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Autor Thema: Triggerwarnungen - wichtig oder überflüssig?  (Gelesen 643 mal)

Offline NelaNequin

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Re: Triggerwarnungen - wichtig oder überflüssig?
« Antwort #30 am: 17. September 2019, 20:56:10 »
Ich bin mittlerweile mehr im Camp "Content Note", weil es mit weniger Implikationen besetzt ist, als "Triggerwarnung".

Denn ich habe Trigger, aber ich habe auch Themen, die ich einfach ungerne lese und vor denen ich gerne gewarnt wäre, weil sie mich zwar nicht im psychologischen Sinne Triggern, aber mir ein Buch halt doch ziemlich verderben können. Und dann möchte ich die informierte Entscheidung treffen, ob mich der Rest eines Buches genug anspricht, um mich dem auszusetzen.

Ironischerweise ist es für mich auch so, dass die Themen, die für mich eher unter "CN" fallen würden, auch eher Ausschlusskriterien für ein Buch sind, als meine eigentlichen Trigger.

Denn mein Haupttrigger sind halt wirklich Krankheiten. Explizit Krebs. Ich erzähle die Geschichte immer wieder, weil sie ganz gut zeigt, wofür eben TWs auch mit wichtig sein können: Die beiden "Guardians of the Galaxy" Filme sind mit welche meiner allerliebsten Filme. Gerade im MCU. Dennoch ging es mir selten im Kino s omies, wie beim ersten der beiden Filme. Warum? Weil die Eröffnungsszene halt existiert und die mich eiskalt erwischt hat. Das war einer der heftigsten Zusammenbrüche, die ich in dem Zusammenhang hatte. Und es war nur, weil ich unvorbereitet war. Mittlerweile kann ich den Film schauen, ohne darauf heftig zu reagieren, einfach weil ich mich darauf vorbereiten kann. Und das gilt bei dem Trigger (der halt wirklich ein psychologischer Trigger für mich ist) allgemein. Ich komme damit klar, aber ich muss vorher wissen, dass es kommt. Sonst ist es für mich richtig schlimm. Dann wird mir übel, teilweise schwarz vor Augen und ich habe richtige Weinkrämpfe.

Der andere Trigger für mich dagegen ist halt einer, wo ich die Sachen eher meide: Mobbing. Je nachdem, wie Dargestellt und geframet kann ich damit wirklich nicht. Da kann es tatsächlich depressive Phasen auslösen.

Dagegen gibt es aber ein paar Themen, die ich einfach nicht lesen mag: Vergewaltigung und Folter zum Beispiel. Das mag ich nicht lesen. Was gerade damit zusammenhängt - zugegebenermaßen - dass es oft einfach zum "Schockieren" eingesetzt wird. Dennoch ist es einfach etwas, wovor ich gerne gewarnt wäre. Es triggert mich vielleicht nicht, aber ich hasse den Gedanken daran, mich dazu zwingen lassen zu müssen, es zu lesen, weil ein Buch per se erst mal Interessant klang.

Offline Trippelschritt

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Re: Triggerwarnungen - wichtig oder überflüssig?
« Antwort #31 am: 18. September 2019, 09:11:37 »
Ich habe glücklicherweise nichts, was mich triggert, aber eine Menge Themen, denen ich gern aus dem Weg gehe. Deshalb kaufe und lese ich gern Bücher, die von meinen Lieblingsautoen stammen, weil ich da in sicheren Händen bin, Bücher von mir neuen Autoren nach persönlicher Empfehlung meiner Freunde oder ausführlichen Rezensionen und ganz selten von guten Covertexten. Und sollte mich dann doch ein Buch negativ überraschen, dann klappe ich es zu. Es gibt mehr Bücher auf dem Markt, die meinen Befindlichkeiten entsprechen, als ich Zeit habe, sie zu lesen. Und damit komme ich ganz gut durch.

Liebe Grüße
Trippelschritt
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Offline Lothen

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Re: Triggerwarnungen - wichtig oder überflüssig?
« Antwort #32 am: Gestern um 14:46:46 »
Ich bin mittlerweile mehr im Camp "Content Note", weil es mit weniger Implikationen besetzt ist, als "Triggerwarnung".
So handhabe ich es mittlerweile auch, hab das auch auf meiner Website entsprechend geändert.

Meinen Blog-Artikel zu dem Thema hat @Shedzyala weiter oben schon mal verlinkt, ich mache es nochmal, weil so Links ja leicht untergehen. Ich hab mir Mühe gegeben, möglichst viele Vorurteile oder Sorgen gegenüber Triggerwarnungen aufzuführen und darzustellen, wie ich dazu stehe und wie die aktuelle Forschung das sieht (auch wenn sie sich noch uneinig ist): https://eleabrandt.de/2019/04/12/mythbusting-triggerwarnungen-in-buechern

@Grummel hat meine Einstellung zu dem Thema ganz gut zusammengefasst: TWs oder CNs tun niemandem weh und sie helfen einigen. Also warum sollte man das Angebot dann nicht machen?

@Mondfräulein und @NelaNequin haben das weiter oben schon mal angedeutet, aber vielleicht noch mal zur Klarstellung: Es gibt einen massiven Unterschied zwischen "Dinge, die unangenehm sind" und "Dinge, die triggern". Letztere können bei Betroffenen zu massiven Panikzuständen, Angstattacken, Flashbacks bis hin zu Suizidgedanken führen. Das ist ein himmelweiter Unterschied zu (angenehmem) Gruseln, Entsetzen, Trauer oder Wut in dem Rahmen, den mal als Autor*in in der Regel erzeugen möchte. Letztlich ist es so, als würde man eine harmlose Sportverletzung mit einem offenen Bruch vergleichen. Deswegen finde ich es auch sehr ungünstig, dass der Begriff "Trigger" so inflationär für alles verwendet wird, was irgendwie nervt oder stört. Das verwässert das, was wirklich dahinter liegt.

Grundsätzlich finde ich CNs auch bei solchen Genres gut, bei denen man ein bestimmtes Ausmaß an Gewalt durchaus erwarten kann, z.B. bei Psychothrillern oder Fantasy. Aber es sollte dann vll. wirklich spezifischer sein als nur "Gewalt", weil das in der Tat wenig Aussagekraft hat. Aber wie detailliert CNs/TWs beschaffen sein sollten, das ist noch eine ganz offene Frage, die noch nicht umfassend eruiert ist.

Was aber definitiv nichts bringt, ist ein unspezifischer Hinweis im Sinne von "hier kommen schlimme Dinge vor". Das schürt nur negative Erwartungen und hilft Betroffenen nicht, sich auf bestimmte  Themen vorzubereiten oder abzuschätzen, was da auf sie zukommt. Und bei vielen Genres ist das ja auch sinnlos, z.B. bei Horror, das nimmt man ja in der Regel in die Hand, WEIL schlimme Dinge vorkommen.
"Truth is a matter of the imagination"- Ursula K. le Guin

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