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Autor Thema: Grammatikalische Kleinigkeiten  (Gelesen 315374 mal)

Offline Araluen

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Re: Grammatikalische Kleinigkeiten
« Antwort #1425 am: 23. Juli 2021, 15:13:48 »
Naja ich kenne es schon im Zusammen hang mit "Ich leide an einer Krankheit" zum Beispeil, wenn es also von mir selbst kommt und nicht von außen induziert ist, wie bei "ich leide unter den Arbeitsbedingungen". Daher bin ich gerade unsicher. Aber ein Punkt für unter ist schonmal notiert.

Offline Coppelia

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Re: Grammatikalische Kleinigkeiten
« Antwort #1426 am: 23. Juli 2021, 15:16:33 »
"leiden" kann man mit beidem konstruieren, aber ich glaube auch, dass es einen feinen Unterschied gibt. "an" sagt man, würde ich sagen, eher im medizinischen Bereich. "unter" bei allem anderen, was der Grund für das Leid ist (meist mit konkreter Nennung).

Ich leide an chronischer Nasennebenhöhlenentzündung. Ich leide unter der Kälte und Feuchtigkeit in meiner Wohnung.

Also bei Paranoia: An, würde ich sagen.

Online Nikki

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Re: Grammatikalische Kleinigkeiten
« Antwort #1427 am: 23. Juli 2021, 16:48:39 »
Ich kann @Coppelia nur zustimmen, der Duden führt die Unterschiede zwischen krankhaftem und emotionalem Leiden sehr schön unter 1.b. und 1.c. aus.

Zitat von: Duden
(an einer bestimmten Krankheit, einem bestimmten Leiden) erkrankt sein

Beispiele

        an Rheuma, an Bronchitis leiden
        sie leidet an einem hartnäckigen Ekzem, unter ständigen Kopfschmerzen

(durch etwas, jemanden) körperlich oder seelisch stark beeinträchtigt werden; (etwas, jemanden) als schwer erträglich empfinden

Beispiele

        er litt an, unter dem Gefühl der Unsicherheit
        sie leidet sehr unter seiner Unzuverlässigkeit, unter ihrer Einsamkeit, unter ihrem Chef


Dein Beispiel funktioniert mit beiden Präpositionen.
Ich leide an (meiner) Paranoia. = Ich bin die Person, die Paranoia hat.
Ich leide unter seiner Paranoia. = Ich leide unter* dem Stress, der durch die Paranoia einer anderen Person verursacht wird.

* Wenn Stress als Diagnose vorliegt, kann man hier auch "an" in Betracht ziehen.

Offline Ahneun

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Re: Grammatikalische Kleinigkeiten
« Antwort #1428 am: 23. Juli 2021, 18:54:06 »
Bei Wikipedia hab ich dazu folgendes gefunden;
Zitat von: Wikipedia
Die Betroffenen leiden an einer verzerrten Wahrnehmung ihrer Umgebung in Richtung einer feindseligen Haltung ihrer Person gegenüber

Demnach müsste es heißen; ... sie leiden an Paranoia.
      - Wenn die letzte Buchverkäuferin entlassen und der letzte Buchladen
geschlossen, dann wird man feststellen, dass das Grinsegesicht auf
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      - Manchmal, wenn ich Ruhe brauche,                 
setze ich mich in meine Bonbonniere
und ein Gummibärchen hält mir die Hand.
   - Ein Diamant
ist ein Stück Kohle
das Ausdauer hatte.

Online Nikki

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Re: Grammatikalische Kleinigkeiten
« Antwort #1429 am: 23. Juli 2021, 19:15:04 »
@Ahneun Ich finde, das von dir zitierte Beispiel geht an der ursprünglichen grammatikalischen Frage vorbei. Du ersetzt hier den Fachterminus einer psychischen Störung durch eine laienhafte Beschreibung bzw. ein Symptom. Damit setzt du das Verb und die jeweilige Präposition in einen anderen Kontext. Du kannst diese zwei Satzteile nicht austauschen und einfach 1:1 dieselbe Grammatik auf die restlichen Satzglieder anwenden.

Offline Ananke

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Re: Grammatikalische Kleinigkeiten
« Antwort #1430 am: 04. August 2021, 12:05:42 »
Ich glaube, es geht generell um zwei verschiedene Bedeutungen von leiden. Jemand, der an Narzissmus leidet, muss deswegen keinen eigentlichen Leidensdruck haben.

Ich würde also sagen, 'an etwas leiden' ist gleichbedeutend mit 'etwas (eine Krankheit etc.) haben' – also erstmal ziemlich wertneutral.

Offline Araluen

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Re: Grammatikalische Kleinigkeiten
« Antwort #1431 am: 04. August 2021, 13:22:39 »
        Dein Beispiel funktioniert mit beiden Präpositionen.
Ich leide an (meiner) Paranoia. = Ich bin die Person, die Paranoia hat.
Ich leide unter seiner Paranoia. = Ich leide unter* dem Stress, der durch die Paranoia einer anderen Person verursacht wird.

* Wenn Stress als Diagnose vorliegt, kann man hier auch "an" in Betracht ziehen.

Dann wäre an bei meinem Fall vermutlich das passendere. Der Prota befürchtet selbst Paranoia zu haben.

Danke ihr Lieben für den Input  :pompom:

Offline Archibald

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Re: Grammatikalische Kleinigkeiten
« Antwort #1432 am: 04. August 2021, 16:01:14 »
unter

laut Duden u.a.: „Kennzeichnet die Ursache des im Verb Genannten.“

(Die Paranoia ist der Grund des Leidens.)

Unter hat aber auch eine zeitliche Komponente. Sieht man z.B. an Konstrukten wie: „unter der Woche“, „unter seiner Herrschaft“

an

laut Duden u.a.: Stellt unabhängig von räumlichen oder zeitlichen Vorstellungen eine Beziehung zu einem Objekt oder Attribut her.

(Stellt eine Tatsache fest.)

Offline Volker

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Re: Grammatikalische Kleinigkeiten
« Antwort #1433 am: 04. August 2021, 16:39:25 »
Demnach:
Ich leide an Paranoia. = Paranoia ist die Beschwerde.
Ich leide unter Paranoia. = Paranoia ist ursächlich für meine Beschwerden.

Also:
"Ich kann nicht in das kleine Zimmer - ich leide unter Klaustrophobie."
"Wegen eines schlimmen Kindheitstraumas leide ich an Klaustrophobie."

Oder?

Offline Frostschimmer

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Re: Grammatikalische Kleinigkeiten
« Antwort #1434 am: 04. August 2021, 16:45:00 »
"leiden an": Ein Krankheitswert oder eine Beschwerde liegt vor. Beispiel: Er leidet an Bluthochdruck.
"leiden unter": Ein Leidensdruck liegt vor. Beispiel: Sie leidet unter dem Lärm aus der Nachbarwohnung. Oder: Er leidet unter seinem Bluthochdruck. (Zum Beispiel, weil er deshalb keinen Sport mehr machen darf.)

"leiden unter", also der Leidensdruck, muss nicht bedeuten, dass ein benennbares (medizinisches) Leiden vorliegt.
"leiden an" muss nicht bedeuten, dass ein Leidensdruck vorliegt, kann es aber.

"leiden an" ist eine nachweisbare Tatsache, "leiden unter" ein subjektives Empfinden.

LG
Frostschimmer

Online Nikki

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Re: Grammatikalische Kleinigkeiten
« Antwort #1435 am: 04. August 2021, 17:03:36 »
Zitat
"leiden an": Ein Krankheitswert oder eine Beschwerde liegt vor. Beispiel: Er leidet an Bluthochdruck.
"leiden unter": Ein Leidensdruck liegt vor. Beispiel: Sie leidet unter dem Lärm aus der Nachbarwohnung. Oder: Er leidet unter seinem Bluthochdruck. (Zum Beispiel, weil er deshalb keinen Sport mehr machen darf.)

Ich finde, @Frostschimmer hat hier sehr gut die unterschiedlichen Nuancen veranschaulicht. Je nachdem worauf der Fokus liegt, variiert die Präposition. Möchte ich das Krankheitsbild betonen, ist die Tendenz zu "an" gegeben, konzentriere ich mich auf die Folgen desselbigen, dann eher "unter". Je nach Intention sind im selben Satz beide Präpositionen möglich, ist - wie immer - eine Fall-zu-Fall-Entscheidung.

@Araluen würde ich auch so sehen. :)

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