Hallo an alle!
Das wollte ich euch schon lange mal fragen, ich habe es nur andauernd wieder vergessen ( :pfanne: ). Aber jetzt ist es mir zum Glück wieder eingefallen.
Wie beschreibt ihr Stimmen? Was für Worte nehmt ihr dafür?
Beschreibt ihr sie überhaupt?
Haltet ihr sie für wichtig?
Ich finde Stimmen und die verschiedenen Betonungen beim Sprechen sehr wichtig und möchte sie auch in einem Buch nicht missen.
Stimmen können im echten Leben so viel ausdrücken, bzw. verbindet man so viel mit ihnen, wie man es mit Worten erst lange beschreiben muss, aber mir gehen recht schnell die Worte aus, um eine Stimme zu beschreiben.
Mir fällt nicht so viel ein, obwohl Stimmen so unterschiedlich sein können:
sonor
hell/dunkel
schrill
weich/hart
(glocken-)klar
nasal
Wer weiß, vielleicht geht es euch ja anders. ;)
Liebe Grüße,
Schreiberling
Hallo!
Bei mir bekommen Stimmen oft ein Adjektiv, das die Stimmung der Figur näher bezeichnet. So kommen traurige, schwache, knurrende, drohende, sanfte, wackelnde, überschlagende, etc. Stimmen vor. Ich beschreibe also Stimmen eher mit dem Ziel die Gefühle einer Figur darzustellen, also weniger den Stimmcharakter.
Beschreibungen von Stimmfächern in der Klassik finde ich interessant. Da gibt es neben Sopran, Mezzosopran, Alt, Tenor, Bariton und Bass als nähere Bezeichnungen auch lyrisch (eher weich, lieblich) und dramatisch (eher hart, metallisch). Typisch für hohe Stimmen sind ein helles, klares Timbre. Mittlere Stimmen sind eher weich und rauchig. Tiefe Stimmen dunkel und erdig.
Für Stimmstörungen gibt es an Beschreibungen z.B. heiser, belegt, kratzig, knarrend, nasal, gequetscht, quakig, diplophon
Hallo!
Das ist wirklich ein interessantes Thema. Mir fällt da erst auf, wie wenig ich Stimmen beschreibe :hmmm: und an den beschreibenden Adjektiven wäre eigentlich schon alles genannt, was mir dazu einfallen würde.
Ansonsten könnte man Stimmen mit Vergleichen beschreiben, z.B. "Seine Stimme durchschnitt die Luft wie die Klinge eines Schwertes".
Wenn man eine Stimme näher beschreibt, macht das meiner Meinung nach auch den Sprecher viel lebendiger. Auf jeden Fall würde ich das machen, wenn die Stimme in irgendeiner Form auffallend ist. Ansonsten wirkt das bestimmt gut, bei "normalen" Stimmen würde mir aber viel weniger einfallen :d'oh:
Valis verschiedene Varianten haben mich echt beeindruckt haben. Das alles habe ich schon einmal irgendwann gehört, aber es wäre mir auf Anhieb nie eingefallen. ;D
LG
Anamalya
Ich beschreibe die Stimme an sich nur, wenn sie besonders auffällt. Z.B. eine sehr tiefe Stimme.
Ich mache es auch eher wie Vali und betone die Stimmung des Charakters mit der Stimme.
Allerdings finde ich auch, dass man einer Figur durch die Stimme Charakter verleihen kann, je nachdem, wie oft man die Figur was mit der Stimme machen lässt.
Meine Werwolf-Diebin "knurrt" z.B. öfters mal, wenn sie wütend ist, während meine Schattenengel-Dame eher "faucht" und "zischt". Das macht sie so schön grummelig, bzw. hysterisch/bissig.
Ich beschreibe Stimmen sehr gern. Der Klang einer Stimme verrät für mich sehr viel von der Persönlichkeit eines Charakters, eine Stimme kann angenehm oder unangenehm sein, allein schon durch ihren Klang, und das wirkt sich auch auf die Person aus. Ich stelle bei mir immer wieder fest, dass ich sehr auf den Klang von Stimmen achte, genauso wie auf den Tonfall.
Den vielen tollen Beschreibungen hier ist kaum noch etwas hinzu zu fügen....
Ich beschreibe sehr gerne Stimmen, sie sind für mich Teil der Persönlichkeit. Für mich ist auch die Art des Sprechens wichtig. Mein schweigsamer Assasine spricht sehr leise, wenn er denn mal was sagt. Er spricht auch immer sehr ruhig. Andere Personen können eine unangenehme Stimme haben, mit der sie abgehackt sprechen. Oder eine andere Person spricht oft bissig oder giftig, wenn sie schlecht gelaunt ist.
Ich höre mir bewußt die Stimmen von Schauspielern oder Sängern an (die haben halt oft außergewöhnliche Stimmen) und baue sie in meine Charaktere ein. Beim Festlegen eines Charas ist seine Stimme immer ein wichtiger Punkt.
Wie wichtig Stimme ist, sieht man immer, wenn sie mit der deutschen Synchro einen Film verhunzen... Das beste Beispiel durfte ich gerade live erleben, ein Interview mit dem Synchro-Sprecher von "Edward Cullen" (der laut Buch eine samtene Engelsstimme hat, die Bella sogar noch erkennen würde, wenn sie tot ist). Da ist in der deutschen Version rein gar nichts von übrig geblieben - eine nichtssagende Durchschnittsstimme ohne Wiedererkennungswert. Zu der Stimme würden mir jedenfalls keine Adjektive einfallen (habe sie eh schon wieder vergessen)
An dieser Stelle muss ich zugeben, dass ich unglaublich auf die Synchro-Stimme von Bruce Willis abfahre, während ich seine eigene Stimme wohl kaum erkennen würde. In einem Film hatten sie dann plötzlich eine ganz andere Synchro-Stimme. Was habe ich gelitten!
Übrigens ist in dem Zusammenhang das Finden von realen Stimmen ganz interessant, ähnlich wie beim Googeln eines Gesichts. Hab ich mal gemacht, als ich meine Geschichte zu einem Hörspiel verwursten wollte. Unter den Bewerbern waren sogar zwei Stimmen dabei, die sich so ähnlich und doch so verschieden waren, dass ich sie bequem zu Mutter und Tochter machen konnte.
Da habe ich dann allerdings gemerkt, wie hart es ist, die richtigen Regieanweisungen ins Skript zu schreiben, damit die Betonung auch stimmt. Da bin ich froh, dass ich hauptsächlich Romane schreibe, von dem sich die eigene Vorstellung nach herzenslust beflügeln lassen kann.
Für mich ist die Stimme aber nicht unbedingt der wichtigste Punkt, was die Charakterisierung der Figuren angeht. Ich arbeite mehr über die Augen. Mir ist aber mal aufgefallen, dass ich bei einer bestimmten Augenfarbe immer auch eine bestimmte Tonlage im Kopf habe. Figuren mit z.B. blauen Augen haben in meiner Vorstellung immer auch eine relativ helle Stimme.
Da würde ich ganz klar unterscheiden, ob es sich um die Stimme an sich geht oder das Gesagte.
Die Stimme würde ich mit Metaphern beschreiben, irgendwie so: Wenn sie redete kamen die Worte klar und unablässig aus ihrem Mund wie ein sprudelnder Gebirgsbach. Also irgendetwas, woran ich die charakterliche Art der Stimme festmachen kann.
Wenn es "nur" um das Gesagte geht, dann würde ich auch zu Adjektiven greifen: ...", sagte er drohend, anklagend, leise, voller Freude, etc..
Damit kann man auch wunderbar experimentieren, auch wenn der überschwängliche Einsatz weder von Metaphern noch von Adjektiven einem Text gut tut. Die richtige Dosis ist wichtig und der Inhalt eines Satzes sollte seine Art und Weise der Betonung von alleine so gut wie möglich deutlich machen.
"Still jetzt!" reicht völlig.
"Still jetzt!", befahl sie eindringlich muss nicht sein.
Also ich selbst nutze auch viele Adjektive zur Beschreibungen von Stimmen, bin aber mit der Nutzung von Bildern immer sehr zurückhaltend, da die Bilder, die ich nutze, immer sehr komisch klingen.
Ansonsten habe ich als besonderes Merkmal bei mir nur einen Mann mit einer Fistelstimme ~ denke seine Anwesenheit kann man durch dieses Wort alleine bei jedem Abschnitt erkennen, auch wenn sein Name gar nicht genannt wird.
Huhu!
Also ich bin jemand, der gerne alles zu sehr ins Detail bringt, was ich allerdings nicht so gut finde, weil man sich auch selbst ein Bild von der Situation machen muss.
Ansich beschreibe ich die Stimmen auch mit Adjektiven, wie kleinlaut, ängstlich, atemlos (obwohl ich das nicht oft verwende), aufgeregt, freudig, etc.. Sowas finde ich schon sehr wichtig, da die Stimmen der Charaktere ja auch die Emotionen und Gedanken wiedergeben.
Aber ich muss zugeben, dass mein Wortschatz, was nun solche Adjektive betrifft, noch nicht ganz so groß ist, weshalb ich immer versuche, diesen Wortschatz Tag für Tag zu vergrößern.
Hi!
Ich benutze auch solche "Stimmeigenschaften", wie Schreiberling. Allerdings nur sehr selten. Ansonsten bin ich eher der Mensch, der die Situation für sich sprechen lässt und sich mit Adjektiven zurück hält. Manchmal knurren meine Charaktere auch unverständliche Worte, oder lachen schrill. Aber solche "Bilder", wie die Worte sprudelten aus ihr heraus, wie aus einem Gebirgssee, versuche ich zu vermeiden, außer meine Prota hat wieder eine ihrer zynischen Momente. Da setze ich es nur als Stilmittel ein, um ihre Haltung zu demonstrieren. Aber dann steht auch meist nicht das Gesagte im Vordergrund. Ich denke, dass Autoren mit solchen Dingen unterschiedlich umgehen. Ich habe schon Bücher gelesen, in denen ein Mensch mit glockenklarer Stimme etwas vor sich hin sang. Allerdings bin ich davon kein Fan. Weniger ist mehr ;D
Ich seh das wie Stefan und ich muss sagen, dass ich mir manchmal unter vielen Adjektiven nichts vorstellen kann. Nasal funktioniert noch gerade so als "völlig verschnupft", aber senor? Tut mir Leid, da setzt meine Bildung aus. *blush*
Persönlich beschreibe ich Tonlagen eher weniger. Wenn ein Charakter gerade eine halbe Stunde Ausdauerlauf hinter sich hat und sportlich eine Niete ist, dann keucht er natürlich, ob seiner Erschöpfung. IdR. arbeite ich aber lieber mit Körperhaltungen/Ausdruck und beschränke mich nur auf wenige Adjektive für die Stimme/Tonlage.
Hallöchen,
ich hätte eine Frage an euch. Und zwar: Wie würdet ihr diese Stimme beschreiben?
http://www.youtube.com/watch?v=xJuxqFQRR5g
Ich scheiter daran total -.- geheimnisvoll? gefühlvoll? etwas rauchig? leidend? Das ist nämlich die Stimme meines Schurken! ;)
Oh ich finde, vom Gesang auf die normale Stimme zu schließen ziemlich schwer. Aber willst du nicht, oder? Dein Schurke soll schon so klingen wie der Gesang hier? O.o
Auf mich wirkt die Stimme jedenfalls weich und jung - und den Rest kann ich auch nicht in Worte fassen. Sie hat jdf. etwas leicht knätschiges*, aber das kann auch einfach an der Sprache liegen.
* knätschig -> Schnatterinchen ist voll die Knätsch-Tante: njang njang njang :rofl:
(Vll. find ich noch ein Tonbeispiel auf youtube.)
Also "leidend" trifft es schon ganz gut finde ich. Ich leide ja auch wenn ich mir das anhören muss. (Scherz)
Und eine "junge", "melancholische" Stimme ist das.
Ha! Melancholisch ist das richtige Wort! Damit kann ich endlich mehr anfangen ;) Danke
Zitklasa : Leider weiß ich nicht wie dieser klingt, wenn er ganz normal spricht. Sollte ich vielleicht mal ein Interview suchen. Aber es sollte wirklich so sein wie in dem Lied, er soll meine Prota verführen ;)
Etwas nuschelnd, leicht nasal, melancholisch-leidend...
Nuschelnd und nasal klingen so unsexy :P Ich möchte, dass seine Stimme eben das Besondere ist. Seine Kampfkunst ist die Musik und er kann auch gut singen, obwohl er das eigentlich nie tut. Aber ich muss ja nicht erwähnen, dass sie auch nasal und nuschelnd ist. Ich denke ich beschreibe sie als "melancholisch-leidend" und vielleicht etwas melodisch, den Rest überlasse ich der Fantasie des Lesers ;)
dieses knätschige kommt ja durch seine Aussprache zustande - bei meinen Chars würde ich da von langgezogener Aussprache schreiben, oder davon, dass er einzelne Silben deutlich in die Länge zieht.
Übrigens: zu Beginn hat seine Stimme sogar ein dunkles Timbre dabei.
Dunkles Timbre hört sich richtig gut an, aber bevor ich mit solchen Fachausdrücken um mich werfe, muss ich mich erst einmal besser informieren ;) Danke
Spannendes Thema, auch weil es bei mir zu einem Aha-Erlebnis führte. Im wahren Leben schreibe ich Stimmen eine große Bedeutung zu, aber in meinen Geschichten bleiben sie blass. Wahrscheinlich, weil hier das Adjektiv-Dilemma so deutlich wird. :) Was meint "volltönend", "schrill", "dunkel" etc.? Oder muss ich mir mit Vergleichen behelfen, um die Stimmen deutlicher werden zu lassen???
@ Dealein, wenn die Kampfkunst Deines Protagonisten die Musik ist, bekommt die Stimme eine wesentlich höhere Bedeutung und da fände ich Vergleiche schöner und sprechender als Adjektive ... und unter Timbre kann ich mir null vorstellen ;)
Chris
Ich denke auch, dass Vergleiche schöner sind. Leider fallen mir keine richtigen ein -.- Liegt aber vielleicht daran, dass ich zur Zeit zeichne für einen Wettbewerb und mim Umziehen beschäftigt bin.
Wenn meine Gedanken sich wieder beruhigt haben werde ich mal nach Vergleichen suchen ^^ ich glaube die wenigsten Leser könnten sich was unter Timbre vorstellen . . .
Mein Lieblingsstimmen-Vergleich ist aus "My Fair Lady" über die Schwiegermutter in spe: "wenn die flüüüstert, bricht schon Glas" - da kann man sich doch sofort was bei vorstellen :winke:
Chris
Wenn man auf die Stimme einer Person eingeht finde ich ist es auch immer interessant darauf zu achten, ob er immer so spricht oder nicht. Ob er sich verstellt oder nur wegen seinem Zustand so redet.
Also ich glaube ich beschreibe Stimmen nur bei Personen, bei denen es auch wichtig ist, sie zu beschreiben. Oder so nebenbei ("...", sagte sie mit ihrem hellen Stimmchen) oder so...
Wie schon mehrere gesagt haben finde ich Vergleiche auch gut. Da kann man als Leser sich das am besten Vorstellen.
Wenn du irgendetwas besonderes an der Stimme darstellen möchte kann man das auch an dem gesagten machen...
Mir gefällt das zwar nicht, wenn man französichen Akzent oder so schreibt, aber verschiedene kleinigkeiten, wie, dass zum Beispiel jemand immer mit einem Räuspern oder einem kurzen Nachdenk-Laut beginnt "Hm, ich weiß nicht!", "Hm, kann sein..." oder ähnlich
mir fällt dabei auf, dass ich fast nie auf die Stimmen eingehe. Außer da ist irgendwas, was wirklich außergewöhnliches. Obwohl, die Beschreibung von Stimmen viel dazu beitragen kann, wie gut der Leser sich den Charakter vorstellen kann, denke ich.
Allerdings glaube ich, dass man sich als leser auch selber eine Vorstellung über die Stimme macht, die zu der sonstigen Beschreibung des Charas passt
Also, aus Neugier: Hört ihr beim Lesen tatsächlich verschiedene Stimmen? Ich hör nur meine innere Stimme (kann nicht anders lesen). *rot wird* Bilder entstehen, Gefühle kommen ... Aber Gerüche und Stimmen fehlen beim Lesen. Beim Schreibe habe ich noch Gerüche und Umgebungsgeräusche, aber keine Stimmen. *Kopf schief legt* Soweit ich mich zumindest entsinne, habe da noch gar nicht so drauf geachtet.
also bei manchen Charas habe ich klare vorstellungen von der Stimme und dann "höre" ich die auch beim schreiben oder lesen, bei vielen, bei denen ich keine Vorstellung habe, höre ich auch nur meine innere Stimme
Hmm doch, jetzt wo du's sagst: ich höre tatsächlich die Stimmen unterschiedlich *nochmal kurz etwas les und nachprüf* :buch:
Ist mir vorher noch nie aufgefallen, witzig ;D Auch wenn Musik in Büchern vorkommt, bin ich etwas zwanghaft, ich kann erst weiterlesen, wenn ich mir darunter ein richtiges Stück und den Klang der Melodie vorstellen kann, um mir auch der Atmosphäre gewahr zu werden.
Trotzdem: Dieses Vorstellen der Stimmen kommt bei mir zumindest nie von Beschreibungen (Stimmen werden eher selten beschrieben und wenn ja, nur kurz). Ich puzzle mir das dann eher aus dem Aussehen und dem Charakter des Protas zusammen.
Zitat von: Zitkalasa am 16. September 2010, 20:15:04
Also, aus Neugier: Hört ihr beim Lesen tatsächlich verschiedene Stimmen? ... Aber Gerüche und Stimmen fehlen beim Lesen.
Wenn ich lese, höre ich meine eigene innere Stimme in verschiedenen Tonlagen. Außer es gibt bereits irgendeine Verfilmung oder so des Buchs und ich hab die gesehen. Dann höre ich die Stimme der Schauspieler/Synchronsprecher.
Gerüche fehlen mir allerdings auch.
Hallo,
ich hatte einmal eine Zeit, da habe ich mir zu den Protas in Büchern immer bewusst passende Stimmen gesucht, meist Stimmen von Synchronisten. Das war ein ganz interessantes, aber auch irgendwie anstrengendes Lesevergnügen.
Was das Beschreiben angeht, da ist mir einmal eine ganz merkwürdige Situation passiert. Ich habe mitten in der Geschichte eine Situation geschildert, da hieß es ungefähr: Nach einer Weile hörte er Tyrions tiefe Stimme. In der Situation sollte das etwas Väterliches und Beruhigendes herüberbringen, zumal Tyrion den Chara gerettet hatte und ein Retter für mich gut eine tiefe Stimme haben kann. Auf jeden Fall fiel mir da auf, dass ich seine Stimme zuvor noch gar nicht charakterisiert hatte und ich dachte, es wirkt doch irgendwie seltsam, der Leser hat sich vielleicht 200 Seiten lang eine mittlere Stimme vorgestellt und dann heißt es plötzlich tiefe Stimme.
Ähnlich ging es mir dann bei dem geretteten Chara, dessen Stimme wurde erst charakterisiert, als seine spätere Freundin sie zum ersten Mal hört.
Das kommt vielleicht komisch, passt aber anders einfach nicht und eine andere Lösung habe ich zur Zeit nicht.
Ansonsten kann man mit Stimmen m. E. auch gut Emotionen herüberbringen, z. B. Seine Stimme klang rauer als sonst oder ihre Stimme klang höher als sonst.
Außerdem benutze ich das auch gerne, wenn es für den Chara charakteristisch ist, z. B. hat meine Sirene der Nacht beim Sprechen eine sehr raue, schneidende Stimme (sie schnitt durch die Luft wie ein Peitschenschlag ;) ), beim Singen verliert die Stimme jedoch jegliche Schärfe und klingt kalt und klar wie Quellwasser. Das ist ein Merkmal von ihr, über welches z. B. Tyrion sich immer wieder aufs Neue wundert und das bringe ich dann auch entsprechend ein paarmal unter, natürlich nicht ständig, aber zwischendrin halt. Ich finde, so etwas gibt den Charas auch viel Lebendigkeit, diese kleinen, vielleicht unwichtigen Details. Solange man es nicht übertreibt, versteht sich :D
Ich finde es aber sehr wichtig, zumindest von den Hauptcharakteren die Stimme an irgendeiner Stelle zu charakterisieren. Ich muss da immer an Harry Potter und das Hörbuch gelesen von Rufus Beck denken. Der Gute kann ja wirklich gut lesen, aber manche Stimmen haben für mich einfach überhaupt nicht gepasst, z. B. Lupin fand ich grauslig!
LG Sanjani
Ganz schön alter, aber nicht schlechter Thread!
@Zitkalasa: Ich für meinen Teil höre verschiedene Stimmen, aber nicht bei jedem meiner Charaktere. Meistens sind es die Protas, wo ich eine im Kopf habe, manchmal aber auch Nebencharaktere, so sie eine bestimmte, unverkennbare haben. Einer meiner Charaktere aus meinem Hauptprojekt zum Beispiel hat einen starken Akzent mit langgezogenen Vokalen und gerolltem R. Ihre Stimme höre ich jedes Mal, wenn ich sie schreibe.
Umschreiben tue ich meine Stimmen eher selten. Ein- oder zweimal lasse ich mal ein Adjektiv oder auch einen ganzen Satz dazu fallen, ansonsten beschränke ich mich darauf, Veränderungen anzumerken - vor allem emotionale, aber auch solche wie z.B. Heiserkeit.
Wenn ich ein Buch lese, habe ich nur meine Stimme im Kopf. Keine Ahnung, ich höre einfach nichts außer mir. Liegt wohl daran, dass es halt nicht meine Charaktere sind, sondern die eines anderen.
Zitat von: Naudiz am 29. Juni 2011, 21:42:33
Wenn ich ein Buch lese, habe ich nur meine Stimme im Kopf. Keine Ahnung, ich höre einfach nichts außer mir. Liegt wohl daran, dass es halt nicht meine Charaktere sind, sondern die eines anderen.
Das ist ein interessanter Punkt, denn so geht es mir meistens auch.
Ich frage mich gerade, ob es daran liegt, dass ich als Schreiber die Stimme so deutlich höre (von Anfang an, denn ich weiß ja wie sie klingt), dass ich sie vielleicht oft zu wenig beschreibe und ein Leser sie deshalb nicht hören kann?
Es gibt bei mir nämlich einige, wenige Bücher, bei denen ich als Leser die Stimme bestimmter Charaktere gehört habe. Ich muss da mal darauf achten, woran das liegt. Leider komme ich beim besten Willen nicht mehr darauf, welches Buch das als Letztes war.
Ich denke mit Stimmen ist es wie mit allen sinnlichen Eindrücken. Ihre Beschreibung gibt dem Buch eine sinnlichere Atmosphäre. Ich kann mich erinnern, dass in Asylon z.B. die Stimme einer Krankenschwester klirrt wie zerspringendes Glas. Das erschien mir passend, da sie eine penetrante, unangenehme und latent sadistische Persönlichkeit sein soll. Man sollte den Leser allerdings auch nicht mit Adjektiven und Metaphern überschwemmen.
Gestern beim Re-Read von "Das erste Horn" (Richard Schwartz) ist mir aufgefallen, dass ich zumindestens Zokoras Stimme höre. Und Varoschs manchmal auch.
Das kann aber auch daran liegen, dass die beiden meine Lieblingscharaktere aus Das Geheimnis von Askir sind.
Artemis setzt in ihrem Roman Noir & Luzifer gern News vor die Kapitelanfänge (habe gestern mit Beta-Lesen angefangen) -- da ich momentan Otherland 2 als Hörbuch höre, musste ich feststellen, dass ich diese News lese wie sie Andreas Fröhlich (Stimme von John Cusack) spricht, ich sehe sogar John Cusack vor mir. Und ich höre sogar ähnliche Hintergrundgeräusche wie im Hörbuch: Schreibmaschinenklimpern statt Tastaturkrachen und Computerfiepen ... Und Artemis' Haussatyr klingt für mich wie Kreacher (HP).
Ist vll. einfach eine Sache der Erfahrung, dass mein Gehirn da Parallelen zieht zwischen N&L und Otherland-Hörbuch. Wenn ich Charakteren begegne, die wie Schauspieler aussehen, dann höre ich auch die Schauspielerstimme. Genauso höre ich mittlerweile die Hörbuch-Stimme von Holmes, wenn ich die Geschichten lese. Bei HP war es damals schlimm als die Filme meine eigenen -- bis dahin visuellen -- Vorstellungen der Figuren überschrieben, auf der anderen Seite haben sie mir die Stimmen an die Hand gegeben.
Aber dennoch bleibt es: Wenn ich zw. Buch und anderem Medium keine Parallelen ziehen kann, bleiben die Charaktere stimmenlos, da hör ich mich nur selbst.
Interessantes Thema :)
Ich höre beim Lesen meistens auch nur meine Stimme. Ganz selten passiert es, dass ein Chara seine eingne bekommt.
Beim Schreiben habe ich eigenltich schon für viele Charaktere, hauptsächlich die Protas, eine Stimme im Kopf. Ich beschreibe sie aber eigentlich recht selten. Außer wenn etwas ganz markant ist, wie z.B. ein Dialekt oder ein Sprachfehler (Lispeln etc.). Oder wenn eben die Stimmungslage einer Person dadurch zum Ausdruck gebracht wird.
Finde es immer wieder toll wenn Autoren Gesant oder die Stimme einer Sängerin beschreiben. Das wird meiner persönlichen Meinung nach oft übertrieben, bzw. kann ich es mir dann einfach nicht vorstellen oder denke mir: Den möchte ich in Echt auch einmal hören. Ist es euch auch schon mal so gegangen?
LG
Jade
@Jade: Schon oft.
Zuletzt war das bei "A Storm of Swords" von George R.R. Martin, als dieses komische Gebet von der Mutter ausgewälzt wurde - einmal von der Masse, einmal von Sansa. Ich konnte einfach nicht anders - ich habe dem Text eine Melodie verpasst und ihn vor mir hergesungen.
Das ist wohl der Fluch, wenn man Musiker ist. Aber noch schlimmer wäre gewesen, ich hätte es auf dem Keyboard nachgespielt! ::)
@ Naudiz: Kennst du vielleicht die Tribute von Panem? Da singt die Hauptperson ein Lied für ihre verstorbene Freundin. Das Lied gibt es mittlerweile auf Youtube umgesetzt in zig Versionen, auf Deutsch und Englisch.
Ich kann leider singen noch ein Instrument spielen. :(
Ich finde es toll, wenn Autoren es schaffen dass Leser einen Teil ihrer Personen/Werke Wirklichkeit werden lassen. Hoffe, dass man das versteht?! Wie zum Beispiel ein Lied umzusetzen.
LG
Jade
Nein, die Tribute von Panem habe ich bisher noch nicht gelesen.
Nach Umsetzungen der ASoIaF-Liedtexte habe ich noch nie gesucht. Meine eigene Version reicht vollkommen aus ;)
Singen kann ich auch nicht sonderlich gut, und auch meine Keyboard-Fähigkeiten sind... nun ja, sagen wir, ausbaufähig.
Ich habe mal eine nette Beschreibung der Sprache eines sehr traditions- & pflichtbewussten Herzogs gefunden: man sagt, er spräche in Fetter Fraktur.
(natürlich geschrieben in fetter Fraktur)
:rofl:
Mir sind Stimmen unglaublich wichtig, sowohl in der Fiktion, als auch der Realität. Stimmen können eine Person sexy, unsympathisch oder interessant machen, selbst wenn das Aussehen etwas anderes dazu sagt. Ich wünschte mir, mehr Autoren würden die Stimmen ihrer Protas thematisieren, wie sie auch die Haarfarben beschreiben.
Dabei muss ich, genau wie bei allen anderen Details meine Chars betreffend, beim Schreiben aufpassen, nicht zu viel zu beschreiben, um das Bild, das ich von ihnen habe, niemandem aufzuzwingen. Dennoch werfe ich hin und wieder ein paar Hinweise ein, auch Eigenheiten wie Schmatzen bei bestimmten Konsonanten oder Fehler in Aussprache, schnellem Reden etc.
Wobei, wenn ich mir recht überlege, habe ich beim ersten Drüberlesen das meiste wieder rausgekürzt, weil ich das Gefühl habe, dass ohnehin jeder seine eigene Stimme beim Lesen hört :/ Vielleicht sollte ich also sagen: Ich würde sehr gerne Stimmen beschreiben, tue es aber nicht, weil ich mich dem allgemeinen Tenor beuge.
Dabei fände ich nichts schrecklicher, als wenn man sich meine Protas mit falschen Stimmen vorstellen würde. Zrasi mit langsamer Sprechweise und recht hoher Stimme oder Adsini mit verführerisch tiefer wären ja grausam *g*
Aaw, Guddy, da hast du etwas ausgegraben. ;D Danke für's Hervorholen.
Im realen Leben sind mir Stimmen auch enorm wichtig, sie tragen wesentlich zu meiner Sympathie oder Antipathie für die andere Person bei. Ich reagiere sehr stark auf Stimmen und liebe sie - wenn ich sie mag, natürlich, sonst gehen sie mir schon mal auf den Geist.
Nur: Es fällt mir unheimlich schwer, Stimmen zu beschreiben. Ich habe zwar die Stimmen meiner Figuren immer ganz genau im Kopf und weiss genau, wie diese klingen. Aber meistens fehlen mir entweder die Worte für eine passende Beschreibung oder ich vergesse sie im Eifer des Gefechts sozusagen unterzubringen. ::) Ich arbeite daran, das zu verbessern.
Was ich jedoch viel mache, sind Beschreibungen des Tonfalls und der Sprechweise. Das macht für mich einen sehr wesentlichen Teil der Dialoge aus und ich kann mich endlos über Bücher aufregen, bei denen das fehlt. Dabei meine ich nicht nur, ob jemand schreit oder flüstert, sondern auch ob jemandes Stimme während dem Schrei zittert oder donnert, ob es ein bedrohliches oder liebevolles Flüstern ist. Das trägt meiner Ansicht nach wesentlich zur Atmosphäre bei. Deshalb mag ich auch diese Dialoge, in denen nur direkte Rede an direkte Rede gereiht wird, nicht besonders (ich glaube, man nennt das Blanko-Dialog?). Wenn jemand weint, klingt er anders, als wenn er wütend ist. Nicht jede Art von z.B. Ruhe wirkt sich gleich auf die Stimme aus, weshalb man über die Stimme definieren kann, ob es eine bedrohliche, eine liebevolle oder eine verschüchterte Ruhe ist. Das finde ich schon wichtig.
Zitat von: Guddy am 23. April 2014, 12:59:08
Wobei, wenn ich mir recht überlege, habe ich beim ersten Drüberlesen das meiste wieder rausgekürzt, weil ich das Gefühl habe, dass ohnehin jeder seine eigene Stimme beim Lesen hört :/ Vielleicht sollte ich also sagen: Ich würde sehr gerne Stimmen beschreiben, tue es aber nicht, weil ich mich dem allgemeinen Tenor beuge.
Bitte, bitte, wenn du kannst, beschreib das auch. Es gibt durchaus Leute (wie ich), die die Stimmen in ihrem Kopf hören während dem Lesen. Es ist die Minderheit, aber es kommt vor. Wenn nun also da wie bei Patrick Rothfuss "Name Of The Wind" von einer "reichen Bariton-Stimme" die Rede ist, höre ich das nachher immer, wenn diese Person spricht. Was in diesem Beispiel mehr oder weniger das ganze Buch hindurch der Fall ist. Und das ist jetzt zufälligerweise genau die Sorte Stimme, die ich mag. ;D Natürlich hast du dann jedes Mal ein wenig Pech, wenn dein Protagonist eine Stimme hat, die der Leser nicht mag, aber dasselbe Pech kannst du mit Aussehens- und Charakterbeschreibungen haben. ;)
Zitat von: HauntingWitch am 23. April 2014, 13:45:15Natürlich hast du dann jedes Mal ein wenig Pech, wenn dein Protagonist eine Stimme hat, die der Leser nicht mag, aber dasselbe Pech kannst du mit Aussehens- und Charakterbeschreibungen haben. ;)
Ja, das stimmt :)
Das wäre mir allerdings auch egal. Lieber, der Leser hat eine Abneigung gegenüber meinem Charakter aufgrund der Art, wie er
ist... als dass er ihn aufgrund einer falschen Annahme mag.
Reine Dialoge mag ich aus genau diesem Grund auch nicht gerne ;D Genau wie du liebe ich es, wenn der Autor beschreibt,
wie etwas gesagt wird
So, ich zerre den Thread hier noch mal nach oben. Angeregt dadurch beschäftige ich mich nun mit dem Thema und habe beschlossen, in meinen neuen Projekten zu versuchen, Stimmen mehr zu beschreiben.
Da mir das wie schon gesagt reichlich schwer fällt, habe ich mir mal eine Übung zurechtgelegt: Ich nehme mir eine Stimme einer realen Sängerin/eines Sängers, die ich für sehr schwer beschreibbar halte. Dann notiere ich mir erstmal alle möglichen Adjektive, die mir zu der Stimme in den Sinn kommen. Danach versuche ich aufgrund dieser Adjektive einen passenden Satz zu formulieren, der den Klang für mein Empfinden möglichst treffend beschreibt. Ich habe jetzt erst zwei, aber scheint zu funktionieren. ;D Das einfach mal so aus dem Nähkästchen geplaudert, vielleicht hat ja wer noch andere Methoden?
Worüber ich mir ausserdem Gedanken mache, ist die Wahrnehmung des Lesers bzw. "Hörers der Stimme". Wenn ich nun die Stimme nicht mit solchen Fachchinesisch-Begriffen wie "sopran" oder "bariton" beschreiben kann, weil ich mich da a) zu wenig auskenne und b) das für manche Stimmen einfach keine passende oder ausreichende Erklärung ist, was mache ich dann? Dann muss ich auf andere Begriffe zurückgreifen, aber versteht der Leser das auch? Wenn ich von einer "glasigen" Stimme spreche, kann sich da jemand etwas drunter vorstellen ausser mir? Hinzu kommt, dass rau/hart/weich usw. ja von jedem anders wahrgenommen wird und sich daher unter den entsprechenden Begriffen jeder etwas anderes vorstellen wird. Aber damit muss man als Autor wohl leben. So, diese Gedanken musste ich jetzt mal loswerden. ;D
Hallo Witch,
Zitat von: HauntingWitch am 06. Juni 2014, 11:52:31
Ich nehme mir eine Stimme einer realen Sängerin/eines Sängers, die ich für sehr schwer beschreibbar halte.
Möchtest du über Sänger schreiben oder wieso kommst du gerade auf Sänger? Wenn es dir eher um das Gesprochene geht, würde ich dir empfehlen, dieselbe Übung mit Sprechstimmen durchzuführen, zumal Sprechstimmen häufig ganz anders klingen als Singstimmen, auch bei derselben Person.
Zitat
Wenn ich nun die Stimme nicht mit solchen Fachchinesisch-Begriffen wie "sopran" oder "bariton" beschreiben kann, weil ich mich da a) zu wenig auskenne und b) das für manche Stimmen einfach keine passende oder ausreichende Erklärung ist, was mache ich dann?
Diese Begriffe finde ich persönlich ohnehin überhaupt nicht passend. Die beschreiben mir viel zu ungenau den Klang der Stimme. Ich würde z. B. wenn ich Tarja Turunen oder Flor Jansen reden höre, auch gar nicht auf die Idee kommen, dass die Sopran singen können, weil die sprechenderweise für mein Empfinden eher tief klingen.
Zitat
Dann muss ich auf andere Begriffe zurückgreifen, aber versteht der Leser das auch? Wenn ich von einer "glasigen" Stimme spreche, kann sich da jemand etwas drunter vorstellen ausser mir? Hinzu kommt, dass rau/hart/weich usw. ja von jedem anders wahrgenommen wird und sich daher unter den entsprechenden Begriffen jeder etwas anderes vorstellen wird.
Unter glasig könnte ich mir rein gar nichts vorstellen. Ich denke da eher an einen glasigen Blick, aber zu Stimmen passt das m. E. nicht. Ich finde, da sollte man sich schon in Termini bewegen, mit denen Stimmen beschreibbar sind. Dass die unterschiedlich wahr genommen werden, stimmt natürlich schon, aber andererseits kann dir das ja bei der Beschreibung von Aussehen ebenso passieren. Davon abgesehen gibt es übrigens auch Studien, die sich mit dem Thema beschäftigen und nach Determinanten z. B. einer attraktiven Stimme gesucht haben. Die Ergebnisse weiß ich nicht mehr, könnte ich bei Gelegenheit mal nachsehen, wenn du willst. Auf jeden Fall wurden da 12 Parameter verwendet. Ich zähl mal ein paar auf: Schrill, tief vs. hoch, Stimmlage tief vs. hoch, nasal, monoton, rauh, piepsig, Stimmumfang gering vs. hoch ... der Rest fällt mir nicht mehr ein, müsste ich noch mal nachsehen.
Interessant bei einigen dieser Beschreibungen sind m. E. v. a. die Details: Jemand kann z. B. eine tiefe Stimme haben, aber in einer eher hohen Stimmlage sprechen - ich schreib z. B. gern mal, wenn jemand aufgeregt ist: Seine Stimme klang höher als sonst. Oder jemand kann einen hohen Stimmumfang haben. Ich kenne z. B. eine Person, die hat eine ganz melodiöse Sprechweise. Ich nenne das für mich immer sie spricht in einem Singsang, was ich an dieser Stelle gar nicht negativ meine. Oder jemand kann eine schrille Stimme haben, weil er vllt viel rumschreit und rumkommandiert, aber diese Stimme muss nicht piepsig sein (wie z. B. Verona Pot, wenn ich das sagen darf ;-) ). Jemand kann sehr monoton reden, was häufig ein Hinweis sein kann, dass es jemandem nicht gut geht, z. B. depressive Patienten haben das oft (aber nicht immer!).
Was ich auch gerne nutze, sind Vergleiche oder Metaphern, z. B. ihre Stimme klang wie Schmirgelpapier oder so etwas. Das impliziert für mich dann z. B. den Aspekt Rauheit, aber ist in einen Vergleich gekleidet. Oder Trotz seiner Größe besaß er eine erstaunlich jungenhafte Stimme oder auch er klang wie ein Milchbubi, wobei das natürlich schon viel Figurstimme impliziert. Das ist aber besonders interessant, wenn der Mann dazu groß und imposant wirkt und dann mit so einer weichen, femininen Stimme daherkommt.
Du siehst, ich befasse mich gerne und viel mit diesem Thema, hab darüber auch Diplomarbeit geschrieben (Stimme als Prädiktor interpersonaler Attraktion). Ich habe oft das Gefühl, dass mir Stimmen viel mehr auffallen als sehenden Menschen. Erst letztens war ich mit jemand unterwegs und hab gefragt, wie eine Person aussah, weil die so eine Milchbubi-Stimme hatte. Die andere Person hat mir das Aussehen beschrieben und gemeint, das wär ihr überhaupt nicht aufgefallen. Der einzige wirkliche Rat, den ich dir also geben kann, ist hinhören.
VG und vllt war ja was Hilfreiches für dich dabei.
Sanjani
Zitat von: HauntingWitch am 06. Juni 2014, 11:52:31
Hinzu kommt, dass rau/hart/weich usw. ja von jedem anders wahrgenommen wird und sich daher unter den entsprechenden Begriffen jeder etwas anderes vorstellen wird. Aber damit muss man als Autor wohl leben.
Ich finde, damit muss man als Autor nicht leben, sondern man darf sich daran freuen! :D Wenn ich "harte" Stimme schreibe, habe ich etwas Konkretes im Kopf. Aber was, wenn das, was ich im Kopf habe, für den Leser keine harte Stimme wäre, sondern vielleicht eine energische? Ich will aber, dass mein Leser eine harte Stimme bei dem Sprechenden hört. Prima! Da hat er ganz und gar seine eigene Version von "harter Stimme" im Kopf.
Zitat von: Sanjani am 06. Juni 2014, 12:18:58
Ich habe oft das Gefühl, dass mir Stimmen viel mehr auffallen als sehenden Menschen.
Das halte ich für sehr wahrscheinlich und normal. Optik erweckt gewisse Erwartungen. Und wenn die nicht erfüllt werden, passt man die entweder - wenn sie nicht zu sehr abweichen - an die Erwartung an oder wird total überrascht. Du hörst die Stimme ohne die Optik und konzentrierst dich einfach auf das, was sie vermittelt - wobei du dann an die Stimme die Erwartungen knöpfst (mach ich auch, wenn ich die Augen zumache und erst etwas höre und dann sehe). Siehe Milchbubi. ;D
Zitat von: Sanjani am 06. Juni 2014, 12:18:58
Möchtest du über Sänger schreiben oder wieso kommst du gerade auf Sänger? Wenn es dir eher um das Gesprochene geht, würde ich dir empfehlen, dieselbe Übung mit Sprechstimmen durchzuführen, zumal Sprechstimmen häufig ganz anders klingen als Singstimmen, auch bei derselben Person.
Stimmt, daran habe ich noch gar nicht gedacht, danke für den Hinweis. ;D Es hat schon Gründe, warum ich zunächst mit Sängern anfange. Zum einen ist mein neuer Prota Sänger und zum anderen kann ich die leichter erfassen als reine Sprecher. In dem Fall werde ich das aber auch noch tun.
Zitat von: Sanjani am 06. Juni 2014, 12:18:58
Diese Begriffe finde ich persönlich ohnehin überhaupt nicht passend. Die beschreiben mir viel zu ungenau den Klang der Stimme. Ich würde z. B. wenn ich Tarja Turunen oder Flor Jansen reden höre, auch gar nicht auf die Idee kommen, dass die Sopran singen können, weil die sprechenderweise für mein Empfinden eher tief klingen.
Das finde ich eben auch, deshalb schlage ich das hier so breit. Hinzu kommt der Himmelweite Unterschied zwischen den beiden.
Zitat von: Sanjani am 06. Juni 2014, 12:18:58
Davon abgesehen gibt es übrigens auch Studien, die sich mit dem Thema beschäftigen und nach Determinanten z. B. einer attraktiven Stimme gesucht haben. Die Ergebnisse weiß ich nicht mehr, könnte ich bei Gelegenheit mal nachsehen, wenn du willst.
Das würde mich tatsächlich interessieren. Ich beschäftige mich in letzter Zeit auch sehr stark damit, warum ich gewisse Stimmen gut finde und andere nicht bzw. was genau es ist, das mir gefällt oder eben nicht... aber das driftet jetzt, glaube ich, ein wenig ins OT ab.
Zitat von: Sanjani am 06. Juni 2014, 12:18:58Was ich auch gerne nutze, sind Vergleiche oder Metaphern, z. B. ihre Stimme klang wie Schmirgelpapier oder so etwas. Das impliziert für mich dann z. B. den Aspekt Rauheit, aber ist in einen Vergleich gekleidet.
Naja, das finde ich persönlich jetzt wieder etwas unglücklich. Papier und Stimme haben für mich nichts miteinander zu tun, plump gesagt. Das passt für mich nicht. ;) Aber das mit den Vergleichen finde ich auch schwierig, ich rede z.B. viel von katzenhaftem Gesang und ich meine damit eine bestimmte Art, wie die Leute teilweise nicht artikulierte Geräusche wie summen oder mhmhms oder bestimmte schrei-ähnliche Töne einbauen, ganz schwierig zu erklären. Es sind auch sehr verschiedene Sachen, es ist mehr die Art und Weise, wie es dargebracht wird, die für mich unter "katzenhaft" fällt. Das kann aber einen Schreier genauso treffen wie einen Schnulzensänger. Während das also nun für mich ein sehr eindeutiger Begriff ist, können andere überhaupt nichts damit anfangen.
Irgendwo verstehe ich deinen Gedanken, nur für Stimmen geeignete Worte zu nehmen. Aber das ist meiner Meinung nach ein zu kleines Spektrum, denn das ist ja nicht das einzige, was eine Stimme prägt. Es macht ja wie du auch sagst schon einen Unterschied, wie die Person gerade drauf ist, wenn sie spricht. Ich würde noch einen Schritt weitergehen, ich glaube sogar, dass das Wesen einer Person die Stimme mitbeeinflusst. Unsicheren Menschen z.B. hört man das oft an, bilde ich mir ein.
Auch deine restlichen Ausführungen finde ich sehr spannend, danke. :)
Mir fällt gerade auf, vielleicht kann ich Stimmen auch einfach so schlecht beschreiben, weil ich mir zu viele Gedanken darüber mache. :lol:
Zitat von: Pandorah am 06. Juni 2014, 15:30:22
Ich finde, damit muss man als Autor nicht leben, sondern man darf sich daran freuen! :D Wenn ich "harte" Stimme schreibe, habe ich etwas Konkretes im Kopf. Aber was, wenn das, was ich im Kopf habe, für den Leser keine harte Stimme wäre, sondern vielleicht eine energische? Ich will aber, dass mein Leser eine harte Stimme bei dem Sprechenden hört. Prima! Da hat er ganz und gar seine eigene Version von "harter Stimme" im Kopf.
Das hast du wunderbar treffend ausgedrückt. Deshalb bin ich überhaupt darauf gekommen, nachdem in einem Buch eine "seidig weiche Stimme" beschrieben wurde. Da hatte ich gleich eine bestimmte Art von Stimme im Kopf und nun stelle ich fest, dass es ebesnso seidig weiche Stimmen gibt, die aber eigentlich überhaupt nicht gleich klingen, wie das, was ich im Kopf hatte. Theoretisch könnte ich da jetzt auf zwei Versionen zurückgreifen.
Zitat von: Pandorah am 06. Juni 2014, 15:30:22Das halte ich für sehr wahrscheinlich und normal. Optik erweckt gewisse Erwartungen. Und wenn die nicht erfüllt werden, passt man die entweder - wenn sie nicht zu sehr abweichen - an die Erwartung an oder wird total überrascht. Du hörst die Stimme ohne die Optik und konzentrierst dich einfach auf das, was sie vermittelt - wobei du dann an die Stimme die Erwartungen knöpfst (mach ich auch, wenn ich die Augen zumache und erst etwas höre und dann sehe). Siehe Milchbubi. ;D
Das hat natürlich etwas. Manchmal habe ich es, dass ich jemanden höre und ein bestimmtes Bild vor dem inneren Auge habe - und dann sieht der Mensch völlig anders aus. Und bei anderen stimmt es genau überein. :D
Sorry für den Roman.
Hallo Witch,
Zitat von: HauntingWitch am 06. Juni 2014, 15:37:43
Das würde mich tatsächlich interessieren. Ich beschäftige mich in letzter Zeit auch sehr stark damit, warum ich gewisse Stimmen gut finde und andere nicht bzw. was genau es ist, das mir gefällt oder eben nicht... aber das driftet jetzt, glaube ich, ein wenig ins OT ab.
Aber nur ein wenig :) Finde ich jedenfalls. Es ist ja auch fürs Schreiben nicht uninteressant, wenn man weiß, was eher als attraktiv wahrgenommen wird. Hier mal die Ergebnisse:
Zitat
... wobei sechs Variablen im Zusammenhang mit attraktiven Stimmen standen. Attraktiv sind eine mittlere Stimmlage, eine besonders klare Aussprache, ein geringer bis durchschnittlich großer Tonumfang und ein voller Stimmklang. Außerdem sollte die Stimme möglichst nicht nasal und wenig bis durchschnittlich schrill sein (Zuckerman & Miyake 1993).
Du hast Recht, dass man auch Unsicherheiten in Stimmen hören kann. Häufig werden Stimmparameter auch mit Persönlichkeitseigenschaften gleich gesetzt und die Stimme wird darüber beschrieben. Hier z. B.:
Zitat
... Faktor attraktive Stimme, der für Frauen die Eigenschaften Zugänglichkeit, Wahrscheinlichkeit ein Date zu haben, Sinnlichkeit und Wärme beinhaltete (Hughes et al. 2008).
Einige der Parameter sind vllt missverständlich, aber da wurde gefragt, wie wahrscheinlich es ist, dass jemand mit dieser Stimme ein Date haben wird. Außerdem sind sinnliche, warme Stimmen attraktiv, die Zugänglichkeit vermitteln.
Oder hier, meine Lieblingsjapaner :)
Zitat
Oguchi & Kikuchi (1997) fanden, dass attraktive Männerstimmen besonders gut durch die folgenden englischen Adjektive beschrieben wurden: bright (etwa: heiter), sweet (etwa: sanft), tasty (etwa: geschmackvoll), generous (etwa: freundlich) und articulate (etwa: deutlich; bezog sich auf die Sprechweise). Für attraktive Frauenstimmen waren die Adjektive: bright, generous und affectionate (etwa: herzlich) ausschlaggebend.
Ich hatte damals die englischen Adjektive mit angegeben, weil die Studie ja schon aus dem Japanischen ins Englische übersetzt worden war. Dadurch ist natürlich nicht klar, ob die Bedeutungen immer noch dieselben sind, wie sie von den Japanern erdacht wurden. Aber es gibt immerhin einen groben Überblick. An der Vielfalt der Wörter, die zur Stimmbeschreibung herangezogen wurden, sieht man, finde ich, auch ganz gut, dass es da einfach keine Einigung und keinen wirklichen Konsens gibt. Das gibt uns Schriftstellern wiederum viel Freiheit :)
VG Sanjani
Hallo Sanjani
Das ist sehr aufschlussreich, vielen lieben Dank für deine Mühe! :)
Freut mich, dass meine Diplomarbeit auch 3 Jahre nach Abgabe noch zu etwas nütze ist :)