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Autor Thema: Hautfarben  (Gelesen 13358 mal)

Offline Earu

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Re: Hautfarben
« Antwort #75 am: 14. Juni 2020, 17:26:56 »
Ich konnte die Artikel noch nicht lesen, aber sie versprechen ein paar Antworten. Sie stammen von einer deutschen Asiatin, die sich sehr für dieses Thema einsetzt. Vielleicht helfen sie ja weiter:

https://vickieunddaswort.de/warum-hautfarbe-allein-nichts-aussagt
https://vickieunddaswort.de/hautfarben-guide-farbnamen
https://vickieunddaswort.de/hautfarben-guide-nahrungsmittelvergleiche

Sie hat meines Wissens nach vor, noch weitere Artikel zu dem Thema zu schreiben. Könnte sich also lohnen, den Blog zu verfolgen.

Offline Yamuri

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Re: Hautfarben
« Antwort #76 am: 14. Juni 2020, 17:32:28 »
@Earu: Super, vielen Dank :) Ich werde sie mir gleich mal in die Favos aufnehmen und lesen.


“Every human being relies on and is bounded by his knowledge and experience to live. This is what we call “reality”. However, knowledge and experience are ambiguous, thus reality can become illusion. Is it not possible to think that, all human beings are living in their assumptions?” ― Masashi Kishimoto, Naruto, Vol. 42: The Secret of the Mangekyo

Offline Nikki

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Re: Hautfarben
« Antwort #77 am: 14. Juni 2020, 17:33:31 »
Zitat
Gibt es eigentlich ein Sachbuch oder Artikel von PoCs darüber wie sie möchten, dass man sie beschreibt in Geschichten?

Alle, die von mir genannten Quellen sind von Own Voices geschrieben, d.h. Personen, die sich als Schwarz bzw. BIPoCs sehen und Erfahrungen aus erster Hand teilen. Das mal vorweg.

Ich denke, es gibt mit gutem Recht kein "Nachschlagewerk", wie etwas zu sein hat, weil eine Person sich nicht anmaßen sollte, für Millionen andere zu sprechen, nur weil sie ein oder mehrere Merkmale mit ihnen teilt. Das Lesen solcher Erfahrungsberichte (von denen ein Großteil auch wissenschaftlich aufbereitet ist und sich so in den Diskurs um Rassifizierung bettet) sensibilisiert und hilft ein Gespür dafür zu entwickeln, was problematisch in der Vergangenheit war und dementsprechend nun noch immer sein kann. Ein Richtig und Falsch gibt es per se nicht, dafür aber Respektlosigkeit und unsensible Darstellungen, von denen man Abstand nehmen sollte, die man aber nicht immer auf den ersten Blick erkennt.

Man kann es nie allen Personen recht machen, das sollte man auch nie vergessen. Ich habe schon von BIPoCs gelesen, die Essensvergleiche okay finden. Ich habe aber genügend andere Stimmen gelesen, die sich dagegen aussprechen, was für mich vollkommen verständlich ist, darum verzichte ich darauf.

Wie etwas dargestellt und formuliert wird, muss Szene für Szene, Kontext für Kontext immer wieder neu entschieden werden. Je mehr du dich mit Own Voices austauschst bzw. ihre Inhalte rezipierst, desto mehr sensibilisierst du dich und die Welt, die du erschreibst. Vor Fehler feilt dich das dennoch nicht immer. Fälle, die dir Bauchweh bereiten, weil du selbst spürst, irgendetwas hat's da, würde ich mit anderen Personen diskutieren. Mehrere Augen und Hirne leisten immer mehr Arbeit als in Einzelausführung. :)

Offline Anjana

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Re: Hautfarben
« Antwort #78 am: 14. Juni 2020, 17:51:37 »
Ich finde es da wichtig, sich mit unterschiedlichen Menschen aus unterschiedlichen Gruppen/Umfeldern auszutauschen. Denn sonst besteht wieder die Gefahr, dass generalisiert wird. Je mehr Erfahrungen und Haltungen man kennt, desto eher kann man diese einfach auch im Text umsetzen und zeigen, dass vieles auch sehr subjektiv ist. Mir scheint zunehmend, dass das wichtigste die Haltung an sich ist und die Reaktion auf Anmerkungen/Kritik. Und das wäre etwas, was ich urcj die Interaktionen der Figuren auch als Vorbild/Rollenmodell für Leser anstreben würde.

Offline Yamuri

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Re: Hautfarben
« Antwort #79 am: 14. Juni 2020, 18:22:15 »
@Nikki: Also ich muss bei den Essensvergleichen gestehen, sobald man sich selbst die Frage stellt: "fände ich es okay mit einem Pfirsich verglichen zu werden?" und seine eigene Reaktion darauf beobachtet, kann man sehr gut nachempfinden wie sich PoC dabei fühlen. Denn obwohl ich Pfirsiche mag, es kräuselt sich mir die Haut, wenn ich darüber nachdenke mit einem Pfirsich verglichen zu werden. Genau dieses Gefühl, vermutlich noch schlimmer, haben PoC, wenn sie über Nahrungsmittelvergleiche lesen müssen, denke ich mir.

Daher werden die, falls vorhanden alle akribisch entfernt. Das Problem mit den Hautfarben habe ich bisher vor allem in einem Text, aber vielleicht werde ich Billy stärker als Chronist der Geschichte einführen. Dann könnte ich das Hautfarben beschreiben auch ganz umgehen, indem Billy direkt benennen kann, aus welchen Zeitlinien, Welten, Kulturen die jeweiligen Leute so stammen. Interessanterweise, das fällt mir so beim Überarbeiten auf, habe ich aber schon in den früheren Fassungen wie von selbst auch die weiße Hautfarbe als solche direkt erwähnt und beschrieben. :) Auch im Fortsetzungsband meiner Ostasien-inspirierten Reihe beschreibe ich weiße Haut, wenn sie denn vorkommt als solche, wobei ich in einem Band tatsächlich einen Charakter habe, der schneeweiße Haut hat, also richtiges weiß, nicht mit rosa-stich wie bei Europäer*innen, sondern tatsächliches, echtes weiß.

Dass man es nie allen recht machen kann, das ist wohl leider so. Ja, ich habe diesen Tick, ich will es immer allen recht machen. Muss ich irgendwie überwinden dieses Bedürfnis. Und ich denke mir dann immer so viel und frage mich: nur weil ich etwas vermeide, heißt das ja nicht, dass ich dann automatisch eine richtige Darstellung wähle. Ich zweifle da immer sehr schnell und komme dann in so ein Gedankenkarusell. Ich will es dann immer perfekt machen, obwohl ich weiß, perfekt gibt es nicht.

@Anjana: Ja, das denke ich auch, dass das von Vorteil ist. :)


“Every human being relies on and is bounded by his knowledge and experience to live. This is what we call “reality”. However, knowledge and experience are ambiguous, thus reality can become illusion. Is it not possible to think that, all human beings are living in their assumptions?” ― Masashi Kishimoto, Naruto, Vol. 42: The Secret of the Mangekyo

Offline Nikki

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Re: Hautfarben
« Antwort #80 am: 14. Juni 2020, 18:34:16 »
Zitat
Also ich muss bei den Essensvergleichen gestehen, sobald man sich selbst die Frage stellt: "fände ich es okay mit einem Pfirsich verglichen zu werden?" und seine eigene Reaktion darauf beobachtet, kann man sehr gut nachempfinden wie sich PoC dabei fühlen. Denn obwohl ich Pfirsiche mag, es kräuselt sich mir die Haut, wenn ich darüber nachdenke mit einem Pfirsich verglichen zu werden. Genau dieses Gefühl, vermutlich noch schlimmer, haben PoC, wenn sie über Nahrungsmittelvergleiche lesen müssen, denke ich mir.

Das lässt sich halt leider nicht verallgemeinern. Es gibt weiße Personen, die haben kein Problem, wenn weiße Haut mit Milch verglichen wird. Genauso wie es Schwarze Personen gibt, die sie begrüßen. Jeder Mensch hat eigene Erfahrungen gemacht und hat daher unterschiedliche Zugänge zu bestimmten Wörtern. Als schreibende Person sollte man aber den Diskurs zu einigen Wörtern kennen, um sich bewusst dafür oder dagegen entscheiden zu können. Wenn mir der Diskurs um die Kolonialgeschichte und, welche Rolle Kakao- und Kaffeebohnen darin gespielt haben, bewusst ist, dann muss ich schon triftige Gründe haben, mich dennoch für einen Essensvergleich zu entscheiden. Generell gehe ich auch nach dem Grundsatz: Gleiches Recht für alle. Wenn ich nicht-weiße Haut beschreibe, so muss ich auch weiße Haut beschreiben.
Es gibt aber auch Kontexte, wo das "Gefressenwerden" durchaus eine Metapher sein könnte und sich Essensvergleiche anbieten könnten. Diese muss man dann aber bewusst einsetzen und nicht speziell auf eine Ethnie maßschneidern.

Unterm Strich kann ich daher nur sagen: recherchieren, recherchieren, recherchieren und jeden einzelnen Kontext auf die Angemessenheit bestimmert Wörter neu bewerten.

Offline Yamuri

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Re: Hautfarben
« Antwort #81 am: 14. Juni 2020, 19:08:01 »
Zitat
Wenn ich nicht-weiße Haut beschreibe, so muss ich auch weiße Haut beschreiben.

Das hab' ich ganz unbewusst automatisch gemacht. Vielleicht auch, weil ich das auch so sehe wie du: gleiches Recht für Alle. Oder weil ich mir gedacht habe: allein vom Namen kann keiner wissen ob das nun europäischer Chara ist, ob er afrikanisch aussieht, ostasiatisch oder doch eher wie die Ureinwohner Amerikas oder Australiens z.B. Und da war es einfach logisch für mich, dass auch dastehen muss, wenn der Chara eben weiß ist. Genau genommen will ich es sogar noch differenzierter, weil weiß eben nicht gleich weiß ist, schwarz nicht gleich schwarz usw. weil die Hautfarbe nichts darüber aussagt aus welcher Kultur man kommt. Da spielt einfach noch mehr rein. Das hat Victoria eh sehr schön in ihren Artikeln geschrieben, dass die Hautfarbe allein nichts aussagt. Tatsächlich ist die Nennungd er Hautfarbe für mich persönlich auch nur eine Form der Regieanweisung für die Leser*innen, wie sie sich den Chara etwa vorstellen sollen, ohne, dass ich direkt Portraits reinmalen muss. :)

Ich werde auf jeden Fall bei meinen Überarbeitungen auf die Fallstricke achten. Danke für eure Inputs hier :)


“Every human being relies on and is bounded by his knowledge and experience to live. This is what we call “reality”. However, knowledge and experience are ambiguous, thus reality can become illusion. Is it not possible to think that, all human beings are living in their assumptions?” ― Masashi Kishimoto, Naruto, Vol. 42: The Secret of the Mangekyo

Offline Nikki

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Re: Hautfarben
« Antwort #82 am: 17. Oktober 2020, 01:51:44 »
Hallo, ich schon wieder.   :versteck: ;D

Ich hatte heute ein mehr oder minder großes AHA-Erlebnis. Es heißt doch (bei der Darstellung von BiPoCs), man solle auf Essensanalogien in Bezug auf die Hautfarbe verzichten - wie steht es da mit der alteingesessenen Bezeichnung "olivfarbene Haut"? Handelt es sich hier ebenso um ein No-Go, wenn ja, was sind mögliche Alternativen? Wenn nein, wo ist der Unterschied zu den anderen (gängigen) Essensvergleichen?

Offline Maubel

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Re: Hautfarben
« Antwort #83 am: 17. Oktober 2020, 03:47:35 »
Olivfarben ist so weit ich weiß anders, weil das ein offizieller Hautton ist (What is olive skin): eine braune Haut mit einem grünstichigen Unterton, der wohl bei der Make-up-Applikation eine bedeutende Rolle spielt. Zudem sind Oliven keine Kolonialgüter wie Kaffee, Kakao und Schokolade, damit fällt also auch diese Ebene weg.

Es ist quasi vergleichbar mit den Hazel Eyes, die eben auch eine ganz bestimmte Augenfarbe beschreiben (Goldbraun mit grünbraunem Ring, unterschiedliche Verhältnisse) und nicht mit haselnussbraun übersetzt werden können.
      

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