Tintenzirkel - Das Fantasyautorenforum

Allgemeines => Tintenzirkel => Thema gestartet von: TheMadZocker am 19. April 2017, 00:42:58

Titel: Viele Ideen - Welche behält man und wie steht's mit der Motivation?
Beitrag von: TheMadZocker am 19. April 2017, 00:42:58
Eine Sache, die mich schon etwas länger (unterbewusst) beschäftigte. Ich fand nie die Lust zum Schreiben; ich tagträume täglich, im Bett, im Auto, auf'm Pot, aber trotzdem war es nur uninteressanter Mist, der zu nichts führte.

Letzte Nacht träumte ich davon, ich wäre der Charakter Kalista aus League of Legends (eine speerwerfende Rächerin ungewöhnlicher Natur) und hätte einige meiner Feinde bekämpft und getötet. Anschließend stand ich auf einem weiten grünen Feld mit nichts weiter als einem kleinen weißen Häuschen mittendrin. In diesem Haus wohnte ein alter Mann, zu dem ich/der Charakter wohl eine bestimmte Bindung hatte, denn nur Sekunden später ging ich ins Haus und setzte mich dem Mann gegenüber.
Ich wachte auf, ich fühlte mich extrem gut. Mir kam dann seit Langem endlich wieder eine Idee, die mir gefiel: Eine Rächerin, die mit einer Gruppe gleichgesinnter in Träume eindringt und sie von den Schatten befreit. Niedergeschrieben, alles cool.

Im Laufe des Tages stellte wurde mir etwas klar und stellte mir daraufhin diese Fragen: Wie kann ich diese Idee verwerten, ohne, dass sie nachher uninteressant wird? Und wie verhindere ich, zu einer alten guten Idee zurückzukehren, wenn ich mit dem Produkt der vorherigen Idee noch nicht zufrieden bin? Es ist eine Motivationsfrage und arbeite bereits daran. Doch mit vielen nicht erledigten Geschichten wird mir das langsam zu viel. Mir gefällt der Gedanke einfach nicht, von Idee zu Idee zu springen und alte Geschichten verrotten zu lassen, bloß weil ich das Interesse daran verlor. Was kann man da machen? Ich versuche es gerade mit entspannender Musik und einem Kakao, doch so richtig anschlagen tut es wohl gerade nicht, zumindest nicht so, wie ich es erhoffte. :(
Titel: Re: Viele Ideen - Welche behält man und wie steht's mit der Motivation?
Beitrag von: Lina Franken am 19. April 2017, 01:11:11
Ich melde mich mal mit meiner Jonglier-Erfahrung zu Wort, denn viele Ideen-Häschen gleichzeitig zu füttern ist meine Spezialität  ;D
Ich habe eine Liste mit ca 21 Projekten und die werden tatsächlich mehr oder weniger zeitgleich gehandhabt. Es könnte sein, dass du auch ein Switcher bist. Unserer gibt es mehr, als man zuerst denkt. Ob du einer bist, stellst du am besten fest, indem du einfach für eine Weile probierst, ob dir das Springen zwischen Projekten gut tut. Ein paar Punkte sollte man beachten, um Chaos zu vermeiden, aber es hat auch viele Vorteile. Als Switcher bleiben dir "Leerläufe" erspart. Wenn ein Projekt einfach mal hängt, hüpfst du zum anderen und wenn das mal hängt kehrst du zum vorherigen zurück oder gehst zum Dritten. Ich hab anfangs auch Angst gehabt, dass ich an meinem Herzensprojekt das Interesse verliere, wenn es mal länger liegen bleibt und wenn ich in der Zwischenzeit was anderes schreibe. Aber ich habe es versucht und als ich nach über einem halben Jahr zurückkehrte, war die Motivation wieder voll da. Da war mir klar, dass Switchen die perfekte Methode für mich ist. Inzwischen arbeite ich eine Art "Fließband" heraus, das regelmäßiges Projekt-Hüpfen berücksichtigt. Aber paar Sachen muss man beachten:
-Zuerst musst du entscheiden, ob eine neue Idee gut genug ist für ein eigenständiges Projekt oder in irgendein vorhandenes integriert werden kann, aber dafür müssen die Ideen meist erst eine Weile liegen bleiben.
-Für jedes Projekt eigene Hefte/Dateien etc gut sortiert aufbewahren, am besten mit Inhaltsverzeichnis.
-Auch Dinge notieren, von den man denkt "merk ich mir schon". Nach längerer Zeit vergisst man es doch. Wenn man wechselt, vorher aufschreiben, wo man stehen geblieben ist, an was es gehangen hat etc.
-Gut eignet sich das Switchen, wenn man vorher den Plot seiner Projekte möglichst genau vorplant und in Abschnitte unterteilt.
Aber beim Schreiben sage ich grundsätzlich: Einfach alles mal ausprobieren!  :)
Titel: Re: Viele Ideen - Welche behält man und wie steht's mit der Motivation?
Beitrag von: TheMadZocker am 23. April 2017, 21:38:54
Ich könnte mich durchaus mal an das Switchen versuchen und werde das mal durchprobieren, danke. :)
Das Problem bei der Organisation und dem Ordnen ist aber, ich bin unendlich faul. Ich ordne die Geschichten nur nach Thema und Titel und sonst fast nichts. Ideen packe ich in eine Datei, je nach Thema, und schaue da einmal alle paar Wochen vorbei, da mir immer wieder was Neues einfällt. Auch beim Vorplanen habe ich so meine Schwierigkeiten, da ich bisher kein funktionierendes System entdeckt habe, was mir eine gute Übersicht über meine Vorgehensweisen gibt. Für Gewöhnlich schreibe ich mir ungefähre Plotlines grob auf und merke mir den Rest - Stichworte helfen mir beim Erinnern. Macht auf Dauer aber wenig Lust, da ich immer alles doppelt und dreifach überdenke. :(
Titel: Re: Viele Ideen - Welche behält man und wie steht's mit der Motivation?
Beitrag von: kathy am 26. April 2017, 15:28:55
Ich habe solche Phasen auch öfters. Meistens arbeite ich meine Ideen im Kopf weiter aus und wenn sie mir auch noch nach drei Wochen noch gefallen, ohne mich zu langweilen, beginne ich zu schreiben. Bei mir ist es meistens so, dass ich an mehreren Projekten mehr oder weniger intensiv arbeite. Aber nach einer gewissen Zeit, oder wenn ich krank bin  ;D, bekomme ich große Lust an einem Buch weiterzuschreiben. Dann kann es auch passieren, dass ich über die Hälfte der Geschichte in einer Woche schreibe  ;D Vielleicht geht es dir da ja so wie mir
Titel: Re: Viele Ideen - Welche behält man und wie steht's mit der Motivation?
Beitrag von: Alvin am 26. April 2017, 16:17:12
Ich würde dir auch vorschlagen, die Idee zunächst etwas ruhen zu lassen, und wenn sie dir dann in ein paar Wochen noch gefällt, strukturiert an die Planung zu gehen. Du scheinst ja bei der Planung sehr Plot-gesteuert vorzugehen. Hast du schon einmal probiert, von der Charakterebene heraus vorzugehen? Du könntest ja damit anfangen, deiner Rächerin Leben einzuhauchen und sie so gestalten, wie sie dir gefällt. Und erst dann denkst du dir Probleme und Hindernisse für sie aus, aus denen der Plot für deine Geschichte entstehen kann. Vielleicht lässt dich diese "Nähe", die du zu deinen Figuren entwickelst länger und motivierter bei der Sache bleiben.
Titel: Re: Viele Ideen - Welche behält man und wie steht's mit der Motivation?
Beitrag von: Kerstin am 26. April 2017, 16:25:40
Ich arbeite zwar auch immer an mehreren Projekten, aber meiner Meinung nach sollten es zu viele auch nicht werden, da man sonst nie (bzw. erst nach vielen Jahren) die ersten fertig hat - zumindest wenn man kein extremer Vielschreiber ist.

@TheMadZocker: Wie viele Projekte hast du denn bisher fertiggestellt?
Vielleicht fehlt dir auch etwas die Motivation, weil du noch nie ein ENDE geschrieben hast?

Ansonsten finde ich es schwierig, wenn man erwartet, dass einem jede Phase des Schreibens, Plottens und Überarbeiten Spaß machen soll. Klar, ein paar Leute mögen zu diesen Glücklichen gehören, aber es hat auch seinen Grund, warum das Schreiben durchaus in die Kategorie "Arbeit" fällt. Es gibt einfach Aspekte, an denen man vielleicht keinen so großen Spaß hat.
Bei mir ist es oft das Schreiben an sich - da putze ich fast noch lieber das Klo ...
Das Plotten und Überarbeiten empfinde ich dann schon wieder als angenehmer.

Ebenso finde ich, dass man sich auch durchaus zu etwas Ordnung, Disziplin und System zwingen sollte (nicht, dass ich da ein besonderes Glanzlicht wäre ...).
Zumindest wenn man wirklich mal etwas fertigstellen möchte.

Ansonsten sehe ich es nicht als etwas Schlimmes an, wenn man seine Geschichten nur im Kopf entwickelt und sich schnell einer neuen zuwendet. Niemand zwingt einen schließlich dazu, sie auch niederzuschreiben. Es kann auch schön sein, sie nur für sich zu behalten und sich die Freude am Erschaffen so zu erhalten. 

Nachtrag: Den Vorschlag, eine Idee erstmal ruhen zu lassen, finde ich auch sehr gut. Manchmal packt mich zwar eine so sehr, dass ich schon ein paar Gedanken dazu niederschreibe, aber ich fange mit der eigentlichen Arbeit frühestens an, wenn meine Begeisterung mehrere Wochen anhält. Ansonsten ist es für mich nur ein Strohfeuer.
Oft stelle ich auch beim Plotten dann noch fest, dass ich noch nicht genug "Material" habe, um daraus eine komplette Geschichte zu erschaffen. Dann zögere ich auch nicht, diese erstmal wieder auf Eis zu legen.
Titel: Re: Viele Ideen - Welche behält man und wie steht's mit der Motivation?
Beitrag von: TheMadZocker am 10. Mai 2017, 00:20:19
Ich würde dir auch vorschlagen, die Idee zunächst etwas ruhen zu lassen, und wenn sie dir dann in ein paar Wochen noch gefällt, strukturiert an die Planung zu gehen. Du scheinst ja bei der Planung sehr Plot-gesteuert vorzugehen. Hast du schon einmal probiert, von der Charakterebene heraus vorzugehen? Du könntest ja damit anfangen, deiner Rächerin Leben einzuhauchen und sie so gestalten, wie sie dir gefällt. Und erst dann denkst du dir Probleme und Hindernisse für sie aus, aus denen der Plot für deine Geschichte entstehen kann. Vielleicht lässt dich diese "Nähe", die du zu deinen Figuren entwickelst länger und motivierter bei der Sache bleiben.

Mh, ja und nein. Für Gewöhnlich kommt erst der Charakter, dann die Geschichte dazu. Auch jetzt mit der Schneeflocken-Methode die ich verwende, kommt ja schon in Stufe 3 die grobe Ausarbeitung des Charakters. Das Ding ist halt, dass ich meinem Char keine Persönlichkeitsmerkmale gebe, sondern Charaktereigenschaften. In folgender Reihenfolge denke ich mir einen Char aus: Rasse, Geschlecht, Rolle (Rächer, Söldner, Flüchtling, etc.), Eigenschaft (Kannibalist, 2. Persönlichkeit, wildes Temperament, etc.), außergewöhnliche Bewaffnung (z.B. Klinge aus Drachenklaue, Energie-/Magiedolche, Klingen-Tonfas) und Kleidung und Körpermerkmale (Narben, Piercings, etc.). Meiner Auffassung nach kann man nämlich die besten Geschichten erzählen, hat man einen eher außergewöhnlich ausschauenden Charakter. So erschuf ich einst einen gefühlskalten aber gerechten General, der Schneestürme herbeirufen konnte. Oder einen deformierten Hauptmann ohne Arme, der sich mit Tritten und Lopfnüssen verteidigte. Beides Chars, die mir sehr ans Herz gewachsen sind.
Bisher habe ich nur einen Charakter erschaffen, dessen Persönlichkeit ich von Grund auf aufgebaut habe. Allerdings entsprang er auch direkt aus dem tiefsten Punkt meiner Seele; es war in einer Phase (während meines 18. Lebensjahres), wo ich innerlich zerstört war und nur wenig Freude empfand. Der Char war ein emotionsloser Pirat, der tat, was er wollte und für seine absolute Freiheit kämpfte. Ich hatte einen ähnlichen Gedankengang, da ich mich "gefangen" fühlte und in diesem Char sowas wie meine "Befreiung" sah. Ergo konnte ich mich mit diesem Charakter viel eher identifizieren und konnte mich auch dementsprechend sehr für ihn begeistern, was bis heute anhält.
Ein weiterer Grund für diese Art der Charaktererstellung ist die, dass meine Chars sich (auch auf dem ersten Blick) von vielen anderen Chars unterscheiden soll, und zwar nicht nur von Chars aus anderen Geschichten, sondern in erster Linie auch von meinen eigenen Chars. Und zwar was Persönlichkeit, Ziele und vor allem Ausrüstung anbelangt.

Was ich aber noch ansprechen wollte, war die Strukturierung meiner Welt. Oder eher, wie gut das Thema passt.
Ich möchte jetzt keinen langen Exkurs machen, nur um meine Welt näher zu bringen, also am besten direkt zum Problem: Ich fing in einem RPG-Forum an. Über die Jahre schrieb ich Posts mit meinem Charakter, wanderte durch die vorgelegte Welt und gewöhnte mich langsam an sie, bis ich schließlich zum Mod wurde und selber NPCs (non-playable characters) erstellen durfte. Und diese sind es auch, die mir am ehesten gefallen/auf dem Herzen liegen! Der Eine außergewöhnlicher als der Andere, zu jedem einzelnen habe ich eine Geschichte im Kopf, und sind auch größtenteils miteinander verbunden. Und auch meine beiden Charaktere (es waren/sind im RPG 2 Hauptchars erlaubt) hatten anfangs nichts miteinander zu tun, bis sich mir die Gelegenheit bot, auch sie miteinander interagieren zu lassen und auch diese beiden völlig unterschiedlichen Chars zu verbinden.
Doch in meiner eigenen Welt dümpel ich nur hin und her, habe eine coole Geschichte + Konzept, einige eher außergewöhnliche Charaktere, aber denke mir Tag für Tag "Ne, das passt irgendwo nicht.", bis ich sogar an den Punkt kam, wo ich die Aspekte meiner Welt infrage stellte. Also ob das alles überhaupt zusammenpasst; Rassen, Magiestruktur, Vorgeschichte, Religion, Charaktere, Locations, etc. Und egal wie sehr ich darüber nachdenke, irgendwie komme ich immer an den Punkt zurück, dass meine ursprünglichen Ideen einfach besser sind und eher passen, als meine neuen Ideen. Es ist ein Teufelskreis!
Ich wollte diese "für mich perfekte Welt" erschaffen, wo alles, was ich mag, zusammenkommt, ohne dabei bewusst von anderen abzugucken. Und während der Krieg zwischen Harpyien und Halbdrachen, zusammen mit einer ausgestorbenen Zivilisation, eine coole Idee ist, scheint das ganze Drumherum nicht so ganz zu funktionieren...


Ich arbeite zwar auch immer an mehreren Projekten, aber meiner Meinung nach sollten es zu viele auch nicht werden, da man sonst nie (bzw. erst nach vielen Jahren) die ersten fertig hat - zumindest wenn man kein extremer Vielschreiber ist.

@TheMadZocker: Wie viele Projekte hast du denn bisher fertiggestellt?
Vielleicht fehlt dir auch etwas die Motivation, weil du noch nie ein ENDE geschrieben hast?

Ansonsten finde ich es schwierig, wenn man erwartet, dass einem jede Phase des Schreibens, Plottens und Überarbeiten Spaß machen soll. Klar, ein paar Leute mögen zu diesen Glücklichen gehören, aber es hat auch seinen Grund, warum das Schreiben durchaus in die Kategorie "Arbeit" fällt. Es gibt einfach Aspekte, an denen man vielleicht keinen so großen Spaß hat.
Bei mir ist es oft das Schreiben an sich - da putze ich fast noch lieber das Klo ...
Das Plotten und Überarbeiten empfinde ich dann schon wieder als angenehmer.

Ebenso finde ich, dass man sich auch durchaus zu etwas Ordnung, Disziplin und System zwingen sollte (nicht, dass ich da ein besonderes Glanzlicht wäre ...).
Zumindest wenn man wirklich mal etwas fertigstellen möchte.

Ansonsten sehe ich es nicht als etwas Schlimmes an, wenn man seine Geschichten nur im Kopf entwickelt und sich schnell einer neuen zuwendet. Niemand zwingt einen schließlich dazu, sie auch niederzuschreiben. Es kann auch schön sein, sie nur für sich zu behalten und sich die Freude am Erschaffen so zu erhalten. 

Nachtrag: Den Vorschlag, eine Idee erstmal ruhen zu lassen, finde ich auch sehr gut. Manchmal packt mich zwar eine so sehr, dass ich schon ein paar Gedanken dazu niederschreibe, aber ich fange mit der eigentlichen Arbeit frühestens an, wenn meine Begeisterung mehrere Wochen anhält. Ansonsten ist es für mich nur ein Strohfeuer.
Oft stelle ich auch beim Plotten dann noch fest, dass ich noch nicht genug "Material" habe, um daraus eine komplette Geschichte zu erschaffen. Dann zögere ich auch nicht, diese erstmal wieder auf Eis zu legen.

Das ist ein guter Gedanke.
Bisherige Projekte waren lediglich Kurzgeschichten oder eine komplette Randstory für das RPG, in dem ich noch bin. Es ist allerdings wahr, dass ich nur wenig wirklich zu Ende geschrieben habe. Ich weiß aber auch nicht, warum ich überhaupt erst gar nicht zu einem Ende komme, bzw. was mich davon abhält, mir ein geeignetes Ende auszudenken. Schlampige Charaktere? Uninteressante Neben-/Hauptcharaktere? Leblose Welt? Keine Vorstellungskraft für eine eigene Welt? Ich weiß ja, dass ich das alles habe und kann - ich tat es immerhin einst für das RPG. Aber bei den eigenen Werken scheint es zu haken.

Sicher ist das arbeit. Musste mich schon oft genug durchzwignen, etwas zu machen und zu schreiben.
Ich probiere ja gerade aktiv die Schneeflocken-Methode aus. Da kommt allerdings das (beliebte, wie ich mitbekommen habe?) Problem auf, dass mir zu den einzelnen Punkten nichts einfällt. Ich sitze z.B. dann bei Punkt 2 und überlege, was denn nun alles passieren könnte. Oft sitze ich dann da und es fällt mir nichts zufriedenstellendes ein, bzw. breche mittendrin ab, weil es für mich zu uninteressant wird. Ich lernte eines: Wenn man selber nicht mit dem Werk zufrieden ist, kann man es gleich in die Tonne kloppen, denn man merkt dann auch beim Lesen, dass da zu wenig Mühe hineingesteckt wurde. Da kommt aber das Problem, dass das Blatt weiß bleibt. Ein ewiger Teufelskreis, Fluch und Segen zugleich - wobei es eher mehr Fluch als Segen ist.

Ordnung und Disziplin versuche ich mir momentan zu erzwingen, aber kehre dann auch mal in die Phase zurück, wo mein Körper und Geist sagen, "Ich möchte jetzt nicht!" - und das ist recht häufig der Fall, da ich ein EXTREM fauler Mensch bin.

4 größere Ideen, wo ich Potential drin sehe, ließ ich schon seit einigen Monaten ruhen und lassen mich auch nicht los. Womöglich wegen unmöglichen Gefühls, damit nichts erreicht zu haben? Vielleicht. Ich weiß nur, dass ich alle Ecken und Kanten der Geschichte mögen möchte, bevor ich es andere überhaupt lesen lasse. Sollte mir ein Event, ein Hindernis (für meinen Char) nicht gefallen, wird sie direkt wieder verworfen und denke mir was Neues aus.

Hach, so werde ich nie etwas fertig kriegen...
Titel: Re: Viele Ideen - Welche behält man und wie steht's mit der Motivation?
Beitrag von: canis lupus niger am 10. Mai 2017, 15:38:46
Ordnung und Disziplin versuche ich mir momentan zu erzwingen, aber kehre dann auch mal in die Phase zurück, wo mein Körper und Geist sagen, "Ich möchte jetzt nicht!" - und das ist recht häufig der Fall, da ich ein EXTREM fauler Mensch bin.

Wenn Du irgendwann etwas Geschriebenes in Händen halten willst, und sei es  "nur" als Ausdruck einer Sammlung loser Ideen, dann musst Du wohl oder übel damit auch mal anfangen.
Von nüscht kommt nüscht. Aber - wer weiß? - vielleicht macht es Dir ja sogar Spaß, wenn Du erstmal dabei bist? Besorg Dir doch ein schönes Notitzbuch, in dem Du die besten Deiner Eingebungen mit wenigen Worten und Sätzen festhältst. Oder leg eine entsprechende Datei an, wenn Dir das mehr liegt.

So ähnlich hat es bei mir auch angefangen. Mein erstes Geschreibsel war eher eine Art Kalligraphieübung aus Langeweile und Frust (über die entsetzlichen Hausaufgaben-Schreibversuche meiner jüngsten Tochter in der ersten Grundschulklasse  ::)). Da habe ich mir ein Schulheft geschnappt und (als Beweis, dass es doch möglich ist, sauber zu schreiben?) einige Sätze von Situationen hineingeschrieben, die MEINEN teils Jahre alten Tagträumen entsprangen. Ich hätte im Leben nicht gedacht, dass da mal ein Buch draus werden könnte. Aber es machte Spaß und so schrieb ich immer mal wieder und immer weiter. Auf den Gedanken, diese immer weiter gewachsene Ideensammlung zu einer durchgängigen Geschichte auszuarbeiten, kam ich erst Monate später. Diesem etwas schrägen Beginn meiner Leidenschaft entsprechend schreibe ich auch immer noch am liebsten (zumindest zeitweise) von Hand. Inzwischen gibt es drei veröffentlichte Bücher und zwei weitere, weit fortgeschrittene Manuskripte. 

Einfach mal anfangen.

Wenn Du keine Lust hast, viel zu schreiben, dann schreib wenig. Aber schreibe!
Versuch nicht, auf Anhieb etwas Perfektes zu schaffen. Das wird sowieso nix.
Titel: Re: Viele Ideen - Welche behält man und wie steht's mit der Motivation?
Beitrag von: Silvasurfer am 15. Mai 2017, 13:58:04
Stephen Kings sagt in einem seiner Gespräche auf Youtube zum Thema Ideen in Notizbüchern festhalten:

"Notizbücher sind der beste Weg um grauenhafte Ideen für immer festzuhalten und sie niemals loszulassen!"
Ja... So etwas in der Art sagt her. Es ist meine freie Übersetzung. Zu deiner konkreten Frage also meine konkrete Antwort: Lass deine Ideen auf sich Ruhen! Und nicht nur damit würde ich mich vielen Vorrednern anschließen.

Warum also antworte ich dennoch zu dieser Frage?! Nun, es scheint mir, dass du eine Schreibblockade erlebst. Was fehlt ist also Motivation und wenn die fehlt tut es gut das gleiche von mehreren zu hören, damit man endlich aufwacht und loslegt.

Und in diesem Sinne möchte ich dir das beste Rezept für diese Krankheit verschreiben. Du hast es bereits gehört: Das Rezept ist tägliche Schreibarbeit. Nimm sie dir vor als Tagesziel und nimm sie auch wahr, sei dankbar für jeden noch so kleinen Schritt, den du umgesetzt hast, anstatt erst auf eine Idee zu warten. Wichtig ist, dass du bei deinem Tagewerk bleibst! Und das ist vor allem schreiben! Such nicht nach der perfekten Idee um loszulegen! Es ist wie Pink Floyd singt: "U missed the starting gun!" Die Idee wird dich finden, damit du sie zu Papier bringen kannst, denn dort will sie sein und du bist nur das Medium.


Ich habe zum Beispiel eine wöchentliche To-Do-Liste. Und obwohl an manchen Wochen sich lediglich eine kleine Idee manifestiert, so manifestiert sie sich doch und es fühlt sich gut an, die To-Do-Liste abzuhaken. Und dieses gute Gefühl ist es, so scheint es mir, welches Ideen erzeugt und vor allem umsetzt. Du sagst dir gefiel nicht jede Idee, aber vielleicht war sie einfach noch nicht ganz ausgearbeitet. So eine Idee ist wie ein Baby und das sage ich als Vater, der gesehen hat, wie seine Tochter auf die Welt kam. Sie zu verwirklich bedeutet sich hinzusetzen und zu sagen: Okay ich bringe sie jetzt zu Papier, und wenn sder Text kacke ist, dann knülle ich das Papier zusammen und schreibe sie nochmal. Die erste To-Do-Liste sah folgendermaßen aus, sehr schlicht:

Schreibe etwas am Montag
Schreibe etwas am Dienstag
Schreibe etwas am Mittwoch
Schreibe etwas am Donnerstag
Schreibe etwas am Freitag
Schreibe etwas am Samstag
Schreibe etwas am Sonntag

Und während ich 7 Tage zuvor noch die absolute Schreibblockade hatte, und den Montag bis Donnerstag dadurch abgehakt habe, dass ich alte Texte durchgelesen und an einigen Stellen korrigiert habe, so waren am Ende dieser Woche auf einmal mehrere Handlungsstränge ausgearbeitet mit Layouts und allem. Und in drei Wochen kam ich von 16.000 Wörtern auf 30.000. Mittlerweile ist die Todo-Liste auf Etappenziele der Woche und Stunden-anzahlen für das Schreiben erweitert worden, manchmal auch auf Wort-anzahlen. Nicht immer gelingt es mir mein Schreiben so zu verwirklichen, wie ich es gerne möchte. Doch die Motivation ist und bleibt seither eine Routine, die Inspiration mit sich an der Hand führt....
Titel: Re: Viele Ideen - Welche behält man und wie steht's mit der Motivation?
Beitrag von: HauntingWitch am 19. Mai 2017, 11:17:07
Also, ich bin nicht sicher, ob du das meinst, @MadZocker, aber ich halte das mit den Ideen so: Die, die mir nicht bleiben, sind nicht gut genug. Punkt. Wenn ich eine Idee habe, die ich aufschreiben muss, weil ich sie sonst vergesse - kann ich sie genauso gut vergessen. Die wirklich guten Ideen bleiben mir im Gedächtnis, bis ich sie zu Papier gebracht habe. Tue ich das nicht, nerven sie mich tagein tagaus. Sie wollen aufgeschrieben werden. Da habe ich dann auch kein Problem mit der Motivation, denn es ist ja etwas, das mir unter den Nägeln brennt. Motivationsprobleme sind bei mir eher allgemein und gehen meistens mit Blockaden oder fehlender Sicherheit einher.

Zitat
Wie kann ich diese Idee verwerten, ohne, dass sie nachher uninteressant wird?

Das hat meiner Meinung nach sehr viel mit handwerklichem Können zu tun. Wie besser man das Handwerk beherrscht, umso besser kann man etwas interessant darstellen. Ich über auch noch. :omn: Und was heisst überhaupt uninteressant? Etwas, dass ich total uninteressant finde, kann ein nächster total spannend finden und umgekehrt. Das weisst du ohnehin nie, schreib, was du gerne schreiben möchtest.
Titel: Re: Viele Ideen - Welche behält man und wie steht's mit der Motivation?
Beitrag von: Yamuri am 20. Mai 2017, 08:31:08
@Lina: Danke für deine Anregung mit dem switchen. Ich kämpfe auch sehr stark mit Leerläufen und habe tausend Ideen, die alle auf meinem Kopf drücken. Es nutzt bei mir nichts mir diese Ideen in ein Notizbuch zu schreiben. Sie drücken mir auf den Kopf, solange keine komplette Geschichte dazu existiert. Auch wenn ich versuche sie auf sich beruhen zu lassen, sie geistern einfach weiter in meinem Hirn herum, weil sie als Geschichte aufgeschrieben werden wollen und dabei sind sie sehr hartnäckig, wodurch mein Kopf nur immer voller und schwerer wird. Das hat zum Teil bei mir dazu geführt, dass ich mich selbst blockiere, weil ich keine Prioritäten setzen kann und einfach nicht jeden Tag auf dasselbe Lust habe. Bisher hing ich aber dem zwanghaften Gedanken nach man müsse immer zuerst etwas zu Ende bringen, bevor man etwas Neues anfängt und so blockiere ich mich zeitweise konstant mit meinen Gedanken. Hinzu kommt meine mangelnde Disziplin bei Projekten an deren Fortschritt nicht auch Menschen teilhaben, die nicht aus meinem Familienkreis oder direkten Umfeld kommen.  Aber ich werde jetzt mal ausprobieren, ob das mit dem switchen bei mir klappt. Noch sind halt meine zwanghaften Gedanken da, derer ich hoffentlich noch Herrin werden kann.  ;)
Titel: Re: Viele Ideen - Welche behält man und wie steht's mit der Motivation?
Beitrag von: moonjunkie am 20. Mai 2017, 09:53:53
 @TheMadZocker Auf einem Schreibworkshop mit Kathrin Lange hat sie uns einen Tipp gegeben: wenn man nicht weiterkommt, sei es beim Plotten oder beim Schreiben, muss man das Vorgehen ändern. Ganz einfach statt schreiben ins Plotten wechseln oder umgekehrt. Bei mir klappt das gut. Ich habe eine grobe Idee und starte zu schreiben, dann kommt meistens die Lust auf das Projekt. Wenn man weiterschreibt (falls das klappt ohne zu plotten) hat man am Ende mehr Arbeit beim Überarbeiten, aber bei mir tauchen viele Sachen automatisch beim Schreiben auf. Den Rest muss ich nachher einarbeiten. Jetzt gehe ich schon dazu über, etwas mehr zu plotten, aber wenn ich dazu keine Lust mehr habe und die allerwichtigsten Sachen geklärt sind, dann starte ich mit dem Schreiben.

Switchen zwischen Projekten tue ich auch. Es gibt meistens recht schnell ein Projekt, an dem ich dann überwiegend weiterschreiben will. Meistens überarbeite ich ein Projekt und schreibe gleichzeitig ein Neues. So habe ich weiterhin Abwechslung, wenn ich sie brauche.

Wegen dem Plotten: Wenn einem zu einem Punkt nichts einfällt, hilft ja vielleicht die 10-Lösungen-Methode, die habe ich auf der LBM in einem Vortrag gehört (vorher aber auch schon öfter gelesen). Man denkt sich zu einer Frage nicht eine Antwort aus, sondern zehn. Die dürfen so abwegig sein, wie man möchte, alles was einem einfällt. Und meistens merkt man dann schon beim Hinschreiben, welche richtig ist. Titus Müller hat den Vortrag gehalten auf der LBM, übrigens. Er macht das auch so und bei ihm ist meistens die siebte Antwort die Richtige.
Titel: Re: Viele Ideen - Welche behält man und wie steht's mit der Motivation?
Beitrag von: Solmorn am 21. Mai 2017, 21:19:47
Hi MadZocker,

ich kenne das Problem mit den vielen Ideen ziemlich gut. Es ist schon viel zu oft passiert, dass ich eine Idee hatte, sie toll fand und sofort drauflos geschrieben habe - und nach zwei Wochen ist die Geschichte versauert, weil ich plötzlich keine Lust mehr darauf hatte. Dann liegen die Projekte für ein halbes Jahr auf Eis, danach werden sie gelöscht und ich frage mich, wie ich sowas jemals als gut erachten konnte.

Inzwischen habe ich verschiedene Vorgehensweisen dafür.
Es gibt auf meiner Festplatte einen "Roman", der vor etwa drei Jahren begonnen wurde und seitdem nie auch nur ansatzweise auf ein Ende zugegangen ist. Die Hauptfigur vom Anfang ist inzwischen völlig unwichtig, das zentrale Thema wechselt alle paar Seiten, die Handlung ist ständig in Bewegung, aber hat keine Struktur. Darin teste ich jede fixe Idee aus, die ich einigermaßen interessant finde, indem ich einfach völlig neue Gesetze, Figuren und Möglichkeiten erschaffe, die jeweils auf genau diese eine Idee passen. Dadurch kann ich einzelne Szenen, die mir im Kopf herumgeistern, ausprobieren oder Expositionen für größere Ideen verfassen und schauen, ob es sich lohnt, diese Ansätze weiter zu verfolgen. Das Resultat ist ein unglaublich aufgeblähtes Multiversum, das für keinen Außenstehenden auch nur ansatzweise verständlich ist - aber man kann auch Ideen verknüpfen und zwei schlechte zu einer guten machen.
Die andere Variante ist, die Idee erstmal im Kopf zu lassen und zu schauen, wie sie sich entwickelt (abhängig vom sonstigen Stress und Arbeitspensum). Das würde ich vor allem bei Träumen und ähnlichem empfehlen, die sich auf den ersten Blick gut anfühlen - oftmals stellt man auch nach ein paar Tagen fest, dass es doch an diversen Details und Axiomen krankt. Wenn das nicht der Fall ist und die Idee eine Zeit lang im Kopf gereift ist und immer noch gut wirkt, dann kann man sie aufschreiben. Entweder in Form einer Rollenbiografie (wenn es sich vor allem um eine einzelne Person rankt) oder - und das ist kein Witz - in Form eines Wikipedia-Artikels. Gerade für größere Ideen, die bereits ganze Geschichten betreffen, kannst du auf die Weise größere Handlungsabschnitte zusammenfassen und eventuelle Lücken überspringen; wichtige Schlüsselszenen können dagegen ausführlicher beschrieben werden. Für Orte/Gruppierungen/Gegenstände/etc. bietet sich auch parallel dazu ein schlagwortartiges Lexikon an.

Auf diese Weise kannst du auch eine größere Menge an schnell aufeinanderfolgenden verschiedenen Ideen prophylaktisch zu Papier bringen und hast damit die Möglichkeit, sie auch getrost vergessen zu können, wenn du was anderes um die Ohren hast - denn sie sind ja im jeweiligen Stadium festgeschrieben. Du hast dann auch nicht das Problem von zwanzig angefangenen Geschichten, die alle weitergeschrieben werden wollen, sondern einen Melting Pot, der bei Bedarf Material für die eine oder zwei Geschichte(n) bietet, an denen du tatsächlich arbeitest.
Es wird mit Sicherheit mal der Moment kommen, in dem du vor einem gewaltigen Plotloch stehst; und dann kannst du alle diese Ideen durchgehen und einen passenden (oder anpassbaren) Ansatz finden.


So mache ich das ;) Ich hoffe, es hilft zumindest ein bisschen.
Titel: Re: Viele Ideen - Welche behält man und wie steht's mit der Motivation?
Beitrag von: TheMadZocker am 25. Mai 2017, 21:19:24
Hui, ganz schön viel Text dabei... Hab's alles gelesen, nur kann ich wohl nicht auf alles hier auf einmal reagieren. :(

@canis lupus niger
Wohl wahr. Ich möchte auch irgendwo anfangen - nur weiß ich nicht WO. Ich habe mich mehrmals an den Anfang der Geschichte gewagt, nur um mich wieder am Reißbrett wiederzufinden, weil mir nichts einfällt oder ich mit dem text unzufrieden bin. Weiter ging's mit mir beim Plotten, wo ich nur eine grobe Vorstellung vom Anfang habe, aber Mitte und Ende noch viel zu vage sind. Und wenn ich mir was dazu überlege, bin ich einfach unzufrieden damit. Meistens überlege ich mir was dazu, wenn ich soweit bin, aber auf lange Sicht ist das wohl eher schädlich als hilfreich, da es zwar für ein D&D-Spiel oder Foren-RPG reicht, aber nicht für einen ganzen Roman. Resultat: Oft angefangen, nie beendet.

@Silvasurfer
Ja, es ist wahr, dass ich an einer Schreibblockade leide. Inzwischen nehme ich mir auch schon vor, jeden Tag etwas zu schreiben. Es scheitert allerdings an der Angst, was zu schreiben. Ja, ich habe Angst vor dem Schreiben! Ich sitze immer vor dieser leeren Seite und überlege, möchte etwas machen, nur habe ich dann keine Anhaltspunkte. Plotten funktioniert nicht gescheit, und einfach die Geschichte beginnen und schreiben macht mich fertig, da es so ziellos und unendlich ist. Ich werde nervös, habe keine Ideen und lenke mich zum Schluss ab. Es kommt einfach nichts dabei raus, und es macht mich fertig!

@Witch
Ein sehr guter Einwand. Die besten Ideen, Charaktere und Träume blieben bis heute tatsächlich in meinem Kopf. Doch kann es auch dazu kommen, dass ich Wiederverwertbares und sogar Gutes aufschreiben muss, da sie womöglich u.a. noch Feintuning benötigen.

@Yamuri
Switchen scheint wirklich eine gute Methode zu sein. Wird nur schwierig bei mir, da ich mich jetzt nur auf eine einzige Welt konzentrieren möchte, ein einziges Universum mit verschiedenen Charakteren und Geschichten. Ich habe ja bereits 5 potentielle Geschichten im selben Universum zur Auswahl, aber alle wollen nicht so richtig funktionieren. Es fällt mir nämlich extrem schwer, mir diese Welt vorzustellen. Beim Lesen habe ich alles bildlich da, auch beim Erstellen und Schreiben im Text RPG habe ich die Charaktere und Ländereien, ihre Reaktionen und Geschehnisse genauestens im Kopf. Nur funktioniert es bei meinem eigenen Werk nicht! Habe deshalb beschlossen, meine Welt zuerst vollends zu definieren, vielleicht sogar eine Weltkarte anzufertigen, um mir den ganzen Spaß ein wenig besser vorstellen zu können.

@moonjunkie
So war es meist auch bei mir (zumal ich keine Ahnung hatte, wie das Plotten funktionieren sollte, was es da für Strukturen gibt und was man dabei beachten muss), aber häufig bin ich beim Schreiben unzufrieden mit dem, was da steht und fange nochmal an. Ja, selbst für eine Rohfassung ist es meistens zu schlecht, sodass ich es nicht mehr haben möchte. Gerade der Anfang eines Buches ist wichtig, damit man den Leser nicht verliert. Wenn ich also merke, dass der Text selbst mir, dem Schreiber, zu langweilig ist, kann ich ihn sowieso vergessen.

@Solmorn
Das ist eine gute Strategie. Nur bin ich gerade, wie bereits erwähnt, nur auf diese eine Welt fokussiert, auf dieses kleine Universum in meinem Kopf. Ich habe mir das Ziel gesetzt, alles, was ich an Fantasy mag, in Einem zu vereinen, allen voran die verschiedenen Fabelwesen! Als Ergebnis für die Hauptvölker kamen raus: Harpyien, Halbdrachen, Fuchs-Humanoid-Hybride und Unterwasser-Humanoiden. Zusammen mit Wesen wie Greife, Drachen, Nymphen, und anderen weltlichen und nicht-weltlichen Wesen.
Diese andere Variante ist also basically alles in einem kürzeren Text zu definieren und sich so einen roten Faden aufzubauen? Ich werde das mal so probieren, danke für den Tipp. Vielleicht fällt es mir dann auch leichter, glaubwürdigere Charaktere zu erstellen, wenn ich die Hintergründe der Ortschaften und der Welt erst kennenlerne. Denn zzt. habe ich auch extreme Probleme damit, gute Charaktere zu erschaffen, die rational auf ihre Umgebung reagieren. Mit den Persönlichkeiten ist es ganz besonders schlimm...


Danke an alle, die bisher etwas geschrieben haben! :winke:
Titel: Re: Viele Ideen - Welche behält man und wie steht's mit der Motivation?
Beitrag von: Silvasurfer am 25. Mai 2017, 22:31:41
Sei nicht so hart zu dir selbst, Schreiben ist hart genug. Angst zu haben ist kein Zeichen von Feigheit. Es ist der einzige Moment, an dem man sich ans Herz fassen kann. Wenn überhaupt dann ist Angst nur ein Zeichen dafür, dass du auf dem richtigen Weg bist. Alles kann Angst machen. Die Liebe kann Angst machen, das Alleine-sein kann Angst machen. Umziehen kann einen beängstigen genau so wie es Angst machen kann, Zuhause zu bleiben.
Die Ängste die wir nicht empfinden erkennen wir sofort als irrational, so wie sie sind.

Aber wenn wir bei der Liebe auf einmal jemanden vor uns haben, den wir wirklich mögen, dann macht es auf einmal Sinn, was unsere Ängste uns sagen. Ja klar indem du sie ignorierst wirst du auf jeden Fall ihr Herz erobern, schnapp' sie dir Tiger! ;)
Natürlich wird das so nicht funktionieren. Gib dem was in deinem Herzen ist, dem was dir am meisten Angst hat oberste Priorität, lauf nicht davon. Denn weil es dir so viel bedeutet, macht es dir so viel Angst, dass es der Angst auch gelingen kann dich erstarren zu lassen und das wiederum bedeutet, dass du genau dort bist, wo du sein solltest: Auf dem Weg, den wir beschreiten, um etwas, das bisher nur in unseren kreativen Kopf eine verschwommene Form angenommen hat, etwas das uns wirklich am Herzen liegt, in der Realität zu manifestieren.

Und allein dafür, dass du diesen Weg begonnen hast und jetzt Angst empfindest, kannst du dir schon auf die Schulter klopfen, denn die meisten ziehen es vor dort zu bleiben, wo sie keine Angst empfinden müssen, die sogenannte Komfortzone, die gewöhnliche Welt des Helden, ehe er seine Reise antritt. Siehe es so: Du bist jetzt der Protagonist einer Geschichte, die es sich lohnt zu erzählen, egal wohin sie führt, denn du setzt dich deiner Angst aus. Und wie Sam in seiner Rede über die großen Geschichten sagt, die Helden gehen einfach weiter, selbst, wenn es scheint als könne die Welt nie mehr so werden, wie früher. Und als Frodo ihn fragt woran sie glauben sollen spricht Sam noch nicht einmal davon, dass sie den Ring der Macht zerstören könnten, er selbst glaubt es nicht, wahrscheinlich hat er es noch nie geglaubt. Er will wie er selbst sagt weiter gehen, weil es sich lohnt zu kämpfen.

Mach weniger als das Schreibe zum Ziel: Tägliches Angstbekämpfen ist jetzt dein Rezept. Wie Theoden in seiner Rede brüllt: Ein Schwerttag, ein Bluttag, ehe die Sonne am Himmel steigt. Mehr nicht. Mach es dir lediglich zum Ziel, die Angst zu bekämpfen egal was dabei heraus kommt. Du schriebst nicht täglich, weil du etwas zu Papier bringen willst, du willst nur am Ende des Tages das Gefühl haben, dass du heute deinen Herzenswunsch gestärkt und deine Angst bekämpft hast. Und sei es indem du gesessen hast und dich fertig gemacht hast, während bei diesen Qualen nur 200 Wörter entstanden sind, die nichts taugen. Und warum hast du das gemacht? Weil du der Held deiner Geschichte sein wolltest!

Also sprich dir ruhig Mut zu. Ich weiß aus eigener Erfahrung, das selbst das Angst machen kannst, weil du gedanklich noch nicht mal die Quest annehmen willst. Die Wahrheit in diesem Zusammenhang ist, sie dich um: Alles was von Menschenhand geschaffen wurde hat einmal nur als Idee existiert. Was unmöglich ist oder möglich, das ist nicht deine Entscheidung. Wie Gandalf sagt: Wir entscheiden nur, was wir mit der Zeit anfangen wollen. Tu also was du willst und zwar nur weil du es willst, egal, was dabei heraus kommt. Was hast denn zu verlieren, wenn alles was willst nur noch darin besteht zu tun, was du willst ;)

Ich sitze selber gerade an meinem Erstling und kämpfe mit der Angst. Und deshalb sind wir alle hier um Hilfe zu suchen, denn alleine diese Angst zu konfrontieren ist Wahnsinn. Sorry, wenn es zu viel Text ist. Ich dachte in diesem Fall schaden ein paar ermutigende Worte mehr dann auch nicht. Vielleicht muntert dich Theoden ja ein wenig auf. Wenn die Angst mich völlig fertig macht, tiefer geht es nicht...

https://www.youtube.com/watch?v=g80E9EYr8MM
Titel: Re: Viele Ideen - Welche behält man und wie steht's mit der Motivation?
Beitrag von: TheMadZocker am 25. Mai 2017, 23:54:58
Das... waren die besten Worte der Ermutigung, die irgendjemand jemals hätte wählen können! Vor allem, da Herr der Ringe zu meiner liebsten Fantasy-Reihe überhaupt zählt, und ich mir die Zitate mit den Worten der entsprechenden Charaktere vorstellen konnte, war das einfach wunderschön, danke dafür! *keinen "gerührt"-Emoji find*

Es freut mich jedenfalls sehr zu hören, dass ich auf dem richtigen Weg zu sein scheine. Du hast nämlich vollkommen recht, dass Ängste richtig gute Wegweiser sein können. Einst hatte ich z.B. Angst vor neuen Klassenkameraden, als ich in die 5te kam. Und bis heute genieße ich seit jener Zeit eine Freundschaft, die starke Bande schmiedete. Ironischerweise machen wir diesen Samstag sogar einen Herr der Ringe-Marathon, mit allen 3 Hauptteilen in der Extended Edition, die wohl gut und gerne 12 Stunden lang dauern wird. :)

Tatsächlich bin ich nach Theodens Vortrag mehr als gewillt, meine Welt endlich zum Leben erwachen zu lassen, da ich den Ritt der Rohirrim nun mit deinem Post in Verbindung bringen konnte! Alles, was mir jetzt noch fehlt, sind Struktur, eine passende abzuarbeitende Liste und die nötige Vorstellungskraft, mir die Charaktere und Umgebungen detailgetreu im Kopf ausmalen zu können.
Titel: Re: Viele Ideen - Welche behält man und wie steht's mit der Motivation?
Beitrag von: Kerstin am 26. Mai 2017, 07:55:45
Da du angesprochen hast, dass du keine Ahnung hast, auf was man beim Plotten achten muss. Hast du es schon mal mit der 7-Punkt-Struktur versucht? Sie ist sehr einfach, gibt aber ein solides Grundgerüst, an dem man sich entlangschreiben kann.

Hier ist ein Video (bzw. die mehrteilige Reihe) dazu - damit habe ich es "gelernt"): https://www.youtube.com/watch?v=KcmiqQ9NpPE
Es gibt aber auch geschriebene Zusammenfassungen. Für mich ist das Video aber immer noch am verständlichsten.

Ansonsten denke ich, dass es wichtig ist, das Ende zu kennen.
Du darfst dabei aber nicht zu selbstkritisch sein. Bei mir steht oft auch nur das Endergebnis. (Mörder tot / gefangen, Held lebt - Drache tot).
Das genaue "wie" kannst du auch später noch austüfteln.
Dasselbe trifft auf die anderen Punkte bei der 7-Punkt-Struktur zu. Es reicht, wenn man eine erste Idee dort hat. Meistens ergibt sich noch etwas Besseres beim Schreiben und wenn nicht, dann hat man zumindest etwas und schreibt das.
Spätestens bei der Überarbeitung sagen einem die Testleser dann, was man besser machen kann.

Ansonsten funktionieren auch Ideen oft sehr gut, die wir für einfallslos, langeweilig ... halten. Das liegt daran, dass wir die Geschichte in ihrer Gesamtheit auf dem Reißbrett sehen. Die Leser nicht!
Das darf man nie vergessen.
Meistens passiert es mir oft und ich packe zu viel in die Geschichte. Im Lektorat wird dann die Hälfte wieder rausgenommen.  ;D

Ich kann deine Angst und Frustration aber gut nachvollziehen.
Mir geht es oft so, dass ich von meinem eigenen Geschriebenen enttäuscht bin. Aber dafür gibt es die Überarbeitung!
Titel: Re: Viele Ideen - Welche behält man und wie steht's mit der Motivation?
Beitrag von: HauntingWitch am 26. Mai 2017, 09:22:30
@MadZocker: Du musst das jetzt nicht hier beantworten, aber einfach für dich: Wie lange schreibst du schon? Mir scheint, als wärst du noch in der Findungsphase. Immer, wenn man mit etwas anfängt, muss man erst einmal herausfinden, was für Techniken für einen überhaupt funktionieren und wie die eigene Arbeitsweise ist. Jede/r hier im Forum, das kann ich dir versichern, hat so manches Projekt an die Wand gefahren, bevor er/sie ein System gefunden hat, dass für ihn/sie funktioniert. Und den "Grossen" (so nenne ich die erfolgreichen Autoren, die wir alle bewundern) ging es genauso. Die haben alle auch nicht eine Idee gehabt, hingeschrieben und fertig. Das ist ein langer Prozess, der sich entwickelt und man selbst entwickelt sich mit ihm. Man muss ausprobieren und Fehler machen und gegen Wände laufen, um herauszufinden, was geht und was nicht. Irgendwann, wenn man genug Erfahrung gesammelt hat, kann man dann die Wände umgehen, aber auch dann macht man noch Fehler und auch dann steht ab und zu etwas Unvorhergesehenes im Weg. Ich denke, das ist einfach das Wesen des Arbeitens (und es ist auch Arbeit), auch im Kreativen.

Hilfreich ist, wie schon gesagt, auch herauszufinden, was es überhaupt für Techniken gibt. Also, Ratgeber lesen, das müssen keine Regelwerke sein, es gibt auch gute Blogs mit entsprechenden Tipps. Wie mehr du ausprobierst, umso mehr wirst du herausfinden, wie du am besten Arbeiten kannst.
Titel: Re: Viele Ideen - Welche behält man und wie steht's mit der Motivation?
Beitrag von: Tejoka am 26. Mai 2017, 12:19:27
@TheMadZocker Mir kommt einiges bekannt vor von dem, was du schreibst.
Und an die anderen: Danke für die Ermutigung, die ich einfach mal auf mich auch beziehe ;D
Ich kenne diese Angst, etwas zu schreiben. Bei mir vor allem die Angst, es nicht gut genug zu können. Generell bin ich jemand, der mehr Ideen für Romane hat, als ich jemals schreiben kann. Und wenn ich wieder dabei bin, eine in Gedanken auszuarbeiten, finde ich sie in der Regel total toll. Und dann kommt die Angst, dass ich ihr einfach nicht gerecht werden kann. Also leg ich sie auf Eis und denke, wenn ich besser schreiben kann, packe ich sie an. Inzwischen habe ich mit einer angefangen, die bewusst als leichtes Zwischengeplänkel ohne so viel Anspruch gedacht war. Aber auch hier hat mich wieder der Perfektionismus gepackt ...

Aber es hilft, sich sagen zu können, dass der erste Entwurf nicht perfekt sein muss. Von daher würde ich dazu raten, erst zu plotten, bevor du schreibst. Da gibt es viele gute Plotmethoden - ich glaube, die meisten benutzen eine eigene, abgewandelte Form so einer Technik wie der Schneeflockenmethode oder der 7-Punkte-Struktur, of auch miteinander kombiniert. Dann kannst du so lange am Plot arbeiten, bis du nicht nur damit zufrieden bist, sondern auch weißt, wo du mit der Geshichte hinwillst, was das Thema ist und so weiter. Wenn du dann mal nicht weiter kommst, orientiere dich an der Grundidee. Ich frage mich manchmal, worum es mir wirklich geht bei der Geschichte. Warum schreibe ich das, was will ich erreichen? Wie kann ich das machen? Hilft zwar nicht immer, aber es kann ganz gut dazu dienen, Ideen auszusortieren, die dich nur von der eigentlichen Geschichte ablenken.
Im Übrigen habe ich gelernt, dass ich keine Angst haben darf, Sachen zu ändern. In der Regel tut das dem Buch nur gut, auch wenn ich dann etwas nicht drin habe, das mich vor einem Jahr dazu bewogen hat, überhaupt erst mit der Geschichte anzufangen :P

Aus eigener Erfahrung kann ich mich dem Rat nur anschließen, ein Notizbuch zu führen oder irgendwo anders alle wichtigen Ideen aufzuschreiben, und dem Rat, Schreibratgeber zu lesen. Dadurch kommst du auch an Ideen und Techniken, die dir beim Plotten helfen. Auch Schreibratgeber in Blogform. Da gibt es hier im Tintenzirkel auch einiges, ich habe auch schon seit Längerem vor, mich mal durch die Schreiblinks zu klicken. ;D


Titel: Re: Viele Ideen - Welche behält man und wie steht's mit der Motivation?
Beitrag von: HauntingWitch am 26. Mai 2017, 14:31:25
Ich kenne diese Angst, etwas zu schreiben. Bei mir vor allem die Angst, es nicht gut genug zu können.

Diese Angst begleitet mich auch ständig. Ich glaube aber auch, dass es gut ist, einen gewissen Anspruch an sich selbst zu haben, denn nur so wird man besser. Das bedeutet natürlich, dass man sich von dieser Angst nicht aufhalten lassen darf. Nur, indem man schreibt, wird man besser und nur dann kann man sich dieser Qualität annähern, die man gerne erreichen möchte. Gleichzeitig finde ich es wichtig, sich klarzumachen, dass man aber immer am Üben ist und sich immer - immer -  verbessern kann. Ergo, ist man eigentlich dann nie so gut, wie man gerne wäre, denn wie mehr man lernt, umso mehr steigt ja auch der Anspruch an die eigene Arbeit. Ein Teufelskreis. Einerseits kann einen das frustrieren, andererseits finde ich es aber auch beruhigend, denn es heisst, dass nicht alles hundert Prozent perfekt sein muss. Achtzig Prozent reichen im Leben meistens.  ;)

Ich schaue mir gerne Interviews mit den Grossen an, weil mich das aufbaut, und ratet mal. Sogar die haben solche Gedanken! Leute, die viel mehr Erfahrung und Übung haben und viel älter sind als ich, haben diese Probleme auch. Ich schliesse daraus, dass es wohl einfach menschlich ist. Damit umzugehen ist die Schwierigkeit.

Eine Freundin von mir hat mich letztens darauf aufmerksam gemacht, dass sich auch Autoren, die wir schon genial finden, noch verbessern. Wenn man deren frühe Werke mit späteren vergleicht, fällt einem ein riesiger Unterschied auf. Vielleicht muss man einfach alles als eine Übung betrachten, damit es leichter fällt.  :omn:
Titel: Re: Viele Ideen - Welche behält man und wie steht's mit der Motivation?
Beitrag von: Silvasurfer am 26. Mai 2017, 15:59:19
Zitat
Eine Freundin von mir hat mich letztens darauf aufmerksam gemacht, dass sich auch Autoren, die wir schon genial finden, noch verbessern. Wenn man deren frühe Werke mit späteren vergleicht, fällt einem ein riesiger Unterschied auf. Vielleicht muss man einfach alles als eine Übung betrachten, damit es leichter fällt.  :omn:

Oder auch Musiker wie David Bowie, wo ich gerade deine Signatur lese. Und auch sonst muss ich dir voll und ganz zustimmen. Du bringst das richtig gut auf den Punkt.

Davon abgesehen, finde ich es sehr inspirierend, das Leben als Erfahrung zu betrachten, wenn ich deine Worte mal in eigene Worte fassen darf. Einige betrachten es als einen Weg bei dem sie Trophäen einsammeln und wollen in diesem Sinne weit kommen. Für andere ist es sogar mehr schein als sein, auch da kenne ich welche. Doch sobald man das Leben als Erfahrung betrachtet, gibt es keine Konkurrenz mehr, nur noch Menschen mit denen man die Erfahrung des Daseins teilt und man freut sich über die Erfolge anderer. Niederlagen sind auf einmal in gewisserweise bessere Erfahrungen, als Erfolge, denn man möchte sich von diesen Erfolgserlebnissen ja nicht trügen lassen, dass man sich jetzt zurücklehnen darf!

Ich musste eine solche Haltung erst erlernen, muss ich an dieser Stelle leider ehrlicherweise einwenden. Gute Noten in der Schule trotz einer Faulheit, die bis zum Himmel stinkte... Das ist eine graunvolle Mischung, kann ich euch sagen! Deshalb meinte ich ein paar Sätze zuvor, Niederlagen seien bessere Erlebnisse sind als Erfolge. Meine grösste Angst ist momentan Erfolgserlebnisse, Lob und so weiter, nicht weil es sich nicht gut anfühlt, sondern gerade weil es sich so gut anfühlt, wiel es so einfach ist dann den inneren Dämonen zu erliegen und sich zurückzulehnen. Diese Schulzeit, in der ich keine Angst hatte schlecht zu sein, möchte ich nie wieder erleben, es ist der Teil meines Lebens, der mich noch bis heute manchmal fertig macht!!!

Und in dem Sinne hast du vollkommen Recht, the witch, deine Meinung bestätigt sich nicht nur durch positive Beispiele, wie die ganz grossen Idole, sondern auch durch negative Beispiele, wie mich.

Angst nicht gut zu sein ist eine tolle Angst, eine der besten Ängste die man haben kann und vllt auch einige der Angste, die es sich nicht lohnt zu überwinden, denn sie bringt einen dazu gut zu sein!
Ich weiss noch nicht mal ob Angst das richtige Wort ist, vielleicht wäre Selbstbewusstsein das richtige Wort, denn Selbstvertrauen ist zwar schön und gut aber Selbstbewusstsein ist doch besser! Ausser du meinsyt mit Angst nicht gut zu sein, die Angst, dass es unmöglich ist, enweder weil das Ziel zu hoch ist oder du so sehr an dich zweifelst, dass du dich limitierst und gar nicht erst anfängst. Das ist nochmal eine andere Geschichte und in dem Fall sollte man die Angst icht gut zu sein überwinden.
Titel: Re: Viele Ideen - Welche behält man und wie steht's mit der Motivation?
Beitrag von: Tejoka am 26. Mai 2017, 16:14:49
Ihr habt das beide schön formuliert, finde ich :) Diese Angst, oder wie immer man das nennen will, kann eine riesige Motivation sein. Und es stimmt auch, dass man ihr wohl nie ganz entkommen kann. Auch wenn man sich ständig verbessert.
Es kann aber zu einem Problem werden, wenn die Angst Überhand gewinnt und man sich selbst blockiert.
Ich weiß aber auch nicht, ob es gut ist, ständig an sich zu zweifeln. Klar kann einen das zu Höchstleistungen treiben. Aber vielleicht sind die Leute glücklicher, die sich mit "einigermaßen gut" zufrieden geben, anstatt derer, die ständig etwas an sich selbst und ihrer Arbeit auszusetzen haben, auch wenn sie vielleicht schon Bestsellerautoren sind ...  :wums:
Von daher finde ich es wichtig, zu lernen, sich und seine Grenzen einschätzen zu können, und mit solchen Zweifeln umzugehen. Nicht nur beim Schreiben, natürlich.

Titel: Re: Viele Ideen - Welche behält man und wie steht's mit der Motivation?
Beitrag von: HauntingWitch am 26. Mai 2017, 16:54:17
Zitat
Gute Noten in der Schule trotz einer Faulheit, die bis zum Himmel stinkte... Das ist eine graunvolle Mischung, kann ich euch sagen!

Dann haben wir etwas gemeinsam. :knuddel: Überhaupt, auch im Arbeitsleben, immer noch bei mir... Manche Dinge fallen mir so leicht, dass sie für mich völlig normal sind und andere bewundern oder beneiden mich dann dafür. Ich neige dann manchmal dazu, der Arroganz zu verfallen. Ich mag gar nicht daran denken, wie ich war, als ich in den Tintenzirkel gekommen bin. Total überzeugt von mir selbst und selbstverständlich würde ich mit meinem Erstling einen Verlag finden und einen Bestseller landen, jawohl! Tja, der liegt jetzt in der Schublade, es ist mir schon peinlich, das nur zu lesen und ich habe gesehen, wie viele Leute es gibt, die das alles viel besser können als ich. Da war es dann vorbei mit der Selbstüberzeugung. Aber diese Art von Überzeugung war auch nicht gesund. Ich habe auch das andere Extrem kennengelernt, Leute, die so überzeugt von sich selbst sind, dass sie nicht mehr kapieren, dass sie auch Fehler machen und immer nur auf den anderen herumhacken. So kommt man auch nirgends hin im Leben. Jedenfalls nicht langfristig.

Ach ja, Bowie. Bei ihm muss ich immer daran denken, dass er ja offenbar zu Beginn seiner Karriere extrem schüchtern war. Jemand, dem man nichts zutraute und belächelte (es gab Plattenbosse, die ihm gesagt haben, seine Kunst wäre zu speziell und deshalb unverkäuflich. Haha, deren Gesichter hätte ich sehen wollen. :rofl:). Aber das zeigt einfach, wie man sich entwickeln und auch in gewisse Gegebenheiten hineinwachsen kann.
Apropos Musiker, Jack White hat einmal gesagt (in ungefähr): "Ich fürchte den Tag, an dem ich mit mir selbst zufrieden bin, denn das wäre der Tag, an dem ich aufhöre, besser zu werden." Das gefällt mir, heitert mich immer wieder auf.  ;D

Zitat
Ich musste eine solche Haltung erst erlernen, muss ich an dieser Stelle leider ehrlicherweise einwenden.

Ich glaube, das müssen viele erst erlernen. Ausser, Bescheidenheit wird einem von kleinauf eingetrichtert, aber wenn man zu bescheiden ist, wird man nur unterjocht. Das ist eine Gratwanderung, finde ich, die nicht einfach ist. Manche finden nie eine Balance dazwischen, wir sind eigentlich schon weit gekommen, wenn wir sie haben und (zumindest meistens) halten können.

Ja, dass einen der Erfolg vergiften kann, sagen ja auch viele erfolgreiche Leute... Habe aber noch nie darüber nachgedacht.  :hmmm:
Titel: Re: Viele Ideen - Welche behält man und wie steht's mit der Motivation?
Beitrag von: Solmorn am 26. Mai 2017, 20:41:53
@TheMadZocker

Zitat
Nur bin ich gerade, wie bereits erwähnt, nur auf diese eine Welt fokussiert, auf dieses kleine Universum in meinem Kopf.

Jup, ich auch. ;)
Ich finde es aber gerade deshalb einfacher, alle unausgereiften Ideen in diese eine unendliche Geschichte einfließen zu lassen, weil ich ja genau weiß, dass das alles zu ein und demselben Universum gehört, wodurch es sehr viel einfacher ist, verschiedene Ansätze zu verbinden. Muss man aber auch erstmal reinwachsen und es ist sicher nicht jedermanns Sache, so ein ungeordnetes Chaos an verschiedensten Geschichten zu haben.

Zitat
Diese andere Variante ist also basically alles in einem kürzeren Text zu definieren und sich so einen roten Faden aufzubauen?

Basically, that's it.  :)
Titel: Re: Viele Ideen - Welche behält man und wie steht's mit der Motivation?
Beitrag von: canis lupus niger am 27. Mai 2017, 09:00:13

Wohl wahr. Ich möchte auch irgendwo anfangen - nur weiß ich nicht WO. Ich habe mich mehrmals an den Anfang der Geschichte gewagt, nur um mich wieder am Reißbrett wiederzufinden, weil mir nichts einfällt oder ich mit dem text unzufrieden bin.

So geht es mir auch immer. Deshalb schreibe ich - zumindest am Anfang eines Projekts - das, wozu ich Lust, bzw. eine Idee habe. Ist nicht sehr wirtschaftlich, aber sehr motivierend, denn ich beginne auf diese Weise, eine Beziehung zu meiner Geschichte herzustellen und ihre Charaktere kennenzulernen. Vielleicht hilft es auch Dir, einfach mal eine Szene zu Papier zu bringen, die Dir besonders lebendig immer wieder durch den Kopf geht. Mein Einstieg in das ernsthafte Schreiben war eine Szene, die jetzt im ersten Drittel des zweiten Bandes meiner Reihe steht. Hab ich jahrelang immer wieder vor Augen gehabt, bis der Moment da war, zum Stift zu greifen. Auf diese Weise entsteht natürlich auch vieles, was niemals Teil eines Romans wird/werden kann, was mir aber hilft, die Charaktere und Welt besser kennen zu lernen.

Die Angst, etwas zu produzieren, was nicht gut ist, lähmt sicherlich auch. Aber bedenke: Niemand fängt mit dem großen Roman an, der sprachlich und stilistisch perfekt ist. Die Fähigkeiten muss man durch viel Übung im Lauf der Zeit erst erwerben. Und um das zu erreichen, gehört meiner Meinung nach vor die Disziplin die Motivation, nämlich der Wunsch und die Freude daran, überhaupt eine Geschichte zu erzählen. Erst wenn man diese Motivation ausreichend stark empfindet, hat man das Durchhaltevermögen, sein Geschriebenes kritisch zu hinterfragen, Fachbücher zu lesen, an Workshops teilzunehmen, sich von Betalesern schonungslos kritisieren zu lassen ..., halt all das auszuhalten, was eine sensible Seele vor allem am Anfang als Enttäuschung, Rückschlag und Langeweile empfinden kann.

Im Rahmen dieses selbst-Motivierens brauche ich es, mit meinen Ideen zu spielen, sie anfassbar zu machen. So gesehen kann es (für mich!) durchaus richtig sein, in Notizbüchern auch Ideen festzuhalten und durchzuspielen, die am Ende nicht verwendbar sind. Übung zum besser Werden gewinnt man dabei allemal. Das Selektieren und Plotten beginnt für mich an einem sehr viel späteren Punkt. 
Titel: Re: Viele Ideen - Welche behält man und wie steht's mit der Motivation?
Beitrag von: Feuertraum am 27. Mai 2017, 10:49:03

[...] und ich habe gesehen, wie viele Leute es gibt, die das alles viel besser können als ich.

Und genau da stellt sich die Frage: Können sie es? Ich mache es auch immer wieder gerne, dass ich mich "mit den Großen" in der Branche vergleiche. Zum Beispiel mit Comedians, die mittlerweile ganze Säle füllen, bei denen jede Pointe so sitzt, dass die Zuschauer gar nicht anders können als zu lachen.
Auch wenn sich dieses Denken hin und wieder mal in mein Köpfchen einnistet (meistens mit der Absicht, mich zu zensieren, mir den Mut zu nehmen, mich zu unterjochen), es kommt auch vor, dass dann die Vernunft und die Logik angeschwommen kommen und sagen: Moment, was die machen, ist ihr Stil, du hast den deinigen, und der ist nun mal deiner. Klar bekommst auch du Routine, wirst souveräner im Vortragen, lernst dazu. Aber vergleichen und denken, dass nur die Großen es drauf haben, sonst wären sie nicht die Großen, da erzählt dir der Zensor Quatsch.

Bitte verstehen Sie mich nicht falsch: Ich lese viel, ich lerne von anderen Autoren. Aber ich versuche, mich nicht mehr mit ihnen zu vergleichen. Ich versuche, sie nicht nachzuahmen.

Zitat
Da war es dann vorbei mit der Selbstüberzeugung. Aber diese Art von Überzeugung war auch nicht gesund. Ich habe auch das andere Extrem kennengelernt, Leute, die so überzeugt von sich selbst sind, dass sie nicht mehr kapieren, dass sie auch Fehler machen und immer nur auf den anderen herumhacken. So kommt man auch nirgends hin im Leben. Jedenfalls nicht langfristig.

Ein solches Mitglied hatten wir hier im Tizi auch einmal. Jedes Wort, was besagtes Mitglied schrieb, war Gold wert, und wer es auch nur annähernd wagte, Kritik an den göttlichen Worten auszusprechen, hatte keine Ahnung und sollte bis aufs Messer "bekämpft" werden.

Zitat von: Tejoka
Bei mir vor allem die Angst, es nicht gut genug zu können.

Wobei sich natürlich irgendwo die Frage stellt: Was ist gut?
Ich glaube, dass ist ein vollkommen falscher Ansatzpunkt. Ich glaube (und das ist jetzt nur meine unmaßgebliche Meinung), die Frage, die man sich stellen sollte, ist, aber wann beginnt das Verschlimmbessern, wie bzw. woran erkennt man das?
Ich erinnere mich an eine Geschichte, die bei 7 Tage - 7 Köpfe vorgetragen wurde und eigentlich ein Witz sein sollte (den ich persönlich jetzt nicht so pralle fand). In dieser Geschichte wird erzählt, dass ein Mann eine schöne, attraktive Frau in einer Bar sieht und sie rumkriegen will. Also textet er sie zu. Irgendwann hat er einen Punkt erreicht, wo sein "Gesülze" Erfolg hat und die Frau beschließt, mit ihm nach Hause zu gehen. Nur erkennt er diesen Zeitpunkt nicht und quasselt weiter - bis es ihr zuviel wird und sie geht. Ohne ihn.
Und genau da wächst im Hasen der Pfeffer (wie ich immer gerne zu sagen pflege, um ein bekanntes Sprichwort etwas durcheinanderzuwirbeln): Eigentlich meint man, man sei nicht gut, obwohl alles passt, der eigene Anspruch sich aber als Hindernis entpuppt, der einem einredet, dass die Latte doch viel zu niedrig ist und sie auf jeden Fall noch 2 - 3 Meter höher muss.
Aber zu erkennen, dass das Blödsinn ist, das fällt (zumindest mir) sehr schwer.
Titel: Re: Viele Ideen - Welche behält man und wie steht's mit der Motivation?
Beitrag von: Silvasurfer am 27. Mai 2017, 11:09:58
Zitat
Bitte verstehen Sie mich nicht falsch: Ich lese viel, ich lerne von anderen Autoren. Aber ich versuche, mich nicht mehr mit ihnen zu vergleichen. Ich versuche, sie nicht nachzuahmen.

Das ist ein sehr guter Einwand. Das ist vermutliche die Form des Slevstvertrauens die wirklich gesund ist, das vertrauen auf eigene Individualität, den eigenen originellen Stil, dem bewusstsein, dass andere gut sind und man von ihnen lernen kann, aber das sie letzten endes nicht 1:1 kopieren muss, um gut zu sein, weil die Originalität eben in einen STeckt.

Kunst ist Entfaltung der Prsönlichkeit und nicht umgekehrt, auchw enn man natürlich, seinen Leser kennen sollte ;)
Die unverwechelsbaren grossen Künstler hatten viel Einflüsse Idole etc aber sind sich auch einig letzten Endes zu sich stehen zu wollen: "For ever trust in who we are... And nothing else matters!"
Titel: Re: Viele Ideen - Welche behält man und wie steht's mit der Motivation?
Beitrag von: Tejoka am 27. Mai 2017, 12:06:09
Zum Thema vergleichen mit den Großen: Es stimmt, das kann einem die Motivation rauben. Man sollte meiner Meinung auch nicht versuchen, es so wie xy zu machen, auch wenn man sich natürlich inspirieren lassen kann. Aber ich sehe hier schon die Gefahr, sich mit solchen Vergleichen einzuschüchtern. Das ist wahrscheinlich auch Typsache - wenn der eine denkt "oh, super, dieser tolle Kerl hat dieselben Probleme wie ich, das baut mich auf", kann ein anderer denken "Hilfe, wie soll ich jemal so gut werden?"  :wums: Wobei das natürlich Vergleiche auf unterschiedlichen Ebenen sind.
(Andererseits kann es natürlich auch fast aufbauend sein, zu sehen, welcher Mist offenbar gut genug ist, verlegt zu werden.)

@Feuertraum Natürlich haben Sie recht. Man kann sich mit Perfektionismus auch selbst ein Bein stellen. Damit habe ich auch manchmal Probleme, zum Glück aber weniger beim Schreiben. Hier ist es hilfreich, Rückmeldung von anderen zu bekommen. Und ab und zu innezuhalten, versuchen, gedankliche Distanz zu gewinnen und das Ganze aus einer möglichst objektiven Sicht zu betrachten.

Letztendlich geht es darum, eine gute Balance zwischen Selbstvertrauen, Zuversicht und Anspruch an sich selbst zu finden.
Vielleicht schaffe ich das in hundert Jahren sogar ...  ;D
Titel: Re: Viele Ideen - Welche behält man und wie steht's mit der Motivation?
Beitrag von: HauntingWitch am 28. Mai 2017, 13:16:43
Zitat
Bitte verstehen Sie mich nicht falsch: Ich lese viel, ich lerne von anderen Autoren. Aber ich versuche, mich nicht mehr mit ihnen zu vergleichen. Ich versuche, sie nicht nachzuahmen.

Feuertraum, genau darin übe ich mich zurzeit. Also, ich habe ja mein Idol, den Herrn John Ajvide Lindqvist aus Schweden, (wie niemand hier im TiZi weiss, *räusper*), und lange wollte ich immer so schreiben können wie er. Ich habe versucht, seinen Stil zu imitieren und natürlich hat er einen grossen Einfluss auf mich. Erst kürzlich ist mir klar geworden, dass das Quatsch ist, denn wie ich schon sagte: Älter als ich, hat ein anderes Leben geführt, andere Ausbildung, andere Erfahrungen etc... Sprich, ich bin ein anderer Mensch und somit natürlich auch automatisch ein anderer Autor. Und das soll auch so sein. Nichts ist langweiliger, als eine schlechte Kopie. Es fällt mir nur nicht leicht, weil immer, wenn ich so ein geniales Buch lese, denke ich: Das will ich auch können. Aber vielleicht muss ich nicht genau das können, ich kann anderes und sollte mich vielleicht darauf konzentrieren.
Seit mir das klargeworden ist, versuche ich herauszufinden, wer ich denn nun bin als Autorin. Ohne diese Krücke, dieses Festklammern an ein Ideal, das vielleicht nicht meines ist. Es ist wie mit dem Singen. Man hört die Originalsänger und denkt: Das will ich auch, dieses Lied will ich singen können. Aber das Original hat vielleicht einen viel weiteren Stimmumfang oder eine viel tiefere oder viel höhere Stimme. Also kann ich das nicht genau gleich singen. Aber ich kann es auf meine Art singen. Es ist dann zwar nicht dasselbe, aber es klingt sicher besser, als wenn ich versuche, etwas zu imitieren, was mir schon rein physisch gar nicht möglich ist. Das, was beim Singen das Physische ist (dass z.B. Frauenstimmen tendenziell höher sind als Männerstimmen) ist beim Schreiben die individuelle Lebenserfahrung (und damit meine ich alles, was ich oben aufgezählt habe).

Zitat
Die unverwechelsbaren grossen Künstler hatten viel Einflüsse Idole etc aber sind sich auch einig letzten Endes zu sich stehen zu wollen:

Ja, das stimmt. :) Die machen auch alle etwas wirklich Eigenes und wenn jemand kommt, der nur eine Kopie von irgendetwas ist, merkt man das sofort.
Titel: Re: Viele Ideen - Welche behält man und wie steht's mit der Motivation?
Beitrag von: Galaksy am 21. Juni 2017, 12:38:21
Bei mir ist es eine Frage des "Steuerns". Eine Idee besteht schließlich nicht nur aus der einzelnen Idee, sondern aus vielen weiteren Ideen, durch die dann ein rundes Bild entsteht, und wenn ein Projekt mich packt, dann konzentriere ich mich auf diese Geschichte und Brainstorme über die Charaktere und Handlungsorte darin. Habe ich dann eine weitere große Idee, bin ich meistens immer noch so sehr in dieser Geschicht gefangen, dass sie gar nicht den riesigen Reiz auf mich macht, ich sie einfach einmal kurz niederschreiben kann und dann weiter machen kann. Allerdings muss ich sagen, was unglaublich hilft beim Brainstormen und beim fokussiert bleiben, ist jemand, mit dem man darüber reden kann. Besonders nützlich: Ein Partner, der in der gleichen Welt schreibt, der dadurch ähnlich viel weiß und mit dem man praktisch über die eigene Geschichte und Welt "fangirlen" kann.

Manchmal habe ich allerdings mehrere Geschichten gleichzeitig. Es ist allerdings so, dass ich bei diesen Geschichten mich dann in unterschiedlichen Arbeitsabschnitten befinde: Die eine ist bereits geplottet und ich schreibe sie in der Rohfassung herunter, Bei der zweiten betreibe ich gerade Weltenbau und Charakterentwicklung, bei der dritten überarbeite ich. All diese Arbeitsschritte beanspruchen unterschiedliche Bereiche meines Gehirns; dadurch stören sie sich gegenseitig nur wenig. Ich bin nicht besonders gut darin, mehrere Bücher gleichzeitig zu schreiben, denn meistens endet das darin, dass mich ein Projekt wesentlich mehr interessiert als ein anderes, und ich das "weniger interessante" Projekt fallen lasse.
Titel: Re: Viele Ideen - Welche behält man und wie steht's mit der Motivation?
Beitrag von: MynaKaltschnee am 28. Juni 2017, 02:46:24
Mir hilft es grundsätzlich an einem Projekt dranzubleiben, wenn ich mich wirklich tagtäglich damit befasse. Im besten Fall schreibe ich täglich oder ich tauche auf andere Weise in meine Geschichte ab, denke darüber nach, feile an den Charakteren oder dem Weltenbau, etc.

Ich bin früher auch von einem Projekt zum nächsten gehüpft und habe nie etwas fertig geschrieben. Mittlerweile habe ich geschafft, an einem Projekt dranzubleiben. Hilfreich dabei war das Camp NaNoWriMo im April und Juli und der NaNoWriMo im November.  In diesen Schreibmonaten habe ich gelernt, meine Manuskripte auch zu Ende zu schreiben. Bis auf eine Ausnahme (letztes Camp) hat das bisher jedes Mal geklappt. Es gibt ja hier auch eine Gruppe des "Tinowrimo". Vielleicht hilft es dir, dort aktiv zu werden. Oder bist du das schon?

Zitat
Bitte verstehen Sie mich nicht falsch: Ich lese viel, ich lerne von anderen Autoren. Aber ich versuche, mich nicht mehr mit ihnen zu vergleichen. Ich versuche, sie nicht nachzuahmen.

Ich glaube, es war Kurt Cobain der mal sinngemäß sagte: "Eine andere Person sein zu wollen ist eine Verschwendung von der Person, die du bist." Genauso ist es auch mit uns Autoren. Jeder einzelne ist einzigartig und hat seinen eigenen Schreibstil. Jeder von uns ist ein Original. Es wäre daher sinnlos, versuchen zu wollen, jemanden zu kopieren. Das wäre eine Verschwendung des Originals, das wir sind. Deshalb finde ich diese Aussage von dir, Feuertraum, sehr schön.  :)