Ein Thema geht mir die letzten Tage immer wieder im Kopf herum. Es gibt dazu natürlich einen Anlass, aber keinen, der so konkret wäre, dass ich im AhA-Board jammern gehen will. Eigentlich denke ich, dass es ein sehr allgemeines Problem und auch für andere interessant ist.
Mir geht es um nichtmenschliche Protagonisten, ihre Darstellung und die Schwierigkeiten, die ein Leser damit hat, sich mit etwas so fremdartigem zu identifizieren. Nach einiger Überlegung teile ich meine bisherigen Erfahrungen mit Romanen, die nichtmenschliche Protas haben, in zwei Kategorien: Die, die zwecks Darstellung einer fremden Spezies weitestgehend auf differenzierte Charakterzüge verzichten, und die, die versuchen, halbwegs interessante Charaktere zu entwickeln, dafür aber die Völkerfremdartigkeit auf ein Minimum beschränken.
Ich versuche das mal mit Beispielen zu erläutern.
Fall A: Volk (+), Charakter (-)
In diesem Fall spielt die Fremdartigkeit des angesprochenen Volkes eine große Rolle, zum Beispiel die Denkweisen, mit denen sie sich von Menschen unterscheiden, oder die Art, wie sie Probleme angehen. Der Leser bekommt typischerweise eine Gruppe von Charakteren vorgestellt, die wichtige Eigenschaften gemeinsam hat, sich untereinander aber nur durch ein paar wenige, sehr einprägsame Merkmale oder Charakterzüge unterscheidet. Solche, die leicht zu merken sind und sofort auffallen, wenn der entsprechende Charakter handelt. In diesen Romanen geht es mehr darum, wie eine Gruppe fremdartiger Wesen mit allen Einschränkungen, die sie als Volk haben, mit einem Problem fertig wird, die Leseridentifikation bleibt weitestgehend aus, man betrachtet ihre Bemühungen quasi von außen und amüsiert sich übr ihre Vorgehensweise. Die Fremdartigkeit des Volkes kommt dadurch aber sehr schön zur Geltung.
Beispiele hierfür sie ich kenne wären "Westwärts, Geschuppte" von Karl-Heinz Witzko oder auch "Glennkill". Beide finde ich großartig, keine Frage, aber ich glaube nicht, dass sich jemand tatsächlich mit Schafen identifiziert.
Fall B: Volk (-), Charakter (+)
Hier schafft der Autor einen wie auch immer gearteten Protagonisten als Identifikation für den Leser. Die Charakterisierung dieses Prota ist stark, man erfährt etwas über seine Gedankenwelt, seine Vorgeschichte und so weiter.
Meiner Erfahrung nach fällt dabei aber die echte Fremdartigkeit des Volkes unter den Tisch, der Charakter erhält ein, zwei ganz typische "Volksmerkmale", das muss reichen. Im Grunde ist er ein Mensch mit spitzen Ohren. Er denkt und handelt wie ein Mensch. (Mir ist klar, dass in Fall A auch Denkweisen "vermenschlicht" werden, aber meiner Meinung nach deutlich weniger). Er könnte auch ein Mensch sein, der mit diesem Problem konfrontiert wird, der aber aus einem anderen Kulturkreis stammt als der Rest der Figuren im Buch. Ob er ein Elf ist, oder aus Indien kommt, macht letztlich keinen Unterschied.
Ich empfinde die "Völker"-Bücher so. Gut, ich kenne nur die Zwerge und die Elfen, ich kann wirklich keine Aussage über andere treffen, aber gerade bei denen beiden ... nun, die Zwerge sind halt grummelig und kriegsfreudig. Die Elfen werden uralt und sind arrogant. Ich empfinde das eigentlich nicht als tragende Wesenszüge für ein Volk, dessen Entwicklung ganz anders verlaufen sein sollte als die der Menschen.
Auch diese Bücher haben ihre Berechtigung, gar keine Frage, aber beide Fälle führen mich zu der Überlegung:
Ist ein Fall C: Volk (+), Charakter (+) unmöglich?
- Unmöglich, weil der Autor sich nicht so weit in fremdartige Gedankengänge hinein versetzen kann (wir sind nun mal Menschen), dass ein ausgefeilter Charakter letztendlich nicht doch menschlich rüberkommt, weil all seine Probleme und Ängste einem menschlichen Hirn entsprungen sind?
- Unmöglich, weil der potentielle Leser sich nicht darauf einlassen will oder kann, so tief in eine wirre/erschreckende/seltsame Gedankenwelt einzutauchen?
Würde mich interessieren, was ihr dazu denkt. Oder ob ihr tatsächlich einen Roman von Beispiel C kennt. Ich kenne da höchstens sehr kurze Abschnitte ... der Fuchs in Beagles "Es kamen drei Damen im Abendrot", aber ein ganzer Roman aus dessen Sicht würde ich vielleicht auch nicht lesen.
Sehr interessantes Thema, hat mich zum Nachdenken gebracht. :jau:
Ich denke, es ist generell schwierig, eine Leseridentifikation mit einem Wesen zu schaffen, das nicht wie ein Mensch denkt, weil für eine Identifikation auch Verständnis notwendig ist, finde ich. Nochmal schwieriger wird`s dann natürlich, wenn wie bei Glennkill auch Menschen auftauchen, die für den Leser intuitiv einfacher nachzuvollziehen sind und ihn quasi an die normalen Denkmuster erinnern.
Und überhaupt, wie denkt ein Mensch? Gibt`s da etwas, das kulturunabhängig typisch menschlich ist?
Hi Felsi,
irgendwie kommt mir da gerade was in den Sinn, was ich über den Film "Avatar" gelesen oder in einem Interview gehört habe, ih weiß es nicht mehr so ganz genau. Jedenfalls hat James Cameron wohl gesagt, dass er die Na'vi ursprünglich sehr viel fremdartiger konzipiert hatte, sie aber aus Gründen der "Identifizierbarkeit" doch wieder sehr viel humanoider gemacht hate. Sie hatten wohl ursprünglich etwas eher Fischiges und Amphibienartiges an sich, wurden aber dann zu den Na'vi umgewandelt, die wir jetzt im Film zu sehen bekamen - zwar mit durchaus katzenhaften Zügen, aber eben doch menschlich genug, um als Identifikatinsfiguren dienen zu können.
Ich denke, das ist eine echte Gratwanderung, die man als Autor/Regisseur da machen muss. Ich tue mich mit Geschichten schwer, bei denen ich mich in die Protagonisten nicht hineinversetzen kann. Bücher mit Tierprotagonisten wie "Glennkill" oder auch "Watership Down" und "Tailchaser's Dream" oder "Warrior Cats" wären für mich da eine Ausnahme. Tierprotagonisten sind für mich da noch etwas anderes als tentakelige oder insektenhafte Aliens, oder vielleicht die Echsenwesen, die sich in einigen fantastischen Büchern ja gern herumtreiben.
Was ich sehr gern gelesen habe, war "The Black Gryphon" von Mercedes Lackey und Larry Dixon, auch wenn ich mich wirklich sehr daran gewöhnen musste, dass die Hauptfigur ein Greif ist. Allerdings hat dieser Greif so wunderbar ausgearbeitete Charakterzüge, ohne dabei zu sehr vermenschlicht zu werden dass das Buch wirklich Spaß macht. Dazu dann noch der menschliche Sidekick des Greifen, und die Geschichte ist perfekt - weil man als Leser einmal den Greifen als nichtmenschlichen Potagonisten und den Sidekick als menschlichen Protagonisten vorgesetzt bekommt. Identifikationsfiguren waren sie für mich beide.
Ja, ich denke es kann sowas geben, auch wenn mir jetzt konkret kein Roman dazu einfällt. Wohl aber Wölfin's Kurzgeschichte Onyës Wald hier: http://www.kurzgeschichten.de/vb/showthread.php?t=36257 (http://www.kurzgeschichten.de/vb/showthread.php?t=36257) auf die ich kürzlich gestoßen bin.
Es ist aber schon eine sehr schwierige Balance, wie Aryana schon sagt - zu wenig fremdartig und es sieht nur nach "Mensch mit Spitzohren" aus, zu viel und es ist schwierig, sich hineinzuversetzen.
Wenn's auch wichtige Nebencharaktäre sein dürfen, kann ich auch Janet Kagan's "Uhura's Lied" nur empfehlen. Es ist lange her, daß ich dies gelesen haben, aber es ist der einzige Star Trek Roman, der mir in Erinnerung geblieben ist, wegen der *ausgezeichneten* Darstellung einer nichtmenschlichen Kultur und eines Erstkontaktes. sowei ich mich erinnere schafft dieser Roman beides - sowohl die fremdartige Kultur als auch einige wichtige, individuelle Charaktäre aus dieser.
Zitat von: Smaragd am 23. Januar 2010, 09:45:46
Und überhaupt, wie denkt ein Mensch? Gibt`s da etwas, das kulturunabhängig typisch menschlich ist?
Ich denke schon, dass es da etwas gibt. Vor allem auf der Gefühlsebene sind die meisten Menschen ja gleich. Wir können alle so Dinge wie Liebe und Hass empfinden und empfinden solche Dinge bei ähnlichen Gelegenheiten. Deshalb gibt es ja sowas wie "ewige Themen" in der Literatur. Themen, über die man schreiben kann und die die Leute kultur- und zeitunabhängig immer berühren. Es gibt da z.b. einen altägyptischen Text, "Das Gespräch eines Lebensmüden mit seinem Ba". Da geht es darum, dass ein Mann Selbstmord begehen will und sein Ba (ein Teil seiner Seele) versucht ihm das auszurede. Obwohl der Text vor ungefähr 4000 Jahre in einer komplett anderen Kultur geschrieben wurde, finde ich ihn unglaublich schön. Ich nehme an, das liegt mit daran, dass der Tod auch etwas ist, das alle Menschen in allen Kulturen immer beschäftigt.
Wenn man also einen komplett fremden Charakter schreiben wollen würde, müsste man diese Grundgefühle und -themen irgendwie so verdrehen, dass sie nicht mehr dem menschlichen Denken entsprechen. Und das dürfte wirklich kaum schreibbar sein, bzw. falls es doch jemand schafft, ist es für einen Leser auf jeden Fall vollkommen unmöglich, sich mit so einem Charakter zu identifizieren.
Ich denke, es ist nicht möglich über fremde Protagonisten zu schreiben, weil ein Buch letztlich immer Geschichten über Menschen erzählt. Von Menschen für Menschen, und da Menschen letztlich in erster Linie sozial motivierte Wesen sind, interessiert sie anderes auch nicht. Jetzt mal ganz hart auf den Punkt gebracht. ;)
Und darum kann ein Buch mit nichtmenschlichen Hauptfiguren auch kaum funktionieren, weil die sich eben nicht in eine menschliche Geschichte einfügen würden. Nicht, wenn sie wirklich fremd sind. Wenn man es also doch tut, vermenschlicht man sie entweder, oder der Leser empfindet die "unmenschlichen" Züge letztlich doch als falsch. Und die resultierenden Geschichten mit nichtmenschlichen Wesen sind, wenn man es wirklich durchzieht, zwangsläufig weitab aller üblichen Muster - ich habe ein paar Ideen mit nichtmenschlichen Figuren, aber die sind allesamt sehr "strange" ... und vermenschlichen die Figuren letztlich doch, wenn ich sie denn umsetzen würde. Denn am Ende, wenn man das Fremde so individualisiert beschreibt, wie es für Protagonisten nötig ist, projiziert man doch zwangsläufig menschliches Empfinden hinein.
Fremde Protagonisten eignen sich gut, um bestimmte Facetten der Menschlichkeit klarer herauszuarbeiten - indem man sie nämlich vereinfachen, fokussieren kann. Indem man die Grenzen "volkstypischer Besonderheiten" so setzt, das idealtypische Konstellationen entstehen, in denen man Fragen menschlicher Bedeutung aufwerfen kann, die für nichtmenschliche Figuren einfach besser funktionieren als für Menschen, weil bei Menschen der Konflikt durch typisch menschliche Vielschichtigkeit gemindert würde oder eben dadurch eine Verflachung eintritt, dass man auf die Vielschichtigkeit verzichtet. Wenn man für eine nichtmenschliche Rasse hingegen einen "Normalpol" leicht beschreibbar ein wenig abseits des menschlich "üblichen" definieren kann, kann man auch einen vielschichten Charakter so zugespitzt kreieren, dass er zum Grundproblem passt - es wird dann eine Fremdheit spürbar, aber das Grundproblem, oder die Konflikte, die er verkörpert, sind trotzdem typisch menschlich.
Ich denke, das klappt ziemlich gut, und dafür sind nichtmenschliche Figuren m.E. besonders gut geeignet. Natürlich auch in der nicht ganz so ernsten von Felsenkatze angesprochenen Variante, wo die Figuren typisiert fremd gezeichnet werden und auch keine tiefergehende Charakterisierung als Individuum erfahren - dann aber als Typ eben auch nicht eigenständig wirken, sondern allein durch den Kontrast dessen, was man ihnen als "typisch nichtmenschlich" zuordnet, womit sich letztlich auch wieder auf menschliches referieren. Und die Fremdheit vor allem dem Effekt dient. Was sehr oft ein humoristischer Effekt wird, weil es oft im Kern menschliche Schwächen sind, die für die Typisierung herhalten müssen, oder Dinge, die Menschen als skurril empfinden.
Ansonsten eignen nichtmenschliche Figuren vor allem für Nebenrollen - als Antagonisten, Begegnungen etc. ... all das eben, wo man "das Fremde" aus einer menschlichen Perspektive erleben lassen kann. So kann das Fremde fremd bleiben und wird doch dem Leser nahegebracht, eben in seiner Wirkung auf menschliche Protagonisten. Finde ich als tendenziell dem Horror zugeneigter Autor auch sehr interessant ;D
Ich schließe mich Lomax an.
Aus eigener Erfahrung. Ich habe versucht eine Geschichte aus der Sicht eines Vampirs zu schreiben, also eines blutrünstigen, brutalen, gewissenlosen Wesens. Kurz: Hat nicht geklappt. Plötzlich hatte der Gute doch Gewissensbisse, konnte Liebe fühlen etc...das ist größtenteils "aus Versehen" passiert, aber teilweise auch, weil es mir zu unheimlich war, über diese Figur zu schreiben, da man sich ja nun überhaupt nicht mit so etwas identifizieren kann oder auch will.
Also glaube ich auch, dass es nicht geht. Der Mensch braucht wohl einfach jemanden, in den er sich hineinversetzen kann, Leser wie Autor, und deshalb werden andere Spezien vermenschlicht, damit man sich in ihnen wiedererkennen kann.
LG,
Kati
Zitat von: Kati am 23. Januar 2010, 19:02:08
... Ich habe versucht eine Geschichte aus der Sicht eines Vampirs zu schreiben, also eines blutrünstigen, brutalen, gewissenlosen Wesens. Kurz: Hat nicht geklappt. ...
Hallo KatiAber auch das geht. Ich denke da an die großartige Verfilmung "Interview mit einem Vampir".
Gruß
Leon
Nur, dass bei "Interveiw mit einem Vampir" der Vampir weder blutrünstig noch brutal noch gewissenlos ist.
Zitat von: Lomax am 23. Januar 2010, 12:38:42
Denn am Ende, wenn man das Fremde so individualisiert beschreibt, wie es für Protagonisten nötig ist, projiziert man doch zwangsläufig menschliches Empfinden hinein.
Diesen Satz finde ich ganz wichtig, denn ich denke, dass ein Autor (meine Güte, wir sind alle Menschen), überhaupt nicht die Fähigkeit hat, etwas vollkommen
unmenschliches zu erschaffen. Eben weil wir für alles einen Namen haben. Es gibt so viele unterschiedliche Charakterzüge, so viele grundlegend verschiedene Menschen, aber letztendlich läuft es doch auf eins hinaus: jeder hat ein menschliches Empfinden.
Ich könnte kein Wesen kreieren, das überhaupt keine menschlichen Facetten hat. Denn was soll ich denn beschreiben? Wesen können äußerlich nichtmenschlich sein, aber sobald sie Charakterzüge bekommen, interpretieren wir doch wieder etwas menschliches hinein.
Grausame Charakterzüge bezeichnet man zwar gerne als "unmenschlich", weil sie so verroht und unvorstellbar für viele sind, aber es sind immer noch menschliche Züge.
Was also soll man einem Wesen geben, das man beschreiben will, das einen Charakter hat? Menschliche Züge.
Zitat von: Kati am 23. Januar 2010, 19:02:08
Aus eigener Erfahrung. Ich habe versucht eine Geschichte aus der Sicht eines Vampirs zu schreiben, also eines blutrünstigen, brutalen, gewissenlosen Wesens. Kurz: Hat nicht geklappt. Plötzlich hatte der Gute doch Gewissensbisse, konnte Liebe fühlen etc...das ist größtenteils "aus Versehen" passiert, aber teilweise auch, weil es mir zu unheimlich war, über diese Figur zu schreiben, da man sich ja nun überhaupt nicht mit so etwas identifizieren kann oder auch will.
brutal, gewissenslos, blutrünstig. Das sind widerum Bezeichnungen für menschliche Charakterzüge, die zwar grausam erscheinen mögen, aber sie sind dennoch da. Jedoch denke ich, dass Schwarz-Weiß-Malerei generell nicht funktioniert.
Es ist schwierig zu sagen (für mich jedenfalls): der ist böse, der ist gut, weil...
Letztendlich vereint jeder negative und positive Charaktereigenschaften in sich, und deswegen finde ich es ziemlich unrealistisch, dass jemand nur "gute" oder nur "böse" Charaktereigenschaften angedichtet bekommt.
Ich muss gerade an "Das letzte Einhorn" denken. Einhörner sollen im Gegensatz zu Menschen keine Gefühle haben. Erst als Einhorn zu Lady Amalthea verwandelt wurde, lernt sie Liebe und Leid zu empfinden.
Allerdings muss ich sagen, dass das Einhorn trotzdem irgendwie menschlich war. Alleine wie es denkt, seine Sorgen, Ängste und Sehnsucht nach den Artgenossen macht es schon menschlich.
Ich denke auch, dass es ganz normal ist, dass wir unsere Züge auf andere projizieren. Man denke nur an die Elefanten, die um ein Skelett versammelt stehen. Wir interpretieren sofort Trauer hinein. Auch in anderen Tieren in Dokumentationsfilmen meinen wir manchmal menschliche Charaktereigenschaften zu sehen. Man denke nur an den eigenen Hund oder die eigene Katze. Ich denke, jeder hat sich mal dabei ertappt wie er sein Liebling vermenschlicht. Aber das ist ganz normal, weil wir meinen die anderen Spezies besser verstehen zu können. Deshalb glaube ich nicht, dass es jemals einem Menschen gelingt einen nichtmenschlichen Protagonisten nichtmenschlich darzustellen, weil wir uns selbst nicht vorstellen können wie ein Nicht-Mensch denkt. Man würde ihn auch nicht verstehen und so eine Figur taugt einfach nicht als Protagonist.
So viele Antworten, und ich Schussel habe mich noch nicht wieder gemeldet.
Im Grunde sehe ich es wie Lomax: wir als Menschen können keine völlig unmenschlichen Charaktere beschreiben, sobald wir in deren "Kopf" sind, nehmen sie mehr oder weniger menschliche Züge an. Man kann ihnen Marotten oder Eigenschaften geben, die sie vom allgemeinen Menschen unterscheiden, aber das war's dann auch schon.
Interessant finde ich eben auch, wie weit ich die "Fremdartigkeit" treiben kann, um dann trotzdem noch eine charaktergetriebene Geschichte zu entwickeln. Da bin ich mir noch recht unschlüssig.
Die Identifikation geht über das Wiedererkennen menschlicher Gestalt, Gefühle und Verhaltensweisen. Je mehr eine nichtenschliche Lebensform sich darin vom Mensch unterscheidet, desto schwieriger wird mir als Leser die Identifikation mit diesem Charakter. Für viele (zum Glück weniger im Fantasy Bereich) ist ein fremdartiges Aussehen bereits ein Problem.
Was den Menschen bisher von allen anderen Spezies unterscheidet ist aber nicht nur die Empfindung von Gefühlen, sondern, daß der Mensch sich über so etwas Abstraktes wie Gefühle Gedanken macht und Bewertungen vornimmt.
Um Lesern noch genügend Identifikationsraum zu geben würde ich nicht zuviel von Gefühlsempfinden, Bewertung und Verhalten verändern. Sonst bleibt das Handeln der Charaktere wenig nachvollziehbar.
Liebe Grüsse
Zonka
Hi,
@Zonka: Wenn man es so hält, sind allerdings Vorwürfe wie "dene Elfen sind ja nur Menschen mit Spitzohren" vorprogrammiert. ich denke, ein bisschen "Andersartiges" muss schon sein, auch im Denken, wenn man ein neues Volk erschafft. Es muss ja nicht gleich vollkommen "schräg" sein.
Aryana, das ist richtig.
Ich würde nur nicht Gestalt und Gefühl und Bewertung und Verhalten von der menschlichen Ebene abweichen lassen. Das ist meines Erachtens zu viel. Eine Spezies zu entwickeln, die sich nur an der Ohrlänge vom Mensch unterscheidet ist natürlich auch zu schlicht, daher funktionieren diese simpel gestrickten Geschichten meist nicht.
Das Schwierige daran ist der Mittelweg zwischen menschlich genug und daher nachvollziehbar und glaubwürdig eigenständig zu finden. Die Glaubwürdigkeit eines nichtmenschlichen Protas misst sich aber am Leser, der Mensch ist, und die eigenen Maßstäbe zu Grunde legt.
Liebe Grüsse
Zonka
Warum sollte eine Figur menschlich angehaucht sein? Kennt jemand "Das Buch des Feuers" von James Clemens? Darin kommen einige Rassen vor und die meisten sind auch menschlich angehaucht, aber zum Beispiel der Og´er hat eine ganz andere Auffasung vom leben. Er erinnert mich mehr an einen Affen. Meist läuft er auch Händen und Beinen, aber er kann auch Aufrecht gehen.
Sicherlich ist es einfacher, dem Leser etwas zu präsentieren, was ansatzweise ähnlich ist, aber was würde denn passieren, wenn man eine Rasse erfindet, die rein gar nichts menschliches an sich hat. "Die Orks" sind auch ein Erfolg gewesen (nicht mein Fall, aber egal) und die haben wirklich kaum noch etwas menschliches an sich.
Liebe Grüße,
Kuddel
Zitat von: Kuddel am 09. Februar 2010, 09:32:48
"Die Orks" sind auch ein Erfolg gewesen (nicht mein Fall, aber egal) und die haben wirklich kaum noch etwas menschliches an sich.
Stimmt nicht, zumindest meiner Meinung nach nicht. Orks sind in vieler Weise menschlich. Nicht vom Aussehen her, aber vom Denken, vom Handeln, vom Fühlen; sie Essen und Trinken wie wir, ziehen sich an, schmieden sich Rüstungen usw. So anders sind sie gar nicht, sie haben einfach nur etwas barbarisches an sich, aber es gibt auch Menschen, die barbarisch sind. :darth:
Ein nichtmenschlicher Protagonist ist für mich einer, der rein gar nichts mehr mit unserem Wesen zu tun hat. Dazu zählen nicht Elfen, nicht Zwerge, nicht Hobbits, auch keine Trolle(zumindest nicht, wenn es Trolle sind, wie bei Bernhard Hennens Elfenromanen.) Nichtmenschliche Protagonisten sind für mich Kreaturen. Ich würde vielleicht sagen, Gollum ist eine Kreatur, oder Dobby, der Hauself, - aber beide haben noch etwas Menschliches an sich.
Ein vollkommen tierisches Wesen als Protagonist,- kann ich mir schwer vorstellen, zumindest nicht, wenn es die einzige Perspektive ist. Wenn es noch eine zweite Sicht aus einem menschlichen od. menschenähnlichen Prota gibt, fände ich es glaub ich sogar interessant, dazwischen die "tierischen" Kapitel zu lesen.
Grüßle,
Wolli.
Zitat von: Wollmütze am 18. Februar 2010, 13:07:04
Stimmt nicht, zumindest meiner Meinung nach nicht. Orks sind in vieler Weise menschlich. Nicht vom Aussehen her, aber vom Denken, vom Handeln, vom Fühlen; sie Essen und Trinken wie wir, ziehen sich an, schmieden sich Rüstungen usw. So anders sind sie gar nicht, sie haben einfach nur etwas barbarisches an sich, aber es gibt auch Menschen, die barbarisch sind. :darth:
Grüßle,
Wolli.
Okay, vermutlich kein allzu gutes Beispiel. Für mich sind Orks nicht im mindesten menschenähnlich, aber andersrum. Was ist denn nicht menschenähnlich? Auch ein Hund hat menschenähnliche Züge, wenn er mit "Freunden" im Park tollt. Im Endeffekt beziehen wir das meiste nur auf uns Menschen, aber vieles haben wir uns sicher auch von anderen Arten angeeignet. Wenn man es so betrachtet, suchen wir sowieso immer etwas menschenähnliches. Stell dir vor, ein Alien trifft bei dir zu Hause ein. Du guckst ihn dir an und denkst: Der hat Ähnlichkeit mit Tante Hilde.
Ich lese gerade ein Buch, dass sich "Die Stimmgabel" nennt. Es handelt von einem Resonanzwesen, dass durch ein Loch im Wimpernschlag auf die Erde in einen menschlichen Körper transportiert wird. Dieses Resonanzwesen empfindet Dinge, die für uns selbstverständlich sind, auf eine völlig andere Art und Weise. Es spürte die Resonanzen, die Energien hinter den Worten und Taten. Im ersten Moment dachte ich: So ein Käse, ist ja unrealistisch, aber als ich dann darüber nachdachte, wurde mir klar, dass der Autor etwas geschafft hatte. Er zeigt unsere Welt aus der Sicht eines komplett anderen Wesens. Dieses Wesen hat nichts menschliches, keinen Körper, versteht die Liebe als solches nicht, nimmt nur positive Resonanzen wahr, die von Misstönen unterbrochen werden... Aber dennoch sucht man förmlich nach Vergleichen, die man selbst mit dem Wesen verbinden.
Liebe Grüße,
Kuddel
Habe mich heute wieder seit längerer Zeit im Forum umgesehen, weil ich letzte Woche wieder das typische Jucken in den Fingern verspürt habe und - wieder mal - angefangen habe zu schreiben.
Meine Umwelt - bestehend aus meiner Mutter, meinem Mann, und meinem besten Freund - hat mittlerweile die Hoffnung aufgegeben, dass ich irgendeinen von meinen ganzen Geschichtssträngen zu Ende bringe, aber meine Hoffnung zuckt noch. Außerdem... was soll man machen? Da hat wieder mal eine Geschichte angeklopft und wartet darauf, aufgeschrieben zu werden.
Jedenfalls habe ich ein Problem, und dieses Thema passt sehr gut dazu.
In meinen Gedanken schreibe ich schon seit 2001 Geschichten, die auf einer Welt, Ellanar, handeln, die so ziemlich komplett auf meinem Mist gewachsen ist. Vorher hatte ich andere Welten, an die ich heute teilweise noch denke, aber Ellanar ist seitdem deutlich in den Vordergrund gerückt. Ich habe Träume davon, ich habe manchmal erschreckend lebendige Bilder in meinem Kopf, und wenn ich mich anstrenge, kann ich mich in diese Welt komplett hineinversetzen... ich kann Orte bereisen, ich kann meine Wesen sehen, anfassen, mit ihnen reden... Ich kann die Landschaften aus der Vogelperspektive sehen, ich kann in Gestalt eines Darh durch die Wälder schleichen... Moment.
Was ist ein Darh?
Ein Darh ist ein intelligentes Wesen aus meiner Welt, Ellanar. Die ganze Spezies heißt Han'Darhi. In ihrer Sprache bedeutet es so viel wie Volk des Waldes. Sie leben auf einem Kontinent namens Handaran, welches in ihrer Sprache "Das Land des Waldvolkes" bedeutet. Ich weiß, nicht sehr originell. Aber diese beiden Begriffe haben sich so in mein Hirn eingebrannt dass ich sie nicht ändern will. Sie gehören einfach dazu.
Die Einzahl von einem Angehörigen der Spezies Han'Darhi ist Darh. Die Mehrzahl davon sind Darhi. Die weibliche Form - Darha. In ihrer Sprache einfach nur Mann, Frau, Leute. Oder Männer.
Innerhalb der Spezies gibt es verschiedene Unterarten, die sich zum Großteil genetisch nicht sehr unterscheiden und immer noch fertile Nachkommen miteinander zeugen können, auch wenn sie optisch und auch kulturell sehr anders ist. Morlan, Phirlin, und Kir'Naa sind die zahlenreichsten der Unterarten oder auch Völker. Ich nenne sie Völker, weil sie am Ende nichts anderes sind. Wie es bei uns eine Spezies: Mensch gibt und viele Völker: zB Engländer, Deutsche, Russen etc. Darhi leben in Stammesverbänden, oder Clans. Manche Clans sind Nomaden, sie ziehen immer wieder um, meistens hinter den Herden ihrer Beutetiere hinterher. Manche sind sesshaft, bauen sich Häuser und betreiben sogar etwas Ackerbau und Tierhaltung.
Nun, dieser Teil ist, wie man sieht, mit ein wenig Begriffsklärung gut rüberzubringen (hoffe ich).
Das Problem besteht darin, dass die Darhi zumindest von ihrem Aussehen und ihrem Körperbau wenig menschlich sind.
Hier (http://thewingedshadow.com/artgallery/main.php?g2_view=core.DownloadItem&g2_itemId=343&g2_serialNumber=2)eine Skizze von einem ausgewachsenen männlichen Kir'Naa. Nein, sie sind keine Drachen, auch wenn die Morlan der Vorstellung eines Drachen schon ziemlich nahe gehen, vom Aussehen her.
Sie sind keine Säugetiere, aber Warmblüter, bringen lebende Jungen zur Welt. Ein Kind lernt ungefähr mit einem halben Jahr laufen, mit einem Jahr sprechen, und mit drei Jahren wird es in das Clanleben integriert. Geschlechtsreif werden Darhi mit 7(Weibchen) und mit 8(Männchen) Jahren. Wenn das eintritt, gibt es eine Zeremonie, nach der der junge Darh als erwachsen gilt, sich eine eigene Hütte bauen kann, einen Partner auswählen und selbst Kinder kriegen kann. Aber das sind Details und über meine Darhi könnte ich tagelang quasseln.
Ihre Gedanken- und Gefühlswelt möchte ich jedoch nicht allzu sehr menschenfremd gestalten. Sie haben eine Sprache, sie haben - ansatzweise - eine Schrift, auch wenn diese sehr beschränkt ist, sie treiben Handel und führen Kriege mit benachbarten Clans. Sie sind sehr gesellig. Es gibt intelligente und weniger intelligente Darhi. Es gibt Darhi, die Lhum trinken (eine Art alkoholisches Getränk) und es gibt welche, die Lhum verabscheuen. Kurzum, sie sind, wie Menschen, Individualisten.
Es gibt nur wenige Unterschiede, die zu einem Teil von ihrer Anatomie rühren (zB können Darhi fliegen und sowohl auf zwei als auch auf vier Beinen laufen, oder besser im Dunkeln sehen als Menschen), und zu einem anderen Teil von ihrer Kultur. Darhi sind sehr traditionsbewusst, es gibt für fast alles im Alltag Traditionen und bestimmte Rituale. Sie sind also "Gewohnheitstiere". Solange alles "funktioniert", würde ein Darh nie etwas ändern wollen. Das erklärt auch, warum sie immer noch in Zelten leben und sich von Hirschen ernähren, anstatt Städte zu bauen und auf den Mond zu fliegen. *grins*
Nun, wie kriege ich es also hin, einem Leser, der null Plan von meiner Welt und dem Inhalt meines Kopfes hat, meine Vision von den Darhi zu vermitteln?
Der Text, den ich gerade schreibe, fängt mehr oder weniger mittendrin an und berichtet von den Darhi wie ein x-beliebiger Roman von Menschen berichtet. Es sind also ganz normale Charaktere, nur sind sie eben... keine Menschen.
Verwirrt es zu sehr, wenn ich plötzlich von Flügeln und Hörnern und Schuppen und einem hochentwickelten Geruchssinn schreibe und der Leser im Verlauf der Geschichte nach und nach rausfindet, was ein Darh nun eigentlich ist? Oder sollte ich, à la Anne McCaffrey, eine kurze Einleitung schreiben wie... "Da war mal ein Planet, Ellanar, und da lebten Leute, die waren so und so..."?
Kann man sich mit einer Gestalt, die zwar denkt und fühlt wie ein Mensch oder ihm zumindest ähnlich, aber komplett anders anatomisch beschaffen ist, identifizieren?
Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass es auf Ellanar auch so etwas wie Menschen gibt. Sie sind allerdings nicht auf Ellanar entstanden, sondern von einem benachbarten Planet, Aira gekommen. Durch eine Reihe von bestimmten Ereignissen hat die Kolonie allerdings den Kontakt zu ihrer Mutterwelt und aufgrund von extremen, menschenunfreundlichen Umweltbedingungen fast ihre gesamte Technologie verloren. Somit sind Menschen auf Ellanar so ein... Mittelalterverschnitt, haben aber vereinzelt elektrisch betriebene Anlagen, Beleuchtung etc... da es von früher übrig geblieben ist.
Wenn Menschen auf Darhi treffen, gibt es unweigerlich einen Konflikt. Menschen sind expansiv, wollen entdecken, wollen sich ausbreiten, sich neue Lebensräume schaffen... ihre Umwelt zu ihren Gunsten verändern... ein Darh möchte eigentlich nichts weiter als so weiterleben wie zuvor.
Ist dieses Konzept umsetzbar und gibt es Menschen, die so etwas lesen würden oder sollte ich den Traum, eine Geschichte, die auf Ellanar spielt, zu veröffentlichen, wieder in die Tonne kloppen? *grins*
Also mir fällt zu diesem Thema der Roman "Felidae" und seine Nachfolger ein. Der Autor dieser Romanreihe ist Akif Pirincci. Erzählt wird aus der Sicht von Francis, einem Kater mit einer Vorliebe für Nietzsche und kriminalistische Fälle und schon mal vorab: Ich bin kein Katzenliebhaber, habe sogar eine Allergie gegen sie.
Diese Geschichte habe ich dennoch mit Begeisterung gelesen, denn der Autor hat es geschafft, Vertrautes und Fremdartiges in einer schönen Balance zu halten. Vertraut wegen der recht menschlichen Charaktereigenschaften des Protagonisten, seiner recht interessanten Meinung über Menschen, Fremdartig weil...nun, wie oft erlebt man, das ein Kater als Detektiv agiert? Oder sich beim Anblick und Geruch einer Perserkatzendame in höchste Brunftekstase steigert?
In der Hinsicht würde ich schon mal sagen: Das Konzept eines nichtmenschlichen Protagonisten kann funktionieren - ziemlich gut sogar.
Auch ich bin der Meinung, dass wir als Menschen keine Geschichten und Charaktere schaffen können, die "nichtmenschlich" ist. Ich denke sogar, dass es eine Unmöglichkeit ist, denn was wir als Menschlichkeit definieren ist keine Konstante, sondern ein höchst schwammiger Begriff, eine kaum fassbare Idee, die sich je nach Kultur, Land, Sprache, Zeitalter unterscheidet.
Es ist ein Begriff, der sich neu erfinden kann. Was heute als nicht-menschlich wahrgenommen wird, kann im Morgen schon als Teil dessen gelten, was einen Menschen ausmacht.
Und selbst wenn es uns in der Fantasyliteratur möglich ist, scheinbar völlig fremde Völker und Rassen zu erfinden, selbst wenn es sich um tatsächlich andersartige Wesen handelt, so ist es uns unmöglich von ihnen zu erzählen ohne unsere menschliche Brille dabei zu benutzen.
Das hat meiner Meinung nach einen simplen Grund: Wir können als Autoren eine Geschichte nur dadurch erzählen, indem wir Sprache benutzen und zumindest die Sprachen, die wir als Menschen benutzen, sind eine rein menschliche Erfindung.
Sprache ist unser Mittel zur Kommunikation und trotz all der grenzenlosen Möglichkeiten, die sie uns bietet, ist sie gleichzeitig unser Limitator. Sie ist eine Grenze, über die wir uns als Autoren, die vom geschriebenen Wort abhängig sind, niemals hinwegsetzen können.
Ich bin grad etwas eingeschüchtert von Wuo Longs Antwort, denn ich wollte mich recht kurz und simple ausdrücken: Wenn du tatsächlich vor hast, deine Darh als Hauptvolk zu gebrauchen, und aus diesem Volk auch deine Protas nimmst, muss irgendetwas Menschliches da sein, damit wir sie verstehen können.
Ich muss mich Wuo(ich maße mir jetzt einmal an, dich abzukürzen ;) ) anschließen:
Zitat von: Wuo Long am 11. März 2010, 22:39:59
Und selbst wenn es uns in der Fantasyliteratur möglich ist, scheinbar völlig fremde Völker und Rassen zu erfinden, selbst wenn es sich um tatsächlich andersartige Wesen handelt, so ist es uns unmöglich von ihnen zu erzählen ohne unsere menschliche Brille dabei zu benutzen.
Das hat meiner Meinung nach einen simplen Grund: Wir können als Autoren eine Geschichte nur dadurch erzählen, indem wir Sprache benutzen und zumindest die Sprachen, die wir als Menschen benutzen, sind eine rein menschliche Erfindung.
Sprache ist unser Mittel zur Kommunikation und trotz all der grenzenlosen Möglichkeiten, die sie uns bietet, ist sie gleichzeitig unser Limitator. Sie ist eine Grenze, über die wir uns als Autoren, die vom geschriebenen Wort abhängig sind, niemals hinwegsetzen können.
Dazu sage ich nur: Amen.
Gute Nacht,
Wolli
Wenn ich deine Frage richtig verstanden habe ging es dir nicht darum ob deine Darhi menschlich genug sind, sondern ob man sich als Mensch damit identifizieren kann und wie sie in die Geschichte eingebracht werden können, ohne all zu viele Erklärungen. (Sie sind das... Machen dies und jenes... Sehen so und so aus)
Ich denke wenn die Darhi ( so wie du schreibst) menschenähnliche Züge haben, ist es möglich sich in sie etwas hinein zu versetzten.
Selbst habe ich noch kein Buch gelesen, indem nichtmenschliche Wesen die Hauptrolle spielen, doch es ist so wie sie beschrieben sind vorstellbar. Das erinnert mich an das Buch Spectrum von Lucjanenko, in der die Hauptfigur verschiedene Planeten bereist und die verschiedensten Völker trifft, die teilweise nicht mal im Entferntesten etwas mit Menschen zu tun haben. Da treten z.B. känguruähnliche Wesen auf, die ein halbes Jahr leben und dann ihre Gedanken und ihr Wissen an ihre Kinder weiter geben. Klingt ansich etwas abgehoben, ist aber plausibel rübergebracht und verständlich geschrieben. Sodass man als Leser auch einen Bezug zu den Wesen des Planeten findet.
Auf deine andere Frage zurück zu kommen. Wenn du deine Geschichte mit den Wesen beginnst, würde ich nicht direkt mit Fell und Hörnern anfangen. Ich denke es wäre für den Leser verwirrend. Ich würde mir glaube ich erst an etwas wie einen Ork denken. Nur sollte es keine reine seitenlange Beschreibung sein. Vielleicht kannst du sie mit einem Menschen zusammen kommen lassen, wobei auch die Unterschiede klar werden, die du in deiner Welt hast, zwischen den beiden Rassen. Oder am Anfang eine andere Perspektive, um die Darhi aus den Augen eines anderen zu sehen. Falls das alles nicht geht wäre eine kurze Einleitung glaube ich noch ok, bei der zumindest hervor geht, dass deine Wesen keine Menschen sind.
Hoffe hab jetzt nicht zu viel drum herum geschrieben.
Lg Feather
Zitat von: Feather am 12. März 2010, 09:38:46
Vielleicht kannst du sie mit einem Menschen zusammen kommen lassen, wobei auch die Unterschiede klar werden, die du in deiner Welt hast, zwischen den beiden Rassen.
Wäre es nicht ein interessanter Ansatz dieses Treffen aus Sicht eines Darh zu schreiben? Also in die Richtung wie ungewöhnlich diese Menschen (oder menschenähnlichen Wesen) aussehen, was für eine seltsame/verletzliche Haut sie haben, wie ungeschickt sie sich fortbewegen?
So hat man den "menschlichen" Bezug, aber eben auf eine andere Art und Weise. :)
Zitat von: zDatze am 12. März 2010, 10:11:42
Wäre es nicht ein interessanter Ansatz dieses Treffen aus Sicht eines Darh zu schreiben? Also in die Richtung wie ungewöhnlich diese Menschen (oder menschenähnlichen Wesen) aussehen, was für eine seltsame/verletzliche Haut sie haben, wie ungeschickt sie sich fortbewegen?
Ja, auf jeden Fall wäre das interessant, und ich finde es auch sehr gut! :D
Es gibt interessanterweise in der Sci Fi meines Erachtens wesentlich interessantere und gelungenere Darstellungen nichtmenschlicher Intelligenzen als in der Fantasy. Da solltet ihr euch einmal umgucken. Gerade die Fantasy krankt m. E. oft daran, dass ihre Völker oft eionseitige Abziehbilder herausgegriffener menschlicher Charakterzüge sind (die "edlen" Elfen, die "bösartigen , barbarischen Orks) und sich niemand die Mühe macht, darüber nachzudenken welche psychologischen Konsequenzen wirklich andere biologische Gegebenheiten haben könnten. Immer vorausgesetzt: man hat es mit Intellgenten Wesen zu tun.
Herausragend in diesem Zusammenhang sind z. B. die Nichtmenschen vin den Sci Fi Romanen von Cheryh und Le Guin.
Zitat von: zDatze am 12. März 2010, 10:11:42
Wäre es nicht ein interessanter Ansatz dieses Treffen aus Sicht eines Darh zu schreiben? Also in die Richtung wie ungewöhnlich diese Menschen (oder menschenähnlichen Wesen) aussehen, was für eine seltsame/verletzliche Haut sie haben, wie ungeschickt sie sich fortbewegen?
So hat man den "menschlichen" Bezug, aber eben auf eine andere Art und Weise. :)
In etwa... so?
"Marn versteckte sich hinter einem Felsen.
Dort, am Meeresufer, wimmelte es vor seltsamen Wesen. In seinem ganzen Leben hatte Marn solche Kreaturen nie gesehen. Er hatte nicht einmal etwas von ihnen gehört. Und er hatte viel gehört. Auf den großen Versammlungen im Niemandsland wurden die unglaublichsten Geschichten ausgetauscht. Er hatte von den Narjan gehört, den Darhi, die im Wasser lebten und jagten. Er hatte Geschichten von den scheuen Wfortvar vernommen, die kaum jemand je zu Gesicht bekommen hat. Er kannte die Kir'Naa, die im hohen Norden lebten, dort, wo der Schnee niemals taute. Die Morlan, die so groß waren, dass sie mit einem einzigen Schlag einen Phirlin, wie Marn einer war, töten konnten.
Doch diese Wesen waren ihm fremd.
Ihr Körper war dünn und schmal, und sie liefen immer auf zwei Beinen, während die Arme in der Luft hingen. Das konnten die Darhi auch, aber es war einfacher, sich auf allen Vieren fortzubewegen.
Diese Wesen hatten nur zwei Paar Gliedmaßen. Sie hatten weder Flügel noch Zweitarme. Sie hatten weder Krallen noch Hörner. Sie hatten keinen Schwanz. Marn konnte stundenlang durchgehen, was sie alles nicht hatten. Und was hatten sie...?
Es war nicht viel. Ihr Gesicht war flach, der Kopf rund. Der Kieferknochen war winzig, die Zähne klein und stumpf. Wie konnten sie damit jagen? Sie bewegten sich auf eine komische Art und Weise. Manchmal sah er einen von ihnen im Sand stolpern und hinfallen. Sie taten seltsame Dinge mit ihren Armen,machten ganz viele Gesten und formten Laute mit ihrem Mund, die Marn nicht einmal ansatzweise verstand.
Auch ihre Taten waren höchst eigenartig.
Sie waren damit beschäftigt, ans Ufer angespültes Holz zusammenzutragen. Erst hielt Marn es für gewöhnliches Treibgut, aber dann stellte er fest, dass das Holz keine natürliche Form besaß. Etwas weiter vom Ufer entfernt konnte Marn seltsame Anhäufungen von dem Holz beobachten, die sich in den Wellen wiegten. Hatten die kleinen Wesen das Holz bearbeitet? Warum ließen sie es im Meer schwimmen und sammelten es dann wieder ein?
Je länger Marn die Wesen beobachtete,desto mehr Fragen hielten in seinem Verstand Einzug, und es gab keine einzige Antwort. Doch es war ihm klar, dass sie keine Tiere waren.Sie verfügten zweifellos über eine gewisse Intelligenz und besaßen eine Sprache. Sie trugen bunte Fetzen am Leib, die Marn als Kleidungidentifizierte. In besonders harten Wintern trugen die Darhi auch Kleidung. Aber jetzt war Sommer.
Die kleinen Wesen wirkten trotz der Tatsache, dass sie intelligent waren, völlig harmlos auf Marn. Sie hatten nichts, womit sie sich verteidigen konnten. Nicht einmal Speere. Sollte er sich ihnen nähern, musste er aufpassen, ihnen nicht weh zu tun.
Doch zuerst musste er unbedingt dem Clan davon berichten. Die anderen Darhi würden diese Wesen mit Sicherheit genau so interessant finden, wie er."
Ich denke so etwas in der Art geht und macht neugierig auf die fremden Wesen. Doch ich denke im weiteren Verlauf, muss wenigstens einmal der Begriff Mensch oder so fallen, damit man weiß was das sind. Wir wissen was sie sind, doch beim Leser könnten Fragen aufkommen, was sie sind.
Zum Beispiel, bei einem Zusammentreffen der beiden Arten, oder ein Alter könnte von ihnen gehört haben.
Dein Prota ist eine andere Art, der Punkt wäre dann auch beim Leser geklärt.
Erstmal als kurzer Gedankengang dazu. Vielleicht fällt mir noch etwas ein.
:wache!: Ihr denkt bitte daran, dass das Einstellen von längeren Textstellen hier nicht erwünscht ist, ja? Keine direkte Textkritik, bitte!