Tintenzirkel - das Fantasyautor:innenforum

Allgemeines => Tintenzirkel => Thema gestartet von: MynaKaltschnee am 23. März 2017, 17:45:37

Titel: Glossar als Lösung gegen Infodump?
Beitrag von: MynaKaltschnee am 23. März 2017, 17:45:37
Hallo meine Lieben,

ich stehe gerade kurz davor, meinen ersten High-Fantasy-Roman zu schreiben und mache mir bereits Gedanken, wie ich das Ganze umsetzen soll. Ich habe in den letzten Wochen und Monaten intensives Worldbuilding betrieben, eine eigene Sprache entwickelt (zumindest wichtigste Phrasen und Begriffe), eine neue Zeitrechnung ausgetüftelt und zu bereits bestehenden magischen Wesen wie Dryaden und Zwergen noch ein paar neue Wesen entwickelt. Jetzt stellt sich für mich nur die Frage: Wie bringe ich all diese Dinge in meinem Roman unter, ohne zu viel Infodump? Vor allem wie ich die Zeitrechnung erklären soll, ohne Infodump, stellt mich momentan noch vor ein Rätsel.

In einem anderen Buch, ich glaube es war "Die Gilde der schwarzen Magier - Die Novizin", habe ich mal am Ende des Buches eine Art Glossar mit Erklärungen zu Begriffen im Buch gefunden. Jetzt habe ich überlegt, so etwas in der Art vielleicht auch zu machen, um außerhalb meiner Geschichte die Zeitrechnung und bestimmte Begifflichkeiten zu erklären. Haltet ihr das für sinnvoll? Die Frage ist natürlich, ob die Leser überhaupt auf die Idee kommen, hinten im Buch nachzuschlagen, bevor sie die Geschichte lesen.  ???

Würde mich sehr über Rat von erfahrenen High-Fantasy-Autoren freuen.

Und ich hoffe, das Thema gibt es noch nicht. Ich konnte nichts in der Art finden.
Titel: Re: Glossar als Lösung gegen Infodump?
Beitrag von: Evanesca Feuerblut am 23. März 2017, 17:47:56
Jepp, ein Glossar ist auf alle Fälle eine bessere Idee, als die Helden sich hinstellen und das Ganze erklären zu lassen :). Denn die Dialoge wirken oft sehr gekünstelt. Die Leute aus deiner Welt leben ja darin, für die ist das normal. Nur für den Leser ist das Ganze exotisch.
Die sehr komplexe Reihe "Chroniken von Chaos und Ordnung" macht es beispielsweise auch ähnlich.
Titel: Re: Glossar als Lösung gegen Infodump?
Beitrag von: Dämmerungshexe am 23. März 2017, 18:02:50
Einen Glossar finde ich zum Nachschlagen angenehm, aber nicht als primäre Informationsquelle. Bei der Canavan-Reihe fand ich die "neuen/erschaffenen" Begriffe zum Teil sehr überflüssig, die hätte es für mich gar nicht gebraucht und dementsprechend war der Glossar irgendwie ... naja, da stand nichs wirklich neues drin, es war nur ein Wörterbuch für bekannte Sachen.

Ich würde es mal von der Seite angehen: Welche dieser Informationen/Details brauchst du tatsächlich für deine Geschichte, wenn du im Text nie wirklich eine passende Gelegenheit hast sie zu erwähnen/erklären?
Titel: Re: Glossar als Lösung gegen Infodump?
Beitrag von: Aphelion am 23. März 2017, 18:10:08
Ist die Geschichte denn auch ohne Glossar verständlich? Das finde ich persönlich sehr wichtig.

Positive Beispiele wären für mich "Clockwork Orange" oder "Dune": Alle Begriffe erschließen sich aus dem Kontext, wenn auch manchmal nicht sofort. Aber das fand ich gerade bei "Dune" so gelungen, weil das genau der Effekt ist, den man erlebt, wenn man eine neue Kultur oder Umgebung kennenlernt. Gerade bei "Dune" (Buch und Film) teilen sich allerdings auch die Geister, wie ich fairerweise anmerken muss.  :hmmm:

[Edit]Oder "Herr der Ringe", wo auch sehr viele neue Begriffe vorkommen, von den ganzen Ortsnamen und Legenden mal abgesehen.[/Edit]

In einem Manga, den ich sehr mochte, gab es als Zusatzmaterial immer mal wieder Glossare und Zeittafeln. Die Informationen waren nicht zwingend erforderlich, um die Handlung oder die Figuren zu verstehen – aber die Hintergrundinfos haben der Geschichte noch viel mehr Tiefe gegeben. :) Die Autoren/Zeichner haben darin vor allem Details zum Setting und zur Historie der fiktiven Welt verraten. Daraus ließen sich wiederum Schlussfolgerungen über die Figuren und aktuellen Ereignisse ziehen – zum Beispiel, woher einer der Protagonisten seinen Namen hat oder was Prota #2 vor den Ereignissen der eigentlichen Handlung so angestellt hat. Daraus konnten LeserInnen wiederum Schlüsse ziehen, warum er so ist wie er ist – usw.

Ein Beispiel, das ich nicht so gelungen fand, war die erwähnte Canavan-Reihe. Ich habe das Buch nur angelesen, weil ich das ständige Nachschlagen wirklich nervig fand.
Titel: Re: Glossar als Lösung gegen Infodump?
Beitrag von: caity am 23. März 2017, 18:15:47
Grundsätzlich finde ich, sind Glossare etwas tolles. Ich schlage sehr gerne das ein oder andere am Ende nach. Gleichzeitig finde ich aber, dass sie nicht die Arbeit ersetzen, in die Welt einzuführen. Und damit würde ich auch sagen, ist der Weg "Glossar gegen Infodump" falsch. Meiner Meinung nach kann man von Lesern nicht erwarten, dass sie im Glossar nachschlagen (unabhängig davon, ob sie auf die Idee kommen oder nicht ;)). Das heißt, ich muss auch in der Geschichte die notwendigen Informationen so unterbringen, dass man die Welt und die dazu gehörigen Begriffe verstehen kann. Es müssen sich ja nicht die Personen gegenseitig erklären, aber irgendwelche Hinweise sollte es meiner Meinung nach schon geben ...

ZitatVor allem wie ich die Zeitrechnung erklären soll, ohne Infodump, stellt mich momentan noch vor ein Rätsel.

Meinst du mit Zeitrechnung, Monate, Wochentage, usw. oder auch Uhrzeiten?
Bei Wochentagen habe ich das beispielsweise folgendermaßen gelöst:
ZitatDer Priester hatte am Morgen des Beltistages noch die wöchentliche Zeremonie abgehalten.
Da ist der Zusammenhang mit Sonntag - würde ich behaupten - recht eindeutig. Aber gut, man hat auch noch das für uns normale "Tag" mit drin ... ;)
Titel: Re: Glossar als Lösung gegen Infodump?
Beitrag von: Volker am 23. März 2017, 18:24:48
Alle neuen Worte und Begriffe müssen sich aus dem Kontekt erschließen: egal ob direkt erklärt ("Gib mir das taj!" - "Das was?" - "Das Messer da!"), oder besser: aus dem Kontext ("Deine Kleidung ist qay'a'! So zieht sich doch keine anständige Frau an!").

Reine Infodumps nerven mich inzwischen schnell. Aber eine Welt selber mitzuentdecken kann sehr spannend sein. Da muss man halt die Balance finden. Wenn der Leser vor lauter Fremdbegriffen nicht mehr versteht, dann schlägt der normalerweise auch nicht hinten nach, sondern legt das Buch weg.

Als Bonus kann man ein Glossar oder einen Sprachführer aber anbieten - für Leute, die mit großen Pausen lesen.
Titel: Re: Glossar als Lösung gegen Infodump?
Beitrag von: Amanita am 23. März 2017, 18:52:43
Als Leser schaue ich mir das Glossar wenn überhaupt erst am Schluss an. Irgendwas zwischen dem Lesen nachschlagen ist für mich gar nichts, aber das kann natürlich von Leser zu Leser unterschiedlich sein. (Wenn ich ein Buch auf Englisch zum ersten Mal lese, schaue ich zwischendrin auch keine Vokabeln nach, weil es sich meistens irgendwie aus dem Kontext erschließt, höchstens beim wiederholten Lesen, wenn ich etwas so interessant finde, dass ich jedes Detail verstehen will.)
Ich denke aber auch, dass alles Wichtige aus der Geschichte selbst erschließbar sein muss und wenn man dort von lauter erfundenen Wörtern erschlagen wird, die man nicht zuordnen kann, stört das den Lesefluss erheblich. Daran ändert dann auch das Glossar nichts mehr. Wobei ich die Herangehensweise von Trudy Canavan da auch nicht so gelungen finde. Die Geschichte wird einfach viel klarer, wenn man Spinnen, Mäuse, Bier etc. auch so bezeichnet.
Interessant finde ich das Glossar dann, wenn mir die Geschichte gefällt und ich mich wirklich noch für Hintergrunddetails interessiere, die für die Geschichte nicht unbedingt erforderlich sind, aber trotzdem spannend, wenn man sie mag.
Titel: Re: Glossar als Lösung gegen Infodump?
Beitrag von: MynaKaltschnee am 23. März 2017, 20:13:35
Wow, schon so viele Antworten. Vielen Dank erstmal! Es war sehr interessant, eure Meinungen zu lesen, auch wenn die Ansichten teilweise etwas auseinander gehen.

Grundsätzlich mag ich es auch lieber, wenn man sich Dinge aus dem Kontext erschließen kann. Bei Trudi Canavan im Buch war das sogar so, dass ich den Glossar erst ganz am Ende bemerkt habe, nachdem ich das Buch bereits gelesen hatte (ich hatte es als E-Book).

Aber gerade bei meiner Zeitrechnung finde ich das sehr schwierig. Um euch da einen genaueren Einblick zu geben, erkläre ich euch mal, was genau ich damit meine.

In meiner Welt ist ein Jahr ein sogenanntes "paan". Ein Jahr dort entspricht etwa zwölf Menschenjahren. Jedes paan ist in zwölf Jahreszeiten untergliedert, die jeweils wieder in vier Monate untergliedert sind. Ein Monat hat 91 Tage. Somit hat eine Jahreszeit 364 Tage und entspricht etwa einem Menschenjahr. Die Tage sind wie bei uns gerechnet mit 24 Stunden. Ich wollte es nicht noch komplizierter machen. Jedenfalls weiß ich noch nicht, ob die Jahreszeiten und Monate so im Text vorkommen werden. Viel mehr frage ich mich, wie ich dem Leser klar mache, dass ein paan zwölf Menschenjahren entspricht. Das spielt ja z. B. auch beim Alter meiner Figuren eine Rolle. Meine Protagonistin ist zwei paan alt, also ungefähr vierundzwanzig Menschenjahre. Wie erkläre ich das am besten in meiner Geschichte? Ich bin mit der Aufgabe wirklich ein bisschen überfordert... *seufz*
Titel: Re: Glossar als Lösung gegen Infodump?
Beitrag von: Evanesca Feuerblut am 23. März 2017, 20:19:58
Hm, ich habe zwar auch detailliert ausgearbeitete Jahre, Monate, bis hin zu Uhrzeiten, die sich aus 60 Einheiten ergeben.
Aber die Frage ist, ob das nur für dich ist oder ob es auch in der Geschichte groß vorkommt.

Gibt es denn Dinge, die mit den paan zusammenhängen? Wird man in deiner Welt mit 1 paan volljährig/hat einen Initiationsritus? Oder wird man mit 2 paan volljährig?
Was hängt an diesen paan dran, das dir dabei hilft, indirekt die Bedeutung zu zeigen?

Hier stimme ich zu, ein Glossar ist großartig, um all die Dinge, die zwar nett zu wissen, aber im Text eher lästig sind. (Und nicht zwingend wichtig für das Textverständnis sind) Aber das ist ja durchaus eine wichtige Information.

Wie ist denn die Einstellung zum Altern und zu Alter in deiner Welt? Haben die Zwölf-Zyklen eine Bedeutung?
Titel: Re: Glossar als Lösung gegen Infodump?
Beitrag von: Aphelion am 23. März 2017, 20:26:30
Spontan fällt mir eine Anspielung auf den bevorzustehenden Pubertätsbeginn bei 12-jährigen Mädchen ein. Velleicht auch ein Hinweis darauf, dass die Protagonistin mit 2 Paan eigentlich schon Mutter sein sollte (oder ist), wenn das in die Gesellschaft passt. Fantasy-Welten sind in dieser Hinsicht ja oft archaisch angelegt.

Das sind nur zwei Beispiele – aber grundsätzlich kann ich mir solche Hinweise gut vorstellen. Ob dem Leser klar ist, dass es um genau 12 Jahre geht, finde ich eher nebensächlich.

Wenn es noch genauer sein soll, wäre evtl. auch ein Hinweis auf die Tage möglich. Zum Beispiel: In X Tagen, am Soundsovielten Tag des aktuellen Paans, steht ein wichtiger Feiertag zum Beginn der neuen Jahreszeit bevor.

Solange ich keine anderslautende Information lese, gehe ich auch erstmal davon aus, dass ein Tag 24 Stunden hat.
Titel: Re: Glossar als Lösung gegen Infodump?
Beitrag von: Zit am 23. März 2017, 22:40:20
In Game of Thrones (der Serie) werden lange Jahreszeiten innerhalb der Geschichte klar als Tyrion bei, glaube, den Nachtwächtern ist und gefragt wird, wie viele Winter er schon miterlebt hat und er meint, es wären drei/ vier gewesen. An anderer Stelle wird den Stark-Kindern immer wieder vorgehalten, dass sie ja im langen Sommer geboren sind und den Winter nicht kennen. Die Amme an Brans Bett lässt sich erst nach Betteln darauf ein, vom Winter als jahrelanger Dunkelheit zu erzählen, von Menschen, die im Dunkeln geboren werden und im Dunkeln sterben. (Was für mich eine sehr eindrucksvolle Beschreibung war.)
Du könntest es also so drehen, dass ein paan einfach sehr viele Jahreszeiten hat. Ansonsten würde ich von einem Glossar oder ausuferndem Infodump in der Geschichte absehen. Nicht alles, was du weißt und zum Konstruieren brauchst, muss in der Geschichte Erwähnung finden. Im Grunde ist das nur der Lehm damit du die Geschichte formen kannst, also die Auswirkungen deiner Zeitrechnung sozusagen ausspielst. Mich würde mehr interessieren, warum die Menschen in paan rechnen, also was es für sie bedeutet und welchen Einfluss das auf ihr Leben hat, als dass ich genau wissen muss, dass so ein paan 12 Jahre sind. (Bin da also ganz bei Volker.)

ZitatDer Priester hatte am Morgen des Beltistages noch die wöchentliche Zeremonie abgehalten.

Nicht unbedingt. Ich hatte es für einen Feiertag/ Jahrestag/ Ehrentag eines Gottes gehalten, der an jedem beliebigen Wochentag hätte sein können. (Aber eben in erster Linie einmal im Jahr. Sonntag heißt ja auch nicht so, weil wir da die Sonne anbeten. ;D)
Titel: Re: Glossar als Lösung gegen Infodump?
Beitrag von: cryphos am 24. März 2017, 08:41:29
Ein Glossar ist etwas Tolles, wenn man es nutzen kann um die Begriffe nachzuschlagen, welche man im Kontext nicht ganz verstanden hat. Wenn dann da noch weiterführende Infos drin stecken, welche man nicht benötigt, aber dem ganzen mehr Tiefe geben, umso besser.
Jedoch, egal ob Glossar oder nicht, jeder Begriff muss sich im Laufe der Geschichte selbst erklären, nicht in epischer Tiefe und Breite, aber doch so, dass man als Leser die Zusammenhänge versteht. Hier fand ich KaPunkts «Stadt am Kreuz» toll. Ab und an stand ich vor einem Satz wie ein Chinese vor einem althochdeutschen Text, ich hab nichts begriffen. Jedoch irgendwann später in der Geschichte hat sich mir dieser Begriff aus den Antworten Anderer, den Handlungen oder sonstigen Zusammenhängen erschlossen. Toll war das, weil es dem Hauptcharakter ebenso ging.

Doch zurück zu den Glossaren. Die alten Shadowrunromane hatten teils sehr ausführliche, in denen viele Hintergrundinfos zu allerlei Themen standen. Man musste nicht nachschlagen, doch wenn man es tat, bekam man viel nützliches. Zudem wuchs das Glossar von Band zu Band und alle Begriffe wurden mitgenommen, auch wenn man diese für den aktuellen Band nicht mehr benötigte. Nicht gerade elegant, aber effizient.
Titel: Re: Glossar als Lösung gegen Infodump?
Beitrag von: Steffi am 24. März 2017, 08:57:04
Zitat von: cryphos am 24. März 2017, 08:41:29
Hier fand ich KaPunkts «Stadt am Kreuz» toll. Ab und an stand ich wie vor einem Satz wie ein Chinese vor einem Althochdeutschen text, ich hab nichts begriffen. Jedoch irgendwann später in der Geschichte hat sich mir dieser Begriff aus den Antworten anderer, den Handlungen oder sonstigen Zusammenhängen erschlossen. Toll war das, weil es dem Hauptcharakter ebenso ging.

Das unterschreibe ich so. Ich hab das selten so elegant gemacht erlebt wie bei KaPunkts Roman. Ganz großes Kino.

Ansonsten stimme ich cryphos zu ... man kann den Glossar eventuell zusätzlich einbauen, aber er sollte nicht zum Verständnis der Geschichte zwingend notwendig sein. Die Welt so einzubinden, dass es nicht nach Info-Dump aussieht, ist zwar nicht einfach, gehört aber zum Handwerk Schreiben dazu.
Titel: Re: Glossar als Lösung gegen Infodump?
Beitrag von: Lothen am 24. März 2017, 09:29:05
Ich stimme meinen  Vorrednern grundsätzlich zu. Ich persönlich achte beim Lesen meistens gar nicht drauf, ob es ein Glossar gibt, weil ich mich nicht ständig durch Nachschlagen aus der Geschichte reißen lassen möchte.

Ich persönlich kann auch gut damit leben, wenn es eine Weile dauert, bis sich einzelne Begriffe oder Begebenheiten erschließen. Als Beispiel würde ich noch "Das Jahr der Flut" von Margaret Atwood anführen. Da wird gar nichts erklärt, man wird einfach in die Welt reingeworfen und muss sie sich nach und nach erarbeiten. Mir hat das großen Spaß gemacht, ein Glossar hätte diesen Prozess vielleicht sogar zerstört.

Abgesehen davon sollte man auch immer bedenken, dass viele Leser mittlerweile zu Ebooks greifen und da ist das Nachschlagen im Glossar ziemlich lästig.
Titel: Re: Glossar als Lösung gegen Infodump?
Beitrag von: Christopher am 24. März 2017, 09:51:31
Ich sehe das auch so. Ein Glossar ist praktisch um Sachen nachzuschlagen, die einem nicht so vom Lesen direkt geläufig werden - die aber auch nicht von entscheidender Bedeutung sind. In "Der Name des Windes" hab ich z.B. die ganzen Währungen etc. nicht wirklich kapiert. Aber es reichte um viel von wenig zu unterscheiden. Dafür ist es gut.

Informationen wegzulassen und diese nur im Glossar zu erläutern - Das klingt, als wolltest du dir da ein Problem einfacher machen. Das Problem, dass man gerade am Anfang eines Buches das Gefühl hat, viele Informationen geben zu müssen, die an sich langweilig, aber für das Verständnis notwendig sind. Genau da ist aber der Knackpunkt:
Mach es so, als ob du ein Glossar hättest. Niemand will eine Welt während der Geschichte haarklein erklärt kriegen. Man will es erleben. Lass die Dinge einfach so stehen, lass sie sich aus der Handlung heraus erklären. Du musst z.B. nicht in einem Nebensatz erwähnen, dass der fremdsprachige Ausdruck den dein Nebencharakter da äußert ein Fluch in Bezug auf den Wettergott ist. Du solltest es sogar vermeiden! Aber wenn er jedes mal so flucht wenn es regnet, versteht das auch jeder, ohne dass du es je hättest erklären müssen.

...und dann kannst du immer noch das Glossar machen, wo der Fluch erklärt wird. Aber geh nicht davon aus, dass die Leser alles was ihnen unbekannt vorkommt während des Lesens nachschlagen.
Titel: Re: Glossar als Lösung gegen Infodump?
Beitrag von: cryphos am 24. März 2017, 09:52:25
Noch ein Hinweis zum Glossar. Mit 16 oder so hatte ich kurz die Angewohnheit, erst das Glossar zu lesen und dann den Text, um gleich alles richtig zu verstehen. Ich habe es schnell gelassen, weil ich als Leser zu viele Infos zur Welt, Personen und Handlungen bekam, manchmal in dem Ausmaß, dass ich 20% der Geschichte gelesen hatte und schon wusste was noch alles passieren würde, denn aus den Einträgen zu den Personen konnte man jetzt alle weiteren Handlungsbögen ableiten.

Da war z.B. Franz Xaver Schlagmichtot, erst König, aus dem Hause Perversovie, durch die Rebellion der unterdrpückten abgesetzt, der nach seiner Flkucht aus dem kerker als geläuterter Heckenritter durch das Land zog um seinen später geborenen Sohn, gezeugt mit Lisa Rechtschaffen, auf den Thron zu bringen.
Lisa Rechtschaffen, Anführerin der Rebellion, Verstoßene aus dem Hause ZuUnrechtBeschuldigt, spätere Mutter des Thronerben und Gemahlin von Franz Xaver Schlagmichtot und Begründerin einer neuen Dynastie.
>> Allein diese zwei Glossareinträge erzählen viel zu viel über den Handlungsverlauf. Jeder für sich ist ja schon grenzwertig, aber zusammen, da muss man die Geschichte schon gar nicht mehr lesen.
Titel: Re: Glossar als Lösung gegen Infodump?
Beitrag von: Tintenteufel am 24. März 2017, 09:58:59
Man muss da aber zwischen Glossar und Charakterverzeichnis unterscheiden @cryphos. Obwohl ich dir in allen wichtigen Punkten natürlich zustimme: Sehr frustrierend, wenn einem das die wichtigsten Plotpoints auf die Nase bindet.
Persönlich mag ich sowas aber, sofern die Spannung gewahrt bleibt. Ich glaube Markus Heitz hat da immer ganz nette Ansätze, weil er die Charaktere (früher jedenfalls) nur vom Beginn der Handlung her erklärt. Da steht der Protagonist auch gerne noch als Blumenhändler drin, wenn er das am Anfang mal war.

Glossare für Begriffe, Länder, Gegenden, Kontintente usw. finde ich uneingeschränkt praktisch. Gerade bei Fantasy. Obwohl man dann natürlich die Beherrschung haben muss, das Ganze auf zwei bis drei Sätze runterzubrechen und den Sinn nicht aus den Augen zu verlieren: Nachschlagehilfe, nicht Lexikon.
Titel: Re: Glossar als Lösung gegen Infodump?
Beitrag von: Czara Niyaha am 24. März 2017, 10:09:13
Zitat von: MynaKaltschnee am 23. März 2017, 20:13:35
In meiner Welt ist ein Jahr ein sogenanntes "paan". Ein Jahr dort entspricht etwa zwölf Menschenjahren. Jedes paan ist in zwölf Jahreszeiten untergliedert, die jeweils wieder in vier Monate untergliedert sind. Ein Monat hat 91 Tage. Somit hat eine Jahreszeit 364 Tage und entspricht etwa einem Menschenjahr. Die Tage sind wie bei uns gerechnet mit 24 Stunden. Ich wollte es nicht noch komplizierter machen. Jedenfalls weiß ich noch nicht, ob die Jahreszeiten und Monate so im Text vorkommen werden. Viel mehr frage ich mich, wie ich dem Leser klar mache, dass ein paan zwölf Menschenjahren entspricht. Das spielt ja z. B. auch beim Alter meiner Figuren eine Rolle. Meine Protagonistin ist zwei paan alt, also ungefähr vierundzwanzig Menschenjahre. Wie erkläre ich das am besten in meiner Geschichte? Ich bin mit der Aufgabe wirklich ein bisschen überfordert... *seufz*

Ich versuche gerade Deine Zeitrechnung zu verstehen...  ??? Und ja, ich weiß aus eigener Erfahrung wie kompliziert und verwirrend soetwas sein kann. In einem meiner anderen Projekte (was derzeit ruht) habe ich mir auch eine komplett andere Zeitrechnung ausgedacht.

Worüber ich bei Deiner Erklärung stolpere, ist die Aussage, dass jedes paan in zwölf Jahreszeiten untergliedert ist. Meinst Du mit Jahreszeiten, Frühling, Sommer, Herbst und Winter?! Das sind nämlich für mich die Jahreszeiten... Hast Du zwölf verschiedene Jahreszeiten?! Ach, ich habe eine Vermutung was Du mit "Jahreszeit" meinst, aber der Begriff ist etwas unglücklich gewählt, finde ich persönlich.

Generell ist es schwer Begriffe wie Jahr, Zeit, Jahreszeit, Monate usw. in einer anderen Zeitrechnung zusammenzufassen, so dass es dem Leser verständlich bleibt und nicht zu kompliziert wird. Wir alle verbinden mit diesen Begriffen, Zeitzyklen, die schon immer so waren, sprich ein Jahr = 365 Tage, ein Jahr = 12 Monate, 1 Monat = 30/31 Tage  (Ausnahme Februar! ;), 1 Tag= 24 Stunden. Wenn ich den Begriff Jahr höre, dann verbinde ich automatisch damit die eben genannten Begriffe. Hat das mit der eigenen Zeitrechnung eine Bedeutung, die wichtig für die Geschichte ist? Wenn Du es aus Augen Deiner Charaktere siehst, die in Deiner Welt exestieren, dann gibt es für die keine Begriffe wie Jahr usw., weil sie ja das Jahr als "paan" rechnen. Diese Begriffe brauchst Du ja in erster Linie, um dem Leser zu erläutern, wie Deine Zeitrechnung funktioniert. Wenn ich Dich richtig verstanden habe, dann würde ja ein Charakter in Deiner Welt niemals sagen, dass er/sie 24 Jahre alt ist, sondern, dass er/sie 2 paan ist. Benutzt Du denn sonst die gängigen Begriffe wie Monate, Jahr, Tag usw. in Deiner Zeitrechnung? Wenn ja, dann fände ich das irgendwie verwirrend.
*Am Kopf kratz* Das ist aber schon ein verzwicktes, aber sehr interessantes Thema!

Ein Glossar generell finde ich keine schlechte Idee, aber die Geschichte sollte nicht so aufgebaut sein, dass man alle Begriffe erstmal nachschlagen muss, damit man der Story folgen kann. Viel schöner, aber auch weitaus komplizierter (siehe es als Herausforderung an!), finde ich es, wenn sich beim Lesen aus dem Kontext heraus die Zeitrechnung deiner Welt "erklärt".
Titel: Re: Glossar als Lösung gegen Infodump?
Beitrag von: Aphelion am 24. März 2017, 19:06:36
Zitat von: Lothen am 24. März 2017, 09:29:05Abgesehen davon sollte man auch immer bedenken, dass viele Leser mittlerweile zu Ebooks greifen und da ist das Nachschlagen im Glossar ziemlich lästig.
Mich wundert manchmal, dass es bei E-Books nicht öfter technische Umsetzungen gibt, die Zusatzmaterial (von mir aus auch Glossare) besser einbinden. So weit ich weiß, gibt es die Möglichkeit, aber der Aufwand ist vielen zu hoch?

Auch E-Books sollten in meinen Augen ohne Glossar verständlich sein. Trotzdem könnten durch interaktive Elemente (oder auch nur Sprungmarken) noch viel mehr Möglchkeiten ausgeschöpft werden.
Titel: Re: Glossar als Lösung gegen Infodump?
Beitrag von: Denamio am 24. März 2017, 19:26:46
Zitat von: Aphelion am 24. März 2017, 19:06:36

Mich wundert manchmal, dass es bei E-Books nicht öfter technische Umsetzungen gibt, die Zusatzmaterial (von mir aus auch Glossare) besser einbinden. So weit ich weiß, gibt es die Möglichkeit, aber der Aufwand ist vielen zu hoch?

Auch E-Books sollten in meinen Augen ohne Glossar verständlich sein. Trotzdem könnten durch interaktive Elemente (oder auch nur Sprungmarken) noch viel mehr Möglchkeiten ausgeschöpft werden.

Was das angeht, einzelne Formate können eine Menge. Das Problem ist mehr ein gemeinsamer Standard. Wenn man sich die Mühe macht für EPUB (glorifizierte Webseiten praktisch) all die ganzen Spielereien einzubauen, dann läuft man bei MOBI oder PDF damit mitunter böse auf. Da ist es meist sinnvoller es möglichst einfach zu halten.

Was Glossare angeht, die sind für mich als Leser tote Seiten. Entweder der Autor ist so gut, dass Wissen natürlich im Laufe der Geschichte erworben und gepflegt wird - oder ich lese die Geschichte nicht lange. Auf der anderen Seite ist ein Glossar für mich so ein "Goodie", wie Stoffkarten, Lederbund, Metallecken und so weiter.
Titel: Re: Glossar als Lösung gegen Infodump?
Beitrag von: Steffi am 24. März 2017, 20:04:23
Ich habe vor kurzem tatsächlich in meiner Lektüre immer mal wieder im Glossar nachgeschlagen, allerdings aus reinem Interesse. Der Roman spielte im 3. Jahrhundert in Britannien und ich wollte wissen, wie die Städte heute heißen. Für den Roman an sich war das aber nicht von Belang, der hätte auch ohne Glossar funktioniert. Er war als nette Zusatzinfo gedacht, und genau so habe ich ihn auch benutzt.
Titel: Re: Glossar als Lösung gegen Infodump?
Beitrag von: Faye am 24. März 2017, 20:22:18
Meiner Meinung nach sollten die wichtigsten Informationen trotz allem in der Geschichte deutlich werden, da man sonst immer hinter im Glossar nachgucken muss und manches einfach unklar werden kann. Trotzdem halte ich ein Glossar für eine gute Idee, um bereits erhaltene Informationen nochmal nachzuschlagen oder wie Steffi sagte aus Interesse mal durchzublättern. Vor allem wenn am Anfang eine Information über z.B. die Sprache gemacht wurde, die man auch zwischendrin braucht, ist so etwas sinnvoll. 
Titel: Re: Glossar als Lösung gegen Infodump?
Beitrag von: Erdbeere am 25. März 2017, 08:50:35
In meiner Serie habe ich auch ein Glossar, allerdings mehr auf Wunsch des Verlags. Für die ersten paar Bände war es vermutlich ganz nützlich, um Steampunk-unerfahrenen Lesern meine Welt bzw. die Gadgets besser zu erklären, sollte das in der Geschichte selbst zu wenig klar sein. Mittlerweile sind wir bei Band 7, und ich finde das Glossar ziemlich überflüssig. Teilweise habe ich immer noch dieselben Sachen drin stehen wie bei Band 1 und füge nur ein paar weitere Punkte hinzu, wenn etwas neu auftritt. Wer nach den ersten drei Bänden weiterliest, kennt meine Welt und meinen Steampunk. Und ich finde, man darf Leser auch nicht zu sehr für dumm verkaufen.
Ich werde in den nächsten Wochen mal mit dem Verleger reden und fragen, ob ich die Glossare ab Band 8 weglassen kann. Mittlerweile sind sie wirklich überflüssig. ::)

Ansonsten gehöre ich selbst zu den Lesern, die solche Verzeichnisse am Ende eines Buches meistens gerne mögen. Aber auch mir ist schon sehr oft passiert, wie @cryphos, dass ich die Charakterverzeichnisse im Vorfeld, oder wenn eine Figur neu auftaucht, gelesen habe und dann böse gespoilert wurde. Bei Fantasy lasse ich nun meist die Finger von Glossar und Verzeichnis, bis ich das Buch fertiggelesen habe. Bei historischen Romanen allerdings schlage ich sehr gerne nach. Dort sind diese Zusatzinformationen ein Mehrwert für mich.
Titel: Re: Glossar als Lösung gegen Infodump?
Beitrag von: MynaKaltschnee am 27. März 2017, 21:52:57
Sodele, jetzt melde ich mich doch auch selbst nochmal zu dem Thema. Erneut, vielen Dank für eure zahlreichen Antworten.

ZitatGibt es denn Dinge, die mit den paan zusammenhängen? Wird man in deiner Welt mit 1 paan volljährig/hat einen Initiationsritus? Oder wird man mit 2 paan volljährig?
Was hängt an diesen paan dran, das dir dabei hilft, indirekt die Bedeutung zu zeigen?

Das Alter wird in ganzen und halben paan gerechnet. Mit 1,5 paan gilt man als volljährig bzw. erwachsen, weil das meist das Alter ist, in dem man die Schule verlässt.

ZitatWie ist denn die Einstellung zum Altern und zu Alter in deiner Welt? Haben die Zwölf-Zyklen eine Bedeutung?

Eigentlich habe ich die Zwölf als Zyklus gewählt, weil diese Zahl ja oft mit Magie verbunden wird. Außerdem hat ein Menschenjahr auch zwölf Monate, daran habe ich mich orientiert. Wie die Einstellung zum Altern ist? Alte Menschen werden oft sehr geschätzt in meiner Welt. Sie haben wichtige Funktionen in der Gesellschaft und gerade bei meinen Dryaden befinden sie sich größtenteils in den höhergestellten Aufgaben wie Berater oder Heiler. Bin mir jetzt nicht ganz sicher, ob es das war, was du wissen wolltest?  ???

ZitatSpontan fällt mir eine Anspielung auf den bevorzustehenden Pubertätsbeginn bei 12-jährigen Mädchen ein. Velleicht auch ein Hinweis darauf, dass die Protagonistin mit 2 Paan eigentlich schon Mutter sein sollte (oder ist), wenn das in die Gesellschaft passt.

Das ist eine sehr gute Idee! Darauf bin ich noch gar nicht gekommen. :D Also, einfach das Alter umschreiben, sodass sich der Leser das selbst zusammenreimen muss. So ganz genau muss er das Alter ja auch gar nicht wissen. Es reicht ja, wenn er weiß, dass es sich um eine junge oder alte Person handelt oder ob sie eher so im mittleren Alter ist.

ZitatAbgesehen davon sollte man auch immer bedenken, dass viele Leser mittlerweile zu Ebooks greifen und da ist das Nachschlagen im Glossar ziemlich lästig.

Da gebe ich dir recht! So war es bei mir mit "Die Gilde der schwarzen Magier". Ich hatte das Buch als E-Book gelesen und kam gar nicht auf die Idee, bis ganz zum Schluss zu springen und dort nach einem Glossar zu schauen. Erst als ich das Buch gelesen hatte, ist mir der Glossar aufgefallen.  ;)

ZitatMach es so, als ob du ein Glossar hättest.

Ein sehr guter Tipp! Ich werde mein Bestes geben. :)

ZitatIch habe es schnell gelassen, weil ich als Leser zu viele Infos zur Welt, Personen und Handlungen bekam, manchmal in dem Ausmaß, dass ich 20% der Geschichte gelesen hatte und schon wusste was noch alles passieren würde, denn aus den Einträgen zu den Personen konnte man jetzt alle weiteren Handlungsbögen ableiten.

Das ist natürlich blöd.  :( Ich wollte zu den Personen z. B. auch gar nichts verraten, sondern nur so Dinge wie die Zeitrechnung erklären. Aber wahrscheinlich lasse ich jetzt doch erst mal die Finger davon.

ZitatHast Du zwölf verschiedene Jahreszeiten?!

Ähm, ja?! ;D Natürlich sind nicht alle Jahreszeiten grundverschieden, aber sie haben eben unterschiedliches Klima und vorherrschendes Wetter.  Aber vielleicht ist der Begriff doch etwas blöd gewählt.

ZitatBenutzt Du denn sonst die gängigen Begriffe wie Monate, Jahr, Tag usw. in Deiner Zeitrechnung?

Also Jahr nicht, da sage ich ja paan dazu. Für Monat habe ich auch einen extra Begriff (tela), den ich verwenden werde. Nach deiner Aussage, sollte ich das Wort "Monat" dann besser nicht verwenden, oder? Weil ein Monat bei mir ja ca. 91 Tage hat und nicht 30/31.
Tage sind ja gleich, wie in unserer Zeitrechnung, auch wenn es dafür einen extra Begriff gibt, werde ich den wohl nicht jedes Mal verwenden, sondern auch das Wort "Tag" benutzen.

ZitatFür den Roman an sich war das aber nicht von Belang, der hätte auch ohne Glossar funktioniert. Er war als nette Zusatzinfo gedacht, und genau so habe ich ihn auch benutzt.

Ja, ich glaube, das ist der Knackpunkt. Gerade bei historischen Romanen ist das sicher sehr interessant.

Auch wenn ich jetzt jemanden nicht zitiert habe: Ich fand all eure Antworten sehr hilfreich!!! Vielen lieben Dank  :knuddel:

Titel: Re: Glossar als Lösung gegen Infodump?
Beitrag von: Trippelschritt am 27. März 2017, 22:05:44
Wahrscheinlich mache ich mich jetzt unbeliebt, aber ein Glossar ist ganz klar kein Hilfsmittel gegen Infodump, denn Infodump ist ein grober handwerklicher Fehler beim Schreiben, der sich auch durch Krücken nicht beheben lässt. Bleibt die Frage, ob ein Glossar grundsätzlich sinnlos ist. Als Leser mag ich sie in der Regel nicht, aber das ist Geschmacksache. Ausnahmen sind Romane, die aus dem einen oder anderen Grund lieber den Originalausdruck einer fremden Sprache benutzen als eine Übersetzung und dann die Übersetzung in einem Glossar angeben. Auch Personenlisten helfen manchmal und sind gern gesehen.

Aber - und jetzt wird es hart - wenn ich eine spezielle Zeitenzählung in einer fremden Welt einführe, dann muss sich diese in die Geschichte einpassen und sollte auch eine Funktion oder Bedeutung haben. Wenn sie nur um ihrer selbst willen in der Geschichte ist, weil sie vielleicht intelligent oder pfiffig ausgedacht ist, dann sollte man sie streichen, denn sie macht die Geschichte schlechter. Gleichgültig wie stolz ein Autor auf seine Idee ist. Das tut dann zwar immer weh, muss aber sein.

Liebe Grüße
Trippelschritt

Titel: Re: Glossar als Lösung gegen Infodump?
Beitrag von: LeO am 28. März 2017, 00:14:34
Ich denke, man sollte die Figuren die Welt erklären lassen, ob direkt (etwa durch Dialog oder Gedanken) oder indirekt (durch Erkunden). Unverständliches - etwa Wörter in einer erfundenen Sprache - kann man dann immer noch in einer Fußnote schnell übersetzen oder so. Das kann man sogar als Stilmittel einsetzen (bei Terry Pratchett oder Jonathan Stroud z. B.). Aber den Glossar habe ich bisher glaube ich in jedem Fantasy-Roman ignoriert. ::)