Tintenzirkel - das Fantasyautor:innenforum

Handwerkliches => Das Sprachbastelboard => Thema gestartet von: Eluin am 28. Oktober 2014, 14:03:45

Titel: Nuscheln? Undeutlich Sprechen? - Wie schreibe ich das?
Beitrag von: Eluin am 28. Oktober 2014, 14:03:45
Hallo zusammen,

entweder ich nutze nicht die richtigen Suchbegriffe, oder es gibt das Thema noch nicht - falls doch freue ich mich über einen Tipp, wonach ich suchen muss. Also hoffe ich, dass ihr mir vielleicht weiterhelfen könnt.

Ich möchte, dass ein Charakter ab und an nuschelt, also undeutlich spricht, als würde er die Zähne nicht auseinander bekommen. Aber wie schreibe ich das in der wörtlichen Rede? Es soll kein Stottern sein und auch kein Lispeln. Wie könnte Beispielsweise ein "Morgen" klingen?

Hat jemand von euch eine Idee? Ich stehe da momentan auf der Leitung.

Danke euch!

Eluin
Titel: Re: Nuscheln? Undeutlich Sprechen? - Wie schreibe ich das?
Beitrag von: Sprotte am 28. Oktober 2014, 14:11:09
Ich gestehe, ich verabscheue lautmalerische Darstellung von Sprachauffälligkeiten (Nuscheln, Wispern, Stottern, Stammeln, Dialekte). Ich würde mit Beschreibungen drumherum arbeiten.
Titel: Re: Nuscheln? Undeutlich Sprechen? - Wie schreibe ich das?
Beitrag von: Ginger am 28. Oktober 2014, 14:18:38
Gute Frage...

Was ham wa da für Möglickeitn? Bischen wästfälisch, unvollständige Sätze? Moin ist zu einfach, heisst ja auch nicht "guten Morgen".
Anleihen am Plattdeutschen sind immer nett...

Ich habe es im Falle eines Fischers in einer Fantasy-Welt so gelöst:

Zitat:
"Die zieh'n in 'ne Richtung, wo der Fisch nich' is' – mehr nach Nord rüber", deutete der Skipper der Loshia ihr Verhalten. "Kan'n hier keiner mit'n Dyns red'n?" brüllte er so laut, dass es selbst im Ausguck der Molyson zu hören war. Dann wieder leiser zu seinem Kollegen: "Die woll'n doch was, sach' mal, irgendwas woll'n die doch!" Er schüttelte den Kopf und blickte mit einem Auge durch sein optisches Glas.

Bisschen basteln halt... Viel Spaß dabei :-)
Titel: Re: Nuscheln? Undeutlich Sprechen? - Wie schreibe ich das?
Beitrag von: Lothen am 28. Oktober 2014, 14:21:28
Würde ich auch so machen, wie Sprotte meinte. Ich weiß nicht, ob du jemals Asterix-Comics gelesen hast, da wurde das Lispeln immer mit "f" statt "s" geschrieben und ich hatte immense Schwierigkeiten, die Sprechblasen zu entziffern :D Im Roman wären die Sprechpassagen ja noch länger, insofern fände ich das als Leser schon sehr kompliziert.

Ich finde, deinen Fall kann man sehr schön umschreiben, z.B. indem die Zuhörer beim ersten Mal einfach nicht verstehen, was die Person sagt, oder nur einzelne Fetzen daraus.

Sprecharten oder Dialekte, wie Ginger das andeutet, kann man aber schon machen, sofern es nicht zu extrem wird. Wei wenn ma zum Beischbil so schreibt wia da Baia schmatzt, na verstäht nacha koana mehr wos gmoant is ;) Würde ich auch davon abhängig machen, wie oft die Person auftaucht. Als Gag am Rande ist das nett, aber wenn es sich um einen der Protas handelt, würde ich eher auf Beschreibungen zurückgreifen, denke ich.
Titel: Re: Nuscheln? Undeutlich Sprechen? - Wie schreibe ich das?
Beitrag von: absinthefreund am 28. Oktober 2014, 14:23:00
Eine Möglichkeit wäre es, das Wort in der Lautsprache zu schreiben, bzw. Silben zusammenzuziehen/Buchstaben wegzulassen: "Morgn", nuschelte sie.
Vielleicht noch kursiv, damit man erkennt, dass es kein Rechtschreibfehler ist: "Morgn", nuschelte sie.
Bekannt ist dir vielleicht die Variante von "Guten Abend." --> "'n Abend.", das ist schon eine offizielle Nuschel-Schreibweise.

Aber um sich das Kopfzerbrechen zu sparen, würde ich wie Sprotte auch mit Beschreibungen arbeiten. Wenn überhaupt, würde ich auch nur einzelne Wörter genuschelt hervorheben. Schau mal bei Harry Potter nach, da kommt viel Dialekt und Nuscheln vor. Irgendwer bricht sich mal die Nase, da sind die Wörter voller "b"s, das fand ich ganz gut gelungen, oder Sätze werden ganz unverständlich in einem Wort und mit fehlenden Buchstaben geschrieben.

Sprich am besten laut aus, wie du etwas genuschelt haben willst, das hilft.
Titel: Re: Nuscheln? Undeutlich Sprechen? - Wie schreibe ich das?
Beitrag von: Guddy am 28. Oktober 2014, 14:24:56
So etwas (wie das Beispiel von Ginger)  finde ich sehr anstrengend zu lesen. Gut, ich kürze in Dialogen je nach Prota auch manchmal ab, gerade Zrasi hat später eine hingerotzte Sprache. Aber das mache ich nicht oft sondern nur bei bestimmten Ausdrücken.
Würde es lieber umschreiben. Sowas wie..
"Beim Sprechen bekam er die Zähne nicht auseinander. Je mehr er sprach, desto dringender wollte sie ihm an die Gurgel springen und "Verdammt nchmal jetzt red doch endlich mal deutlicher!" rufen"
Oder so ;)
Titel: Re: Nuscheln? Undeutlich Sprechen? - Wie schreibe ich das?
Beitrag von: Thaliope am 28. Oktober 2014, 14:27:39
Je nach beabsichtigter Wirkung würde ich entweder sagen, dass er nuschelt oder spricht, als  hätte er eine Wolldecke im Mund.
Am liebsten aber würde ich es lautmalerisch lösen:
Guten Morgen hieße dann:
"Gumorm."
Da muss man dann ein bisschen rumprobieren, welche Buchstaben man verschluckt, dass es trotz allem irgendwie verständlich bleibt, und es kann natürlich einen leicht komischen charakter kriegen. Aber  ich mag das.

Ich finde aber auch diese Lispel-Stellen mit "f" zB meist sehr lustig, auch wenn es manchmal schweirig wird, die Worte zu erkennen.

Hera Lind hat das in ihren frühen Romanen so lustig gemacht, dass es bei mir immer noch hängen geblieben ist: "Flusn?" für "Wie viel Uhr ist es denn?". Hab ich lange für gebraucht, hat dann aber auch einen schönen Aha-Effekt gegeben und der Kontext (in dem Fall die Antwort "fast zehn" hilft einem ja schon auf die Sprünge.

LG
Thali
Titel: Re: Nuscheln? Undeutlich Sprechen? - Wie schreibe ich das?
Beitrag von: THDuana am 28. Oktober 2014, 14:28:37
Zitat von: Lothen am 28. Oktober 2014, 14:21:28Würde ich auch so machen, wie Sprotte meinte. Ich weiß nicht, ob du jemals Asterix-Comics gelesen hast, da wurde das Lispeln immer mit "f" statt "s" geschrieben und ich hatte immense Schwierigkeiten, die Sprechblasen zu entziffern :D
Das kann aber auch an der Originalsprache liegen, bzw. hat sicherlich linguistische Hintergründe. Aus der Einführungsveranstaltung Linguistik meine ich mich zu erinnern, dass deutsche Muttersprachler bei undeutlicher Aussprache eines Lauts (den habe ich leider vergessen ::)) eher ein "s" verstehen, während niederländische/englische Muttersprachler eher ein "f" verstehen.

Deutsche Dialekte zu lesen finde ich sehr schwierig und gerade ein mir eher unbekannter Dialekt würde mir vom Verständnis her sehr schwer fallen. Bei Angewohnheiten wie dem Nuscheln würde ich - gerade wenn die Figur es nicht immer macht! - auf Umschreibungen zurückgreifen. Du könntest auch die wörtliche Rede der Figur komplett weglassen und nur die andere Figur etwas missverstehen lassen oder rätseln lassen, was er/sie gerade gesagt hat.
Titel: Re: Nuscheln? Undeutlich Sprechen? - Wie schreibe ich das?
Beitrag von: Marek am 28. Oktober 2014, 14:32:01
Das hängt bei mir immer davon ab, wer die Perspektive hat. Wenn derjenige, der nuschelt, der Perspektivträger ist, dann weiß er, was er sagen will, und ich schreibe den Dialogteil normal, mit dem Vermerk "nuschelte er", weil er (meistens passiert das ja bei Kevron) weiß, dass er nuschelt, und auch hört, dass es nicht ganz so deutlich rauskommt, wie er das gern hätte.

Bin ich in einer anderen Perspektive, gehe ich - je nach Härtegrad - ins Lautmalerische, wie Thali das vorgemacht hat, aber nur für kurze Abschnitte, weil es sonst anstrengend zu lesen wird. Dann behelft ich mir mit einem "Er murmelte etwas Unverständliches - es sollte wohl »Guten Morgen« heißen".
Titel: Re: Nuscheln? Undeutlich Sprechen? - Wie schreibe ich das?
Beitrag von: cryphos am 28. Oktober 2014, 14:39:37
Wenn es dein Hauptperspektivträger ist, dann umschreibe bitte das Nuscheln. Viele genuschelte Dialoge zu lesen ist einfach nur anstrengend und hemmt den Lesefluss.
Ist es nur ein Nebencharakter mit wenig direkter Rede, dann kommt es darauf an wie er nuschelt.
Er könnte Silben verschleppen, verschlucken und noch einiges mehr.
Aus Guten Morgen könnte folgendes werten:

Verschleppen ,,Guddenmorgen"
Verschlucken ,,Gutn Morn" ,,Gute Morgn"
Nuscheln in Form von nicht sauber ausartikulierter Sprechweise: ,, Gudn Morren die Damn un Herrn."
Oder er kombiniert alles zusammen und spricht auch noch viel zu schell, dann könnte das so aussehen: ,,Guddenmornmeindamnnherrn"
Titel: Re: Nuscheln? Undeutlich Sprechen? - Wie schreibe ich das?
Beitrag von: Thaliope am 28. Oktober 2014, 14:40:44
Zitat von: Maja am 28. Oktober 2014, 14:32:01


Bin ich in einer anderen Perspektive, gehe ich - je nach Härtegrad - ins Lautmalerische, wie Thali das vorgemacht hat, aber nur für kurze Abschnitte, weil es sonst anstrengend zu lesen wird. Dann behelft ich mir mit einem "Er murmelte etwas Unverständliches - es sollte wohl »Guten Morgen« heißen".

Ja, da hast du völlig recht: Es muss sich wirklich in Maßen halten. Der Leser kapiert sowas recht schnell, das reicht, wenn man das wohldosiert einstreut. Es kann sehr leicht zu viel werden, wie auch bei Dialekten. (Man sagt ja auch, dass man nur Nebenfiguren Dialekt sprechen lassen sollte ...)

LG
Thali
Titel: Re: Nuscheln? Undeutlich Sprechen? - Wie schreibe ich das?
Beitrag von: Ginger am 28. Oktober 2014, 14:50:07
Danke, gute Hinweise sind das...

Protagonist: Sollte echt nicht nuscheln.
Nebenrolle: Mal als Gag, aber dann ist auch gut.

In meinem Fall wird es schwierig, den die Szene stammt aus dem Prolog. Vermutlich ist sie also nicht geeignet, einen Leser oder Verleger geneigt zu stimmen :-)
Da darf ich noch mal nachdenken.

Lieben Gruß,

Ginger


Titel: Re: Nuscheln? Undeutlich Sprechen? - Wie schreibe ich das?
Beitrag von: Eluin am 28. Oktober 2014, 15:09:13
 :vibes: Wow! Das sind tolle Ideen!

Also in meinem Fall ist es für eine Kurzgeschichte und der Charakter wird nicht viel Sprechen. Da ich es auch für Vorlesebücher interessant zu Wissen finde, bin ich geneigt euch zuzustimmen: Zu viel Lautmalerisches kommt nicht unbedingt an bzw. finde ich selbst schwierig (vor-)zulesen. Das habe ich auch bei einem lispelndem Charakter gemerkt. Dosiert eingesetzt hat es eine nette Wirkung.

Majas Idee mit dem Perspektivträger finde ich super. Wenn der tatsächlich nuschelt, ist es anstrengend dies zu lesen.

"Morgn" wird es im speziellen Fall werden. Das gefällt mir. Alternativ denke ich über "Er murmelte etwas Unverständliches - es sollte wohl »Guten Morgen« heißen." nach.

Danke euch  :vibes: :knuddel:
Titel: Re: Nuscheln? Undeutlich Sprechen? - Wie schreibe ich das?
Beitrag von: Marek am 28. Oktober 2014, 17:47:35
Es ist immer auch die Frage, wie gut der Hörer den Sprecher kennt. Mein jüngerer Bruder hatte als Kind einen Hörschaden, der erst recht spät erkannt worden ist, und hat nur sehr undeutlich gesprochen. Auch Sprachheilunterricht hat das nicht völlig beheben können, und heute, als Erwachsener, spricht er immer noch ein bisschen seltsam. Ich kenne ihn sein Leben lang, und verstehe alles, was er sagt, ohne lang darüber nachdenken zu müssen. Wenn jemand ihn das erste Mal trifft, kann sich das für den ganz anders anhören.

In der "Gauklerinsel" gibt es eine Begegnung zwischen Rosi und einem sehr betrunkenen Seemann, und da Rosi selbst große Probleme hat, den Mann zu verstehen, habe ich das weitgehend phonetisch wiedergegeben:
ZitatEiner der Männer blickte von seinem Krug auf. »Kommsu auch ausm Nehl?«
»Was?«, fragte Roashan verwirrt. Er sprach die Sprache der Säufer, aber diese Seeleute waren noch nicht lang genug hier und benutzen Wörter, die Roashan so nicht verstand. »Was für ein Nehl?«
»Wir sin lossesehlt«, murmelte der Mann. »Immer weg vonniesa Scheißinsl.« Roashan machte sich schnell über sein Bier her, damit es ihm half, den Mann besser zu verstehen. »Unnann wada dieser Nehl - unnann - unnann - unnann warma wieder - wieder - wieder auf dieser Scheißinsl ...«
Länger als diese paar Zeilen ist der Dialog aber nicht, weil Rosi dann aufgibt und wieder geht. Ich denke auch, länger hätten das die Leser vermutlich nicht durchgehalten.

Was ich auch schon gemacht habe, ist, phonetisch anzufangen, sich dann aber den Perspektiventräger hineinhören zu lassen und den Rest des Dialogs normal fortzuführen - nachdem man beim Leser einmal angestoßen hat, wie es klingt, hat der ein Gefühl dafür, wie es hinter der Transkribierung klingen muss. In "Geisterlied" gibt es einen gehörlosen Geisterjäger, der zwar seit Jahren taub ist, aber davor hören konnte und auch Sprechen. Gehörlose, die nicht taubstumm sind, sondern sprechen können, haben, da sie sich selbst nicht mehr hören können, oft eine sehr seltsame, undeutliche Artikulation - ich weiß, wie sich das anhört, weil meine frühere beste Freundin einen Onkel hatte, der als Kind sein Gehör verloren hatte, und ich hatte als kleines Mädchen Angst vor ihm, weil er so komisch redete und ich ihn nicht verstehen konnte. Aber wenn man sich einmal daran gewöhnt hat, versteht man das immer besser, und das habe ich dann bei "Geisterlied" entsprechend umgesetzt: Anfangs klingt das, was Devon sagt, für Anata wie sinnloses Zeug, aber nach einer Weile gelingt es den beiden, sich zu verständigen, und dementsprechend werden dann auch für den Leser die Dialoge klarer.
Zitat»Hina«, sagte er, oder so ähnlich, es konnte das gleiche Wort noch einmal sein oder ein anderes, »he hun eu is Hahana?«
ZitatDer Graue Jäger blieb stehen und zeigte auf die Ruinen. Er war kein bisschen überrascht. Was immer hier geschehen war, er wusste davon. »Schaut«, sagte er. »Schaut es euch an. Das ist das Werk der Geister.«
In den späteren Szenen spricht Devon nicht deutlicher als am Anfang - Anata hat nur besser gelernt, das, was er sagt, zu verstehen.
Titel: Re: Nuscheln? Undeutlich Sprechen? - Wie schreibe ich das?
Beitrag von: Eluin am 28. Oktober 2014, 20:07:05
Maja, deine Erklärung ist Gold wert. :knuddel: Danke!
So genau hatte ich mir darum noch keine Gedanken gemacht, aber es leuchtet ein. Das fällt mir auch bei Fremdsprachen auf. Wenn ich die länger nicht gehört oder gelesen habe, brauche ich einen Moment, um mich wieder einzufinden. Danach wird es aber immer flüssiger und leichter verständlich.
Titel: Re: Nuscheln? Undeutlich Sprechen? - Wie schreibe ich das?
Beitrag von: Coehoorn am 21. November 2014, 18:12:25
Bei mir gibt es mehrere kurze Szenen wo undeutlich gesprochen wird. Meistens umschreibe ich es, es sei denn es ist wirklich so stark ausgeprägt, dass der Charakter nicht mehr richtig sprechen kann.
Bei der Szene zum Beispiel, hat mir eine Umschreibung und eine platte Wortwahl gereicht:

ZitatDer Matrose drehte den Kopf und schaute Mordred gelangweilt aber eindeutig schielend an.
,,Gibt kein Käptn.", nuschelte er.
,,Wieso gibt es keinen Kapitän? Jedes Schiff hat einen Kapitän."
,,Ist an der Pest verreckt, der alte Säufer. Ham nur noch nen Maat."
,,Kann ich den Maat sprechen?"
,,Aufm Schiff." Der Matrose spuckte ins Wasser.

Hier hingegen ist der Charakter geknebelt worden und ist mächtig am fluchen. Das hat mir schon größere Schwierigkeiten bereitet. Irgendwann hab ich mir die Faust in den Mund gesteckt und mir die beabsichtigten Sätze selbst laut vorgesagt, bevor ich sie geschrieben habe:
Zitat,,Kämpf mit mir wenn du dich traust! Ich mach dich fertig!" [...]
,,Mach mich ja nicht wütend!"
,,Fahr in die Unterwelt, du Baumknutscher, elender...", wieder ein dumpfes Geräusch und wieder keuchte Ortwin auf.
,,Hör endlich auf ihn zu treten. Hier, steck ihm den Knebel rein, dann ist er still."
,,Hrmpf!", stieß Ortwin erbost aus. ,,Iff pferde eu ae..." (Ich werde euch alle...)
[...]
,,Hey, ihr Feiglinge! [...] Seit wann lassen sich Elfen so weit herab einen Wehrlosen zu schlagen?"
,,Maff mi lof, da eig i eu er erlof if." (Mach mich los, dann zeig ich euch wer werlos ist.)

Da hab ich mich dann aber auf diese beiden Sätze beschränkt, weil man wirklich überhaupt nicht mehr versteht was eigentlich gesagt werden soll. Die Klammern mit dem Text sind natürlich nicht mit drin. Einfach mal dazugesetzt, damit klar ist, was eigentlich gesagt werden sollte. Hier ist es aber auch nicht schlimm, wenn der Leser es nicht versteht, weil es keine Relevanz für den Plot hat.
Es gibt noch ein oder zwei weitere Szenen mit undeutlicher Sprechweise aber die sind ebenfalls sehr kurz gehalten. Ich finde es grauenhaft, mich beim Lesen durch unleserlichen Kram arbeiten zu müssen.
Titel: Re: Nuscheln? Undeutlich Sprechen? - Wie schreibe ich das?
Beitrag von: Nebeldiener am 21. November 2014, 19:25:18
Der besoffene Pirat von Maja war durch sein Nuscheln gleich sympatisch, also hätte ich kein Problem damit, mehr davon zu lesen. :)

Ich finde, dass es auch positiv sein kann, wenn der Leser nicht versteht, was gemeint ist. Also wenn jemand so sehr nuschelt, dass es der Prota nicht versteht und zusetzlich der Leser auch nur raten kann, was gemeint ist, ist der Leser sozusagen in der gleichen Lage wie der Prota. Finde ich persönlich besser, als wenn der Prota nichts verstanden hat, der Leser aber genau weiss, was gesagt wurde.

Ich würde es aber ungefähr so lösen:
Rod versuchte angestrengt zu entziffern, was sein Gegenüber zu erzählen versuchte, denn dieser nuschelte so stark, dass er ausser Baum und Wiese nichts verstehen konnte.

Nebeldiener
Titel: Re: Nuscheln? Undeutlich Sprechen? - Wie schreibe ich das?
Beitrag von: canis lupus niger am 21. November 2014, 22:40:43
Die Zumutbarkeit lautmalerischen Schreibens würde ich, ähnlich wie Coehorn und Maja, vom Umfang des betreffenden Textes, bzw. von der Person des Sprechenden abhängig machen wollen. Mehr als einige wenige Sätze zu übersetzen ist so anstrengend, dass es das Lesevergnügen auf Dauer stark beeinträchtigen würde.

Ich liebe sehr Terry Pratchetts "Wsn?" als Kommentar eines übermüdeten oder verkaterten Charakters, der abrupt aufgeweckt wird (in den Übersetzungen von andreas Brandhorst hervorragend ins Deutesche transportiert). Damit ist (auch im Sinne von "show, don´t tell") sehr viel ausgedrückt. Aber, wie ich an anderer Stelle auch schon dargelegt habe, bin ich der Meinung, dass "show, don´t tell"  nicht immer angebracht ist, weil es sehr viel Platz verschlingt, den man für Wichtigeres brauchen kann. Gut, "Wsn?" ist jetzt nicht soo umfangreich. Aber ein Dialog in lautmalerisch beschriebener Sprache kann sinnlos vergeudetes  Papier bedeuten, wenn dieser (vielleicht sogar lange?) Dialog dem Leser nur den Inhalt der gesprochenen Worte vermitteln soll. 

Wie Maja dargelegt hat, kann die lautmalerische Schreibweise aber noch viel mehr vermitteln. In ihrem Beispiel kam darin ja unter anderem die Beziehung der beiden Charaktere zum Ausdruck. Sie lernten einander besser kennen und somit auch akustisch besser zu verstehen.
Ich selber verwende dieses Mittel gerne, um beiläufig die soziale Position (z.B. Unterpriviligierter, Außenseiter, Ausländer, ...) eines Nebencharakters darzustellen. Bei Hauptcharakteren würde ich aber darauf entweder ganz verzichten und z.B. einen Akzent oder Dialekt ("tell, don´t show"  ;)) nur erwähnen. Oder nur in Ausnahmefällen verwenden, in denen z.B. der Charakter betrunken ist oder durch eine Kopfverletzung eine Gehirnerschütterung erlitten hat. So wie Meister Pratchett sein "Wsn?"   ;D  Also, um das Ungewöhnliche an einer Situation mit einem womöglich schon gut vertrauten Charakter zu betonen.

Zitat,,Du bist ja besoffen", sagte der Soldat, halb abgestoßen, halb neidisch.
,,Nochnich richtich, aber hoffnlich bald", stimmte ihm Wanja zu.

oder

Zitat"Ich glaube, du bist sehr krank, Soldat. Du solltest besser einen Heiler aufsuchen, bevor du etwas anderes tust."
    "Neinein. Ich ... ich musszu ... Graf ... Helme. Ja, Helme. Weil ... " Miched stockte. Das sollte er besser nicht verraten. Sie würden ihn sonst wieder aufhalten und fortschicken. Seine Beine gaben nach und er sackte zusammen. Oh nein! Nicht jetzt! Er musste erst seine Botschaft loswerden.
Titel: Re: Nuscheln? Undeutlich Sprechen? - Wie schreibe ich das?
Beitrag von: Eluin am 22. November 2014, 00:28:34
Ich kann euch nur zustimmen. So ein Dialekt oder etwas wie "nuscheln" sollte nicht überhand nehmen. Irgendwann beeinträchtigt es sonst zu stark den Lesefluss.

Für meine Kurzgeschichte habe ich nur ein Wort als genuschelt geschrieben:

ZitatDoch er starrte auf die Straße und brachte nur ein abwesend genuscheltes ,,Moagn" über die Lippen.

In einem Vorlesebuch habe ich einen Charakter eingebaut, der nicht viel spricht, aber wenn er spricht, dann lispelt er. Als Spinne passt es zum Charakter und bei Vorlesebüchern habe ich dieses Lautmalerische häufig gesehen und auch in entsprechenden Ratgebern wurde es positiv bewertet. Aber auch hier stimme ich euch zu: es darf nicht überhand nehmen.

Eine Beispielumsetzung von mir:
Zitat,,Hunger ifst genau dafs richtige Wort!", lispelt eine Stimme über ihnen.
[...]
,,Habt ihr etwafs fzu efssen dabei? Ich verhungere!", fleht die Spinne und seilt sich zu ihnen ab.
[...] Fidu bleibt stehen. ,,Du suchst etwas zu essen? Ich bin auch auf der Suche. Vielleicht können wir einander helfen."
,,Helfen? Wonach fsuchst du?" Die Spinne hält dicht neben Fidus Kopf inne und schaukelt an ihrem Faden hin und her.
,,Ich bin auf der Suche nach meinem Häuschen", erklärt Fidu. ,,Wir wollen zum Schattenberg und Ignis um Hilfe bitten."
,,Ich kenne eine Abkürzung zum fZattenberg." Die Spinne kichert. ,,Ich fzeige euch den Weg. Vielleicht finden wir unterwegfs etwafs Efssbarefs."
Titel: Re: Nuscheln? Undeutlich Sprechen? - Wie schreibe ich das?
Beitrag von: Miezekatzemaus am 28. April 2015, 17:24:54
Weil @Sascha gestern in einem Thread in etwa das hier gefragt hatte, entstaube ich mal, ich mag nämlich auch meinen Senf dazugeben.  :) Ich finde, das mit den Dialekten und den Nuscheleien ist immer so eine Sache. Einerseits macht es die Geschichte authentischer, andererseits nützt es dem Leser nichts, wenn er nicht versteht, was eigentlich gerade gefragt wurde.
Ich mag gerade Dialekte in Büchern eher weniger - wenn sie schon der Authenzität wegen eingesetzt werden, dann zumindest nur in kurzen Passagen und möglichst so, dass man das auch noch halbwegs versteht und sich den Sinn zusammenreimen kann.

Außerdem finde ich es zum Beispiel ganz gut, wenn man das in etwa so schreibt:
Zitat"Blalala (Dialekt)", nuschelte er. Sie drehte sich irritiert um. "Wie bitte?"
"Wir sind gleich da", sagte er deutlicher.
Das war natürlich etwas holprig formuliert, aber wenn man verdeutlichen möchte, dass jemand nuschelt oder einen Dialekt spricht, ist das vielleicht eine Lösung.
Titel: Re: Nuscheln? Undeutlich Sprechen? - Wie schreibe ich das?
Beitrag von: Marek am 28. April 2015, 17:31:18
Darin sehe ich das Problem, dass Dialekte mit Nuscheln oder undeutlichem Sprechen dargestellt werden, was sie ja nicht sind. Dialekte sind weniger undeutlich als mehr unverständlich. Dann ist es auch mit deutlicher sprechen nicht getan, da hilft nur ein Wechsel ins Hochdeutsche.
Titel: Re: Nuscheln? Undeutlich Sprechen? - Wie schreibe ich das?
Beitrag von: Miezekatzemaus am 28. April 2015, 17:37:13
Gut, da hast du recht, aber auch das wäre ja möglich, wenn man den Dialog nimmt und dann statt "sagte er deutlicher" "sagte er, dieses Mal so, dass sie es verstand, weil er ins Hochdeutsche wechselte". Da gibt es ja mehrere Möglichkeiten. :)
Titel: Re: Nuscheln? Undeutlich Sprechen? - Wie schreibe ich das?
Beitrag von: Churke am 28. April 2015, 22:32:24
Zitat von: Miezekatzemaus am 28. April 2015, 17:24:54
Ich mag gerade Dialekte in Büchern eher weniger - wenn sie schon der Authenzität wegen eingesetzt werden, dann zumindest nur in kurzen Passagen und möglichst so, dass man das auch noch halbwegs versteht und sich den Sinn zusammenreimen kann.

Dialekt schreiben ist jenseits homöopathischer Dosen immer Mist, weil das Schriftbild völlig ungewohnt ist. Außerdem gibt es innerhalb eines Dialekts regionale Unterschiede in der Aussprache. Ich habe selbst mit Pfälzisch meine Schwierigkeiten, das sofort zu verstehen, ohne es zu laut zu lesen. Einem normalen Leser ist das nicht zumutbar.

Zitat von: Miezekatzemaus am 28. April 2015, 17:37:13
Gut, da hast du recht, aber auch das wäre ja möglich, wenn man den Dialog nimmt und dann statt "sagte er deutlicher" "sagte er, dieses Mal so, dass sie es verstand, weil er ins Hochdeutsche wechselte". Da gibt es ja mehrere Möglichkeiten. :)

Warum so umständlich?

"Gumorgn."
"Was?"
"GUTEN MORGEN."