Tintenzirkel - das Fantasyautor:innenforum

Handwerkliches => Wie nenn ich nur...? => Das Sprachbastelboard => Archiv: Wie nenn ich nur...? => Thema gestartet von: Berjosa am 16. Februar 2008, 00:25:29

Titel: Barden, degeneriert
Beitrag von: Berjosa am 16. Februar 2008, 00:25:29
Liebe Leute,

ich bin auf der Suche nach einem Wort und brauche eure Hilfe.

Die Geschichte dahinter: In den alten Zeiten, als das Wünschen noch geholfen hat, gab es mächtige, zauberkundige Musiker und Sänger - die Barden. Aber das ist lange her, ihre heutigen Nachfahren können nicht mehr zaubern. Sie zehren noch vom Ansehen ihrer Vorgänger und bilden sich viel auf sie ein. Außerdem studieren sie die Musik und deren Geschichte sehr gründlich, in der Hoffnung, eines Tages auch wieder Zugang zur Zauberkunst zu finden.
Für diese Leute suche ich eine Berufsbezeichnung, die besagt, dass sie nicht mehr die alten Barden sind (wir sind ja so bescheiden und kennen unsere Grenzen), andererseits aber was Besseres sind als die herumziehenden Musikanten, die mehr schlecht als recht auf dem Dorfplatz zum Tanz spielen bzw. die Stadtpfeifer, die bei offiziellen Anlässen mal ins Horn tuten.
Zur Zeit habe ich Troubadours da stehen, aber das ist eindeutig kulturgebunden. Einfach nur "Sänger" finde ich zu dünn, allermindestens, weil die Leute ja auch Instrumente spielen.

Schon mal vielen Dank im Voraus für eure Vorschläge.

Schöne Grüße und gute Nacht

Berjosa
Titel: Re: Barden, degeneriert
Beitrag von: SaSch am 16. Februar 2008, 09:27:18
mmmh....Ich weiß nicht ob es das ist was du dir vorstellst, aber guck doch mal hier

http://de.wikipedia.org/wiki/Ovaten

und hier

http://de.wikipedia.org/wiki/Barde

Die Ovaten waren wohl ein Priesterrang der untersten Stufe.
Titel: Re: Barden, degeneriert
Beitrag von: Berjosa am 16. Februar 2008, 10:36:12
Stimmt, Ovaten sind eher Priester/Historiker als Musiker.
Ich vermute mal, dass eine Menge Leute mit diesem Wort nicht sofort etwas anfangen können, und diejenigen, die es können, mir das Buch um die Ohren hauen wollen, weil ich es falsch verwende.

Was ich suche, ist ein Begriff, mit dem sich die "modernen" studierten Musiker meiner Fantasy-Welt auf die Tradition ihrer Vorläufer berufen - mit dem Unterton "Das waren tolle Kerle damals, dagegen sind wir heute traurige Würstchen; wir können uns nur bemühen, ihnen wieder ähnlich zu werden." Gleichzeitig grenzen sie sich von ihren Zeitgenossen ab, die "einfach so" Musik machen.
Zur Zeit denke ich an etwas in Richtung "Burgschauspieler", also eine Zusammensetzung mit der Ausbildungs-/Wirkungsstätte, die den Zuhörern sagt, dass einer, der es dorthin geschafft hat, schon einiges auf dem Kasten haben muss.  Jetzt brauch ich noch einen knackigen Namen für diesen Ort ...

Mal weitergrübeln.
Vielen Dank jedenfalls.
Titel: Re: Barden, degeneriert
Beitrag von: gbwolf am 16. Februar 2008, 10:43:59
Mir fiel gerade noch "Bänkelsänger" ein. Klar, konnten die auch was, aber ich denke, der Schwerpunkt lag auf Unterhaltung und dann mit dem Medium "Bild" dazu, um vielleicht vom nicht mehr zauberhaften Gesang abzulenken?

Grüße

Wölfin
Titel: Re: Barden, degeneriert
Beitrag von: Volker am 16. Februar 2008, 11:46:03
"Fahrendes Volk" oder "Fahrende Sänger"?
Titel: Re: Barden, degeneriert
Beitrag von: Hr. Kürbis am 16. Februar 2008, 15:01:44
Äh, soll es den Begriff, den du suchst, explizit schon geben oder sind auch "Eigenkreationen" erwünscht?
Titel: Re: Barden, degeneriert
Beitrag von: SemSimkin am 16. Februar 2008, 21:21:09
Mir fällt spontan "Cantaten" ein. Klingt erhaben ... auch wenn es nur "Sänger" heißt, schließt es ja nicht aus, dass sie auch Instrumente haben.  :innocent:
Titel: Re: Barden, degeneriert
Beitrag von: Ary am 17. Februar 2008, 09:18:41
Sorry, SemSimkin, aber da muss ich Dich korrigieren. Das lateinische Wort für "Sänger" ist "Cantor". "Cantate" ist der Imperativ des Verbs "cantare"-singen, wird aber in der Musik auch für eine spezielle Form von Gesangsstücken verwendet.

So, Klugscheißmodus wieder aus. "Cantor"/"Kantor" ist dummerweise auch schon ein sehr "besetzter" Begriff, so werden nämlich Kirchenmusiker genannt.
Titel: Re: Barden, degeneriert
Beitrag von: Volker am 17. Februar 2008, 11:49:34
Ein Problem ist, dass wir nicht genau wissen, in welcher Welt das spielt und wie genau die Sänger/Musiker eingebettet sind. Wie oben zu sehen, sind viele Begriffe schon mit festen Schemata belegt: der Bänkelsänger, der Nachrichten als Balladen verbreitet; der Kantor, der Kirchenmusiker (oder gar deren Vorgesetzter) ist, etc. Oder aber Begriffe wie Klezmer, die aber kulturell sehr speziell sind, ebenso Minnesänger.

Auf der anderen Seite haben wir sehr allgemeine Begriffe wie "Fahrendes Volk" oder "Straßenmusiker", die fast gar nichts aussagen.

Also: was *genau* wird gesucht? Ein Name? Ein allgemeion beschreibender Begriff?
Titel: Re: Barden, degeneriert
Beitrag von: Berjosa am 17. Februar 2008, 21:02:18
Das Abenteuer spielt in einer Fantasy-Welt, daher passen eher Eigenkreationen.

Volker, du beschreibst genau mein Problem. Eigentlich habe ich sogar bei den Barden schon ein wenig Bauchgrummeln, aber die halte ich dank diverser Rollenspiele inzwischen für universell einsetzbar. Da denkt nicht jeder, der es liest, automatisch an Kelten.
Ich hatte nur die Hoffnung, dass einer der vielen wortgewaltigen Menschen hier noch etwas kennt, was mir bisher entgangen ist. So was soll ja vorkommen.

Die Musiker, für die ich einen Begriff suche, wären diejenigen, die an Fürstenhöfen, in reichen Städten oder bei höheren "Kirchen"herren spielen würden; die einiges an Wissen und Können zu bieten haben; von denen man eine Weiterentwicklung ihrer Kunst erwarten kann. Ich könnte mir fast vorstellen, dass sie sich in falscher Bescheidenheit "Bänkelsänger" nennen.

Es wäre praktisch, wenn man für die betreffende Welt den Begriff Kantor nachbauen könnte, also ein Wort für Sänger aus einer "Gelehrten"-Sprache, aber da fehlt der Wiedererkennungseffekt beim Lesen. Die Bereitschaft, Anhänge oder Wort- und Sacherklärungen zu studieren, hat in den letzten Jahren doch nachgelassen. 
Oder ... hmm ... ich will ja keine ganzen Epen dichten, sondern nur gelegentlich mal einen Begriff einstreuen.

Vielen Dank allen, die sich den Kopf zerbrochen haben. Ich glaube, mit euren Ideen und Denkanstößen kann ich etwas Brauchbares basteln.

Schöne Grüße

Berjosa
Titel: Re: Barden, degeneriert
Beitrag von: Textehexe am 17. Februar 2008, 21:49:41
Hallo Berjosa,
mir fällt dazu noch der Begriff des "Skalden" ein. Ein Skalde ist ein altnordischer Geschichtenerzähler, im weitesten Sinne. Die Schreib/Sprechweise Skaeldin ist noch näher an der alten Sprache und passt, finde ich, ganz gut in einen Fantasyhintergrund.
Es grüßt
die Hexe
Titel: Re: Barden, degeneriert
Beitrag von: Volker am 18. Februar 2008, 00:18:21
Ein "Skalde" ist - wenn ich mich richtig erinnere - nicht nur Barde, sondern auch Historiker (im Rahmen seiner Zeit) und "Schamane", also wesentlich mehr als nur ein Musiker.
Titel: Re: Barden, degeneriert
Beitrag von: felis am 18. Februar 2008, 09:48:39
Zitat von: Berjosa am 16. Februar 2008, 10:36:12
Zur Zeit denke ich an etwas in Richtung "Burgschauspieler", also eine Zusammensetzung mit der Ausbildungs-/Wirkungsstätte, die den Zuhörern sagt, dass einer, der es dorthin geschafft hat, schon einiges auf dem Kasten haben muss. 

Burgschauspieler würde ich auf gar keinen Fall nehmen. Der Begriff ist eindeutig - und für deine Zwecke völlig falsch besetzt. Das ist nämlich der "Ehrentitel" für die Schauspieler am Wiener Burgtheater.
Titel: Re: Barden, degeneriert
Beitrag von: Berjosa am 18. Februar 2008, 10:30:33
Hallo Felis,

ja, genau. Deshalb wollte ich den "Burgschauspieler" als Bastelvorlage verwenden:
angesehene Ausbildungs-/Wirkungsstätte + Berufsbezeichnung
"Hofsänger", z.B., könnte dabei auch herauskommen - wenn's da nicht die Mainzer gäbe.
Der Vorteil ist, dass ich damit ein unauffälliges, weitgehend selbsterklärendes Wort bekomme, kein "Kauderwelsch", das übersetzt werden muss. Und wenn ich mich von den oben erwähnten Beispielen und Ähnlichen fernhalte, bringt es auch keine Assoziationen mit, die ich nicht gebrauchen kann.

Vielen Dank und schöne Grüße

Berjosa
Titel: Re: Barden, degeneriert
Beitrag von: felis am 18. Februar 2008, 10:50:59
Wie wärs denn mit Hofmusiker?
Titel: Re: Barden, degeneriert
Beitrag von: FeeamPC am 18. Februar 2008, 19:53:02
Oder einfach Spielleute?
Oder Wandermusiker?
Oder-frei erfunden- ein Tonzauberer /Zauberer der Töne?
Oder ganz schlicht ein Musikant?
Weniger schlicht kann es auch ein Musik/Ton/ Gesangsvirtuose sein...
Titel: Re: Barden, degeneriert
Beitrag von: Lord Bane am 18. Februar 2008, 21:11:40
Krachmacher?
Titel: Re: Barden, degeneriert
Beitrag von: Romy am 19. Februar 2008, 02:58:30
Hi Berjosa

Zitat von: Berjosa am 16. Februar 2008, 00:25:29
Zur Zeit habe ich Troubadours da stehen, aber das ist eindeutig kulturgebunden.

Was gefällt Dir am Begriff Troubadour nicht? Ich finde ihn gut  :jau: Klar ist er kulturgebunden, aber dann erweckst Du beim Leser halt eine gewisse Assoziation mit einer Kultur unserer wahren Welt.  :D Ich mache soetwas ganz gerne, dass ich z.B. allen Personen und Orten etc. einer Geschichte Namen, die nach einem bestimmten Land oder Kulturkreis klingen gebe. Also alle Namen klingen Südländisch, Nordisch, Deutsch, Englisch oder Russisch oder wie auch immer ... Das kommt dann beim Leser schon mal viel besser an, als wenn eine Figur einen nordisch klingenden Namen hat, die nächste einen südländisch klingenden usw. Ich hoffe, Du verstehst, was ich meine  ::)
Naja, ich weiß ja nicht, ob das Wort Troubadour in die Welt passt, die Dir so vorschwebt, also nur mal als Denkanstoß ...  ::)

Davon abgesehen fand ich den Vorschlag 'Skalde' auch nicht schlecht. In dem Fall würde ich dann allerdings die jetzigen Barden (also dieses ausgestorbene Sängervolk) als Skalden bezeichnen, da der Begriff bedeutender klingt und ist, als Barden. Danach könntest Du die jetzigen Noch-Troubadoure in Barden umbenennen.  :)

Viele Grüße
Romy
Titel: Re: Barden, degeneriert
Beitrag von: Berjosa am 19. Februar 2008, 19:47:42
Danke, Fee, fürs Brett vorm Kopf entfernen. Die "Spielleute" hätten mich eigentlich schon längst beißen müssen. Vielleicht habe ich das Wort in meinem letzten Roman so exzessiv verwendet, dass es jetzt erstmal Urlaub braucht.

Und überhaupt noch mal allen in der Runde. Ihr habt so viele tolle Vorschläge und Denkanstöße geliefert, daraus werde ich etwas Gescheites basteln. Wenn das Ganze fertig ausformuliert bei der Agentur liegt, sage ich Bescheid, was daraus geworden ist.

Schöne Grüße

Berjosa