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[Medizin] Kiss & Kill

Begonnen von Ratzefatz, 03. Mai 2016, 10:17:31

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Lukas

#30
Ok ich habe jetzt einmal nachgeschaut. Von allen Nahrungsmittelallergien, kommt lediglich ein Fisch- und Meeresfrüchteallergie oder die schon erwähnte Erdnussallergie in Frage. Bei Erdnussallergien käme eigentlich fast ausschließlich die schon von mir in den Raum gestellte Ara - h6 - Allergie in Frage, weil diese als einzige stark genug ist um einen entsprechenden anaphylaktischen Schock schon bei leichtem Kontakt auszulösen. Bei Fischallergie konnte ich auf die schnelle keine Entsprechung finden, aber - wenn ich mich richtig erinnere :hmmm: - ist man auch hier auf ein Protein im Muskel allergisch. Das bedeutet, dass die "Entsorgung im Gewässer" nahezu 100% keine entsprechende Reaktion auslösen würde. Das Allergen bekommt dabei nämlich nicht einmal in Kontakt mit den Schleimhäuten des Opfers. Allergische Kontaktekzeme, die hier auch diskutiert wurden, sind in der Regel Typ4-Reaktionen, die einige Tage benötigen und auch nur das direkt umliegende Gewebe schädigen( Bsp.: Duftstoffekzem, nach Parfümgebrauch) und damit als Mordwaffe so gut wie wegfallen.

Meine Tendenz wäre daher eine Ara h6 Allergie. Wenn der Mörder es schaffen könnte nur das Protein aus den Erdnüssen zu extrahieren und sich das in Kombination mit Fetten auf die Lippen zu schmieren...könnte ich mir vorstellen, dass es das Opfer innerhalb von ein paar Minuten umbringt. Es geht halt schon sehr schnell. Und das Opfer besitzt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit einen Pen. Das heißt, du benötigst noch eine Erklärung, warum dieser nicht verwendet wird. Aber das ist ja dein Job ;).

Hoffe ich konnte helfen.
Lg Lukas

P.S.: Hier noch einmal die Allergietypen, für alle, die es interessiert. Zitiert aus dem besten Freund des Medizinstudenten: DocCheck Flexikon:

Nach Coombs und Gell (1963) werden vier Typen von Allergien unterschieden.
4.1 Typ-I-Allergie (Sofort-Typ)

Die Typ-I-Allergie wird auch als Allergie vom Soforttyp bezeichnet und ist die häufigste Allergieform. Innerhalb von Sekunden oder Minuten vermitteln zellständige IgE-Antikörper die Freisetzung diverser Mediatoren wie Histamin, aber auch Prostaglandine und Leukotriene aus den basophilen Granulozyten und Mastzellen.

Typische Beispiele für diesen Allergie-Typ sind die Urtikaria, die allergische Konjunktivitis, der Heuschnupfen (Rhinitis allergica) und das allergische Asthma. Weiter zählen zum Soforttyp das angioneurotische Ödem (Quincke-Ödem) und der anaphylaktische Schock.

4.2 Typ-II-Allergie (Zytotoxischer Typ)

Bei der Typ-II-Allergie (auch: zytotoxischer Typ) bilden sich innerhalb weniger Stunden Immunkomplexe zwischen zellständigen Antigenen (z.B. bestimmte Medikamente oder transfundiertes Blut) und körpereigenen, im Blutstrom kreisenden IgG-Antikörpern. Sie aktivieren zytotoxische Killerzellen und das Komplementsystem. Es kommt dabei zur Zerstörung (Lyse) körpereigener Zellen.

Beispiele für Typ-II-Allergien sind die medikamenten-induzierte Thrombopenie, die hämolytische Anämie nach Transfusionszwischenfall oder die allergische Agranulozytose.

4.3 Typ-III-Allergie (Immunkomplex-Typ)

Die Typ-III-Allergie nennt man auch Immunkomplex-Typ oder Arthus-Typ. Hier bilden sich innerhalb von Stunden Immunkomplexe von Antikörpern und Antigenen, die sowohl zellständig sein als auch frei im Blut flotieren können. Wie beim Typ II wird das Komplementsystem aktiviert, das eine Phagozytose der Komplexe durch Leukozyten anstößt, welche wiederum zytotoxische Enzyme freisetzen.

Beispiele für die Typ-III-Allergie sind allergische Gefäßentzündungen (Vaskulitiden), die so genannte Farmer-Lunge und die Serumkrankheit.

4.4 Typ-IV-Allergie (Spättyp)

Bei der Typ-IV-Allergie oder Allergie vom verzögerten Typ (Spättyp) setzen nach Stunden bis Tagen sensibilisierte T-Lymphozyten Lymphokine frei, welche weitere Leukozyten zum Ort des Allergens locken, woraufhin dort eine Entzündung entsteht. Sie ist die einzige zellvermittelte Reaktion.

Beispiele für die Typ-IV-Allergie sind das allergische Kontaktekzem, die Transplantatabstoßung und die Tuberkulinreaktion.

Ratzefatz

Vielen Dank für die ausführlichen Infos!

Hm, Fische wären mir vom Setting her lieber als Erdnüsse. Verstehe ich das also richtig - die Person (die weiß, dass sie eine Fischallergie hat) darf ganz normal im Meer baden? Tauchen auch? Bloß Fisch essen natürlich nicht, vermutlich auch nicht mit Fisch hantieren (also am Fischmarkt oder in einem Fischrestaurant arbeiten oder so), weil da die Gefahr doch relativ groß ist, dass mal was an die Schleimhäute gerät?

Wenn die Entsorgung im Meer keine Auswirkung hat - wie würde die Leiche generell aussehen? Ausschlag um den Mund? Ausschlag im Mund? Könnte das Salzwasser hier zu irgendeiner "Verzerrung" führen, also zB den Ausschlag sogar lindern?

Hm, Fragen über Fragen ... :-)
,,Dein Name ist Venko", raunte Zoya in sein Ohr. ,,Venko, Venko, Venko." Sie gab ihm für jedes ,,Venko" einen Kuss und ermahnte ihren Mann: ,,Vergiss deinen Namen nicht!"
,,Wie könnte ich ihn vergessen, meine Zoya", raunte er zurück, ,,wenn ihn vergessen auch dich vergessen hieße?"

allinspace

Also soweit ich das verstehe, ist das Allergen bei einer Fischallergie ein Eiweiß, das in den Fischen enthalten ist. Von daher sollte man eigentlich ohne Probleme im Meer schwimmen können, wenn man nicht gerade mitten in einen Fischschwarm gerät - ich habe jetzt eine halbe Stunde gegoogelt, und auch nichts Gegenteiliges gefunden. Es gibt wohl auch eine Seewasser-Allergie, aber die wird eher von Algen ausgelöst, hat also mit der Fischallergie nicht viel zu tun. Wenn man allerdings als Allergiker in einen Fischschwarm gerät, kann das wahrscheinlich schon zu Problemen führen, weil ja die Konzentration an 'fischverseuchtem' Wasser ansteigt und dann auch die Schleimhäute reizen kann.
Das sage ich jetzt als Bienenallergikerin ohne medizinischen Abschluss; meine Quellen sind Google, diverse Allergiker-Foren und das Chemiewissen aus der Uni - also kann ich nicht für hundertprozentige Richtigkeit garantieren  :buch:

Die Symptome sind, wie bei den meisten Nahrungsmittel-Allergien, ziemlich vielfältig, da ist von Hautausschlägen, Erbrechen, Durchfall, Atembeschwerden, Kreislaufzusammenbruch, ... alles dabei. Was oft auftritt, ist ein orales Allergiesyndrom also Lippenschwellungen, Bläschen oder Juckreiz im Mund- und Rachenbereich. Dass das Meer den Ausschlag post mortem lindert, glaube ich nicht, weil Heilung ja eigentlich durch Neubildung von Zellen erfolgt, was nach dem Tod abgestellt ist. Wahrscheinlicher ist (denke ich mal), dass die Leiche ziemlich aufquillt und der Ausschlag deshalb vielleicht nicht mehr so zur Geltung kommt - oder vielleicht kommt er sogar besser zur Geltung? Ich habe jetzt mal Google nach 'Wasserleiche Ausschlag' befragt, aber außer Stoff für Albträume ist leider nicht besonders viel dabei herausgekommen  :gähn: ;)

Lukas

Oh. Ich hatte gar nicht gesehen, dass nochmal jemand geantwortet hat.  :wums:

Also: Ja Fischallergiker Baden im Meer. Ganz normal. Auch in Fischschwärmen. Mit Fischen zu hantieren, ist allein schon deshalb gefährlich, weil entsprechende Proteine aufgenommen werden, wenn man sich mit der Hand über den Mund streicht etc. Ich bin allerdings grade auch überfragt, wenn es um Hautkontakt geht, da die Huat allerdings im Normalfall eine gute Barriere darstellt, sollte es schon möglich sein.(Erdnussallergiker bekommen idR auch keinen Ausschlag vom halten der Erdnüsse. Siehe Typ1 vs. Typ4)
Ich hab leider Gottes noch nie eine anaphylaktische Schock Leiche gesehen. Denke aber, dass sie vermutlich Komplett geschwollene Schleimhäute (Glottisödem googeln) haben und außerdem eventuell Hautblutungen(Petechien) Obwohl cih mit den petechien durchaus falsch liegen kann...