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Handwerkliches => Workshop => Thema gestartet von: Hr. Kürbis am 09. Juni 2008, 07:56:58

Titel: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Hr. Kürbis am 09. Juni 2008, 07:56:58
Plotten mit der Schneeflocken-Methode nach Randy Ingermanson

Randy Ingermanson, ein Autor aus den USA, schreibt Bücher und unterrichtet kreatives Schreiben. Seine Bücher plottet er nach der von ihm so genannten „Schneeflocken-Methode“, bei der man sich vom ersten Satz der Geschichten-Idee immer weiter nach außen vorarbeitet. Dabei wächst die Geschichte, bildet immer mehr detailliertere Arme, eben wie eine Schneeflocke. Ausführlich wird die Methode selbst vom Autor auf folgender Seite frei und für jeden vorgestellt:
http://www.advancedfictionwriting.com/art/snowflake.php (http://www.advancedfictionwriting.com/art/snowflake.php)
Da aber hier nicht jeder Autor der englischen Sprache überaus mächtig ist und das Thema immer mal wieder von Interesse sein könnte, werde ich mich hier mal der Methode annehmen und sie für euch zumindest sinngemäß übersetzen. Los geht’s …

Schritt 1:
Nimm dir eine Stunde Zeit und schreib einen Satz, der die Handlung deines geplanten Buches zusammenfasst. Klar, nicht jedes Detail wird zur Sprache kommen, aber das große Motiv sollte klar erkennbar sein.
Beispiel: Ein junger Prinz wird um sein Erbe gebracht und macht sich auf den Weg, Königreich und Krone für sich zurückzuerobern.
Der Satz sollte nicht zu lang sein, je kürzer er ist, umso besser! Benutze keine Namen für deine Charaktere, auch keine Platzhalter. Was der Charakter ist sagt mehr aus, als Wer er ist! Konzentriere dich dabei auf den Charakter, der der Protagonist sein wird, der am meisten zu verlieren, aber auch am meisten gewinnen kann.
Dieser Satz wird das Leitmotiv sein und dich die gesamte Planung hindurch begleiten.

Schritt 2:
Nimm dir eine weitere Stunde und erweitere den einzelnen Satz auf 5 Sätze. Geh dabei nach folgendem Schema für die Sätze vor:
Der erste Satz beschreibt die Ausgangssituation, die folgenden drei Sätze beschreiben Punkte, die der Handlung einen Wende geben, Satz 5 schließlich beschreibt das Ende des Buches.
Wir haben es hier also mit einem klassischen Fünfakter zu tun, wer will, kann auch mit drei Akten arbeiten, je nach Gusto.
Beispiel: Der Prinz ist der rechtmäßige Erbe eines Königreiches. Am Tag seiner Krönung kommt es jedoch zu einem Putsch und er flieht zusammen mit seiner Mutter ins Exil. Als seine Mutter stirbt, bereitet der Prinz mit ein paar Getreuen seine Rückkehr vor.  Einer seiner Freunde verrät den Prinz und kurz vor Erreichen seines Ziel landet er im Kerker. Er kann fliehen, stellt die Thronräuber und den Verräter und gewinnt sein Königreich zurück.

Schritt 3:
Man hat jetzt schon einen groben Überblick über die Geschichte, nun braucht man Personal, um sie mit Leben zu füllen. Charaktere sind sehr wichtig für die Geschichte, daher nimm dir entsprechend Zeit, um sie auszuarbeiten. Beginne für jeden Charakter eine neue Seite und arbeite folgende Punkte ab:
-   Name des Charakters
-   Ein-Satz-Zusammenfassung der Geschichte des Charakters (siehe Schritt 1)
-   Die Motivation des Charakters (Gerechtigkeit, Liebe, Freundschaft etc.)
-   Das Ziel des Charakters (Der Prinz will sein Königreich zurück)
-   Was hindert ihn daran, sein Ziel zu erreichen? (Personen, Umstände, Gefühle etc.)
-   Die Konsequenz (was lernt der Charakter, wie verändert er sich persönlich/emotional etc.)
-   Die Fünf-Sätze-Zusammenfassung der Geschichte des Charakters (siehe Schritt 2)
Wenn sie aus diesen Beschreibungen Änderungen für die Geschichte ergeben, ändere sie auch entsprechend in Schritt 1 und Schritt 2. Das kannst du an jedem Punkt der 10 Schritte machen, Änderungen ergeben sich ja quasi von selbst und man sollt sich und seine Kreativität nicht in ein Korsett quetschen, nur weil der bisherige Plan anders aussah. Es ist besser, schon jetzt Änderungen einzuarbeiten als während des eigentlichen Schreibens, was meist mit wesentlich mehr Arbeit verbunden ist …

Schritt 4:
Nimm die Zusammenfassung aus Schritt 2) und mach aus jedem der 5 Sätze einen Absatz, der 5 Sätze hat. Achte darauf, dass jeder dieser Absätze in einer „Katastrophe“ endet, an einem Wendepunkt der Geschichte. Der Letzte Absatz erzählt das Ende des Buches.
Du hast jetzt schon ein ziemlich gutes Grundgerüst für deine Geschichten und neue Ideen, die du in die vorangegangen Schritte einarbeiten kannst. Nimm dir entsprechend Zeit dafür und ändere auch mal den Plan, wenn er dir besser erscheint.

Schritt 5:
Nimm die Charakter-Übersicht aus Schritt 3 und beschreibe die Handlung aus der Sicht des entsprechenden Charakters. Somit wird sie für dich besser nachzuvollziehen. Für jeden Hauptcharakter schreibe ungefähr eine Seite, für Nebencharaktere reicht ein halbe Seite. Wenn sich Änderungen ergeben, arbeite sie auch diesmal ein. Lass dir dazu einen oder zwei Tage Zeit.

Schritt 6:
Nimm die aus Schritt 4 geschriebenen Absätze und erweitere jeden Absatz zu ein kompletten Seite. Das kann ruhig eine Woche dauern. Du wirst sehen, deine Geschichte wird immer detaillierter und nimmt Gestalt an, sollten sich logische Fehler einschleichen, wirst du sie jetzt früh genug bemerken. Du kannst frühzeitig reagieren und Änderungen nach wie vor einarbeiten.

Schritt 7:
Lass dir eine weitere Woche Zeit und kümmere dich nun um die Charakterbeschreibung aus Schritt 3. Verwandel sie in ein vollständiges Charakterblatt und erweitere sie um alle Details, die dir über diesen Charakter bekannt sein. Das können Aussehen, Geburtsdatum, Vergangenheit etc. sein. Lege besonderen Wert auf die Veränderungen, die der Charakter vom Anfang der Geschichte hin zum Ende durchmacht.

Schritt 8:
Die Handlungszusammenfassung aus Schritt 6 unterteilst du jetzt in Szenen und arbeitest sie in eine Tabelle um. Lege jeweils eine Spalte für den Charakter an, aus dessen Perspektive du erzählst und eine für die Handlung. Du kannst noch mehr erstellen, zum Beispiel für den Ort der Handlung, die Zeit, das Ziel der Szene, die Motivation … . Leg so viele Spalten an wie du brauchst! Jetzt sollte die Handlung überschaubar vor dir legen und Änderungen lassen sich durch verschieben der Szenen einfach bewerkstelligen. Änderungen kannst du nach wie vor einarbeiten.

Schritt 9:
Öffne für jedes Kapitel, das du schreiben willst ein neues Dokument und schreibe für die Szenen aus Schritt 8, die darin enthalten sein werden, einen Absatz. Hier kannst du auch schon coole Dialoge einfügen, wenn sie dir durch den Kopf schwirren, füg hinzu, was dir einfällt … Wichtig ist: jede Szene sollte Konfliktpotenzial haben, tritt kein Konflikt auf oder bahnt sich wenigstens an, arbeite die Szene um oder streiche sie komplett!

Schritt 10:
Jetzt geht es mit der eigentlichen Schreibarbeit los! Du hast jetzt einen Plan, ausgearbeitete Charaktere, eine Übersicht über jede Szene und jedes Kapitel. Leg dir alles zurecht und fang an, das Buch zu schreiben!

Wer jetzt denkt, die Planung würde die Kreativität töten, nein, das ist nicht der Fall. Zumindest wenn du nicht schon jedes Detail in deiner Handlung ausgearbeitet hast. Klar, du weißt, in der dritten Szene in Kapitel 4 wird der Held gefangen genommen und kann erst am Anfang des nächsten Kapitels fliehen. Aber WIE er das anstellt, hm, keine Ahnung bis hierhin … finde es heraus! Die Methode soll dir nur einen möglichst genauen Überblick über den Handlungsverlauf verschaffen und verhindern, dass du dich während des eigentlichen Schreibprozesses verzettelst und nicht weißt, wohin der Weg dich führt.
Natürlich ist diese Methode nicht die ultimative Wahrheit und jeder muss selbst herausfinden, ob sie ihm hilft oder nicht. Selbst wenn das Endprodukt anders ausfällt als geplant, so hat man sich schon in einem sehr frühen Stadium mit der Geschichte auseinandergesetzt und intensiv mit der Handlung auseinandergesetzt. Hat man erstmal 500 Seiten geschrieben und dann gemerkt, dass nichts zusammenpasst und große Logiklücken im Text sind, ist es schwieriger, alles nachträglich anzupassen als „nach Plan“ zu schreiben.

Wer will, kann diese Methode seinen eigenen Bedürfnissen anpassen und abwandeln, immerhin gleicht keine Schneeflocke der anderen und jeder kann (oder sogar muss) seine eigene Schneeflocke gestalten.

Viel Spaß beim Ausprobieren!
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Judith am 09. Juni 2008, 08:57:09
Es gibt hier übrigens auch eine vollständige Übersetzung der gesamten englischen Beschreibung:
http://www.lennstar.de/wortschmiede/wbblite/thread.php?threadid=66 (http://www.lennstar.de/wortschmiede/wbblite/thread.php?threadid=66)
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Abakus am 09. Juni 2008, 09:13:34
Sehr interessant. Ich glaube, dass ich von der Schneeflocken-Methode bislang noch nicht gehört hatte. Ist mir jedenfalls nicht bekannt erschienen. Vielleicht probiere ich es mal bei einer meiner nächsten Kurzgeschichten aus. :)

Gruß,
Markus
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Wilpito am 09. Juni 2008, 15:12:00
Hallo Zusammen.

Ich finde die Methode hoch interessant. Bisher habe ich mir den roten Faden für meine Bücher nur im Kopf vorgestellt und dann versucht mich daran entlangzuhangeln. Bei mindestens 2 Büchern blieb dann die Handlung ab der Hälfte des Werkes auf der Strecke. **Reißwolf***

Ich werde es auch mal ausprobieren und damit versuchen ein noch nicht fertiggestelltes Werk zu vollenden.

Wilpito

Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Wieoderwas am 09. Juni 2008, 16:20:09
Ich kann dem nur zustimmen: hoch interessant. Vielleicht ist diese Methode der Schlüssel, der mir die Tür zu meinen Ideen öffnet. Im Moment weiß ich gar nicht, wohin mich meine Geschichte führt. Ich werde mal versuchen, das zu ändern.
Herzlichen Dank.

Miltan Stil
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Coppelia am 09. Juni 2008, 17:53:42
 Wenn mir jemand erklären will, wie man eine Geschichte "richtig" schreibt, werde ich ja immer etwas stinkig. ;D Aber wenn ich mir das so ansehe, klingt es nicht dumm. Wenigstens ist mir die Struktur meines fertigen Romans anhand des Beispiels mit dem Prinzen klar geworden. Ich habe offenbar dieses oder ein ähnliches Schema unbewusst angelegt. Ich versuch das mal ins Exposé einfließen zu lassen ...
Na ja, ich versuche auch mal, ob es mir beim Plotten meines Epos hilft, bei dem ich sehr große Schwierigkeiten habe. :( *sich gleich mal dranmacht*
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Moni am 09. Juni 2008, 18:01:27
Wenn mir jemand erklären will, wie man eine Geschichte "richtig" schreibt, werde ich ja immer etwas stinkig. ;D
Geht mir auch so.   8)

Aber ich werde das auch mal probieren, muß ja eh neu plotten. Vielleicht komme ich so über die Hürden, die mir mein bisheriges plotten immer selber gebaut hat.
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Coppelia am 09. Juni 2008, 19:05:40
Hmmmm, ich hab es jetzt für mein Epos (Teil 1 von 4 ;D) bis Schritt 3 gemacht und muss sagen, es ist schon irgendwie erstaunlich, was dabei herauskommt. Ich habe definitiv einen Spannungsbogen für all meine Perspektiventräger bekommen. Natürlich war er die ganze Zeit da, aber ich habe ihn nun wirklich gefunden.
Nur einen der Perspektiventräger muss ich wohl streichen. Na ja. :) Hab ja mehr als genug. Wenn seine Geschichte nicht spannend genug ist, darf er die Perspektive eben nicht bekommen, auch wenn er mein Lieblingsstinker ist. ;D
Und man kann auch recht gut plotten, wie sich die Figuren allmählich verändern, nämlich in den einzelnen Teilen dieses dicken Schinkens.
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Hr. Kürbis am 09. Juni 2008, 19:31:06
Da bin ich ja froh, mir die "Mühe" gemacht zu haben.
Ich hab auch mal Mr. Ingermanson geschrieben, ob wegen des Copyrights eine Verwendung seiner Idee in diesem Forum überhaupt erlaubt ist. Er hat nett geantwortet und nichts dagegen einzuwenden. Meinen nächsten NaNo werde ich auf jeden Fall mal mit der Methode versuchen, dieses mal will ich ausreichend vorbereitet sein. :jau:
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Beate am 10. Juni 2008, 08:34:21
Was mich am meisten an dieser Methode stört:

Mal angenommen man hat 10 wichtige Charaktere und 5 weniger wichtige, die man aber dennoch ausformuliert, weil sie mehrmals auftreten und manchmal Schlüsselreize geben: Dann hat man nach Schritt 5 schon 12,5 Seiten, nach Schritt 7 so grob geschätzt 25-30.

Die Handlung selbst: Angenommen man macht nach den diversen Schritten 25 Kapitel. Dann gibt das nochmal 25 Seiten.

Ganz davon abgesehen von den diversen Seiten, die dazwischen schon geschrieben und wieder verworfen wurden, weil sie nur in Schritt 1 sinnvoll waren und in Schritt 4 hinfällig sind.

50 bis 60 Seiten - das reicht schon für eine kleine Novelle. Und das alles nur als Vorbereitung zu einem Roman? Mal davon abgesehen, dass es nichts ist mit schnell nachschauen, weil alles schön brav ausformuliert wurde.

Ich denke, um sich über die Handlung und die Charaktere klar zu werden, ist die Methode durchaus gut - aber sehr sehr aufwändig, da man alles ausformuliert. Für mich ist bei Plots und Char-Übersichten wichtig, dass ich genau weiß, was wann kommt und wie der Charakter zu Beginn ist, aber auch, dass ich schnell in dieser Übersicht nachsehen muss. Was hilft es mir, wenn ich meinen roten Faden suche und dann erstmal 30 Seiten Text lesen muss?

Für mich wirkt das Endergebnis irgendwie sehr unübersichtlich und monströs.
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Coppelia am 10. Juni 2008, 08:37:49
Das hab ich auch schon gedacht und mir überlegt, den Schritt mit den Figuren zu überspringen, es sei denn, mir ist bei der jeweiligen Figur etwas unklar (wie z. B. bei der aus meinem letzten Thread  :seufz:). Ansonsten hab ich meine Charaktere so ausführlich im Kopf, dass ich diesen Schritt wohl nicht brauchen würde.
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Hr. Kürbis am 10. Juni 2008, 08:55:16
Ich hab die Methode noch nicht so ausprobiert, aber ab Punkt 8, der Tabelle, sollte doch eigentlich alles schön übersichtlich sein, oder? Die ganzen vorherigen Schritte dienen doch nur dazu, sich selbst über den Handlungsverlauf klar zu werden. Da muss man, vermute ich mal, nur im Zweifelsfall nachschauen...
Ich werde es jedenfalls mal so probieren. Klar, es ist viel Arbeit, aber ich würde mich lieber mehr Vorabreit machen, als nachher ein Flickwerk da zu haben. Ich hab mittlerweile 3 solcher Dinger liegen, die mir über den Kopf zu wachsen drohen ...
Aber im Endeffekt muss ja eh jeder die Methode finden, mit der er klar kommt ...  :winke:
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Shay am 10. Juni 2008, 17:56:02
Da ich noch nie Probleme hatte, mir eine Geschichte auszudenken, und mir die Ideen sowieso schneller kommen, als ich sie aufschreiben kann, interessiert mich so eine Methode eher weniger. Ich hab aber sehr schmunzeln müssen, daß ein Autor seine Methode nach der Schneeflocke benennt und dann immer nach FÜNF Unterpunkten fragt, wo doch das einzige gemeinsame an allen Schneeflocken ist, daß sie SECHS Arme haben. Ich weiß, daß ist Pillepalle, aber irgendwo halt doch eine sauber daneben gegangene Metapher  ;D
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: zDatze am 10. Juni 2008, 18:01:47
Mir gefällt generell die Idee, die hinter der Schneeflocken-Methode steckt.
Nimm eine Handlung, die in einen Satz passt - spalte sie in Konflikte auf - definier die Konflikte und Handlungen genauer - usw.usw.usw.

Besonders geeignet, um Schwachstellen des Plots im Vorhinein schon zu erkennen und neu zu überdenken. Ich habs selber schon vor einer Woche probiert und es ging ganz flott dahin. Leider hab ich jetzt grade zu wenige Zeit um die Idee weiter auszureifen, aber das kommt dann noch. Mal sehen was da am Schluss herauskommt.  :D
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Lavendel am 10. Juni 2008, 18:16:08
Heute ist mir eingefallen, was mich an dieser Methode wirklich stört. Sie bietet keinen Platz für 'poetischen Ballast'. Ballast ist schlecht, das haben wir gelernt. Wirf ihn weg, tritt ihn tot, klopp ihn in die Tonne, das interessiert keinen. Allerdings sind wir ganz ohne diesen Kram bei einem Stil ala Agatha Christie. Schlicht, präzise, schnörkellos, nichts, was nicht relevant wäre für die Handlung (bis hin zu kleinen Details der Körpersprache).
Und diese Methode lässt sehr wenig Platz für solchen 'Schnickschnack', der eine Geschichte aber auch das gewisse Etwas geben kann. Ich kann mir durchaus eine Szene vorstellen, in der jemand (um mal auf das alte Beispiel zrückzukommen), in der Sonne liegt und sich wohlfühlt, ohne dass jemand etwas tut, das ihn/sie dabei stört. Vielleicht, nach einem actionreichen Plotteil.
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Coppelia am 10. Juni 2008, 22:30:01
Hm, Lavendel, findest du? So hab ich das bisher noch nicht gesehen. Ok, ich versuche wirklich meist, solche Szenen eher loszuwerden, weil ich von denen viel zu viele habe.
Ich hab es eher so aufgefasst, dass die Struktur der bereits vorhandenen Handlung herausgearbeitet wird. Dass man dafür "Schnickschnack" streichen muss, glaube ich aber nicht. Bei meinem Epos hat sich die Handlung nicht verändert, mir ist nur der Ablauf der Ereignisse jetzt klarer. Die einzelnen Teile haben sich quasi besser zusammengefügt. Aber ich habe dafür die Einzelheiten nicht getilgt. Und ich habe z. B. eine Person, die wirklich viel schläft und eine, die viel liest - die brauchen auch weiterhin mal ihre Ruhe.
Die Figur, die vielleicht/wahrscheinlich ihre Perspektive verliert, ist wohl sowieso besser, wenn andere über sie sprechen. Das ist mir dabei auch klar geworden.
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Lavendel am 11. Juni 2008, 06:55:09
Naja, ich weiß nicht. Ich habe vielleicht auch einfach was gegen Mechanisierungen und übergründliches Arbeiten. Mir kommt das Ganze zwar sehr sinnig und vernünftig vor, aber ich habe eine Abneigung gegen diese super präzise Planung. Vielleicht auch einfach, weil ich ein eher ungeduldiger Mensch bin. Vielleicht auch, weil ich die Szenen, die ich schreiben werde schon zu detailliert kennen würde. Das frustiert mich dann, weil ich keinen Anreiz mehr habe, sie auch wirklich zu schreiben.

Klar kann man solche Szenen auch mit Schneebflocke schreiben. Aber sie sind in dieser Methode nicht vorgesehen. Es ist gar nicht so, als ob sowas bei mir ständig vorkommen würde (ich glaube, so gut wie nie), aber ich lese grade ein Buch, in dem jemand drei Seiten lang kocht, ohne, dass die Szene in dieses Schema passen würde oder die Handlung irgendwie voranbringt. Und trotzdem ist es eine tolle Szene.

Man muss sich also immer seine Freiheiten bewahren. Solche Methoden sind ja nicht dogmatisch zu sehen, aber das sollte man auch im Hinterkopf behalten.
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Coppelia am 11. Juni 2008, 07:11:35
Zitat
Man muss sich also immer seine Freiheiten bewahren. Solche Methoden sind ja nicht dogmatisch zu sehen, aber das sollte man auch im Hinterkopf behalten.

Hm, vielleicht habe ich die Methode ja falsch verstanden. Eine Methode, die einem jede Freiheit nimmt und sich zur einzig wahren hochstilisiert, würde ich nie akzeptieren. Aber gerade die letzten Absätze erzählen mir eigentlich was anderes. Oder will ich es nur so verstehen?  ;D
Ich sehe es eher so: Wenn ich in der Geschichte jetzt eine Szene schreiben möchte, in der jemand kocht, schläft, Ball spielt oder den Kindern etwas vorliest, mache ich das natürlich, wenn ich finde, dass es gut so ist. Auch wenn solche Szenen nicht viel Handlung haben, dienen sie doch meistens dazu, Figuren zu charakterisieren und sind daher weder langweilig noch überflüssig. Auch wenn ich die Szene mit dem Kochen aus deinem Buch nicht kenne, erzählt sie bestimmt etwas, was für die Geschichte gut zu wissen ist, sonst wäre sie nicht interesaant, so würde ich es jedenfalls vermuten.
Es ist für mich aber gut zu wissen, wie die Handlung weitergeht, sobald ich mir genug Zeit für alle meine Figuren genommen habe.
Vielleicht geht es mir auch so, weil ich generell mit dem Plotten Probleme habe und am liebsten nur Figurenszenen schreiben würde. Daher bleibt bei mir die Handlung häufig auf der Strecke bzw. dieser Fall droht. ;) Deswegen würde so etwas für mich nur als Orientierung dienen. Aber ich bin noch gar nicht auf die Idee gekommen, dass die Methode der Tod meiner Figurenszenen wäre. *g* Ansonsten wäre ich schon längst mit allen Anzeichen der Empörung über diese Methode hergefallen. ;) Schließlich suche ich mehr einen Trick, wie ich den Wust an coolen Figuren in eine passende Handlung bekomme. Nicht andersrum. Viele Schreiberlinge plotten viel besser als ich und brauchen wohl keine Hilfsmittel.
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Lavendel am 11. Juni 2008, 07:21:25
Wissen, was wann passiert, so wie es eben am Ende steht, das tue ich auch ohne diese aufwendige Planung. Kann sein, dass ich die Methode flasch interpretiere, aber es ist nicht so mein Ding, denke ich, ganz irrational. (Mein Zwang erst Mal grundsätzlich gegen alles zu sein, kommt wieder durch ::)).
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Judith am 11. Juni 2008, 08:43:33
Bei mir wäre es wirklich sinnvoll, mit dieser Methode zu arbeiten, aber ich bin meistens zu faul und ungeduldig. Mittlerweile ist aber meine Erfahrung, dass ich umso schneller und leichter beim Schreiben vorankomme, umso besser ich vorher die Handlung geplant habe. Leider weiß ich nie, wie und wo ich mit den Planungen überhaupt beginnen soll - in dieser Hinsicht kommt mir die Schneeflocken-Methode entgegen.

Inwiefern diese Methode keinen Platz für "poetischen Ballast" bietet, ist mir allerdings nicht klar. Zumal ja auch überhaupt nichts dagegen spricht, spontan solche Szenen dann beim Schreiben einzubringen.

Aber es gibt ja Leute, die grundsätzlich eher ohne Planung schreiben - da wär diese Methode natürlich Unsinn. Ich beneide alle, die das können (denn ich würd das auch gern machen). Aber wenn ich nicht plane, verzettel ich mich völlig, stehe ständig vor Plotlöchern und bekomm keinen ordentlichen Spannungsbogen hin.  :seufz:
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Hr. Kürbis am 11. Juni 2008, 14:27:04
Wenn ich einfach so drauflos schreiben könnte und nachher immer noch das Gefühl hätte, es macht Sinn für mich, so zu arbeiten, würde ich auch keinen Pfifferling auf so eine Methode geben.
Aber die Erfahrung hat mir eben gezeigt, dass ich es NICHT kann. Ganz krass hab ich das beim NaNo gemerkt! Andauernd drängelten sich zusätzliche Figuren in die Handlunge, forderten ihren Platz ein, ohne das ich wusste, warum und ob es überhaupt der Logik entsprach, sie zu verwenden.Dabei habe ich vorher in gewisser Weise geplant und war mir über den Handlungsverlauf ziemlich sicher.
Es hat sich total gerächt, nicht detaillierter zu planen, denn nun sitze ich auf einem über 170 Seiten umfassenden Rohentwurf, der wirklich nicht mehr ist und bei dem garantiert 80% entweder für die Katz sind oder so umgearbeitet/angepasst werden müssen, dass ich auch gleich neu schreiben könnte.
Wäre ich mir über die Figuren, deren Bedeutung für die Handlung und deren "Notwendigkeit" bereits im Klaren gewesen, sähe es wohl anders aus. Dann wüsste ich vielleicht, wann, wo und warum jemand eine Szene hat, was die Konsequenz daraus ist und wie es eigentlich alles zusammenpasst...
Ich vermute mal nicht, dass die Methode mich in meiner Kreativität beschneidet, egal, ob ich nun eine spannende, handlungsrelavante Szene schreibe, oder eine, in der Mal Luft geholt wird, der Protagonist auf der Wiese liegt und in die Wolken starrt. Bei mir wäre wohl eher das Gegenteil der Fall, ich könnte mich ebenso entspannt zurücklehnen, müsste mir nicht Gedanken machen, ob ich den Anschluss finde, keine wichtiges Detail vergesse oder ähnliches. Das "Was" steht ja schon fest, ich kann mich auf das "Wie" konzentrieren. Wie bei einem Fahrplan, wo ist zwischen den Abfahrtszeiten die Luft habe, den Raum zu füllen ...

Die Methode ist sicherlich nicht für jeden geeignet, wird von Mr. Ingermanson aber auch nicht als "die ultimative Lösung" angepriesen, sondern als Möglichkeit, mit der er gut arbeiten kann. Mehr nicht ...
Probieren geht bekanntlich über studieren und ich werde mir ein endgültiges Urteil erlauben, wenn ich endlich, endlich, endlich mal ENDE unter ein Projekt geschrieben habe. :omn:
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: FeeamPC am 19. Juni 2008, 09:05:28
Die Methode spricht mich an, und ich danke hiermit für den (aus meiner Sicht) überaus hilfreichen Tipp!
Ich gehöre eher zu den "planlosen" Autoren, habe aber die Erfahrung gemacht, daß ich nur dann ein Buch fertig kriege, wenn ich irgendeinen Rahmenplan vorher erstellt habe. Deshalb werde ich diese Methode gerne einmal ausprobieren.
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Yo am 23. Juni 2008, 01:09:56
Ich arbeite gerade mit dieser Methode meinen Plot aus. Aufmerksam gemacht wurde ich durch eine wohlwollende Helferin, bevor ich es hier entdeckte. Ich bin seit einer Woche bei Punkt 3 und ein Ende ist nicht in Sicht.  :-\

Bevor ich mit dieser Methode begann, hatte ich bereits knapp 100 Manuskriptseiten geschrieben. Auch aus heutiger Sicht immer noch gut und gut durchdacht mit gutem Plot. Aber eben nur gut.  :-[ Ich merke jetzt, dass es einige Schwachpunkte gab, bei denen meine Handlung später garantiert ins Stocken geraten wäre. Ich hätte dann wieder umschreiben müssen (habe ich schon einmal), um die Unklarheiten auszumerzen. Bei dieser Methode merke ich im Vorfeld, wo es Schwachstellen gibt und wie ich immer mehr über meine Figuren und die Handlung lerne. Ich denke, dass es mir nachher wesentlich leichter fallen wird das Manustkript zu schreiben. Und ich denke auch, dass die schriftstellerische Kreativität gewahrt bleibt, denn es ist kein Korsett, sondern eher ein Gerüst. Es bleibt Platz für kleine Zusatzszenen oder Änderungen. Die Folgen sind nur einfach ersichtlicher.  :)

Ich werde mich jedenfalls weiter durchkämpfen. Außerdem denke ich, ist es wie bei jedem *Lösungsvorschlag*: Später geht es einem in Fleisch und Blut über und man kreiert seine eigene Form des Schneeflockeprinzips. So ist es ja auch vom Autor gewollt.
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Wilpito am 05. Juli 2008, 16:17:18
Ich finde die Grundidee, die hinter der Methode steckt absolut Spitze.
Bisher habe ich mir nur ganz grob eine Rahmenhandlung überlegt und munter drauflos geschrieben.

Ergebnis 9 Bücher, über 5000 Seiten. Und davon ist nichts wirklich gut. Die Rahmenhandlung nähert sich bekannten Werken an, der Spannungsfaden geht mir verloren, oder ich erschlage den Leser mit endlos vielen Unwichtigkeiten und Nebenhandlungen, die durchaus lesenswert sein mögen, aber die Spannung und den Handlungsverlauf rapide stören.

Ich plane mit dieser Methode und mit dem Tool Heritage Storilines oder mit Celtix einen Plot zu gestalten. Wer hat denn schon mit dieser Methode erfolgreich gearbeitet und wäre in der Lage mich zumindest in der Anfangsarbeit zu unterstützen.

Kompletter Aufruf dazu in Betaleservermittlung in diesem Forum.
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Cherubim am 08. Juli 2008, 19:51:43
Ich bin gerade über die Schneeflocken-Methode "gestolpert. Ich finde es hört sich sehr gut an. Gerade da ich jemand bin, der sich gern verzettelt ;), könnte ich mir vorstellen, dass mir dieses logische, klar strukturierte Vorgehen sehr helfen könnte.
Ich werde es auf jeden Fall gleich mal ausprobieren.

Nur aus Schritt 8, dass mit den Tabellen erstellen, werde ich nicht so ganz schlau. :-[
Vielleicht könnte sich jemand erbarmen und mir Unwissenden diesen Schritt noch einmal für Dumme erklären. DANKE

Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Churke am 08. Juli 2008, 21:02:24
Zitat
Schritt 8:
Lege jeweils eine Spalte für den Charakter an, aus dessen Perspektive du erzählst und eine für die Handlung. Du kannst noch mehr erstellen, zum Beispiel für den Ort der Handlung, die Zeit, das Ziel der Szene, die Motivation … . Leg so viele Spalten an wie du brauchst! Jetzt sollte die Handlung überschaubar vor dir legen und Änderungen lassen sich durch verschieben der Szenen einfach bewerkstelligen. Änderungen kannst du nach wie vor einarbeiten.

Es geht darum, pro Kapitel einen Grobüberblick anzulegen, in dem die wichtigsten Dinge festgehalten sind. Durch die tabellarische Form wird es übersichtlicher.

Beispiel

Szene   Perspektive            Ort            Zeit                                   Ziel der Szene                           
X           A                            A-Stadt      Montag Morgen                A fordert B zum Duell heraus

Y           B                            A-Stadt      Montag Mittag                  Auf dem Weg zum Duell wird B
                                                                                                     von einer Droschke überfahren                               


Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Cherubim am 09. Juli 2008, 17:56:26
so in ungefähr habe ich mir das auch vorgestellt.
Danke für deine Hilfe. Ich werde die Methode einfach mal ausprobieren. Ich finde sowieso, dass man etwas nur dann richtig beurteilen kann, wenn man es selber ausprobiert hat.
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: hima am 16. Juli 2008, 21:39:56
Ich wende diese Methode (oder eine nicht ganz so exakte Version davon) seit einiger Zeit an, da ich damals den englischen Originaltext entdeckt habe. Für mich funktioniert es eigentlich ganz gut, da ich immer haufenweise lose Ideen und Plotsplitter im Kopf habe, die selten Sinn geben zusammen. Mit der Schneeflocke bringe ich Ordnung in das Chaos. Aber das wärs dann auch schon, dann gehts nach meiner Methode weiter.
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Tintenfalke am 20. August 2008, 17:52:24
Korvin und ich arbeiten gerade an der Plotstruktur, ebenfalls mit der Schneeflockenmethode.

Bislang haben wir durch diese Methode einige versteckte Logikfehler und "weiße Stellen" auf der Plotlandkarte aufgedeckt, die uns wahrscheinlich später Kopfzerbrechen bereitet hätten. Wir sind im Augenblick bei Schritt vier. Ich werde berichten, wenn wir fertig sind und zu schreiben beginnen.
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Dreamcatcher am 20. August 2008, 22:40:58
Vielen Dank fürs Posten/ Übersetzen!  :jau:

Ich schließe mich dann mal denjenigen hier an, die die "Schneeflockenmethode" gleich ausprobieren wollen. Bin selbst gerade am Plotten und weiß gar nicht, wo mir der Kopf steht. Ich habe tatsächlich vier Dokumente nebeneinander geöffnet und schreibe ziemlich orientierungslos an Charakterprofielen, Hintergrundinfos, Exposé und Blitzidee-Stichpunkten gleichzeitig.

Nach mehreren Romanen, von denen ich den Großteil noch vor der Hälfte abgebrochen habe, da sie einfach von Plotlöchern, Ungereimtheiten und Sackgassen nur so strotzten, muss ich es wirklich mal mit einer anderen Vorgehensweise versuchen.
Meine nächste Idee, die ich wirklich liebgewonnen habe und die ich auf GAR KEINEN Fall versieben möchte (zumal es sich auch noch um einen Mehrteiler handelt, der im Idealfall ein in sich geschlossenes Großes Ganzes bilden soll^^), habe ich mich wie wild in die Plotterei gestürzt. Eine Heidenarbeit, wenn ich bedenke, dass ich schon den ganzen Tag dran sitze und immer noch keine wirkliche Struktur reinbringen konnte.

Auf alle Fälle werd ich's jetzt mal mit dem Schneeflockenprinzip versuchen. Das düfte ja nich allzu schwer werden, da ich schon die grundlegenden Dinge beisammen habe. Wenn auch vollkommen durcheinander. ;)

Mal sehen, wie's klappt,
den anderen, dies auch versuchen, wünsch ich ebenfalls viel Erfolg.  ;)

LG
Dreami
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Coppelia am 20. August 2008, 22:48:54
Ich habe meine Schnulze mit der Schneeflocke geplottet, und jetzt habe ich einen logischen Plot, der sich bisher ziemlich stinknormal abzuspielen scheint. Er ist relativ vorhersehbar. Na ja, so sind Schnulzen. Ich glaube jedenfalls, damit lässt sich arbeiten.
Diesen Blödsinn mit den Spalten mache ich aber nicht ... ;D
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Hr. Kürbis am 21. August 2008, 08:18:42
Die "Spalterei" mache ich wohl auch nicht, ich trage das gleich bei yWriter ein, da hat man im Prinzip ja alle diese Möglichkeiten, seine (benötigten) Informationen einzutragen.
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: korvin am 28. August 2008, 14:53:10
Also ich habe diese Methode jetzt einmal für ein weiteres Projekt angewendet bei dem ich Ideenmäsig in einem Loch steckte und muss gestehen ich bin begeistert.

Es tun sich völlig neue Perspektiven auf.

Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: caity am 28. August 2008, 15:09:50
Hallo,

ich wollte mal eine Meinung von Euch hören: Bringt diese Methode etwas bei einem Kurzroman (höchstens 200 Normseiten), der *nur* aus einer Sicht geschrieben wird?
Wenn ich mir die Schritte da so anschaue, ist es doch eher für ein längeres Werk gedacht und ich bin gerade sehr am Schwanken, ob mich das nicht zu viel Zeit kostet, im Hinblick darauf, dass die Geschichte nicht sooo lang wird ...

Bye
caity
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Julia am 28. August 2008, 16:30:42
Bringt diese Methode etwas bei einem Kurzroman (höchstens 200 Normseiten), der *nur* aus einer Sicht geschrieben wird?

Ich habe damit auch noch nicht gearbeit, würde aber vermuten, dass es eher von der Komplexität als von der Länge des Romans abhängt. Bei den klassischen Heftchenromanen (mir fällt gerade kein besseres Beispiel ein) gibt es ja einen relativ engen Rahmen, in dem man sich bewegen kann (die Leserschaft möchte halt gewisse Klischees erfüllt sehen); von daher ist es sicher egal, ob man den Roman "plottet", oder ob man nach dem bewährten Muster losstrickt.

Bei einer komplexeren Handlung könnte das Plotten nach der Schneeflockenmethode aber durchaus neue, interessante Aspekte mit in die Handlung bringen - somit lohnt es sich bestimmt, es einfach mal zu versuchen (so man denn kein reiner Bauchschreiber ist, so wie ich). Schaden kann es sicher nicht.

Liebe Grüße,

Julia
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Coppelia am 28. August 2008, 18:09:59
Ich hab einen relativ kurzen Roman mit der Schneeflockenmethode geplottet - geschrieben hab ich ihn allerdings noch nicht.
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Luisa am 03. September 2008, 15:25:24
Ich habe jetzt einmal angefangen eine Romanidee zu plotten und muss sagen, dass man auf jeden Fall neue Ideen bekommt ohne, dass die Sache gleich aus dem Ruder läuft und man nur noch Plotsalat übrig hat.  :gähn:

Allerdings steckt darin auch eine Menge Arbeit. Ob die sich lohnt, muss wohl jeder für sich entscheiden, aber ich persönlich werde versuchen (fast-die Spalten mag ich auch nicht) alle Schritte durchzuziehen. Für mich heißt das nämlich viel, viel, viel komplexer zu plotten als zuvor.
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: caity am 03. September 2008, 15:37:07
Ich denke, ich versuche es einfach mal. Vielen Dank für die Antworten. Wenn ich unterwegs merke, es wird nichts, kann ich immer noch abbrechen. Schaden wird es (hoffentlich) schon nicht ;)
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: maggi am 10. Oktober 2008, 18:10:30
Also ich hab mit der Methode eigentlich gute Erfahrungen gemacht, obwohl ich sie nie genau nach Anleitung anwende. Anders als beim "linearen" Plotten besteht nicht die Gefahr, das die Story abdriftet und die Motivation der Figuren (und des Lesers!) den Bach runter geht, weil man ja die verschiedenen Stationen schon kennt und quasi nur noch die Punkte (möglich interessant) miteinander verbinden muss. Die Story in 5 Abschnitte zu unterteilen hat außerdem geholfen, die Geschichte interessant and Wendungsreich zu gestalten.
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Tom am 13. Oktober 2008, 21:47:22
Hört sich interessant an, werd's mal ausprobiern.

LG wonghamma
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Sorella am 29. März 2011, 15:39:07
*holt mal den verstaubten Thread hervor*

Ich habe mir die vorangegangenen Posts duchgelesen und hätte noch einen schönen Link dazu. Hier ist die Methode mMn sehr "lebendig" dargestellt:

http://www.schriftsteller-werden.de/kreatives-schreiben/wie-du-einen-roman-schreibst-die-schneeflocken-methode-1/ (http://www.schriftsteller-werden.de/kreatives-schreiben/wie-du-einen-roman-schreibst-die-schneeflocken-methode-1/)

So steif und dogmatisch wie man meint, ist die Methode gar nicht.

Meine Erfahrung dazu:

Als ich vor einem Jahr mit dem Schreiben begonnen habe, bin ich als Techniker zunächst einmal vor einem ungewohnt kreativen Prozess gestanden. Ziellos habe ich herumgestochert immer auf der Suche nach einem Plan. Aber es war kein Plan da, nur zusammenhanglose Fetzen. Ich bin herumgerudert und suchte nach einer Struktur.

Die Schneeflockenmethode hat mir schließlich geholfen meiner Idee genau diese Struktur zu geben. Von Anfang an hatte ich dadurch eine Prämisse, einen Kurzinhalt und ein Exposé. Das hat mir viel Sicherheit gegeben, wenn ich mal wieder geglaubt hatte, dem Ganzen nicht gewachsen zu sein.

So starr wie sich die Methode auf den ersten Blick anhört ist sie gar nicht. Die Prämisse, Charakterbeschreibungen usw. habe ich während der  Arbeit immer wieder dynamisch angepasst. (Na gut, einen Charakter hatte ich aus Faulheit nur grob angerissen – Ergebnis: in der Story wirkt er jetzt blass. Das und Einiges mehr, muss ich nacharbeiten. Ich bin halt trotzdem noch ein Autorenlehrling ...)

Dabei habe ich bei Gott nicht alles so penibel umgesetzt, was für die Methode vorgeschlagen ist. Die Szenentabelle z. B. hatte ich angefangen, dann aber fallengelassen, die hätte mir zuviel Zeit in Anspruch genommen.
Es heißt ausdrücklich: Nimm, was du von der Methode brauchen kannst und vergiss den Rest.

Für mich ist die Schneeflockenmethode wie auf den Leib geschneidert, aber so vielfältig wie Menschen sind, sind auch Autoren vielfältig. Es gibt ganz sicher kein Patentrezept.
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Luna am 29. März 2011, 15:57:18
Als ich vor über einem Jahr angefangen habe, hat mir die Schneeflockenmethode auch geholfen, zumindest teilweise. Die Beschreibung auf Schriftsteller-werden.de fand ich ebenfalls sehr gut und verständlich.
Ich hatte für mich selbst nur den Anspruch gehabt, mich ganz akribisch Schritt für Schritt dran zu halten und alles ganz genau, wie dort geschildert, umzusetzen und bin an dem Schritt, wo es darum ging, drei Akte und eine Katastrophe, oder wie das heißt, zu finden, fast gescheitert.
Das Ende vom Lied war, ich musste nach dem NaNo umplotten, weil mir nichts mehr gefallen hat. Da habe ich mich dann nicht mehr so akkurat an die Vorgaben der Schneeflocke gehalten, mir mehr Freiheiten, Variablen rausgenommen, wie es dort auch irgendwo steht und wie es Sorella mit den Worten: Nimm, was du von der Methode brauchen kannst und vergiss den Rest, sagte.
Ich persönlich fand die Idee mit der Szenentabelle eigentlich ganz gut. Das half mir am meisten, Ordnung ins Chaos zu bringen.
Ich denke, als Denkanstoß und für ein grobes Konzept ist sie ganz hilfreich mMn. Die Drei Akte Theorie fand ich zu beschränkend. Ideen hatte ich eher, als ich nicht mehr unter dem Zwang stand. Und fürs Manuskript finde ich die Szenenaufstellund zum Schluss dann sehr hilfreich.
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Judith am 29. März 2011, 16:07:18
Interessant, wenn ich hier meinen Beitrag von 2008 lese, als ich meinte, dass die Methode mir sehr hilft, weil ich einen Roman ohne Planung gern gegen die Wand fahre.

Nun ja, inzwischen hab ich da ganz andere Erfahrungen gemacht: Mein NaNo-Roman von 2008, also mein einziges Projekt, das ich tatsächlich detailliert mit der Schneeflocken-Methode geplant habe, hab ich komplett in den Sand gesetzt.
Die genaue Planung des Spannungsbogens hat dazu geführt, dass ich ohne nach links und rechts zu schauen durch die Handlung geeilt bin und der Roman jetzt irgendwie kein Fleisch auf den Knochen hat.
Und die Planung der Figuren hat dazu geführt, dass ich ihnen beim Schreiben keine "freie Hand" mehr zugestanden habe - wodurch sie blass, starr und widersprüchlich geworden sind.
Ich weiß bei dem Roman jetzt im Nachhinein nicht mal, wie ich den überarbeiten soll. Im Grunde müsste ich ihn noch einmal komplett neu schreiben.

Wenn ich das nun mit meinem Drauflosschreib-Projekt vom Jahr darauf vergleiche - da hab ich eine etwas chaotische Handlung, aber sehr lebendige Figuren und vor allem: viele brauchbare Einzelszenen. Ich muss da zwar noch sehr viel überarbeiten, um einen ordentlichen Spannungsbogen zu bekommen, aber ich stehe der Rohfassung nicht so ratlos gegenüber.

Ich kann also mittlerweile sagen, dass die Schneeflocken-Methode mir nicht guttut. Eine gewisse Planung brauche ich, aber so ein exaktes Durchplanen führt bei mir irgendwie zu "seelenlosen" Figuren.
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Farean am 29. März 2011, 16:19:11
Was ich mich bei solchen Methodiken immer frage: wie erfolgreich wenden ihre Erfinder sie selbst an?

Andreas Eschbach hat es mal gut auf den Punkt gebracht: wenn solche Schemata das A und O wären, müßten die Verfasser von Schreibratgebern zugleich die großartigsten Schriftsteller der Welt sein, deren Werke den Leser total umhauen. Aber Leute wie z.B. James N. Frey sind hauptsächlich für ihre Sekundärliteratur übers Schreiben bekannt; als Romanautoren haben sie eher mäßigen Erfolg. Und wenn sogar der "Handwerker" Eschbach solche Herangehensweisen als zu formalisiert betrachtet, sagt das in meinen Augen eine Menge aus.
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Zitkalasa am 29. März 2011, 16:49:44
Nja, diese Bücher heißen ja auch Ratgeber, nicht Anleitungen oder gar Grahle. *g*

Ich denke, ob der Entwickler einer Methode selbst damit erfolgreich ist -- oder wie erolgreich er überhaupt ist -- sagt nichts darüber aus, ob ein einzelner anderer Mensch denn der Autor damit arbeiten kann.
Erfolgreich ist auch eine Methode, wenn sie das erfüllt, wofür sie geschaffen wurde. Wenn jemand also mit der Schneeflocke einen Roman zusammen bekommt, dann ist die Methode auch erfolgreich. Wie gut der Roman allerdings ist, hängt vom Autor ab -- und wie gut er sich dann verkauft, liegt wieder an den Lesern (und am Marketing).

Ob die Schneeflocke für mich erfolgreich war? Nein. Im Gegensatz zu Luna scheiterte ich an der Aktefrage. Woher soll ich wissen, was der Höhepunkt meiner Geschichte ist, wenn ich die Figuren nicht kenne und nicht weiß wie die Welt aussieht? Von einer Prämisse allein kann ich keine Geschichte stemmen. Vorallem halt wenn ich keine Welt habe. Die ist bei mir Grundvoraussetzungen. Dann kommen die Charaktere mit ihren Zielen und Wünschen -- und dann lass ich beides aufeinander los.
Nicht zuletzt finde ich den Begriff Prämisse unglücklich gewählt. Als wenn es so etwas besonderes ist. Dabei steckt in vielen Fällen nur die Aussage des Autors dahinter bzw. der Sinn und Zweck der Geschichte. (Zumindest denke ich, dass es wichtiger ist, meinen Geschichten eine Aussage zu geben anstatt die Charaktere zur Wurzel der Geschichte zu machen. Das erscheint mir irgendwie zu willkürlich.)

Dass Eschbach die Schneeflocke als zu formalisiert betrachtet, liegt vll. einfach daran, dass es nicht seine Arbeitsweise ist. Das macht Methoden im Allg. aber nicht überflüssig. Ich mein, solche Schreibratgeber werden idR. dann gelesen, wenn jemand Hilfe sucht* und dieser jemand ist auch idR. nicht so erfahren bzw. hat selbst keine eigene Methode. Da interessiert es diese Hilfesuchenden einfach: "Wie machen das die anderen? Vll. funktioniert es ja auch bei mir." Also greifen sie nach diesen Büchern, diskutieren die Methoden mit anderen tot, wiel sie sie nicht verstehen, nehmen alles furchtbar ernst -- und erkennen dann irgendwann, dass es nicht ihr Ding ist und sie es lieber so und so machen würden. War bei mir nicht anders und jetzt habe ich halt meine ganz eigene Herangehensweise, die ich immer mal wieder abänder oder erweitere. :)

(* Ich selber lese auch den ein oder anderen Ratgeber, einfach weil es mich interessiert wie es die anderen machen. Ganz genauso, wenn hier immer einer fragt, wie macht ihr das und das, Notizen sortieren, den Arbeitsplatz ordentlich halten, etc. pp. :) )
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Derexor am 29. März 2011, 16:53:42
Hmm...
Keine einfache Frage. Allerdings muss man eine Gegenfrage stellen: Warum lernen manche Leute z.B. viele Naturwissenschaften in der Schule und stellen dann plötzlich selbst Theorien auf?
Ganz übertragen lässt sich dass nicht, aber es hilft zu dem einzigen, bei dem diese Bücher einem helfen können: Denkprozesse anregen.

Die Methode an sich schärft ein bisschen das Erfassen von dramatischen Strukturen.
Und was heißt erfolgreich? Ein Rezept einen Bestseller zu schreiben gibt es nicht.
Wenn diese Dinge helfen, dann einfach machen. Wenn nicht, dann nicht. Man sollte nie aufhören zu denken und sich auf etwas zu verlassen. Nichts ist fest. Alles ist erlaubt. Nur nicht für jedes Publikum.
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Sorella am 29. März 2011, 16:59:11
@ Farean Bitte nicht in den falschen Hals bekommen, das ist nur MEINE Meinung:
Der Erfinder braucht es mMn nicht anwenden, auch sonst braucht es keiner auf der Welt anwenden. Es braucht auch niemand gut zu finden und trotzdem kann es mir persönlich in meiner Situation helfen.

@Zitkalasa  Der Begriff Prämisse stößt mir auch unangenehm auf. Er scheint sich aber einigermaßen festgesetzt zu haben, daher verwende ich ihn auch. Ich gebe dir Recht, dass er gekünstelt und aufgeblasen wirkt, obwohl es einfach nur die Kernaussage (oder auch Kernhandlung) der Geschichte ist.

Bin gespannt ob sich in der Diskussion ein eingefleischter Schneeflocken-Jünger findet, der Schritt 1 bis 10 kompromisslos durchgezogen hat ;D ...   
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: zDatze am 29. März 2011, 17:04:43
Tihi. Hab auch grade meinen alten Post hier gelesen und mir fällt gerade absolut nicht ein, welche Geschichte ich damals mit der Schneeflocke geplottet habe ... meine kleine Diebin, vielleicht? Auf jeden Fall ist das Projekt damals sang und klanglos im Schulstress versunken. ::)
Das sagt jetzt natürlich nichts über die Methode aus, nur über meine Arbeitsweise. Ach. Egal. Ich werde wohl mal mein altes Notebook nach der Datei durchstöbern.

Einige Dinge sind von der Methode hängen geblieben und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich sonst ewig gebraucht hätte um zu verstehen, dass es durchaus Sinn macht so nützliche Dinge wie die Motivation meiner Charas und einen fertigen Plot vorher auszuarbeiten. ;D
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Farean am 29. März 2011, 17:15:31
Dass Eschbach die Schneeflocke als zu formalisiert betrachtet, liegt vll. einfach daran, dass es nicht seine Arbeitsweise ist. Das macht Methoden im Allg. aber nicht überflüssig.
Das hatte ich auch nicht sagen wollen. :D Sorry, wenn es so angekommen ist. Klar, so eine Richtschnur kann dir sicher helfen, dein Szenario aufzubauen. Ich will hier bestimmt kein Plädoyer für das dadaistische, chaotische, rein inspirationsgetriebene Schreiben halten.

Mir war halt nur aufgefallen, daß sogar Eschbach, der das Schreiben nach eigener Aussage als reines Handwerk betreibt und den deutschen "Geniekult", wie er es nennt, ablehnt, sich gegenüber einer dermaßen strikten Formalisierung des Schreibens skeptisch äußert. (Ich weiß nicht mehr, ob es gerade die Schneeflocken-Methode war, es ist eine Weile her, daß ich von ihm gelesen habe.)

@ Farean Bitte nicht in den falschen Hals bekommen, das ist nur MEINE Meinung:
Keine Sorge! :) Ich hoffe, daß du umgekehrt auch mein Posting nicht in den falschen Hals bekommen hast. Ich habe schließlich auch nur meine Meinung geäußert, und die würde ich mit den Worten zusammenfassen: solche Schemata sind mit Vorsicht zu genießen. Wenn es dir hilft, beim Schreiben in Fahrt zu kommen, wende um Himmels Willen die Schneeflocke an und laß dir da nicht reinreden. Es ist nur so, daß ich selbst mit Versuchen, in dieser Form systematisch und durchgeplant zu schreiben, sehr schlechte Erfahrungen gesammelt habe. :-\
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Lavendel am 29. März 2011, 17:52:44

Mir war halt nur aufgefallen, daß sogar Eschbach, der das Schreiben nach eigener Aussage als reines Handwerk betreibt und den deutschen "Geniekult", wie er es nennt, ablehnt, sich gegenüber einer dermaßen strikten Formalisierung des Schreibens skeptisch äußert. (Ich weiß nicht mehr, ob es gerade die Schneeflocken-Methode war, es ist eine Weile her, daß ich von ihm gelesen habe.)

Ich denke, es ist nicht unbedingt verkehrt, sich an ein Schema zu halten - um ein Gerüst zu bauen, um erstmal zu sehen, wie ein Roman überhaupt strukturiert ist. Wenn man das tut, dann sollte man allerdings auch keine Angst haben, von dem Schema abzuweichen. Wenn man ein paar Romane geschrieben hat, dann weiß man, dass eine Geschichte sich im Verlauf des Schreibprozesses stark verändern kann. Charaktere entwickeln sich anders als gedacht oder andere Details passen doch nicht so gut zusammen, wie man dachte. Das erfordert es dann, das ganze mühsam aufgestellte Konzept (und ich finde es wirklich mühsam, die gesamte Schneeflockenmethode anzuwenden) mittendrin womöglich komplett umzuwerfen. Dass man davor nach der ganzen Arbeit vielleicht zurückschreckt ist klar. Und wenn man sich dann strikt ans Konzept hält, verliert man entweder die Lust oder man setzt das Ding in den Sand.
Also, um anzufangen, kann es schon helfen, aber man muss dann auch erkennen und akzeptieren, dass allein das Konzept vielleicht nicht reicht.
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Luna am 30. März 2011, 08:35:24
@ Zitkalasa
Zitat
Im Gegensatz zu Luna scheiterte ich an der Aktefrage. Woher soll ich wissen, was der Höhepunkt meiner Geschichte ist, wenn ich die Figuren nicht kenne und nicht weiß wie die Welt aussieht?
Oh, da hast Du mich falsch verstanden oder ich habe mich unglücklich/wirr ausgedrückt ;). Im Grunde ging es mir da ähnlich wie Dir. Auch ich scheiterte an der Drei-Akte-Frage.
Bei mir war es so, die Charaktere kannte ich im Groben schon, wußte so in etwa, was im Laufe der Handlung passieren soll, nur, das waren leider keine Höhepunkte im Sinne dieser Methode :happs:.  Und da ich mich zu sehr darauf versteift habe, unbedingt drei Höhepunkte finden zu müssen, habe ich welche kreiert, die, wie sich im Nachhinein herausgestellt hat, alle murks waren. Ich musste später vieles über den Haufen werfen und umplotten. Ohne diesen Druck (den ich mir selbst gemacht habe) ging es mir besser. Ich war freier.
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: caity am 30. März 2011, 09:01:12
Hallo,

nur mal kurz reingeworfen: Ich glaube, die Aktefrage setzt voraus, dass man sich auf einen Charakter im Roman konzentriert und ihn als Drehachse von allem ansieht. Zumindest klappt das bei mir soweit ganz gut. Sobald man aber mehrere Charaktere hat, haben die zum Teil auch an unterschiedlichen Stellen im Roman ihre drei Aktwenden ...
Ansonsten: das schöne an der Schneeflocke ist ja auch, dass man die Punkte in verschiedenen Reihenfolgen abarbeiten kann. Ich persönlich finde die Schritte je für sich alle sinnvoll und es ist imho gut, sich darüber Gedanken zu machen. Nur, wann was gemacht wird, das ist bestimmt von Autor zu Autor unterschiedlich und da muss jeder seine, ihm persönlich passende Abfolge finden.
Es ist doch toll, wenn ihr wisst, dass ihr eure Charaktere zuerst braucht, dann könntet ihr mit Schritt 3, 5 und 7 anfangen - wobei ich persönlich finde, 7 könnte man auch später machen - und danach erst 1, 2 und 4. Vielleicht ist das mal ein Versuch Wert.

Zum Thema "Welten": Die Schneeflockenmethode ist ja nicht für Fantasy-Romane konzipiert worden, deshalb finde ich es zwingend notwendig, sich die Regeln der Welt separat zu überlegen und hierfür zu anderen Hilfsmitteln zu greifen - wobei: Kann man die Welt als eigenen Charakter betrachten?  :hmmm:
Vermutlich nicht ^^"

Bye
caity
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Farean am 30. März 2011, 09:08:48
Kann man die Welt als eigenen Charakter betrachten?  :hmmm:
Man kann. ;D Hatt' ich schon, wenn auch in der SF, nicht in der Fantasy.
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Zitkalasa am 30. März 2011, 11:19:47
Stimme Farean zu. Besonders in der HF, mit ihren Kriegen im Hintergrund. Die brauchen ja auch ihren Verlauf. :)

Nja, Charaktere und Welt entwickeln sich dann doch irgendwie synchron. Zuerst Welt und dann Charaktere, wie ich schrieb, gilt bei mir nur für das allernötigste Grundgerüst. Wie sieht meine Welt aus, wo mangelt es ihr? Was will mein Charakter, im Rahmen der Welt, für sich und vll. auch für andere erreichen? Nja.
Wenn wir mein letztes NaNo nehmen. Da hatte ich auch zuerst Jindric mit seiner Geschichte und bastelte dann ein bisschen an der Welt. (Ich mein, ein König der foltern lässt und völlig unfähig ist als Feldheer, wo doch ein seinen westlichen Landesgrenzen der Krieg tobt?) Jindric schien mir aber zu gefangen in seiner Rolle, als dass er von alleine seinen Job hinwirft und auszieht. Ohnehin sah er keinen Weg wie er das bekommen kann, was er will. Dann kam Liska. Sie hat ihre eigene Last damit zu tragen, was für Jindric aber nötig ist, sein Ziel zu erreichen. Mit ihrem Auftauchen hat er es plötzlich und kann ausziehen. Hm, jetzt im Laufe des Plottens war es mir zu langweilig, dass beide ohne Stress durch die Pampa ziehen. Also nutzte ich es, dass Liska als böse Hexe verschrien ist und schuf einen fanatischen Glaubensorden, der Hatz auf sie macht, um sie verbrennen zu können. Mittlerweile fehlt mir etwas die Zeit, um weiter daran zu arbeiten, aber ich bin mir sicher, dass sich im Laufe weiteren Plottens noch weitere solcher Möglichkeiten ergeben.

Als ich die Schneeflocke ausprobierte, saß ich dagegen an einem Projekt mit fünf Haptcharakteren, die durch ein Spiel in einer fremden Welt landen und dieses Spiel mit all seinen Gefahren zu Ende spielen müssen. (Ja, Jumanji prägte.) Das funktionierte aber nicht. Also lenkte ich um: Sie finden ein Buch, mit dem man durch die Zeit reisen kann, und in diesem Buch ist auch ein Zettel. Nja, sie wollen halt rausfinden, was mit dem Zettel ist und reisen so durch die Welten. Der Zauberer, der dieses Buch erschuf, sollte auch noch eine Rolle spielen, aber ich weiß nicht mehr genau welche. Aber auch hier scheiterte die Schneeflocke -- obwohl ich mich bei diesem Versuch 1.2 nicht an die Reihenfolge hielt.

Das Problem mit der Schneeflocke ist, dass man sie nicht anders abhandeln kann. Was vll. zu skippen ist, ist ihre Aufforderung, die Handlung am Anfang in einem Satz darzustellen oder so. Wenn ich keinen Überblick über die Handlung habe ... Nja. Mir fällt es auch schwer mich bei neuen Ideen kurzzufassen, weil mein Hirn automatisch anfängt Brainstorming zu betreiben. Ich find den ersten Punkt also schon total doof und bremsend. *g*
Ich habe einfach das Gefühl, dass die Schneeflocke nur dann funktioniert, wenn man Charaktere und Handlungen einfach so aus dem Ärmel schütteln kann -- und wenn man gern Punkt für Punkt durchgeht. Ich springe selbst zu sehr zwischen den einzelnen Dimensionen einer Geschichte, dass ich da linear arbeiten könnte.

Die Schneeflocke ist halt eine ziemlich spezielle Methode.

@Luna

Genau die Erfahrung habe ich auch gemacht.
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Sorella am 30. März 2011, 12:46:27
Keine Sorge! :) Ich hoffe, daß du umgekehrt auch mein Posting nicht in den falschen Hals bekommen hast.

Nee, nee, kein Problem - Eine kritische Beleuchtung von allen Seiten ist immer gut.  ;)

Ansonsten bin ich sehr gespannt, ob ich bei der nächsten Geschichte freier arbeiten werde. Lavendels Einwurf, dass gerade anfangs eine Struktur hilfreich ist, aber bei steigender Erfahrung nicht mehr so notwendig ist, könnte durchaus zutreffen.

Ein wichtiger Punkt ist mMn immer die rückwärtige Korrektur der vorangegangenen Schritte.
Die Prämisse, die ich z. B. zu Beginn hatte, übrigens auch beinahe alle Charakterzusammenfassungen, musste ich im Verlauf des Schreibens völlig umkrempeln. Am Ende hatte ich jedoch als Anfänger bereits ein ansehnliches Verkaufswerkzeug an der Hand.

(Ob mein Schreibstil und die Umsetzung gefällt, steht allerdings derzeit noch auf einem anderen Blatt  ;D Wenn man nicht gut genug schreibt, hilft auch die schönste Methode nichts ... )
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Judith am 30. März 2011, 12:56:43
Ich habe einfach das Gefühl, dass die Schneeflocke nur dann funktioniert, wenn man Charaktere und Handlungen einfach so aus dem Ärmel schütteln kann -- und wenn man gern Punkt für Punkt durchgeht. Ich springe selbst zu sehr zwischen den einzelnen Dimensionen einer Geschichte, dass ich da linear arbeiten könnte.
Genau das ist bei mir eins der Hauptprobleme mit der Schneeflocken-Methode und mit detaillierten Planungen jeglicher Art. Figuren funktionieren nämlich bei mir am besten, wenn sie sich im Schreiben entwickeln und ich ihnen zumindest teilweise freie Hand lasse. Die interessantesten Wendungen oder coolsten Entwicklungen sind bei mir oft durch die hohe Eigeninitiative von Figuren entstanden.
Den genauen Weg der Figuren hingegen noch vor dem Schreiben zu planen, funktioniert bei mir nicht wo richtig. Das eine Mal, wo ich es gemacht habe, ist es, wie gesagt, in die Hose gegangen.

Was nicht bedeutet, dass ich es nicht für sinnvoll halte, einen Roman nach der Schneeflocken-Methode zu planen. Im Gegenteil: Ich beneide alle, die auf diese Weise arbeiten können.
Bei mir funktioniert es eben nicht, weil ich auf viele Dinge erst durch das Schreiben an sich stoße. Klar überlege ich mir vorher einen groben Handlungsverlauf und vor allem eine genaue Ausgangssituation. Aber detailliertes Planen klappt nicht. Die wirklich guten Ideen kommen mir fast nie im Vorfeld oder beim Plotten, sondern erst beim Schreiben oder manchmal sogar erst, wenn die Rohfassung schon steht.  :-\
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: caity am 30. März 2011, 13:47:58
@ Zitkalasa:
Jetzt frage ich mich gerade: bist du, wie Judith schreibt, jemand, der erst während dem Schreiben die Ideen entwickelt? Ansonsten verstehe ich nämlich bei deiner Vorgehensweise nicht ganz, warum du nicht z.B. mit Schritt 05 anfängst, das wäre für dich doch eigentlich ideal, so wie du es bisher beschreibst.

Ansonsten finde ich die Schneeflocke einfach auch geschickt, um das Projekt zu vermarkten. Gerade Schritt 02 und 04 eignen sich imho hervorragend als Grundlage für ein Exposé, und das kann man auch noch schreiben, wenn die Geschichte bereits geschrieben ist, Schritt 10 (das Schreiben selbst) gehört ja genaus zu der Vorgehensweise wie die Planungen ;)
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Zitkalasa am 30. März 2011, 14:27:11
Nein, bin ich nicht. Aber ich habe viel Vorlaufzeit. Auch weil ich viel recherchiere, da ich sonst blockiert bin da zu schreiben. Deswegen hatte ich letztens im Haustiere-Thread die Frage gestellt. Dass meine Werwolfsdame auf Haushunde und Wölfe trifft, ist nicht plotrelevant. Da ich aber keine Ahnung habe wie sich Hunde und Wölfe im Verhalten unterscheiden, könnte ich trotzdem keine Szene einbauen, wo sie auf HH/W trifft und dabei vll. ins Fettnäpfchen tritt.
Ich entwickel viel Welt vorher. Wenn ich weiß, dass meine Protas in ein Wirtshaus kommen, mache ich mir vorher Gedanken um die Architektur, wo das Ding steht, was da für Leute drin sitzen könnten, was der Wirt für 'ne Type Mensch ist (vll. auch irgendetwas aus seiner Vergangenheit festlegen, warum er so ist wie er ist). Wenn ich einen Wald habe, überlege ich, was da wächst, was da lebt, ob es Geistergeshcichten gibt und welche davon wahr sein könnten -- und ob meine Protas nicht mit so einer Geschiche konfrontiert werden können. Wenn mir Szenen vorm geistigen Auge schweben, merke ich sie mir entweder, wenn es ein Projekt ist, dass ich aktiv bearbeite, oder ich schreib es mir in Stichpunkten auf.
Das alles passiert bei mir zwar schriftlich, aber nicht als Fließtext, der komplett ausformuliert ist mit Dialog und Trallala. Das wird alles vorher überlegt -- und manches davon auch wieder verworfen. Bis ich anfange den Roman zu schreiben, dauert es wirklich lange. Manchmal merke ich dadurch aber auch, dass meine Idee einfach nicht funktioniert, egal wie ich sie drehe oder wende (wie die mit dem Zauberer und dem Reisebuch). Dann brech ich es ab, trauer ein bisschen nach und arbeite dann an neuen Ideen. (Das ist auch das schöne an diesem ausführlichen Plotten: Ich kann zwischen einzelnen Projekten hin und her springen ohne mir Sorgen zu machen, dass sich nach einem halben Jahr Pause den Ton der Geschichte nicht mehr treffe -- gab ja noch keinen. :) )

Wobei diese Vorgehensweise auch nicht so alt ist. Ich schreibe seit, warte, 8 bis 9 Jahren. Die ersten 4 bis 5 habe ich dabei so allein vor mich hingeschrieben, ohne Plan, ohne alles. Waren eh nur meine Mary Sue-Phantastereien. Dann habe ich angefangen mich mit dem Handwerk auseinander zu setzen, viel Kurzes geschrieben. Seit vll. zwei Jahren probier ich jetzt schon diese Methode -- und ich mag sie wirklich. Ich such jetzt nur noch Wege, wie ich bspw. die Recherche schneller machen kann ohne dabei zu oberflächlich zu werden oder wie ich mein Hirn dazu bekomme, dann etwas auszuspucken, wenn ich Zeit habe und es brauche -- und die Ideen gleich halbwegs brauchbar sind. Auf der anderen Seite habe ich mich damit abgefunden, dass ich Zeit brauche und ziemlich penibel bin. Anders als bei Prüfungen beweise ich bei meinen Geschichten keinen Mut zur Lücke, weil es vll. gerade die Lücke sein kann, die so tief geht und somit alles einstürzen lassen kann.
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Dogtales am 30. Mai 2012, 16:52:43
Ich hoffe, ich darf den hier noch aus der Versenkung holen. Ich hatte ja schon seit geraumer Zeit vor, meine Erfahrungen mit der Schneeflocke aufzuschreiben. Nur ist mir diese geraume Zeit bisher immer abhanden gekommen ...

Meinen Roman habe ich, meinen Aufzeichnungen zufolge 2004 angefangen, damals noch arg planlos und arg ... nichtswissend. In der Zwischenzeit haben mein Roman und ich uns weiterentwickelt und sind, nach anfänglicher Euphorie, schnell in ein großes, tiefes Plotloch gefallen. Und warum? Weil es (eigentlich) gar keinen Plot gab. Es gab Charaktere, einen Anfang und ein gefühltes Ende, dazwischen war dunkle Suppe. Nicht weiter verwunderlich also, dass da nichts weiter ging. Dann gab es ja zum Glück den Tintenzirkel und diesen netten Beitrag. Und weil‘s ja eigentlich nicht schaden konnte, hab ich mich der Methode angenommen und sie auf meine Geschichte übertragen.

Das war im Januar.

Ich hatte ja nun bereits Vorkenntnis über die Handlung und die Charaktere, habe also, anders als es (eigentlich) laut Randys Methode gemacht wird, nicht direkt beim Urschleim angefangen, habe mir aber Mühe gegeben, so weit wie möglich alles außen vor zu lassen und somit möglichst unvoreingenommen an die Sache ranzugehen.
Zur Grundlage habe ich mir im Übrigen die englische Version auf seiner Seite genommen, der Ausführlichkeit halber.

Mit Schritt 1 hatte ich, ehrlich gesagt, große Probleme. Ich bin ja noch relativ neu im Geschäft und wollte ganz, ganz viel mit meinem Roman aussagen und hatte meine Schwierigkeiten, mich auf das Wesentlichste zu konzentrieren. Da sind viele Sätze in den Papierkorb gewandert :) Schritt 2 war dafür schon erstaunlich hilfreich. Auch arbeitsintensiv, aber er hat mir die entscheidende Erkenntnis gebracht, woran ich arbeiten müsste und wie es funktionieren könnte.
Schritt 3 (die Charaktere) und Schritt 4 (Ausbau von Schritt 2) gingen mir hingegen recht leicht von der Hand. Ich kannte meine Charaktere schon und die Einordnung in eine geschlossene Handlung tat ihnen gut. Manche haben sogar eine ganz neue Funktion bekommen.
Auch Schritte 5 bis 8 gingen ganz locker flockig von der Hand. Mein Plot ist gewachsen, meine Ideen sind gesprossen und ich hatte Spaß bei der Arbeit. Das ganze lief so gut, dass ich das sogar nebenbei, in den Mittagspausen machen konnte und nach einem Monat hatte ich den Plot stehen. So schnell und so produktiv habe ich an diesem Roman in den letzten 7 Jahren nicht gearbeitet.
Mit Schritt 8 habe ich erst ein wenig gehadert, wegen des Aufwands. Aber auch das habe ich durchgezogen, habe die Dokumente, die ich geschrieben hatte, auseinander genommen und in eine Excel-Tabelle gepackt. Alles sortiert und hin und her geschoben. Nach Charakteren und Storylines gruppiert. Wieder sortiert. In Szenen gegliedert und auf Karteikarten übertragen. Wieder sortiert. Ende März war ich auch damit fertig. Und ich war zufrieden. So richtig zufrieden und ich hatte das Gefühl, endlich wird's was mit dem Roman. Ein gutes Gefühl, in Anbetracht der Lebensdauer dieses Babies  ::)

Die Kritik von Lavendel

Zitat
Und diese Methode lässt sehr wenig Platz für solchen 'Schnickschnack', der eine Geschichte aber auch das gewisse Etwas geben kann. Ich kann mir durchaus eine Szene vorstellen, in der jemand (um mal auf das alte Beispiel zrückzukommen), in der Sonne liegt und sich wohlfühlt, ohne dass jemand etwas tut, das ihn/sie dabei stört. Vielleicht, nach einem actionreichen Plotteil.
kann ich in dem Fall nicht bestätigen.
Ich habe mir meine Szenen grob aufgeschrieben, also, wer handelt, was passiert. Aber eben nur soweit, wie sie für den Fortgang der Geschichte notwendig sind. Beim Schreiben selbst bleibt mir noch genügend Raum, die Szenen auszubauen, den Charakteren ein wenig Platz zum Leben und Spielen und Schwafeln zu lassen. Ich weiß zwar, in welche Richtung es geht, aber die Geschwindigkeit der einzelnen Szenen und ob ich nicht noch eine - für mich angenehme, für den Fortschritt belanglose - Szene mit einbauen möchte, bleibt immer noch mir selbst überlassen. Es wird ja nichts vorgeschrieben.

Alles in allem also eine sehr schöne Methode, um sich der Hintergründe und dem Plot des Romans klar oder besser, bewusster zu werden. Ich bin zufrieden und habe wie gesagt, in recht kurzer Zeit recht viel geschafft.

ABER, ja, warum hänge ich dann schon wieder?

Weil Judith sagt

Zitat
und die Planung der Figuren hat dazu geführt, dass ich ihnen beim Schreiben keine "freie Hand" mehr zugestanden habe - wodurch sie blass, starr und widersprüchlich geworden sind.

Und weil eben diese Methode meiner Meinung nach zwar sehr schön auf den Plot eingeht, aber nicht auf die Charaktere. Vielleicht habe ich die Punkte auch nicht ausführlich genug betrachtet, aber, jetzt, wo alle meine Charaktere ein Ziel haben, eine Richtung, in die sie gehen können, die auch einigermaßen verständlich, logisch und nachvollziehbar ist, fällt mir auf, dass sie kein Leben besitzen. Die Methode geht mir zu wenig auf die Gefühlswelt der Charas ein, auf ihre Eigenheiten und Merkmale, die die Charaktere unverkennbar machen und ihnen Leben einhauchen. Sie wirken zwar durchdacht, aber in ihrem Wesen irgendwie stereotyp. Und darauf geht Randys Methode leider nicht ein. Was das betrifft, muss man sich definitiv anderer Möglichkeiten bedienen (und die muss ich mir noch raussuchen, weil ich sonst nicht weiterkomme).
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: caity am 30. Mai 2012, 16:57:22
Hallo Dogtales,

Zitat
Vielleicht habe ich die Punkte auch nicht ausführlich genug betrachtet, aber, jetzt, wo alle meine Charaktere ein Ziel haben, eine Richtung, in die sie gehen können, die auch einigermaßen verständlich, logisch und nachvollziehbar ist, fällt mir auf, dass sie kein Leben besitzen. Die Methode geht mir zu wenig auf die Gefühlswelt der Charas ein, auf ihre Eigenheiten und Merkmale, die die Charaktere unverkennbar machen und ihnen Leben einhauchen. Sie wirken zwar durchdacht, aber in ihrem Wesen irgendwie stereotyp.

Ich habe dabei immer das Gefühl, das unglaublich viel an diesem fünften Schritt hängt. Je nachdem, wie man den macht und wie man da an die Charaktere herankommt, so lebendig werden sie auch nachher. Wie hast du denn diesen fünften Schritt gemacht? Weil ich schaue da immer, dass ich zwar meine grobe Struktur habe, aber dann einfach mal die Charaktere erzählen lasse, wie sie sich bei Ereignis XY gefühlt haben, und dadurch gewinnen sie imho unglaublich viel Lebendigkeit.

Bye
caity
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Dogtales am 30. Mai 2012, 20:51:14
Danke für die (schnelle) Rückmeldung, caity  :)

Ich habe dabei immer das Gefühl, das unglaublich viel an diesem fünften Schritt hängt. Je nachdem, wie man den macht und wie man da an die Charaktere herankommt, so lebendig werden sie auch nachher. Wie hast du denn diesen fünften Schritt gemacht? Weil ich schaue da immer, dass ich zwar meine grobe Struktur habe, aber dann einfach mal die Charaktere erzählen lasse, wie sie sich bei Ereignis XY gefühlt haben, und dadurch gewinnen sie imho unglaublich viel Lebendigkeit.

Ja, das Gefühl habe ich jetzt mittlerweile auch, dass dieser eine Schritt so ziemlich einer der wichtigsten ist. Aber man lernt ja noch und nie aus, nicht wahr :)
Ich glaube, ich bin diesen Schritt zu theoretisch angegangen und habe mich ein wenig zu sehr auf das beschränkt, was in der "Anleitung" angegeben ist. Sprich, ich habe mich auf den Plot an sich konzentriert und welche Rolle jeder Charakter dabei spielt. Und natürlich auch den Hintergrund der Charaktere. Ich habe ihnen so zwar reichlich Füllmaterial gegeben, aber sie können es nicht rüberbringen. Ich habe sie eigentlich nicht selber zu Wort kommen lassen und deswegen konnten sie wohl auch kein eigenes entwickeln. Aber deine Idee finde ich gut, ich werde sie einfach mal selber erzählen lassen, statt ihnen jedes Wort vorzugeben  ;D
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Ludovica am 12. August 2012, 22:10:41
Ich bin bei meiner Superheldengeschichte momentan sozusagen bei Schritt 8 angelangt, allerdings habe ich ein wenig geschummelt, weil ich nebenbei auch noch Elizabeth George's Schreibratgeber lese und ihre Szenen-Methode einfach sehr interessant finde (sie schreibt die Szenen ja schon sehr früh in der Entwicklung des Romans aus, und hat vor allem eine sehr nützliche Methode, diese Szenen miteinander in Verbindung zu setzen, finde ich).

Was ich gemacht habe, war, dass ich im Prinzip Schritt 1 bis 5 chronologisch gemacht habe (vor allem die kurzen Charakterbeschreibungen und die Plots aus Sicht der Charaktere haben mir wahnsinnig geholfen, sowohl in die Charakter als auch in die Story selbst reinzukommen), und jetzt bin ich bei dem Szenenblatt a la Elizabeth George, was im Prinzip ähnlich wie Schritt 8 funktioniert, aber weniger detailiert (eventuell packe ich das ganze noch in Writer's Cafe, um bei den Locations und Charakteren in den Szenen ein wenig Ordnung reinzubekommen, mal sehen). Ich mache Schritt 6 im Prinzip parallel dazu (ich muss einfach wissen, wer wann was macht, sonst kann ich keine so lange Beschreibung reinpacken).

Das mit den Szenen ist vor allem deshalb wahnsinnig praktisch, weil ich da herumschieben kann wie ich mag, und ich bin einfach eine sehr organisationsbewusste Person - es gibt ja einen Grund, warum ich so gern Grammatik anderer Sprachen büffle ;) Ich glaube aber, die Charakterblätter werde ich mir vorerst sparen, und eher während dem Schreiben erstellen (so dass meine Charaktere nicht auf einmal im zweiten Teil des Buches Erdbeeren essen, obwohl ich im ersten Teil geschrieben habe, dass sie darauf allergisch reagieren...). Vielleicht mach ich das auch in Pausen während des Schreibens - aber für mich ist jetzt erst mal wichtig, wirklich zu schreiben anzufangen.

Das ist auch eine der Sachen, die für mich an dieser Methode funktionieren. Man hat eine gewisse Anzahl von Schritten - und dann muss man aber endlich in die Tasten hauen. Das ist bei mir eigentlich immer das größte Problem: dass ich einfach ewig plane und plotte und Charaktere erstelle und so weiter, und dann am Ende nie zum Schreiben komme (bei meinem letzten Projekt hab ich das so lange gemacht, dass ich es schließlich einmotten musste, weil ich absolut rausgewachsen bin).

Also, wie bei den meisten Sachen denke ich, dass das hier durchaus eine gute Basis ist - aber man muss eben wissen, wie man selbst am besten arbeitet. Entweder lässt man ganz die Finger davon, oder versucht es wirklich danach (wenn man sich damit wohl fühlt), oder man mixt das ganze ein wenig durch oder ergänzt es mit anderen Dingen  ;D Das ist immerhin bei allen Arten von Rezepten so. Man hört ja schließlich auch nicht auf, einen Auflauf nach Rezept zu kochen, nur weil man keine Zucchini daheim hat oder wenn man die Dinger nicht mag. Dann nimmt man halt doppelt Auberginen oder Karotten oder was auch immer. Im Endeffekt sollte man sich auf sein Gefühl verlassen, denke ich mal.
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Rhi am 24. August 2012, 10:54:36
Ich glaube, ich bin eine Chaos-Schreiberin...

Diese Schneeball-Methode finde ich sehr interessant, danke, dass sie so ausführlich beschrieben wurde. Ich sauge momentan jede Hilfe auf und ich glaube, dass ich die "Schneeflocke" mal ausprobieren werde. Man kann sie ja bestimmt auch etwas umwandeln, also an die eigenen Bedürfnisse anpassen...so zu sagen.
Auf die Gefahr hin, dass ich jetzt die Pfanne über den Kopf gezogen bekomme, oder allen die Kinnlade runterklappt: Ich habe noch nie eine Geschichte geplant. Ich schreibe einfach drauf los. Keine Ahnung, ob das gut oder schlecht ist...

Aber mich spricht die Schneeball-Methode insofern an, als dass man sich von einem ersten Satz zu einem kompletten Gerüst "hocharbeitet".

Kann man diese Methode auch nachträglich anwenden, auch wenn man schon mitten im Schreiben ist? Denn momentan weiß ich noch nicht, wie es in meiner Geschichte enden wird...vielleicht würde mir das etwas mehr Sicherheit bringen, zu wissen, wohin man eigentlich will, beziehungsweise, genau zu wissen wie das Buch/Geschichte enden soll...

Ihr seht, ich bin wirklich noch eine Anfängerin  :seufz:
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Rosentinte am 24. August 2012, 11:00:22
Klar kannst du die Methode auch "in der Mitte" anwenden. Du musst einfach nur schon das Ende wissen  ;) Den groben Plot weißt du dann ja schon und kannst so ganz normal plotten, nur dass du die ersten 2-3 Teile (von den 5) schon geschrieben hast. Das macht gar keinen Unterschied.
Du kannst natürlich auch einfach den Rest in 5 Teile unterteilen und damit weiterplotten, dann kannst allerdings nicht mehr die Theorie mit Ausgangssituation, Höhepunkt etc. anwenden.
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Belle_Carys am 25. August 2012, 15:38:29
Wow, den post habt ihr grad zur rechten Zeit raufgekramt, danke dafür.
Ich sitz grad an meinem Plot für ein etwas ausgeklügelteres Vorhaben. Ich merke wie ich im Plot hänge (ich habe 7 Figuren die die Gruppe ausmacht die im Zentrum der Geschichte steht, die alle unterzubringen und beisammen zu halten, von den diversen Nebenfiguren abgesehen, bereitet mir doch etwas Schwierigkeiten), und da scheint mir ein bisschen Organisation doch angebracht.

Ich bin mir recht sicher dass ich mir die Methode auch schon mal angeschaut hab, nur angewendet hab ich sie noch nie. Also nochmal danke für den Gedankenanstoß, und los gehts :)

Liebe Grüße,
Belle
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Rhi am 25. August 2012, 19:23:36
Ich habe gerade festgestellt, dass ich doch irgendwie geplottet hab...Ich hab zu allen Charas etwas aufgeschrieben, und auch zum Ort. Das ist ja irgendwie plotten.

Aber mit Hilfe des Schneeballs habe ich jetzt (Danke für deine Worte Rosentinte, die haben mich dazu ermutigt!!) nochmal angefangen neu zu plotten. Habe mich dabei nicht ganz korrekt an den Schneeball gehalten, aber als Hilfe finde ich ihn richtig gut!
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Christian am 27. August 2012, 09:15:33
...
Habe mich dabei nicht ganz korrekt an den Schneeball gehalten, aber als Hilfe finde ich ihn richtig gut!

Normalerweise bin ich auch eher der Chaosjünger  ;D aber mit einer abgewandelten Schneeflocke habe ich ganz gut Struktur in meine Geschichten gebracht.
Ich halte mich auch nicht genau dran. Daher finde ich auch den Hinweis "Nimm, was du gebrauchen kannst, lass den Rest da"so hilfreich.
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Serafina am 27. August 2012, 12:03:11
Ich verwende gerade auch eine etwas abgewandelte Schneeflocke für eine Kurzgeschichte (der ganze Aufwand wäre für so ein Miniding sowieso zu viel). Der Anfang hat damit ganz gut geklappt, aber dann bin ich zu meiner üblichen "in Stichpunkten die ganze Handlung runterrattern"-Methode übergegangen. Naja, aber so hat mir die Schneeflocke zumindest geholfen, etwas besser in die Handlung reinzukommen und die Charaktere durchzuplanen.  ;)
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Belle_Carys am 27. August 2012, 12:46:14
Ich bin jetzt grad an Schritt drei, also den einzelnen Storylines der Charaktere dran... und da allen 7 gerecht zu werden und zwar so dass ihre Geschichten am Ende immer noch zum gewünschten Ergebnis und Handlungsverlauf passen ist schon... naja. Ne kleine Herausforderung. Dabei hilft mir das hier grad echt gut, weil es mich zwingt jetzt schon ausführlich zu sein und ich sofort merke wenn irgendwo etwas nicht zusammen läuft oder Figur A und B sich eigentlich an Stelle xyz gegenseitig helfen sollten, aber leider an unterschiedlichen Enden der Welt rumhängen und ohnehin grad nicht miteinander reden.

Außerdem gehör ich leider in die Fraktion der Leute die ne tolle Idee haben, wissen wie die Story anfängt und aufhört, ihre Charaktere recht gut kennt aber ... ja. Wie war das im Mittelteil? xD Da fehlts meistens. Das jetzt gründlich ausplanen zu müssen / können / dürfen und da direkt zu merken wo es hakt, langweilig wäre oder sonstwas ist schon ganz hilfreich. Und da ich ein disziplinloses Wesen bin, ist es ganz nützlich vorgeschriebene Handlungsschritte zu haben, die ich dann komplett abarbeite. Wenn ich nämlich jetz direkt anfang die Technik zu modifizieren dann lande ich bei: aaaaaaaaaach, das überspring ich jetzt, da kann ich mich ja später drum kümmern... Ich schätze, ihr erkennt das Problem ;)

LG und frohes Plotten euch :)
Belle
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Rhi am 29. August 2012, 07:19:07
Zitat
Normalerweise bin ich auch eher der Chaosjünger  ;D aber mit einer abgewandelten Schneeflocke habe ich ganz gut Struktur in meine Geschichten gebracht.

Das beruhigt mich Christian!

Ich habe jetzt wirklich geschafft, dank der Schneeflocke etwas Ordnung in meinen Kopf zu bringen. Und somit auch in meine Story. Ich habe die Charakterbeschreibung gemacht und zu jedem einzelnen Kapitel ein paar Sätze Inhaltsangabe geschrieben, auch bei den Kapiteln, die noch nicht existieren. Ich bin schon ein bisschen stolz, so strukturiert habe ich noch nie gearbeitet. Aber: ich fühle mich jetzt schon viel besser, da ich weiß, wo ich hin will.

Also nochmal ein Fazit: Die gesamte Schneeflocke ist nichts für mich, aber Teile daraus finde ich super!
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Naudiz am 30. August 2012, 01:14:34
Hm, ich glaube, die Schneeflocke sollte ich mir vielleicht auch mal genauer anschauen. Ich habe momentan sowas von gar keine Struktur in meinem diesjährigen NaNo-Projekt, nur jede Menge tolle Ideen, die mit reinmüssen. Mit Plotten an und für sich habe ich ja schon einige Erfahrung, und ein bisschen Schneeflocke war auch schon dabei. Ob jetzt die komplette Schneeflocke was für mich ist, wird sich dann wohl zeigen. Aber ich will nichts unversucht lassen, um dieses Mistding von Projekt endlich mal an die Leine zu bekommen.

Danke also für's Ausbuddeln des Threads. Ich hätte den sonst bestimmt übersehen.

EDITH sagt: Okay, ich habe die Schneeflocke jetzt ausprobiert und musste feststellen, dass sie überhaupt nichts für mich ist, jedenfalls nicht für dieses Projekt.
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Belle_Carys am 07. September 2012, 14:00:25
So, jetzt melde ich mich hier auch mal wieder zu Wort.

Ich befinde mich grade in Schritt drei der Schneeflocke, will heißen, meine Charaktere kommen "zu Wort". Naja. Noch nicht wirklich, aber ich bastele an ihren Storylines herum, und bisher funktioniert das für mich hervorragend.
Ich hatte mir zuvor einen zugegebenermaßen nicht sonderlich kohärenten Plot aufgeschrieben, den ich jetzt zufrieden lächelnd in die Tonne stopfen kann. Was da gerade entsteht, ist wesentlich stringenter, konfliktgeladener und am Ende (hoffentlich) einfach wesentlich interessanter zu lesen.

Ich glaube mir tut es sehr sehr gut, den Handlungsverlauf einmal bewusst aus den verschiedenen Perspektiven meiner Charaktere zu betrachten und mich zu zwingen, ihre jeweiligen Motivationen, Ziele und Problematiken auch wirklich zu formulieren. Dabei entstehen für mich gerade unheimlich viele Anhaltspunkte, nicht nur für den grundlegenden Handlungsverlauf sondern auch für die Konfliktpotentiale einzelner Erzähllinien und für Hintergrundinformationen.

Ich bin dabei jetzt gar nicht SO sehr ins Detail gegangen, so dass mir beim Schreiben immernoch (fast) alle Türen offen stehen, aber ich habe irgendwie jetzt schon das Gefühl, Ungereimtheiten ausmerzen zu können bevor sie entstehen.

Werde euch auf dem laufenden halten wie es für mich weitergeht :)

LG,
Belle
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Pandorah am 15. November 2013, 22:02:31
So, den Thread muss ich jetzt ganz dringend aus der Versenkung holen und wieder aufleben lassen. *staubt ab* Ich habe Anfang des Jahres über einen englischen Schreibblog die Schneeflocken-Methode für mich entdeckt und meinen aktuellen Roman damit durchgeplant. Ich gestehe, ich war am Anfang ein wenig skeptisch, aber je länger ich mich damit beschäftigt habe, umso begeisterter wurde ich.

Ich empfinde die Methode nicht als etwas Starres, das keinerlei Möglichkeit bietet, kreativ und spontan zu sein, sondern als ein Werkzeug, ein Gerüst. Man macht sich schlicht systematisch Gedanken zu seinen Figuren, zu dem Inhalt, zu dem Plot. Ich habe alle Punkte durchgearbeitet und ein paar noch vorab eingefügt.

Der einzige Punkt, den ich weggelassen habe, war der, der zwischen der Auflistung der Szenen und dem eigentlichen Schreiben noch eine Ausformulierung der Szenen vorschlägt. Das wäre mir zu viel geworden.

Aber ich komme ganz hervorragend damit klar! Nachdem ich alles durchgeplant habe, weiß ich, wohin es geht, was ich brauche, was noch vor mir liegt. Ich muss mich nicht grübelnd fragen, was als nächstes drankommt, ich werfe einfach einen kleinen Blick in meine schöne Tabelle und weiß es.

Das heißt nicht, dass diese Tabelle starr ist. Ganz und gar nicht, das betont der gute Mann ja auch ausdrücklich. Man soll die die Szenenauflistung im Schreibprozess entsprechend anpassen, und das kann ich nur bestätigen. Wenn ich festgestellt habe, dass sich meine Figuren noch etwas weiter austoben müssen, habe ich ihnen den Raum zugestanden. Die Szenen erweitern sich also oder werden auch mal gekürzt. Ich bin mit dieser Methode sehr produktiv und mir sehr sicher, dass ich den aktuellen Roman auch tatsächlich beenden kann, weil ich mich nicht verfranse.

Hat mittlerweile noch mal jemand anderes Ergebnisse mit dieser Methode vorzuweisen? Nutzt die noch jemand? Wie bist du denn weiter voran gekommen, Belle?
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Pintana am 16. November 2013, 07:57:39
Ich, als leidenschaftlicher Plotlosschreiber, habe ich mich dennoch mal mit der Methode befasst und ein Projekt mal wirklich vollkommen durch geplant. Und es hat tatsächlich funktioniert.
Auch wenn ich nachträglich beim Schreiben sowieso alles wieder geändert hat bin ich anhand der Schneeflocken Methode zumindest soweit gekommen, dass ich über einen Plot hatte (funktioniert für mich sonst überhaupt nicht).

Das Gerüst scheint daher mehr Hilfestellung als "zwingender Plan" zu sein und hilft wirklich sehr gut. Da es sich um eins meiner allerersten Projekte handelte kann ich sagen: Es ist definitiv auch für plotfaule Anfänger gut geeignet ;D

Würde ich mich mal wieder an einen festen Plot halten wollen, dann würde ich die Schneeflocken-Methode auch wieder dafür benutzen.
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Pandorah am 16. November 2013, 21:20:17
Ja genau, dafür ist es gut! Man befasst sich mit dem Plot und hat danach einen roten Faden, an dem man sich entlang hangeln kann. Wenn man feststellt, dass sich die Route ändert, kann man dem dennoch folgen.

Hast du die Geschichte dann auch bis zum Ende geschrieben?
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Pintana am 17. November 2013, 12:10:06
Ja, auch wenn ich in der Mitte des 600 NS starken Manuskripts völlig abgedriftet bin und mich erst
irgendwo am Ende wieder in den ursprünglichen Plot eingefunden habe.  ;D

Trotzdem schreibe ich seither wieder ohne Plot, auch wenn ich je nach Projektlänge auch mal wieder
einen ganz groben Plan ausprobieren würde, auch wenn ich irgendwo sicher wieder abweiche könnte
das zumindest eine Richtung aufzeigen. Aber na ja, ich finde es eben im Grundsatz spannender
einfach drauf los zu tippen. Je nach Werk eben. Wie gesagt: Wenn Plot, dann mit Schneeflocke, anders
geht das bei mir gar nicht.
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Kriegerin am 28. August 2014, 14:13:59
Guten Nachmittag!

Ist jemand gerade zur Zeit aktiv dabei mit der Schneeflockenmethode zu arbeiten? Ich hab nun viel gelesen dazu, stehe aber im Grunde kurz davor. Wie eine Art Hoffnung, dass es meinen über die Jahre gesammelten StoffundGedankenwirr war zu den verschiedenen Hauptprojekten greifbarer macht.

Viele Grüße und Danke für Eure Erfahrungen,
Kriegerin
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Pandorah am 28. August 2014, 14:28:04
Ich natürlich. ;D Mein Plot für den NaNo wird gerade mit der Schneeflockenmethode durchgenommen. Für mich ist diese Methode - zumindest im Moment - der Heilige Gral.

Ob sie dir hilft oder nicht, hängt halt auch davon ab, was für eine Art Schreiber du bist. Für manche ist sie toll, manche finden sie schrecklich. Probier es einfach mal aus! :)
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: KaPunkt am 28. August 2014, 18:00:11
Ich schreibe brav mein Zauberwort nach der Schneeflocken.
Geht erstaunlich gut, hat mir geholfen, einen klaren Plot zu bauen.

Im Thread im Romanboard beschreibe ich nicht nur den Roman, sondern auch ein bisschen mein Erfahrungen mit den Schneeflocken:
http://forum.tintenzirkel.de/index.php/topic,13009.0.html (http://forum.tintenzirkel.de/index.php/topic,13009.0.html)

Liebe Grüße,
KaPunkt
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Kriegerin am 29. August 2014, 20:26:05
@Pandorah: Der Heilige Gral. Das klingt gut! Du arbeitest also damit! *freu*
 Ich hab halt das positive Gefühl, daß es was für mich sein könnte, daher suche ich nach Erfahrungen. Bin am ausprobieren, aber schon der erste Schritt ist ne gewaltige Herausforderung, eine gute, aber eine Herausforderung. In einen Satz krieg ich keins meiner Projekte gepackt.

@KaPunkt:
Oh, ich hatte nicht gehofft, gleich zwei anwender zu finden! Danke, daß Du Dich meldest.

>Geht erstaunlich gut, hat mir geholfen, einen klaren Plot zu bauen.
Genau das ist meine Hoffnung. Aber ich hänge halt bei Schritt eins noch.

Deine Erfahrungen im Romanboard mit den Schneeflocken würde ich gerne lesen, danke, daß Du mich daran teilhaben lassen magst, aber ich bin glaube ich nicht berechtigt dort zu lesen?

Ich bekomme folgende Meldung:

Ein Fehler ist aufgetreten!
Das Thema dass Du anschauen möchtest, existiert nicht oder ist für dich nicht einsehbar.

Begeisterte Grüße,
Kriegerin
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: KaPunkt am 29. August 2014, 20:28:38
Ich sehe gerade deine Post Zahl.
Noch neu hier, stimmt's?  :D
Warte noch ein bisschen, dann kannst du das Mein-Roman-Board sehen.

Liebe Grüße,
KaPunkt
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Pandorah am 29. August 2014, 21:13:41
Poste einfach fleißig mit im Forum, dann dauert es nicht lang, bis du darauf zugreifen kannst. :)

@Pandorah: Der Heilige Gral. Das klingt gut! Du arbeitest also damit! *freu*
Und wie ich damit arbeite! Ich mag gar nicht mehr ohne. ;D

Ich hab halt das positive Gefühl, daß es was für mich sein könnte, daher suche ich nach Erfahrungen. Bin am ausprobieren, aber schon der erste Schritt ist ne gewaltige Herausforderung, eine gute, aber eine Herausforderung. In einen Satz krieg ich keins meiner Projekte gepackt.
Der Satz geht sogar noch, aber an Schritt 2 stolper ich. :rofl: Ich muss auch sagen, ich nutze die Schneeflocke nicht kristalrein, sondern eher eine daran angelehnte Version. Bei Schritt 2, wo man den einen Satz auf vier ausdehen soll? Da bin ich dann spontan immer schon bei Schritt 4, wo man einen Absatz pro Akt schreiben soll. In Extremfällen sogar schon bei Schritt 6, wenn mir auf Anhieb ganz viele Ideen kommen.

Ich bin dafür, dass man mit solchen Methoden spielt und sie so nutzt, wie sie einem am besten liegen, statt sich sklavisch daran zu halten. Klar, wenn die wirkliche schrittweise Verfolgung der Schritte das beste ist für einen, dann einfach tatsächlich Schritt für Schritt vorgehen.
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Kriegerin am 29. August 2014, 23:28:58
@KaPunkt: Ich fühl mich nicht neu, da ich schon so lange da war, bevor ich mich angemeldet habe, aber wenn es an der zu geringen Postzahl liegt, mhm. Die wird sich sicher nicht so schnell ändern. Ich überlege immer sehr genau, ob ich zu einer Sache wirklich etwas Qualifiziertes beitragen kann, was wirklich jemand lesen will oder nicht.

@Pandorah: Der erste Satz geht bei Dir also problemlos? Das gut... Aber gerade da ich ein Wirrwarr habe, hatte ich eher den Gedanken, wenn ich sklavisch erst mal an Schritt 1 arbeite, zu schauen, wohin es mich führt. *schielt mal eben zu Schritt zwei rüber*

Liebe Grüße,
Kriegerin
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: KaPunkt am 29. August 2014, 23:57:07
Nix is. Schön bei Schritt 1 bleiben.
Aber Nebensätze sind ja nicht verboten. Es lebe das Komma.  ;)

Warte mal, ich verklausuliere dir  kurz meinen ersten Satz zur Verdeutlichung:
Zitat
Als A die anonyme Arbeit von B und C für sich beansprucht, kontern B und C mit immer spektakuläreren Arbeiten, um ihre Anonymität wieder herzustellen, haben aber erst Erfolg, als sie X und Y mit einbeziehen.

Siehste, nur ein Punkt. Aber jede Menge Kommas.  ;D

Liebe Grüße,
KaPunkt
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Pandorah am 30. August 2014, 00:09:18
"Problemlos" würde ich jetzt auch nicht sagen. :rofl: Aber KaPunkt hat recht - es lebe das Komma!

Den ersten Satz würde ich jetzt auch nicht ganz überspringen, der leistet dir später als Hilfe zum Pitch bei der Verlagsvorstellung gute Dienste. Aber ansonsten bin ich weiterhin dafür, von der Methode das zu nutzen, was dir weiterhilft.  :)
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Waldkatze am 31. August 2014, 17:12:13
Ich überlege immer sehr genau, ob ich zu einer Sache wirklich etwas Qualifiziertes beitragen kann, was wirklich jemand lesen will oder nicht.

Sehr löblich ;) aber auch unheimlich schade! Ich bin sicher, du hättest ganz viel beizutragen. Außerdem ist es doch so, wie beim Romanschreiben auch: Wer ihn lesen will, macht es, und wer nicht, der lässt es bleiben. Das kannst du auch dann nicht ändern / verhindern, wenn du z.B. nur alle 3 Monate 2 Sätze schreibst.
Ich würde mich jedenfalls freuen, öfters von dir zu lesen  ;D

Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Kriegerin am 31. August 2014, 21:30:33
Nix is. Schön bei Schritt 1 bleiben.
Aber Nebensätze sind ja nicht verboten. Es lebe das Komma.  ;)

Warte mal, ich verklausuliere dir  kurz meinen ersten Satz zur Verdeutlichung:
Siehste, nur ein Punkt. Aber jede Menge Kommas.  ;D

Liebe Grüße,
KaPunkt

@KaPunkt: Diese Erklärung hat mir sehr geholfen. Ich hatte die Aufgabe mit dem ersten Schritt, dem ersten Satz mehr als einen geraden klaren, evtl. auch kurzen Hauptsatz verstanden. Im Sinne von "Finstere Streiterin verhilft ihrem Dunklen Gott zu mehr Macht." Dieser Gedanke mit Kommas und Nebensatz kam erst dank Dir!

@Pandorah: Ja, ich denke ich habs so verstanden, das man das mit dem Komma und dem Nebensatz natürlich nicht überreizt. Sprich bei 20 Kommas im ersten Satz ist es auch nicht gut, aber es kann halt mehr sein als ein Satz aus ein paar Worten.

Sehr löblich ;) aber auch unheimlich schade! Ich bin sicher, du hättest ganz viel beizutragen. Außerdem ist es doch so, wie beim Romanschreiben auch: Wer ihn lesen will, macht es, und wer nicht, der lässt es bleiben. Das kannst du auch dann nicht ändern / verhindern, wenn du z.B. nur alle 3 Monate 2 Sätze schreibst.
Ich würde mich jedenfalls freuen, öfters von dir zu lesen  ;D

@Waldkatze: Ich hab die Regeln des Tizis so verstanden. Nur Posten, wenn man wirklich was Qualifiziertes beitragen kann!

Lieben Dank für Eure Gedanken!

*beginnt das Grübeln aufs Neue und bleibt bei Satz 1, Schritt eins!*

Kriegerin


EDIT: KaPunkt, der Link klappt! *fällt drüber her*

Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Vic am 07. September 2014, 19:02:34
Ich finde diese Methode eigentlich sehr cool, aber ich habe immer das Problem, dass meine Protagonisten sehr häufig auf die Maßnahmen der Antagonisten reagieren. Also mein Inhalt lässt sich ganz oft im wesentlichen mit "Protagonist versucht Antagonist aufzuhalten, der XY erreichen möchte" zusammenfassen. Und das kommt mir doch komisch vor.
Oder habe ich da einen Denkfehler drin?
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Aylis am 07. September 2014, 19:11:12
@Vic: Meinst du, bei dir entwickelt sich immer derselbe Plot aus dieser Methode oder wie kann ich das verstehen?
Vielleicht bin ich auch grad zu blöd. :p

Update: Ich kann jedenfalls nur die Schreiber bestätigen, die behaupten, dass sie irgendwann die Lust daran verlieren.
Ging mir auch so. Aber es lag auch an meiner Idee, glaube ich, die nichts geworden ist und nicht zu vergessen an meiner Ungeduld. ;D
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: chaosqueen am 22. Februar 2016, 09:24:31
*pustet Staub vom Thread*

Irgendwo bin ich neulich über die Schneeflockenmethode gefallen. Und heute wieder. Und jetzt habe ich den Ehrgeiz, sie mal auszuprobieren, denn einfach drauflos zu schreiben funktioniert für mich leider nie lange, weil ich irgendwann mit schöner Regelmäßigkeit den Plot gegen die Wand fahre.

Ich hab mir jetzt das Buch von Randy Ingermanson heruntergeladen und werde es mal durcharbeiten. Und dann schauen, welches Projekt ich durch die Schneeflockenmethode jage. Vielleicht zum Üben erstmal ein "Schuffy", um danach dann meine Verschwörungstheorie damit zu schreiben? :hmmm: vielleicht aber auch gleich genau die, weil die mir so langsam unter den Nägeln brennt.

Wenn es für mich funktioniert, werde ich meine unfertigen Romane auch mal damit angehen, die sollten sich ja irgendwie damit auch retten lassen, denke ich. *hoff*
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Araluen am 22. Februar 2016, 14:19:23
Ich hatte Cementuri mit der Schneeflockenmethode angefangen zu planen. Mir gefällt die Methode, auch wenn ich nicht die Zeit hatte sie voll durch zu ziehen. Der NaNo fing an und ich musste los legen. Angelangt war ich bei der ausführlichen Beschreibung der Wendepunkte meiner Geschichte. Als nächstes wäre die Aufteilung dieser Beschreibungen in einzelne Szenen mit Szenenplan gekommen - quasi Zielgerade.
In meinen Augen ist die Schneeflockenmethode eine sehr mühselige aber wirkungsvolle Methode. Ich glaube sie eignet sich vor allem dann, wenn man eine grobe Idee aber noch nicht viel mehr hat. Die Schneeflocke hilft einem dabei seine Geschichte und vor allem seine Charaktere kennen zu lernen. Nur manchmal frage ich mich, ob man nach dem ganzen Planen, Aufschreiben und wieder  anders Aufschreiben, noch einmal neu darstellen und erneut Aufschreiben überhaupt noch Lust hat tatsächlich die Geschichte nieder zu schreiben. Im Grunde hat man sie ja schon mehrfach erzählt. Ich bin kein Freund von Fleißarbeiten. Allerdings zeigt die Schneeflockenmethode einem ziemlich schnell, ob eine Geschichte funktioniert oder nicht und das bereits bevor man sich in der Fleißarbeit verliert. Das empfand ich als sehr positiv. So wurde bei Cementuri ein Charakter enttarnt, den ich gerne dabei hatte, sich aber als so austauschbar wie ein Blumentopf erwies, da er aus irgendwelchen Gründen eigentlich überhaupt nicht mit der Handlung verwoben war, von einer einzigen Szene abgesehen. Es folgte Sinnkrise, die Drohung ihn ganz zu entlassen und schließlich die Lösung in Form eines Geistesblitzes. Nun hat der Charakter Sinn und passt ganz brav in die Geschichte. Ohne Schneeflocke wäre mir das vermutlich erst wesentlich später aufgefallen.

Nimm ruhig direkt deine Gurkensalatverschwörung, Chaosqueen. Die Methode ist zu aufwendig und zu eingängig, um die Anwendung der Methode erst zu üben. Bei Gurkensalat mit Schneeflockendressing schlägst du gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Ich wünsche dir auf jeden Fall viel Spaß und Erfolg dabei.

*Stellt einen Teller mit Schneeflockenkeksen hin*
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Tageule am 22. Februar 2016, 16:01:12
Ich führe eine recht lange Liste voller chaotischer, detailverliebter Ideen. Mit Hilfe der Schneeflockenmethode kann ich erst einmal einen Plot beschreiben, der sich rund um Ideen von dieser Liste ranken könnte. Den Plot auf einen Satz zu reduzieren und anschließend grob zu umreißen, macht mir klar, wohin die Reise gehen soll. Charaktere lerne ich auf diese Weise auch besser kennen, denn ihre Wichtigkeit für die Geschichte offenbart sich mir so schneller. Übrigens hilft das auch bei der Ausarbeitung eines Exposes enorm.

Die vielen Ideen setze ich dann in der Phase der Schneeflockenmethode um, wenn es an das Beschreiben einzelner Szenen geht. Früher habe ich willkürlich mit diesen Szenen begonnen und mir daraus dann einen Plot gestrickt, bin aber nie so richtig warm damit geworden. Jetzt hilft mir die Methode dabei, für die Geschichte irrelevante Ideen zu erkennen, mich nicht in zu viel Details zu verlieren oder Ideen zu ordnen.
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: chaosqueen am 22. Februar 2016, 16:30:04
Ihr bestätigt mich beide darin, es unbedingt mit der Schneeflockenmethode zu versuchen. Ich hab mich vorhin mal an dem einen Satz, der den Roman beschreibt, versucht und gleich festgestellt, dass mein liebstes Problem wieder da ist: Ich weiß nicht, wohin ich mit dem Roman eigentlich will. Dass man sich dann irgendwann beim Schreiben verliert, ist ja klar. :d'oh:

Aufgabe für heute Abend: Den Satz so aufbauen, dass ich auch weiß, wohin es geht.Und dann vielleicht schon Schritt 2 einleiten, mal sehen. Das Buch arbeite ich schon fleißig durch, das ist total süß geschrieben!

Das Problem, dass ich die Geschichte irgendwann nicht mehr schreiben mag, weil ich sie bereits zu Tode geplottet habe, befürchte ich auch. Aber da ich mit "einfach drauflosschreiben" eben leider immer mit mäßig guter Sprache vor der Wand lande, muss ich wohl mal meine Technik überdenken. ;)
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Sunflower am 22. Februar 2016, 16:57:16
Ich plotte auch nach der Schneeflockenmethode und zwar sehr detailliert. Das führt dann dazu, dass ich Plotdokumente mit 50k Wörtern und mehr habe, aber ich habe festgestellt, dass ich so am besten arbeite. Vor allem die "Charakterübersichten", also der Plot aus der Perspektive jeder relevanten Figur, helfen mir unheimlich.
Allerdings habe ich das Buch selbst noch gar nicht gelesen, sollte ich vielleicht mal tun  :engel:

Das Problem, dass ich die Geschichte irgendwann nicht mehr schreiben mag, weil ich sie bereits zu Tode geplottet habe, befürchte ich auch.

Ich kann natürlich nur für mich sprechen und ich war schon immer eine Plotterin, aber: Mich macht es ehrlich gesagt ganz kribbelig darauf zu schreiben, wenn ich so intensiv plotte. Ich verliere nicht die Lust an der Geschichte, bei mir wird das eher noch gesteigert. Ist bestimmt möglich, dass man die Geschichte auch zu Tode plotten kann, aber das muss nicht zwangsläufig passieren, wenn man viel plottet.
Und nur weil ich so viel Plot habe, bevor ich losschreibe, heißt das nicht, dass ich nicht überrascht werden kann. Meine Figuren werfen gern mal den Plot über den Haufen, und meistens lasse ich sie auch, weil ihre Variante dann mehr Sinn ergibt als mein ursprünglicher Plan ;)
Also viel Spaß beim Plotten und ich hoffe, dass es für dich funktioniert!
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: chaosqueen am 23. Februar 2016, 08:42:49
Danke auch Dir, Sunflower! :)

Ich könnte mir vorstellen, dass mein Problem gar nicht wie bisher immer gedacht war, dass ich die Lust verliere, weil ich die Story ja schon kenne, wenn ich plotte, sondern dass ich nicht gut genug geplottet habe und daher feststeckte. Meine Figuren hatten alle kein fest definiertes Ziel, sondern haben so in den Tag hineingelebt, und dann verliert man schnell mal das Ziel aus den Augen.

Ich bin durch Schritt 1 und 2 einigermaßen durch, auch wenn ich denke, dass ich im weiteren Verlauf noch mal zurückgehen und einiges korrigieren und konkretisieren muss, aber das ist ja auch genau Teil der Schneeflockenmethode. Bisher bin ich guter Hoffnung (!), dass es mit der Methode und mir klappen kann. Ich bin wohl doch ein Plotter, nur halt ein extrem ungeduldiger. :rofl:
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Trippelschritt am 23. Februar 2016, 09:21:57
Dass mich die Methode nicht überzeugt hat, darf nicht wundern. Denn ich bin ein Bauch- und kein Planschreiber. Aber nachdem ich zunächst einen Roman des Erfinders dieser Methode las (Bestseller) und den an einigen Stellen so durchscheinend fand wie ein zu lange getragenes Hemd, kamen mir Zweifel. Und als mir dann ein gute Freundin, die für diese Methode schwärmte und mit ihr zunächst erfolgreich war, gestand, dass ihr letztes Produkt durchhing, fühlte ich mich in meinem Argwohn bestätigt. Die Schneeflockenmethode ist kein Allheilmittel, als das sie oft angesehen wird. Ihr Hauptvorteil ist die ständige Verbindung zwischen Plot und Figuren (vor allem Prota- und Antagonist) und die Empfehlung beides gleichzeitig zu entwickeln. (Ich entwickele erst Figuren und dann Plot. Das geht also auch.)
Die Schneeflockenmethode kann aber zu einem zu schnellen Vorgehen verleiten und dazu führen, dass man seine Figuren nicht gut genug kennt und vorschnell den ersten Akt konzipiert. Und dann rettet einen auch die Methode nicht mehr. Was man aber immer braucht ist der Schritt 1 dieser Methode. Egal, wie man weiter plant.
Und so ist meine Empfehlung klar. Man sollte damit experimentieren und seine Erfahrungen sammeln. Das lohnt sich. Aber diese Methode ist auch nur eine unter mehreren, die Autoren anwenden.



Liebe Grüße
Trippelschritt
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: chaosqueen am 23. Februar 2016, 09:56:33
Trippelschritt, so, wie ich die Schneeflockenmethode bisher verstehe, ist sie zum einen so aufgebaut, dass jeder sich das herausziehen kann und soll, was für ihn funktioniert, zum anderen aber eben auch so, dass die Charaktere gründlich vorbereitet werden, genauso, wie der Plot. Daher wundert mich gerade ein wenig Deine gegenteilige Erfahrung damit.
Natürlich ist die Schneeflockenmethode kein Allheilmittel, aber das sagt auch der Erfinder nicht. Und wenn der Plot nicht trägt, dann könnte es möglicherweise auch einfach daran liegen, dass dem Autor die Ideen ausgegangen sind - da hilft die beste Methode nichts, wenn man den Roman nicht mit Leben füllen kann. ;)

Ich behalte Deinen Einwand gerne im Hinterkopf, ich schaue ja eh gerade erst, inwieweit es für mich funktioniert und was davon ich verwenden kann, um mein Schreiben zu verbessern und vor allem, um es zu strukturieren. Bisher habe ich immer aus dem Bauch geschrieben, aber dann stehe ich jedes Mal irgendwann vor einer Wand, weil ich nicht weiß, was die Motivation meiner Figuren ist, welche Ziele sie wirklich verfolgen und wie um alles in der Welt ich sie dorthin bringen soll, wo ich sie am Ende haben will. ;)
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Kerstin am 23. Februar 2016, 10:25:50
Ich muss mich @chaosqueen anschließen.
Meine Erfahrungen mit der Schneeflockenmethode sind das exakte Gegenteil - mir ist es viel zu viel deatillierte Charakterentwicklung und das in einem zu frühen Stadium. Deshalb arbeite ich nicht mehr mit allen Schritten der Schneeflockenmethode, sondern habe mir nur die Dinge herausgezogen, die für mich funktionieren.

Allerdings habe ich meine erste Veröffentlichung mit der Schneeflockenmethode geplottet - es funktioniert für mich also durchaus.

Einer Methode zum Plotten die Schuld an einem schwachen Roman zu geben, macht in meinen Augen überhaupt keinen Sinn, da die Schneeflockenmethode keinerlei generelle Anweisungen enthält, wie man eine Geschichte aufbauen soll. Sie lässt sich problemlos für sämtliche Strukturen anwenden (manchmal, wie bei der Heldenreise, vielleicht mit leichten Anpassungen).
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Araluen am 23. Februar 2016, 10:51:32
Ich entwickle auch meine Charaktere erst vollständig und dann den Plot. Ich kann nicht mit Leuten arbeiten, die ich nicht kenne ;)
So gesehen fand ich die Schneeflockenmethode an dieser Stelle sogar etwas ausbremsend. Meine Charaktere waren im Grunde schon fertig, bis auf das eine schwarze Schaf, wie sich heraus stellte. Was ich brauchte war ein lückenloser Plot. Mein Plots leben leider rollenspielgeprägt von Eckpunkten mit großen Lücken dazwischen. Und dann macht man erst einen Schnipsel zum Charakter, dann einen neuen zum Plot und immer so weiter brav im Wechsel. Ich hatte also immer einen Teil, der im Kopf bereits fertig war, den ich gerne vollständig festgehalten hätte, aber noch nicht "durfte" nach Methode. Dannbeschäftigte ich mich wieder mit dem Plot und musste an besagten Löchern arbeiten.
Trotzdem war es hilfreich, da sich Plot und Charaktere parallel entwickeln. Man kann und soll ja auch immer wieder mehrere Schritte zurück gehen, wenn man merkt, dass etwas nicht passt. So verweben sich Charaktere und Plot besser finde ich. Ich neige sonst zu sehr ausgereiften Charakteren eingewickelt in hübsches Plotgeschenkband, aus dem sie sich langsam auswickeln. Geschenkband ist bei einem Geschenk nun das Überflüssigste, was es gibt. Von einem Plot sollte man das eigentlich nicht sagen.
Wo ich meine Schwierigkeiten mit der Methode sehe, sind zwei Dinge. Entweder bin ich zu faul und habe es deshalb nicht umgesetzt gekriegt oder die Methode sieht es tatsächlich nicht vor.

Punkt 1: Charaktere.
Zwei Protagonisten und ein Antagonist das ist absolut kein Problem mit der Methode. Doch was ist mit den anderen Charakteren? Bei mir haben alle Charaktere, die irgendwie eine Rolle spielen, eine Vorgeschichte, Ziele, Motivationen, Verhaltensweisen. Wie viele davon soll, kann, darf ich in der Methode mit einarbeiten? Beispiel Cementuri. Isabel (mein geliebtes schwarzes Schaf) hat natürlich Eltern. Diese Eltern spielen auch eine Rolle, vor allem ihre Mutter. Sie kommen allerdings erst recht spät in der Geschichte vor und das auch nicht sehr oft. Trotzdem weiß ich, wer sie sind, warum sie so sind, wie sie sind. Kurz: Ich weiß, welche Geschichte hinter ihnen steckt. Nun hatte ich für mich das alles bereits geplant und notiert. Nur was mache ich, wenn ich rein nach Methode vorgehe? Wie bringe ich solche Nebencharaktere darin unter? Klar man kann ausweichen und sich einfach so Notizen machen. Nur was tut man, wenn man sich streng an die Methode halten will? Ich habe Ingermansons Buch nun nicht gelsen, sondern nur mit Onlineguides zu dem Thema gearbeitet. Vielleicht ist mir ja was entgangen oder ich bin zu faul ;)

Punkt 2: Nebenhandlungen
Die Schneeflocke baut sich ja vorrangig um den roten Faden herum. Was macht man aber, wenn man mehr als den roten Faden hat? Als extrem überspitztes Beispiel: Wie hätte Martin das LIed von Eis und Feuer mit der Schneeflocke planen sollen? Gut, vielleicht hätte er es tun sollen, dann gäbe es mehr roten Faden und weniger Nebenhandlungen. (wobei ich mich da jetzt auch nicht sooo weit aus dem Fenster lehnen möchte, da ich nur den ersten Band und das erste drittel des zweiten geschafft habe - die Starks sind schuld). Nur wie hätte er da all diese Nebenhandlungen mit rein planen sollen? Nach dem Planen mit der schneeflocke ist mir aufgefallen, dass zwei Nebenhanldungen, die ich fest eingeplant hatte für Cementuri fürs erste vollkommen unter den Tisch gefallen waren.

Trotz der zwei Kritikpunkte bleibet meine Meinung, dass die Schneeflocke ein sehr hilfreiches Mittel ist, gerade wenn man nur eine grobe Idee und Charaktergrundkonzepte hat oder wenn man prüfen will, ob ein Plot und seine Charaktere mit beiden Beinen fest auf dem Boden stehen.
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Tageule am 23. Februar 2016, 12:17:49
Ich kann Trippelschritt als Bauchschreiber gut verstehen. Die Schneeflockenmethode ist keine Allzweckwaffe für jeden, um einen guten Roman zu schreiben. Für mich selbst nehme ich auch nur das meiner Meinung nach beste dieser Methode mit.

Wer einfach drauflosschreibt kommt irgendwann an den Punkt, an dem man sich fragt, was denn der rote Faden der Geschichte sein soll. Zumindest ging es mir immer so. Und ich habe mir gedacht, spätestens wenn ich ein Expose verfasse, muss ich ohnehin die Schritte 1-3 der Schneeflockenmethode anwenden, um meinen Roman und wichtige Figuren zusammenfassend zu beschreiben. Warum also nicht gleich damit beginnen? Das hat für mich am besten funktioniert. Dabei spielt es keine Rolle, ob man nicht schon in Schritt 1 der Methode seine Charaktere entwickelt, um erst in Schritt 2 die Geschichte, die diese Charaktere erleben werden, auf den Punkt zu bringen. Das gute ist, dass man die freie Wahl hat.

Zu einem neuen Projekt habe ich viele einzelne, grobe Szenen und Ideen im Kopf und gebe diesen mit Hilfe der Schneeflockenmethode Struktur, Ordnung und Reihenfolge. Das hilft mir, für die Handlung irrelevante Szenen zu streichen, aber auch die richtige Szene zur richtigen Zeit einzufügen. Auch kann ich so einfacher Charaktere den einzelnen Szenen zuordnen und anpassen. Wenn ich diese Szenen dann detailiert aufschreibe, arbeite ich auch wieder nach Bauchgefühl und kann immer noch überrascht werden.
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Araluen am 23. Februar 2016, 12:36:19
ich glaube eine vollständig durchgeplante Geschichte würde mir auch nicht liegen. Eine Szenenliste würde ich wohl nie aufstellen. Da wäre mir das Korsett zu eng. Aber Plotlücken schließe ich gerne, denn das sind am Ende die Stolpersteine, weshalb ich eine Geschichte nicht fertig kriege.
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Elona am 24. Februar 2016, 10:02:47
Mein Beitrag, mal wieder etwas verspätet:

Vorab ich bin/ war Bauchschreiber, aber an sich auch schnell für sonstige Ideen zu begeistern. Ich hatte damals also um die 300 Normseiten vorliegen, stolperte über die Schneeflocken Methode und musste sie natürlich ausprobieren. Nach Schritt acht verlor ich die Lust. Dadurch, dass es eine erste Fassung aber schon gab, könnte man behaupten ich sei fertig geworden. Gut, bisschen geschummelt, aber was soll´s.  ;D

Ich glaube mit der Schneeflocken-Methode ist es wie mit allem. Sie kann für einen funktionieren, muss aber nicht. Ob man sich in einer Methode in einer Sackgasse verrennt, oder beim drauf losschreiben ist gehoppt wie gesprungen. Was man aber definitiv machen kann und auch sollte, wenn Dinge für einen funktionieren, rausziehen!

Ich für mich musste feststellen, dass sich andere Methoden mehr für mich eignen (Dan Wells 7-Point Story Structure oder für Charakter Entwicklung fand ich von Weiland Creating Stunning Character sehr interessant). Das liegt zum Größtenteils daran, dass ich tatsächlich relativ weit im ersten Entwurf komme. Wenn das bei anderen nicht der Fall ist, könnte ich mir vorstellen, dass einem diese Methode u.U. wirklich weiterhilft. Auf der anderen Seite ist und bleibt ein Erstentwurf so oder so ein solcher.
Was ich damit sagen möchte, ich bin/war Bauchschreiber und in meiner Geschichte wimmelte es von Löchern und unrealistischen Wendungen, die ich beim zweiten Durchgang anging. Und ebenso wie Ingermansson schreibt (zumindest meine ich mich daran zu erinnern) ist dieses System eins, dass immer wieder angepasst werden soll und muss, wenn man über Ungereimtheiten stolpert, oder ein anderer Ablauf schlicht und ergreifend besser in die Geschichte passen würde.
So oder so ist plotten und schreiben ein sich gegenseitig bedingender Ablauf. Ich denke die Frage in wie fern etwas funktioniert, liegt vielmehr in der Bereitschaft sich darauf einzulassen. Je mehr einem schon vorliegt desto größer die Gefahr, dass es einem schwerfällt, sich trennen zu müssen.

Fazit:
Wenn das Ziel der Erstentwurf ist, macht diese Methode durchaus Sinn. Im meinem Fall wäre/ist sie jedoch Zeitverschwendung. Sie ließe sich noch nicht einmal für ein Exposé verwenden und nur um zu Überprüfen, wo es hängt, ist sie mir zu langatmig.


Vom irgendwann schon mal erwähnten Standpunkt:
@Araluen
Punkt 1:
Mach das, was für dich funktioniert. Wenn du dir aber schon so viel Mühe gegeben hast, würde ich auch zu den Nebencharakteren eins zwei Sätze schreiben.

Punkt 2:
7-Point Story Structure *Hüstel* Nein, Spaß beiseite. Aus dem Hauptplot würde ich die Nebenplots vermutlich erst einmal draußen lassen und für diese separat etwas anlegen. Je nachdem wie das funktioniert, könnte man dann verschiedene Punkte in den Hauptplot einfließen lassen. Nur so eine Idee.


Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Jenna am 24. Februar 2016, 21:27:45
Ich arbeite zurzeit auch mit der Schneeflockenmethode und habe auch das Problem mit den Nebenhandlungen, sie sind irgendwie in der Methode nicht vorgesehen.

Außerdem versuch ich damit ein mehrbändiges Projekt im Ganzen zu planen, aber eben auch die einzelnen Bänder. Ist ein ziemliches hin und her gespringe und bis jetzt bin ich noch nicht so ganz glücklich damit. Hab die ersten drei Schritte für die ganze Geschichte gemacht und angefangen bei den einzelnen Bänder diese Schritte zu tun. Doch irgendwie glaube ich, das wird ein großes Durcheinander.   :( Mal schauen.

Hat einer von euch vielleicht schon mal ein mehrbändiges Projekt damit geplant? Eure Erfahrungen würden mich sehr interessieren.
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Kerstin am 24. Februar 2016, 22:06:13
@Jenna: Das habe ich bereits gemacht.

Zuerst habe ich angefangen die Methode auf die Handlung der gesamten Bände zu übertragen und alles in einem Satz zusammenzufassen.

Bei dem Schritt mit den mehreren Sätzen habe ich dann einen für die Ausgangssituation genommen und jeweils einen für jeden Band und einen für das Ende. Damit habe ich dann weiter gearbeitet.

Als ich an den Schritt kam, bei dem man dann an die Szenenliste geht, habe ich dann wieder von vorne angefangen und jeden Band noch einmal mit der Methode durchgearbeitet. Durch die Vorarbeit konnte ich aber natürlich einige Sachen übernehmen.

Zu den Nebenhandlungen: Das ist einer der Gründe, warum ich nicht mehr ausschließlich damit arbeite. Ich fange meistens immer noch mit der Methode an, flechte dann aber sehr früh andere Techniken ein. Zum Beispiel plotte ich meine Nebenhandlungen dann mit der 7-Punkt-Struktur und wechsel dann erst später zur Schneeflocke.
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Jenna am 24. Februar 2016, 22:14:41
@Kerstin : Deine Methode gefällt mir besser als meine. Vielleicht komme ich damit weiter. Hast du denn jeweils ein Band in einem Satz untergebracht?

Zu den Nebenhandlung: Habe ich das jetzt richtig verstanden, du plottest erst die Nebenhandlungen und dann die Haupthandlung mit der Schneeflockenmethode? Die 7-Punkt-Struktur werde ich mir auf jeden Fall mal anschauen.
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Kerstin am 24. Februar 2016, 22:26:47
Ja, das war kein Problem. Bei der Schneeflockenmethode muss man ja ohnehin ein Buch in einem Satz zusammenfassen können - das habe ich also schon im Voraus angefangen. Ist allerdings ein ganz schönes Elend. :P

Nein, ich fange ganz normal mit der Schneeflocke an. Üblicherweise mache ich zuerst die Schritte 1-3.
Dann wechsel ich zu 7-Punkt-Struktur und arbeite diese für die Haupt- und Nebenhandlungen so weit aus, wie ich komme. (Das mache ich auch, wenn ich später eine andere Struktur, wie z.B. die Heldenreise verwende).

Dann mache ich Schritt 4 der Schneeflocke und arbeite die 3-Akt-Struktur so weit aus, wie ich komme.

Dann gehe ich wieder an die 7-Punkt-Struktur und arbeite daran weiter. Hänge ich wieder, geht es zurück zur Schneeflocke und ich erledige Punkt 5.

Im Anschluss daran komplettiere ich die 7-Punkt-Struktur und die 3-Akt-Struktur. Bei Bedarf mache ich dann auch noch die weiteren Schritt der Schneeflocke, aber meistens gehe ich dann direkt an die Szenenlisten (und arbeite da oft auch mit anderen Techniken).

Ich habe aber kein komplett festes Schema, da ich immer gerne Techniken ausprobiere. Nur den oberen Teil erledige ich immer. Manchmal z.B. kombiniert mit Sachen wie BiaM (Book in a Month) oder momentan Rock your Plot, von denen ich dann immer bei Bedarf Dinge in die "Routine" übernehme. Da ich bei jedem Buch andere "Schwachstellen" habe, muss ich da flexibel sein. :)
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Jenna am 24. Februar 2016, 22:42:42
Okay jetzt verstehe ich es und die 7-Punkt- Struktur zusammen mit der Schneeflockenmethode könnte meine Probleme lösen. Vielen Dank.
Ich denke mal eine gesamt Übersicht über all die verschiedenen Plots ist dann die Szenenliste oder? Dann bringst du dann wahrscheinlich alle Methoden zusammen....
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Araluen am 25. Februar 2016, 08:19:51
Bei meiner Frage nach Nebencharakteren und Nebenhandlungen ging es mir vorrangig darum, ob das tatsächlich ein Problem der Methode ist oder ob ich etwas übersehen habe. Wie es aussieht, stößt die Schneeflocke da wirklich an ihre Grenzen. Diese 7-Punkte-Methode muss ich mir dann bei Gelegenheit auch einmal näher anschauen.

Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Kerstin am 25. Februar 2016, 08:40:12
Ich liebe die 7-Punkt-Methode und nach meinen Erfahrungen scheint es auch eine der eingängigsten Techniken zu sein. Zumindest arbeiten meine Schreibschüler inzwischen alle damit, während sie mit anderen Techniken (auch der Schneeflocke) noch sehr zu kämpfen haben.
Hier ist das Video, in dem Dan Wells sie erklärt: https://www.youtube.com/watch?v=KcmiqQ9NpPE
Es ist halt leider auf englisch.

@Araluen @Jenna (sorry! bin heute etwas chaotisch!!!): Genau - wobei ich in letzter Zeit mit mehreren verschiedenen Varianten der Szenenliste arbeite, die ich als Tabellenblätter in einem Excel-Dokument und einem Word-Dokument zusammenfasse.
Zum einen habe ich eine Tabellenseite mit Szenennummer, Szenenname, 1-Satz-Inhalt, POV, Plotzugehörigkeit, Datum - das dient mir als schnelle Orientierung, wenn ich eine Übersicht brauche. Habe ich mehrere Handlungsstränge, erstelle ich oft so eine Seite auch pro Handlungsstrang, damit ich die innere Logik sehen kann und sortiere es erst anschließend zu einer Gesamthandlung.
Dann habe ich ein weiteres Blatt, in dem ich zusätzlich Zweck der Szene, Ziel und Motivation der handelnden Figuren, Konflikt und Disaster notieren.
Als letztes habe ich dann ein Worddokument, in dem ich pro Szene eine Seite anlege und dann alles aus der Excel-Tabelle notiere, aber auch alles, was mir sonst noch einfällt. Ob es Dialogfetzen sind, Schauplatz, Ablauf der Szene ...

Zum Erstellen dieser Szenenliste finde ich halt die 7-Punkt-Struktur sehr toll, da sie mir einen Rahmen gibt. Die sieben Punkte trage ich auch als erstes in die Liste ein. Dann gehe ich durch die mit der Schneeflockenmehtode geschriebenen Zusammenfassung und schreibe alles, was dort drin steht als Szenen in die Szenenübersicht. Dann muss ich "nur" noch die Verknüpfungen zwischen den Szenen erstellen.
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Tageule am 25. Februar 2016, 08:56:19
Die Kombination aus Schneeflocke und 7-Punkt klingt auch für mich vielversprechend. Werde ich auf jeden Fall mal ausprobieren.

Hier der Zirkel-Thread zur 7-Punkt-Struktur falls sich wer informieren möchte: http://forum.tintenzirkel.de/index.php/topic,18002.msg821629.html#msg821629 (http://forum.tintenzirkel.de/index.php/topic,18002.msg821629.html#msg821629)
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Trippelschritt am 25. Februar 2016, 10:28:58
Trippelschritt, so, wie ich die Schneeflockenmethode bisher verstehe, ist sie zum einen so aufgebaut, dass jeder sich das herausziehen kann und soll, was für ihn funktioniert, zum anderen aber eben auch so, dass die Charaktere gründlich vorbereitet werden, genauso, wie der Plot. Daher wundert mich gerade ein wenig Deine gegenteilige Erfahrung damit.

Um gleich ein Missverständnis auszuräumen, für mich als Bauchschreiber ist die Methode gar nichts und das habe ich sofort beim ersten Kennenlernen bemerkt. Insofern habe ich auch gar nicht erst Erfahrungen damit gemacht. Also auch keine gegenteilige Erfahrung. Was ich gepostet habe sind eine gegenteilige Erfahrung einer Freundin, die exzellent schreibt und damals bereits zwei Jugendbücher publiziert hatte (mit hilde der Schneeflockenmethode) und beim dritten Buch stecken blieb, und eine eigene Erfahrung bei der Lektüre eines Buches des Erfinders der Methode, wo die Methode an einigen Stellen durchschien. So etwas sollte bei einem guten Buch nicht passieren. Und ja, entweder fehlten ihm da die Ideen oder die Erfahrung einer ähnlichen Situation im realen Leben.

Zitat
Natürlich ist die Schneeflockenmethode kein Allheilmittel, aber das sagt auch der Erfinder nicht. Und wenn der Plot nicht trägt, dann könnte es möglicherweise auch einfach daran liegen, dass dem Autor die Ideen ausgegangen sind - da hilft die beste Methode nichts, wenn man den Roman nicht mit Leben füllen kann. ;)

Wenn Du das für Dich weiß, ist alles in Ordnung, aber nach meiner Einschätzung enthält diese Methode auch einen Ansatz zur Ideenfindung. Zunächst einmal geht sie vom Dreiakter des Theaters aus, was grundsätzlich kein schlechter Start, aber nicht zwingend ist. Dann entwickelt er Protagonist/Figuren und Plot parallel. Das kann funktionieren, muss aber nicht. Unbestritten sind die starken Wechselbeziehungen zwischen Figur und Plot, aber für mich wird über den Plot zu früh nachgedacht. Man braucht mehr als nur eine Skizze der Hauptfiguren, um den Grundplot zu entwerfen. Aber das ist meine unverrückbare Meinung und mit Sicherheit für andere Autoren diskutabel.

Zitat
Ich behalte Deinen Einwand gerne im Hinterkopf, ich schaue ja eh gerade erst, inwieweit es für mich funktioniert und was davon ich verwenden kann, um mein Schreiben zu verbessern und vor allem, um es zu strukturieren. Bisher habe ich immer aus dem Bauch geschrieben, aber dann stehe ich jedes Mal irgendwann vor einer Wand, weil ich nicht weiß, was die Motivation meiner Figuren ist, welche Ziele sie wirklich verfolgen und wie um alles in der Welt ich sie dorthin bringen soll, wo ich sie am Ende haben will. ;)

 ;D  , ja, mach und probier aus. Das ist immer gut. Und was die Wand angeht: Da hast Du Problem und Lösung schon selbst formuliert. Ohne klare Motive der Figuren tut sich der Autor immer schwer.

Viel Erfolg
wünscht Trippelschritt
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: chaosqueen am 25. Februar 2016, 12:06:39
Ich freue mich gerade sehr über soviel Input in diesem Thread!

Ich würde ja gnadenlos für meine Nebenfiguren auch "character bibles" anlegen, ggf. halt nicht ganz so umfangreich wie für die Hauptfiguren, aber eben so, dass ich genug über sie weiß. Ob ich für die Tante dritten Grades, die in einer Szene durchs Bild huscht, wirklich wissen muss, was sie an ihrem dritten Geburtstag gegessen hat, sei dann mal dahingestellt. ;)

Genauso mit Nebenhandlungen - da würde ich ggf. schauen, wie ich die Einbinde. Denn so geradlinige Plots wie in Ingermansons Schneeflocken-Handbuch hat man ja in der Regel nicht, ich sehe aber auch nicht, warum man keine komplizierteren Plots damit erschaffen sollte. Kerstins Weg, Mehrbänder damit zu plotten, finde ich klasse. Und die Sieben-Punkte-Methode schaue ich mir auch gleich mal an. :jau:

Was mit in der Beschäftigung mit der Schneeflockenmethode aufgefallen ist: Ich habe ein paar Schreibratgeber, die ich für durchaus gut halte. Aber ich kann mir einfach die Tipps von 200-400 Seiten nicht alle merken und lande am Ende dann wieder beim "wird schon irgendwie werden"-Durchwurschteln.
Mit der Schneeflockenmethode habe ich zehn einfach strukturierte Schritte, deren Ausführung zwar teilweise zeitaufwändig ist, aber die Erklärung nicht. Und mich hindert ja niemand daran, die Tipps anderer Bücher zur Charaktererstellung in die jeweiligen Schritte der Schneeflocke zu integrieren,

Das meine ich halt mit "rausfinden, was für eine passt". Als Grundstruktur erscheint mir das gerade für mich sehr passend, was ich dann am Ende wirklich davon übernehme und ggf. wie ausbaue, wird sich zeigen.

Freut mich aber, dass die Schneeflocke doch einigen geläufig ist und es auch einige positive Erlebnisse damit gibt. :)

@Trippelschritt: Klar, wenn man die Struktur der Schreibmethode zu sehr durch den Roman hindurchschimmern sieht, dann ist da etwas schiefgelaufen. Und eine Methode, die mir sagt, jede Szene muss proaktiv oder reaktiv sein, aber Szenen, die rein der Atmosphäre dienen, sind langweilig und fliegen raus, ist nur begrenzt meine. Ich mag Romane, in denen vermeintlich auch mal nichts passiert, dies aber auf eine ansprechende Art beschrieben wird.
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Evanesca Feuerblut am 25. Februar 2016, 15:06:20
Ich bin Hybridschreiberin - also die, die ein gesundes Mittelding zwischen Planung und Improvisation braucht.
Also habe ich mir die Schneeflockenmethode auf Annika Bühnemanns Blog mal angeschaut und versucht, sie so weit auszufüllen, wie das für mich überhaupt Sinn macht.
Also angefangen mit Schritt eins und dann so weit, wie nötig. Ich habe die Kurzbiografien meiner geplanten Hauptfiguren noch gemacht und dann war Schluss.
Fazit: Ich fand es gar nicht mal so blöd, werde aber nie wieder versuchen, gleich drei Bücher in einem Aufriss auf diese Weise vorzubereiten. Da bin ich dann selber schuld, denn am Ende reichte der schneebeflockte Plot dann erstens nur für eins von drei Büchern (schwer zu erklären, ich schrieb meinen Neunteiler jeweils so, dass in Dokument 1 Band I-IV stehen, in Dokument 2 dann V-VII und die letzten zwei dann in Dokument drei, muss man nicht verstehen. Ich bin komisch) und zweitens mutierte eine Figur, der ich am Ende zugeschrieben habe, dass sie heiratet und ihre Ehre wiederherstellen kann, zur Antagonistin.

Ob ich es wieder mit dieser Methode probieren werde, weiß ich noch nicht. Sie ist zumindest zum Spicken und Infos nachschlagen eigentlich recht praktisch und hat vermutlich verhindert, dass ich in der Geschichte herumeiere.

Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Jenna am 25. Februar 2016, 22:12:50
@Kerstin : okay bei deiner Szenenliste bin ich jetzt nicht ganz durchgestiegen, ich glaube da muss ich einfach versuchen meinen eignen Weg zu finden. Trotzdem vielen Dank.

Ich freue mich gerade sehr über soviel Input in diesem Thread!

Ich würde ja gnadenlos für meine Nebenfiguren auch "character bibles" anlegen, ggf. halt nicht ganz so umfangreich wie für die Hauptfiguren, aber eben so, dass ich genug über sie weiß. Ob ich für die Tante dritten Grades, die in einer Szene durchs Bild huscht, wirklich wissen muss, was sie an ihrem dritten Geburtstag gegessen hat, sei dann mal dahingestellt. ;)


Also für meine Nebenfiguren erstelle ich nur eine Liste, mit ein bis zwei Sätzen, ansonsten habe ich eindeutig zu viele Charakterblätter.
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Kerstin am 26. Februar 2016, 06:36:15
Ich habe dir mal meine Excel Datei mit einigen Beispielszenen (aus verschiedenen Büchern) angehängt. Vielleicht versteht es sich dann leichter. :)

Das Worddokument ist ganz normal mit einer Seite pro Szene, wo ich einfach brainstorme, was ich so da alles reinpacken möchte.


@chaosqueen: Ich habe so eine Vorlage, die ich mir beidseitig auf DinA5-Karteikarten ausdrucke. Darauf notiere ich mir immer die wichtigsten Eckdaten für alle Figuren, die mehr als ein Mal vorkommen. Je wichtiger die Figur ist, desto mehr schreibe ich dazu.
Bei der Charaktererschaffung fülle ich das manchmal auch direkt am PC aus - das mache ich bei der Schneeflocke gleich bei der Charakterentwicklung.
Ich drucke es aber sehr, sehr gerne aus, da ich dann einfach nur schnell einen Kartenstaperl durchblättern muss, wenn ich wissen will, welche Augenfarbe Person X hat. Ich verwende dazu auch einen Farbcode - Weiße Karten für Nebenfiguren, Rote Karten für Antagonisten, Blaue Karten für Sonstige Geschöpfe, Grüne Karten für Hauptfiguren ...
Ich hänge die Vorlage auch einfach mal an. :)
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Jenna am 26. Februar 2016, 17:28:02
Ich habe dir mal meine Excel Datei mit einigen Beispielszenen (aus verschiedenen Büchern) angehängt. Vielleicht versteht es sich dann leichter. :)

Das Worddokument ist ganz normal mit einer Seite pro Szene, wo ich einfach brainstorme, was ich so da alles reinpacken möchte.


Okay, jetzt hab ich es verstanden. Sieht gar nicht schlecht aus und ist für mich eine Inspiration, wie man es machen kann, das Chaos zu beseitigen. Vielen Dank!
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Entropy am 27. Februar 2016, 02:27:53
Ich habe mir die Schneeflocken-Methode nun auch mal angeschaut und finde das Konzept durchaus interessant, da ich eher zu den Plottern als zu den Bauchschreibern gehöre. Bei mir ist vor allem das Problem, dass meine Plots innerhalb kürzester Zeit so schrecklich kompliziert werden, dass ich selbst die Übersicht verliere. In der Hinsicht wäre es vielleicht gar keine schlechte Idee mich an so ein Konzept zu halten, auch wenn es mir etwas widerstrebt vorher schon alles festzulegen, weil ich mich dann beim Schreiben eingeengt fühle.

Was mit in der Beschäftigung mit der Schneeflockenmethode aufgefallen ist: Ich habe ein paar Schreibratgeber, die ich für durchaus gut halte. Aber ich kann mir einfach die Tipps von 200-400 Seiten nicht alle merken und lande am Ende dann wieder beim "wird schon irgendwie werden"-Durchwurschteln. Mit der Schneeflockenmethode habe ich zehn einfach strukturierte Schritte, deren Ausführung zwar teilweise zeitaufwändig ist, aber die Erklärung nicht.

Das ist mir auch im Unterschied zu anderen Methoden aufgefallen. Hier muss man sich nicht mit unzähligen Hinweisen und Einzelschritten herumschlagen, sondern hat in der Methode selbst eine klare Strukturierung und hat dadurch schon einen Überblick. Als Grundstruktur würde es sich auf jeden Fall anbieten. Es sagt ja niemand, dass der Plot am Ende hundertprozentig aufgehen muss. Bekanntlich machen die Charaktere sowieso was sie wollen. ;) Das mit dem "wird schon irgendwie werden" kenne ich, am Ende wird es dann aber doch nicht, weil man sich wieder verzettelt.

Ich glaube die größte Herausforderung an der Schneeflockenmethode stellt dar, sich von Anfang an bereits festzulegen. Das nimmt viel Freiheit, sowohl beim Plotten als auch beim Schreiben. Ich stelle es mir zumindest sehr schwierig vor ein Buch in einem Satz zusammenzufassen, das man bisher weder geplottet noch geschrieben hat.
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Jenna am 27. Februar 2016, 08:04:41

Ich glaube die größte Herausforderung an der Schneeflockenmethode stellt dar, sich von Anfang an bereits festzulegen. Das nimmt viel Freiheit, sowohl beim Plotten als auch beim Schreiben. Ich stelle es mir zumindest sehr schwierig vor ein Buch in einem Satz zusammenzufassen, das man bisher weder geplottet noch geschrieben hat.

Es ist auch schwierig diesen einen Satz zu finden, und vielleicht ist es am Anfang nicht der Richtige. Doch bei der Schneeflockenmethode soll man ja ruhig zu vorigen Schritten zurück gehen und sie anpassen, wenn man mehr über die Charakter und die Handlung heraus bekommt. Also nehme ich es persönlich nicht so genau mit dem ersten Satz, da er sich sicherlich noch verändern wird, um so weiter man plottet.

Ich hab auch ehrlich gesagt nie für diesen ersten Satz eine Stunde gebraucht. :o
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Kerstin am 27. Februar 2016, 08:30:45
Ich hab auch ehrlich gesagt nie für diesen ersten Satz eine Stunde gebraucht. :o
Ich schon.  ;D
Für mich ist er allerdings auch wichtig, da ich wenig Sinn im Plotten sehe, wenn ich nicht weiß, worum es in der Geschichte eigentlich geht. Beim ersten Satz geht es ja um den Grundkonflikt.
Allerdings passe ich den natürlich auch immer wieder an, während ich weiter an der Geschichte arbeite.
Das eine Mal, wo ich es den übergangen habe, endete es damit, dass ich die ganze Plotterei noch einmal von vorne anfangen durfte.

Aber da tickt vermutlich wirklich jeder anders. Man darf bei der Schneeflocke nur nicht vergessen, dass man ruhig immer wieder zurückgehen sollte, um Anpassung vorzunehmen und dass man sich eben NICHT früh festlegt, sondern nur erste Denkansätze schafft.

Das gilt aber doch allgemein beim Plotten und ist etwas, was ich an der Diskussion Bauschreiber gegen Plotter noch nie verstanden habe. Ich plotte sehr viel, aber dennoch schmeiße ich meine Pläne immer wieder um - vieles kann ich immerhin schon beim Plotten anpassen, aber ich habe immer noch bei jedem Buch Ideen beim Schreiben, die ich dann auch durchaus einbaue. Es geht für mich nur einfacher, wenn ich schon das Gerüst habe und mir anschauen kann, wo ich eingreifen muss, um die neue Idee umzusetzen, bzw. ob das überhaupt möglich ist.
Und beim Überarbeiten folge ich auch immer meinen neuen Ideen (ich schreibe gerade zum dritten Mal einen Subplot neu ...).

@Jenna: Freut mich, wenn ich helfen konnte!
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Vic am 27. Februar 2016, 14:35:38
Ich finde es unglaublich schwer meine Plots auf einen Satz runterzubrechen. Ich glaube, ich verzettel mich da oft in zu vielen Kleinigkeiten und Nebenhandlungssträngen und was weiß ich ...
Aber grade deswegen erlebe ich das als sehr gute Übung um sich ein bisschen auf das Wesentliche zu konzentrieren und den "roten Faden" nie aus den Augen zu verlieren. Ich komme nämlich häufig an einen Punkt der Story wo ich denke "puh, was soll denn jetzt passieren?" und dann hilft es mir wenn ich mir die Prämisse nochmal ansehe und denke "ach stimmt ja - es geht im Wesentlichen darum wie Hilda die größte Zauberin am Hof wird, damit das passiert müsste als nächstes..." etc.

Also ich finde es schon eine sehr hilfreiche, aber auch schwierige Methode.

Was mich interessiert - macht ihr manchmal für einen Roman zwei "Schneeflocken"? Also grade wenn man zwei oder mehrere Protagonisten habt deren Storyline sich erst später verzweigt? 
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Sunflower am 27. Februar 2016, 18:02:21
Ich wollte seit Tagen sowieso noch mein persönliches Vorgehen mit der Schneeflockenmethode beschreiben, da passt deine Frage, Vic, gerade ganz gut.

Schritt 1-3 mache ich wie vorgegeben, wobei ich mir weit weniger Zeit dafür nehme als angegeben. Ja, man könnte tatsächlich eine Stunde an der Ein-Satz-Zusammenfassung sitzen, aber ich bin ein furchtbar ungeduldiger Mensch  ::)
Schritt 4, die Plotübersicht in fünf Absätzen, mache ich schon und schaue dabei, dass jeder Absatz einem Plotpunkt entspricht. Ich plotte nach der Fünf-Akt-Struktur (http://schreibwahnsinn.de/die-3-und-5-akt-struktur/) (erzähltechnisch), da passt das ganz gut. Allerdings ist meine Plotübersicht nie eine Seite lang, sondern immer länger - bei meinem aktuellen Projekt sind es beispielsweise drei Seiten.

Dann springe ich zu Schritt 7, weil ich sehr charakterbasiert schreibe und an diesem Punkt meine Figuren kennenlernen will. Dazu habe ich ein sehr ausführliches Charakterblatt, das auf Vergangenheit, Erziehung, Macken, Probleme und Konflikte abzielt. Pro Figur komme ich hier gern auf 7 Seiten, und das Ganze mache ich für jede Figur, die eine größere Rolle spielt. Bei meinem aktuellen Projekt sind das neun Figuren.
Weltenbau, Magiesystem oder was man sonst so braucht, beginne ich spätestens jetzt parallel.

Jetzt springe ich zurück zu Schritt 5 und schreibe für alle Figuren eine Plotübersicht. An dieser Stelle entstehen meine Nebenhandlungen ganz automatisch. Für jede Figur erstelle ich einen Plot nach der Fünf-Akt-Struktur, und da jede Figur andere Wendepunkte hat, habe ich nach diesem Schritt ganz viele Subplots. Bei meinem aktuellen Projekt habe ich für die neun Figuren jeweils etwa vier Seiten geschrieben.

Für Schritt 6 kopiere ich eigentlich nur die ganzen Charakterübersichten von Schritt 5 zusammen und bringe sie dann in eine logische, übersichtliche Form.

Die Szenenübersicht von Schritt 8 mache ich nicht in einer Excel-Tabelle, sondern in Scrivener. Ich gehe so vor, dass ich jede Szene aus jeder Sicht jeder Figur erstelle und erst später entscheide, welche Perspektiven ich für die Geschichte brauche.
Schritt 9 mache ich nicht.
Dafür teile ich nun die Szenen aus Schritt 8 in Kapitel ein, entscheide, welche ich schlussendlich schreibe. Und dann schreibe ich  ;D

So, und so komme ich regelmäßig auf Plotdokumente von 50-65k Wörtern  :D

Also, Vic, ich mache im Endeffekt nur eine Schneeflocke, aber mit den Charakterübersichten lässt sich trotzdem jede Figur sehr detailliert einarbeiten.
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Entropy am 27. Februar 2016, 19:13:16
Man darf bei der Schneeflocke nur nicht vergessen, dass man ruhig immer wieder zurückgehen sollte, um Anpassung vorzunehmen und dass man sich eben NICHT früh festlegt, sondern nur erste Denkansätze schafft.

Achso, dann wäre es kein Problem. :) Ich weiß bei solchen Methoden nur nie inwieweit man seine vorherigen Festlegungen revidieren kann/sollte, damit der Sinn der Methode nicht verloren geht. Wäre es dann so, dass man am Anfang die Methode benutzt, um sich ein Konzept zu überlegen, das man aber während des Schreibens noch beliebig abändern kann?

@Sunflower: 50-65k! :d'oh: So viel schaffe ich nicht mal bei der richtigen Geschichte!
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Kerstin am 28. Februar 2016, 08:42:00
@Vic: Das hängt bei mir davon ab, wie stark getrennt die Handlungsstränge voneinander sind. Sind es praktisch zwei separate Geschichten, dann mache ich auch zwei Schneeflocken. Ich habe auch schon Mal eine für die Haupthandlung gemacht und eine für den Antagonisten, obwohl er eigentlich nur am Ende wirklich auftaucht, aber ich wollte, dass er seine eigene schlüssige Geschichte im Hintergrund erlebt. Der Antagonist ist schließlich immer der Held seiner eigenen Geschichte (aus seiner Perspektive).

Was ich aber immer mache, ist die Geschichte eben mit der 7-Punkt-Struktur in Haupt- und Nebenplots zu strukturieren und mache das ebenso für die ganzen wichtigen Figuren. Ob nun deren Plotpoints dann auch jedes Mal in der Geschichte in ausgeschriebener Form vorkommen, ist wieder eine andere Geschichte.  ;D

@Entropy: Natürlich. :) Es gibt keine Plotpolizei, die kontrolliert, ob du dich auch brav an alles hältst. Für mich dient das Plotten nur dazu, dass ich die ersten großen Schwächen in einer sehr frühen Phase schon erkennen und ausmerzen kann und auch, ob ich überhaupt schon genug Material habe, dass es einen ganzen Roman trägt.
Ich habe wirklich noch nie einen Roman geschrieben, bei dem ich meinen Plot nicht noch während des Schreibens teilweise abgeändert habe, wenn ich eine Idee hatte.

@Sunflower: Danke für deinen Beitrag. Es ist schön zu sehen, wie man die Schneeflocke variieren kann. :)
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: chaosqueen am 29. Februar 2016, 13:28:58
@Entropy: Ja, das schreibt Ingermanson auch wiederholt, dass man unbedingt nach jedem Schritt prüfen soll, ob rückwirkend etwas angepasst werden muss.
Sein Ratgeber ist ja als eigene Geschichte aufgebaut, in deren Verlauf Goldlöckchen diese Methode kennenlernt und an ihrer Geschichte arbeitet. Im ersten Entwurf stirbt der Antagonist am Ende des ersten Aktes, aber später, als sie sich endlich mit seiner Biografie beschäftigt, merkt sie, dass sie ihn nicht umbringen kann und ändern rückwirkend den Punkt wieder - woraus sich natürlich auch Abweichungen im weiteren Verlauf der Geschichte ergeben, die dann entsprechend geändert werden.
Und auch die Beispielgeschichte hat einen Nebenplot: Die Figuren sind überwiegend aus Märchen entlehnt (Goldlöckchen und die drei Bären (die hier die Dozenten sind), der Große Böse Wolf, das kleinste der drei Schweinchen etc. pp.), und es geht eben nicht nur um den Schreibkurs, sondern auch um die Vergangenheit der Figuren und darum, dass der Wolf angeblich ein Mörder ist. Im Nebenplot löst Goldlöckchen also auch noch einen Mordfall.

Da das letzte Drittes des Buches genau die Schritte der Schneeflockenmthode für diese Geschichte enthält, kann man sehr schön sehen, dass man auch Nebenplots prima damit einflechten kann.

Ich selber hänge noch immer in Schritt 3. Es fällt mir erstaunlich schwer, mit der Methode zu arbeiten, vermutlich, weil ich so exaktes Plotten einfach nicht gewöhnt bin.
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Trippelschritt am 29. Februar 2016, 13:57:29
Der erste Schritt der Methode, die ganze Geschichte in einem Satz zusammenzufassen, ist der eine Schritt, der den Autor zwingt, Farbe zu bekennen. In diesem Satz legt er sich fest, worüber er eigentlich schreiben will. Ich brauche meist ein paar Monate, bis ich das herausgefunden habe, wenn es nicht bereits der Grund ist, warum ich überhaupt dieses Projekt angehe. Dieser eine Satz muss auch nicht unbedingt etwas mit dem Verlauf des Plots zu tun habe. Er enthält aber das Kernelement der Geschichte und für mich das Wichtigste in der Planungsphase, denn ohne diesen einen Satz kann ich meine Ideen nicht bewerten.
Und in den seltenen Fällen, in denen man zweite erste Sätze hat, sollte man entscheiden, wo die Priorität liegt.

Und auch dieser Satz darf später durchaus geändert werden.

Liebe Grüße
Trippelschritt
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Mina am 01. März 2017, 12:41:59
Ich grabe mal das Thema wieder aus, ich hoffe das ist in Ordnung.

Ich plane gerade mit der Schneeflockenmethode meinen Roman und bin jetzt gerade bei den Charakteren. Was mich interessieren würde, welche Charakter habt ihr damit geplant? Nur die Hauptprotagonisten oder auch die Nebenfiguren, die eine etwas größere Rolle spielen? Bin mir gerade unsicher, weil ich bemerke, dass durch die Methode meine Nebenfiguren viel zu viele Konflikte bekommen und zu "groß" werden. Dieses Problem hatte ich sonst nicht bei meinen Geschichten, wenn ich sie mit der Methode geplant habe.

Hoffe die Frage wurde noch nicht hier gestellt, habe jetzt nicht die ganzen Seiten durchgeschaut.
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Kerstin am 01. März 2017, 12:54:42
Wenn du einen Antagonisten hast, würde ich den auf jeden Fall ausführlich mit der Methode plotten.

Bei den Nebenfiguren finde ich es durchaus auch hilfreich - man muss und darf ja nicht alles, was man über die Figuren weiß, auch in die Handlung einbringen. Nach meiner Erfahrung werden Nebenfiguren dadurch aber etwas weniger schablonenhaft und die Welt fühlt sich oft etwas reeller an, wenn man als Autor andeuten kann, dass auch die Nebenfiguren eine Geschichte haben.
Als muss würde ich das aber nicht bezeichnen. Es hängt ja auch davon ab, wieviele Figuren man insgesamt hat. Pro Perspektivträger versuche ich immer noch um die 6 Figuren sehr detailliert auszuarbeiten.
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: caity am 01. März 2017, 13:11:15
Hallo Mina,

ich plotte in der Regel die ca. 5 wichtigsten Figuren mit der Methode (auch Antagonisten), aber nicht alle Nebenfiguren. Zum Teil liegt das daran, dass manche Charaktere erst im Rahmen des Romans ihre Rolle erhalten. Zum Teil geht es mir ähnlich wie dir: sobald ich eine Figur mit der Methode durchnehme, könnte ich mindestens einen Spinoff dazu schreiben. Für die Nebenfiguren, die ich bereits kenne, lege ich lediglich Steckbriefe an, um ihnen nicht aus Versehen verschiedene Augenfarben zu verpassen. Taucht ein neue Figur auf, von der ich merke, dass sie nicht ihren letzten Auftritt hatte, wird für sie ebenfalls sofort ein Steckbrief angelegt (sofern ich daran denke *hust*)

Alles Liebe,
caity
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Aphelion am 01. März 2017, 21:33:25
@Mina

Ich liste alle Nebencharaktere, die mehr als Statisten sind, mit auf, aber die Charakterbögen sind etwas kürzer. Die Geschichten bekommen mMn dadurch mehr Tiefe und du kannst mehr zwischen den Zeilen schreiben.

Du musst nicht alles explizit im Text verwerten, was du planst! :)

Zum Teil liegt das daran, dass manche Charaktere erst im Rahmen des Romans ihre Rolle erhalten.

So geht es mir auch - allerdings arbeite ich die Schritte nicht 100%ig nacheinander ab. Die Charakterbögen entstehen bei mir in der Regel erst mit der Szenentabelle.
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Mina am 02. März 2017, 09:59:52
Vielen Dank, ihr Drei!

Die Antagonistin ist auf jeden Fall dabei, die habe ich schlichtweg vergessen aufzuschreiben, als ich hier gefragt habe.

@Kerstin : Mmmh.. dass mit den angedeuteten Geschichten finde ich an sich nicht schlecht, doch muss man da auch ziemlich vorsichtig sein. Wenn der Leser auf einmal sehr interessiert an der Nebenfigur ist und die Geschichte überhaupt nicht mehr behandelt wird, fühlt er sich auch hintergangen.
Ich muss sehen, dass ich wenig ausschweife, da ich mir vorgenommen habe, alles in ein Buch zu quetschen. Es ist auch nur ein Perspektiventräger, dann ´ wären sechs noch vollkommen in Ordnung. Aber wie groß waren die Konflikte bei deinen Nebenfiguren oder die Ziele?

@caity : Ja, die meisten Nebenfiguren kenne ich schon, zumindest die eine etwas größer Rolle spielen. Das mit den "nur" Steckbriefen ist auch eine gute Idee.

@Aphelion : Hast du nur Charakterbögen für sie oder überlegst du dir auch welche persönlichen Ziele sie haben? Welche Konflikte etc.?
Weil ein kurzer Charakterbogen wäre schneller ausgefüllt, so geht es mir zumindest.

Liebe Grüße
Mina
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Kerstin am 02. März 2017, 10:28:30
@Kerstin : Mmmh.. dass mit den angedeuteten Geschichten finde ich an sich nicht schlecht, doch muss man da auch ziemlich vorsichtig sein. Wenn der Leser auf einmal sehr interessiert an der Nebenfigur ist und die Geschichte überhaupt nicht mehr behandelt wird, fühlt er sich auch hintergangen.
Klar, niemand hat gesagt, dass es einfach ist, gute Geschichten zu schreiben.  ;D

Aber wie groß waren die Konflikte bei deinen Nebenfiguren oder die Ziele?
Definiere "groß". ;) Beim Antagonisten heißt es ja auch, dass er der Held seiner eigenen Geschichte ist. Dassselbe gilt im Grunde auch für die Nebenfiguren - für sie sind ihre Probleme immer groß.
Aus Lesersicht kann es natürlich unterschiedlich empfunden werden.
Bei mir haben meine Hauptfiguren meisten die aus Lesersicht größeren Probleme, aber auch nicht immer.

Man soll sie ja auch wirklich nicht alle oder überhaupt welche der Nebenfigurkonflikte in die Geschichte einbringen. Wenn man aber weiß, dass Figur X ein Trauma aus der Vergangenheit hat und deshalb zum Beispiel Angst vor bestimmten Situationen hat, oder Figur Y steckt gerade mitten in einem Sorgerechtsstreit und kann solche Themen nicht mehr neutral betrachten, dann reagieren die Figuren einfach viel authentischer. Der Konflikt im Hintergrund ist trotzdem mit nur einem Absatz abgehandelt und muss nicht weiter ausgeführt werden.

Das ist zumindest meine persönliche Erfahrung.
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Aphelion am 02. März 2017, 19:03:51
@Mina

Ich überlege mir auch Motive, Ziele, Konflikte und Details zur Persönlichkeit. Bei mir ist das alles in den Charakterbögen, zusammen mit äußerlichen Merkmalen usw. :)

Kerstin hat schon etwas ähnliches geschrieben, deshalb nenne ich mal ein konkretes Beispiel:

In einer Geschichte begegnen meine Protagonisten einer alten Frau, die in einem vergangenen Krieg zwischen die Fronten geraten ist. Für die Handlung hat diese Frau nur den Zweck, die Gruppe mit halben Informationen zu versorgen, sodass die Protas einen Hinweis haben, daraus einen falschen Schluss ziehen und in ein Problem geraten.

Warum macht die Frau das? Weil sie den Protas einerseits helfen will, aber andererseits kann sie aufgrund ihrer Erlebnisse niemandem mehr vertrauen. Außerdem ist sie sich nicht sicher, ob sie überhaupt irgendeine Seite in einem Konflikt  jemals wieder unterstützen möchte – selbst wenn es ihre Landsleute sind und sie selbst indirekt ebenfalls betroffen wäre, wenn es zu einem erneuten Krieg kommt.

Das spiegelt sich auch in ihrer Persönlichkeit wider: Sie ist misstrauisch und hin und her gerissen, ob sie helfen will oder nicht. Die Situation beunruhigt sie und am liebsten würde sie die derzeitige politische Lage verdrängen. Sie ist nicht übermäßig introvertiert, aber auch nicht extravertiert; sie ist nicht sehr offen für Neues und hat eine leicht antisoziale Einstellung übernommen ("Hilf dir selbst", "Sei dir selbst der Nächste"). Aber sie ist gleichzeitig sehr gewissenhaft und kontrollbedürftig.

(Wer jetzt grob die Big Five erkannt hat: Glückwunsch, die nutze ich nämlich auch in meinem Charakterbogen. ;))

Alle diese Eigenschaften wirken sich auf das Verhalten der alten Frau aus. Der Leser weiß, dass es den vorherigen Krieg gab und dass die Frau persönlich darunter litt. Den Rest sehen eine Protas (Show Don't Tell).

Dadurch ist das Verhalten der alten Frau nicht aus der Luft gegriffen. Sie muss ja einen Grund haben, warum sie etwas (nicht) sagt, was für die Protagonisten wichtig ist. Wenn ein Grund nicht einmal angedeutet ist, wirkt die halbe Informationsweitergabe sonst künstlich erzwungen.

Die Backstory hilft mir auch beim Schreiben, ein besseres Gespür für die Figur und für die Situation zu bekommen. Mir ist es wichtig, dass meine Figuren nicht austauschbar sind und alle gleich klingen. (Ob mir das immer gelingt, ist eine andere Frage.  :psssst:) Nur weil man etwas nicht sieht (d.h. explizit in die Geschichte schreibt), heißt das noch lange nicht, dass es keine Auswirkungen hat. Du siehst/erlebst die Auswirkungen.

Auch dem Leser möchte ich das Gefühlt geben, dass die Geschichte sich nicht nur vor einer Fassade abspielt, sondern dass noch viel mehr dahinter steckt. Leser haben die Chance, die Lücken selbst zu füllen. Keine Logiklücken, wohlgemerkt.

Das gilt für Nebenfiguren. Statisten sind (für mich) in Gegensatz dazu austauschbare Gestalten, die keinen nennenswerten Zweck erfüllen.



Wenn du Schneeflockenmethode öfter benutzt und sie deinen Bedürfnissen anpasst, ergeben sich solche Probleme wahrscheinlich auch irgendwann. Du merkst mit der Zeit, was du für welche Art von Geschichten brauchst und was nicht – und wie du effizient vorgehen kannst. :)
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Mina am 03. März 2017, 11:47:16
@Kerstin
Klar, niemand hat gesagt, dass es einfach ist, gute Geschichten zu schreiben.  ;D

Ich hasse diesen Satz.  Aber Recht hast du natürlich. (Juhu, zitieren hat geklappt)

Klar, beim Antagonisten können bei mir die Konflikte auch groß sein, den arbeite ich so aus wie den Protagonisten. Also er ist mir klar.

An euch Beide: Ich verstehe euch schon. Aber sagen wir mal, @Aphelion du hast da deine alte Frau, natürlich hast du ihre Motivation, Ziele usw., aber es geht ja dann weiter in der Schneeflockenmethode, es kommt der Punkt, wo du die Geschichte aus ihrer Sicht beschreiben sollst. Machst du das auch?
Weil daran denke ich jetzt schon, wenn ich an dem Schritt mit der Motivation etc. schreibe. Dann sind für mich die Nebenfiguren nicht dabei, da sie soviel Ausarbeitung, die ich nicht brauchen. Reicht es dann nicht einfach einen Charakterbogen anzulegen, der kurz und knapp ist, aber auch genug aussagt, um eine Persönlichkeit zu haben?
Ich glaube, dass reicht mir. Ich werde aber auf jeden Fall Motivation usw. berücksichtigen, dass habt ihr mir aufgezeigt. Tja, so kommt man selbst auf die Lösung.  ;D

Die Schneeflockenmethode habe ich sonst eben bei meinen anderen Geschichte angewendet, doch das waren eben Fanfiction, da wusste man schon aus der eigentlichen Geschichte, welche z.B. Motivation es gibt.  Angepasst habe ich die Methode schon ein wenig, nur das Gefühl für die vollkommend eigene Geschichte fehlt mir noch.
Ich hoffe, es kommt noch.

Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Aphelion am 03. März 2017, 12:21:50
es kommt der Punkt, wo du die Geschichte aus ihrer Sicht beschreiben sollst. Machst du das auch?
Das mache ich grundsätzlich nicht, meine Schneeflockenvariante ist stark verkürzt. Ich lasse diesen Schritt aus, weil das Ergebnis für mich zu offensichtlich ist und der Schritt eine reine Fleißaufgabe wäre. Da verschiedene Autorinnen verschiedee Herangehensweisen und Stil haben, muss der Schritt allerdings nicht umsonst sein; er passt lediglich nicht in meine Arbeitsweise.

Wenn dir ein kurzer Charakterbogen reicht, dann ist das doch auch okay. :)
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Kerstin am 03. März 2017, 14:49:41
Jeder arbeitet nach seiner eigenen Methode, da gibt es kein richtig oder falsch.
Ich lasse den Schritt mit dem "Schreiben aus der Perspektive" inzwischen fast immer weg. Manchmal mache ich das noch für meinen Antagonsisten, da es mit helfen kann, einen neuen Blick auf die Geschichte zu bekommen.

Ich habe keine Ahnung, wie erfahren du im Schreiben von eigenen Büchern bist - meinen Schreibschülern rate ich als Anfängern immer dazu diesen Schritt für alle Figuren, also auch die Nebenfiguren zu machen.

Und ich finde nicht, dass irgendeine Hintergrundarbeit an einer Geschichte, bzw. deren Charakteren unnötig ist (Ausnahmen bestätigen die Regel). Man erfährt immer so viel Neues über die Figuren, die Kernelemente der Handlung ...
Gerade bei Charakteren finde ich es wichtig. Ein paar Eigenschaften habe ich schnell zusammengeschustert - bei mir bleiben die Figuren dennoch eher schablonenhaft, da sie eben nur entsprechend ihrer Eigenschaften handeln. Dieses "mehr" fehlt einfach, das sie zu reellen, glaubhaften Persönlichkeiten werden lässt (zumindest komme ich dem durch diese Techniken ein Stück näher).
Das Wichtige ist nur, dass man das dann nicht auch alles ins Buch packt, damit die Arbeit nicht vergebens war. :)

Ich arbeite aber ohnehin mit einer stark abgewandelten Schneeflockenmethode und verwende nur wenige Schritte. Gerade die Charakterentwicklung ist für mich bei der Technik suboptimal.
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Mina am 05. März 2017, 12:05:45
So jetzt schaffe ich es endlich zu antworten.

Ich bin überrascht, dass der Teil "Schreiben aus der Perspektive" bei euch wegfällt. Ich finde dabei lernt man soviel über die Geschichte und die Charakter. Ich mag den Schritt sehr gerne. Aber wie ihr schon gesagt habt, jeder hat seine andere Arbeitsweise.

Also ich bin kein blutiger Anfänger, was das Schreiben und Planen betrifft. Doch bis jetzt habe ich Fanfiction geschrieben, die ich aber auch mit der Schneeflockenmethode geplant habe. Aber ein eignes Buch zu planen ist Neuland für mich.

Die Frage ist, was definiert man als Nebenfiguren. Natürlich werde ich die Nebenfiguren ausführlicher Planen die meine Hauptprota begleiten oder sehr oft treffen. Doch was ist mit einer Nebenfigur, die vielleicht drei oder vier Szenen im Buch vorkommt? Muss ich die unbedingt ausführlich planen? Ich finde es nicht. Ein Charakterbogen, wo ich das Wichtigste aufschreibe, auch die Motivation oder seine Probleme/Lage, reicht es doch auch. Dadurch kann der Charakter ebenfalls lebendig wirken, auch wenn man nicht ellenlang seine Vergangenheit aufgeschrieben hat oder was er gerade macht, wenn der Hauptprota gejagt wird, sondern einfach nur ein paar wichtige Eckdaten habe.

Ich mag die Charakterentwicklung gerade bei der Schneeflockenmethode. Wie entwickelst du denn deine Charakter @Kerstin ?
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Kerstin am 05. März 2017, 14:40:39
Eine Figur, die nur in drei Szenen auftaucht würde bei mir üblicherweise eher in die Kategorie Statist fallen (außer sie hat eine wichtige Rolle in Bezug auf die Archetypen). Dementsprechend plane ich sie nicht wirklich.

Am Anfang plane ich meine Figuren eigentlich nur nach GMC und Essence und Mask. Charakterbögen fülle ich nur nebenher aus, meistens gehe ich nur zu den Figuren zurück, wenn ich bei meinen Szenenlisten hängen bleibe.

Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Guddy am 05. März 2017, 19:20:49
Wollte nur mal "Danke" für diesen Thread sagen. :)

Kerl und ich haben heute fleißig mit Hilfe der und der 7-Punkte-Methode geplottet und sind nun um einiges klüger geworden, was unsere neuen Projekte angeht. Wir haben nicht alles 1:1 übernommen sondern die wichtigsten Dinge herausgepickt, aber das macht ja nichts.

Bin gespannt, wie es wird, wenn wir dann nächste Woche tatsächlich anfangen werden zu schreiben!
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Mina am 08. März 2017, 11:12:13
Eine Figur, die nur in drei Szenen auftaucht würde bei mir üblicherweise eher in die Kategorie Statist fallen (außer sie hat eine wichtige Rolle in Bezug auf die Archetypen). Dementsprechend plane ich sie nicht wirklich.


Ich meinte jetzt Nebenfiguren, die eine Rolle spielen und nicht nur zwei Sätze sagen, aber eben trotzdem nur selten vorkommen.



Am Anfang plane ich meine Figuren eigentlich nur nach GMC und Essence und Mask. Charakterbögen fülle ich nur nebenher aus, meistens gehe ich nur zu den Figuren zurück, wenn ich bei meinen Szenenlisten hängen bleibe.



Sorry, aber was ist GMC, Essence und Mask?
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Aljana am 08. März 2017, 11:37:17
Ich schreibe ja auch die meisten meiner Bücher nach diese Methode und muss sagen, das Planen ist bei mir mehr ein Entwickeln. Sicher, meine Protas stehen von Anfang an fest, aber manchmal passiert es wirklich (wie bei meinem Opus magnus), dass ich mich in ne Sackgasse schreibe. Manchmal hilft dann nur, den Plot ab einer gewissen Stelle killen. Meinen nächsten Meilenstein schreiben, also eine Szene, von der ich schon fest weiß, dass sie irgendwann genauso vorkommt. Und dann schaue ich. Wo hängt es, oder an wem? Warum komme ich von dem Punkt wo ich bin, noch nicht zu dem Punkt, an den ich will? Welche Perspektive fehlt mir? Was passiert in der Zwischenzeit (off screen) und was MUSS der Leser wissen, weil er sonst den logischen Schluss nicht ziehen kann?
Um dieses ganze Gebilde an Fragen herum tauchen dann Figuren auf. Manche haben Statistenrolle, weil ich sie nur einmal brauche, andere wirken als Katalysatoren und tauchen mehrfach auf, und wieder andere entwickeln sich zu echten Nebenrollen. Aber das von vornherein immer festzulegen ist für mich fast unmöglich. Meine Figuren tun ehh, was sie wollen.
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Christopher am 23. März 2017, 10:23:49
Ich arbeite gerade daran, mein Herzensprojekt nach der Methode einmal zu ordnen, dabei stoße ich aber auf ein paar Probleme:

Wie macht ihr das bei Projekten, deren Umfang erheblich ist? Für ein einzelnes Buch mit einer in sich geschlossenen Geschichte sehe ich, dass die Methode hervorragend funktioniert. Aber was ist mit größeren Projekten? Die sich über mehrere Bücher ziehen und die quasi mehrere Schritte einer Gesamtgeschichte in sich geschlossen abhandeln? Gerade bei den kurzen Zusammenfassungen fällt mir das schwer. Es könnte aber auch an meiner Unfähigkeit mich kurz zu fassen liegen, daher frage ich euch:

Hat da jemand Erfahrung mit? Macht ihr für jedes Buch quasi einmal das Schema, oder schafft ihr es das in eines zu destillieren?
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Araluen am 23. März 2017, 10:37:06
Die Frage habe ich mir auch schon gestellt. Ausprobiert habe ich es noch nicht, aber ich würde für jeden in sich geschlossenen Abschnitt eine Schneeflocke machen.
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: caity am 23. März 2017, 10:58:12
Ich habe mit der Methode meinen Fantasy-5-Bänder durchgearbeitet und dabei für jeden Band die Schritte neu durchgearbeitet. An manchen Stellen ist es wirklich etwas ausgeufert. Und das Projekt war ursprünglich auch nur auf 3 Bände geplant. Aber grundsätzlich fand ich es ganz hilfreich, um die unterschiedlichen Entwicklungen in den Bänden festzuhalten.
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Aphelion am 23. März 2017, 18:36:31
Im Prinzip bin ich bislang wie Caity vorgegangen.

Zusätzlich schreibe ich gerade eine Zusammenfassung für die Gesamthandlung, noch bevor ich mit dem ersten Teil anfange. Interessanterweise schreibe ich die kurze Zusammenfassung (1 Seite) sonst nicht – aber in den Fall fühlt sich der Schritt für mich richtig an. Ich sehe jetzt, dass ich die Einzel-Schneeflocken nochmal anpassen muss, damit vor allem in den mittleren Teilen der Spannungsbogen der übergeordneten Handlung und die Charakterentwicklungen stärker werden.

In meinen Augen kommt es aber auch darauf an, wie stark die einzelnen Teile aufeinander aufbauen oder zusammenhängen. Wenn die Teile auch in sich geschlossen funktionieren (wie du schreibst) und z.B. durcheinander gelesen werden könnten, ist mein Vorgehen vielleicht nicht sinnvoll, sondern möglicherweise sogar hinderlich.
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Christopher am 24. März 2017, 09:31:45
Das ausufern ist auch wie gesagt mein Problem. Ein Projekt dieses erheblichem Umfangs lässt sich nur sehr schwer komprimieren. Ein weiteres Problem ist wohl, dass ich das ganze bereits einmal geschrieben hatte, jetzt nur neu fasse. Im Grunde brauche ich also den Kreativ-/Denkanstoß den die gesamte Arbeit liefert nicht.
Dennoch waren/sind einige Schritte sehr hilfreich. Sich mit den verschiedenen Motivationen und Zielen der Nebenfiguren auseinanderzusetzen hilft z.B. bei den Dialogen sehr.
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Natascha am 16. April 2020, 15:59:07
Hier wurde schon sehr lange nicht mehr geschrieben, aber da das Thema mich aktuell sehr interessiert und ich es gerne für ein neues Projekt ausprobieren möchte, grabe ich diesen thread mal wieder aus.
Werde mir jetzt erstmal lesen, was schon dazu geschrieben wurde.
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: FeeamPC am 17. April 2020, 12:21:34
Schneeflocke ist für mich eine gute Metapher. Wie die Schneeflocken schmelzen, zu Rinnsalen, Bächen und am Ende zu einem Fluss werden, müssen auch die einzelnen Schneeflocken einer Erzählung am Ende im großen Fluss der Geschichte aufgehen.
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Trippelschritt am 17. April 2020, 12:54:51
Ausprobieren! Nichts bringt einen so gut nach vorn wie ausprobieren.

Die Schneeflockenmethode hat wie alle Methoden ihre Vor- und ihre Nachteile.
Sie klingt idiotensicher und absolut überzeugend, muss aber zur eigenen Schreibweise passen.

Viel Glück
Trippelschritt
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Lisa Kober am 17. April 2020, 17:06:27
Mir geht es wie Natascha, ich lese mich durch eure ganzen Kommentare. Es ist spannend eure Erfahrungen dazu zu hören, sauge alles auf. Danke an alle, die sich hier so ausführlich geäußert haben!

@FeeamPC mir gefällt deine Namenserklärung der Schneeflockenmethode  :wolke:
Titel: Re: Plotten mit der "Schneeflocken-Methode"
Beitrag von: Natascha am 17. April 2020, 17:10:53
So, ich habe mich jetzt durch viele der Vor- und Nachteile hindurchgelesen und fand das total spannend. Ich habe auch beschlossen, dass ich die Methode für ein zukünftiges Projekt ausprobieren möchte, zu dem ich vermutlich noch eine Weile nicht kommen werde, da ich erst meine jetzige Geschichte abschließen möchte.
Ich kann mir vorstellen, dass die Schneeflocken Methode gut dafür geeignet ist, etwas im Kopf zu behalten, auch wenn sich mit Sicherheit einige der geplanten Verläufe noch verändern, während man schreibt. Aber so geht zumindest nichts verloren, was einem einfällt, während man noch in einem anderen Projekt eingebunden ist.