückt. Bei Frauen nutze ich gern „fauchen“, obwohl das ja eigentlich den Katzen vorbehalten ist.
Na ja, ein Hauptmann, der seine Befehle bellt, wird auch nicht gleich zum Hund, nur weil er bellt, oder?
Wie handhabt ihr das?

Auch das ist akzeptabel. Allerdings würde ich "knurren" oder "fauchen" nicht unbedingt auf Mann und Frau beziehen, sondern auf die Art, wie es gesagt wird. Manche Menschen können auch wirklich in einem knurrenden oder fauchenden Tonfall sprechen. Den Vergleich mit den Tieren würde ich mal als bildhafte Sprache zurückführen.

Zitat
Man kann einen Satz nicht grinsen. Aber ihn grinsend sagen.
Das finde ich allerdings auch schlimm. Das Zitat könnte von mir sein.

[qutoe]"Lass das!", schrie er.

Ist hingegen ein Beispiel für etwas überflüssiges, obwohl es grammatikalisch in Ordnung ist. Das "!" impliziert bereits das Schreien.[/quote]

Die Aussage halte ich hingegen für falsch. Das Ausrufezeichen steht an dieser Stelle, weil es ein Imperativ (Befehlsform) ist. Man kann diesen Satz schon auf unterschiedliche Art sagen, schreien, fauchen, zischen, flüstern usw. Außerdem braucht man die Inquitformel manchmal auch, um klarzumachen, wer gerade überhaupt spricht. Kann man natürlich auch anders lösen:
Zitat
"Lass das!" Paul hielt Bellas Hand fest.
Handlung finde ich in Dialogen ungeheuer wichtig. Sie kann oft ein nerviges Inquit ersetzen, ohne krampfhaft nach Synonymen zu suchen. Manchmal kann die wörtliche Rede auch für sich allein stehen, solange klar ist, wer spricht.

Zitat
Ich habe mal gelesen, dass gerade dies den Reiz des 'sagte' ausmacht: Der Leser liest einfach darüber hinweg. So versichert es dem Lesern noch mal, wer gerade spricht, lenkt ihn aber nicht vom Wesentlichen ab
Das würde ich unterschreiben. Genau so.
Leider lese ich oft Texte in denen die Suche nach einem Synonym einfach nur noch krampfhaft wirkt. "sagte" stört mich nicht. ICh würde auch dazu tendieren, Emotionen immer durch Handlung zu zeigen. Also nicht:
Zitat
"Ich mache Schluss für heute", sagte er müde.
, sondern
Zitat
"Ich mache Schluss für heute" Er rieb sich die Augen.
Ok, das Beispiel ist etwas plump. Aber Handung ist extrem wichtig für den Dialog.
   So we beat on, boats against the current, borne back ceaselessly into the past. (F. Scot Fitzgerald, The Great Gatsby)

Offline Gilwen

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Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
« Antwort #14 am: 16. September 2018, 15:55:18 »
„Nun komm schon!“, versuchte er mich zu überreden.

Hu, ich empfinde mich bei korrekter Sprache eigentlich sehr kritisch, aber ich habe an deinem Beispiel nichts auszusetzen. Meinst du, weil der Inhalt der wörtlichen Rede und der Teil dahinter eine Tautologie sind? Ich finde, der Satz liest sich sehr gut. Die Aufforderung im gesprochenen Teil passt gut zu der Beschreibung, es widerspricht sich nichts und es ist keine offensichtliche Wiederholung.
Anscheinend bin ich da aber recht intuitiv, ich habe von einer solchen Regel noch nichts gehört. Bei deinen anderen Beispielen fällt mir auf, dass ich solche Formulierungen oft auch benutze.

Die Formulierung mit "knurren" lese ich öfter und finde nichts Schlimmes daran. Ist wahrscheinlich alles Geschmackssache!

Ich finde es eher störend, wenn entweder nur mit "sagte" gearbeitet wird und mit gefühlt nichts anderem. Oder wenn die Erklärung, wer gerade spricht, zu oft weggelassen wird, sodass man nach einer Weile gar nicht mehr weiß, wer der Sprechende ist.
   „Dieses Mal keine Experimente, ich habe genug von der Schleicherei. Wir gehen da rein und machen es auf unsere Art. Wie echte Zwerginnen." - Baltilde

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