Hey ihr Lieben,
Meine Frage ist einfach nur, ob ihr gute Fantasyromane kennt, die in der ersten Person geschrieben wurden? Da ich im Moment in dieser Person schreibe und noch nicht sehr viel Fantasy in dieser Perspektive gelesen habe, hoffe ich auf einige gute Empfehlungen, damit ich mich etwas orientieren und einfühlen kann ;)
Noch eine Nebenfrage: Habt ihr euch schonmal in der Ersten Person versucht? Hat es euch gefallen & ist eurer Meinung nach etwas Gutes dabei herausgekommen?
Liebe Grüße,
Wolli
Hallo,
ich schreibe selbst eher ungern in der Ich-Perspektive udn lese eigentlich auch nicht so wahnsinnig gern Bücher, die in der Ich-Perspektive geschrieben sind. In der letzten Zeit habe ich aber einiges wirklich Gutes in der ersten Person geschriebenes gelesen.
Zwei sachen, die ich sehr mag, trotz ich-Erzähler:
Victoria Schlederer, "Des Teufels Maskerade" (Urban Fantasy)
Steph Swainston, "The Year of Our War" und Fortsetzungen (ziemlich schräge Fantasy, teilweise vollkommen abgedreht, aber der Ich-Erzähler ist in all seiner Abgedrehtheit einfach genial)
Ganz klar, für mich eines der besten Fantasy-Bücher, die es zur Zeit gibt, ist "Der Name des Windes" von Patrick Rothfuss. Das ist in der Ich-Perspektive geschrieben und hat meine Einstellung zu dieser Erzählperspektive auch deutlich zum Positiven verändert. Was mir sonst noch einfallen würde, wäre der "Merlin"-Zyklus von T.A. Barron.
Versucht habe ich mich an der ersten Person noch nie, aber ich habe momentan einen Plot im Kopf (wenn ich dann einmal fertig bin mit meinem aktuellen Projekt), den ich auf jeden Fall aus der Ich-Perspektive niederschreiben werde. Die erste Seite davon habe ich mittlerweile schon vollständig im Kopf ausgearbeitet. ;D
Also einfach so aus dem Kopf fällt mir gerade keiner ein, da muss ich zunächst ein wenig stöbern-
Ich habe mal einen Fantasyroman in der ersten Person geschrieben. Gut daran war, dass ich mich so in die Figur einfühlen konnte, dass ich sie bis zum "letzten" kannte. Schlecht fand ich, dass ich gar keine Freiheit hatte, auch die anderen mal zu wort kommen zu lassen. Natürlich in Dialogen, aber was sie fühlten, was sie dachten, was sie vorhatten...
Und sie hatten eine Menge vor.
Ergebnis: Ich habe den gesamten Roman noch einmal neu geschrieben....
Was das Positive war, ich kannte meine Protagonistin wirklich gut. Was interessant war- ich lernte die Gegenspieler jetzt erst kennen, was die Sache auch beim zweiten Mal bei mir spannend machte und manch ungeahnte Wendung gab...
Summa sumarum: ich würde es nicht wieder tun, außer als Übung, um meinen Prota kennenzulernen, oder einen kurzen Teil, aber nie wieder den ganzen Roman.
Die komplette Biss-Reihe ist aus der Ich-Perspektive geschrieben. Gehört ja auch der Fantasy irgendwie an. ;)
Ich selbst bin nicht der Fan der Ich-Erzählung. In Kurzgeschichten schon, aber in Romanen mag ich es gar nicht. Am liebsten schreibe ich aus der 3.Person eines Protagonisten. Der Vorteil bei einer Ich-Perspektive ist natürlich die Nähe zum Hauptprota, wenn es gut geschrieben ist, aber dabei gehen alle anderen meist unter. Wenn du es dir zutraust, warum nicht? Sonst, machst du wie Antonia die Erfahrung, deine Protas näher kennen zu lernen. ;D
Liebe Grüße,
Kuddel
Zitat von: Kuddel am 09. März 2010, 17:13:00Die komplette Biss-Reihe ist aus der Ich-Perspektive geschrieben. Gehört ja auch der Fantasy irgendwie an. ;)
*nick* Da ist mir Kuddel zuvor gekommen. ;) Die Komplette Twilight-Saga wird von der Protagonistin aus der Ich-Perspektive erzählt (abgesehen von ein paar Kapiteln im vierten Buch, die aus der sich eines Hauptcharakters erzählt werden, allerdings auch hier wieder in der Ich-Form).
Ich muss gestehen im Fall von Bis(s) hatte ich nichts gegen die Ich-Form. An und für sich bin ich auch kein ausgesprochener Fan davon, aber es kann helfen dem erzählenden Charakter mehr Tiefe zu verleihen.
Die Dray-Prescott-Reihe von "Alan Burt Akers", heute wohl nur noch antiquarisch zu bekommen. Literarisch vielleicht nicht unbedingt besonders wertvoll, aber Akers war jemand, der das Schreibhandwerk virtuos beherrschte. Von dem kann man eine Menge lernen, zumal er keine 500+ Seiten wälzerte, sondern wirklich stoffdichte Büchlein ablieferte.
Ob das im Einzelfall in Frage kommt, ist weniger eine des Genres als des konkreten Projekts. Ich habe so mal einen extremst geilen Fantasy-Roman geschrieben. Die Frage ist halt immer, wie wichtig einem die Gedanken/Erlebnisse der anderen Figuren sind.
Mir fällt spontan Bad Monkeys von Matt Ruff ein, das ist in weiten Teilen aus der Ich-Perspektive erzählt und wirklich toll.
Außerdem ist die Felidae-Reihe, die ich auch zum Bereich der Phantastik zählen würde, komplett aus der Ich-Perspektive geschrieben - und da wird das auch toll umgesetzt.
Ich könnte mir vorstellen, dass die Sichtweise dieser einen Person etwas Besonderes haben muss, einen ganz speziellen Blickwinkel z.B. der die "Einseitigkeit" ausgleicht.
Diese Perspektive eignet sich wunderbar, um sich an einem bestimmten Schreibstil auszutoben, der der Persönlichkeit des Erzählers entspricht, den man sich als auktorialer oder personaler Erzähler aber nie (oder meist nicht) erlauben könnte.
LG
Thali
Ein ganzes Werk habe ich mal in der Ich-Perspektive geschrieben und muss sagen, dass sie mir wirklich sehr gut gefällt. Es hat richtig Spaß gemacht, in ihr zu schreiben, weil ich den Charakter dadurch viel besser "steuern" konnte. Ich kenne kein spezifisches Werk in der Fantasy, welches mir spontan einfallen würde. Aber Fantasy ist ja ohnehin oft auch nur ein Setting.
Manche der Ich-Perspektiven Bücher, die ich gelesen habe, haben perfekt gepasst, weil es eben um die Geschichte des Erzählers ging und seine Erlebnisse. "Herz der Finsternis" von Joseph Conrad hat mich zum Beispiel völlig umgehauen, weil die Erzählung perfekt zur Perspektive gepasst hat und eine ungeahnte Tiefe entwickelte.
Daher denke ich auch, dass die Perspektive ihre Vorteile mit sich bringen kann, wenn man sie denn ausnutzt. Wenn es also in einer Geschichte um die Person und die Erlebnisse geht, dann kann die Perspektive super sein. Ist der rote Faden eher größer aufgehängt und mehrere Personen stecken mit drin, dann tendiere ich lieber zur dritten Person.
Beispiele wären auch noch Der Kuss des Dämons und das Herz des Dämons von Lynn Raven. ;) Und dann noch der geheime Zirkel (eine Trilogie) von Libba Bray.
Ich lese die Ich-Perspektive eigentlich ganz gerne, weil man dadurch in bestimmten Situationen noch intensiver mit dem Charakter mitfühlen kann und vor allem seine Gedanken noch besser nachvollziehen kann.
Mir sind hier und da schon welche begegnet, sowohl KGs als auch Romane, so aus dem Stehgreif fallen mir aber keine Titel/Autoren ein. Leider ist momentan auch nichts mit nachgucken, da ich inzwischen die meisten Bücher eingepackt habe...
Vorschläge eines Freundes: Zelazny's Amber series, the Corwin cycle, Robin Hobb's Farseeer Trilogy, the Dresden Files...
(googling: fantasy "first person" oder fantasy novel "first person" bringt auch teilweise interessantes - ich hoffe ich erinnere mich noch an dieses thread, wenn ich mehr Zeit habe. :))
Was die High Fantasy angeht, fallen mir persönlich jetzt keine Romane aus der Ich-Perspektive ein, allerdings gibt es da eine Menge in der Urban Fantasy, vieles wurde hier ja auch schon genannt.
Bin ich eigentlich die einzige hier im Forum, die die Ich-Perspektive ganz klar bevorzugt? ;) Ich schreibe all meine Fantasy - und historischen Romane in der Ich-Perspektive, der dritten Person habe ich noch nie so wirklich eine Chance gegeben. Manchmal gibt es kurze Passagen zwischen den Kapiteln, die ich der Spannung wegen aus der dritten Person erzähle, manchmal sind es nur Prologe. Ich habe ein paar mal versucht, die dritte Person richtig auf den gesamten Roman anzuwenden, aber das liegt mir irgendwie nicht. Nach ein paar Seiten war damit Schluss und ich habe neu begonnen - mit der Ich-Perspektive.
Ich finde es einfach schöner, allerdings stimmt es schon, dass einige Plotideen aus der Ich-Perspektive einfach nicht funktionieren, ganz besonders, wenn die Hauptperson irgendwelche Geheimnisse hat. Die lassen sich nur schwer vor dem Leser verheimlichen, ohne, dass er sich hintergangen und angelogen fühlt. So ging es mir mit dem Vampirroman "Evernight" von Claudia Grey. Die Protagonistin hat ein Geheimnis, von dem man die ganze Zeit nichts ahnt und eigentlich belügt sie den Leser sogar, indem sie (indirekt) behauptet, keine Ahnung zu haben, was vor sich geht, was nicht stimmt.
LG,
Kati
Hui, das sind ja schon eine Menge Bücher, die ich mir gleich mal aufgeschrieben hab um darin stöbern zu gehen und mir das ein oder andere auch zu kaufen oder auszuleihen(mit meinem Ersparten sieht es im Moment nicht soo gut aus) :) Danke für die Empfehlungen!
Kati: Ich bin erst seit kurzem auf die Ich-Perspektive umgestiegen, aber langsam finde ich wirklich Gefallen an ihr, und lesen tu ich sie auch gerne. Es macht einfach unheimlich Spaß, und ich hab das Gefühl, nicht zu oberflächlich zu schreiben :)
Grüße,
Wolli
Meiner Meinung nach ist die Ich-Perspektive ein Balanceakt. Es ist verdammt schwierig sich nicht zu sehr auf den (Ich-)Erzähler zu fokusieren. Man kommt leichter ins "Tratschen", da kann der Handlungsfaden verloren gehen oder der Leser verliert das Interesse. Oder der andere Fall tritt ein und man bindet dem Leser dauernd den Hauptkonflikt auf die Nase, bis er das Buch zur Seite legt. Zumindest sind das meine Erfahrungen.
Beim Schreiben fällt mir die Ich-Perspektive viel leichter als die 3.Person. Ich schreibe trotzdem in der 3. da ich das Gefühl habe, da mehr lernen zu können. Vielleicht nur Einbildung. ::)
Ich-Perspektive und sogar im Präsens geschrieben ist der Jugendroman "Die Tribute von Panem", den ich als Recherchequelle absolut empfehlen kann.
Neben der Perspektive kann man auch schön sehen, wo die Autorin ihre Spannungspunkte setzte, wie sie Dinge miteinander verflicht und an welchen Stellen sie Jugendlichen quasi aus dem Herzen spricht.
Hat mir persönlich, die ich die Ich-Perspektive meistens verabscheue und Präsens nicht mag, sehr gut gefallen.
Allgemein denke ich, dass diese Perspektive zu den schwierigsten gehört und man das Handwerk wirklich beherrschen muss, um es so hinzubekommen, dass es authentisch ist und dennoch spannend und fehlerfrei.
Im Jugendbuch scheint sich für mich in den letzten Jahren sowohl die Ich-Pespektive, als auch das Präsen, zu einem Trend zu entwickeln. Vielleicht, um das "Jetzt"-Lebensgefühl besser einzufangen, ich weiß nicht. Leicht zu schreiben ist es jedenfalls nicht.
Zwei (englische) links zu dem Thema:
http://blog.efdanehy.com/2009/01/09/first-person-perspective-rant/
http://www.tarakharper.com/k_frstpr.htm
(Zumindest Tara K. Harper ist auch Fantasyautorin.)
Ich hatte meinen Fantasy-Roman in der ersten Version in der Ich-Form geschrieben, weil ich die Form eigentlich sehr mag. Allerdings musste ich nach einiger Zeit feststellen, dass man im High-Fantasy etliche Salto Mortale schlagen muss, um die Welt irgendwie zu erklären und das ganze nicht zu aufgesetzt klingen zu lassen. Und vieles fällt einfach weg, weil es fast unmöglich ist, eine Person, die in der Welt zuhause ist, alles erklären zu lassen. Ich habe mich irgendwann entschlossen, den Roman auf eine andere Perspektive umzuschreiben und habe es nie bereut.
Beim Urban-Fantasy ist es einfacher, weil man Land, Leute, Technik, Tiere und dergleichen nicht explizit erklären braucht - der Leser kennt sich aus und weiß was gemeint ist. Der Autor kann auf Augenhöhe mit seinem Leser reden, könnte man sagen. Als Autor von High-Fantasy weiß ich aber so viel mehr als mein Leser ...
Die Tochter der Königin von Dawn Cook, ist auch in der Ich-Perspektive geschrieben. Ich war ersteinmal überrascht und brauchte ein paar Seiten, bis ich mich hineinfand. Ich hatte zuvor noch nie einen Fantasy-Roman in der Ich-Form gelesen. (Nagut, bis auf die Biss-Reihe.)
Aber ich bin echt positiv überrascht. Man kann sehr gut mit der Hauptperson mitfühlen. Deshalb ist die Perspektive ideal, wenn diese auch im Vordergrund steht. Es ist auch sehr schön, wenn die anderen Personen etwas zu verbergen haben. Von der Umgebung etc. bekommt man in dem Buch jedoch nicht allzuviel mit. Mich hat es nicht gestört, weil ich von den Charakteren so faziniert war. Ich kann mir jedoch vorstellen, dass Einige ein paar mehr Infos zu Land und Leuten, nicht missen möchten. Wer also detailierte Beschreibungen und weitere Handlungsstränge mag, sollte wohl dann doch die klassische Persektive vorziehen.
Ich könnte mir jedoch gut vorstellen, selbst einmal so etwas zu vesuchen, denn ich mag es sehr wenn man sich in die Hauptperson so gut einfühlen kann.
"Die Magier von Montparnasse" von Oliver Plaschka ist aus geschätzterweise 7 Ich-Perspektiven geschrieben. Teilweise sehr verwirrend, passt aber bei dem Buch irgendwie gut.
Ich denke, die Ich-Perspektive funktioniert am besten, wenn man einen sehr charakterbezogenen Roman schreibt. Also wie bei "Der Name des Windes", in dem es ja explizit um Kvothe Geschichte geht und nicht um das Schicksal irgendeiner Welt. Für Geschichten mit epischen Schlachten und solchen Dinge eignet sie sich wohl eher weniger.
Also mir fallen da ganz eindeutig die "Schwestern des Mondes" von Yasemin Galenorn ein.
Was mich dabei fasziniert hat, war, dass die einzelnen Bücher jeweils aus der Perspektive einer Schwester geschrieben ist. Es ist eine Reihe mit mittlerweile 6 Büchern, die abwechselnd von den einzelnen Mädels erzählt wird. Dabei gehen die Protas immer auf ihre jeweilige Perspektive zu den Erlebnissen der anderen Schwestern ein (zusätzlich zu ihren eigenen Abenteuern). Am Anfang fand ich es grausig, mittlerweile bewundere ich die Autorin für Ihr Durchhaltevermögen...
Lili ist auch aus der Ich-Perspektive geschrieben, weil es für diesen Roman einfach passt. Ich denke, es kommt hier stark auf die Situation an. Die "Wächter" hätte ich nie in der Ich-Form schreiben können. Dazu hätte ich die ganze Welt aus Sicht meiner Prota beschreiben müssen, was gar nicht möglich gewesen wäre. Da Lili sich die Erfahrungen mit den Drachen erst machen muss und der Leser unsere aktuelle Welt eigentlich kennen dürfte (Ausnahmen bestätigen die Regel), musste ich hier nicht viel erklären und konnte einfach loslegen. Bei einer neugeschaffenen Welt denke ich, ist das eher schwierig.
Ich schließe mich der Wölfin voll und ganz an.
Mir ist sofort "Die Tribute von Panem" eingefallen. Ich-Perspektive + Präsens.
Ich musste mich erst mal sehr dran gewöhnen, da ich die Ich-Erzählung nicht ganz so liebe und Romane in der Gegenwart, soweit ich mich erinnern kann, noch nie gelesen habe.
Aber es hat mich überzeugt, dass es trotzdem toll geschrieben sein kann.
Wobei ich weiterhin eher Abstand davon halte.
Ich selbst habe auch schon mal in der Ich-Perspektive geschrieben, was jedoch nur eine Kurzgeschichte von 5 Seiten war. Hat sehr viel Spaß gemacht und ist mir leicht gefallen. Doch bei größeren Projekten bevorzuge ich die 3. Person. Da habe ich den Rundumblick.
Ich mag die Ich-Perspektive.
Besonders wenn es Charaktere sind, mit denen ich mich gut identifizieren kann. Aber wenn es gut geschrieben ist, kann ich mich mit allem identifizieren. *schmunzel*
Es wundert mich dass keiner noch Avala - Die Zeit des Adlers erwähnt hat von Sherryl Jordan. Es gibt auch andere Bücher von ihr aber ich hab auch nicht alle gelesen und kann also nicht sagen ob sie noch andere in der Perspektive hat.
Ach und Polgara die Zauberin von David und Leigh Eddings fällt mir noch ein. Ist immer noch eines meiner Lieblingsbücher. Besonders die Szene mit der Erbsensuppe oder was das auch immer war.
"Oder willst du, dass es dir eines Tages ins Bett gekrochen kommt?"
Und ich selbst schreibe gerade mein Hauptprojekt auch in der Ich-Perspektive. Es ist aber auch so aufgebaut, dass der Prota, jetzt alt und gebrechlich, bei sich zu Hause sitzt und beschließt, Memoiren zu schreiben, da er helluva lot Sachen erlebt hat und sie der Nachwelt erhalten will.
Manchmal gibt es da auch Sätze wie "Ich erinnere mich noch genau, wie..." oder "Heute würde ich es nicht mehr tun, aber damals...".
Und es hat sich noch keiner beschwert.
Auf Anhieb fallen mir da nur die "Vampirchronik" (also "Gespräch mit einem Vampir und co.) ein. Ich selber sehe meine größte Schwäche in der Ich-Perspecktive, versuche allerdings aus genau diesem Grund gerade einen Übungs-Roman auf diese Art zu schreiben. Selber lessen tuhe ich solche Romane nur wenn sie wirklich gut sind, denn, meiner Meinung nach ist es einfach zu sehr auf eine einzige Figur versteift.
Zitat von: Joscha am 09. März 2010, 16:33:24
Ganz klar, für mich eines der besten Fantasy-Bücher, die es zur Zeit gibt, ist "Der Name des Windes" von Patrick Rothfuss. Das ist in der Ich-Perspektive geschrieben und hat meine Einstellung zu dieser Erzählperspektive auch deutlich zum Positiven verändert.
Das unterschreib ich so. Und es wird auch ziemlich schön erklärt, warum nur die Ich-Perspektive funktioniert, denn Kvothe erzählt ja seine Lebensgeschichte.
Noch 10 Monate bis zum zweiten Band... *seufz*
Jemand hatte bereits die Farseer-Trilogie von Robin Hobb erwähnt. Die Bücher sind mitreißend geschrieben und gerade auch aufgrund der Ich-Perspektive fühlt man richtig mit. Auch hier wird übrigens wieder die Lebensgeschichte einer Person erzählt, das scheint ja ein oft zutreffendes Kriterium zu sein.
Mein momentanes Projekt schreibe ich auch in der 1. Person. Allerdings tue ich mich manchmal ebenfalls schwer, weil ich unsicher bin, ob die Geschichte nicht langweilig wird oder zu sehr auf die Hauptperson fixiert ist. (Die Büchertipps werde ich mir also auch zu Herzen nehmen...)
Da fällt mir doch gleich der Zyklus "Das Geheimnis von Askir" ein. Richard Schwartz gelingt es darin ziemlich gut, die Geschichte aus der Ich-Perspektive zu erzählen.
Vielleicht etwas Action-lastig geschrieben... Hat allerdings den Vorteil, dass man sich wirklich nicht langweilt. ;D
Ich habe die ersten hundert Seiten für ein Projekt in der Ich-Perspektive begonnen, weil mir einige Fernsehserien gefallen, wo man die Stimme der Hauptperson das Geschehen kommentieren hört.
Nach einer Weile musste ich aufgeben, nicht allein wegen der Welt und den Erklärungen dazu, sondern weil die Figur des ich ein junger Barbar war und ich Zweifel hatte, glaubhaft männlich genug zu klingen.
Mir fällt spontan das Valashu-Epos von David Zindell ein, beginnend mit "Der magische Stein". Das ist in der Ich-Perspektive geschrieben und von gewissen Langatmigkeiten abgesehen ganz schön. Schade nur, daß der vierte Teil nie übersetzt wurde, den habe ich dann auf Englisch gelesen.
Ich schreibe aktuell in der Ich-Perspektive und habe auch mein Buch "Himmelsfeuer" aus der Ich-Perspektive erzählt - komplett bis auf den Anfang. Der Prolog ist aus einer anderen Perspektive erzählt.
Anfangs mußte ich mich da echt dran gewöhnen, weil man nicht mehr so schön springen kann und in der Perspektive total beschränkt ist, denn man kann ja eigentlich nur noch das erzählen, was der Ich-Erzähler gerade erlebt. Das kann aber auch gerade sehr reizvoll sein.
Ich muß allerdings meiner Vorrednerin zustimmen - man ist da geschlechtlich irgendwie beschränkt, ich schreibe auch nur aus der Ich-Perspektive von Frauen, weil ich nun mal eben eine bin ;)
Die Bartimäus-Bücher von Jonathan Stroud sind auch zu wenigstens 50% in der Ich-Perspektive geschrieben. Da funktioniert das auch außerordentlich gut und da mag ich auch das etwas Schwafelnde sehr gerne, weil es so ironisch ist. (Gut, als "klassische" Fantasy würde ich das auch nicht bezeichnen.)
Ich lese auch generell gerne in der Ich-Perspektive, das macht für mich als Leser eigentlich keinen großen Unterschied- wenn es gut gemacht ist.
Ich bin bis jetzt immer noch davor zurückgeschreckt, sie selbst zu verwenden. Aber ich hab mir fest vorgenommen, es zumindest mal auszuprobieren, wenn mir eine dafür geeignete Idee vor die Füße flattert.
Was mir noch einfällt, ist die Alcatraz-Reihe von Brandon Sanderson, läuft als Fantasy für Junge Erwachsene. Die ist auch komplett in der Ich-Form geschrieben und gehört zu den wenigen Büchern, bei denen mich die Ich-Form nicht stört, weil immer wieder Selbstironie dabei ist und der Protagonist mir dadurch sympathisch ist. Grob gesagt erzählt der Protagonist seine Lebensgeschichte, womit wir wohl wieder beim Klassiker für die Ich-Form wären.
Ich finde es bewundernswert, wenn man sich daran versucht, etwas in der Ich-Perspektive zu schreiben. Einfach weil das etwas ist, von dem ich denke, dass es nicht so leicht ist.
Spontan wären mir als gute Beispiele für Romane, die in der Ich-Perspektive geschrieben sind "Die Tribute von Panem" und der Askir Zyklus von Richard Schwartz eingefallen, die wurden beide schon erwähnt und ich kann sie nur wärmstens empfehlen.
Ein anderes, sehr gut gelungenes Buch ist "Die Tochter der Wälder" von Juliet Marillier. Die Hauptperson erzählt mehr oder minder ihre märchenhafe Lebensgeschichte, und die Ich-Perspektive macht es überhaupt erst möglich, sie und ihre Hintergründe zu verstehen.
Alle Achtung an jene, die sich an die Ich-Perspektive wagen.
LG
Jade
High Fantasy, Ich-Perspektive, da fällt mir nach kurzem Nachsehen "Es kamen drei Damen im Abendrot " (zu englisch: "The Innkeeper's Song") von Peter S. Beagle ein. Sind sogar viele Ich-Perspektiven, etwa acht, würde ich sagen, jedes Kapitel eine andere Person.
Funktioniert sehr gut, zeigt sehr schön die charakterlichen Unterschiede. Und ist eh ein tolles Buch. ;D
Und Peter S. Beagle ist eh ein toller Typ. ;)
Yup, Beagle ist einer der wenigen Autoren, deren Bücher ich unbesehen kaufe.
Ich-Perspektive habe ich bislang nur einmal verwendet. Urban Fantasy. Paßte meiner Meining nach gut zum Thema und der Protagonentin. Hat auf jeden Fall Spaß gemacht, es zu schreiben.
Urban Fantasy ist wie geschaffen für die Ich-Perspektive, da man dort nicht auf viele Erklärungen hinsichlich des Geländes bzw. der Umgebung angewiesen ist.
Ich selbst verwende die Perspektive nur bei Geschichten die von einer Person nacherzählt werden, das lasst meinem Protagonisten die Möglichkeit über sein eigenes Handeln kritisch zu urteilen.
Zitat von: Jade am 02. Juni 2010, 20:16:48
Ich finde es bewundernswert, wenn man sich daran versucht, etwas in der Ich-Perspektive zu schreiben. Einfach weil das etwas ist, von dem ich denke, dass es nicht so leicht ist.
Alle Achtung an jene, die sich an die Ich-Perspektive wagen.
Jetzt bin ich aber neugierig :) Warum findest du die denn so schwer? Ich schreib schon seit Monaten aus der Ich-Perspektive und sehe vielleicht vor lauter Betriebsblindheit kein Problem. Ich find das eigentlich eine Perspektive wie jede andere, deshalb wär ich mal gespannt, auf welche Probleme man da treffen kann!
Die Ich-Perspektive ist ein bisschen schwieriger, weil man die Geschichte nur aus der Sicht einer einzigen Person beschreiben kann, was es wesentlich komplizierter macht, Spannung aufzubauen. Alles, was die bereffende Person nicht erlebt, kann man auch nicht schildern. Außerdem muss man ganz konsequent eine einzige Erzählstimme beibehalten, und man kommt leichter ins Schwadronieren. Beschreibende oder erklärende Passagen sind auch nicht immer ganz einfach zu lösen, weil es nie so wirken darf, als würde irgendetwas nur für den Leser beschrieben, denn dann fällt man schon aus der Figurensicht heraus. Da den Mittelweg zu finden, finde ich persönlich echt am schwersten.
Ich habe mich erstmals an der Ich-Perspektive für die Sagengestalten-Ausschreibung versucht.
Allgemein mag ich die meisten Ich-Erzähler nicht einmal lesen (die Kombi aus Dummheit, Tränenschleier und Wagemut ist oft mehr, als ich ertragen kann), aber die Geschichte verlangte danach, so schien es mir.
Es ist nur eine Kurzgeschichte, und da klappte meiner Meinung nach dieses Experiment sehr gut. Aber es war auch nur Urban-Fantasy, also eine vertraute Welt.
In einer echten Fantasywelt stelle ich es mir fast unmöglich vor, authentisch zu klingen, wenn man in dieser Perspektive z.B. Magie, Regierungsform oder Ständesystem beschreiben möchte, die dem Ich-Erzähler ja vertraut sind. Er würde es normalerweise niemals lang und breit erklären.
Da wäre Diskussionen, vielleicht sogar Streitgespräche über Sinn und Zweck und Nutzen der Gegebenheiten sinnvoll.
Hm, die Gedanken habe ich mir gar nicht gemacht. Wenn man Gegebenheiten beschreiben will, kann man das ja machen, indem der Erzähler das gleich kommentiert. So hab ich das in meiner Geschichte gemacht - ich hab mir die ganze Zeit vorgestellt, meine Erzählerin würde das Ganze jemandem wiedergeben und habe dann zum Beispiel erzählt, wie es denn zur Entmachtung des Königs und zum Aufstieg des Tyrannen kam.
Ich hab nie daran gedacht, daß es nicht authentisch sein könnte, wenn ein Ich-Erzähler seine Welt jemandem nahebringt. Das habe ich auch beim Lesen nie so erlebt. Insofern war ich da wenig gehemmt :)
Ich fand eben nur den Wechsel sehr schwierig, denn vorher hab ich riesig gern multiperspektivisch geschrieben und mal von Person A und ihren Gefühlen erzählt und dann von Person B und dann von beiden... und immer wußte ich, was bei beiden los ist. Das kann ja ein Ich-Erzähler nur vermuten. Man ist wirklich eingeschränkter - es sei denn, man nimmt sich da auch Freiheiten heraus. Ich habe mich das erst nicht getraut, aber dann hat mir jemand von einem Buch erzählt mit einem Ich-Erzähler, wo es auch Passagen eines allwissenden Erzählers gibt, der das erzählt, was der andere nicht weiß.
Das ist lustig. Aktuell experimentiere ich absichtlich ein bißchen damit, weil ich zwei verschiedene Handlungsstränge habe. Beide gehören zusammen und es hat einen total guten Effekt, wenn der zweite den ersten des Ich-Erzählers ergänzt.
Also ich kann nur sagen: Traut euch. Da beißt nix ;D
Zitatich hab mir die ganze Zeit vorgestellt, meine Erzählerin würde das Ganze jemandem wiedergeben und habe dann zum Beispiel erzählt, wie es denn zur Entmachtung des Königs und zum Aufstieg des Tyrannen kam.
Nur genau da liegt die Gefahr des Info-Dumpings. Schreibe ich einen Brief an eine inländische Brieffreundin, erkläre ich der ja auch nicht, warum es die Weimarer Republik nicht mehr gibt. Es kann aufgesetzt wirken.
Der Ich-Erzähler erzählt seine Geschichte und gibt keinen Geschichtsunterricht.
Deswegen würde ich eher auf Streitgespräche setzen, weil da z.B. ein Mensch ist, der den Gegebenheiten kritisch gegenübersteht und sich mit dem Ich-Erzähler oder einer dritten Person zankt.
Vielleicht ist man aus Angst vor "Infodump" zu zaghaft.
In "Alatriste" (keine Fantasy), der ja auch überwiegend in der Ich-Perspektive geschrieben ist, verfällt der Autor immer wieder in lange Beschreibungen und Analysen der spanischen Gesellschaft des Barock. Obwohl es teils etwas aufgesetzt klingt (und in der Analyse nicht immer richtig ist), lese ich diese Passagen sehr gerne.
Ich finde das auch nicht problematisch. Und ich sehe es so: Es ist doch eine Herausforderung, dem Leser das Ganze aus der Ich-Perspektive unterzukramen, ohne daß er es merkt und ohne daß es blöd aussieht.
Die Ich-Perspektive ist eine Herausforderung und das macht doch Spaß! Was wäre das Leben ohne Herausforderungen? ;D
Das sehe ich doch genauso. Nur bin ich der Meinung, daß man einige Sachen nicht vom Ich-Erzähler berichten lassen sollte, sondern in anderer Form - z.B. Dialogen - einbringen sollte, um gerade die umfangreichen Hintergründe einer Fantasywelt nicht als Infoklotz dem Leser vor die Füße zu schmeißen.
Das meinte ich damit, daß der Ich-Erzähler eine Geschichte erzählt und keinen Geschichtsunterricht gibt.
Mein persönliches Unbehagen mit vielen Ich-Erzählerinnen beruht auf anderen Elementen: Hormonen und Blödheit, um es kraß auszudrücken. Beispiel? Kathy Reichs, die Tempe-Brennan-Bücher. Das tut teilweise wirklich weh, wie dämlich sich eine angeblich hochintelligente Frau anstellen und in Gefahr bringen kann.
Zitat von: Sprotte am 03. Juni 2010, 18:54:23
Das tut teilweise wirklich weh, wie dämlich sich eine angeblich hochintelligente Frau anstellen und in Gefahr bringen kann.
Wobei sich mir der Zusammenhang mit der Perspektive nicht erschließt. Blöd bleibt blöd, aus welcher Perspektive man es auch betrachtet. ;D
In der Ich-Perspektive darf man an jedem blöden Gedanken besonders dicht teilhaben :ätsch:
(Warum ein Löffel, Vetter? - Weil er stumpf ist: Es tut mehr weh! aus Robin Hood, König der Diebe)
Denke ich an die namenlose Ich-Erzählerin aus Rebecca, die ich über weite Strecken des Buches einfach nur schütteln hätte können, weil sie keinerlei Selbstwertgefühl und Selbstbewußtsein hat - ich denke, das wäre in einer anderen Perspektive leichter zu ertragen gewesen. Andererseits ist aus der Ich-Perspektive der Horror vor Mrs. Danvers und der immer noch spürbaren Anwesenheit Rebeccas faßbarer. Beispiel besser?
Blöd bleibt definitiv blöd :rofl:
Das mit den Dialogen ist etwas, was bei mir unter "beibringen, ohne daß der Leser es merkt" fallen würde. Klar soll der Ich-Erzähler nicht endlos alle Infos vor sich hin monologisieren. Da schläft man ja ein.
Aber das ist ja die Kunst dran :D
Die Ich-Perspektive birgt auch die Gefahr, dass man nicht erkennt, was für ein Geschlecht der Protagonist hat, auch wenn jetzt viel lachen werden, aber das ist mir mal passiert, als ich ein Buch gelesen habe. Chris hatte kurze Haare, trug keine Röcke oder Kleider und verliebte sich in ein Mädchen. Als Chris lesbisch wurde, dachte ich mir irgendwie, dass das vielleicht doch kein Junge ist... Da muss man also aufpassen. Auch beim Namen. Den bekommt man manchmal viel zu spät heraus.
Das klingt für mich so, als ginge es hier nur entweder um den auktorialen Erzähler und die Ich-Perspektive.
Wie stark unterscheidet ihr zwischen der Ich-Perspektive und der personalen (also Er- oder Sie-Erzähler)?
Also für mich ist alles, was nicht Ich ist, was anderes - auktorial oder personal, das ist dann wurscht. Ich würd das da schon anders differenzieren.
Ich finde, alles hat seine Vorzüge. Wobei ich mich da nicht sklavisch an irgendwas halte, ich schreib auch gern auktorial und rutsche dann ins personale ab, wenn ich damit was erreichen will. Pöse Pöse ;)
Jedenfalls finde ich, auktorial und personal sind sich näher als Ich und personal. Aber ist jetzt vielleicht subjektiv. Und ich finde die Ich-Perspektive schon anspruchsvoller.
Hi Runaway!
Zitat von: Runaway am 03. Juni 2010, 16:13:18
Jetzt bin ich aber neugierig :) Warum findest du die denn so schwer? Ich schreib schon seit Monaten aus der Ich-Perspektive und sehe vielleicht vor lauter Betriebsblindheit kein Problem. Ich find das eigentlich eine Perspektive wie jede andere, deshalb wär ich mal gespannt, auf welche Probleme man da treffen kann!
Vielleicht liegt es daran, dass meine Geschichte nicht für diese Perspektive nicht geeignet ist. Sie spielt in einer von mir geschaffenen Welt, und da passieren zu viele Dinge, die die Hauptperson nicht wissen kann, der Leser aber wissen MUSS. Und das macht es für mich in diesem konkreten Fall schwierig, diese Perspektive zu wählen. Außerdem neige ich dazu, mich in Beschreibungen von allem möglichen zu verlieren, was die Person gerade denkt, fühlt etc. Das ist schon aus der 3. Person schlimm, also möchte ich garnicht wissen, wie das in der Ich-Perspektive ist.
Natürlich hast du recht, es ist eine Perspektive wie jede andere, und vielleicht werde ich sie eines Tages verwenden, wenn sie für mich passt. (Wird aber sicher noch eine Ewigkeit dauern, weil wenn meine erste Story abgeschlossen ist *haha* sollen noch 2 weitere folgen).
Hoffe ich konnte dir meine Frage beantworten.
LG
Jade
ok, wenn die Hauptperson wichtige Dinge nicht weiß, ist natürlich doof ;D
Jetzt bin ich schlauer! ... und gehe ins Bett ;)
Moa-Bella: Das Buch habe ich auch gelesen. Ich bin der Meinung, dass der Autor das bewusst so gemacht hat, dass man nicht weiß, ob Chris ein Mädchen oder ein Junge ist, um nicht gleich zu verraten, dass sie lesbisch ist. Gutes Buch. :)
ZitatMein persönliches Unbehagen mit vielen Ich-Erzählerinnen beruht auf anderen Elementen: Hormonen und Blödheit, um es kraß auszudrücken. Beispiel? Kathy Reichs, die Tempe-Brennan-Bücher. Das tut teilweise wirklich weh, wie dämlich sich eine angeblich hochintelligente Frau anstellen und in Gefahr bringen kann.
Ich schreibe ja ausschließlich aus der Ich-Perspektive und schaffe es auch oft, dass meine HeldInnen ein wenig doof dastehen, da ich jeden kleinsten Gedanken zu einer Sache breitwälze. ("Die Waffeln hatte meine Mutter im Supermarkt gekauft." Und wen interessiert das?) Verliebte Figuren sind auch immer ein Problem. Allerdings habe ich, die ich bekanntlich gar nicht aus der dritten Person schreiben kann, damit viel größere Probleme, wenn ich es aus der dritten Person versuche. Dann wird es bei mir kitschig oder richtig dumm. Genau dasselbe ist es mit dem Info-Dumping. Wenn ich keinen Ich-Erzähler habe, schmeiße ich den Leser seitenlang mit Infos zu. In der Ich-Perspektive kann ich das gar nicht, weil ich merke, wie doof sich das liest.
Außerdem bin ich auch nicht dazu in der Lage aus der dritten Person authentisch Gefühle zu beschreiben. ::)
LG,
Kati
Es ist schon ein paar Jährchen her, dass ich zuletzt einen Roman (meinen "Elraenbann") in der Ich-Perspektive geschrieben habe. Bzw. etwas 50% waren Ich-Perspektive und 50% dritte-Person/personale Erzählerin. Es handelte sich um die Zwillingsschwester meiner Ich-Erzählerin und die beiden haben sich dann Kapitelweise abgewechselt. Meine Ich-Erzählerin war ihres Zeichens Magierin und Kopf-Mensch. Ihre Schwester Kriegerin und sie befand sich immer genau da, wo gerade Action war. So bekommt der Leser letztlich immer alle relevanten Szenen mit und für mich war es beim Schreiben eine schöne Abwechslung zwischen diesen beiden unterschiedlichen Charakteren.
Abgeschaut habe ich mir das aus Marion Zimmer Bradleys "Hasturs Erbe" und "Sharras Exil". Die Bücher gehören zusammen und dort wechseln sich Lewis Alton (Ich-Erzähler) und Regis Hastur (Personaler Erzähler) ab. Das hat mir ausgezeichnet gefallen!
Eine weitere Romanreihe mit Ich-Erzählerin (im Wechsel mit verschiedenen personalen Erzählern) wäre die Highland-Saga von Diana Gabaldon. Nicht direkt Fantasy, sondern Historik mit Zeitreisethema, also ist doch ein wenig Fantasy dabei.
Momentan überlege ich, mal wieder was in der Ich-Perspektive zu schreiben. Ich bin nun schon seit längerer Zeit dabei, an einer Novelle herumzuplotten, kann mich aber nicht so recht zum anfangen überwinden, weil meine Protagonistin so eine verschlossene Person ist. Ich weiß zwar einiges über sie, werde aber nicht richtig warm mit ihr ... vorhin kam mir dann der Geistesblitz: Warum nicht mal wieder aus der Ich-Perspektive schreiben? Und je länger ich darüber nachdenke, desto besser gefällt es mir. :)
Sie wird wohl ohnehin die einzige Perspektive haben, auch wenn ich aus der dritten-Person schreiben würde und die Handlung ist bis auf eine Ausnahme (die aber auch nicht sooo gravierend schwer wiegt) die ganze Zeit nah an ihr dran.
Zitat von: Sprotte am 03. Juni 2010, 17:59:21
Nur genau da liegt die Gefahr des Info-Dumpings. Schreibe ich einen Brief an eine inländische Brieffreundin, erkläre ich der ja auch nicht, warum es die Weimarer Republik nicht mehr gibt. Es kann aufgesetzt wirken.
Der Ich-Erzähler erzählt seine Geschichte und gibt keinen Geschichtsunterricht.
Deswegen würde ich eher auf Streitgespräche setzen, weil da z.B. ein Mensch ist, der den Gegebenheiten kritisch gegenübersteht und sich mit dem Ich-Erzähler oder einer dritten Person zankt.
Da sage ich mal Jain ;)
Kleine Infos streue ich auch gerne mal in Dialogform ein, aber eine ganze Welt kann man im Dialog nicht erklären, das käme einfach nur als Infodump rüber, egal welche Perspektive.
Beim Ich-Erzähler stelle ich mir vor, dass er/sie die Geschichte irgendwem erzählt. Oder dass er/sie seine Memoiren in diesem Roman niedergeschrieben hat. - Aber er/sie erzählt die ja nicht sich selbst, es sei denn, man würde im Präsens schreiben.
Joa und mal angenommen, der Ich-Erzähler würde seine Memoiren schreiben, dann kann er ja davon ausgehen, dass es quasi jeder lesen könnte. Vielleicht lieste es noch 100 Jahre später jemand, oder ein Ausländer, der keine oder wenig Ahnung hat, was (damals) so los war. Die ganze Welt bis ins Detail zu beschreiben ist dann vermutlich trotzdem überzogen, aber jeder der schreibt weiß, wie leicht man ins Schwadronieren gerät, also warum nicht auch der Memoiren schreibende Ich-Erzähler? In einer mittelalterlichen Fantasywelt gibt es höchstwahrscheinlich ja nicht einmal Lektoren, die so etwas wieder streichen könnten ;)
Sofern man es nicht absolut übertreibt, sehe ich da eigentlich weniger Probleme und lese so etwas selbst auch nicht ungerne. Da könnte ich wieder auf die Highland-Saga von der Frau Gabaldon zurückverweisen. Die beschreibt ja nun wirklich in den epischsten Ausmaßen und auch Dinge, die mir als Leser völlig irrelevant erschienen. Und trotzdem habe ich es letztlich gerne gelesen ;D
Was mir zu meinem Memoiren-Beispiel noch einfällt: Wie hier schon festgestellt wurde, eigenen sich m.E. wirklich vor allem Geschichten für die Ich-Perspektive, die nah dran sind am Protagonisten. UND am besten geeignet sind auch Protagonisten, die einen eher nachdenklichen Charakter haben. So völligen Hau-draufs nehme ich die Perspektive einfach nicht ab und ständig irgendwelche Action-Szenen aus der Ich-Perspektive finde ich persönlich eher langweilig. Außerdem würden mir Protagonisten mit ZU großem Selbstbewusstsein auch recht schnell unsympathisch werden.
Zitat von: RomillyWie hier schon festgestellt wurde, eigenen sich m.E. wirklich vor allem Geschichten für die Ich-Perspektive, die nah dran sind am Protagonisten.
Wenn ich mich recht entsinne, dann erinner ich mich gar nicht an Phantastik-Romane in Ich-Perpsektive, die ich selber besitze und/oder gelesen habe/gerade lese. Mit Ach und Krach fällt mir nur ein Thriller ein:
Die Shakespeare-Morde von J. L. Carell, wobei ich da noch nicht weit bin und nicht sagen kann, wie gut sie es macht ... Oh, und da klingelt's gleich noch in meinem Hirn und ich werf mal fröhlich
Sherlock Holmes in den Raum.
Ob Ich-Perspektive oder nicht, hängt, wie hier schon erwähnt, nicht vom Genre ab, sondern davon wie der Autor Spannung aufbauen will.
Ich-Perspektive hat das Problem/den Vorteil, dass sie recht "limitiert" ist: der Autor kann dem Leser nur das vermitteln, was der Charakter, der erzählt, erlebt. So weiß ich als Leser nicht, was gerade drei Straßen weiter passiert, außer unser erzählender Charakter hört Geräusche und interpretiert(!) sie.
Der Autor kann mich aber auch ganz wunderbar an der Nase herum führen. Wenn's nachts am Fenster kratzt, was kann's sein? Ist der erzählende Charakter eher ängstlich, könnte er Einbrecher vermuten, hat er einen Hund, der gerade draußen ist, kann der's sein, glaubt der Charakter an Geister, könnte er seine tote Oma vermuten - oder er ist ein Rationalist und zählt Wind & Baum vorm Fenster zusammen. Was das Kratzen aber nun wirklich verursacht hat, was ich als Leser trotzdem nicht.
Je nachdem, was ich als Leser also denken soll, kann mir der Autor es durch den Charakter vermitteln. Auch erleben wir die Welt durch den erzählenden Charakter sehr subjektiv. Stellt ihn euch als Hardcore-Veganer vor, dann wird er wohl, fährt er Zug und kommt dabei an einer Wiese mit grasendem Vieh vorbei, sich denken wir grausam es die armen, armen Rinder haben und wie arrogant und kaltherzig der Bauer ist ... Ist der Charakter aber wie ich, dann ist dieses Beispiel gerade nur ein subjektiver Eindruck, der durch verschiedene Erfahrungen entstand. ;D (Ob jeder Harcore-Veganer aber so ist, weiß ich nicht, bezweifel es allerdings nicht ...)
Ich-Perspektive ist da geeignet, wo der Autor mit dem Leser und seinen Gefühlen spielen will, wenn er vornehmlich Spannung durch Unwissen auslöst. Bei Thriller und Horror greift soetwas, denke ich, doch sehr gut.
Für "bildliche, sich bewegende" Vergleiche: Ego-Shooter, die den Spieler mit seinen eigenen Ängsten (Survival-Horror; ->Silent Hill) und seiner eigenen Ethik/Moral (-> Call of Duty: Modern Warfare 2) konfrontieren, meist zusammen mit einer fremden Welt (Angst vor dem/Unwohlsein durch das Unbekannte/n; -> Bioshock).
Demgegenüber steht der auktoriale Erzähler, der wie ein unbekannter Geist über Allem schwebt, selbst nie auftaucht, sich nicht zu erkennen gibt, aber alles weiß (außer Gedanken) und von Allem berichten kann.
Ich denke, dass Phantastik-Werke (soweit jdf. meine Erfahrung) in dieser Perspektive geschrieben werden, geht zum Großteil auf die phantastische Welt zurück - und dass der Autor nicht mit dem Leser und seinen Gefühlen spielen will, sondern ihm einfach das Wunderbare seiner erdachten Welt nahe bringen möchte. Auch steht ja zumeist nicht nur der Hauptcharakter und seine Psyche im Vordergrund, sondern das Geschehen in der Welt, an der sich der Hauptcharakter misst und entwickelt. Damit ich das als Leser nachvollziehen kann, muss ich die Welt kennen. Natürlich heißt das nicht notwendigerweise, dass der Autor Szenen einführen muss, die ohne den Protagonisten auskommen - nur macht es das Erzählen der Geschichte einfacher und weniger krumm. Ich kann den andern zustimmen, die meinen, ein Ich-Erzähler, der sich bei jeder Gelegenheit selbst die Geschichte ins Gedächtnis ruft oder Dinge bewusst in einen geschichtlichen Kontext stellt, ziemlich komisch anmutet.
Dazwischen steht der personale Erzähler, der sich zwar auch dem Er/Sie-Erzählen bedient, aber trotzdem die Welt nur soweit darstellen kann wie der Charakter, aus dessen Sicht erzählt wird, sie kennt. (Auch ohne direkte Gedanken.)
Nja, und dann gibt es bei diesem Erzähler die Perspektivenwechsel, durch die sich der Autor dem entziehen kann, die Welt nur aus einer Sicht beschreiben zu können.
Was ich mache? Oh je, durch P&P-Rollenspiele benutze ich zumeist den personalen Erzähler. Ich habe es aber auch einmal mit dem auktorialen Erzähler versucht, rutsche aber nach einiger Zeit wieder in den personalen. :wums:
Ich-Perspektive kann ich hingegen auch nur da ertragen, wo sie Sinn macht, also das Beste aus der Geschichte heraus holt wie bei Horror- oder Thriller-Romanen.
Zitat von: Zitkalasa am 17. Juni 2010, 14:28:33
Wenn ich mich recht entsinne, dann erinner ich mich gar nicht an Phantastik-Romane in Ich-Perpsektive, die ich selber besitze und/oder gelesen habe/gerade lese. Mit Ach und Krach fällt mir nur ein Thriller ein: Die Shakespeare-Morde von J. L. Carell, wobei ich da noch nicht weit bin und nicht sagen kann, wie gut sie es macht ... Oh, und da klingelt's gleich noch in meinem Hirn und ich werf mal fröhlich Sherlock Holmes in den Raum.
ich schätze, hier wählte Doyle bewusst den Ich-Erzähler, damit Holmes seine Deduktionen ihm (Watson bzw dem Leser) gegenüber auch richtig aus dem Hut ziehen kann (und er die Lösung dem unaufmerksamen Leser noch eigens erklären konnte, ohne dabei gezwungen zu wirken :darth: ). Es gibt ja gerade mal eine Holmes-Geschichte, in der der Detektiv selbst erzählt, und die fügt sich auch nicht wirklich glatt in den Kanon.
ZitatIch-Perspektive kann ich hingegen auch nur da ertragen, wo sie Sinn macht, also das Beste aus der Geschichte heraus holt wie bei Horror- oder Thriller-Romanen.
:darth: :darth: oder in viktorianischen Kriminalgeschichten
;)
Gruß,
Linda
Stimmt.
Oder überhaupt Krimis. :) Da würde die Geschichte mit einem Ich-Erzähler genauso gut laufen, allein Infos kann der Autor dem Leser "gerade" vermitteln mit einem personalen.
Jaja. :)
Also ich persönlich schreibe eigentlich immer überwiegend ich der Ich-Perspektive. Es fällt mir sehr viel leichter, da man sich dann besser in die Hauptfigur versetzten kann. Meines Erachtens nach kann man z.B,. Gedanken sehr viel genauer beschreiben, was sehr viel mehr Informationen der Person gibt.
In manchen Bücher die ich gelesen habe war das so, dass ich manchmal gar nicht genau wusste warum der Protagonist die eine oder die andere Handlung vollzogen hatte.
Daher finde ich die Ich-Perspektive sehr angenehm. Sie offenbart Gedanken und zeigt warum der Protagonist sich wie und in welcher Situation entscheidet.
Ja, stimmt im Grunde. Aber man verschenkt sich natürlich auch die Möglichkeit, die Perspektiven der anderen Figuren darzustellen. Es sei denn, man arbeitet mit mehreren Ich-Erzählern. ;)
Da muss ich dir recht geben. Aber im richtigen Leben weißt du ja auch viele Dinge über deine Mitmenschen nicht. Aber mir leuchtet ein, dass es Informationen in einem Buch gibt, die man in der Ich-Perspektive nicht darstellen kann.
Es ist für den Leser auch ganz schön, denke ich mir, auch aus der Sicht der anderen Charaktere etwas zu erleben. Das muss man aber von Geschichte zu Geschichte entscheiden, denke ich. :)
Stimmt das kann von Geschichte zu Geschichte unterschiedlich sein.
Mir fällt es nur immer schwer aus der Perspektive einer anderen Person zu schreiben. Ich falle dann meist wieder in die Sicht meines Protagonisten. Ich finde es nicht so einfach grundlegende Dinge wie z.B. Eigenschaften zu trennen. Wenn ich über sie schreibe habe ich da kein Problem mit aber als sie ist das meines Erachtens nach schon schwieriger.
Nunja ich würde sagen jedem das seine.
Ich finde es ist aber eine wunderbare Sache wenn man damit so gut umgehen kann
Ich habe meinen ersten Roman in der Ich-Perspektive geschrieben und das fiel mir eigentlich sehr leicht.
Dennoch möchte ich mein derzeitiges Projekt in der 3. Person schreiben, aber irgendwie fällt mir das wahnsinnig schwer.
Es ist, als würde ich mit der Ich-Perspektive auch meinen eigenen Stil zurücklassen.
Was ich mich nun frage: Liegt das einfach an mangelnder Übung?
Ist es vielleicht ganz natürlich, dass das was mich und meine Schreiberei ausmacht, in der 1. person einfach so rausfließt, während es in der 3. Person geübt werden muss?
Oder kann es sein, dass mein Stil sich einfach gut in der Ich-Erzählung entfaltet und ich dann einfach nachgeben sollte, anstatt verkrampft zu versuchen, es in die 3. Person zu quetschen?
Ich kenne übrigens einige sehr gute Fantasy Romane in der 1. Person.
Überhaupt werden es immer mehr und ich lese es mittlerweile auch gern.
Beispiele:
Twilight etc.
Rubinrot etc.
Die Tribute von Panem etc.
Shades of Grey
Percy Jackson
Beautiful Creatures
und dann noch was ganz altes, was ich damals geliebt habe:
Schwerttänzer etc.
@ Alana: Ich glaube nicht, dass der Stil etwas mit der Perspektive zu tun hat. Die einzelnen Perspektiven lassen sich ohne Probleme austauschen. Die Sache mit der 3. Person ist halt der Erzähler, der definiert werden muss. Das entfällt naatürlich in der 1. Person.
Mir ist aufgefallen, dass viele Anfänger bevorzugt die 1. Person wählen. Die meisten dieser Geschichten waren schlecht. Das lässt mich den Schluss ziehen, dass diese Perspektive nicht unbedingt leicht zu bewältigen ist. Darüber hinaus ist sie Geschmackssache. Ich mag sie nicht. Weder schreiben, noch lesen.
Wenn Du aber das Gefühl hast, dass eine andere Perspektive als die 1. nicht zu Dir passt, warum machst Du Dir dann Gedanken? Du musst mit dem was Du schreibst im Einklang sein. Wenn Du ständig denkst: "Verdammt, in der 1. Person würde die Szene besser rüberkommen" bist Du viel zu verkrampft.
Zitat von: Alana am 11. April 2011, 22:08:38
Ist es vielleicht ganz natürlich, dass das was mich und meine Schreiberei ausmacht, in der 1. person einfach so rausfließt, während es in der 3. Person geübt werden muss?
Oder kann es sein, dass mein Stil sich einfach gut in der Ich-Erzählung entfaltet und ich dann einfach nachgeben sollte, anstatt verkrampft zu versuchen, es in die 3. Person zu quetschen?
Ich denke, das könnte beides sein. ;) Wenn es tatsächlich ein "verkrampftes Versuchen" ist und die der Roman in der Ich-Version viel leichter von Hand geht, solltest du einfach nachgeben, denke ich. Sonst schreibt die Geschichte sich gar nicht oder nur mit großer Mühe, dabei soll es doch auch Spaß machen. ;)
Ich persönlich schreibe fast alle meine Romane in der Ich-Perspektive, die meisten Kurzgeschichten hingegen in der dritten Person. Bei den Kurzgeschichten wahre ich so noch eine gewisse Distanz, was mir auch nicht sonderlich schwerfällt, weil es sich ja um kurze Geschichten handelt. ;) Aber jeglicher Versuch, das Gleiche bei ganzen Romanen oder längeren Erzählungen durchzuziehen, ist gescheitert... Es fühlt sich beim Schreiben nicht persönlich genug an.
Ich habe einfach das Gefühl, dass die 3. Person besser zu meiner Geschichte passt.
Aber in der 1. Person wirkt meine Figur lebendig, während sie in der 3. Person 08/15 ist.
Versteht ihr, was ich meine?
Vielleicht liegt das daran, dass ich so gern Selbstgespräche führe :D
@Sven: Ich glaube auch, dass es ein Zeichen von Anfängern ist, sich in der Ich Perspektive wohl zu fühlen.
Früher, habe ich die Ich-Perspektive regelrecht gehasst, sie war für mich absolutes Ausschlusskritierum, wenn ich gesehen habe dass ein Roman in dieser Perspektive geschrieben ist, habe ich ihn sofort bei Seite gelegt. Mittlerweile bin ich aber zu einem großen Fan von ihr geworden.
Irgendwann hab ichs einfach ausprobiert, es war mein zweites größeres Projekt, der Anfang in der Ich-Perspektive kam einfach so aus mir herausgequollen und ehe ich mich versah fand ich sie großartig, nicht nur beim selber Schreiben, sondern auch beim Lesen und das ist noch immer so. Sie ist kein Ausschlusskriterium mehr, in keinster Weise. Aber es ist auch nicht so dass ich mittlerweile bevorzugt diese Perspektive lese, ich mag die Abwechslung.
Was das Selber-Schreiben betrifft hänge ich seit einer Weile an einem Experiment. Eine Art "Multiperspektive" mit doppelter Erzählinstanz, personaler Erzähler in der dritten Person und in der ich-Form im Wechsel. Ob es allerdings klappt, wird sich aber wohl erst zeigen wenn ich die ersten Betas drangelassen habe, gesetzt dem Fall ich finde sie, für das Monster.
Allgemein würde ich sagen dass man Fantasy definitiv in der Ich-Perspektive schreiben kann, aber man darf sich wie hier im Thread, glaube ich, schon gelesen habe, nicht hinreißen lassen zu emotional, bzw. depri oder wie auch immer zu schreiben, wenn man die Leser nicht abschrecken möchte. Damit hab ich momentan persönlich noch ziemlich zu kämpfen, weil man sich in der Ich-Perspektive einfach schrecklich hinreißen lässt.
Außerdem sollte jeder wohl die Perspektive wählen die ihm am besten liegt, denn nur wenn man eine Art zu schreiben gefunden hat wo man sich nicht quälen muss in dem man sich zu einer Perspektive zwingt die einem eigentlich zu wider ist, kann man richtig gut schreiben. Kann aber auch eine naive Aussage von mir sein, ich lasse mich gern belehren :)
@Alana: Jap und wie ich verstehe was du meinst, deswegen habe ich mich ja für diese doppelte Erzählinstanz entschieden was aber etwas ungewöhnlich ist und meine Chancen vielleicht irgendwann damit einen Verlag zu finden möglicherweise verringert...
@Sven: Kann dir nicht ganz zustimmen was die Anfängerperspektive betrifft, ich denke jeder sucht sich eben das raus was ihm am Besten liegt, aber ob das immer die Ich-Perspektive ist? Ich glaube eher nicht. Aber vielleicht habe ich dafür noch zu wenig Projekte gegengelesen um mir ein Urteil bilden zu können, möglicherweise hast du da mehr Erfahrung *grübel*
@Alana: Eine Figur kann auch Selbstgespräche führen, wenn sie aus der 3. Person geschrieben wurde. Es liegt an Dir, wie nah Du heran gehst.
Ich glaube sogar, dass Figuren in der 3. Person besser rüber kommen, weil sie nicht so bemüht wirken. In der Ich-Perspektive versuchen sie immer sich und die Welt zu erklären. Sie sind die ganze Zeit am Plappern (mit dem Leser).
Was ich sagen will: Die Perspektive muss nicht schlechter für eine Figur sein, wenn sie in der 3. Person geschrieben wurde.
@ mika: Zumindest war das meine Erfahrung. Vielleicht hatte ich aber auch nur Pech ??? und habe mir die miesen Geschichten rausgepickt :hmmm:
@Sven: Findest du es persönlich störend, wenn die Figur die ganze Zeit mit dir "plappert"?
Ich meine natürlich muss die Person mit dir reden, obwohl ich das so noch nie gesehen habe. In der 3. Person werden doch auch viele Dinge beschrieben die auch in der Ich-Perspektive wieder gegeben werden. Sie werden doch nur anders beschrieben/ dargestellt oder nicht?
Ich stimme dir zu Mika was die Anfängerperspektive angeht. Jeder fängt doch mal klein an und ich denke es ist normal, dass man sich das aussucht, was einem am leichtesten fällt. Ich denke es ist insbesondere am Anfang wichtig erstmal ein Gefühl für das schreiben zu bekommen bzw. eher eine gewisse Routine. Oder was meint ihr dazu? Später kann man sich dann ja auch mal an andere Projekte herantasten und schauen was man noch zu Stande bringt oder was man noch erlernen kann.
Zitat von: Schattenspielerin am 12. April 2011, 18:28:50
@Sven: Findest du es persönlich störend, wenn die Figur die ganze Zeit mit dir "plappert"?
Ich meine natürlich muss die Person mit dir reden, obwohl ich das so noch nie gesehen habe. In der 3. Person werden doch auch viele Dinge beschrieben die auch in der Ich-Perspektive wieder gegeben werden. Sie werden doch nur anders beschrieben/ dargestellt oder nicht?
Ich denke, das ist eine individuelle Sache. In der 1. Person habe ich das Gefühl, mir sitzt jemand gegenüber und erzählt, was er so erlebt hat (ist ja auch so). In der 3. Person "sehe" ich den Erzähler in der Regel nicht, sondern bin einfach im Geschehen.
Es gibt Romane, da passt nur die 1. Person, aber bei den meisten Geschichten ist meiner Meinung nach die 3. Person die geeignetste.
@Sven: Das finde ich jetzt aber auch schwierig zu pauschalisieren.
Ich habe jahrelang in der 3. Person geschrieben, bevor ich mich an eine Ich-Perspektive getraut habe, bzw. bevor sie da war... :)
Ich denke, dass man gerade als Anfänger auch von dem beeinflusst sein könnte, was man so gelesen hat/liest, oder?
Wie dem auch sei.
Es gibt hervorragende Werke in der Ich-Perspektive, wo die Geschichte weniger gezwungen oder gestellt wirkt, als in 3.Person bei anderen. Finde ich jetzt. Das muss im Endeffekt wirklich jeder für sich wissen, denke ich.
Und ich halte die Ich-Perspektive tatsächlich wirklich wegen der von Sven genannten Kriterien für durchaus anspruchsvoll.
Der Vorteil ist aber, dass man konsequent in der Perspektive bleibt, weil man ja irgendwie nicht so zwischen personalem und auktorialem Erzähler wechseln kann ;)
@Kitara: Man kann auch in der Ich-Perspektive distanziert sein. Das schrei9be ich gerade. Ist nicht ganz einfach, aber es geht. Man muss halt die Selbstreflektion einschränken/unterbinden.
Da man aber oft in Vergangenheitsform schreibt, ist das ja erklärbar: der rückblickende Erzähler erzählt seinem Charakter gemäß oder hat ein abgeklärteres Bild von sich als während des Erlebens :)
Ich ziehe eigentlich die 3. Person vor, aber so streng will ich mich da nicht festlegen. Es kommt ja, wie bereits gesagt wurde, auch auf das Projekt an - Felidae könnte ich mir zum Beispiel in der 3. Person nicht gut vorstellen. In der Fantasy ist die Ich-Perspektive soweit ich weiß nicht sehr verbreitet, aber ein Ausschlusskriterium ist sie auch nicht, wie man an Alanas Beispielen sieht.
Zitat von: Sven am 12. April 2011, 08:06:56In der Ich-Perspektive versuchen sie immer sich und die Welt zu erklären. Sie sind die ganze Zeit am Plappern (mit dem Leser)
Das ist halt Indodumping - ein Er-Erzähler kann das ebenso gut.
Zitat von: Krähe am 12. April 2011, 20:48:14Ich denke, dass man gerade als Anfänger auch von dem beeinflusst sein könnte, was man so gelesen hat/liest, oder?
Das glaube ich auch.
@Alana: Wenn du die 3. Person wirklich am passendsten findest, dann nimm sie. Dass die Charaktere dann nicht so lebendig sind, liegt meines Erachtens wahrscheinlich nicht an der Erzählperspektive. Die Mittel, die man dort zur Verfügung hat, um einen Charakter interessant und glaubhaft zu machen, sind eben ganz andere als in der 1. Person. Vielleicht musst du dich einfach erst einschreiben und an die neue Perspektive gewöhnen?
LG, Leo
Im Moment kann ich mich beim Lesen sehr gut mit dem distanzierten Ich-Erzähler anfreunden (z.B. Aether von MacLeod). Allerdings scheitere ich beim Schreiben an der Distanz. :hmmm:
Dass die Ich-Perspektive typisch für Anfänger ist, würde ich auch nicht behaupten. Ich schließe mich da voll und ganze Krähe an. Das Lesen beeinflusst gerade am Anfang am meisten. Und gerade wenn man sich über so Sachen wie Perspektive, Plot usw. noch keine (bzw. wenige) Gedanken macht, wird man wohl am ehesten seinem persönlich Vorbild nachschreiben. *schon mal vor den Pfannen duck*
Ich misch mich auch mal ein....
Gebe zDatze eigentlich voll Recht.
Schreibe momentan selbst aus einer reiner Ich-Perspektive und es ist teils echter Horror.
Warum ich mir das antue, weiß ich selbst nicht so recht. :hmhm?: Davor hatte ich ein gutes Buch mit der gleichen Perspektive gelesen und war wohl daher -räusper- motiviert es auch auszuprobieren.
Habe die ersten Seiten erstmal geschrieben, um dann zu merken, dass man wirklich überall den "Ichs, mich, mir" ausweichen muss. Während man bei anderen Erzählern, gut mit dem Namen oder dem Beruf/"der Besonderheit" der Hauptperson ausweichen kann (statt sie/er), muss man bei der Ich-Perspektive immer wieder auf die oben genannten Wörter zurückgreifen. Schließlich redet kein normaler Mensch von sich selbst in der dritten Person.
Des Weiteren kann man in total verzwickte Lagen kommen. Man kann nur davon schreiben, was eben die Person auch selbst weiß/sieht/etc.
Mittlerweile bin ich eine super Satzumstrukturiererin geworden. Die "Ichs" - besonders am Satzanfang - stechen sonst einfach wie dick gedruckt hervor. Da muss man wirklich aufpassen.
Einen großen Pluspunkt gibt es trotzdem: Eindrücke und Gefühle, lassen sich aus der direkten Sicht oft viel schöner unterbringen.
Dummerweise wurde ich aus den ersten Seiten nicht schlau und habe mich quer gestellt alles noch einmal in einer anderen Perspektive zu schreiben.
Naja, es ist nichtsdestotrotz eine prima Übung für mich und evtl schreibe ich die ganze Geschichte doch noch mal um.
Die Ich-Perspektive würde ich jedenfalls nicht unbedingt für Anfängergeeignet abstempeln.
Da das hier immer mehr von einer Romansammlung in eine Technikdiskussion abdriftet, habe ich mal verschoben. ;) Viel Spaß noch.
Zitat von: Leo am 13. April 2011, 15:42:23
Das ist halt Indodumping - ein Er-Erzähler kann das ebenso gut.
Nein! Nicht jede Information, die man rüber bringt, ist Infodumping. Man
muss Informationen an den Leser vermitteln.
Infodumping liegt dann vor, wenn diese Informationen überflüssig, geballt, oder, bei Dialogen, dem Gesprächspartner bereits vorliegen ("Ah, sieh nur, da kommt Dein Vater, der Arzt, nach Hause.). Nicht jede Information gehört auf die Müllkippe ;)
Was ich auf keinen Fall durchscheinen lassen wollte war, dass es keine guten Romane ich der Ich-Perspektive gäbe. Dem ist natürlich nicht so. ABER: der Autor muss es können.
ZitatIch denke, dass man gerade als Anfänger auch von dem beeinflusst sein könnte, was man so gelesen hat/liest, oder?
Das widerspräche aber der schieren Menge an "Anfängerliteratur", die in der Ich-Perspektive geschrieben werden. Ich mag da falsch liegen, aber bisher dachte ich, das Geschichten aus der 3. Person überwiegen.
So oder so ist es wohl am Ende eine Geschmacksfrage. So wie es eine Geschmacksfrage ist, ob Geschichten in der Gegenwartsform besser sind, als Geschichten in der Vergangenheitsform.
Und über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten ;D
ZitatDas widerspräche aber der schieren Menge an "Anfängerliteratur", die in der Ich-Perspektive geschrieben werden.
Naja, das kann ich beispielsweise einfach nicht bestätigen. Ich habe in der 3.Person angefangen udn alles in meinem Umfeld, das ich kenne, hat auch damit angefangen... :hmmm:
ZitatIch mag da falsch liegen, aber bisher dachte ich, das Geschichten aus der 3. Person überwiegen.
Vielleicht generell, aber vielleicht nicht in dem, was man so liest am Anfang... ich weiß ja nicht. Es gibt beispielsweise viel Jugendliteratur mit 1.Person und viele bekanntere Werke befinden sich in ähnlicher Erzählperspektive... vielleicht lesen das die Leute in deinem Umfeld überwiegend ;)
ZitatNaja, das kann ich beispielsweise einfach nicht bestätigen. Ich habe in der 3.Person angefangen udn alles in meinem Umfeld, das ich kenne, hat auch damit angefangen...
Vielleicht gibt es auch einen Unterschied zwischen Fantasyliteratur und dem Rest?
Meine Beobachtung bezieht sich komplett auf Nicht-Fantasyliteratur.
Ich selbst habe auch nie in der 1. Person geschrieben, dennoch glaube ich, dass das Schreiben in der 1. Person bei Anfängern am verbreitetsten ist.
Eben weil man das Gefühl hat, dadurch eine Geschichte besser erzählen zu können, oder der Hauptperson näher zu sein. Viele Geschichten von Anfängern sind biografisch angehaucht, da scheint die 1. Person am ehesten zu passen. Ein weiterer Grund für diese Perspektive ist das "sich in eine Welt hineinträumen". Viele fangen in der Pubertät an zu schreiben, weil sie das Bedürfnis haben, aus der gewohnten Welt auszubrechen. die Ich-Perspektive unterstützt dieses "Fluchtverhalten" natürlich auf besondere Weise, die andere Perspektiven nicht bieten können.
Ui, das ist definitiv ein Thema für mich.
Ich selbst gehörte lange Zeit zu den Verfechtern der 3. Person. Zum einen habe ich bis dato selten ein Buch in der 1. Person gelesen (verdammt schade drum -.-) und auch nie selbst darin geschrieben (noch viel mehr verdammt schade drum). Für mich hörte sich das bei anderen Büchern irgendwie komisch an und ich selbst kam sowieso nicht auf die Idee, aus meinem festgefahrenen "3.Person"- Schema herauszukommen.
Naja, dann kam der NaNo und mein Studium und ich wollte ein wenig herumspielen mit Perspektiven und Ähnlichem. Also wollte ich eine Ich-Perspektive. Und siehe da: Mir haben die Kapitel in der ersten Form so unglaublich viel mehr Spaß gemacht, dass ich wenn ich heute ein Buch schreibe unbedingt eine 1. Person brauche, ansonsten verliere ich auf Dauer den Spaß daran. Ich würde niemals mehr ein Buch ganz ohne erste Person schreiben wollen und kenne seit einer Weile auch mehr davon. Ich glaube, es ist eine Herausforderung für viele Fantasyschreiber, da doch sehr viel vor allem der bekannteren Fantasy (Ausnahmen bestätigen die Regel und "bekannt" ist bekanntermaßen auch ziemlich dehnbar) aus der 3. Person geschrieben wurde.
Ich persönlich würde ja behaupten, die 3.Person, im besonderen der auktoriale Erzähler eignet sich auch weitestgehend mit am besten für Fantasy, deren Schwerpunkt gerne auf dem Plot, auf der äußeren Handlung liegt und meistens innere Handlungen eher nebenbei ablaufen lässt. Eine Schlacht in der 1. Person zu beschreiben ist zwar sicher reizvoll, aber in de 3. würde ich es als einfacher empfinden, es sei denn, ich beschreibe die Schlacht allein deswegen, weil sie etwas bestimmtes in meinem Charakter auslöst. Geht es aber hauptsächlich um die Schlacht, würde ich sie lieber in der 3. Person beschreiben.
Ich selbst schreibe gerne Fantasy, bei der die Bedrohung innerer Natur ist, gerne mit Charakteren die psychisch ganz schön angeknackst sind. Solche Figuren WIRKEN einfach viel realer, beängstigender, näher, faszinierender, wenn sie eine 1. Person- Perspektive erhalten. Oder nicht sie bekommen diese, sondern der Charakter, der sie indirekt charakterisieren soll, dass bewahrt dann noch eine gewisse Distanz.
Ich halte es also für wichtig, WAS ich bewirken möchte, um daraufhin die Perspektive zu wählen. Und natürlich sollte ich mich in der Perspektive wohl fühlen, in der ich schreibe. ich selbst beispielsweise würde kein gutes Buch mehr auf die Reihe bekommen, das keine 1. Perspektive hat. Jemand anders dagegen kann sie vielleiicht überhaupt nicht ertragen - gut, dann schreibe ich eben in der 1. Perspektive und der andere nicht.
Ich glaube auch nicht, dass es überhaupt eine Perspektive gibt, die in der Regel von Anfängern genutzt wird. Jeder empfindet eine andere Perspektive als leichter/schwieriger. In der ersten Perspektive anständig Beschreibungen einer Welt unterzubekommen ist um einiges schwieriger als in der dritten (denn derjenige, der die Bescheibung liefert braucht sie ja eigentlich nicht, weil er selbst in der Welt wohnt/lebt) und innere Nähe lässt sich schwieriger in der dritten Person herstellen.
Wobei ich persönlich die erste Person nicht nur als schöner zum Schreiben sondern auch als schwieriger empfand, da ich dauernd in Versuchung geriet, Dinge zu beschreiben, die mein Charakter nicht wissen kann. Zudem braucht man eine extrem gute Kenntnis des Charakters, damit man eine 1. Person- Perspektive gut hinüberbringt. Da man sich ja sozusagen permanent in einer personalisierten Weltsicht befindet, muss man auch pemanent subjektiv schreiben. Vor allem bei extremen Charakteren möchte man vielleicht dem Leser manche Dinge objektiver vermitteln, aber das geht nicht sonst wird man dem Charakter untreu. Eine sehr stark subjektive Schreibweise, die von der eigenen Sicht der Dinge abweicht, fällt zumindest meiner Erfahrung nach vielen Anfängern eher schwer. Aber das muss nicht so sein und zudem kann man ja auch einen Charakter wählen, der einem selbst sehr ähnlich ist. Das würde das Ganze natürlich vereinfachen.
Zitat von: ValaéAber das muss nicht so sein und zudem kann man ja auch einen Charakter wählen, der einem selbst sehr ähnlich ist. Das würde das Ganze natürlich vereinfachen.
Meinen Erfahrungen aus diversen Fandoms nach, tut das mindestens die Hälfte der Schreiber. Das Problem dabei ist nur, dass diesem Charakter dann auch eigene Ängste und Wünsche aufprojiziert werden oder man bewusst die eigene Geschichte/ den eigenen Körper/ die eigene Art aufpoliert ...
Mit einem Charakter Eigenschaften zu teilen, finde ich nicht verkehrt. "sehr ähnlich" dürfte aber
zu ähnlich sein.
Das sehe ich wie Zitkalasa. Aus der Ich-Perspektive zu schreiben, bedeutet für viele, über sich selbst zu schreiben und sich einen neuen Namen zu geben. Ich glaube, es ist ganz normal, das ein Protagonist, egal welche Perspektive angewandt wird, einige Eigenschaften des Autors hat, aber übertreiben sollte man es nicht. Das kann, meiner Meinung nach, sogar richtig daneben gehen.
Im schlimmsten Fall verkommt der Charakter zur Mary-Sue, weil der Autor dieser Figur, die eigentlich sie oder er selbst ist, natürlich alle Wünsche erfüllen will und selbst nicht als scheiternde Figur zurückbleiben will.
Valaé: Mir geht es so ähnlich. Ich schreibe eigentlich schon immer aus der Ich-Perspektive und habe deshalb in letzter Zeit mal ein bisschen experimentiert, ob ich nicht auch etwas anderes kann. Dabei ist mir aufgefallen, dass mir etwas fehlt, wenn "ich" plötzlich Sally ist und ich nur beschreibe, was Sally tut. Dann habe ich das Gefühl nicht richtig in der Geschichte zu sein und denke mir, der Leser wird ein ähnliches Gefühl haben. Als würde man Sally nur beobachten und nicht wirklich miterleben, was ihr geschieht.
Ich habe bisher einen von inzwischen acht Romanen aus der Ich-Perspektive geschrieben und werde, falls Projekt X das nächste Buch-to-be wird, dort wieder mit der 1.Person arbeiten - bzw. mit zweien. Ich kann gar nicht sagen was ich lieber mag, es kommt auf die Geschichte an, wie sie am wirkungsvollsten erzählt werden kann.
Interessanterweise war, als ich "Mein Name ist Wind" geschrieben habe - das war 2007/2008 - es noch ein unausgesprochenes NoGo, in der Ich-Perspektive und dazu noch im Präsens zu schreiben. Seit den Hunger Games scheint das aber mehr und mehr in Mode zu kommen. So stark, dass es mich schon fast wieder nervt, ein neues Dystopisches Jugendbuch aufzuschlagen und schon wieder von einer Heldin in der 1.Person Präsens angesprochen zu werden. Vielleicht sollte ich Al nochmal aus der Schublade holen und meiner Agentin vorstellen. 8) Es ist halt eine sehr direkte und intensive Erzählweise. Mir wurde es als Autorin manchmal ein bisschen zu krass, da musste ich Pause machen ... ::)
@ Zitkalasa: So hart wollte ich es nicht ausdrücken ;-). Ich persönlich finde ja, dass es genau den Effekt irgendwie verfehlt, wenn man die Ich-Perspektive so wählt, dass man selbst der Charakter sein könnte. Als ich den Satz geschrieben habe, hab ich selbst schon so bei mir gedacht: Und genau das tun die meisten Anfänger, wenn sie 1. Person schreiben *sfz*.
Zum Glück kam ich da gar nicht in Versuchung bei meiner ersten Ich-Perspektive. Ich bin eben nicht Jargo und das ist auch gut so! Nur dass er meinen schwarzen Humor geerbt hat... das kann ich nicht abstreiten XD.
Aber da sidn wir ja wieder bei dem: Jeder Charakter hat ETWAS vom Autor. Kein Charakter sollte ALLES vom Autor haben.
@Kati: Wow, deine Beschreibung trifft ziemlich gut, was ich fühle wenn ich jetzt 3. Person schreibe. Als ob ich alles nur ansehen würde und es wirkt alles nicht halb so intensiv, woraufhin ich nicht zufrieden bin, weil ich weiß, ich komme normalerweise näher ran, stärker in die Geschichte rein. Ich glaube dann, dass der Leser mit meinem 3. Person Geschreibsel so unzufrieden sein muss, wie ich es bin. Und trotzdem eignet sich leider nicht jeder Charakter und nicht jede Geschichte für die erste Person. Da ich auch immer gerne mehrere Perspektiven im Buch habe, ist eigentlich fast immer eine 3. Person dabei. Aber die befremdet mich in letzter Zeit immer mehr und ich möchte zurück zur 1. Person.
Hmm, also ich persönlich erlebe es so, dass sich beim Schreiben entweder eine Stimme aufdrängt oder nicht. Bisher habe ich aber nur Kurzgeschichten aus der Ich-Perspektive geschrieben, da funktioniert das ganz gut. Bei einem Roman ... ich weiss nicht, ob ich das könnte. Sobald die Handlung etwas komplexer wird, schränkt man sich selber extrem ein. Natürlich kann man das tun, ich sehe mich einfach handwerklich noch nicht so weit. :pfanne:
Bei meiner vorletzten Kurzgeschichte, die ich in der ersten Person geschrieben habe, wollte ich einbauen, dass der Leser etwas merken soll, was die Prota, die fröhlich drauflos plaudert, nicht merkt. Ähm, das war ganz schön knifflig, und ich weiss nicht, ob es wirklich gelungen ist.
Meiner Meinung nach sollte die Wahl auf alle Fälle zur Geschichte und deren Aufbau passen. Sobald man mehrere POVs einbauen möchte, steht man vor einem grossen Problem mit der Ich-Perspektive.
Da fällt mir "Tamsin" von Peter S. Beagle ein. Das ist grandios geschrieben. Der gute Beagle schafft es doch tatsächlich, ein Buch aus der Perspektive eines 19-jährigen Mädchens zu schreiben, das schildert, was sie in den letzten fünf Jahren erlebt hat. Ich glaube, Beagle war zu dem Zeitpunkt etwa 60 Jahre alt. Aber die Erzählstimme dieses New Yorker Mädchens ist total glaubwürdig.
ZitatSobald man mehrere POVs einbauen möchte, steht man vor einem grossen Problem mit der Ich-Perspektive.
Es gibt da aber schon einige Möglichkeiten. Man kann sich, was ich persönlich sehr unschön finde, einen allwissenden Ich-Erzähler anschaffen, der alles entweder irgendwo gehört hat oder aber einfach mal berichtet, was gerade woanders passiert. So geschehen in "A Star Called Henry" von Roddy Doyle.
Dann kann man sich auf zwei Ich-Erzähler einigen, was ich früher ganz schrecklich fand, aber, wenn es gut gemacht ist, liest sich das ziemlich gut. Dann hat man schonmal zwei Perspektiven drin. In "Nach dem Sommer" von Maggie Stiefvater wurde das so gemacht.
Richtig gut fand ich die Lösung in Victoria Schlederers "Des Teufels Maskerade", wo die Standpunkte anderer Figuren in Briefen gezeigt wurden.
Oder man nimmt sich einen Ich-Erzähler und noch eine, oder mehrere personale Erzähler. Das hat Nina Blazon in "Schattenauge" gemacht. :)
Hm, ich habe mir letztens die Frage gestellt, wie ich einen Ich-Erzähler und einen personalen Erzähler mischen kann. Vorallem so, wie es meinetwegen in Desperate Housewives (wobei es da nicht sauber zu erkennen ist, da man den Erzähler nicht gleich als Ich-Erzähler erkennt) gemacht wird oder Black Sword (was mir den Anstoß gab). Es dürfte ziemlich schwer sein, eine starke Trennungen bei den Erzählern vorzunehmen wie es ein Film tut. Da gibt es ja die einzelnen Szenen, in denen die Schauspieler einfach agieren, und die Passagen, in denen der Ich-Erzähler eben kommentiert. Bisher bin ich zu dem Schluss gekommen, dass soetwas in Romanform nur über mehrere Ich-Erzähler machbar ist, also nix da mit personal -- wobei es eben einen Erzähler gibt, der mehr oder minder aus der Erinnerung erzählt und vorallem aber die Handlungen der anderen kommentiert. Ob das aber am Ende funktioniert, weiß ich nicht. Müsste man mal ausprobieren. :hmmm:
Also ich hatte überhaupt kein Problem mit mehreren POVs und der Ich-Perspektive. Ich habe in Schlangenbiss eine Ich-Perspektive, eine personale Perspektive und eine sehr kurios zu schreiben gewesene Du-Perspektive in Brief- bzw Tagebuchform. Ich weiß auch nicht, warum da ein größeres Problem sein sollte als bei mehreren personalen Ebenen. Dass sich die Perspektiven nicht beißen, darauf muss man doch immer achten, ganz egal welche Perspektive man wählt. Also ich steh wirklich auf dem Schlauch, was für ein Problem es da geben sollte? Ich meine, innerhalb einer Szene oder eines Kapitels wechsel ich Perspektiven sowieso nie, das ist einfach unschön meiner Meinung nach und ärgert mich auch selbst beim Lesen anderer Bücher. Und nur bei einem Wechsel innerhalb einer Szene/im Kapitel (einmal im Kapitel ist in Ausnahmefällen möglich) würde mich der krasse Unterschied zwischen den Perspektiven dann stören.
Also ich hab es bei Schlangenbiss eben so, dass der Ich-Perspektivträger eben sich sozusagen als Protagonisten sieht und sein Leben schildert und wie die Perspektivträgerin der personalen Perspektive auf ihn wirkt. In der personalen Perspektive wird dann all das Erläutert, was die Perspektivträgerin prägt, erlebt und fühlt. Da keiner der beiden Perspektivträger das Leben des anderen genau kennt und seine Beweggründe verstehen kann, beißen sich die Perspektiven nicht und keiner kann etwas verraten, was in das Leben des anderen gehört. Sie stellen höchstens Mutmaßungen übereinander an oder der Ich-Perspektivträger (der älter ist) schildert ein Ereignis bei dem die andere Perspektivträgerin zwar beteiligt, aber zu jung war um sich daran zu erinnnern. Ihre Erlebnisse überschneiden sich, werden aber grundsätzlich nur aus der einen oder der anderen Sicht geschildert, niemals aus beiden, es sei denn im Rückblick ganz kurz. Natürlich hat man als Autor vielleicht hier und da mal ein Problem dass eine Person etwas weiß, was die andere nicht weiß und somit der Leser durch das Kennen der einen Perspektive schlauer wird als der andere Perspektivträger aber genau das kann man als Autor entweder gut vermeiden oder man möchte (wie in meinem Fall) genau das herbeiführen. War schon immer reizvoll, wenn eine Figur weniger weiß als der Leser - oder mehr. Gleich viel finde ich oft langweilig. Also das eine Differenz an Wissensständen auftritt empfinde ich nicht als Problem, sondern ich möchte das oftmals sogar erzeugen. Wenn ich das nicht will, dann muss ich mir vorher große Gedanken darum machen, wie ich es vermeide, aber auch das wäre normalerweise machbar. Wüsste nicht, warum ich bei der 1. Person als eine der Erzählperspektiven auf andere verzichten sollte. Ich habe nicht mehr und nicht weniger Probleme als bei mehreren personalen Erzählern, die sich ja vom Wissensstand her auch sehr gerne beißen.
Also ich habe noch kein Fantasy Buch in der Ich Perspektive gelesen. Zumindest kann ich mich grad nicht daran erinnern :hmmm:
Wobei ich bei Geschichten, die aus der 1. Person erzählt werden, sehr genau darauf achte, wie originell denn das Entkommen aus einer brenzligen Situation war. Denn wenn nicht Präsenz verwendet wird, weiß man schonmal, dass der Charakter nicht stirbt - was durchaus die Spannung nehmen kann.
Ich habe selbst schon oft, die Ich Perspektive verwendet. Irgendwie geht sie mir leichter von der Hand. Aber wegen oben genanntem Grund, möchte ich sie nicht verwenden.
Ich sitze gerade vor dem Problem, mit meiner Werwolfgeschichte nicht ganz im Reinen zu sein und überlege, das bisherige in die 1. Person umzumodeln.
Immerhin habe ich den mal selbst gespielt... hach.
Aber das Mischen von Perspektiven finde ich selbst stets verwirrend.
Weiß nicht, ich bin zu sehr Gewohnheitstier. Da bringt mich schon sowas in nem Buch aus der Fassung :wums:
Ich meinte damit nur, dass es schwieriger ist, solche Perspektiven zu mischen. Mich persönlich würde das zumindest sehr irritieren, wenn es nicht gut gemacht ist. Briefe sind ok, aber ich kann mich gerade nicht an einen guten Roman erinnern, wo es z.B. einen Ich-Erzähler und einen personalen Erzähler gibt (ok, das heisst natürlich nichts).
ZitatGleich viel finde ich oft langweilig. Also das eine Differenz an Wissensständen auftritt empfinde ich nicht als Problem, sondern ich möchte das oftmals sogar erzeugen.
Das unterschreibe ich auch. Ob man dann unbedingt Perspektiven mischen muss, weiss ich nicht.
Also, ich wollte eigentlich nur zum Ausdruck bringen, dass es einfacher ist, mehrere personale Erzähler zu mischen als Ich-Erzähler und personaler Erzähler. Klingt jetzt komisch, weil der personale Erzähler ja im Prinzip eine künstliche Konstruktion ist, aber ich empfinde eine Geschichte glaubwürdiger, wenn er in einer Person (1., 2. & 3.) erzählt wird. Ihr könnt mir aber gerne ein gelungenes Beispiel nennen.
@Kati: Hab mir deine Tipps Mal geisitg notiert. :)
Zitat von: Flafi am 21. April 2011, 22:43:56
Denn wenn nicht Präsenz verwendet wird, weiß man schonmal, dass der Charakter nicht stirbt - was durchaus die Spannung nehmen kann.
Öhem, ähem *hust* Sorry, aber Einspruch. Klar, klingt logisch, aber eine Erzählung kann dann auch ganz schnell in der Gegenwart angelangt sein und der Perspektivträger dann durchaus sterben... Allerdings kann er das natürlich nicht bis zum Einsetzen der Gegenwart und allgemein ist es schwierig einen Ich- Perspektivträger sterben zu lassen. Zum Einen schwer zu realisieren, zum Anderen aber geht es auch furchtbar an die Nieren des Autors, schlimmer als bei jeder anderen Perspektive, zumindest meiner Erfahrung nach. Und ich hätte wohl Probleme beim Beschreiben des Einsetzen des Todes - weiß immerhin selbst nicht wie sich das anfühlt ;-). Allerdings muss ich hart EInspruch sagen, was die Spannung angeht. Ich finde die Frage ob derjenige stirbt oder nicht ist doch in brenzligen Situationen und allgemein nicht das einzige Spannungselement. Man fürchtet zum Einen um die, die er gern hat, zum anderen darum, wie heil er aus etwas heraus kommt. Gibt Schlimmeres als den Tod =). Haben meine Charaktere auch schon gerne erfahren dürfen. Außerdem ist das "WIE" beim Entkommen aus einer brenzligen Situation doch sowieso interessanter als das "OB". Immerhin weiß man doch auch, dass wenn es nur einen wirklichen Protagonisten gibt und es ist nen 500 Seiten dickes Buch und er kommt auf S. 100 in Bedrängnis, dass es seeeeeehr unwahrscheinlich ist, dass er da stirbt... dazu muss er kein Ich-Perspektivträger sein^^.
Also ich finde eine durchgängige Perspektive langweilig, zum Schreiben wie zum Lesen furchtbar. Beim Schreiben könnte ich das gar nicht aushalten, ein ganzes Buch im Kopf einer Person festzuhängen oder durchgängig alles zu wissen (bah nichts ist widerlicher als auktorialer Erzähler... zum Schreiben. So unpersönlich. Zum Lesen auch nicht viel besser aber erträglich)... wah kann ich mir gar nicht vorstellen irgendwie. Ich brauche da Abwechslung und ich brauche unterschiedliche Sichtweisen, das macht für mich eine Geschichte erst interessant. Aber ich bin in vielen Dingen eh eher unkonventionell und mag auch keine Abenteuer- oder Reiseplots, oder Weltretter- Geschichten. Ich lese so was zwar, wenn es gut geschrieben ist auch gerne, aber ich würde es niemals schreiben. Da ich beim Schreiben kaputte Figuren und psychische Probleme liebe (klar gehts nicht ohne hier und da etwas gute "Action" aber der wirkliche Konflikt liegt immer in den Figuren) komme ich verständlicherweise nicht mit einer Perspektive aus, denn psychische Fragen muss man von verschiedenen Seiten beleuchten. Aber selbst bei der einen Geschichte die ich mal geschrieben habe, die zu ihren Anfängen auch eher eine Weltretter-Geschichte war, kam ich nicht mit einer Perspektive aus. Ich brauche einfach mehrere Sichtweisen, keine Ahnung woran das liegt, ich hasse es wie die Pest wenn es nur eine Perspektive gibt. Das wird mir beim Lesen schon zu viel, beim Schreiben verliere ich schnell die Lust.
Klar kann man jetzt sagen ist eine extreme Meinung. Joa, ist es. Aber jedem das Seine, nicht^^. Hab auch kein Problem mit, wenn jemand keine Perspektivwechsel mag. Kann ich zwar wirklich leider kein bisschen nachvollziehen, kann so jemand bei mir aber sicher auch nicht ;-).
Zum Beispiel: Schlagt mich wenn ich falsch liege, aber hat Bernhard Hennen in dem einen Buch nicht Ich-Perspektive und 3. Person Perspektive zusammen verwendet? Weiß nicht mehr in welchem, aber Ganda kam darin vor. Sie hatte die 1. Person Perspektive und ansonsten hatte Hennen ja schon immer noch mehrere. Weiß nicht ob der zweite Erzähler ein auktorialer war oder ob es nicht noch einen personalen um Ollowain in dem Fall gab. Sorry das mir der Buchname jetzt gerade nicht einfällt, war jedenfalls das letzte Buch der "Elfen-" reihe, so viel ich weiß. Lange her, dass ich es gelesen habe. Aber Hennen hat sowieso gerne einige unterschiedliche Perspektiven, Heitz auch hier und da. Mag ich gerne, bringt immer wieder Abwechslung rein (auch wenn ich es hasse wenn immer an der spannendsten Stelle die Perspektive gewechselt wird :happs:.. naja würd ich auch nicht anders machen^^.)
He, ein interessantes Thema.
Und ich bin gerade sauer, weil ich schon alles geschrieben hatte und dann auf eine offensichtlich falsche Taste drückte und weg war meine "tolle" Antwort. Egal, also noch mal.
Kann mich allerdings Valaé anschließen, ich brauche auch die Gedanken und Sichtweisen von vielen Menschen, so kommt für mich Spannung auf. Eine Stimme, die über allen spricht und alles weiß, dass ist für mich ein Märchen. Es gibt im Märchen meistens einen Erzähler, der beschreibt und einen leitet. Aber für mich geht da eine gewisse Spannung verloren.
Auch ich habe bei diversen Seminaren gelernt, Icherzähler als Anfänger, niemals. Und so schrieb ich auch Romane in der dritten Person, aber bei einer Geschichte, eigentliche meinem ersten Roman, fehlte dadurch etwas. Und so habe ich die guten Ratschläge beiseite gelegt und mich den Gedanken und Gefühlen der Hauptperson in der Ichform hingegeben. Und siehe da, plötzlich gewann diese Geschichte an Spannung, so sehr, dass ich beim Schreiben selber am Rand der Stuhlkante saß, weil ich wissen wollte, wie es weitergeht. Und es wurde mir von ehrlichen Lesern bestätigt, dass sie beim Lesen die gleiche Spannung empfingen und empfanden.
Auch hatte ich große Lust einmal in der Ichform, als Mann zu schreiben. War es mir möglich in die männliche Gedankenwelt einzutauchen? Männer und Frauen ticken nun einmal anders, das ist nicht wertend gemeint sondern feststellend. Sicher, da ich an Wiedergeburt glaube, glaube ich natürlich auch, dass ich schon mal als Mann auf der Erde war, aber trotzdem, jetzt bin ich nun mal gefangen in meiner weiblichen Welt. Wenn ich mir sehr unsicher war, fragte ich den Mann an meiner Seite. Und ich glaube, es ist mir einigermaßen gelungen.
Ich denke Mann und Frau sehen sich auf jeden Fall bei einer ersten Begegnung anders an. Auch werden sie unterschiedliche Merkmale wahrnehmen und haben eine völlig andere Gewichtung. Bla, bla, jetzt werde ich ausschweifend, dabei erzähle ich wahrscheinlich keinem etwas neues?
Kurz und gut, mir gefällt es sehr, ein Buch mit einer Icherzählenden Hauptfigur zu schreiben und alle anderen Figuren auch sehr nahe zu machen, indem sie ebenfalls Gedanken haben und Sichtweisen.
Gruß, Eluned
Mir gefällt dieser "Mix", den Jonathan Stroud in seiner Bartimäus Trilogie gemacht hat... Bartimäus und Nathanael als Perspektiven Träger, Bartimäus als Ich-Erzähler und Nathanael als Er-Erzähler.
So etwas zu schreiben würde mich ja auch mal reizen, weil es so abwechslungsreich ist, der Ich-Erzähler ist so zynisch und ironisch bei seinen Erzählungen, während der Er-Erzähler neutral das wiedergibt, was dem Perspektiventräger widerfährt. So etwas finde ich gut.
Aber ein ganzes Buch nur in der Ich-Form? Da gibt es nur ganz wenige, die ich gelesen habe und normalerweise ist es auch so, wenn ich ein Buch aufschlage und sehe, dass es in der ersten Form geschrieben wurde, dann lege ich es auch ganz schnell wieder weg.
Es reizt mich einfach nicht und ich finde es schrecklich das Gefühl zu haben, so auf eine Person gedrungen zu sein. Eine Zeit lang wollte ich versuchen in der Ich-Perspektive zu schreiben, weil es mir selbst auch unheimlich schwer fiel und ich mich unbedingt verbessern wollte und über die ersten Kapitel hat es auch Spaß gemacht, aber mir fiel es unheimlich schwer die Distanz zu wahren, die ich zum Schreiben brauche und irgendwann war ich so vertieft, dass ich den Überblick verlor und das Ganze zu einer bloßen Aufzählung von Dingen ausartete, die für die Geschichte an sich gar nicht wichtig waren.
Die dritte Form jedoch liegt mir besser, da bin ich wesentlich distanzierter. Ich muss mich nicht auf das beschränken, was mein Protagonist wissen soll/kann, ich kann andere Personen oder Orte beschreiben, wie sie in meiner Vorstellung aussehen und nicht, wie mein Ich-Erzähler ihn wahrnimmt, die Ich-Perspektive verfälscht viele Dinge, finde ich. Das Subjektive stört mich.
Wobei ich das natürlich nicht auf alle Erzählungen festmachen würde, manche Kurzgeschichten eignen sich auch gut für die erste Person bzw diese Perspektive wäre die einzige, die dafür in Frage käme.
Auch wenn man eher auf die Gefühle eines Protagonisten eingehen will, denn auf seine Reise an sich, eignet sich wohl die Ich-Perspektive am ehesten, aber das ist wohl in der Fantasy eher seltener der Fall. Bei einer Romanze oder Drama könnte ich mir das gut vorstellen.
EDIT:
Ich finde es wirklich sehr interessant, inwieweit die Meinungen hier auch auseinander gehen :p