Hallo zusammen!
Gerade bin ich über ein Problem gestolpert, das mir noch gar nicht bewusst war. Meine Prota muss aus dem Koma erwachen, das dauerte etwa ein halbes bis dreiviertel Jahr. Nun habe ich das Problem: wie sieht es nach dem Koma aus? Wie läuft die Reha ab? Dazu muss ich vielleicht noch sagen, dass sie durch einen schweren Autounfall mit inneren Verletzungen ins Koma gefallen ist. Sie erwacht in dem Moment in dem die Maschinen abgestellt werden, denn eigentlich hatten ihre Eltern keine Hoffnung mehr.
Gibt es unter den Medizinverständigen vielleicht Leute die mir weiterhelfen könnten? Ich möchte gern die Reha beschreiben und natürlich auch die Verarbeitung des Unfalls und so, habe aber selbst recht wenig Ahnung davon :(
Liebe Grüße
mika
Huhu!
Ich bin absolut kein Experte, allerdings habe ich mich bereits für eine eigene Idee ein wenig mit Komapatienten beschäftigt. Also vielleicht hilft es dir schon mal zumindest ein wenig zu wissen, was auf jeden Fall zu bedenken ist.
Meine Informationen betreffen vorrangist das Wachkoma ("apallisches Syndrom"); allerdings nehme ich einmal an, dass deine Prota bei dem Unfall eine schwere Hirnschädigung erlitten hat und in so einem Koma liegt.
Das Wichtigste, das du bedenken solltest, ist, dass ein Koma von mehr als ein paar Tagen deine Prota stark schädigen wird. Sie wird beim Erwachen wahrscheinlich nicht sprechen können, nicht laufen, nicht essen, ihre Arme nicht heben, usw. Falls sie in der Zeit des Komas nicht angemessen versorgt wurde, ist das alles noch schlimmer.
Therapieren kann (und sollte) man bereits während des Komas, die sogenannte Frühreha. Sofern nämlich keine Therapien vorgenommen werden (Bewegung/Schwimmen/Stehen/Gehen, alles natürlich durch Fremdeinfluss), entwickeln die Muskeln der Patienten sich sehr schnell zurück. Sie bekommen Spasmen, das heißt, ihre Muskeln verdrehen und verformen sich. (Und das alles passiert sogar, wenn man während des Komas therapiert. Wenn man es nicht tut, ist es noch stärker.)
Du müsstest im Manuskript auf jeden Fall viel Zeit einplanen, um deine Prota wieder gesund werden zu lassen. Oft bleiben nach einem so langen Koma Behinderungen zurück, aber man kann auch durchaus wieder ganz gesund werden.
Ein Beispiel einer Patientin, die nach vier Monaten erwacht ist, findest du hier (http://www.zeit.de/1998/38/199838.koma_.xml); da gibt es auch ein paar Anmerkungen der Art, wie therapiert wird.
Und ich hab mal noch ein wenig herumgesucht nach Therapiebeschreibungen und noch das hier (http://www.club-of-life.de/komareha.htm#G3) und das hier (sehr ausführliches Reha-Phasenmodell!) (http://www.schaedel-hirnpatienten.de/unterstuetzen/rehabilitation/index.html) gefunden.
Ich hab noch einen kleinen Einwand, den du bedenken solltest: "Das Abschalten der Maschinen" hieße bei einem Wachkoma-Patienten einfach nur das Einstellen der künstlichen Ernährung; die restlichen Körperfunktionen wie Atmung, Verdauung, Herzschlag usw funktionieren noch. Weil das passive Sterbehilfe ist, ist das in Deutschland eher heikel und nur erlaubt, wenn eine Patientenverfügung vorliegt. Und mir persönlich kommt das nach einem halben Jahr sehr früh vor; oft liegen Menschen 10 oder 15 Jahre im Koma, ehe man sie sterben lässt.
Vielleicht gibt es jemandem, der sich mit den deutschen Gesetzen da besser auskennt, aber solange es keine Patientenverfügung gibt und solange nicht schon der Hirntod festgestellt wurde, schaltet man meines Wissens in Deutschland nicht einfach so die Geräte ab.
Liebe Grüße
und alles unter Vorbehalt; sind nur meine eigenen Rechercheergebnisse :)
Rynn
Ich bin da auch kein Experte. Ich habe nur mal das Buch "Dead Zone - Das Attentat" von Stephen King gelesen. Da erwacht einer nach vier Jahren aus dem Koma. Ich meine, die anschließende Reha und das mit der Muskelverkümmerung ist dort auch sehr gut beschrieben.
Danke schon mal für eure Hilfe, damit kann ich in der Tat schon etwas anfangen und vor allem wurde mir bewusst, dass ich etwas spezifizieren muss: meine Prota war augenscheinlich hirntot, kein Wachkoma oder so, sondern da regte sich gar nichts mehr. Sie wurde künstlich am Leben erhalten über die entsprechende Zeit weil es den Eltern einfach nicht möglich war. So kommt es dann auch zum Abschalten der lebenserhaltenden Maßnahmen. Es gab keine Aussicht mehr darauf, dass sie tatsächlich je wieder erwachen könnte.
Ich weiß nicht so recht ob das Sinn macht *grübel* ich denke mal medizinisch dürfte es nicht möglich sein, nach so langer Zeit wieder zu erwachen obwohl man augenscheinlich hirntot war und wie es da rechtlich aussieht weiß ich leider auch nicht *grübel*
Ich hab es noch nicht so ganz verstanden; soll sie die ganzen 6-9 Monate am Leben erhalten werden, obwohl die Ärzte glauben, dass sie hirntot ist? Das wäre so nicht möglich - nach dem Hirntod kann man den Körper nur einige Tage bis Wochen am Leben erhalten (die längste Zeit sind in Deutschland wohl rund 100 Tage gewesen; allerdings wird das jeden Tag immer aufwändiger und damit teurer). Wenn die Ärzte wirklich glauben, dass sie hirntot ist, schauen sie nach, ob sie Organspenderin ist, wenn ja, wird sie bis zur Organspende am Leben erhalten, wenn nein, werden die Geräte abgestellt (beides natürlich in Abstimmung mit Angehörigen).
Allerdings ist der Hirntod wohl sowas wie die sicherste Diagnose überhaupt; bevor man die Geräte aufgrund eines Hirntods abschaltet, wird der von mehreren Ärzten sicher festgestellt. Ich denke, der kann nicht fehldiagnostiziert werden - es sei denn, du hast da irgendwelche fantastischen Elemente in deinem Manuskript, die ihre überraschende Heilung begründen, das weiß ich natürlich nicht.
Eine Fehldiagnose wäre vielleicht ganz, ganz rein theoretisch möglich, aber dann bleibt eben immer noch die Frage, ob sie denn für einen Leser auch plausibel ist, wenn die Chance wirklich so arg gering ist.
Hm... ich wusste es würde das ein oder andere Problem mit sich bringen. Wie gut, dass ich hier gefragt habe statt die Szene einfach zu schreiben...
100 Tage *grübel* Wenn ich die Zeit in der "Menschenwelt" anders ablaufen lasse und theoretisch nicht die tatsächliche Zeit vergangen ist die meine Prota in der Fantasywelt war *kopfzerbrech* dann dürfte sich das drehen lassen, dass ich sogar drunter komme. Danke auf alle Fälle für die Info. Das mit dem Hirntod werde ich auf alle Fälle so behalten. Vielleicht wollten die Eltern die Hoffnung einfach noch nicht aufgeben und investierten viel Geld darin, dass sie noch am Leben bleibt, oder vielleicht wurde sie wirklich aufgespart für eine Organspende, es gab einen Termin, dann kam eine Krankheit beim Spendenempfänger dazwischen und der wurde wieder hinausgezögert *grübel* So ließe sich das vielleicht erklären... Aber auf alle Fälle weiß ich jetzt, das ich die Zeit die meine Prota in der Menschenwelt geistig weg ist definiv kürzen muss, vielen Dank Rynn!
Also der Extremfall mit den 100 Tagen war eine hirntote Schwangere, die man am Leben erhalten hat, um das ungeborene Kind zu retten. Nur bei solch ungewöhnlichen Umständen würde man jemanden derart lange trotz des Hirntodes am Leben erhalten.
Bei einem Hirntod wäre es einfach sehr unwahrscheinlich, dass man sie länger als ein paar Wochen unbehelligt lassen würde. (Man sollte da niemals die Kosten vernachlässigen. Je länger das andauert, desto wahrscheinlicher werden auch weitere OPs wegen Entzündungen usw. Da spielt auch die Krankenkasse nicht lange mit.)
Natürlich will ich dir in keiner Weise deine Idee ruinieren. :(
Aber vielleicht wäre es doch besser, lieber auf ein Wachkoma umzuschwenken. Lass die Ärzte ihren Eltern doch sagen, dass die Wahrscheinlichkeit sinkt, dass jemand aufwacht, je länger das Koma dauert; immer weniger Freunde kommen sie noch besuchen; die Eltern müssen die Augenbewegungen und Gesichtsregungen ertragen, die Wachkomapatienten machen, bei denen man glauben könnte, sie wären wach. Das ist vielleicht nicht ganz soviel Dramatik wie mit dem Abstellen der Geräte, aber zumindest wäre es glaubhaft. :)
Danke Rynn, wirklich! Du hast meine Idee in keinster Weise ruiniert, ihr nur etwas mehr Hand und Fuß gegeben, jetzt weiß ich wo ich ansetzen kann. Im Grunde kann ich nämlich mit der Zeit spielen wie ich lustig bin, ich denke meine Prota wird ca. zwei bis drei Wochen hirntot gewesen sein. Hirntot ist aber leider ein Muss, da ich mir nicht vorstellen kann, dass das Gehirn noch irgendwelche Aktivitäten zeigt, wenn keine Seele mehr im Körper ist. Aber das sind ja dann Fantasyaspekte ;)
Auf alle Fälle habe ich jetzt eine grobe Vorstellung wie es laufen muss, danke! Auch die Reha dürfte ich hinbekommen, denn auch wenn es nur, sagen wir mal, drei Wochen waren die meine Prota hirntot war, niemand wird sich wohl während des Zustandes um ihren Körper gekümmert haben. Warum auch, sie war als Spender schon fast auf dem OPtisch und entsprechend wird ihre körperliche Verfassung aussehen. Außerdem ist es nicht schlecht wenn ich weniger Zeit verstreichen lasse, dann sind die Schäden vom Unfall noch deutlicher und müssen ebenfalls erstmal wieder heilen :)
Tut mir leid, wenn ich da jetzt mit Füßen treten muss, aber mir kommt das alles viel zu unrealistisch vor. Auch wenn meine Antworten nicht richtiger sind als die meiner Vorposter, ich bin Medizinstudentin im Examenssemester und dann fallen mir unrealistische medizinische Szenarien natürlich sehr auf.
Ich kann Rynn nur zustimmen, dass Hirntod eine der sichersten Diagnosen ist, weil der von mehreren unabhängigen Ärzten festgestellt werden muss mit allerlei körperlichen und technischen Untersuchungen. Eine Fehldiagnose ist äußerst unwahrscheinlich. Es sei denn die Geschichte spielt in einem medizintechnisch nicht so fortgeschrittenem Land oder vor einigen Jahrzehnten als es noch nicht die Hirntoddiagnostik gab.
Soll deine Prota tatsächlich hirntot sein, dann ist das irreversibel. Tot ist tot, das Gehirn verflüssigt sich, da muss ihr schon auf wundersame Weise ein neues Hirn nachwachsen, ansonsten ist es unmöglich je aus einem Hirntod zu erwachen. Wenn keine besonderen Umstände bestehen wie mit der schwangeren Hirntoten, dann diskutiert man auch nicht über lebenserhaltene Maßnahmen. Ist der Hirntod festgestellt, geht es nur noch darum, ob man sie bis zur Spende-OP am Leben erhält oder nicht. Wenn nicht, dann werden die Maschinen abgestellt und der Leichnam der Pathologie/Rechtsmedizin übergeben, ganz egal, ob die Angehörigen den Tod ums Verrecken nicht wahrhaben wollen. Hirntod ist etwas Endgültiges.
Besser finde ich die Idee mit dem Wachkoma. Es gibt Menschen, die glauben Wachkomapatienten seien vor sich hinvegetierende Hüllen, da wär nur noch der Körper, aber die Seele sei verschwunden. Nur weil "keine Seele mehr im Körper ist" müssen die Hirnströme nicht null sein. Das können aktive vegetative Funktionen sein. Höhere Funktionen, die man mit Seele assoziiert, wie Denken und Fühlen können wegen "verschwundener Seele" aber "weg" sein.
Andere Situationen bei denen man über das Abschalten lebenserhaltener Maschinen nachdenkt, sind lange Komazustände und Locked-in-Syndrom mit schlechter Prognose und wenn es in der Patientenverfügung steht.
Ein halbes Jahr erscheint mir da als Zeitfenster etwas kurz. In der Regel sind Angehörige gerade im ersten Jahr so kämpferisch und voller Hoffnung, dass sich die Frage gar nicht stellt. Da müssen schon einige Jahre durchs Land ziehen. Oder sie diskutieren so heiß, weil die Ärzte sagen, dass sie so schlimme Schäden hat dass sie ein Pflegefall bleiben wird und einer der Angehörigen meint, die Prota hätte gesagt, dass sie niemals als Pflegefall enden und lieber sterben wolle, aber der andere meint, sie hätte deutlich gesagt, dass sie immer um ihr Leben kämpfen würde.
Was die Zeit in der Traumwelt angeht, kannst du das so strecken wie du magst. Du träumst doch sicher auch mal von einer Handlung, die einen ganzen Tag läuft, obwohl du nur sechs Stunden geschlafen hast. Muss gerade an Inception denken. Da definieren sie die Zeitunterschiede so exakt, dass sie genau sagen können wieviel Zeit ihnen für ihre Mission bleibt.
Was die Reha angeht, beginnt sie sofort während deine Prota im Koma liegt. Deine Prota wird auf keinen Fall ungepflegt liegen gelassen, nur weil sie potentielle Spenderin ist! Bitte schreib sowas nicht, weil das eine entmutigende Botschaft an die Leser ist und Ängste gegenüber der Organspende schürt!
Der Körper wird durchbewegt damit sich keine Kontrakturen bilden und natürlich auch um Wundliegen zu vermeiden. Damit auch die Sinne nicht verkümmern, werden regelmäßig Reize gegeben. Wenn deine Prota dann schließlich aufwacht, muss sie wohl alles wieder neu lernen. Man denke da an Monika Lierhaus. Sie erzählte, dass sie nichts konnte und solch einfache Dinge erst mal lernen musste wie Schlucken, Essen, Trinken, Greifen, Sprechen, Schreiben, Laufen. Ich kann mir auch denken, dass sogar Kontinenz wieder gelernt werden muss und direkt nach dem Aufwachen muss sie auch lernen wieder selbstständig zu atmen. Alle Muskeln müssen wieder aufgebaut werden. Da das natürlich sehr frustrierend ist und die Nahtoderfahrung dazukommt, gehört psychologische Betreuung auch dazu.
Danke Vali, das hilft mir noch mal weiter.
Also kein Hirntod. Jut, jut. Ich werde das mit dem Wachkoma nochmal genauer in Betracht ziehen. Ich wollte auch nicht so sehr ins Detail gehen da es sich um eine recht kleine Passage am Ende des Buches handelt und ich möchte sicherlich niemanden demotivieren. Oh weh, noch ein Punkt an den ich gar nicht gedacht hatte, danke für den Hinweis! Es geht einfach mehr um mich, damit ich schreiberisch die Hintergründe im Kopf habe und die Szene glaubhaft rüber bringe.
Ist es möglich dass während dem Wachkoma eine Infektion oder irgendetwas anderes lebensbedrohliches Eintritt? Schon oder? Dann könnte ich es dahingehend nochmal drehen, lasse das mit diesem Klischee "Maschinen abschalten" usw vollkommen weg und komme auch so zu meiner Nahtoderfahrung *grübel*
Warum brauchst du eine weitere Nahtod-Erfahrung? Sie hatte doch einen Unfall am Anfang. Reicht das nicht als Auslöser für so eine Erfahrung?
Außerdem gibt es noch diese besonderen Erlebnisse während einer OP, bei denen die Patienten berichten, sie hätten z.B. neben den Ärzten im OP gestanden und denen bei der Arbeit zugesehen. Da gibt es auch ganz unterschiedliche Berichte, ich weiß nur gerade nicht, wie man das nennt.
Naja... stimmt eigentlich... ich schlaf am Besten noch mal eine Nacht drüber. Danke für alle eure Infos, das hat mir wirklich sehr viel weiter geholfen mein Ende logischer zu gestalten.
Zitat von: der Rabe am 06. September 2011, 23:19:43
Außerdem gibt es noch diese besonderen Erlebnisse während einer OP, bei denen die Patienten berichten, sie hätten z.B. neben den Ärzten im OP gestanden und denen bei der Arbeit zugesehen. Da gibt es auch ganz unterschiedliche Berichte, ich weiß nur gerade nicht, wie man das nennt.
Außerkörperliche Erfahrungen?
Wenn du eine Nahtoderfahrung brauchst, kannst du auch mal schauen, ob du hier oder auf der IANDS-Seite was findest:
http://netzwerk-nahtoderfahrung.org/
Ich habe kürzlich wieder angefangen, mich aus reinem Interesse mit dem Thema zu beschäftigen, und festgestellt, daß es ziemlich schwierig ist, seriöse Infos zu finden. Aber dieser Verein und die IANDS-Seite scheinen ziemlich ausgewogen zu sein. War jedenfalls mein erster Eindruck.
Hoffe, das hilft dir weiter. Ich denke auch darüber nach, eine Nahtoderfahrung einzubauen. Bin aber noch nicht sicher. Man muß ja nicht alles in die Geschichte packen, was einen gerade so beschäftigt. ;)
Ich habe zwar keine Ahnung von Medizin, aber eine eigene Erfahrung. Also meine Oma nach einem Sturz mit Hirnblutungen gestorben ist, lag sie auch für 2 Wochen im Koma, ich weiß nicht genau, was für eine Art von Koma das war, aber man sagte uns, wenn sie wieder aufwachen würde, wäre sie ein schwere Pflegefall. Da sie eine Patientenverfügung hatte, hätten mein Opa und meine Mutter entscheidenkönnen die Maschinen abzustellen und dann wäre sie gestorben. Während mein Mutter und mein Opa noch darüber nachgedacht haben, ob sie diesen Schritt gehen sollen ist sie dann an einer Infektion gestorben, aber es wäre rechtlich möglich gewesen die Geräte abzuschalten.
Zu deinem Problem mit der Seele: Als wir meine Oma kurz vor dem Tod besucht haben,haben danach mein Bruder und ich die Erfahrung gemacht. "Es ist, als wäre sie schon nicht mehr da, als hätte sie ihren Körper schon verlassen." Dazu war kein Hirntod nötig.
Zitat von: Rynn am 06. September 2011, 14:32:18
oft liegen Menschen 10 oder 15 Jahre im Koma, ehe man sie sterben lässt.
Mal 'ne Frage hierzu, da ich das eventuell für eines meiner Szenarien brauchen kann: altert ein Mensch, der so lange im Koma liegt, normal weiter? Oder wirken sich die verlangsamten Lebensfunktionen da auch auf den Alterungsprozeß aus? Und wenn ja, in welchem Maße?
Da außer den Hirnfunktionen alles "normal" funktioniert, altert ein Mensch auch normal weiter. Unter Umständen kann man vielleicht sagen, dass die Gelenke sich z.B. weniger abnutzen, dafür verkümmern aber die Muskeln um so mehr.
Wie sieht es aus, wenn ein Kind/Jugendlicher im Koma liegt? Finden dann die üblichen Wachstumsphasen trotzdem statt (insbesondere Pubertät), oder liegt da nach ein paar Jahren ein "gealtertes Kind"?
Nein, das verläuft alles ganz normal. Solche Wachstumsphasen wie die Pubertät haben nichts mit der Hirnfunktion zu tun und laufen ganz normal ab.
Der einzige Unterschied ist wirklich die Muskelzurückbildung und die Entwicklung von Spastiken in Armen und Beinen. Menschen, die längere Zeit im Koma liegen, haben deshalb oft eine ungewöhnliche Körperhaltung mit gebeugten Füßen oder Ähnlichem.
Alles klar, danke! :)
Hallo ihr Lieben,
ich möchte das Thema auch noch mal aufgreifen, weil sich mir auch so eine Szene aufgedrängt hat. Der Freund meiner zweiten Traumwächterin soll auch im Koma liegen. Jetzt ist aber die Frage, wie dramatisch ich es gestalten soll. Koma ist ja immer schlimm, aber wenn er z. B. einen Autounfall hatte und danach im Koma liegt, nach wie vielen Wochen oder Monaten (oder Tagen?) würde man sagen, dass die Freundin sich kkeine allzu großen Hoffnungen machen soll? Und wie lange würde er in der Klinik therapiert werden, bevor er in eine entsprechende Fachklinik oder ein Pflegeheim kommt? Und in der Klinik, auf was für einer Station würde er dort liegen? Und wäre besser Wachkoma oder normales Koma? Und wie sind da die Besuchszeiten, kann sie da nach der Arbeit auf die Station gehen und dort bleiben, solange sie will, oder gibt es da Einschränkungen?
Ich möchte nicht, dass zu viel Zeit vergeht, weil sie keinen behinderten Freund haben soll, soweit möglich. Andererseits soll es sie aber schon sehr stark belasten und sie soll das Gefühl haben, dass er nicht mehr zurückkommen wird. Hinzu kommt, dass ich noch nicht genau weiß, wie viel Zeit in der Geschichte vergehen wird, ehe sie ihn aus dem Koma zurückholt.
Ok, vielleicht kann mir da ja noch mal jemand auf die Sprünge helfen.
LG einstweilen
Sanjani
Soweit ich das noch von meiner Matura (Abitur in Österreich, auch schon anderthalb Jahre her... ei ei ei...) im Kopf hab, kommt es immer darauf an, was zum Koma geführt hat. Welche Gehirnteile dabei betroffen sind, wie weit sie abgestorben sind, und was dagegen unternommen werden kann, sind auch wichtige Faktoren.
Ist zum Beispiel das Stammhirn betroffen (der evolutionsgeschichtlich älteste Teil), ist man sofort erledigt. Dann setzen alle lebenserhaltenden Funktionen aus, und es geht rein gar nichts mehr. Wenn allerdings Teile des Frontallappens betroffen sind (also Teile des Großhirns, welches vor allem für die Verarbeitung von Reizen und der Reaktion darauf verantwortlich ist), dann kommt es eben zu Einschränkungen. Bis zu einem gewissen Grad kann das Gehirn die Funktionen umverteilen, aber niemals wieder das gleiche Niveau erreichen.
Wachkoma ist mit einer sehr geringen Chance, dass der Betroffene wieder erwacht. Er/sie nimmt zwar wahr, was in der Umgebung passiert, kann aber nicht mehr reagieren. Die Chance, dass das vorbei geht, ist wirklich sehr gering. Das 'normale' Koma, welches in künstlicher Variante ja auch dazu verwendet wird, die Belastung während einer Operation und/oder einer schweren therapeutischen Phase möglichst gering zu halten (da das Bewusstsein vermindert wird, was aber auch nicht bei jedem Patienten funktioniert), kann schon eher überwunden werden.
Dabei ist aber auch noch folgendes zu beachten: Während der Zeit, die im Koma verbracht wird, degeneriert sich der Körper. Muskeln verlieren ihren Tonus, was dazu führt, dass der Patient nach und nach immer mehr in eine Embryo-Haltung übergeht. Ab einem gewissen Punkt (glaube ich, ich bin mir jetzt nicht 100%ig sicher) kann man kaum noch etwas dagegen tun, und der Betroffene ist an den Rollstuhl gebunden, möglicherweise unfähig, sich noch irgendwie selbst zu bewegen.
Wie es mit Besuchszeiten aussieht, weiß ich jetzt nicht so genau. Da es aber ein neurologischer Fall ist, wird er sehr wahrscheinlich auch dort liegen. Die Besuchszeiten, denke ich, werden sich je nach Grad des Komas richten, also wie stark das Bewusstsein eingeschränkt ist, und wie belastet der Patient bereits ist.
Also ich würde sagen, Wachkoma wäre eher eine schlechte Idee. Möglicherweise durch eine Vergiftung, oder einen Schock ins Koma gefallen? Wann jemand aufwacht, ist immer schwer zu sagen. Das kann ein, zwei Wochen dauern, es kann sich aber auch über Monate hinweg ziehen. Das kann nur kurzfristig ermittelt werden, wenn etwa die Gehirnaktivität signifikant zunimmt.
Reha danach wird wohl ein, vielleicht auch zwei Monate Physiotherapie umfassen, in der der Körper langsam wieder an eigenständige Bewegung gewöhnt wird. Immerhin haben ja die Muskeln an Kraft verloren, das passiert schon nach wenigen Tagen ständigen Liegens.
(So, das ist jedenfalls was ich zu glauben weiß, es kann sein, dass ich mich irgendwo doch täusche. Zur Sicherheit vielleicht mal im Wikipedia stöbern. ;D )
Hallo Robin White,
über die körperlichen Abbauprozesse habe ich schon einiges gelesen. Da wird ja auch schon therapiert, solange der Patient im Koma liegt. Ich hab aber auch schon von Leuten gelesen, die ein paar Jahre im Koma lagen und danach wieder gesund wurden oder nur wenige Schäden davon getragen haben. Ich stelle mir einen Zeitraum von maximal einem halben Jahr vor, den der Gute im Koma verbringen soll. ich frag mich halt nur gerade, wann ich ansetzen soll. Hofft man nach einem Monat noch oder kann es da schon sein, dass ein Erwachen eher unwahrscheinlich ist. Die Geschichte von dem Herrn soll ja auch nicht im Mittelpunkt stehen, sodass die Details auch nicht so wichtig sind, aber es soll halt auch nicht komplett unrealistisch sein.
Ich hatte Wachkoma so verstanden, dass die Leute zwar die Augen offen haben und spontane Reaktionen zeigen, aber eben nicht wahrnehmen, was um sie herum passiert. Schwieriges Thema.
LG Sanjani
Hi,
was jemand im Wachkoma noch wahrnimmt und was nicht, wird ja immer wieder heiß diskutiert. Manche Patienten zeigen vielleicht noch Reflexe oder können doch noch irgendwie reagieren, blinzeln oder so, manche reagieren gar nicht mehr. Das ist sicherlich auch von Fall zu Fall unterschiedlich.
Das mit dem Erwachen und nur wenige Schäden davon tragen, das sind wirklich nur die ganz seltenen Ausnahmen. Meistens haben die Betroffenen auch das Sprechen ein wenig verlernt, Feinmotorik funktioniert auch nicht unbedingt, und was das mit dem Wachkoma angeht, ist wirklich viel Ungewissheit dahinter.
Eine extreme Form davon wäre das apallische Syndrom, bei dem das gesamte Großhirn ausgefallen ist. Dennoch ist der Patient noch am Leben, kann allerdings in keinster Weise noch mit der Umwelt interagieren. Ob dabei noch irgendetwas wahrgenommen wird, kann mangels Reaktionen nicht festgestellt werden.
Wenn man ein ganzes Monat im Koma liegt und sich kaum bis keine Verbesserungen zeigen, vielleicht sogar Verschlechterungen, kann die Hoffnung durchaus schon abnehmen. Aber, wie gesagt, Koma ist von Mensch zu Mensch höchst unterschiedlich. Immerhin ist jeder höchst individuell.
Hallo noch mal,
ich verstehe das auch so, dass es sehr unterschiedlich sein kann. Es geht mir ja auch nur darum, dass mein Konstrukt halbwegs realistisch ist. Also wenn ich z. B. schreibe, der liegt seit zwei Monaten im Koma und die Freundin hat nicht mehr allzu viel Hoffnung, dass dann nicht einer daherkommt und sagt So ein Schmarren, nach zwei Monaten ist noch alles offen.
LG
Sanjani