Liebes Forum, zu Ende der Woche stößt ein neues Mitglied zu uns, das während des Karate-Unterrichts seines Sohnes am Handy schreibt und ein begeisterter Testleser ist. Herzlich Willkommen Stefan!
Wer bist du?
Oje, oje. Man müsse toll sein, wenn man sich beim Tintenzirkel bewirbt, hats geheißen. Mich vorstellen in T minus drei, zwei, eins, ähm ... Wer bin ich? Wer-bin-ich-wer-bin-ich? Das versuche ich seit bald fünfzig Jahren herauszufinden, und sollte das einfach mal kurz in dieses Textfeld schreiben? Nun gut, mir fällt was ein, keine Angst. Ich bin Fahrradfahrer. Genau! (Das ist gut.) Ich fahre aber kaum noch, nur vielleicht mal am Samstag Morgen in den Karatekurs mit meinem Sohn. Nein, nein, ich mach kein Karate. Hahaha! Gar nicht. Das tut er. Ich sitze nur draußen, auf einem quietschenden Barhocker mit der Bluetooth-Tastatur am Handy und schreibe.
So richtig ernsthaft mach ich das noch nicht so lange. Ich hatte meine Schwarzweißfotografie-Phase lange hinter mir, wieder mit Musik angefangen und machte vor einigen Jahren erneute kümmerlichen Anläufe mit Schreiben. Da dachte ich eines Tages: So gehts aber gar nicht, du. Da musst du dich schon ein bisschen ins Zeug legen, wenn das was werden soll. Lern mal ein bisschen Technik und solche Sachen und such diese verflixte 'ß'-Taste auf deiner Schweizer Tastatur. Du kannst nicht jahrelang Computerprogramme schreiben und dann glauben, einfach so mal eine Geschichte hervorzaubern zu können. Das zu lernen ist so was wie eine Lebensaufgabe. Weil ich schon mehr davon hinter als vor mir habe, muss ich mich wohl ein bisschen beeilen.
Mist. Das ging jetzt aber gründlich in die Binsen mit dem Tollsein.
Was schreibst du?
Im Moment schreibe ich Kurzgeschichten für Anthologie-Ausschreiben. Vor jeder Geschichte denke ich: jetzt schreib ich mal was ganz anderes. Anders als früher, anders als erwartet. Aktuell: Urban Fantasy und eine KI-Dystopie.
Einen Fantasy-Roman habe ich fertiggeschrieben. Leider ist eine klassische Tragödie daraus geworden: Ein Jahr Arbeit, über 400 Seiten, niemand will es verlegen. Ich bin wieder am Überarbeiten und warte darauf, dass ich die Kraft aufbringe, mich damit erneut zu bewerben. Zuerst muss ich ein paar Schwachstellen ausbügeln. Die Geschichte und die Figuren finde ich immer noch gut, darum habe ich noch nicht aufgegeben. Ich spiele mit den Elementen der klassischen Fantasy und drehe sie um. Beispiel: die Prophezeiung ist gar keine oder böse zu sein ist kein Merkmal eines Volkes.
Ach ja, ganz neu schreibe ich in meinem kleinen Blog über das Schreiben. Da ich viel testlese, sind mir einige typische Anfängermuster aufgefallen. Ich versuche, sie selbst zu vermeiden, analysiere sie und schreibe darüber. Und über sonst alles, was ich teilen möchte.
Warum wir? Warum du?
Schreiben ist oft eine einsame Sache, und gerade deshalb finde ich den Austausch so wichtig. Schließlich ist Schreiben ohne andere Menschen sinnlos. Warum der Tintenzirkel? Ich glaube, dass ich hier mit Menschen in Kontakt komme, mit denen ich über Sprache und Literatur reden kann. Und über Fantasy. Schreiben ist ja weitgehend Genre-unabhängig, aber es lässt sich eben doch nicht ganz ausblenden.
Warum ich? Ich fühle mich wie ein Küken zwischen all den Leuten, die Romane veröffentlichen. Nach meiner Erfahrung muss man aber kein Profi sein, um etwas beizutragen. Ich habe zu fast allem eine Meinung. Ich kann gut damit umgehen, wenn es jemand anders sieht, manchmal verleitet es mich allerdings dazu, lange Reden zu halten. Aber die tun niemandem weh.
Kurze Kostprobe
Es kracht und rumpelt zwischen den Regalen und der Kugelmann flucht. Ich höre Getränkedosen zischen. Scheiße, macht er mir einen Schweinestall. Er kommt an die Kasse. Klebriges Hemd mit alten und neuen Flecken. "Tut mir echt leid", behauptet er und stellt drei Dosen Bier auf den Tresen.
Ich tippe. Ruhig bleiben, Mel. Sobald er draußen ist, schaue ich die Sache an, wünsche den Vollpfosten ein bisschen in die Hölle und mache sauber.
"Drei fünfundvierzig", sage ich. Ich bin ein Roboter.