Tintenzirkel - das Fantasyautor:innenforum

Allgemeines => Tintenzirkel => Thema gestartet von: Sanjani am 31. Dezember 2011, 23:34:48

Titel: Wenn das Küken einfach nicht schlüpfen will ...
Beitrag von: Sanjani am 31. Dezember 2011, 23:34:48
Hallo zusammen,

so kurz vor Jahresende muss ich nun doch mal wieder jammern. Ich hoffe, dazu gibt es nicht schon ein Thema, sonst könnt ihr mir auch gern eine Pfanne verpassen. Vielleicht geht dann auch endlich mal die Eierschale kaputt ...

... womit ich gleich bei meinem Problem wäre: Jetzt hab ich endlich nach ewig langer Durststrecke wieder eine Geschichte, aber irgendwie will sie sich mir nicht offenbaren. Kennt ihr dieses Gefühl, wenn ihr glaubt, die Geschichte liegt schon fertig geplottet in euerem Kopf, ihr könnt nur schlichtweg nicht drauf zugreifen? Ich vergleiche es mit einem Ei. In der Schale sind schon Risse und durch die kann ich einzelne Details des Kükens erkennen, welches drin sitzt, aber es kommt und kommt einfach nicht raus. Und ich laufe gedanklich dauernd um dieses Ei herum, betaste es, streichle es, rede ihm gut zu - ohne Erfolg. Das macht mich gerade ganz kirre, weil ich total gern weiterschreiben möchte, aber ich krieg die Geschichte einfach nicht zu fassen. Ich hoffe, hier versteht mich jemand, mit meinem sonstigen Umfeld kann ich so was nicht thematisieren.
Ich versuch auch schon inspirierende Sachen, bestimmte Musik hören oder auch Musik machen hilft mir irgendwie, zumindest gefühlt. Ich würde gern einfach mal alles ruhen lassen, aber ich schaffe es einfach nicht. Das hat schon was Zwanghaftes.

So, in diesem Sinne allen einen guten Start ins neue Jahr und danke, dass ich mich auskotzen konnte :)

LG Sanjani
Titel: Re: Wenn das Küken einfach nicht schlüpfen will ...
Beitrag von: Angela am 01. Januar 2012, 01:29:19
Da jammere ich dann mit. Seit Wochen hänge ich in meinem Plot für das nächste Buch fest, überlege, schmeiße um, versuche dies und das. Fange wieder von vorne an, versuche das nochmal, was vorher schon nicht klappte. Blöd. War einfacher, ohne plotten. Falls eine Pfanne gibt, immer feste auf mich drauf, bitte.
Titel: Re: Wenn das Küken einfach nicht schlüpfen will ...
Beitrag von: Sanjani am 01. Januar 2012, 10:57:39
Hallo Angela,

Vielleicht sind es bei dir ja die falschen Alternativen und deshalb klappt es nicht? Ich habe es dieses Mal auch mit Plotten versucht, aber bin damit voll gegen die Wand gefahren :wums: Am Ende wollte die Geschichte was ganz anderes. Und jetzt warte ich, dass sie sich mir endlich auftut.

LG Sanjani
Titel: Re: Wenn das Küken einfach nicht schlüpfen will ...
Beitrag von: Assantora am 01. Januar 2012, 11:12:28
Oh je, da bin ich ja nicht der einzige.

Ich arbeite intensiv an meinem Plot. Es läuft ziemlich gut, er ist noch nicht vollständig, um die Charaktere besser zu verstehen könnte ich einfach schon mal anfangen, im schlimmsten Fall wird die Geschichte nämlich kürzer als gedacht, doch... ich trau mich nicht.
Jetzt sitzt man hier vor einem weißen Bildschirm und stellt die ganze Geschichte wieder in Frage. Der Prolog ist fertig im Kopf, wage aber nicht, die ersten Zeilen zu schreiben, weil ich Angst habe, dass ich mit meinem x-ten Versuch, diese Geschichte endlich nieder zu schreiben, wieder scheitern werde.
Doch das ist dämlich und zwar mit H, weil ich noch nie so vorbereitet war, wie jetzt. Ich weiß, was ich zu schreiben habe, aber plötzlich nicht mehr, wie. Und das ist blöd  :brüll:
Ich setz mich selber damit unter Druck und das ist nun wirklich nicht Sinn der Sache. Schreiben soll doch Spaß machen, oder? *Riesenseufzer*
Titel: Re: Wenn das Küken einfach nicht schlüpfen will ...
Beitrag von: Alana am 01. Januar 2012, 11:16:40
Guten Morgen und ein Frohes neuen Jahr!

Ich kenne das sehr gut, ich habe fast zwei Jahre in diesem Zustand verbracht, bevor ich beschlossen habe, das Ei (übrigens ein sehr guter Vergleich!) zurück in die Schachtel zu legen und eine Weile in Ruhe zu lassen. Da ich auch noch sehr unerfahren bin, was Plotten und so weiter angeht, arbeite ich jetzt an einer anderen Geschichte und hoffe, dass ich dabei einiges lerne, so dass ich später wieder zurück gehen und endlich das andere Projekt bearbeiten kann.
Was mir sehr gut hilft, sind lange Autofahrten auf dem Beifahrersitz (die Bewegung und das montone Motorengeräusch inspirieren mich irgendwie) oder lange Spaziergänge, da kann ich auch sehr gut nachdenken.
Ich wünsche dir, dass dein Küken bald schlüpft!
Titel: Re: Wenn das Küken einfach nicht schlüpfen will ...
Beitrag von: Brigadoona am 01. Januar 2012, 11:45:33
Ich versuche mich dann immer irgendwie in die Geschichte hineinzuträumen. Das ist bei den Sachen, die ich schreibe relativ leicht möglich, da ich meist einen Bezug zu einer Person aufbaue. Ich meine, etwas muss mir an dieser Person gefallen und dann kann ich leichter den Weg mit ihr gehen. Egal, ob durch gute oder schlechte Dinge. Wenn es mir auf diese Weise so weit gelungen ist mich in die Geschichte hineinzuversetzen, dann geht sie einfach ihren Weg und meine Finger hämmern wieder auf die Tastatur um all die "Erlebnisse" unterzubringen.
Titel: Re: Wenn das Küken einfach nicht schlüpfen will ...
Beitrag von: Nirathina am 01. Januar 2012, 12:28:29
Guten Tag und ein frohes, neues Jahr  :winke:

Sanjani, glaube mir, ich kann dich verstehen   :knuddel:
Manchmal hat man das Gefühl, vor einem riesigen Haus zu stehen, das voller Träume und unglaublicher Dinge ist und man weiß ganz genau, dass man nur die Tür öffnen muss, um hineinzugelangen; und obwohl man die Tür síeht, erreicht man sie nicht. Das ist ein Albtraum.
Ich habe bis vor ein, zwei Tagen noch richtig gemerkt, wie zwanghaft der Wille wurde, endlich weiterzukommen. Anschließend wurde mir dann jedoch bewusst, wie unsinnig das eigentlich ist. Eine Welt, ganz gleich ob real oder literarisch, kann zwar in einem Urknall über Nacht entstehen - aber die Geschichte dieser Welt wächst sich erst langsam aus. So schwer es dir auch fällt: Lass alles mal links liegen und beschäftige dich mit etwas anderem. Vielleicht spürt dein Küken ja dann, dass du allein ihm zuliebe diese Selbstgeißelung durchhältst und denkt sich: "Ach, jetzt will ich raus." Bei mir hat es funktioniert, das Küken schlüpfte und die Tür war erreichbar  ;) Hart, aber nützlich.

Lieben Gruß,
Nirathina
Titel: Re: Wenn das Küken einfach nicht schlüpfen will ...
Beitrag von: Arcor am 01. Januar 2012, 12:34:10
@Sanjani

Hast du denn schon mit Schreiben angefangen und es läuft nicht gut oder hast du auch noch nichts geschrieben?

Ich stelle bei mir gerade fest, dass ich beim Schreiben so Frusttage habe, wo ich einfach nicht richtig in die Geschichte reinkomme und alles blöde finde, was ich fabriziere. Im Moment zwinge ich mich aber, weiterzuschreiben und einfach erstmal zu machen. Korrigieren und umschmeißen und besser machen kann ich hinterher immer noch. Ich versuche einfach, so viel wie geht von der Geschichte zu produzieren, um überhaupt ein Gefühl für sie zu bekommen. Bei meiner Trilogie wusste ich nach etlichen Jahren, wie sie funktioniert und wenn das Schreiben nicht so lief, war es nur ein schlechter Tag. Aber bei der neuen Geschichte muss ich erst lernen, wie sie ist und wo sie hin will. Aber ich habe das Gefühl, dass genau das am besten über das Schreiben geht. Im Zweifelsfall merkt man ja, wenn eine gute Idee auf dem Papier nicht so funktioniert, wie man es sich dachte.

Du kannst die Idee natürlich auch erstmal liegen lassen und schauen, ob sie sich dir von selber öffnet. Oder du nimmst eine Pfanne, haust auf die Eierschale und schaust einfach mal, was draus wird.  ;)
Titel: Re: Wenn das Küken einfach nicht schlüpfen will ...
Beitrag von: zDatze am 01. Januar 2012, 19:29:40
Oh ja, das Küken-Problem kenne ich ebenfalls. Manche Projekte schaffe ich einfach auf den ersten Anlauf nicht - und damit meine ich jetzt nicht das Schreiben, sondern das Erfassen der Welt, der Figuren und manchmal sogar die Existenz ganzer Handlungsstränge.

Es mag vielleicht doof klingen, aber ich glaube, dass man manche Küken einfach nicht drängen/überreden kann endlich aus ihrem Ei zu schlüpfen. Egal, wie hartnäckig man es versucht. Vielleicht auch gerade weil man sich so sehr in ein bestimmtes Projekt verbissen hat, dass es einen schon total blockiert. Das ist eine ziemlich doofe Situation und unglaublich frustrierend. Ein Geheimrezept, wie man dann am besten vorgehen soll, gibt es meiner Meinung nach nicht. Zeit ist da wohl der wichtigste Faktor.

Natürlich kann man sich weiter mit dem Küken beschäftigen und z.B. Figuren entwickeln und interviewen. Infos suchen, Recherche betreiben, wenn man schon ein paar Details der Geschichte kennt.

Oder auch einfach eine Liste schreiben, welche Dinge man in Büchern oder anderen Projekten unglaublich toll findet und die man auch einmal selbst einbauen möchte. Ich bezeichne das als "breitflächiges Brainstormen" und es hat mich bei einigen Projekten durchaus weiter gebracht (und bei einigen bin ich trotzdem auf der Stelle getreten :P). Manchmal mag der Kopf keine Ideen herausrücken, auch wenn man genau weiß, dass sie da irgendwo drin sind. Es fehlt der richtige Anstupser und der kann wiederum alles Mögliche sein.

Wobei "alles Mögliche" dann auch in einer Person resultieren kann, die ich gnadenlos zutexte und die mir genau den einen Gedanken "zusteckt", den mein Küken gebraucht hat. Von daher: Mein Freund fürchtet sich schon vor meinem nächsten Küken. ;D
Titel: Re: Wenn das Küken einfach nicht schlüpfen will ...
Beitrag von: Golden am 01. Januar 2012, 19:42:40
Hey Sanjani,

vielleicht kommst du einfach mal in den Brainstorming-Chat bei einem der nächsten Termine  :hmmm:
Vielleicht werden die Risse dann größer, manchmal wirkt das Kollektiv Wunder.

LG
Titel: Re: Wenn das Küken einfach nicht schlüpfen will ...
Beitrag von: Sanjani am 02. Januar 2012, 14:13:13
Hallo ihr Lieben,

erst mal danke für euere Antworten, da fühle ich mich doch gleich viel besser :)

@Alana: Mir geht es auch so. Am ehesten sind mir noch Sachen eingefallen, als ich mit dem Zug unterwegs war. Und glücklicherweise bin ich zur Zeit oft mit dem Zug unterwegs. Leider aber immer nur eine Stunde, bevor ich umsteigen muss, da komme ich nicht in den richtigen Zustand rein. Das ist so ein Zustand zwischen Wachen und Schlafen, wenn meine Gedanken sich frei fühlen und sich zu abstrusen Gebäuden zusammenbauen und wieder zusammenfallen. Ich denke da oft Sachen, die gar nicht zusammenpassen, aber die Ideen kommen dann manchmal doch. Ich kann diesen Zustand nur leider nicht willentlich herbeiführen, sondern muss dazu mindestens ein wenig müde sein und im Zug sitzen.

@Brigadoona: So versuche ich es auch, meist vor dem Zubettgehen oder dem Aufstehen. Die Personen habe ich auch klar und deutlich vor Augen, aber sie verraten mir einfach nicht, was sie tun möchten!

@Nirathina: Dachte ich mir vorgestern auch, machst einfach mal was anderes. Deshalb hab ich dann deine Geschichte fertig gelesen, aber das hat mich dann eher entmutigt, weil du so viele tolle Ideen hast, dass sich meine Geschichte daneben als Anfängerwerk ausnimmt. Das ist natürlich rational gesehen alles totaler Unfug, aber es ist gerade gefühlt so. deshalb werde ich die nächsten Tage wahrscheinlich mehr Musik machen und mich mit meiner Nichte beschäftigen und eher Fachliteratur lesen. Aber was mich auch ärgert, ist, dass ich gerade ein paar Tage Urlaub habe, also eigentlich Zeit zum Schreiben, aber die Geschichte möchte das jetzt einfach nicht.

@Arcor: Die ersten 88 Seiten stehen fest, danach kommt ein riesiges Loch und danach stehen noch mal gut 40 Seiten. Das Problem ist, dass da teilweise Dinge passiert sind, von denen ich noch nicht weiß, warum sie genau so passieren, wie sie es eben tun. Vielleicht werd ich mir auch einfach mal alle Fragen aufschreiben, die mich momentan quälen, einfach damit ich sie mal aus dem Kopf habe. Und dann könnte ich ja immer noch das MP3 Orakel bemühen, wenn die Verzweiflung groß genug ist :)

@zDatze: Ich weiß genau, was du meinst. Bei mir fehlt auch einfach der Anstupser. Immerhin hab ich letztens meine Mutter mit meiner Geschichte zugetextet und da kam mir ein winziger Aspekt, der sich zwar auch nur als Frage formuliert hat, wo ich aber dachte, ja, das ist der Weg, da muss ich hin. Aber es gibt gar nicht so viele Leute, die ich damit zutexten kann. Außerdem möchte ich ja, dass es meine Ideen sind und nicht die von jemand anders. Deshalb halte ich mich auch momentan von den Brainstorming Chats hier fern.

Ich glaube, ich bemühe mich jetzt erst einmal darum die Geschichte bewusst beiseite zu legen und hoffe, dass meine Motivation nicht komplett weg geht, sondern das Küken sich irgendwann zum Schlüpfen entscheidet.

LG

Sanjani
Titel: Re: Wenn das Küken einfach nicht schlüpfen will ...
Beitrag von: Simara am 02. Januar 2012, 15:49:00
Mein Plot ist ins Ei zurückgekrochen und versucht verzweifelt die Schale wider an zukleben. :versteck:  Ich würde so gerne weiterschreiben, aber mit einem Schlag war alles vollkommen schwammig. Jetzt heißt es erst einmal die einzelnen Handlungsfäden wider zurück verfolgen und ganz in ruhe und mit Logik überlegen was da jetzt kommen muss. Schließlich ist einer meiner Vorsätze für dieses Jahr das Projekt endlich zu beenden. :)
Titel: Re: Wenn das Küken einfach nicht schlüpfen will ...
Beitrag von: Sanjani am 02. Januar 2012, 22:24:44
Ohje du hättest die Schale verbrennen sollen, solange sie leer war :)

Viel Erfolg!
Titel: Re: Wenn das Küken einfach nicht schlüpfen will ...
Beitrag von: Steffi am 10. Januar 2012, 21:04:04
@Sanjani: ich weiß ja genau, was du gerade durchmachst. Ich hab da auch so einen Kandidaten neben mir hocken und jedes mal, wenn ich den Plot aufschreiben will denke ich nach einer halben Seite: "Nein, nein, das ist es nicht."

Was du dagegen tun kannst, weiß ich leider nicht. Ich bin ja immer für Abwarten, auch wenn das nicht die produktivste Lösung ist... ::)

Titel: Re: Wenn das Küken einfach nicht schlüpfen will ...
Beitrag von: Sanjani am 10. Januar 2012, 22:54:39
Hallo Steffi,

ich bin zur Zeit auch mehr oder weniger am Abwarten. Letztens habe ich mich mal mit ein paar Fragen beschäftigt, die nicht direkt plotrelevant sind, aber auch nicht unwichtig, und da kam mir ein einzelner Einfall, aber das ist auch nur wieder ein kleiner Sprung in der Schale.

Naja, Mitte Februar kommt meine Muse zurück auf unsere Station, vielleicht geht der Knoten dann endlich auf. Ich wünsch dir auf jeden Fall viel Erfolg mit deinem Ei. Manchmal sind sie echt hartnäckig. :(

LG Sanjani
Titel: Re: Wenn das Küken einfach nicht schlüpfen will ...
Beitrag von: feelingSouldream am 09. März 2012, 18:15:41
Das war bei mir am Anfang meines derzeitigen Romanes auch so.

Ich hatte einen Plot, hab die ganze Zeit dran rumgebastelt, doch ich konnte nicht anfangen, weil ich irgendwie nicht zufrieden war.
Inzwischen hab ich schon ´ne Menge geschrieben und die Ausarbeitung des ganzen ist momentan so viel, dass der Ordne,r in den ich das Zeug reingetan hab, auseinanderplatzt.

Aber das Küken schlüpft irgendwan immer.
Manchmal dauert es nur seine Zeit.

Wie heißt es doch so schön :  "Zwei Sekunden, aber die Zeit heilt alle Wunden." (Ist glaub ich aus "Die Nanny")
Titel: Re: Wenn das Küken einfach nicht schlüpfen will ...
Beitrag von: Sareth am 28. März 2012, 21:45:48
Ich hab ja noch gar keinen Roman geschrieben, bei meinem ersten Versuch ist das Problem auch da. Ganz genau kann ich nicht festmachen, was es ist, aber ich würde fast sagen, es ist der Hang zum Perfektionismus. Ich will einfach, dass das Endergebnis so gut wie möglich ist. Noch ein Tag Planung, noch ein Wochenende, noch einen Monat ... noch einen Ratgeber durchgearbeitet, noch ein paar Plot- und Weltenbau-Seiten in die Favoriten gespeichert ...

Das muss aber auch irgendwo einen tieferen Grund haben. Vielleicht gefällt einem die Story noch nicht richtig. Da gilt dann auch so ein bisschen Trial&Error, also vielleicht mal Alternativen zur Plot-Entwicklung überlegen, und mögen sie noch so abwegig sein ... Einfach, um zu sehen, was möglich wäre ...
Titel: Re: Wenn das Küken einfach nicht schlüpfen will ...
Beitrag von: Assantora am 30. März 2012, 19:30:36
@ Sareth

ZitatGanz genau kann ich nicht festmachen, was es ist, aber ich würde fast sagen, es ist der Hang zum Perfektionismus. Ich will einfach, dass das Endergebnis so gut wie möglich ist.
Bei aller Liebe. Man sollte sich irgendwann durchringen zu schreiben. Ich denke selbst ein Bestseller-Autor lässt sein Manuskript, den ersten Entwurf am Ende 1 : 1 dann abdrucken, einfach weil hier und da noch Kleinigkeiten fehlen, die richtige Formulierung.
Derzeit setze ich mich mit meinem Projekt das fünfte mal oder so auseinander. Das hat zwar andere Gründe, aber ich schreib erst einmal und dann gucken, wie es weiter geht.
Titel: Re: Wenn das Küken einfach nicht schlüpfen will ...
Beitrag von: Sprotte am 30. März 2012, 19:34:33
Nur was geschrieben ist, kann überarbeitet werden. Perfekt ist kein Roman, wenn er das erste Mal niedergeschrieben wird. Die Angst vor der eigenen Unzulänglichkeit (ob nun echt oder eingebildet) kann lähmen. Und was nützt es dann, wenn man eine tolle Idee hat?
Titel: Re: Wenn das Küken einfach nicht schlüpfen will ...
Beitrag von: Notrya am 30. März 2012, 20:16:05
Zitat von: Sprotte am 30. März 2012, 19:34:33
Nur was geschrieben ist, kann überarbeitet werden. Perfekt ist kein Roman, wenn er das erste Mal niedergeschrieben wird. Die Angst vor der eigenen Unzulänglichkeit (ob nun echt oder eingebildet) kann lähmen. Und was nützt es dann, wenn man eine tolle Idee hat?

Das sehe ich auch so. Natürlich sollte man mit seinem Ergebnis am Ende zufrieden sein, aber ich habe auch schon festgestellt, dass ich manchmal mit meiner eigenen Einschätzung zunächst ziemlich daneben liege; ich habe schon meiner Meinung nach großartige Textstellen total begeistert meinen Freunden präsentiert, die zurückgefragt haben, was das denn bitte sein solle und andererseits bei Texten, mit denen ich gar nicht zufrieden war, sehr positives Feedback bekommen. Und in vielen Fällen muss ich zugeben, dass ich beim zweiten oder dritten Lesen festgestellt habe, dass das jeweilige Feedback gar nicht so falsch war. Manchmal habe ich beim Schreiben Kriterien für gute und schlechte Texte im Kopf, die auf die jeweilige Geschichte gar nicht passen und bewerte meine Resultate anscheinend aus einer ziemlich schrägen Perspektive ;D - Das kann man allerdings nur rausfinden, wenn man erst einmal schreibt, was einem so einfällt, auch wenn man es nicht für perfekt hält.

Deswegen tendiere ich mittlerweile auch dazu, meine Ideen früher oder später einfach aufzuschreiben, auch wenn ich mit einigen Sachen noch nicht zufrieden bin. Danach kann ich beim zweiten oder dritten Lesen immer noch entscheiden, ob es mir wirklich so gar nicht gefällt und ein Fall für den Mülleimer ist, ob man vielleicht doch noch was draus machen könnte oder ob es vielleicht doch gar nicht so schlecht ist, wie ich beim Schreiben dachte... und wenn ich mich dann immer noch nicht entscheiden kann, lasse ich jemanden einen Ausschnitt lesen und gucke, ob mir das Feedback weiterhilft.

Wenn das Küken aber noch sehr entschlossen in seinem Ei hockt und sich gar nicht bewegen will, kann ich es meist herauslocken, in dem ich Stichwörter zu den Handlungen, Orten, Charakteren etc., die ich im Kopf habe, aufschreibe und eine Art Brainstorming mache. Mir hilft dieses Herumkritzeln wirklich weiter, ich male dann meist irgendwelche Assoziationsketten quer über das Papier... Manchmal dauert's ein paar Tage (oder noch länger), aber irgendwann kommt meist die zündende Idee bei einem Begriff oder Satz, und dann ist das Küken plötzlich sehr kooperationsbereit ;)

LG
Notrya
Titel: Re: Wenn das Küken einfach nicht schlüpfen will ...
Beitrag von: moonjunkie am 30. März 2012, 20:53:43
Ich mache das auch so. Wenn ich nur einen Fetzen einer Idee habe, wird es aufgeschrieben. Wenn ich einmal anfange, schreibe ich einfach weiter und das klappt auch. Klar, am Ende fliegt einiges davon wieder raus, bei der Überarbeitung, aber so klappt es immerhin, dass ich ein "Ende" druntersetzen kann. Wenn das Ei noch ganz zu ist oder nur ganz kleine Risse hat, dann glaube ich hilft es wirklich sich jedes Mini-Stichwort aufzuschreiben und sich dann vielleicht ein paar Fragen dazu zu stellen, was man noch wissen muss.

Es gibt sicher viele Möglichkeiten an einen Text heranzugehen, aber mir hilft das eigentliche Schreiben am besten. Je länger ich einfach nur darüber brüte, passiert gar nichts. Irgendwo kann man einfach anfangen. Vielleicht beim Titel oder bei den Figuren oder beim Setting oder bei einer Szene und das muss gar nicht der Anfang sein.

Man darf nur dabei nicht ständig denken: oh je, das wird nichts. Das liest am Ende kein Mensch und ich finds auch blöd. Denn selbst wenn einige Szenen nie im Buch auftauchen werden am Ende, waren sie doch eine gute Übung, ein Hereinfinden in die Geschichte, vielleicht die Vorgeschichte einer der Figuren oder sonstwas. Und ganz wichtig: nach dem "Ende" erstmal weglegen - das habe ich bei meinem allerersten Versuch nämlich nicht gemacht. Ich habs sofort wieder gelesen und nur ein, zwei kleine Fehler gefunden. Aber jetzt, nachdem ich das ganze Projekt habe ruhen lassen (Wochen, bzw. Monate), sieht das ganz anders aus. Ich habe gestrafft, gestrichen, verändert und siehe da - auf einmal ist mehr Spannung drin. Und der Rest wird sicher auch noch irgendwann...

Und ganz sicher: wenn man einfach schreibt, egal ob man plottet oder schon losschreibt, alle Ideen wachsen. Obs einem am Ende gefällt oder nicht kann man erst feststellen, wenn es fertig ist und dann kann man ja immer noch jede Menge daran ändern.
Titel: Re: Wenn das Küken einfach nicht schlüpfen will ...
Beitrag von: Moni am 30. März 2012, 20:54:16
Zitat von: Sareth am 28. März 2012, 21:45:48
Ich hab ja noch gar keinen Roman geschrieben, bei meinem ersten Versuch ist das Problem auch da. Ganz genau kann ich nicht festmachen, was es ist, aber ich würde fast sagen, es ist der Hang zum Perfektionismus. Ich will einfach, dass das Endergebnis so gut wie möglich ist. Noch ein Tag Planung, noch ein Wochenende, noch einen Monat ... noch einen Ratgeber durchgearbeitet, noch ein paar Plot- und Weltenbau-Seiten in die Favoriten gespeichert ...

Das muss aber auch irgendwo einen tieferen Grund haben. Vielleicht gefällt einem die Story noch nicht richtig. Da gilt dann auch so ein bisschen Trial&Error, also vielleicht mal Alternativen zur Plot-Entwicklung überlegen, und mögen sie noch so abwegig sein ... Einfach, um zu sehen, was möglich wäre ...

Ich weiß genau, woran es bei dir hapert. Das ist auch der Grund, aus dem ich zb seit 10 Jahren an meinem Opus magnum schreibe und nicht fertig werde. Es ist ein Teil Perfektionismus und ein Teil Angst, mit dem Projekt fertig zu werden und dann nicht mehr daran schreiben zu können. Erst im letzten NaNo ist bei mir der Knoten geplatzt und ich habe einfach nur geschrieben, egal wie gut oder schlecht das Ergebnis war. Damit hab ich das NaNo Projekt zwar nicht fertig bekommen, weil es weit mehr als 50k Wörter hat, aber ich habe mich selber dazu gebracht, den inneren Lektor abzuschalten.
Ich kann dir nur empfehlen, dich bei den Kampfschreibern anzumelden und loszulegen. Es ist unglaublich befreiend, einfach loszulegen.
Früher konnte ich das sogar, aber ab dem Moment wo mich der Ehrgeiz gepackt hat irgendwann damit an die Öffentlichkeit zu gehen, wurde der Überarbeitungszwang immer größer. Ich wurde die Königin der 1.Kapitel. Ständig habe ich den Plot umgeworfen, immer war irgendwas nicht passend und letztlich kam ich nicht von der Stelle. Mittlerweile kann ich zumindest für den Moment loslassen und schreiben. Ist aber nicht einfach, im Endeffekt kostet es zu Beginn wirklich Arbeit. Aber es lohnt sich.
Titel: Re: Wenn das Küken einfach nicht schlüpfen will ...
Beitrag von: Sareth am 31. März 2012, 11:58:25
Danke für die motivierenden (wachrüttelnden) Worte. Ein anderer Grund war, dass ich eben nicht den Plot gefunden habe, wo ich sagen konnte: "JA, der ist es". Die Idee ist es, da bin ich sicher.

Ich bin aber gerade dabei, einen Plot auszuarbeiten, der es wirklich sein könnte. Ich denke, ich werde an diesem Grundgerüst jetzt erstmal festhalten und dann möglichst bald mit dem Schreiben anfangen.

Zeitnah wirds dann von mir auch einen "Mein Roman"-Thread geben.

Das mit den Kampfschreibern hört sich interessant an. Könnte mir vorstellen, damit im Mai anzufangen. Das setzt mir dann auch ne Deadline für meine Planung. Den April noch Welt, Plot und Charaktere planen und - so weit es eben geht - perfektionieren (zum Schreiben komm ich wohl noch nicht, auch wegen dem Abi-Stress), und dann wirklich am 5. Mai (weil meine letzte schriftliche Prüfung am 04.05. ist und die mündliche am 14./15. Mai nicht wirklich schwer wird) anfangen mit dem Schreiben, egal wie ready ich bin.

Mir hilft es auch, dass ich endlich die Sache geklärt habe, wie viele Bände das Buch nun letztlich haben soll. Ich hab mich so auf einen Einzelband versteift, wollte alles da reinbringen, und das ging einfach nicht. Jetzt plane ich, daraus einen Einzelband mit einer abgeschlossenen Geschichte zu machen, die aber ein offenes Ende hinsichtlich der Zukunft der Charaktere hat (sie beginnen z.B. ein neues Leben oder eine Ausbildung), sodass ein zweiter Teil möglich wäre (für den ich auch schon viele Ideen hätte). Ich kann meine Charaktere nicht in einem Buch von Abneigung, zu bedingungsloser Liebe, zu Verrat und Hass, zum Zusammenkommen und Loslassen führen. Daneben noch eine komplette Magieausbildung, denn würde ich mein Buch als Einzelband verfassen, müsste ich entweder große Zeitsprünge machen (das hasse ich) oder sie würden innerhalb weniger Tage lernen Magie zu beherrschen (das hasse ich auch). Zwei Bücher sind optimal, da kann dazwischen ein Zeitsprung gemacht werden und die Charaktere müssen nicht alle ihre inneren Konflikte auf einmal lösen.
Titel: Re: Wenn das Küken einfach nicht schlüpfen will ...
Beitrag von: Kraehe am 31. März 2012, 17:02:29
Zitat von: Sareth am 31. März 2012, 11:58:25
und dann wirklich am 5. Mai (weil meine letzte schriftliche Prüfung am 04.05. ist und die mündliche am 14./15. Mai nicht wirklich schwer wird) anfangen mit dem Schreiben, egal wie ready ich bin.

Das solltest du absolut! Ich habe gerade - Anfang März - ein Projekt zu schreiben angefangen, das ich jetzt genauso seit zwei Jahren vor mir aufgeschoben habe. Vonwegen "Nein, ich muss erst was über die Welt lernen", "Ich brauche erst alle Karten", "Ich muss erst die Kultur entwickeln" etc. ...
Erstens empfehle ich dir da auch die Kampfschreiber. Weil ich gerade im T12 (also mit Jahresziel) drin bin, habe ich den Hintern jetzt hoch gekriegt und Anfang/Mitte März auch einfach anfangen müssen, um weiter gut in der Zeit zu liegen.
Das hat bei mir dazu geführt, dass ich zwar nicht ready war, es aber innerhalb von zwei Wochen geworden bin, wofür ich vorher zwei Jahre rumgedruckst habe.
Kampfschreiber sind also sehr nützlich.
Zweitens denke ich auch, dass du dich an den Anfang wagen solltest, der Rest kommt. Man kann nachher immer noch nachflicken, Szenen umschmeißen, neuschreiben, dreimal neu schreiben (das mache ich immer gerne ::) ) und alles ändern. Im Zweifelsfall muss man das Küken manchmal auch drängen, sonst brütet man zu lange vor sich hin.

Zitat von: Sareth am 31. März 2012, 11:58:25
Zwei Bücher sind optimal, da kann dazwischen ein Zeitsprung gemacht werden und die Charaktere müssen nicht alle ihre inneren Konflikte auf einmal lösen.
Dass du die Entscheidung für dich getroffen hast ist schonmal gut, dann kann es ja losgehen. Und persönlich finde ich zwei Bücher ein schönes Modell.
Titel: Re: Wenn das Küken einfach nicht schlüpfen will ...
Beitrag von: Assantora am 31. März 2012, 22:23:24
@ Sareth

Was die Krähe sagt, solltest du dir zu Herzen nehmen.
Mein Projekt wächst und gedeiht. Bin auf den besten Wege geradewegs auf das Finale zu steuern, obwohl ich noch nicht mal richtig weiß, was nun wirklich im Finale selbst passiert.
Ich habe parallel geschrieben und den Plot verfeinert. Einen groben Plot gab es schon, nur entwickelte er sich sehr viel genauer, wie eine Nebenhandlung, die in der Fortsetzung zu einer Haupthandlung wird und so weiter.

Stichwort Kampfschreiber: Eingetragen für ein 20k Battle für diesen Monat und beendet mit 40k. Kurzum doppelt so viele Wörter geschrieben, als ich mir aufbrummen wollte ;)

@ Krähe

ZitatDass du die Entscheidung für dich getroffen hast ist schonmal gut, dann kann es ja losgehen. Und persönlich finde ich zwei Bücher ein schönes Modell.
Yeah, noch ein Fan von dem Modell. Ist bei mir auch wohl so, dass es (nur) zwei Teile werden. Hierzu seien die sehr guten Bücher Sebastian und Belladonna von Anne Bishop erwähnt, die es genauso gemacht hat. (Ganz nebenbei ist die Story superb ;) )
Titel: Re: Wenn das Küken einfach nicht schlüpfen will ...
Beitrag von: Notrya am 02. April 2012, 17:48:41
Zitat von: Assantora am 31. März 2012, 22:23:24Mein Projekt wächst und gedeiht. Bin auf den besten Wege geradewegs auf das Finale zu steuern, obwohl ich noch nicht mal richtig weiß, was nun wirklich im Finale selbst passiert.
Ich habe parallel geschrieben und den Plot verfeinert. Einen groben Plot gab es schon, nur entwickelte er sich sehr viel genauer, wie eine Nebenhandlung, die in der Fortsetzung zu einer Haupthandlung wird und so weiter.

So bin ich bisher auch vorgegangen, wobei ich leider noch nicht beim Finale meiner Geschichte angekommen bin. Da ich ohne genauen Plan mehr oder weniger drauf losgeschrieben habe, muss ich mich jetzt allerdings bald entscheiden, wie das Ende aussehen soll; entweder kürze ich das Ende ab, dann bleibt es bei einem Band, oder ich schreibe es so, wie ich es eigentlich vorhatte, dann muss es aber eine Fortsetzung geben, da der Teil der Handlung, der in dem Fall noch aussteht, unmöglich in ein einziges Buch passen würde. Insofern habe ich praktisch zwei Küken und warte mal ab, welches davon schlüpfen mag ;D, denn eigentlich habe ich noch ein ganz anderes Projekt im Kopf, das ich nach dem aktuellen gern anfangen würde, anstatt noch eine Fortsetzung zu schreiben. Andererseits halte ich zwei Bücher auch für ein schönes Modell, und wenn sich schon die Gelegenheit bietet... :hmmm:

Titel: Re: Wenn das Küken einfach nicht schlüpfen will ...
Beitrag von: Bianca Jones am 03. April 2012, 19:41:09
Ja, ich glaube, ihr habt da wirklich Recht: Man muss den Mut haben, zu schreiben.

Wenn das Küken nun gar nicht will, hilft es mir immer sehr, einfach frei und mit Hand (ist mir da immer lieber) aufzuschreiben, was das Küken denn noch braucht, um schlüpfen zu dürfen... Oftmals fehlt nämlich einfach nur der Mut. Oder ein gutes Setting oder eine Motivation und so kann man das dann fix nacharbeiten.

Ich hab für mein jetztiges Projekt sehr viel geplottet und muss sagen, beim Schreiben ändert es sich dann doch wieder, weil es manchmal nicht funktioniert oder weil die Figuren einen anderen Weg gehen wollen. Ich glaube, man muss dann immer dem Schreibprozess vertrauen und sich sagen: Niemals wird der 1. Entwurf gedruckt, dafür ist er ja auch gar nicht da. Er ist einfach da, damit man mit ihm arbeiten kann. Ihn fit machen für die Welt da draußen, und dann muss man sich auch von ihm lösen, wie Moni oben schon schrien. Dass ist dann wieder ein ganz eigener Prozess. Ich habe mal gelesen, dass es richtig ist, wenn man das Gefühl hat, die Geschichte wäre noch nicht gänzlich fertig, so hat man quasi wieder das Benzin für die neue Geschichte. So gesehen wird man nie fertig...

Grüssle,
Bianca