Liebe TiZis, der Frühling ist da und damit die Zeit neuer Mitglieder. Heute stößt jemand mit massig - und damit meine ich wirklich massig - Rollenspiel-Erfahrung zu uns, der auch schon im Selfpublishing veröffentlich hat. Herzlich Willkommen RobertK!
Wer bist du?
Vater, Ehemann, Lehrer, Rollenspieler, Autor. In dieser Reihenfolge und je nachdem, welcher Tag gerade dran ist.
Ich unterrichte seit über 30 Jahren an einem kaufmännischen Berufskolleg in NRW die Fächer Wirtschaft und Wirtschaftsinformatik. Gleichzeitig bin ich seit 35 Jahren Spielleiter und Rollenspieler.
Angefangen habe ich mit MERS und Rolemaster, bin dann tief in die World of Darkness abgetaucht, wo ich seit 25 Jahren nicht mehr rausgekommen bin. Vampire, Mage, Hunter, und teilweise auch einfach alles wild gemischt. Dazwischen habe ich alles Mögliche getestet, von Paranoia bis PP & P. Regeln sind mir dabei schon immer zweitrangig gewesen. Was zählt, ist Atmosphäre und die Story. Wenn meine Spieler vergessen, einen Schluck Cola zu trinken, weil sie mit dem Hintern auf der Sofakante sitzen, dann war es ein guter Abend.
Nebenbei bin ich auch noch seit mehr als 30 Jahren Familienvater und Ehemann. Eigentlich ein Fulltimejob, aber meine drei sind da sehr gnädig und gönnen mir meine Hobbys. Und ich liebe Katzen.
Was schreibst du?
Als Jugendlicher habe ich angefangen zu schreiben. Nie gut und nie wirklich viel, aber immer wieder. Dann kamen Studium, Referendariat, Ehefrau, Job und die Zeit fürs Schreiben war weg. Irgendwann kam ein Burnout. Ich habe ein dreiviertel Jahr die Decke angestarrt, weil mir beim Lesen, Fernsehen oder Zocken schwarz vor Augen wurde. Und dann war da kurz vorher eine Kampagne. Eine, in der ich meine Spieler durch die Hölle gejagt hatte. Die Story war gut und wollte unbedingt raus. Schreiben ging nicht, also habe ich diktiert. In mein Smartphone, weil das die einzige Möglichkeit war. Als ich wieder am Notebook sitzen konnte, habe ich es in yWriter zu Papier gebracht. Seitdem schreibe ich fast täglich. Das sind jetzt 14 Jahre. Urban Fantasy und Fantasy, alles mit leichtem Horroreinschlag. Kein Splatter, sondern der klassische Horror, der unter die Haut kriecht. Generell schreibe ich, was ich gerne lese. Ein Buch ist bisher im Selfpublishing inklusive Hörbuch erschienen. Zwei fertige Manuskripte liegen in der Schublade. Das nächste ist halb fertig.
Warum wir? Warum du?
Ich habe ein Coaching hinter mir, das seine guten und schlechten Seiten hatte. Ich habe dadurch ein Buch veröffentlicht. Dafür bin ich dankbar. Aber ich bin alleine. Ich habe einen kleinen Pool an Testlesern, aber keinen echten Austausch mit anderen, die so sind wie ich. Als Autor motiviert man sich alleine, plottet alleine, schreibt alleine, überarbeitet alleine. Die Motivation alleine aufrechtzuerhalten, ist für mich der schlimmste Part. Ich suche keine Bühne und keine Werbeplattform. Ich suche Gleichgesinnte. Menschen, die wissen, wie sich das anfühlt, wenn eine Geschichte raus will und man nicht weiß wohin damit. Der Tintenzirkel ist für Fantasyautoren da. Ich bin einer.
Was ich mitbringe: 35 Jahre Storytelling-Erfahrung als Spielleiter, 14 Jahre Schreiberfahrung mit all den Höhen und Tiefen, die das mit sich bringt. Dazu einen ehrlichen Blick auf Texte — ich habe früher für andere gegengelesen — und die Bereitschaft, mehr zu geben als zu nehmen.
Kurze Kostprobe
So schnell mich die Füße tragen, stolpere ich die Treppe hinunter, nur um sofort vom Nebel verschluckt zu werden. Ich bekomme kaum Luft, so sehr werde ich von Schluchzern geschüttelt. Er hat mich rausgejagt! Der Pfaffe hat mich aus der Kirche gejagt.
Blindlings renne ich weiter, bis mein Glück mich schlagartig verlässt. Mein Fuß findet keine Stufe mehr und ich falle auf die Knie, direkt auf den Bürgersteig. Keuchend sinke ich auf alle Viere und starre auf den gepflasterten Boden, der vor meinen Augen verschwimmt.
»Hör auf zu flennen, Weib! Steh auf und ...«
Ich blende ihn komplett aus. Stattdessen sehe ich das Gesicht des Priesters vor mir, wie er mich angsterfüllt, aber gleichzeitig so voller Hass und Abscheu angesehen hat.
»Ich wusste, dass es ein Fehler war«, sage ich und schlage mit der Faust auf den Steinboden. Der Schmerz tut gut. Er erdet mich.
Hallo RoberK! Herzlich Willkommen im bunten Haufen! :jau: :lehrer: :omn: :pfanne:
Hey RobertK! :vibes: Willkommen! Und viel Spass hier! Darf ich zwei Dinge fragen?
1. Wie heisst deine Katz?
2. Was, würdest du sagen, ist der grösste Unterschied zwischen Romanschreiben und Spielschreiben, wenn es um die Erschaffung einer Atmosphäre geht?
LG
Jester
Vielen Dank! 😁
Zu 1:
Die beiden heißen Smokey und Gypsy. 😄
Zu 2:
Beim Unterschied würde ich gar nicht zwischen Spiel und Roman trennen, sondern eher zwischen gemeinsamem Erzählen und kontrolliertem Erzählen.
Im Rollenspiel entsteht ganz viel im Kopf der Spieler*innen und durch das, was sie selber einbringen. Du setzt Impulse, beschreibst vielleicht einen Raum oder eine Stimmung, aber den Rest füllen die anderen mit ihren eigenen Bildern. Dadurch kann man viel weglassen und trotzdem wirkt es.
Dazu kommt, dass ich im Spiel direkt merke, wenn etwas funktioniert. Wenn die Spieler an einer Stelle hängen bleiben, nervös werden oder plötzlich total drin sind, kann ich sofort darauf reagieren. Ich kann Szenen verlängern, kürzen oder in eine völlig andere Richtung ziehen.
Im Roman habe ich dieses direkte Feedback nicht. Da muss ich im Voraus entscheiden, was funktioniert und was nicht. Wenn man dort Lücken lässt, entstehen keine Bilder, sondern eher Fragezeichen.
Für mich ist das der größte Unterschied. Im Rollenspiel teilt man sich die Wirkung und passt sie direkt am Tisch an. Im Roman muss der Text alles transportieren und vorbereiten. Wenn da was nicht passt, wird das Buch zur Seite gelegt. An der Hürde arbeite ich noch. :vibes:
Herzlich willkommen im Tintenzirkel! :buch:
Vielen Dank! :winke:
Zitat von: RobertK am 05. Mai 2026, 16:27:36Für mich ist das der größte Unterschied. Im Rollenspiel teilt man sich die Wirkung und passt sie direkt am Tisch an. Im Roman muss der Text alles transportieren und vorbereiten. Wenn da was nicht passt, wird das Buch zur Seite gelegt. An der Hürde arbeite ich noch. :vibes:
Vielen Dank für deine Erläuterung, das finde ich wirklich spannend! Super wäre, wenn man das unmittelbare Feedback auch beim Romanschreiben kriegen könnte ... :hmmm: