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Autor Thema: Hautfarben  (Gelesen 6939 mal)

Offline Araluen

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Re: Hautfarben
« Antwort #15 am: 10. Januar 2016, 20:24:13 »
Also das Lebensmittel als Farbbeschreibung politisch inkorrekt sind, wusste ich bis dato auch nicht - interessant.
Wobei ich nicht sehe,wo sich jemand auf den Schlips getreten fühlen könnte, wenn seine Haut wie Karamell beschrieben wird ;)
Bei kaffeebrauner Haut für eine Südamerikanerin, deren Vorfahren als Sklaven auf Kaffeeplantagen schuften mussten, kann ich es nachvollziehen.

Offline Guddy

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Re: Hautfarben
« Antwort #16 am: 10. Januar 2016, 20:37:51 »
Aber Karamell ist auch eher gelblich-orange, oder nicht?  :hmmm:

Ich weiß, dass man als Journalist keine "essbaren" Adjektive zur Beschreibung einer Hautfarbe verwenden sollte, aber ich kann mir vorstellen, dass es je nach Textart wieder anders aussehen kann?
"Farbig" sollte man übrigens laut dem Journalistenleitfaden auch nicht verwenden. Im Prinzip wäre alles außer "reinweiß" farbig und es tue so, als müsse "Schwärze" entschärft werden, was dieses wiederum diffamieren würde.
   

Offline Zitkalasa

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Re: Hautfarben
« Antwort #17 am: 10. Januar 2016, 20:47:38 »
Irgendwie habe ich gerade das Gefühl, dass man Hautfarben gar nicht beschreiben sollte. Gerade als weiße Person (und ich bin tatsächlich ziemlich weiß) kann ich mich da nur in die Nesseln setzen, weil ich das Gefühl habe, dass mir dieses "Mighty Wihtey" unterstellt wird, wie es in einem verlinkten Beitrag so schön erwähnt wird. :hmmm: Wobei ich eh nie Hautfarben erwähne solange sie nicht so außergewöhnlich sind (bspw. Lis Haut, die wie verbrannt aussieht).

Vergleiche mit Essen finde ich persönlich aber auch so sehr merkwürdig, weil dann bei mir unbewusst auch gleich die Assoziation im Kopf anspringt, dass derjenige auch nach dem Essen schmeckt. :rofl:

Offline Amberle

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Re: Hautfarben
« Antwort #18 am: 10. Januar 2016, 20:55:41 »
Das Lebensmittel inkorrekt sind überrascht mich jetzt auch etwas. Zumindest in der Romantasy kenne ich einige namenhafte Autoren die das machen.

Ihre Haut, vom Typ #b19b6c, schimmerte in der Sonne.
:rofl: So ist zumindest die Genauigkeit gegeben.
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Offline Vic

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Re: Hautfarben
« Antwort #19 am: 10. Januar 2016, 21:01:36 »
Bronzefarben find ich gut, wobei das meiner Meinung nach eine rötliche Bräune impliziert. :)
"Dunkle Haut" geht auch, wobei das natürlich nicht ganz deutlich beschreibt wie dunkel. Im englischen benutzen sie auch einfach oft "brown skinned" oder "a brown girl" für Latinos oder so. Ich habe keine Ahnung ob es im deutschen auch so gängig ist "braune Haut" zu sagen.

Soweit ich weiß sind lebensmittelmetaphern total verpönt  ::)  was ich nicht ganz verstehe weil ich sehr gerne in milchweißer, nussbrauner oder karamelfarbener Haut schwelge, egal welche Ethnie mein Chara hat. Aber mein letzter Stand ist auch, dass man das nicht mehr benutzen sollte.
     

Online Slenderella

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Re: Hautfarben
« Antwort #20 am: 10. Januar 2016, 21:12:51 »
Mehr als ein oder zweimal würde ich die Farbe der Haut nicht erwähnen, weil es dann tatsächlich so wirkt, als wolle man darauf herumreiten, dass der Charakter schwarz ist.
Aber bei einer allgemeinen Beschreibung, wenn die gerade anfällt, kann man das schon erwähnen. Ich finde ja nichts störender, als wenn man sich den Charakter die ganze Zeit völlig anders vorgestellt hat und dann kommt: Ach, übrigens, der ist weiß/schwarz/gelb/schachbrettgemustert.


Offline Vic

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Re: Hautfarben
« Antwort #21 am: 10. Januar 2016, 21:21:02 »
Sorry, der ist doppelt geworden... bitte ignorieren
     

Offline Sukie

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Re: Hautfarben
« Antwort #22 am: 10. Januar 2016, 21:31:09 »
Ich finde es so schade, dass man da so schnell in die rassistische Ecke rutschen kann. Ich finde eigentlich nichts schöner, als Varietät. Von schneeweiss bis tiefschwarz gibt es so wunderschöne Hauttöne und jeder davon hat etwas eigenes. Und ich bin mir sicher, dass es für wirklich jeden Hautton auch eine positiv konnotierte Bezeichnung gibt.

Naja, was für mich positiv ist, ist aber vielleicht für Herrn Müller negativ. Schwierig.
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Offline Amberle

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Re: Hautfarben
« Antwort #23 am: 10. Januar 2016, 22:00:22 »
Aber heißt das, dass man das Thema Hautfarbe meiden sollte? Wir hatten im TiZi schön öfter das Thema, dass Autoren auch eine gewisse Verantwortung tragen. Natürlich können wir versuchen uns möglichst von allen Fallstricken fernzuhalten und immer politisch korrekt zu bleiben, aber macht das irgendetwas besser?
Wenn ich z.B. den Hauptcharakter meiner Geschichte schwarz mache, und auch deutlich dabei bin, was dann? Natürlich kann sich dann irgendjemand beschweren und behaupten, dass man darauf herumreiten würde. Aber was wenn wir so tun als hätten die Figuren keine Hautfarbe? Natürlich beschwert sich dann auch keiner. Aber die Vorurteile bleiben trotzdem in den Köpfen der Leute stecken.

Und überhaupt, wenn man Lebensmittelmetaphern nicht mehr für Hautfarben benutzen soll (was ich ziemlich schade finde weil ich sie sowohl sehr gern mag als auch anschaulich finde), was gilt dann für Haarfarbe. Honigblond oder Schokoladenbraun werden z.B. recht häufig verwendet.
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Offline Sukie

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Re: Hautfarben
« Antwort #24 am: 10. Januar 2016, 22:16:34 »
Aber heißt das, dass man das Thema Hautfarbe meiden sollte? Wir hatten im TiZi schön öfter das Thema, dass Autoren auch eine gewisse Verantwortung tragen. Natürlich können wir versuchen uns möglichst von allen Fallstricken fernzuhalten und immer politisch korrekt zu bleiben, aber macht das irgendetwas besser?
Wenn ich z.B. den Hauptcharakter meiner Geschichte schwarz mache, und auch deutlich dabei bin, was dann? Natürlich kann sich dann irgendjemand beschweren und behaupten, dass man darauf herumreiten würde. Aber was wenn wir so tun als hätten die Figuren keine Hautfarbe? Natürlich beschwert sich dann auch keiner. Aber die Vorurteile bleiben trotzdem in den Köpfen der Leute stecken.

Und überhaupt, wenn man Lebensmittelmetaphern nicht mehr für Hautfarben benutzen soll (was ich ziemlich schade finde weil ich sie sowohl sehr gern mag als auch anschaulich finde), was gilt dann für Haarfarbe. Honigblond oder Schokoladenbraun werden z.B. recht häufig verwendet.

Ja, da gebe ich dir vollkommen recht. Wahre Gleichberechtigung beginnt eigentlich an dem Punkt, an dem es piepegal ist, ob jemand schwarz, weiss oder rot ist. Indem es einfach keine wichtige Rolle spielt, sondern nur nebenbei erwähnt wird. Dasselbe gilt prinzipiell für Homosexualität. Sie ist nur dann nichts besonderes mehr, wenn ihr der besondere Status aberkannt wird. Es sollt einfach vollkommen irrelevant sein, welches Geschlecht man bevorzugt. Das sollte einen Menschen nicht definieren.
Aber das ist wohl Wunschdenken, dazu werden zugerne Schubladen verteilt...

Haare sind jetzt nicht so "rassenmarkant", oder? Kann man ja umfärben.
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Offline der Rabe

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Re: Hautfarben
« Antwort #25 am: 10. Januar 2016, 22:35:44 »
Hej Sukie,

zwei Sachen sind mir gerade eingefallen. Zum einen wird deine Protagonistin bestimmt nicht viel über ihre Hautfarbe nachdenken, weil sie ja zu ihr gehört, also würde ich sie auch nur kurz erwähnen. (es sei denn, sie ärgert sich darüber oder so)
ABER sie könnte anderen auffallen, die sich dann etwa über die Prota unterhalten. Hinter ihrem Rücken etwa, sodass sich daraus ein paar nette Szenchen entwickeln könnten. ;D ("Hast du die gesehen? Die hat sich ja wohl auch seit Tagen nicht gewaschen." - [deine Prota] wirbelte herum, schob einen dicken Mann beiseite und baute sich vor der "Trulla" auf, deren Stimme sie eben gehört hatte. "Willst du damit sagen, dass ich stinke? Oder gefallen dir meine Schuhe nicht?" blabla)

Zum anderen sollte man darauf achten, dass diejenigen, die die Kommentare machen, auch Vergleiche heranziehen, die sie zur Hand haben. WEnn es etwa eine historische Geschichte ist, können sie schlecht auf die Farbe von Schokolade oder Kaffee zurückgreifen. Die ich persönlich, weil ich beides mag, eher als positiv empfinden würde. Vielleicht würden sie die Hautfarbe eher mit gut gebackenen Brot vergleichen. (oder wahlweise mit verbranntem. :versteck: )
Dummerweise fallen mir gerade abseits von SChokolade und Kaffee tatsächlich eher negative Beispiele ein: verfaulter Apfel, Hund, Schlamm ... :( Naja, und Bronze, stimmt schon. Immerhin. Aber vielleicht trifft das ja den Farbton nicht ganz. :P

mit Gruß,
vom Raben
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Re: Hautfarben
« Antwort #26 am: 10. Januar 2016, 23:09:15 »
Mir dient die Hautfarbe einzig und allein dazu, dass sich meine Leser den Charakter einfach komplett vorstellen können. Und dabei ist die Hautfarbe nun mal ein Teil davon.
Sollte das wirklich mal einer meiner Leser rassistisch finden, wenn ich sage, dass ein Charakter schwarz ist, dann hat er einfach Pech gehabt.
Außerdem beschreibe ich ja auch die Hautfarbe von weißen Charakteren - einfach, damit das Gesamtbild vorhanden ist. Ich gehe jedenfalls nicht erst mal vom weißen Protagonisten aus, wenn ich ein Buch aufschlage und keinerlei Vorwissen habe.


Offline Amberle

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Re: Hautfarben
« Antwort #27 am: 10. Januar 2016, 23:30:29 »
Ich gehe jedenfalls nicht erst mal vom weißen Protagonisten aus, wenn ich ein Buch aufschlage und keinerlei Vorwissen habe.
Ich muss leider sagen, unterbewusst tue ich genau das. Und zwar einfach weil 99% der Personen mit denen ich persönlich täglich zu tun habe nun einmal weiß sind. Wenn mir der Autor dann sagt, dass die Person schwarz ist wird das in meinem Kopf in die Figurenakte gelegt und gut ist. Aber trotzdem entspricht meine Grundannahme ersteinmal dem, was mein Kopf für am wahrscheinlichsten hält. Deshalb finde ich sollte ein Autor solche Dinge klarstellen, damit kein falsches Bild entsteht.
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Offline FeeamPC

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Re: Hautfarben
« Antwort #28 am: 11. Januar 2016, 03:22:32 »
Ich arbeite an einem Text, in dem die Protas eher südasiatisch sind, und das kommt eigentlich nur zu Tragen, weil sie die Bergbewohner mit ihren hellen Haaren, Augen und der eklig blassen Haut hässlich finden. Der Leser erfährt die Farben also nur indirekt.
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Offline Trippelschritt

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Re: Hautfarben
« Antwort #29 am: 11. Januar 2016, 06:24:11 »
Ob etwas politisch inkorrekt ist, kümmert mich beim Schreiben nicht die Bohne. (Wo kommt eigentlich die Redewendung her?) Ich denke lieber in Kategorien, ob ein Vergleich, eine Metapher oder sonst so etwas die von mir beabsichtigten Assoziationen herstellt. Das hellst Weiß soll überaschenderweise Milch und nicht Schnee sein und der Ausdruck "eine Haut wie Milch" habe ich in einigen Märczhen meiner Kindheit gefunden. "Seine Haut war so dunkel wie ein Kaffee, in den man vergessen hatte, etwas Milch zu schütten" wäre für mich so ein typischer Autorensatz, bei dem sich bei mir nie eine Assoziation aus der Kolonialzeit einstellen würde. Viel wichtiger ist das Worte "vergessen", was der Farbe etwas negatives gibt, und Milch schütten", weil das eine Norm schafft. Ein solcher Satz sagt klar aus, dass der Sprecher sehr dunkle Haut für etwas Negatives hält. Punkt. Auf Kolonialzeit würde ich nur kommen, wenn es im Text noch andere diesbezügliche Hinweise gäbe.
Kurzum: Als Schreiber entscheide ich so etwas immer im Einzelfall. Klar, ich kann mich mal  vergreifen, dann muss ich damit leben. Aber die Freiheit meiner Wortwahl möchte ich nicht durch irgendwelche Listen irgendwelcher Leute, die vom Schreiben wenig verstehen, eingrenzen lassen. Wenn ich etwas hasse, dann Denkverbote. Das Gegenteil ist doch der Fall. Man sollte als Schreiber darüber nachdenken, was man mir einem Vergleich bewirkt. Also weg mit solchen Listen.

Liebe Grüße
Trippelschritt
Schreiben ist nichts anderes als seine Ideen zu Tisch zu bitten

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