Konnte so einen Thema nicht finden, also bitte steinigen, falls ich schlecht gesucht habe. :versteck:
Einer der Gründe, warum ich so gerne schreibe (und besonders eine Fortsetzungs-Reihe) ist, dass ich beim Schreiben das Gefühl habe, Zeit mit guten alten Freunden zu verbringen. Sie tanzen auch mal aus der Reihe oder machen Ärger, aber meistens bereiten sie mir sehr viel Vergnügen und nicht selten sind sie sogar eine echte Hilfe. Ich habe mich schon oft dabei erwischt, dass ich mich in komplizierten Situationen selbst fragte: "Was würde XY tun?" In gewissem Sinne fungieren sie dann als Vorbilder, wenn ich versuche mir ein wenig mehr Optimismus von dem einen und ein wenig mehr Disziplin von dem anderen abzuschauen. Dann gibt es aber auch noch Charas, die mich selbst wiederspiegeln, jedoch niemals ganz, immer nur eine Facette. Drei Charakteren habe ich wiederum bewusst jeweils einen Teil meiner bewegten Vergangenheit geliehen, damit sie nicht Gefahr laufen zu eindimensionalen, klischeehaften Papp-Figuren auszuarten. Wobei ich mich in meinem Buch eigentlich nicht so gerne mit meinem eigenen Leben auseinandersetze, da ich für mich und meine Figuren eine Welt geschaffen habe, in der wir fern von jedem Stress Spaß haben können, auch wenn ich selbst niemals darin auftauche.
:hmmm: Jetzt würde mich natürlich interessieren: Wie große Rollen spielen eure Protas in eurem Leben? Sind sie alte Freunde, Vorbilder, oder doch eure Spiegelbilder? Und gefällt euch das, oder war es auch schon mal lästig? Sind sie vielleicht sogar manchmal eine therapeutische Auseinandersetzung mit eurem eigenen Leben?
Mir geht es ähnlich wie dir, für mich sind die Charaktere auch alles auf einmal. Freunde allerdings mal mehr, mal weniger. Die Truppe aus meinem Erstling hat mich beim Erwachsenwerden begleitet, während ich sie bei ihren Abenteuern begleitet habe. Bei ihnen ist das Gefühl alter Freunde auf jeden Fall vorhanden, auch noch heute beim Reinlesen in den Roman. Dieses Gefühl hat sich aber mit der Zeit abgeschwächt (was auch an der Art der folgenden Romane liegen kann), beim akuellen Projekt kommt es kaum auf.
Vorbildscharakter haben sie eher selten - klar denke ich manchmal: "xy würde jetzt auch nicht rumjammern, sondern einfach machen", aber dabei bleibt es dann auch.
Ein Spiegel sind sie auf jeden Fall. Wie du selbst schreibst, verpflanze ich mich nie selbst in einem Roman, aber bestimmte Gefühle, Charakterzüge oder Lebensbedingungen leihe ich ihnen schon. Und ja, das passiert auch aus therapeutischen Gründen, wenn man sie so nennen will. Ich halte das Schreiben für heilsam - nicht (oder nicht nur) als Flucht, wie manche es bezeichnen, sondern um Dinge zu verarbeiten. Ich habe mein Leben lang geschrieben, am meisten und am intensivsten, wenn viel Negatives passiert ist. Man kann sich mit Situationen, die der eigenen ähneln oder die sich auf einen anderen Zusammenhang übertragen lassen, noch einmal auseinandersetzen, ohne selbst betroffen zu sein. Mit Abstand sieht man die Dinge ja oft klarer.
Deswegen noch ein vierter Punkt, was Charaktere für mich sein können: Selbsterkenntnis. Manchmal entwickelt sich der Charakter beim Schreiben in eine bestimmte Richtung, bis mir irgendwann die (manchmal metaphorische) Parallele zu meinem Leben bewusst wird. Während man über Gefühle und Probleme und Wünsche anderer schreibt, kann man manchmal über das Stolpern, was man selbst fühlt, über eigene Probleme und Wünsche.
Für mich sind das alles positive Seiten. Beim Spiegel muss man natürlich aufpassen, dass man nicht doch immer sich selbst schreibt, aber nach den ersten Erfahrungen klappt das vermutlich von ganz allein. Ich jedenfalls fühle mich manchmal auch den Charakteren durch Gemeinsamkeiten besonders verbunden, von denen andere es nie erwartet hätten. ;D
Charaktere sind für mich auch gute Freunde, mit denen ich gerne Zeit verbringe und über die ich viel nachdenke. Allerdings habe ich noch nie darüber nachgedacht, was einer von ihnen in einer Situation getan hätte, in der ich war. Charaktere sind immer ein Teil von einem selbst oder auch wie man gerne sein würde. In der Regel stellen sie diesen Charakteraspekt dann überspitzt oder sehr fokussiert dar. MIr wurde auch shcon hin und wieder gesagt, dass ich in Charakteren von mir wiedererkannt wurde, obwohl mir slebst das gar nicht bewusst war. Da lernt man dann auch eine Menge über sich selbst.
Meine Charaktere sind für mich meine besten Freunde, und in manchen Situationen - je schwieriger für mich die Situation, umso stärker - sind sie auch meine Vorbilder. :D Ich habe zu jeder einzelnen Figur eine sehr enge Bindung, zu den Protas wie zu den Antas, zu den Hauptpersonen wie zu den Nebenfiguren.
Mich selbst finde ich in meinen Charakteren allerdings nicht wieder, das mit dem Spiegeln kenne ich also nicht, zumindest würde mir da jetzt gerade nichts einfallen, mir wäre da nichts bewusst. Allerdings habe ich da diese eine Figur, die mir durchaus sehr ähnlich ist, von den Charakterzügen her - das habe ich aber nach und nach entdeckt, und ich habe sie auch nicht so konzipiert, dass sie mir ähnlich sein muss. Beim Schreiben ist mir dann irgendwann immer bewusster geworden, wie viele Gemeinsamkeiten wir vom Denken her doch haben. ;D
Ich würde meine Charaktere gar nicht mal als Freunde bezeichnen, eher wirklich als Spiegel und Wege zur Selbsterkenntnis. In den meisten meiner Romane verarbeite ich erlebtes oder augenblickliche Probleme - wobei ich nicht weiß, ob davon überhaupt ein Leser etwas mitbekommen würde. Es ist halt doch sehr versteckt. Aber dadurch, dass ich meine Charaktere in so manche Situationen packe oder auch sie vor gewisse Fragen stelle, versuche ich diese Dinge häufig für mich selbst zu beantworten. Bzw. eben auch, einen Weg zu finden, um mit manchen Dingen umzugehen. Auf der anderen Seite schaffe ich es aber auch durch meine Charaktere in mir selbst etwas zu verändern. Bspw. muss mein Hauptcharakter aus meinem diesjährigen Nano-Projekt lernen, nicht ständig zichtausend Fragen zu stellen, sondern lieber Schritt für Schritt vorzugehen. Dadurch ermahne ich mich selbst lieber in Ruhe alles zu betrachten, als etwas zu überstürzen.
Ich glaube meine Charaktere sind einfach sehr vieles für mich. Ausdruck meiner Selbst, genauso wie Wünsche, die ich nicht leben kann oder möchte. Manchmal auch geheime Ideen, die man selbst niemals ausleben wollen würde. Eigentlich hat fast jeder Charakter irgendwo eine Facette, die aus einer Facette meiner Fragen, Wünsche, Ideen, Probleme oder Hoffnungen entstanden ist.
Bei meinem Erstling deckten die drei wichtigsten Figuren drei unterschiedliche Facetten meiner eigenen Persönlichkeit ab. So etwas bietet sich ja auch an. Man muss sich keine größeren gedanken machen und kann aus dem eigenen Ich schöpfen. Problematisch ist nur, dass man das nicht oft wiederholen kann, weil die eigene Person sich schnell erschöpft.
Mittlerweile haben die Protas und wichtigen Figuren nur noch wenig mit mir zu tun. Aber das ist eine spannende Sache, wenn man zuschaut, was aus den ersten Gedanken am Ende entsteht. Und sicher mag ich meine Figuren, denn die Leser sollen sie ja auch mögen.
Im Augenblick habe ich einen Dorfidioten, der seinen Verstand wiederentdeckt, eine Teepflückerin, die ehrenwerten, aber suboptimalen Zielen folgt, einen Weltverbesserer, einen Fischer, der seinem Jugendtraum folgt, sein Ding macht und am Ende erfolgreich ist und den Sohn eines Dorfvorstandes, der ebenfalls sein Ding macht, aber dabei scheitert. Damit habe ich einen großen Teil der jugendlichen Bevölkerung abgedeckt. Nur dass es eine Fantasy-Welt ist und keiner ein Handy kennt.
Liebe Grüße
Trippelschritt
Zitat von: Eluin am 16. Dezember 2015, 19:22:57
Ausdruck meiner Selbst, genauso wie Wünsche, die ich nicht leben kann oder möchte. Manchmal auch geheime Ideen, die man selbst niemals ausleben wollen würde. Eigentlich hat fast jeder Charakter irgendwo eine Facette, die aus einer Facette meiner Fragen, Wünsche, Ideen, Probleme oder Hoffnungen entstanden ist.
Das würde ich so unterschreiben. Ich nutze meine Charaktere (oder Geschichten), auch Hauptcharaktere, eher nicht als Therapie und Freunde oder Vorbilder im realen Leben sind sie auch nicht. Aber so als Traumvorstellung, dass es toll wäre, zum Beispiel alles hinzuschmeißen um den Drachen zu besiegen wie meine Protagonistin, das passt schon eher.
Edit: Was Slenderella unter mir geschrieben hat, klingt auch sehr gut und ist für mich der Weg, um die Charaktere realistisch zu machen und nicht als Traumvorstellung zu lassen.
Nichts von den drei im Titel genannten.
Manche meiner durchaus geliebten Charaktere möchte ich im realen Leben nicht treffen - allen voran die namensgebende Slenderella nicht.
Ich schreibe über Charaktere, die mich faszinieren - im Guten wie im Schlechten. Meist mehr schlecht ... ich habe selten klar "gute" Charaktere.
Ich versehe sie allerdings manchmal mit Hobbys oder Musikgeschmäckern, die ich teile - einfach, damit ich weiß, wovon ich schreibe.
Meine Charaktere haben eher selten und wenn dann sehr oberflächlich einen Teil von mir.
Ganz am Anfang meiner Schreib"karriere" waren meine Figuren für mich sehr starke Spiegel und Freunde. Spiegel nicht in dem Sinne, dass sie alle waren wie ich, aber eher so, wie Siara meinte, dass viele eine bestimmte Eigenschaft von mir verkörpert haben. Vieles davon ist eher unbewusst geschehen und vielleicht habe ich einiges nur retrospektiv in die Figuren hineininterpretiert, weil man sich wohl immer irgendwo wiedererkennt. Freunde waren sie insofern dass ich, auch wenn ich jetzt an meine älteren Romane zurückdenke, an die Figuren denke wie an alte Freunde, die mich über eine bestimmte Lebensspanne hinweg begleitet haben. Vielleicht ist Freunde das falsche Wort für das, wofür ich meine Protagonisten jetzt sehe, es sind mittlerweile mehr ... Wegbegleiter geworden. Sie sind einfach da, ich beschäftige mich mit ihnen, ich lerne ihre Geschichten kennen, aber ohne, dass sich dadurch irgendwie eine Bindung entwickelt. Irgendwie schade, dass ich das mit dem Alter nüchterner sehe. ;D Als Kind waren mir meine Protagonisten irgendwie noch wichtiger. Ich kann sie zwar auch heute noch lieb gewinnen und vermissen, aber dann eher, weil es Spaß gemacht hat, sie zu schreiben.
Spiegel sind sie vermutlich unbewusst immer noch, vielleicht fällt mir das beim Schreiben selbst aber nie so auf. Ich glaube, bei mir zumindest bleibt das nicht ganz aus, dass immer irgendwo eigene Erfahrungen auftauchen, wenn auch natürlich in "verfremdeter" Form.
Therapeutische Auseinandersetzung könnte auch passen, das trifft aber nur auf ganz bestimmte Protagonisten in ganz bestimmten Geschichten zu, die ich nur deswegen schreibe, um mich mit eigenen Erlebnissen auseinanderzusetzen (und die außer Freunden nie jemand zu Gesicht bekommen wird). Da bezieht sich die Aussage eher generell auf das Schreiben, das einen guten Ausgleich zu den sonstigen Widrigkeiten des Lebens darstellt.
Mein Prota ist so ziemlich als das Gegenteil von mir konzipiert worden und hat mich davon ab damals sozusagen aus einem Tief gezogen hat. "Was der kann, kann ich schon lange." Ansonsten hat natürlich der ein oder andere Charakter Züge von mir. Es ist ja nicht so, dass ich ein Alien wäre, der mit nur drei extrem seltenen Eigenschaften ausgestattet ist ;D Aber ich habe noch nie einen Charakter erschaffen, der mir wirklich ähnelt. Meine Charaktere sind grau, haben Stärken und Schwächen, manche sind sympathisch, wieder andere Arschlöcher und meine Hauptcharaktere bzw. das, was sie verkörpern, faszinieren mich alle auf die ein oder andere Weise. Und ich finde mich selber nicht faszinierend, also... ;) Mancheiner könnte mein Vorbild sein, da es natürlich einige Menschen gibt, fiktiv oder real, von denen ich mir etwas abgucken könnte aber irgendwie sind sie mir dann doch zu erfunden, als dass ich mich an ihnen orientieren wollen würde ;) Letztlich entspringen sie ja alle nur meinem wirren Kopf.
Gedanken, Erlebnisse etc. verarbeite ich mit meinem Geschriebenen aber durchaus, denn sonst hätte das Schreiben für mich auch keinen Reiz. Was nicht heißt, dass ich es als Therapie benutzen würde: Nö, das sind ganz andere Baustellen.
Generell habe ich jedoch ein sehr distanziertes Verhältnis zu meinen Charakteren. Ich "führe mit keinem Gespräche", würde keinen als meinen Freund bezeichnen und verliebt habe ich mich auch noch nie in einen. Wäre ja noch schöner. Ich verbringe so schon viel zu viel Zeit mit Tagträumen bzw. Plotten... (leider ohne die dann aufzuschreiben, versteht sich ::) )
Also mit meinen Charakteren geredet habe ich auch noch nie. Aber ich ertappe mich oft dabei, dass ich von ihnen spreche, als wären sie eigenständige reale Personen. Das hört sich für einen unbedarften Mithörer warhschienlich recht befremdlich an teilweise *gg*
Ich kenne das auch nicht. Ich fühle mich beim Schreiben eher wie ein Schachspieler.
An den Punkt, einen Chara als Erfüllung der eigenen Wünsche zu sehen, habe ich zuerst gar nicht gedacht, aber das kann ich auch gut nachvollziehen.
Ich habe auch das Gefühl, das sich die Meinungen in entgegengesetzte Richtungen teilen, die sich auszuschliessen scheinen. Also diejenigen, die ihre Charas als Freunde sehen, benutzen anscheinend weiniger ihre eigenen Erfahrungen und diejenigen die ihre Charas als Ausdruck der eigenen Gefühle sehen, freunden sich mit ihren Charas nicht zu sehr an. Sozusagen als mathematische Formel:
Abstand - Ich = Freund ? :hmmm:
Ich selbst mag es meinen Charas nahe zu sein, ich würde das ungern missen. Dadurch habe ich das Gefühl, das meine Geschichten sich von selbst schreiben, weil meine Protas eh machen, was sie wollen und ich nur "die Kamera draufhalten" muss. :hmhm?:
Würdet ihr gern mehr emotionale Verbindung zu euren Protas haben oder lieber nicht, weil es das Schreiben verkomplizieren könnte?
Als Vorbild habe ich meine Protas noch nie gesehen, auch vorher noch nie darüber nachgedacht. Freunde sind sie in gewisser Hinsicht natürlich schon irgendwie, auch die Antas, sonst könnte ich überhaupt nicht mit ihnen arbeiten. ;D Aber ich kann sie schon deutlich von meinen Freunden aus dem RL unterscheiden. ;)
Was den Spiegel angeht: Ich habe keinen einzigen Prota, der haargenau mich selbst widerspiegelt. Allerdings besitzen die meisten meiner Protas, egal ob Männlein oder Weiblein, eine mehr oder weniger große Kleinigkeit von mir - neben all ihren anderen Eigenschaften, wodurch sie eben zu ganz eigenen Charakteren werden, die sie von mir unterscheiden. Ich selbst würde mich niemals eins-zu-eins in eine Geschichte rein schreiben, das käme mir falsch vor und ich schätze, ich könnte solch eine Figur und ihre Geschichte gar nicht schreiben, da wäre einfach eine Blockade, die mich daran hindern würde.
Womit wir bei Deiner letzten Frage wären:
Zitat von: Lina Franken am 24. Dezember 2015, 00:03:19
Würdet ihr gern mehr emotionale Verbindung zu euren Protas haben oder lieber nicht, weil es das Schreiben verkomplizieren könnte?
Ja ich denke, wenn die emotionale Verbindung (oder eben auch die Ähnlichkeit von mir zum Prota) zu stark wäre, wäre ich nicht mehr fähig die Geschichte aufzuschreiben. Natürlich leide ich mit meinen Figuren mit, aber ich brauche immer auch eine gewisse Distanz.
Was, Romy, ist eine gewisse Distanz und an welcher Stelle brauchst du sie? Ich befürchte, ich muss diese Frage erklären. Wenn ich schreibe, sind die stärksten Momente immer die, in denen ich in meine jeweilige Figur hineinsteige und zu ihr selbst werde. Null Distanz! In der Ich-Perspektive könnte man auch gar nicht anders schreiben. Aber das bedeutet ja noch lange nicht, dass meine Figur viel oder wenig mit mir zu tun hat. Bei der Erstellung und Erkundung der Figur ist sie mal weit weg von mir oder mal unter dem Mikroskop. Auch wenn die meisten Figuren etwas von mir enthalten, kommt es auch mal vor, dass ich über eine Figur schreibe, die wirklich nichts mit mir zu tun hat. Die ist mir dann so was von fremd. Und doch kann es sein, dass ich ganz nah an sie rangehen muss.
Wo also steckt Deine Nähe und Deine Distanz. Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr unterschiedliche Aspekte sehe ich da plötzlich.
Liebe Grüße
Trippelschritt
Ich bin da sehr bei Siaras Ansicht:
Vorbilder eher nicht, dazu eignen sich aber auch 60 % meiner Figuren nicht so wirklich. Die sollte niemand zum Vorbild haben. Ich frage mich auch nicht "Was würde Charackter XY jetzt tun?". Das ist für mich eine zu starke Verschmelzung von Fiktion und Realität, ich weiß auch nicht, ob mir das wirklich weiterhelfen würde.
Freunde in gewisser Weise schon. Zwar glaube ich, dass ich nicht mit all meinen Figuren klar kommen würde, aber sie liegen mir oft am Herzen (auch wenn sie häufig leiden müssen :darth:) und irgendwie möchte ich auch, dass es ihnen am Ende gut geht. Klar gibt es die Figuren, die in einer traurigen Geschichte agieren und da auch keine großen Auswege haben. Aber meine eher offenen Geschichten, die sich einfach um das Leben der Protagonisten drehen, bieten mir genug Raum, diese Figuren als Freunde zu sehen.
Und Spiegel sind sie mit Sicherheit. Sehr sehr viele meiner Figuren bekommen einzelne Verhaltensweisen, Wünsche, Ängste, Träume oder Gedankenmuster von mir, sodass in fast allen meinen Protagonisten ein Stück von mir steckt. Ich glaube auch, dass das jeder Geschichte gut tut, da es einen klaren Bezugspunkt schafft. Ich weiß halt nicht, wie es sich anfühlt, mit einem Schwert zu kämpfen, an einem Mast herumzuklettern oder Magie zu wirken - aber ich weiß über andere Dinge Bescheid und wenn ich dieses Wissen oder diese Emotionen meinen Figuren gebe, macht sie das für mich und damit hoffentlich auch für den Leser greifbarer.
Zitat von: Trippelschritt am 24. Dezember 2015, 07:58:40
Was, Romy, ist eine gewisse Distanz und an welcher Stelle brauchst du sie? Ich befürchte, ich muss diese Frage erklären. Wenn ich schreibe, sind die stärksten Momente immer die, in denen ich in meine jeweilige Figur hineinsteige und zu ihr selbst werde. Null Distanz! In der Ich-Perspektive könnte man auch gar nicht anders schreiben. Aber das bedeutet ja noch lange nicht, dass meine Figur viel oder wenig mit mir zu tun hat. Bei der Erstellung und Erkundung der Figur ist sie mal weit weg von mir oder mal unter dem Mikroskop. Auch wenn die meisten Figuren etwas von mir enthalten, kommt es auch mal vor, dass ich über eine Figur schreibe, die wirklich nichts mit mir zu tun hat. Die ist mir dann so was von fremd. Und doch kann es sein, dass ich ganz nah an sie rangehen muss.
Wo also steckt Deine Nähe und Deine Distanz. Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr unterschiedliche Aspekte sehe ich da plötzlich.
Liebe Grüße
Trippelschritt
Brauchen tue ich "eine gewisse" Distanz ganz klar, weil ich festgestellt habe, dass je mehr ich eine Geschichte und die Figuren liebe (was nicht unbedingt gleichbedeutend damit ist, dass solche Figuren mir besonders stark ähneln würden, aber es kann natürlich mit ein Aspekt sein), je schlechter komme ich mit dem Schreiben voran. Ich will es dann ganz besonders gut machen und brauche am Ende für zwei Absätze zwei Stunden. - Okay, das ist jetzt vielleicht etwas überspitzt, aber so fühlt es sich zumindest an. Das Schreiben wird einfach sehr zäh. Deshalb ist es für den Schreibprozess von Vorteil, wenn ich "etwas" Distanz habe. Was aber nicht bedeutet, dass ich nicht mit meinen Figuren mitleiden würde und die Ich-Perspektive benutze ich trotzdem gerne und in den letzten Jahren auch wieder häufiger.
Meine Figuren als Freunde zu bezeichnen, trifft es wohl tatsächlich ganz gut. Wenn wir uns gut verstehen und auf einer Wellenlänge liegen, können wir gut miteinander arbeiten. Dafür ist ein wenig Ähnlichkeit nützlich und angenehm, aber nicht zwingend notwendig.
Die Sache mit der "gewissen" Distanz ist schwierig zu erklären. Das Maß ergibt sich beim Schreiben von selbst, Schreiben ist ja auch oft etwas sehr emotionales, da gibt es keinen Regler, den ich auf eine bestimmte Einstellung drehen könnte und der exakt so bleibt während einer gesamten Schreibsession. ;) Mir passiert es auch schon mal, dass ich richtig in eine Szene"reingesaugt" werde und ich dann gar keine Distanz mehr zu den Figuren und dem Geschehen habe, und wenn sich das ganz von alleine ergibt, dann funktioniert es auch. Ich habe nur festgestellt, dass wenn ich mit dieser Einstellung "keine Distanz" und "zu viel Liebe" ans Schreiben rangehe, dann habe ich eine Blockade und quäle mich für wenige Wörter eine Ewigkeit. Dann lieber ein wenig Distanz und dafür fluppt es dann. ;)
Wenn Du mit wenig oder gar keiner Distanz gut klar kommst, dann wüsste ich nicht, was dagegen spricht, dass Du es weiter so handhabst. Jeder muss da seinen eigenen Weg finden. :)
Bei mir ist es eher andersherum, wenn ich richtig nah an den Figuren dran bin, dann geht das Schreiben schnell. Wenn ich hingegen eine Figur habe, bei der es mir sehr schwer fällt, sich in sie hineinzuversetzen, dann geht es schleppend und zäh voran und klingt am Ende ziemlich gequält.
Wobei Nähe bei mir auch nicht bedeutet, dass mir die Figuren besonders ähnlich sind. Ich kann mich ja auch in meine Freunde hineinversetzen, die wenig Ähnlichkeit mit mir haben.
Zu viel Ähnlichkeit mit mir selbst würde ich bei einer Figur gar nicht wollen. Klar bekommt die eine oder andere mal ein ähnliches Aussehen oder eine Charaktereigenschaft, die ich auch besitze, aber das ist meist eher Zufall. Wenn ich eine Figur so entwerfen würde, dass sie mir zu sehr ähnelt und die Geschichte zur fiktiven Erfüllung meiner Wünsche wird, dann käme mir das etwas zu sehr wie Realitätsflucht vor. Außerdem wäre es mir dann sehr unangenehm, wenn jemand außer mir das lesen würde.
Als Freunde würde ich meine Figuren auch nicht ansehen, dafür gibt es genug, mit denen ich mich im echten Leben niemals verstehen würde. Außerdem besteht Freundschaft für mich nur, wenn man auf der gleichen Ebene steht. Bei den Figuren, die ich selbst erschaffen habe, ist das ja eindeutig nicht der Fall.
Am ehesten sind es wohl Begleiter. Gelegentlich kommen mir schon Gedanken wie "Was hätte Figur xy jetzt getan?" oder "Das würde die jetzt ganz anders machen.". Aber richtige Gespräche ergeben sich daraus meist nicht.
Vorbilder sind manche der Figuren auch, andere wieder gar nicht. Aber einmal hat es mir schon geholfen, mir eine meiner Figuren zum Vorbild zu nehmen. Die Geschichte wäre aber definitiv Off-Topic.
Distanz ist ein interessanter Aspekt.
In der ich-Perspektive schreibe ich grundsätzlich selten, meist nur einzelne Kapitel und auch dann wenn es mir Spaß macht, mich mal in eine Figur hineinzuversetzen, die völlig anders ist als ich.
Aber grundsätzlich habe ich bein Schreiben eine "Tür". Im Alltag stehe ich gar nicht auf Abenteuer (nicht mehr... -ist jetzt auch unwichtig warum), da habe ich alles gern ordentlich und geregelt und pragmatisch. Aber wenn ich mich zum Schreiben hinsetze, dann gehe ich durch eine Tür durch und bin mitten in meiner Geschichte. Ich sitze wie ein Geist meinen Charas auf der Schulter und flüstere ihnen zu was sie tun sollen, woran sie sich aber auch nicht immer halten. ::) Ich lache und weine mit ihnen, wache über sie wenn sie auf Wolkenkratzer klettern und kämpfen... Dann schließe ich mein Schreibheft und bin wieder in der Realität, und sie warten ´hinter der Tür auf mich, bis ich wieder die Zeit habe sie zu besuchen.
Es ist vielleicht etwas merkwürdig, vielleicht sogar ein bisschen gestört, aber ich habe gute Freunde, die hinter einer Tür immer auf mich warten und mit denen ich sehr viel Spaß habe ;D
Liebe Lina,
zuallererst: Du brauchst dich nicht vorauseilend zu entschuldigen, dass du etwas bei der Threaderstellung falsch gemacht haben könntest. Gesteinigt oder mit sonst etwas beworfen wird hier so schnell niemand, Neulinge schon mal gar nicht. Im Gegenteil, wir freuen uns sehr, wenn ihr aktiv seid und neue Themen ins Forum bringt - genau das erhoffen wir uns ja von euch! :) Um falsch platzierte oder doppelte Themen kümmern wir uns schon und sind euch auch nicht böse. Erst beim zehnten Mal in zwei Monaten oder so. ;)
Zum Thema: Ich kann meine Figuren (zumindest die Helden) im Großen und Ganzen in drei Kategorien stecken: Die, die sind wie ich - die, die sind wie ich gern wäre - und die, denen ich gern mal begegnen würde. Aber mir gefällt auch sehr dein Bild von der Tür mit den Freunden dahinter. Wobei die manchmal echt so frech sind und die Tür einfach selbst von ihrer Seite aus aufmachen. ;D
Meinen Charakteren verleihe ich immer Eigenschaften und Gefühle, die ich entweder von mir selber kenne (auch und gerade die sehr intensiven) oder die von anderen Menschen, die ich schätze oder auch sehr ablehne. Deshalb habe ich zu meinen Charakteren auch ein annähernd 'echtes' Verhältnis, wie zu lebenden Personen. Das geht mir sicher nicht anders, als vielen anderen Autoren. Und wie bei Grey gibt es unter meinen Charakteren sowohl soche, die so sind wie ich (oder die mir aus anderen Gründen emotional nahe sind), als auch solche, denen ich gerne ähneln würde, und auch solche, denen ich niemals begegnen möchte. Manche empfinde ich wie gute alte Freunde, die ich in meiner Phantasie immer wieder besuche, wenn ich mir neue Szenen mit ihnen ausmale und diese manchmal auch für (m)eine Reihe verwende. Das ist besonders der Fall, wenn wir gemeinsam sehr bewegende Erlebnisse durchlitten haben - sprich: wenn ich sie ähnliche Erlebnisse durchleiden lasse, die mich zuvor auch selber schon bewegt haben. Insofern eigentlich keine Spur von Distanz. Manchmal ist es vielleicht ganz gut, dass außer mir keiner weiß, welche der be- bzw. geschriebenen Erlebnisse meine eigenen sind, und welche nicht.
Ich versuche noch einmal eine Ergänzung. Ich glaube weiter oben muss ich mal gesagt haben, dass meine Figuren nie meine Vorbilder sind (ich hatte auch im wirklichen Leben nie welche, sondern immer nur einzelne Aspekte, die ich bei anderen gut fand), auch nie meine Spiegel, obwohl schon das eine oder anderen von mir in den Figuren steckt, aber in gewisser Weise durchaus meine freunde, wenn auch nicht alle.
Wenn ich das mit der Frage nach Nähe und Distanz verbinde, muss ich mindestens zwischen Figurenerkundung Behandlung der Figur beim Schreiben unterscheiden. Bei der Erstellung meiner Figuren brauche ich unbedingt Nähe, aber keine emotionale Verbindung, sondern eher einen objektiven Blick, soweit das überhaupt möglich ist, weil ich sonst Gefahr laufe, wichtige Dinge zu übersehen.
Beim Schreiben hängt die Frage der Perspektive von der Funktion einer Szene ab. Da brauche ich alles: Distanz und Nähe. Das bedeutet, dass ich jederzeit in der Lage sein muss, ganz nah an die Figur ran zu kommen und dabei auch durchaus sehr emotional zu empfinden, denn das sind dann immer die besten Teile. Und ich muss auf Distanz gehen können mit der Kamera auf der Schulter und den neutralen Beobachter spielen.
Was jetzt so rational und theoretisch klingt, ist in der Praxis völlig anders. Als Bauchschreiber, denke ich wenig beim Schreiben und bewege mich lieber im flow. Aber im Unterbewusstsein läuft das so ab und bei der Überarbeitung wird alles auf Stimmigkeit überprüft und da kommen diese hier notierten Gedanken wieder zum Tragen.
Eine interessante Diskussion in diesem thread. Zwingt zum Nachdenken
meint Trippelschritt
Müsste ich mich für einen der drei genannten Begriffen entscheiden, wäre es wohl am ehesten der Freund.
Wobei vor allem ich diese Rolle einnehme und dabei ist es gleich, ob es sich um den Protagonisten, den Antagonisten oder eine einfache Nebenperson handelt. Ich fühle mich während dem Schreiben, als würde ich an ihrer Seite stehen, ihnen über die Schulter sehen und ab und zu ihr Gewissen spielen.
@Trippelschritt hat es so schön mit Nähe und Distanz erklärt und ich stimme dir da auch im Großen und Ganzen zu. (Ich habe die anderen Beiträge nur überflogen und weiß deshalb nicht, ob schon jemand etwas ähnliches geschrieben hat :versteck: ) Es bedarf auch meiner Meinung nach beides, Nähe und auch Distanz zu den einzelnen Charakteren und deshalb sehe ich die eben beschriebene "Freundschaft" auch irgendwie nur von meiner Seite aus. Natürlich ist es unvermeidlich, dass ich selbst oder mir bekannte Personen Einfluss auf Charaktere und deren Eigenschaften haben. Es ist immer einfacher über jemanden zu schrieben, den man auch tatsächlich kennt.
Vorbilder sind meine Charaktere aber, denke ich, nicht wirklich. Und ein Spiegel zu mir auf keinen Fall. Ich bin da doch eher der schüchterne und zurückhaltende Typ. Vielleicht sind sie ein wenig das, was ich gerne sein würde, aber auch das nicht gänzlich. Die Mischung machst, irgendwie. ;D
Jedenfalls ist das ein wirklich sehr interessantes Thema. :jau:
Zitat von: Araluen am 16. Dezember 2015, 23:39:31
Aber ich ertappe mich oft dabei, dass ich von ihnen spreche, als wären sie eigenständige reale Personen. Das hört sich für einen unbedarften Mithörer warhschienlich recht befremdlich an teilweise *gg*
:rofl: Daran hat sich meine Familie schohn gewöhnt, zum Glück - und zum Teil sind Aussagen wie "Ja, ich weiß schon, diese und jene Figur würde jetzt dies und das tun/sagen/denken" sogar von meiner Familie zu hören. Offenbar findet es zumindest in meinem engen Kreis niemand komisch, dass ich von Personen erzähle, die es gar nicht gibt.
Für mich fühlt sich eine Geschichte auch erst in dem Moment "schreibfähig" an, in dem ich von den Figuren denken kann wie von realen Menschen. Ich muss wissen, was diese Figuren in einem ganz alltäglichen Moment denken würden, welches Duschgel sie mögen würden oder nicht, all solche Dinge, und ich muss fühlen können, was diese Figuren in irgendeinem Moment fühlen würden. Insofern habe ich ein ziemlich enges Verhältnis zu den Figuren (ich bin auch absoluter Bauchschreiber und habe selten mehr als eine erste Szene im Kopf, wenn ich anfange, zu schreiben). Ich muss einfach das Gefühl haben, dass diese Figuren jetzt auch ohne mich ihre Geschichte bestreiten könnten, dann ist für mich der richtige Augenblick zum Schreiben gekommen. Dieses Eigenleben geht bei mir auch ziemlich weit - ich habe Figuren, die ich am liebsten schütteln würde, aber sie machen einfach das, was sie wollen, egal ob es gut für sie ist oder nicht. Da habe ich im Grunde genommen keinerlei Kontrolle mehr darüber...
Aber ob die Figure jetzt Freunde, Vorbilder oder Spiegel sind? Klar steckt in jeder dieser Figuren auch etwas von mir, aber ich hoffe doch sehr, dass nicht jede einzelne Figur ein Spiegelbild meiner selbst ist ;). Vorbilder - manche von ihnen, ja. Ich hoffe zumindest, dass manche Charakterzüge vielleicht Leser zum Nachdenken und auch Nachahmen anregen, weil es Dinge sind, die mir wichtig sind. Aber Vorbilder für mich selbst? Nur in Teilen, aber auch das nicht bewusst. Vermutlich durchlebt man mit seinen Figuren wirklich viele Dinge, die man gerne so oder anders in seinem Leben hätte (oder gerade nicht), aber Vorbilder in diesem Sinne sind meine Figuren eigentlich nicht. Ein paar sind wie liebe Freunde, begleiten mich schon jahrelang und wollen einfach nicht gehen, egal wie auserzählt ihre Geschichten sind, ein paar tauchen nur mal am Rande auf und sind wieder weg ;).
Was genau diese Beziehung ausmacht, kann ich also nicht sagen, ich weiß nur, dass für mich Figuren dann gut zu schreiben sind, wenn sie sich in meinem Kopf aufführen wie reale Menschen. Dann weiß ich, dass die Zeit zum Schreiben reif ist.
Hm, gute Frage.
Vorbild? Dafür eignen sich die Wenigsten :rofl:
Spiegel? Das hoffe ich doch eher nicht (wobei es durchaus mal Spaß macht, dem inneren Teufelchen ein bisschen Spielraum zu geben ... *unschuldig pfeif*)
Ich würde mich eher für Freunde entscheiden, wenn es denn eines der drei Wörter sein muss. Aber ich glaube nicht, dass es das so wirklich trifft. Freundschaft definiere ich grundsätzlich auch als eine Art von Geben und Nehmen und das Konzept lässt sich auf die Schreiberei (meiner Meinung nach) nicht bis sehr schlecht übertragen (auch wenn es dutzende an Threads gibt, in denen gesagt / geklagt wird, dass die Charas machen, was sie wollen ;D ).
Ich denke, man hat sie einfach "lieb gewonnen". Gibts das Wort "Sympathen"? ;D Denn das wären meine Figuren für mich. Sympathen, weil ich ihre Gedanken und Gefühle alle nachvollziehen kann. Weil ich manchmal so sein will, wie sie, und weil ich über sie lachen und weinen kann, wenn es sein muss. Manchmal kann ich das alles auch nicht, aber trotzdem bleibt eine gewisse Bindung zu ihnen.
Mir geht es wie Siara. Hauptsächlich sind meine Figuren - sagen wir doch lieber Charaktere ;) - wie gute Freunde, nur halt eben nicht aus Fleisch und Blut. Sie besitzen alle Anteile von mir, Anteile von Personen, die ich kenne und Anteile, von denen ich einfach nur denke, dass sie zu dieser oder jener Person passen würden. Vorbilder sind sie eher nicht, ich glaube, bei manchen wäre das gar nicht gut. :rofl: Ich mag sie, sie haben oft schon lange vor dem Roman ein Leben und oft auch lange danach noch. In dieser Beziehung geht es mir ähnlich wie Snö, wie mehr ich mich im Vorfeld mit einem Charakter auseinandersetze, umso besser kann ich ihn schreiben und umso leichter fällt mir der ganze Roman. Wenn ich mich zu wenig mit ihnen auseinandersetze, kommt Schrott dabei raus, ist mir auch schon passiert.
Auch für mich sind meine Charaktere, wenn ich mich für eines der drei entscheiden muss, am ehesten Freunde. Ich denke allerdings das bereits verwendete Wort Wegbegleiter passt bei mir noch besser. Sie sind mir sehr nah, weil ich das, wie
@Snöblumma und
@Witch, zum Schreiben brauche, aber bei der einen oder anderen meiner Figuren bezweifel ich ein bisschen, dass wir uns andernfalls wirklich gern hätten. Da ich aber viele meiner Protas und Antas schon jahrelang kenne, oder lange Zeit kennenlerne fange ich doch an eine Beziehung einzugehen. Das führt dann zu netten Situationen, wie beispielsweise, dass ich beginne einen Antagonisten inbrünstig vor meinen Betalesern zu verteidigen, von dem ich am Anfang noch selbst gesagt hab, dass er ein fieser, arroganter Charakter ist, aber nach einer Weile gewinne ich dann auch solche "Eigenarten" lieb.
Natürlich erkenne ich auch ab und an den einen oder anderen Charakterzug von mir wieder, allerdings ist Spiegel da wahrscheinlich zu viel gesagt. Manchmal erkenne ich eigene Unzulänglichkeiten wieder, aber genau so oft denke ich auch, dass dieser Charakterzug einer wäre, den ich mir für mich auch wünschen oder gerne aneignen würde.
Vorbilder sind sie mir, Gott sei Dank manchmal, gar nicht. Wenn ich bedenke, was selbst, oder auch gerade meine Protagonisten manchmal für Mist verzapfen, bin ich da auch sehr dankbar für. Das würde doch manchmal in einer Katastrophe enden. :rofl:
Zitat von: Witch am 26. Dezember 2015, 19:05:24
Hauptsächlich sind meine Figuren - sagen wir doch lieber Charaktere ;) -
OT: Wieso? Tatsächlich ist "Charakter" nur die wörtliche und eigentlich nicht ganz korrekte Übersetzung für den Begriff "Character" aus der englischen Literaturwissenschaft. Dessen deutsche Entsprechung ist die literarische Figur. Der Anglizismus hat sich so eingebürgert, gerade bei Leuten, die auch Rollenspieler sind - was ja auch völlig in Ordnung ist. Aber "Figur" ist in dem Kontext definitiv korrekt verwendet und es gibt keinen Grund, stattdessen besser "Charakter" zu sagen.