Tintenzirkel - das Fantasyautor:innenforum

Handwerkliches => Workshop => Thema gestartet von: Sturmbluth am 28. Juli 2016, 12:36:26

Titel: Charakterentwicklung in Kurzgeschichten
Beitrag von: Sturmbluth am 28. Juli 2016, 12:36:26
Hallo zusammen,

bei Romanen ist es üblich, dass die Hauptfiguren eine charakterliche Entwicklung im Laufe der Geschichte durchmachen. Sie wachsen oder zerbrechen an einem Konflikt.

Soweit so gut. Das scheint Konsens unter Autoren und Erwartungshaltung von Lesern zu sein (Ausnahmen gibt es natürlich). Meine Frage nun ist, gibt es diese Konvention auch für Kurzgeschichten?

Ich frage deshalb, weil ich es schwer bis unmöglich finde, einen Charakter zu skizzieren, ihn ein Problem bewältigen zu lassen und dann auch noch eine Entwicklung durchmachen zu lassen, wenn der Umfang der Geschichte durch ihre Form begrenzt ist (ach ja, eine spannende Geschichte muss auch noch erzählt werden. Und sie muss logisch sein. Und ja nicht zu viel Tell! :) ). Vor allem, wenn man Kurzgeschichtenwettbewerbe betrachtet, bei denen der Umfang meist auf 20.000 - 25.000 Zeichen limitiert ist.

Titel: Re: Charakterentwicklung in Kurzgeschichten
Beitrag von: Sprotte am 28. Juli 2016, 12:40:21
Ich wurde im Englischunterricht mit Hemmingway gequält. Seine Kurzgeschichten waren alle nach einem klassischen Schema (Short Story eben) aufgebaut: Held wird gezeigt, es gibt BÄMM das einschneidende Erlebnis, das den Helden unwiderruflich verändert.
Im deutschen Erzählraum sind Kurzgeschichten eher kleine Geschichten, die sich nicht an dieses Schema mit dem einschneidenden Erlebnis halten.
Aber grundsätzlich: Geht.
Titel: Re: Charakterentwicklung in Kurzgeschichten
Beitrag von: Churke am 28. Juli 2016, 12:53:31
Zitat von: Sturmbluth am 28. Juli 2016, 12:36:26
Soweit so gut. Das scheint Konsens unter Autoren und Erwartungshaltung von Lesern zu sein (Ausnahmen gibt es natürlich). Meine Frage nun ist, gibt es diese Konvention auch für Kurzgeschichten?

Der Gag bei Kurzgeschichten ist, dass die Figuren keine Entwicklung durchmachen. Auf Englisch nennt man sie "flat characters", im Gegensatz zu den "round characters" des Romans.
Wenn du das schwer bis unmöglich findest, liegst du instinktiv richtig.  ;)

Dass man das natürlich auch anders machen kann, steht auf einem anderen Blatt.
Titel: Re: Charakterentwicklung in Kurzgeschichten
Beitrag von: Tintenteufel am 28. Juli 2016, 14:15:59
Ich hab Kurzgeschichten auch so gelernt, wie Sprotte.
Für mich ist "der Gag" bei Kurzgeschichten auch nicht, einfach nur ein Ereignis zu beschreiben. In Kurzgeschichten gibt es Entwicklung, die ist nur nicht so stark kontextualisiert wie im Roman und auch nicht so lang. Aber das Hauptereignis, finde ich. Die ist kurz, prägnant und auf den Punkt gebracht, wohingegen man bei Romane öfter mal Abschweifungen diverser Art findet.
Der Protagonist einer Kurzgeschichte steht unmittelbar vor einem einschneidenden Erlebnis oder einer Entscheidung, die ihn verändern wird. Flach ist der Charakter dabei nicht, weil er keine Entwicklung durch macht, sondern weil es nur und ausschließlich diese eine Entwicklung gibt. Keinen großen Kontext dazu, keine langen Folgen, Analysen und Vorbereitungen. Eine Kurzgeschichte geht (meist) direkt auf den Kern der Sache zu und ein Roman staffiert noch etwas mehr aus.

Lieblingsbeispiel: Dostojewskis Schuld und Sühne.
Das eine große Hauptereignis des dicken Romans ist, wie Rodion eine alte Frau erschlägt. Davor hält er sich für eine Art Übermensch, der wertlose Leben nehmen darf, um sein volles Potential zu entfalten - in diesem Fall eine alte Wucherin töten und berauben, um sein eigenes Studium zum Anwalt und großen Menschenfreund zu finanzieren. Unmittelbar nach der Tat überkommt ihn aber ein starkes Schuldgefühl und nach einiger Zeit stellt er sich schließlich.
Im Roman werden diese Schuldgefühle auf knapp 400 Seiten weiter inspiziert und analysiert, es kommen Nebenplots und Facetten zu diesem einen Hauptthema dazu - das man aber auch gut als Kurzgeschichte hätte verpacken können:
Rodion steht mit der Axt schon vor der Tür, begründet seine Tat innerlich, spricht sich Mut zu, hackt die Alte in Stücke und versteckt wie im Roman aus Angst vor der Polizei sofort seine Beute - der Leser merkt, dass er sich seiner Sache doch nicht so sicher war und die Entwicklung ist skizziert.
Titel: Re: Charakterentwicklung in Kurzgeschichten
Beitrag von: Angela am 28. Juli 2016, 14:39:37
Ich habe das auch mal so gelesen, dass eher keine Entwicklung der Hauptfigur stattfindet, aber das kommt doch ganz auf die Art der Geschichte an, finde ich. Schreibe ich handlungsorientiert oder soll es eine Charakterdarstellung und -veränderung einer Person durch ein einschneidendes Erlebnis werden. Ich selbst konzentriere mich in der Regel eher auf Handlung. Durch die Geschichte erklärt sich der Jetztzustand der Hauptpersonen, was ja durchaus auch ganz schön verworren/überraschend sein kann. Ich spiele da gern mit sehr unterschiedlicher Außenwahrnehmung und Innenzustand.
Titel: Re: Charakterentwicklung in Kurzgeschichten
Beitrag von: Sturmbluth am 28. Juli 2016, 14:48:36
Hey, es steht 2:2 (mit Entwicklung / ohne Entwicklung)  :D
Titel: Re: Charakterentwicklung in Kurzgeschichten
Beitrag von: Dämmerungshexe am 28. Juli 2016, 14:56:09
Ich denke schon dass es eine Entwicklung gibt. Sie ist nur nicht so klar ausgearbeitet wie in einem Roman, wie Tintenteufel schon sagte. Der Autor gibt dem Leser ein paar Details, wie einen Ausschnitt aus einem Gemälde, und der Leser kann sich dann den Rest dazu ausmalen.

Wenn es keine Entwicklung geben würde, wovon handelt dann die Geschichte? Ein Ereignis im Leben des Protas, das wichtig genug ist um zu einer Geschichte gemacht zu werden, wird immer eine Entwicklung/Veränderung mit sich bringen.
Titel: Re: Charakterentwicklung in Kurzgeschichten
Beitrag von: Grummel am 28. Juli 2016, 15:06:50
Ein großer Unterschied ist, dass in Kurzgeschichten ein Charakter eben diesen durch Handlung erhält. In Romanen geschieht das eher durch Beschreibung. Ich hoffe, du verstehst, was ich meine.
Titel: Re: Charakterentwicklung in Kurzgeschichten
Beitrag von: Dämmerungshexe am 28. Juli 2016, 15:12:42
Nein, ich fürchte ich verstehe nicht ganz, was du meinst, Grummel.
Titel: Re: Charakterentwicklung in Kurzgeschichten
Beitrag von: Grummel am 28. Juli 2016, 15:28:39
:) Okay, ich versuche es mit einem Beispiel aus einer meiner vielen Kurzgeschichten.

Da kommt ein Zwerg vor. Ein bärbeißiger, grummeliger, fieser kleiner Möpp, der sich zum Ende der Geschichte in einen warmherzigen Freund verwandelt.
In einem Roman hätte ich die "Verwandlung" immer wieder ausführlich beschrieben. Bis hin zum Aussehen und diverser Gebärden.
In meiner Kurzgeschichte beschreibe ich nicht einmal sein Aussehen. Ich erkläre auch nicht, was in ihm vorgeht.
Aber seine Handlungen;
zu Beginn der Geschichte ist er uninteressiert an den Aktivitäten seiner Kumpanen,
seine Äußerungen;
er spricht grummelig und abfällig,
beschreiben ihn ausreichend. Er ist ein Arschloch.
Im Laufe der Geschichte (ein kleines Tier, der Olm spielt eine wichtige Rolle) ändert sich seine Rolle.
Er wird hilfsbereit, er äußert sich freundlicher und zum Schluß ist er ein liebevoller kleiner Wicht.

Das ganze auf 14 Seiten. In einem Roman hätte man diese Entwicklung auch ohne eine einzige Handlung des Charakters in 30 Seiten beschrieben. Die Handlung kommt dort oben drauf.
Titel: Re: Charakterentwicklung in Kurzgeschichten
Beitrag von: Fianna am 28. Juli 2016, 15:38:25
Ich plotte Kurzgeschichten grundsätzlich mit Konflikt & Lösung. (Eigentlich alles, was ich schreibe).
In der Regel ist es ein innerer Konflikt, bei dem der Charakter durch die Handlung (den äusseren Konflikt) zu einer Entscheidung (oder Handlungen) getrieben wird, die ihn verändern.
Manchmal habe ich auch zentraler einen äusseren Konflikt, der den Protagonisten durch seine Reaktion auf diese Ereignisse in innere Konflikte stürzt (manchmal kommen verdrängte Dinge auf, oder die Ängste/Probleme behindern ihn in der aktiven Lösung des Problems oder haben dieses hervorgerufen).
Manchmal werden diese inneren Konflikte erfolgreich gelöst, manchmal nicht, teilweise gibt es ein Unentschieden zwischen mehreren Figuren: aufgrund ihrer Erfahrungen und der Entwicklung, die sie im Laufe der Kurzgeschichte (zu Ende) mitgemacht haben, bewerten sie die Endsituation unterschiedlich. Einer positiv, einer negativ.
Oder es ist einfach eine komplett negative Endsituation, weil der Protagonist sich im Laufe der Handlung seinem Charakter entgegen verhalten hat oder seine Instinkte verleugnet (das war dann der innere Konflikte), und Sklaverei, Vernichtung, Tod sind die Quittung.
Oder alles. ;)


Ich finde, es gibt in Kurzgeschichten vielfältige Möglichkeiten, Entwicklungen eines Charakters darzustellen, die von der Handlung beeinflusst worden oder diese beeinflussen oder beides.
Man muss "nur" dabei Weltenbau und Beschreibungen klein halten, darf sich nicht in Details verlieren, muss mit wenigen Ereignissen die Figur und ihre Konflikte charakterisieren - und bei allem Schreiben, Schrauben und Kürzen immer noch den Leser abholen. Also, die Motivationen und Entscheidungen müssen beim ersten Lesen verständlich sein. Je länger man an einer Kurzgeschichte schraubt, desto mehr geht einem der Blick dafür verloren.
Aber dann findet man vielleicht ja noch einen Betaleser, der drüber guckt.
Titel: Re: Charakterentwicklung in Kurzgeschichten
Beitrag von: Trippelschritt am 28. Juli 2016, 15:41:31
Nach meiner Kenntnis gibt es keine entsprechende Konvention. Wie sollte es auch, wenn es keine allgemeinverbindliche Aussage darüber gibt, was eine Kurzgeschichte überhaupt ist. außer eine Geschichte und nicht allzu lang. Die "short story" hatte einmal eine allgemeine Form. Heute auch nicht mehr, und die deutsche Kurzgeschichte ist nur noch in der Übersetzung eine short story. Du kannst es also halten, wie Du möchtest. In meiner liebsten Form, kleiner 10 000 Zeichen, tut sich wenig mit Charakterentwicklung, es sei denn sie ist genau das Thema. Im Kurzroman/lange Kurzgeschichte - du siehst die Eierei geht schon los - kannst du es halten wie im Roman.
Mein Vorschlag ist deshalb: orientiere Dich an Deiner Geschichte, die Du schreiben möchtest.

Liebe Grüße
Trippelschritt
Titel: Re: Charakterentwicklung in Kurzgeschichten
Beitrag von: Lothen am 28. Juli 2016, 15:51:15
Zitat von: Dämmerungshexe am 28. Juli 2016, 14:56:09Der Autor gibt dem Leser ein paar Details, wie einen Ausschnitt aus einem Gemälde, und der Leser kann sich dann den Rest dazu ausmalen.
So sehe ich das auch.

Ein Element der Kurzgeschichte kann ja auch das offene Ende sein, d.h. unter Umständen ist die Entwicklung des Charakters gar nicht mehr Teil der Geschichte, sondern wird ausgelagert. Das heißt, innerhalb der Geschichte kommt es zum Konflikt, zur Katastrophe, aber wie der Charakter das verarbeitet, wie er sich verändert, das wird höchstens angedeutet und ist der Fantasie des Lesers überlassen.

Aber wie schon einige Mal anklang, ich sehe darin keine Konvention. Das hängt von der Kurzgeschichte, ihrem Umfang und der Intention dahinter ab.
Titel: Re: Charakterentwicklung in Kurzgeschichten
Beitrag von: Sturmbluth am 28. Juli 2016, 16:22:40
Hallo Trippelschritt,

Zitat von: Trippelschritt am 28. Juli 2016, 15:41:31Die "short story" hatte einmal eine allgemeine Form. Heute auch nicht mehr, und die deutsche Kurzgeschichte ist nur noch in der Übersetzung eine short story.
Wie sah denn die allgemeine Form der "Short Story" aus?


Zitat von: Trippelschritt am 28. Juli 2016, 15:41:31In meiner liebsten Form, kleiner 10 000 Zeichen, tut sich wenig mit Charakterentwicklung, es sei denn sie ist genau das Thema.
Genau, bei der Kürze kann man gar nichts machen. Und in meiner Frage ging es ja genau darum: Kurzgeschichten mit limitierter Länge (z.B. wegen Wettbewerb) Ich bin auch der Meinung, dass man die Charakterentwicklung da höchstens am Rande andeuten kann.
Titel: Re: Charakterentwicklung in Kurzgeschichten
Beitrag von: Churke am 28. Juli 2016, 16:38:24
Zitat von: Dämmerungshexe am 28. Juli 2016, 14:56:09
Wenn es keine Entwicklung geben würde, wovon handelt dann die Geschichte? Ein Ereignis im Leben des Protas, das wichtig genug ist um zu einer Geschichte gemacht zu werden, wird immer eine Entwicklung/Veränderung mit sich bringen.

Die Frage ist, was versteht man unter Entwicklung?
Im Roman entwickelt sich die Figur oft in ihr Gegenteil.
Vom Verfemten zum Helden, vom Volkstribun zum Tyrannen, vom Senkrechtsstarter zum Bankrotteur, vom Menschenfreund zum Zyniker.
Die KG ist eine Momentaufnahme, sie zeigt die Figur als Verfemten, als Helden, als Volkstribun, als Tyrannen ect....

Titel: Re: Charakterentwicklung in Kurzgeschichten
Beitrag von: Dämmerungshexe am 28. Juli 2016, 16:44:40
Zitat von: Churke am 28. Juli 2016, 16:38:24
Die KG ist eine Momentaufnahme, sie zeigt die Figur als Verfemten, als Helden, als Volkstribun, als Tyrannen ect....

Das wäre eine Beschreibung oder Darstellung, keine Geschichte.

Die Entwicklung muss ja nicht ins Gegenteil sein, muss nicht mal vollständig sein. Es kann auch nur ein Schritt einer langen Reise sein, aber Bewegung muss da sein.
Titel: Re: Charakterentwicklung in Kurzgeschichten
Beitrag von: Fianna am 28. Juli 2016, 16:55:32
In einer Kurzgeschichte kann man den Wendepunkt oder Endpunkt einer solchen Entwicklung setzen - den entscheidenden Schritt, der zu diesem Status führte. Oder die Entscheidung an sich, und warum sie getroffen wurde.


Das ist ein Kernpunkt, der super in ein Kurzgeschichtenformat passt: warum man etwas tut (oder es unterlässt), wie sich diese Entscheidung faktisch auswirkt und wie das die Figur wiederum beeinflusst.

Man kann siegen, scheitern, verzweifeln, alles in unter 10.000 Zeichen.
Titel: Re: Charakterentwicklung in Kurzgeschichten
Beitrag von: Trippelschritt am 28. Juli 2016, 22:27:18
Zitat von: Sturmbluth am 28. Juli 2016, 16:22:40
Hallo Trippelschritt,
Zitat von: Trippelschritt am 28. Juli 2016, 15:41:31Die "short story" hatte einmal eine allgemeine Form. Heute auch nicht mehr, und die deutsche Kurzgeschichte ist nur noch in der Übersetzung eine short story.
Wie sah denn die allgemeine Form der "Short Story" aus?

Müsste ich jetzt selber nachlesen, um keine Fehler zu produzieren. Es ging los mit Poe und hörte auf, als sich die Kurzgeschichte nicht mehr auf die "American short story" beschränkte, wobei darunter auch britische Geschichte fielen. Aber Du kannst das googeln, schätze ich. Ich habe einfach mal ein par Literaturwissenschaftler gefragt, die ich kannte. Das ist aber leider schon ein paar Jährchen her.

Liebe Grüße
Trippelschritt
Titel: Re: Charakterentwicklung in Kurzgeschichten
Beitrag von: Tanrien am 30. Juli 2016, 17:25:57
Zitat von: Lothen am 28. Juli 2016, 15:51:15
Ein Element der Kurzgeschichte kann ja auch das offene Ende sein, d.h. unter Umständen ist die Entwicklung des Charakters gar nicht mehr Teil der Geschichte, sondern wird ausgelagert. Das heißt, innerhalb der Geschichte kommt es zum Konflikt, zur Katastrophe, aber wie der Charakter das verarbeitet, wie er sich verändert, das wird höchstens angedeutet und ist der Fantasie des Lesers überlassen.
Stimme ich dir zu. Das ist dann aber natürlich keine Entwicklung, also man würde es nicht "Ja, der Charakter macht eine Entwicklung in der Kurzgeschichte durch" nennen. "Enwicklung" ist ja schon etwas längeres als nur ein einschneidendes Ereignis oder auch der Anstoß zur potentiellen Entwicklung. Deswegen bin ich auch eher der Meinung, dass es nur schwer und eingeschränkt gut und halbwegs glaubhaft geht.

Kurzgeschichten für Kinder und so moralische Fabeln mal ausgenommen und es kann ja sein, dass es in @Grummel s Kurzgeschichte super funktioniert, aber bei
Zitat von: Grummel am 28. Juli 2016, 15:28:39Er ist ein Arschloch.
Im Laufe der Geschichte (ein kleines Tier, der Olm spielt eine wichtige Rolle) ändert sich seine Rolle.
Er wird hilfsbereit, er äußert sich freundlicher und zum Schluß ist er ein liebevoller kleiner Wicht.
wüsste ich gern noch die Aufteilung und wie du die Schritte jeweils darstellst, Grummel? Für meine Ohren klingt das ja schon sehr zusammengestaucht, selbst für eine Kurzgeschichte? Wie viel Platz hat denn der mittlere Teil, wo mehrere Entwicklungsstufen durchlaufen werden? Gerade wenn du den letzten Teil auch noch darstellen musst.
Titel: Re: Charakterentwicklung in Kurzgeschichten
Beitrag von: Szazira am 01. August 2016, 16:47:13
Für mich waren (klassische) Kurzgeschichten immer Schlaglichter, die nur einen bestimmten Abschnitt beleuchten. Das Vorher und das Nachher bleibt, sofern es nicht dringend für die Geschichte gebraucht wird, im Dunkeln. Genauso wie alles was über die vorkommenden Figuren nicht zu Verständnis der Geschichte gebraucht wird.

So habe ich es von meinem Deutschlehrer (aber das ist auch schon *rechne* viel zu lange her).

Es kommt auf das Thema der Kurzgeschichte an, ob sich der Charakter entwickeln darf. Geht es um ein Rennen... wohl eher nicht, geht es darum, dass er seiner Angebeteten seine Liebe gesteht, weil er im Lauf der Geschichte den Mut dazu fast, eher schon ;).
Titel: Re: Charakterentwicklung in Kurzgeschichten
Beitrag von: Trippelschritt am 01. August 2016, 17:08:50
Für den Punkt Charakteränderung (Entwicklung ist eher langfristig) empfehle ich: Alexander Steele, Creative Writing - Romane und Kurzgeschichten schreiben, Autorenhaus Verlag,
weil in diesem Buch eine Kurzgeschichte von Raymond Carver besprochen wird. Aber der kann wirklich "short stories" schreiben. In der Geschichte geht es um einen Ehemann, der die Welt plötzlich ganz anders sieht, nachdem seine Frau einen Gast hereinführt. Handwerklich eine Meisterleistung.

Liebe Grüße
Trippelschritt
Titel: Re: Charakterentwicklung in Kurzgeschichten
Beitrag von: Grummel am 01. August 2016, 18:52:23
Zitat von: Tanrien am 30. Juli 2016, 17:25:57
Zitat von: Lothen am 28. Juli 2016, 15:51:15
Ein Element der Kurzgeschichte kann ja auch das offene Ende sein, d.h. unter Umständen ist die Entwicklung des Charakters gar nicht mehr Teil der Geschichte, sondern wird ausgelagert. Das heißt, innerhalb der Geschichte kommt es zum Konflikt, zur Katastrophe, aber wie der Charakter das verarbeitet, wie er sich verändert, das wird höchstens angedeutet und ist der Fantasie des Lesers überlassen.
Stimme ich dir zu. Das ist dann aber natürlich keine Entwicklung, also man würde es nicht "Ja, der Charakter macht eine Entwicklung in der Kurzgeschichte durch" nennen. "Enwicklung" ist ja schon etwas längeres als nur ein einschneidendes Ereignis oder auch der Anstoß zur potentiellen Entwicklung. Deswegen bin ich auch eher der Meinung, dass es nur schwer und eingeschränkt gut und halbwegs glaubhaft geht.

Kurzgeschichten für Kinder und so moralische Fabeln mal ausgenommen und es kann ja sein, dass es in @Grummel s Kurzgeschichte super funktioniert, aber bei
Zitat von: Grummel am 28. Juli 2016, 15:28:39Er ist ein Arschloch.
Im Laufe der Geschichte (ein kleines Tier, der Olm spielt eine wichtige Rolle) ändert sich seine Rolle.
Er wird hilfsbereit, er äußert sich freundlicher und zum Schluß ist er ein liebevoller kleiner Wicht.
wüsste ich gern noch die Aufteilung und wie du die Schritte jeweils darstellst, Grummel? Für meine Ohren klingt das ja schon sehr zusammengestaucht, selbst für eine Kurzgeschichte? Wie viel Platz hat denn der mittlere Teil, wo mehrere Entwicklungsstufen durchlaufen werden? Gerade wenn du den letzten Teil auch noch darstellen musst.

Am Anfang steht ein Dialog, am Ende steht ein Dialog. Das gesamte "dazwischen" wir rein über Handlung dargestellt.