Hallo,
ich arbeite gerade an einem SteampunkRoman, der im 19. Jahrhundert spielt. In dieser Zeit veröffentlichte die brittische Autorin (verstorben, wenn die Geschichte spielt) Merry Shelley "The last man". Diese Buch spielt eine Rolle im Leben eines meiner Protagonisten. Und es passt auch sehr gut zum setting. Denn die Welt ist ungerecht, finster, nicht gerade ein friedlicher Ort. Auch zur Handlung passt der Titel sehr gut.
Jetzt frage ich mich, darf ich den Titel vom Roman aus dem 19. Jahrhundert für mein eigenes Buch hernehmen?
Vermutlich wird es sowieso etwas abgewandelt, aber rein theoretisch würde mich das schon interessieren.
Gruß Scrivatore
Es gibt einen Titelschutz, aber wie lange der gültig ist, weiß ich nicht. Nur, dass ich meinen Wunschtitel "Hide and Seek" für meinen Steampunk-Roman damals nicht verwenden durfte, weil der schon in Verwendung war.
Ich klinke mich bei der Frage mal ein.
Mein Titel "Königsmacher" ist natürlich auch schon vergeben. Ich suche nun nach Alternativen, mag den ursprünglichen Titel aber sooo gerne. Wäre da mit Untertiteln oder der Nennung der Protagonistennamen etwas zu deichseln?
"Jiras und Belac: Königsmacher" zum Beispiel?
Zitat von: Sprotte am 02. Februar 2016, 11:32:31
Ich klinke mich bei der Frage mal ein.
Mein Titel "Königsmacher" ist natürlich auch schon vergeben. Ich suche nun nach Alternativen, mag den ursprünglichen Titel aber sooo gerne. Wäre da mit Untertiteln oder der Nennung der Protagonistennamen etwas zu deichseln?
"Jiras und Belac: Königsmacher" zum Beispiel?
Mit Subtiteln oder Zusätzen verändert man den eigentlichen Titel ja, dann geht das, sofern dieser Sub- oder angepasste Titel nicht auch schon vergeben ist.
@ Sprotte
Das geht - ich weiß es definitiv aus meiner Galotta-Zeit, wo auch einer der Romane einen schon vergebenen Titel hatte. Aber durch den Zusatz der Reihe ging es dann.
Das ginge - ich muß dumm fragen - also auch, wenn ich z.B. ganz viele Gay Romances schreibe, denen einen Obertitel wie "Die lustigen Abenteuer" gebe und dann mein "Königsmacher" als Reihentitel dazusetze? Das würde mich sehr glücklich machen.
Ja, müsste gehen, solange es diese Kombination nirgendwo gibt. Bei "Die lustigen Abenteuer" könnte die Auswahl sehr klein sein, weil ich fürchte, dass das ein beliebter Obertitel ist. ;D
Ich versuche auch immer, Alternativen zu finden, oder ein Wort noch zusätzlich einzufügen, was den Titel etwas abändert, aber seinen Sinn nicht verfälscht.
Hab grad wieder bemerkt, dass es einen Buchtitel bereits gibt. *narf* Also jongliere ich jetzt mit den einzelnen Wörtern, um einen neuen zu finden.
Ich denke man kann ähnliche Titel verwenden als Hommage an Bücher ... aber ob man genau den gleichen verwenden darf?
Kommt mir komisch und auch unhandlich vor - wenn ich ein bestimmtes Buch suche und gleich mehrere unter demselben Titel finde... ;)
An sich läuft das Copyright von Büchern 70 Jahre nach dem Tod des Autors ab - d.h. danach darf jeder zu den Charakteren Dinge schreiben - siehe die ganzen Sherlock Holmes Verfilmungen, die in den letzten Jahren rausgekommen sind. Da Mary Shelley deutlich länger als 70 Jahre tot ist, gibt es für ihre Werke kein Copyright mehr und vermutlich darst du den Titel verwenden.
Persönlich finde ich es trotzdem doof, auch wenn dein Buch auf ihr Werk Bezug nimmt. Kannst du nicht einen Hommage Titel daraus machen? "Der vorletzte Mann"? "Die letzte Frau"? "Der letzte seiner Art" - idk sowas?
Zitat von: Vic am 03. Februar 2016, 15:54:50
An sich läuft das Copyright von Büchern 70 Jahre nach dem Tod des Autors ab
Eine ganz kleine Korrektur an dieser Stelle:
Das Copyright von Büchern läuft zwar 70 Jahre nach dem Tod des Autors ab, aber erst ab dem 01.01. des darauffolgenden Jahres
(Urheberrechtsgesetz §69)
Übrigens habe ich zum Thema "Dauer von Titelschutz" auf der Seite dr-bahr.com diese Erklärung gefunden:
ZitatEin Titelschutz wird nur für die Dauer einer kontinuierlichen rechtserhaltenden Benutzung gewährt.
Leider finde ich diesen Begriff dann nur noch beim Markenrecht. Dort wird erklärt, dass die Marke dann solange geschützt ist, wie sie ernsthaft gebraucht wird.
Ob jetzt "Die Königsmacher" frei wäre, weil das Buch nicht mehr im regulären Handel erhältlich ist (ich greife die Behauptung aus der Luft, ich weiß nicht, ob es den Titel wirklich nicht mehr gibt), dass kann Ihnen ein Anwalt beantworten, der auf Urheberrecht spezialisiert ist.
Notfalls einfach den Verlag fragen, ob Sie den Titel verwenden dürfen.
Unabhängig von der rechtlichen Seite finde ich es schöner, wenn Bücher einen eigenen Titel haben. Auch eine Hommage ist keine Kopie - deshalb sollte in meinen Augen auch eine solch nett gemeinte Verbeugung in Richtung eines früheren Werkes keine Titelkopie darstellen. Ein Titel ist ein viel zu zentrales Element in der Wahrnehmung eines Buches.
Dass es den Titel meines Erstlings bereits von Albert Camus gab, hab ich ungebildete dumme Nuss erst gemerkt, als ich ganz stolz bei Amazon nach meinem Roman gesucht habe. Bisher hat sich aber noch keiner beschwert. :-\
Allerdings hat das Buch ja auch einen Reihentitel, so dass möglicherweise ein Titelklau gar nicht vorliegt. :hmmm:
Der Titelschutz richtet sich nicht nach dem Urheberrecht, sondern dem Markenrecht, da das Urheberrecht lediglich Werke schützt. Titel sind nur insofern geschützt, wenn sie eine eigene Kennzeichnungs- und Unterscheidungskraft begründen, also beispielsweise als spezielle Bezeichnung eines Werkes durch ,,hinreichend unterscheidungskräftige namenmäßige Benennung. Außerdem kann dies auch durch Schaltung einer Titelschutzanzeige über den Börsenverein des Deutschen Buchhandels erfolgen.
,,Königsmacher" erscheint mir als Laie erst einmal eben nicht so speziell, dass eine weitere Verwendung ausgeschlossen wäre.
Ich denke, dass die einfachste Lösung eine entsprechende Anfrage des Verlages beim Börsenverein wäre. Die halten auch weitergehendes Infomaterial vor.
"Königsmacher" scheint mir doch ein recht allgemeiner Titel, und in der englischen Version als "Kingmaker" ist mir der Titel auch schon öfters unter die Augen gekommen. Eine kurze Suche bei Wikipedia ergibt da folgendes:
ZitatA kingmaker is a person who can influence the selection of a monarch, without being a candidate for the position itself.
Kingmaker can also mean:
Kingmaker (board game), a 1974 game set in the English Wars of the Roses
Kingmaker (band), a 1990s British indie rock group
"Kingmaker" (Law & Order), a 2006 episode of NBC's legal drama Law & Order
The Kingmaker, a 2006 Doctor Who audio drama
King Maker (novel), a 2010 urban fantasy novel by Maurice Broaddus
King Maker (TV series), a 2012 TVB television drama
Kingmaker (song) a 2013 song by American Thrash Metal band Megadeth from their album Super Collider
Neverwinter Nights: Kingmaker (expansion pack), an expansion pack for the computer game Neverwinter Nights
Neverwinter Nights: Kingmaker (module), a premium module for the game
The Kingmaker (comics), a Marvel Comics character related to the X-Men
"The Kingmaker" (The Blacklist), a 2014 episode of TV series The Blacklist
Auf Deutsch gibt es dafür zwar keinen Wikipediaartikel der alle Werke mit diesem Titel auflistet, aber Google wirft genügend verschiedene Ergebnisse auf:
Ein Roman von 2008: http://www.amazon.de/K%C3%B6nigsmacher-Roman-Karen-Miller/dp/3764530030
Ein Roman von 2003: http://www.amazon.de/K%C3%B6nigsmacher-Friedrich-Christian-Delius/dp/3499233509/
Eine Reihe von Rollenspiel-Abenteuern für das DSA-Regelwerk: http://www.wiki-aventurica.de/wiki/K%C3%B6nigsmacher
Eine Reihe von Rollenspiel-Abenteuern für das Pathfinder-Regelwerk: http://www.ulisses-spiele.de/produkte/18/koenigsmacher-1-geraubtes-land/
Und dann noch ein Institut, das anscheinend Rhetorik-Training anbietet: http://www.koenigsmacher-institut.com/
In dem Falle wäre der Name also so allgemein, dass er als Titel verwendet werden darf. Er wird von verschiedenen Werken in verschiedenen Sparten genutzt (Bücher, Computerspiele, Pen and Paper Rollenspiele), und sogar Institute und Bands nennen sich Königsmacher bzw englisch Kingmaker. Rein rechtlich sollte es also kein Problem darstellen.
Aber bei einem so allgemeinen Titel der von vielen anderen zuvor schon verwendet wurde gibt es dann eben das Problem, dass der eigene Buchtitel ein großes Maß an Einzigartigkeit und Wiedererkennungswert einbüßt. Einen ähnlichen Titel mit anderen Werken zu teilen kann sowohl Vorteile als auch Nachteile haben. Der große Nachteil ist, dass das Werk möglicherweise untergehen kann: wer auf Amazon nach "Königsmacher" sucht, kriegt dann erstmal zwei Romane und zwei ganze Reihen von Rollenspiel-Abenteuern als Suchergebnis, und wenn die populärer sind als das eigene Buch, kommen die natürlich erstmal an höherer Stelle in der Ergebnisliste.
Und dann kann es zu so amüsanten Fehlern kommen wie bei "The Girl on The Train":
http://fusion.net/story/234316/girl-on-the-train-wrong-book/
Habe das Buch selbst noch nicht gelesen, aber es ist ein ziemlicher Mainstream-Bestseller geworden. Das lustige daran: ein anderes Buch namens "The Girl on A Train", von einer anderen Autorin geschrieben und mit einem völlig anderen Plot, hat plötzlich höhere Verkaufszahlen erzielt weil einige Leute die Bücher verwechselt haben, da der Titel so ähnlich ist! Das Gute: die Autorin hat mehr Leser, da ein Bestseller einen ähnlichen Titel hat wie ihr Buch.
Das ist durchaus kein Einzelfall:
ZitatAs the Journal points out, this case of mistaken identity has certainly happened before: Emily Schultz's e-book Joyland enjoyed a wave of fresh downloads when Stephen King published a novel by the same name in 2013. And of course, enterprising e-book authors will purposely prey on the gullible tendencies of modern book readers: there are plenty of The Girl with the Dove Tattoos circulating on Amazon. (The book you probably want is The Girl with the Dragon Tattoo.)
It would appear all is well for these confused readers—the Journal writes that "many" of the people who bought Waines' book instead of Hawkin's "liked it anyway."
Also: wenn der Titel allgemein genug ist, um nicht als Eigenname gewertet zu werden (obwohl es bei Joyland schon etwas grenzwertig ist, würde ich sagen... das ist aber deshalb kein Problem weil Stephen King Geld wie Heu hat und sich die Indie-Autorin freut, dass ihr eigenes Buch durch die Titelgleichheit mehr Verkäufe erzielt und deshalb niemals auf die Idee käme, zu klagen), dann ist es kein Problem, wenn der Titel ähnlich klingt oder vielleicht sogar gleich.
Ob man jetzt das Risiko der Verwechslungsgefahr eingehen möchte oder nicht, ist wieder eine andere Sache. :)
Der Inhalt des Threats hat mich echt erstaunt. Ich hatte mir bislang nie Gedanken darüber gemacht, ob ich einen Buchtitel so verwenden kann/darf oder nicht. Bis jetzt haben sich die Buchtitel bei mir einfach so ergeben und ich bin ehrlich, ich wusste gar nicht, dass ein Buchtitel nur einmal verwendet werden darf. Es gibt in der Musik ja viele Liedtitel mehrfach. Da es dort ohne weiteres möglich ist, bin ich immer davon ausgegangen, dass das bei Büchern auch so ist.
Deshalb erstmal ein herzliches Dankeschön dafür, dass ich etwas Neues lernen durfte. Allerdings habe ich da auch gleich eine Frage: Wie finde ich heraus, ob es einen Buchtitel schon gibt? Ich denke es ist recht schwierig, zumindest sehr aufwendig, alle Verlagskataloge zu durchforsten - und dann übersieht man einen kleinen Verlag oder ein Buch, das nicht mehr erhältlich ist, das Titelrecht aber noch existiert. ???
Ich bin da bisher sehr laienhaft heran gegangen und habe einfach Amazon gefragt, ob ein Titel bereits existiert. Einfach den Titel als Suchwort eingeben und schauen, was das Sortiment dazu ausspuckt. Klar, Amazon hat nicht alles, aber eine ganze Menge. Weiter ins Detail habe ich eine Überprüfung aber noch nicht vertieft.
Der Drachenstern Verlag nennt seine neue Anthologie Schattenfeuer, genauer, es wird als Schattenfeuer: Fantasy- Stories bezeichnet, wobei das mit den Stories klein unter dem Schattenfeuer steht. Es gibt zwei andere Bücher mit dem Namen Schattenfeuer, eins davon ist von Koontz, der sicher jedem hier ein Begriff ist.
Ich denke, der Herausgeber weiß, wie und war er machen darf.
Ja im Zweifle würde ich mich auch einfach auf den Verlag verlassen. Die sollten wissen, was sie tun.
Auf der Seite des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels gibt es eine Datenbank, in der man suchen kann. Dort sind Titel gelistet, die existieren oder für die Titelschutz angemeldet wurde.
Ausserdem kann man auf der Seite der Deutschen Nationslbibliothek sehen.
Ich bin gerade nur mit Handy online und ergänze später per Edit die Links.
Ich denke es liegt auch im eigenen Interesse einen eher Individuellen Buchtitel zu nehmen.
Ich hatte vor die geplanten Bücher Feuertaufe, Flammenmeer und Ascheregen zu nennen. Das sind aber Begriffe die sich als Buchtitel so gut eignen, dass es eine ganze Reihe Bücher mit diesen Namen gibt. Deshalb setz ich dann einfach noch den Namen des Protagonisten davor. Das mag zwar eine recht einfache Lösung sein aber ich finde sie, besonders für Buchreihen, doch recht elegant.
Bei Einzelbüchern, die keine Verknüpfung zu anderen Werken haben, würde ich das aber nicht machen, sondern versuchen, dort wirklich einen individuellen Titel zu finden.
Mein Verlag hat es gelöst, indem der ursprüngliche Titel (der bereits vergeben war) zum Untertitel wurde und der "Übertitel" dann hinzugefügt wurde, sodass es in der Kombination und im Genre einzigartig ist.
Es ist laut dem, was ich zum Thema Titelschutz gelesen habe, kein Problem, wenn eine Band, ein Musikstück oder ein Schnittmuster für Lampenschirme schon genauso heißt, wie mein Buch.
Es ist sogar dann kein Problem, wenn es sich um zwei Bücher aus zwei verschiedenen Genres handelt (z.B. Splatter und Liebesroman), sodass eine Verwechslung aufgrund der Zielgruppen trotzdem ausgeschlossen werden kann.
Aber zwei Fantasyschinken sollten beispielsweise idealerweise nicht gleich heißen :D.
Man sollte wohl besser nicht nur bei Amazon suchen (da allerdings auch), sondern in der Nationalbibliothek recherchieren. Bei Duplikaten dann den Verlag fragen, ob er den Titel noch nutzt oder freigibt. Hat bei mir bei einem meiner Verlagsbücher auch gut geklappt, sehr freundlich und unbürokratisch.
Im englischsprachigen Raum wird der Titelschutz längst nicht so verbissen eng gesehen wie bei uns.