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Autor Thema: Bibliothek: Wirtschaft, Wirtschaftstheorien, Wirtschaftsgeschichte  (Gelesen 2856 mal)

Offline Felsenkatze

  • Schiffeversenker
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Auf Anregung von Bastian hier eine neue Kategorie.

Auch Fantasywelten brauchen bisweilen eine wirtschaftliche Basis. Also können hier die entsprechenden Bücher dazu gesammelt werden.
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(Calvin & Hobbes)
  

Bastian

  • Gast
Dann will ich mal ein paar Bücher vorstellen, von denen ich mir denke, dass sie nützlich sein können.  :)

Söllner, Fritz (1999), Die Geschichte des ökonomischen Denkens, 2. Auflage, Berlin.

Ein Buch, das ich jeder und jedem empfehle, die verschiedene wirtschaftsorientierte Denkweisen mal genauer unter die Lupe nehmen wollten ohne dabei in fünf Wälzern zu versinken.

Er beginnt in der Vorklassik (Aristoteles, Scholastik, Merkantilismus, Kameralismus, Physiokratie) arbeitet sich über die Klassik (Smith, Say, Malthus und Ricardo) in die Neoklassik vor. Hier muss dazu gesagt werden, dass natürlich der Neoklassik am meisten Raum gegeben wird. Aber auf den letzten 90 Seiten werden auch konkurrierende Theorien und aktuelle Strömungen erklärt.
Unter die konkurrierenden Theorien (also in Konkurrenz zur Neoklassik) fallen bei ihm der Marxismus, Deutsche Historische Schule, der Institutionalismu, die Österreichische Schule, der Ordoliberalismus und der Postkeynsianismus.
Die aktuellen Entwicklungen, die er beschreibt, sind dann wieder stark an die Neoklassik angelehnt: Evolutorische Ökonomie, Ökologische Ökonomie und Spieltheorie.

Wie man unschwer erkennen kann, ist der Inhalt des Buches, sehr dem Norden zugewandt. Trotzdem finde ich gibt dieses Buch einen guten Überblick. Formeln werden verständlich erläutert und man wird nicht von seitenweise Mathematik und Statistik erschlagen. ;)


Bastian

  • Gast
Dem ersten schließe ich gleichmal quasi ein Gegenstück an.  ;D

Altvater, Elmar/Mahkopf, Birgit (2007): Grenzen der Globalisierung. Ökonomie, Ökologie und Politik in der Weltgesellschaft, 7. Auflage, Münster.

Zugegeben: Mein persönlicher Favorit.

Jedes Unterkapitel dieses Buches lässt sich als Problemkomponente in eine Geschichte einbetten. Im Gegensatz zu Söllner, ist dieses Buch bereits eine klare Kritik an den Auswirkungen einer in die Realität umgesetzten neoklassischen Theorie. Wobei es auch klar über eine rein ökonomische Sichtweise hinausgeht. (z.B. Demokratie an den Grenzen des "Umweltraums" wobei die Erfindung des "Umweltraums" selbst bereits hinterfragt wird.)

Obwohl es mit 538 Seiten ein Wälzer ist, lassen sich die Kapitel auch getrennt von einander verständlich lesen.

Bastian

  • Gast
Hier ein interessantes Buch, wenn man sich Mal gefragt hat, wie es überhaupt zur Entstehung einer spezifischen ökonomischen Denkart kommt.

Es handelt sich bei dem Buch um eine Diss aus dem Studienzweig Volkswirtschaft.

Frambach, Hans. A. (1993): Die Evolution moderner ökonomischer Kategorien. Entstehung und Wandel zentraler Begriffe der neoklassischen ökonomischen Theorie, Berlin.

Wirklich reißend geschrieben (im positiven Sinn - man möchte wirklich wissen, wie es weiter geht) stellt Frambach sich die grundsätzliche Frage: In wie fern bringt es uns weiter, zu verstehen, dass 1+1=2 ist und es als wahr anzunehmen? In seinem Fallbeispiel der Neoklassik: Ist eine Wirtschaftstheorie, nur weil sie in sich logisch konsistent ist, automatisch real interessant?

Was die Neoklassik angeht, offensichtlich schon, denn sonst wäre sie wohl nicht die herrschende Wirtschaftstheorie unserer Welt.  ::) Trotzdem für alle Idealisten, denen ein Kosten-Nutzen-Denken immer wieder Mal kräftig auf die Nerven geht, empfehle ich dieses Buch, um sich geistig aufzupäppeln.  ;D

Bastian

  • Gast
Wer Lust hat Entwicklung im ökonomischen Sinn, in eine Geschichte mit einfließen zu lassen, dem empfehele ich (wenn auch ungern, weil ich einen der beiden Autoren menschlich unmöglich finde):

(leider auf Englisch) Kunnibert Raffer, H.W. Singer, The Economic North-South Divide - Six Decades of Unequal Development, 2001

ISBN: 1 84064 152 5

Besonderer Schwerpunkt liegt beim Ende des Kalten Krieges und inwiefern sich Entwicklungshilfezahlungen seit dem verändert haben. Liest sich alles andere als gemütlich aber ist dafür sehr zweckdienlich informativ.

Bastian

  • Gast
Ein Sammelband, das sich aus verschiedenen Blickwinkeln mit Geld beschäftigt.

Geld Macht Krise - Finanzmärkte und neoliberale Herrschaft
ISBN: 3 85371 209 6

Obwohl der Titel mit "neoliberal" etwas unprofessionell wirkt, sind die Beiträge trotzdem wirklich fundiert und ganz besonders international.

Die Finanzkrise in Mexiko, brasilianische Wirtschafts- und Sozialpolitik 1994-2002, Die Krise in der Türkei, Der IWF und die Dialektik der marktwirtschaftlichen Ideologie in Jugoslawien, Die Asienkrise 1997,... alles drinnen. Aber auch alternative Geldwirtschaften.

Ich finds toll und auch für Menschen, die sich nicht extrem viel mit Wirtschaft beschäftigen verständlich.

Bastian

  • Gast
Hier etwas für alle die sich für Umweltschutz interessieren.

Ich könnte allerdings nicht sagen, ob man das Buch noch bestellen kann, oder ob es eher nur in Bibliotheken oder über Antiquariate erhältlich ist.

Amelung, Torsten (1997 - aber meiner Meinung nach nicht überholt): Globaler Umweltschutz als Verteilungsproblem im Nord-Süd-Konflikt - Ursachen und Lösungsmöglichkeiten dargestellt am Beispiel der Rodung tropischer Regenwälder, Frankfurt am Main.

Er beleuchtet das Thema sowie die Lösungsansätze wirklich von den verschiedensten Seiten, ohne sich dabei in einer gerecht-ungerecht Schleife zu verfangen. Trotzdem kommt deutlich raus, wer von den herrschenden Verhältnissen und Regelungen am ehesten profitiert.


Bastian

  • Gast
Ein tolles Buch über die Ökonomie von einem Philosophen, den man eher in Zusammenhang mit Sexualität und SM kennt. 

Georges Bataille (1967): Die Aufhebung der Ökonomie, München. Kam 2001 auf Deutsch heruas.

Der Schlüsselgedanke ist, dass jedes interaktive System Überschüsse hervorbringt, also mehr als es verbraucht erzeugt.

Die Hauptfrage lautet: Was machen verschiedene Volkswirtschaften mit ihren Überschüssen? Oder anders: was geschieht mit den Reichtümern, dem Luxus?

Er beginnt bei den Azteken und arbeitet sich leider nur bis in die Mitte des Sowjet-Kommunismus vor. 


Bastian

  • Gast
Inspiriert von Greys Romanthread in dem die Wirtschaftskrise die Industriestaaten untergehen lässt, will ich hier ein Buch empfehelen, das sich mit Krisentheorien auseinandersetzt.

Schon etwas älter, aber dennoch sehr interessant.

Walter Bühl, (1988): Krisentheorien - Politik, Wirtschaft und Gesellschaft im Übergang, Darmstadt.

Bastian

  • Gast
Und hier ein noch nicht so alter Sammelband, in dem die "Idee" von "Entwicklung" an sich hinterfragt wird.

(Hrsg.) Karin Fischer, (2006): Entwicklung und Unterentwicklung: Eine Einführung in Probleme, Theorien und Strategien, Wien.

Dann häng ich noch eine Diss aus dem Bereich Philosophie dran, die meiner Meinung nach schlichtweg genial ist.  ;D

Pospisil Jan (2007): die Entwicklung von Sicherheit: Zu den gouvernementalen Rationalitäten US-amerikanischer und deutscher Entwicklungszusammenarbeit im Konfliktkontext, Wien.


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