Tintenzirkel - Das Fantasyautor:innenforum

Allgemeines => Tintenzirkel => Thema gestartet von: Niyaha am 11. September 2016, 15:37:37

Titel: Emotionen und Schreiben
Beitrag von: Niyaha am 11. September 2016, 15:37:37
Vorweg will ich sagen, dass ich nach einem ähnlichen Thema gesucht, aber nichts vergleichbares gefunden habe.
Wenn ich etwas übersehen habe, dann tut es mir leid!

Ich weiß nicht wie es euch geht, aber kennt ihr auch das Gefühl, dass ihr eine bestimmte Szene eurer Geschichte innerlich immer wieder "durchlebt", obwohl sie zeitlich vielleicht noch gar nicht aufgeschrieben ist, ihr aber bereits wisst, dass sie irgendwann passieren wird?

Das können Schlüsselszenenen sein, aber auch vielleicht nur für euch sehr emotionale Erlebnisse mit euren Charakteren.

Auch wenn ich hier von Emotionen spreche, meine ich nicht unbedingt nur traurige Momente, sondern die ganze Bandbreite an Gefühlen, von lustigen Momenten bishin zum wirklichen "Herzschmerz".

Es gibt so einige Szenen, auf die mich bereits freue sie mit der Feder festzuhalten und zu erzählen.  :)
Doch es gibt auch Stellen in meiner Geschichte, die in meinen Augen recht brutal und bösartig sind.
Manchmal bin ich über mich selbst "erschrocken", welche Abgründe sich in meiner Seele mir beim Schreiben offenbaren.
Wir alle haben Licht und Dunkelheit in uns.
Aber düster schreiben, bedeutet ja nicht augenblicklich, dass auch das eigene Leben dunkel ist.

In gewisser Weise erlebt man ja als Autor die ganze Geschichte sehr intensiv.
Aber ich persönlich finde dass es immer wieder Szenen und Augenblicke gibt, die sich vom Gesamtbild der Geschichte, einem unvergesslich in die Erinnerung einbrennen. Oder geht das nur mir so?!

Wie ist das bei euch mit Emotionen und dem Schreiben?!
Habt  ihr auch bestimmte Szenen, die einen Teil eurer Seele auf ewig mit einer eurer Geschichten und den Charakteren verbinden?







Titel: Re: Emotionen und Schreiben
Beitrag von: Klecks am 11. September 2016, 16:30:30
Ich glaube, ich kenne das, was du ansprichst - dass man gewisse Szenen aus irgendeinem Grund immer wieder "durchlebt", weil sie einem viel bedeuten, weil man die Figuren darin so toll findet, vielleicht aber auch, weil man fürchtet, diese Szene nicht so hinzubekommen, wie man sie sich vorstellt. Bei jedem Projekt gibt es ein paar Szenen, die mir sofort dazu in den Sinn kommen, wenn ich an das Projekt denke, und wenn es "nur" die Wohnung eines Protas ist und der sich gerade entspannt einen Kaffee macht.  :D 

Ich hoffe, ich habe richtig verstanden, was du meinst - ich war mir nicht sicher, ob du nur diese Szenen meinst oder generell die Emotionen beim Schreiben. Was die eher finsteren Szenen betrifft, die wir schreiben - ich denke, da geht es vielen Autoren wie Schauspielern, die es in der Rolle eines Bösewichts genießen, mal böse sein zu können.  ;D  Ich persönlich leide sehr mit meinen Protas und finde es schlimm, wenn ihnen etwas Schlimmes passiert, und trotzdem ist natürlich auch der Anta interessant.
Titel: Re: Emotionen und Schreiben
Beitrag von: HauntingWitch am 11. September 2016, 17:12:10
Oh ja, ich kenne das! Ich habe das sehr oft, vor allem, wenn mir Charaktere besonders am Herzen liegen.

Das "immer wieder durchleben" von Szenen ist bei mir auch Teil des kreativen Prozesses. Ich spiele die Szenen in mir ab, immer wieder, und dabei verändern sie sich manchmal und manchmal auch nicht. Oft ist es auch so, dass ich die Szene lange gar nicht aufschreiben kann, weil sie sozusagen noch nicht reif genug ist. Und irgendwann, wenn ich sie oft genug "durchlebt" habe und sie sehr plastisch geworden ist, schreibe ich sie dann auf.

Zu dem Düsteren. Es gab eine Zeit, als ich mir darüber sehr, sehr viele Gedanken gemacht habe. Ich habe mich gefragt, inwiefern man von einem Werk auf den Autor schliessen kann und falls der Autor gerne düstere Sachen schreibt, ob man dann nicht selbst eine dunkle Seite haben muss, um solche das überhaupt gut zu finden geschweige denn selbst zu schreiben. Ich bin für mich zu dem Schluss gekommen, dass beides teilweise stimmt. Man kann sicher nicht von einem Werk auf den Autor schliessen, aber wenn ein Thema oder eine Botschaft immer wieder kehrt, kann man schon annehmen, dass das den Autor stark beschäftigt und deshalb einen persönlichen Bezug hat.

Mit der düsteren Seite halte ich es so, dass "düster" vielleicht nicht das richtige Wort ist. Zum Beispiel kann jemand, der sich eigentlich als lebensfroher Mensch sieht, Kunst konsumieren, die düster und gar nicht lebensfroh ist. Das kann daran liegen, dass er zum Beispiel gerade eine schwierige Zeit durchmacht oder daran, dass seine Kindheit nicht immer die beste war, oder an einer schlimmen Beziehungserfahrung. Es kann irgendeinen Grund geben, warum man sich mit Themen/Motiven identifzieren kann, die eigentlich nicht zum eigenen Charakter passen (oder man denkt, es passe nicht dazu, aber in einem winzig kleinen Teil von einem tut es das eben doch). Und genauso wie die Autoren, die man mag, muss man selbst eben auch solche Dinge verarbeiten und dann wird es schon einmal düster. Ich schreibe sehr oft schlimme Szenen, wenn ich z.B. auf dem Nachhauseweg an einem Verkehrsunfall vorbei gekommen bin. Das kommt ja vor. Und ich muss das dann irgendwie verarbeiten und das äussert sich halt so. Sogar das Anschauen von besonders emotionalen Filmen kann mich zu solchen Szenen anstiften. Aber eben auch z.B. negative Erinnerungen. Es kann alles Mögliche sein.
Mach dich darüber nicht verrückter, als du bist.  ;)
Titel: Re: Emotionen und Schreiben
Beitrag von: Araluen am 11. September 2016, 22:38:33
Ich spiele Szenen sehr oft durch. Bei der Arbeit habe ich oft viel Zeit zum Nachdenken und dann lasse ich die Gedanken treiben und lande immer wieder bei meinen lieben Charakteren. Wichtige Dialoge erlebe ich immer und immer wieder, oft in verschiedenen Varianten und mit unterschiedlichen Enden. Aber auch nebensächliche Szenen spiele ich gerne durch. Das schlimmste dabei ist eigenltich, dass ich nie etwas zu schrieben dabei habe, bzw. mich vor allem nicht hinsetzen und aufschreiben kann (Diktiergerät geht auch nicht. In der Fertigung ist es zu laut und die Kollegen wären nur irritiert und hinerher denkt nur irgendwer, ich wolle Firmen Know-how klauen). Wenn ich dann zuhause sitze, kommt die Szene nie so wieder, wie ich sie schon durchgespielt habe *seufz* Aber ich liebe es in Gedanken meine Figuren zu erleben.
Titel: Re: Emotionen und Schreiben
Beitrag von: Lucien am 11. September 2016, 23:10:07
Das "immer wieder durchleben" von Szenen ist bei mir auch Teil des kreativen Prozesses. Ich spiele die Szenen in mir ab, immer wieder, und dabei verändern sie sich manchmal und manchmal auch nicht. Oft ist es auch so, dass ich die Szene lange gar nicht aufschreiben kann, weil sie sozusagen noch nicht reif genug ist. Und irgendwann, wenn ich sie oft genug "durchlebt" habe und sie sehr plastisch geworden ist, schreibe ich sie dann auf.
Bei mir ist es ähnlich. Besonders extrem ist das bei Szenen mit meinen Lieblingsfiguren, die in dieser Szene in einer emotionalen Ausnahmesituation sind, weil sie z.B. eine traumatische Erfahrung machen, gefoltert werden, gar sterben (wo wir dann beim Düsteren wären) oder auch eine geliebte Person nach langer Zeit wiedersehen. Diese Szenen erlebe ich natürlich auch selbst sehr intensiv. Dabei variieren diese Szenen je nach meiner eigenen Stimmung. Wenn ich z.B. gerade mit einer negativen Grundstimmung zu kämpfen habe, spielen sich die Szenen in meinem Kopf dramatischer ab, als wenn ich gute Laune habe. Ich finde es dann entsprechend schwierig, eine endgültige Fassung zu finden, weshalb die Szenen lange nur in meinem Kopf bleiben.

Solche immer wiederkehrenden Szenen haben für mich auch so etwas wie einen therapeutischen Nebeneffekt, weil ich viel Wut in mir trage, die auf diese Weise ein Ventil findet. Entweder, weil sie meine Wut zum Ausdruck bringen oder, weil sie das beinhalten, was ich in dem Moment bei mir selbst vermisse (z.B. in hemmungsloser, ausgelassener Stimmung zu sein).

Besonders häufig taucht auch die "Gründungsszene" vor meinem inneren Auge auf. Die Szene, die ich als aller erstes im Kopf hatte und mit der die ganze Romanidee erstmals aufgetaucht ist. Diese Szene ist immer besonders stark emotional aufgeladen und beinhaltet sozusagen den "Geist" der Geschichte, den Ursprung des roten Fadens.

Aber egal, warum genau eine Szene sich immer wieder in meine Gedanken schleicht: Sie muss dann auch in den Roman aufgenommen werden, weil sie für mich elementar ist.
Titel: Re: Emotionen und Schreiben
Beitrag von: Sascha am 12. September 2016, 13:44:26
Das ist bei mir, glaube ich, sogar ein echtes Problem. Ich habe so viele kleine Szenen im Kopf, oder einfach nur Gags, die ich gerne unterbringen möchte, daß ich Gefahr laufe, die Geschichte um diese Szenen und Gags herum zu stricken. Aber die Biester sitzen so penetrant in meinem Kopf und springen mich immer wieder an, es wird verdammt schwer, sie dann doch wegzulassen.
Wahrscheinlich schaffe ich das nicht, und dann werden das wieder die Szenen, wo ich dann von den Betas zu lesen bekomme "Naja, witzig, wber was hat das mit der Story zu tun?" Und die ich dann unter großen seelischen Schmerzen wieder löschen muß. :(
Titel: Re: Emotionen und Schreiben
Beitrag von: Churke am 13. September 2016, 15:35:25
Das ist bei mir, glaube ich, sogar ein echtes Problem. Ich habe so viele kleine Szenen im Kopf, oder einfach nur Gags, die ich gerne unterbringen möchte, daß ich Gefahr laufe, die Geschichte um diese Szenen und Gags herum zu stricken.

Ich finde das wahnsinnig insprierend. Die Herausforderung besteht darin, die Geschichte dorthin zu führen, dass eine verrückte Situation oder ein absurder Dialog völlig logisch erscheint.
Gerade eben wieder: "Hast du schon mal was von Allmende gehört?" - "Was geht mich der Wichser an?"
Titel: Re: Emotionen und Schreiben
Beitrag von: Sternsaphir am 13. September 2016, 15:48:24
Ich habe auch so ein paar "Lieblingsszenen", egal ob böse oder gut.
Diese sind meist bis ins Detail vorgeplant, aber vom Schreiben hinke ich noch kapitelweise hinterher.
Manchmal, ganz ganz selten, schreibe ich diese Szenen schon vor und füge dann den fehlenden Text hinterher ein.
Aber meist beiße ich die Zähne zusammen, lasse die Szene in meinen Notizen und warte, bis sie "dran" ist.
Meist ergibt sich im Laufe des Schreibens dann doch noch die eine oder andere Begebenheit, die ich dann miteinfließen lassen kann und es wirkt alles harmonischer, als wenn ich den Text um die Szene herumschreiben muss.
Titel: Re: Emotionen und Schreiben
Beitrag von: Chrissy am 17. September 2016, 19:10:06
Das ist bei mir, glaube ich, sogar ein echtes Problem. Ich habe so viele kleine Szenen im Kopf, oder einfach nur Gags, die ich gerne unterbringen möchte, daß ich Gefahr laufe, die Geschichte um diese Szenen und Gags herum zu stricken. Aber die Biester sitzen so penetrant in meinem Kopf und springen mich immer wieder an, es wird verdammt schwer, sie dann doch wegzulassen.
Wahrscheinlich schaffe ich das nicht, und dann werden das wieder die Szenen, wo ich dann von den Betas zu lesen bekomme "Naja, witzig, wber was hat das mit der Story zu tun?" Und die ich dann unter großen seelischen Schmerzen wieder löschen muß. :(

Oh ja, dass kenn ich auch. Mittlerweile schreibe ich dann nur Stichworte zu derartigen Szenen. Dann tut das Löschen nicht ganz so weh. :-( Andererseits frage ich mich aber auch immer, wie viel kann ich einbauen um die Figuren einfach auch leben zu lassen Dadurch bekommt der Leser/die Leserin ja auch eine ganz andere Verbindung. Das ist für mich dann aber nicht einfach ohne die Gesamtlinie zu verlieren.
Lg Chrissy
Titel: Re: Emotionen und Schreiben
Beitrag von: DoroMara am 20. September 2016, 20:42:29
Ich glaube, ohne Emotionen könnte ich gar nicht schreiben. Wenn ich schreibe, geht es so ziemlich in mir ab. Darum kann ich nicht schreiben, wenn sich jemand zur selben Zeit im selben Zimmer befindet.
Wenn ich nicht gerade weine und lache, habe ich meistens das Gefühl, der Text wird ziemlich fade und ich muss ihn nochmals schreiben.

Und diese Szenen, die sich dauernd in meinem Kopf abspielen: Ich liebe sie! Und freue mich so darauf, sie niederzuschreiben. Ich muss jedoch meistens zuwarten, bis ich sie wirklich genau höre. Sonst bin ich beim Durchlesen meist enttäuscht, dass dies nun meine "Lieblingsszene" war.
Titel: Re: Emotionen und Schreiben
Beitrag von: Lupa am 30. September 2016, 21:54:41
Bei mir ist es so, dass meine Geschichten um genau solche emotionalen Schlüsseszenen herum entstehen. Da geht es gar nicht anders, als sie immer wieder zu durchleben. Dabei Frage ich mich dann, wie es dazu kam, wie sich die Charaktere entwickelt haben, um das zu empfinden und so zu reagieren ... so bildet sich dann die Geschichte dazu heraus.
Das sind dann natürlich auch meine Lieblingsszenen, an denen ich am meisten feile und die ich mir einfach gerne immer wieder vor Augen führe. Ganz egal ob sie düster, spannend, romantisch, lustig oder schrecklich sind.

Beim Lesen habe ich das übrigens auch. Diese Stellen im Buch markiere ich mir und lese sie manchmal ganz aus dem Zusammenhang gerissen nochmal durch, weil ich Lust auf diese bestimmte Emotion habe (oder auch weil ich Insporation für meine eigene Schreibe suche ;) ).
Titel: Re: Emotionen und Schreiben
Beitrag von: Nezumi am 05. Oktober 2016, 22:30:01
Zitat von: Lupa
Bei mir ist es so, dass meine Geschichten um genau solche emotionalen Schlüsseszenen herum entstehen. Da geht es gar nicht anders, als sie immer wieder zu durchleben. Dabei Frage ich mich dann, wie es dazu kam, wie sich die Charaktere entwickelt haben, um das zu empfinden und so zu reagieren ... so bildet sich dann die Geschichte dazu heraus.
Genau so geht es mir auch. Am Anfang gibt es immer irgendeine Szene, die mich total fesselt. Aus der ergeben sich wieder neue Szenen und Figuren und so entsteht nach und nach der ganze Plot (in meinem Fall also grösstenteils während des Schreibens des ersten Entwurfs).
Ich bin mit meinen Geschichten allgemein sehr emotional verbunden. Das führt dann oftmals dazu, dass ich gewisse Ideen oder Szenen jahrelang mit mir herumtrage, weil sie mich bis heute immer noch total faszinieren. Allgemein denke ich sehr viel über diese Szenen nach, die mich so berühren - eigentlich vergeht kein Tag, an dem ich nicht an irgendeiner Geschichte herumstudiere.
Zitat von: Czara
Doch es gibt auch Stellen in meiner Geschichte, die in meinen Augen recht brutal und bösartig sind.
Manchmal bin ich über mich selbst "erschrocken", welche Abgründe sich in meiner Seele mir beim Schreiben offenbaren.
Ich habe schon oft bemerkt, dass solche Szenen vielfach aus schwierigen Situationen in meinem Leben geboren werden. In den letzten zwei Jahren hatte ich beispielsweise in meinem Privatleben ziemlich viele Tiefs (dabei u.a. auch ein sehr einschneidender Todesfall). Die Ideen, die in dieser Zeit entstanden sind, sind auffällig düster und manchmal auch echt deprimierend. Aber nicht weniger faszinierend, wie ich finde.
Titel: Re: Emotionen und Schreiben
Beitrag von: Erin am 16. Mai 2019, 16:15:21
Ja, dass mich beim Schreiben irgendein Haufen Emotionen überkommt, ist mir nicht fremd.
 
Es ist schon eine Weile her, da habe ich ein Date zwischen meiner Protagonistin und einem Kerl geschrieben, das ein bisschen ausgeartet ist (Er war ein mörderischer Dämon). Danach - Prota am Boden zerstört, Dämon erledigt - war ich erstmal sehr niedergeschlagen und hab traurige Songs über gebrochene Herzen gehört, um das zu verarbeiten (und um die Stimmung lange genug aufrecht zu erhalten, um das nächste Kapitel zu schreiben, in dem diese Stimmung sehr erwünscht war). Aber mit der Protagonistin bin auch ich darüber hinweggekommen.
Ein anderes Mal habe ich mich bemüht einen Charakter sterben zu lassen. Ich hab's nicht über mich gebracht und ihn in letzter Sekunde gerettet, weil mir das Ganze zu nah gegangen ist.

Was Bösewichte angeht ist es häufig lustig. Auf eine trockene, etwas düstere Art und Weise. Ich ertappe mich oft dabei, wie sich ein böses Grinsen auf meinem Gesicht breit macht, wenn ich einen epischen Bösewicht-Moment aus der Sicht des Schurken schreibe. Allerdings gibt es da auch diverse Figuren, deren Abgründe so tief sind, dass es mir fast ein bisschen Angst macht, mich darauf einzulassen. Wenn der Wahnsinn so tief verwurzelt ist, dass ich für einen Moment den Weg aus den Augen verliere, der es dem Schurken noch ermöglichen könnte, seinem Schicksal zu entgehen. Wisst Ihr, was ich damit meine? Unabhängig davon, ob ein Antagonist die Kurve kriegt oder doch einfach nur besiegt wird, oder sich vielleicht auch selbst zerstört, es gibt doch irgendwo immer irgendeine Möglichkeit, irgendetwas, das ihn von seinem unheilvollen Pfad abbringen und zurück ins Licht führen könnte. Und wenn dieses Licht beim Schreiben aus den Augen verliere, dann überkommt mich diese Angst und... Trauer, denke ich. Trauer um die verlorene Seele.


Uff, okay! *in die Hände klatsch* Das war vielleicht poetisch und düster. Fürs Protokoll, einen solchen Moment würde ich dann wahrscheinlich mit einem echt dummen Twist ins Lächerliche ziehen. So viel Düsternis passt bis jetzt noch in keines der Bücher, das ich schreibe.


Hoffentlich hab ich das Thema nicht verfehlt, Beziehungsweise hoffentlich habe ich es richtig verstanden! :rofl:
Titel: Re: Emotionen und Schreiben
Beitrag von: Mara am 17. Mai 2019, 12:04:16
Jaaaa, das kenne ich auch. Auf einer Bandbreite von Szenen, bei denen ich noch beim Korrektur lesen über die eigenen Witze lache bis hin zu Szenen, die ich am liebsten gar nicht schreiben würde. In meinem ersten Buch musste einer meiner Lieblingscharas einen Mord bezeugen, und ich hatte tagelang ein schlechtes Gewissen ihm gegenüber O.o
Titel: Re: Emotionen und Schreiben
Beitrag von: CarlH am 17. Mai 2019, 17:04:53
Ich schreibe immer unter sehr emotionalen Bedingungen. Es steckt eine Menge Lebenserfahrung darin, Dinge die ich selber erlebt habe. Und oft lebe ich sie dann, wenn ich solche eine Situation in eine Geschichte einbringe, noch einmal durch. Oft geschieht das unbewusst, das mir es erst im Nachhinein auffällt, das schon einmal erlebt zu haben. Dies Unbewusste tritt dann zum Vorschein, und wirft mich dann meist um.
Titel: Re: Emotionen und Schreiben
Beitrag von: Koboldkind am 30. Mai 2019, 23:59:52
Grundsätzlich stehe ich bei der Aussage, dass man als Schreiberling auch eine Art Schauspieler ist und sich in seine Charaktere hineinversetzen muss, zum guten oder zum Schlechten (Tiefs, wenn der Prota ein Tief hat z.B.).
Bei meinem ersten NaNo hate ich es erlebt, dass ich um den Tod der Mutter meines Prota in allem miterlebt habe, den Tag hab ich durchgeschrieben, das war unglaublich. Und ich fürchte einmalig. Ich habe nach dem lesen des Threads das Gefühl, dass ich über die Jahre (und über die NaNos) etwas abgestumpft bin. Oder mich versuche, von solchen krassen Sachen selbst zu distanzieren. In der Adaption ist die Tage die Mutter meines Prota wieder gestorben und obwohl ich viel am Stück geschrieben habe, weine ich hier nicht. Allerdings glaube ich lege ich gerade viel in die Trauerverarbeitung rein und bin dieser Tage auch selbst sehr dünn, was ich denke nicht von ungefähr kommt. Aber ich denke schon, dass ich um krasse/düstere Sachen, gerade wenn sie in der Vergangenheit liegen, einen Bogen mache. Meine Prota wurde einmal gefoltert - das steckt ihr noch in den Knochen, aber es reicht mir und vielleicht auch den Lesern, wenn sie nur kurz davon erzählt und die Übelkeit wieder hoch kommt um meinen Punkt klar zu machen.

Oben wurden Gründungsszenen/Schlüsselszenen angesprochen, Szenen, mit denen alles anfing bzw. die unabdingbar sind. Und teilweise über drölfzig verschiedene Vassungen eines Plots immer wieder rein müssen, kenn ich kenn ich ^^ Meist sind das auch die Szenen, die ich immer wieder im Kopf habe, beim Spazieren gehen, mit bestimmten Liedern auf meiner Playlist verbinde und daher automatisch vertiefe. Ob sie dadurch viel tiefer werden weiß ich nicht, aber damit hab ich zumindest immer wieder etwas, auf das ich mich beim Schreiben freuen kann.
Titel: Re: Emotionen und Schreiben
Beitrag von: Weltenwanderin am 07. Juni 2019, 12:40:49
Das mit den lieben Emotionen und mit den Szenen, die einen in den Kopf kommen und die man immer wieder durchlebt, kenne ich auch. Beim Schreiben bin ich häufig sehr emotional und habe immer wieder das Gefühl durch die Augen meiner handelnden Personen zu blicken und mich wie sie zu fühlen, egal wie sie gerade drauf sind. Manchmal kann das sehr anstrengend und aufwühlend sein, aber es macht auch Spaß. Musik hilft mir dabei immer sehr, ich verbinde einzelne Szenen mit bestimmten Liedern und immer wenn ich diese höre, sehe ich die Szenen vor meinem geistigen Auge, das ist schon sehr faszinierend. Gerne denke ich in der Arbeit über meine verschiedenen Ideen nach oder lasse die Szenen einfach zu, die kommen. Da ich körperlich arbeite und dabei nicht kompliziert denken muss, ist das eine gute Beschäftigung für meinen Kopf, damit die Arbeit nicht langweilig wird. ;D

Diese düsteren oder auch mal brutalen Szenen habe ich auch. Aber ich denke als Autor gehören diese dunklen Seiten dazu, schließlich hat man nicht nur die Guten, sondern auch die Bösen in einer Geschichte oder solche die sich dazwischen befinden. Hin und wieder kommt mein innerer Teufel auch zum Vorschein und dann schreibe ich aus der Sicht meiner Bösewichte. Das kann an manchen Tagen sehr befreiend sein, vor allem wenn man Stress mit dem Chef hatte oder anderes passiert ist, das einen auf die Palme bringt. Mal nicht ständig an die Moral denken zu müssen, finde ich bei Zeiten gar nicht so schlecht. Natürlich würde ich das im echten Leben niemals machen, was auch immer sich meine Bösewichte gerade ausdenken, um das Leben meiner Helden schwer zu machen.
Titel: Re: Emotionen und Schreiben
Beitrag von: Katido am 07. Juni 2019, 20:30:46
Musik hilft mir dabei immer sehr, ich verbinde einzelne Szenen mit bestimmten Liedern und immer wenn ich diese höre, sehe ich die Szenen vor meinem geistigen Auge, das ist schon sehr faszinierend.

Das mit der Musik kenne ich nur zu gut. Eigentlich kann ich ohne Musik überhaupt nicht schreiben. Sie hilft mir einfach dabei, mich innerhalb kürzester Zeit in die richtige Stimmung der Szene zu versetzen. Das heißt allerdings auch, dass ich keine fröhlichen Lieder in traurigen Szenen hören kann und umgekehrt, da es mich sonst total rauswerfen würde.

Was die Emotionen angeht, könnte ich vermutlich manchmal etwas abgestumpfter sein. Viel zu oft bin ich nach traurigen Szenen tief betrübt und frage mich, warum sowas passieren konnte (ist ja nicht so, dass ich es geschrieben hätte  ;D). Aber irgendwie ist es auch schön, wenn positive Szenen die Stimmung etwas erhellen. Diese besonderen Szenen, die mich selbst derart aufwühlen, sind es auch, an die ich mich immer wieder zurückerinnere. Sie bleiben einfach im Gedächtnis.
Titel: Re: Emotionen und Schreiben
Beitrag von: Spring am 08. Juni 2019, 18:11:37
Mir passiert es auch ziemlich oft, dass ich manche Szenen schon vorher so oft durchlebe, dass ich jeden einzelnen Satz im Kopf schon geplant hab. Bei mir ist es eher so, dass daraus dann die Idee für eine neue Geschichte entsteht :jau:. Und diese Szenen sind meist so weit am Ende der Geschichte, dass ich manchmal nicht einmal oder erst nach langer Zeit dazu komme :happs:.
Und was die dunklen Momente in einem Buch betrifft, ich finde sie persönlich ziemlich spannend zu schreiben und womöglich sogar interessanter als andere Stellen, da man dabei - obwohl man ja selbst daran schreibt und alles erfindet - dem Charakter/Protagonisten auch viel näher kommt :hmmm:. Durch den "Schmerz" kommt ja Tiefe hinein und er wirkt viel echter (und man kann sich selbst austoben!).


Titel: Re: Emotionen und Schreiben
Beitrag von: Möchtegernautorin am 10. Juni 2019, 12:03:51
Interessant, wenn ich das hier lese, bin ich dann doch nicht ganz so alleine, was das Emotionale in Verbindung mit Musik angeht  De hat bei mir im Grunde sogar zwei wichtige Afgaben, was meine Schreibereien angeht: Erstmal kann ich ohne Musik nicht schreiben, sie schottet mich von allem ab, egal wo ich mich befinde. Und zweitens kompensiere ich damit schon vor dem Schreiben meine emotional schwierigen Szenen. Dazu gehören die Brutalitäten der Antagonisten genauso, wie die der Protagonisten. Alles, was mir eben doch irgendwie zu Herzen geht.

Meine Geschichten entstehen oft durch Musik, beziehungsweise ich charakterisiere meine Figuren sehr gerne mit Liedern. Meine Geschichtsideen lasse ich mir aber bevorzugt unterwegs durch den Kopf gehen, meistens bei den Hunderunden. Da kann ich gut abschalten - und meistens treffe ich da niemanden, den es stören würde, wenn ich dann doch mal heule wegen der Idee, die ich gerade hatte. Beim Schreiben selbst bleibt es mir dann allerdings mittlerweile erspart (war früher anders  Ich erinnere mich noch meine Anfänge, da saß ich dann auch mal heulend am Küchentisch vor meinem handgeschriebenen Manuskript). Was ich auch ziemlich gut finde, denn ich schreibe meistens auf dem Weg zum Brotjob im Zug  das wäre dann doch sehr peinlich irgendwie.


Titel: Re: Emotionen und Schreiben
Beitrag von: Ixys am 10. Juni 2019, 22:38:43
Die wiederkehrenden Szenen, die man immer wieder im Kopf durchspielt, kenne ich auch sehr gut, meistens sind es solche, die ich entweder besonders witzig oder besonders düster finde. Das geht mir manchmal sogar noch so nachdem ich die Szene schon geschrieben habe. Dann läuft quasi ein Film in meinem Kopf ab, und ich kann zuschauen und dann überlegen, ob mir das so gefällt.
Und Musik benutze ich auch ganz oft beim Schreiben, allerdings nur Musik ohne Text, das lenkt sonst zu sehr ab. Ich habe mal für den Nano ein paar Playlists mit verschiedenen Grundstimmungen zusammengebastelt, die benutze ich immer noch gerne, vor allem wenn ich an Orten schreibe, wo ich nicht alleine bin und die Umgebungsstimmung so gar nicht zu meinen Szenen passen will.
Ich beschäftige mich zwar gerne länger mit Szenen, die für meine Charaktere sehr emotional sind, bekomme aber wenn ich selbst besonders aufgewühlt oder auch überglücklich bin fast nie etwas vernünftiges niedergeschrieben. Beim Lesen kann mich schon häufiger mal eine Szene zum Weinen oder laut loslachen bringen, aber beim Schreiben funktioniert das irgendwie gar nicht.
Titel: Re: Emotionen und Schreiben
Beitrag von: Halblingschruut am 21. Juni 2019, 20:13:28
Witzig, genau die Frage habe ich mir heute gestellt, nachdem mir eine Idee für eine sehr düstere Szene gekommen ist. (Ich liebe das Wort düster  ;D )
Manchmal habe ich mich aber auch schon gefragt, ob da tief in mir drin ein Teil ist, der sich zum Gewalt- & Grausamen angezogen fühlt. Die Frage stelle ich mir aber auch wenn ich bspw. Bücher von Stephen King oder Charlotte Link lese, genauso wie mein Letztes "Liebeskind", von Romy Hausmann.
Ich denke, wir Schriftsteller brauchen diesen Teil in uns, durch genau diese Vielfalt können wir Texte schreiben die andere Menschen ins Tiefste mitreissen.

Den Punkt mit der Musik kann ich auch vollkommen unterschreiben. Ohne Musik geht einfach nicht..
Besonders die von Adrian von Ziegler kann ich nur empfehlen, die nehme ich oft für alle möglichen Schreibsituationen :jau:
Titel: Re: Emotionen und Schreiben
Beitrag von: Hüterin der Feder am 05. August 2019, 23:17:47
Ooooh, wie gut ich das kenne!
Häufig spiele ich Szenen wochenlang in meinem Kopf durch, ändere hier und da etwas oder belasse es dabei.... Und erst dann fange ich zu schreiben an.
Es ist fast so, als müsste ich schauen, welches Gefühl ich für diese Szene benötige, welche Emotion die richtige hierfür ist. Möchte ich diesen Moment eher traurig darstellen oder eher fröhlich? Nicht selten erwische ich mich dabei, wie ich dann mit meinem Prota wütend auf den Anto bin, obwohl ich ja die Beweggründe des letzteren kenne. Oder ich sitze beim Schreiben heulend da, weil mich dieser Augenblick selbst so packt....
Ich habe allerdings auch die Erfahrung gemacht, dass es eben diese Szenen sind, die ich immer wieder im Kopf und such emotional abspiele, die meine Geschichte und auch meinen Charakteren in ihrer Entwicklung voran bringen. Manchmal auch in eine völlig andere Richtung als ursprünglich gedacht, weil ich beim ständigen Wiederholen feststelle, dass der Charakter durch seine Eigenart viel eher wütend sein wird und nicht wie anfänglich angenommen traurig.
Titel: Re: Emotionen und Schreiben
Beitrag von: Weltenwanderin am 06. August 2019, 13:20:12
Irgendwie freut es mich, dass ich nicht als einzige heulend da sitze und schreibe, wenn mich eine Szene so sehr mitnimmt ;D Es beruhigt mich sehr, dass ich damit nicht alleine bin.
Ich finde es immer wieder interessant, wenn sich eine Szene aufgrund von Emotionen ändert. Die meisten Szenen habe ich schon tagelang oder auch schon wochenlang im Kopf, ehe ich sie schreibe und meistens freue ich mich darauf. Doch ich muss zugeben, dass sie meist nur sehr selten genauso aufs Papier gebracht werden, wie ich sie mir im Kopf vorgestellt habe. Wahrscheinlich, weil die Szenen mir selten in der richtigen Reihenfolge der Geschichte einfallen. Daher denke ich vielleicht manchmal eine Szene, in der meine Hauptfigur wütend ist, aber am Ende ist sie doch eher traurig, weil es ansonsten gar nicht in die Geschichte hineinpasst. Ich kann mich damit jedes Mal aufs Neue überraschen, wie sehr sich diese eine Szene ändert, weil sie auf einer ganz anderen Emotion beruht als zuvor in meinem Kopf. Da kann einer sagen, was er will, aber Schreiben wird niemals langweilig. :herzchen:
Titel: Re: Emotionen und Schreiben
Beitrag von: Anila am 07. August 2019, 10:54:24
Ich versuche wenn es irgendwie geht meine eigenen intensiven Emotionen in dem selben Moment irgendwo festzuhalten, auf dem Handy, oder als Brief.. Problem ist noch die Archivierung und wie ich dann beim Schreiben von Geschichten die richtigen Briefe zur passenden Emotion wiederfinde. Aber wenn ich auf solche Dateien stoße bin ich immer wieder überrascht wie intensiv diese Zeilen sind. Kann ich leider (noch?) nicht auf Abruf..
Aber Musik hilft mir auch!
Titel: Re: Emotionen und Schreiben
Beitrag von: kathy am 14. August 2019, 01:21:00
Ich persönlich genieße die Freiheit beim Schreiben Emotionen ausleben zu können.
Meine beste Freundin hat mich einmal gebeten ein Horrorbuch über ein Mädchen zu schreiben, das vollkommen besessen ist und Blut trinkt.
Ich hatte keinerlei Erfahrung mit Horror, aber um es glaubhafter zu machen, habe ich vor meinem Computer gesessen und die Dialoge gesprochen, geweint und alle Emotionen probiert mitzuempfinden.
Die Freude, die ich dabei an Grauenhaftigkeit und Theater entdeckt habe, hat mich schockiert aber gleichzeitig weitergebracht. Nicht nur in Bezug auf Schreiben, sondern auch in meinem Leben weil ich mich danach innerlich aufgeräumt gefühlt habe.

Also ja, ich denke es ist vollkommen normal solche Emotionen zu haben beim Schreiben. Oftmals helfen sie einem beim Verarbeiten schlimmer Erlebnisse. Du solltest diese Emotionen nur nicht in echt ausleben  ;D
Ich habe dieses Buch übrigens von hinten nach vorne geschrieben, weil ich die Schlüsselmomente am Ende brauchte, um den Charakter am Anfang zu entwickeln.
Titel: Re: Emotionen und Schreiben
Beitrag von: Oneira am 18. August 2019, 10:28:57
Wenn ich bei einem Buch nicht so richtig weiterkomme, warte ich im Grunde auf einen Tag, an dem meine Stimmung mal richtig zu einer Szene passt, die ich unbedingt schreiben will. Irgendwie fällt es mir schwer, mich zu zwingen, bestimmte Szenen zu schreiben, ohne wirklich gerade in der passenden Stimmung zu sein. Diese Schlüsselszenen sind dann meistens auch das erste, was ich von einem Roman habe. Dann schreibe ich den "Rest" drum herum.
Wie geht es euch damit? Könnt ihr das, jede beliebige Szene schreiben, auch ohne auf einen passenden Tag zu warten? Oder geht es euch da eher wie mir? Manchmal ärgere ich mich, dass ich nicht immer, wenn ich will, jede Szene schreiben kann. Hat da jemand einen Tipp, wie ich zu dieser "passenden Stimmung" komme oder wie das sonst irgendwie gehen könnte?
Titel: Re: Emotionen und Schreiben
Beitrag von: Christian am 18. August 2019, 11:24:59
Wie geht es euch damit? Könnt ihr das, jede beliebige Szene schreiben, auch ohne auf einen passenden Tag zu warten?
Ja. Ich könnte es mir auch gar nicht erlauben/leisten auf den passenden Tag zu warten. ;D

Zitat
Hat da jemand einen Tipp, wie ich zu dieser "passenden Stimmung" komme oder wie das sonst irgendwie gehen könnte?
Passende Musik ist wohl das gängige Mittel. Etwas, das man mit der Stimmung der Szene verbindet oder das diese Stimmung hervorruft. Früher hatte ich immer Schreibsoundtracks. Inzwischen nicht mehr. Was auch funktionieren kann, sind entsprechend stimmungsmäßig passende Szenen aus Filmen, anderen Büchern. Oder auch rohe Plotnotizen beispielsweise.

Manchmal brauche ich einen Moment, um aus der Szene bzw. Stimmung wieder raus zu kommen. Hatte das neulich, dass mir nach einer Szene kotzübel war. Aber dann ist es auch meist ganz gut. Das sind dann fünf Minuten und gut.
Titel: Re: Emotionen und Schreiben
Beitrag von: Waldhex am 18. August 2019, 12:14:13
Ich habe gerade generell ein Problem in Schreibstimmung zu kommen. Ist gerade einfach insgesamt zu stressig. Aber wenn ich im Schreiben bin, dann kann ich jede Szene schreiben. Liegt vielleicht mit daran, dass ich (meistens) chronologisch schreibe, d.h. wenn ich im Schreiben bin, "erlebe" ich den Weg zu der Szene und bin so automatisch in der richtigen Stimmung.

Ich hörte früher sehr gerne Ancient Bards beim Schreiben, zwischenzeitlich ist mir Stille in der Regel lieber.
Titel: Re: Emotionen und Schreiben
Beitrag von: Lana am 22. August 2019, 07:46:19
Bei mir ist das so, dass ich tatsächlich auch viele Emotionen mit meinen Charakteren verbinde. Beim Schreiben selbst, rede ich meistens die Wörtliche Rede mit, weil ich die Inbrunst ihrer Worte einfach nicht nur im Kopf hören will, sondern auch aussprechen kann.
ich leide mit, ich weine mit und ja ich habe Szenen, bei denen ich mich fühle, als würde ich meinen Charakter an die Hand nehmen und sagen, dass wir das gemeinsam durch stehen. Oder wir lachen darüber. die Assoziationen die ich zu manchen Figuren habe, bringen mich aber tatsächlich meistens eher zum lachen.
Titel: Re: Emotionen und Schreiben
Beitrag von: Oneira am 23. August 2019, 15:53:08

Passende Musik ist wohl das gängige Mittel. Etwas, das man mit der Stimmung der Szene verbindet oder das diese Stimmung hervorruft. Früher hatte ich immer Schreibsoundtracks. Inzwischen nicht mehr. Was auch funktionieren kann, sind entsprechend stimmungsmäßig passende Szenen aus Filmen, anderen Büchern. Oder auch rohe Plotnotizen beispielsweise.

Danke für den Tipp! Auf die Soundtracks bin ich auch schon gekommen, aber das mit den Filmszenen ist echt cool, muss ich mal ausprobieren.  :)

Im Grunde kann ich auch jede beliebige Szene schreiben, aber ich finde, wenn ich sie später lese, sie klingen manchmal "unecht". Weiß auch nicht, wie ich das erklären soll. Vielleicht finde ich da noch eine Möglichkeit, das besser hinzubekommen ...
Titel: Re: Emotionen und Schreiben
Beitrag von: Turiken am 05. Februar 2020, 13:33:43
Ich kann mich mit den meisten von euch sehr gut identifizieren - gerade was das Miterleben und Mitempfinden mit den Charakteren angeht.

Dem Musikhören beim Schreiben stehe ich mittlerweile etwas kritisch gegenüber. Als ich mit dem Schreiben angefangen habe, konnte ich gar nicht ohne "Hilfsmittel" schreiben. Es musste immer die passende Musik zur Szene laufen, an der ich getippt habe. Fröhliche Fidelmusik bei einem Tavernenbesuch, Trauermarsch, wenn eine Figur gestorben ist, Two Steps From Hell bei jedem epischen Moment usw. Es hat mich manchmal mehr Zeit gekostet, die richtige Musik zur Szene rauszusuchen, als die Szene selbst zu schreiben. Mittlerweile funktioniert es für mich nicht mehr so. Ich ertappe mich oft dabei, dass gerade düstere oder traurige Szenen ins Theatralische abrutschen, wenn ich sie mit passender Musik schreibe, und sie sich für mich am Ende gekünstelter lesen. Nicht falsch verstehen, ich höre immer noch gern Musik zum Schreiben, aber ich fokussiere mich nicht mehr so darauf wie früher.

Aber die Bindung an sich zu den Figuren und auch zu den Settings ist für mich Emotion pur. Es gibt nichts Schöneres, als während des Schreibens diese Momente zu spüren, wenn die Charaktere richtig zum Leben erwachen und man mit ihnen mitfiebert oder sie anfängt zu hassen.
Titel: Re: Emotionen und Schreiben
Beitrag von: Annie am 12. April 2020, 20:25:50
Diesen Effekt kenne ich auch. Ich habe letztes eine Erinnerungssequenz, die recht düster und grausam ist, verfasst. Zwar betrifft sie eine der beiden Hauptcharaktere nur indirekt, aber die Szene hat mich in ihrer ersten Variante auch extrem mitgenommen.  Ich habe mich in dem Fall auch sehr mit dem betroffenen Charakter verbunden gefühlt und wie du den Schrecken gehabt, zu was ich in dem Fall fähig wäre. Mir ist es jedoch auch wichtig, mich mit den Charakteren (je nach Charakter ein Stück weit) identifizieren zu können, um die Stimmung der Szene besser fassen zu können.
Letztendlich habe ich eine Lösung gefunden, die etwas "milder" ist und gleichzeitig auch für den fortlaufenden Teil der Geschichte besser passt.  Die Szene hat dennoch genau den Effekt, den ich mit ihr erzielen wollte. 
Titel: Re: Emotionen und Schreiben
Beitrag von: Sikania am 13. April 2020, 12:37:20
Liebesszenen oder Freude merke ich meistens nicht so sehr, außer dadurch, dass ich dann tatsächlich beim Schreiben mehr lächle. Ähnlich wahrscheinlich wie die Momente, wenn man etwas zeichnen möchte ... da heißt es schließlich auch, dass die Bilder umso besser werden, wenn man dabei selbst den passenden Gesichtsausdruck nachahmt (was ich ab und an auch mache und dann sicherlich teilweise echt merkwürdig aussieht :rofl:).

Ich habe mich in dem Fall auch sehr mit dem betroffenen Charakter verbunden gefühlt und wie du den Schrecken gehabt, zu was ich in dem Fall fähig wäre. Mir ist es jedoch auch wichtig, mich mit den Charakteren (je nach Charakter ein Stück weit) identifizieren zu können, um die Stimmung der Szene besser fassen zu können.

Das kann ich gut nachvollziehen. Zum Teil ist aber doch genau dieser Schrecken auch das, was man erreichen will. Ich muss ab und an auch prüfen, ob meine Szenen nicht zu brutal sind. Oft passiert es auch, dass ich Szenen weniger blutig oder schmerzhaft mache. Auch weil ich denke, dass man sonst von mir denken könnte, ich sei eine Sadistin oder so. Andererseits sind es auch eben solche Emotionen, die das Schreiben doch erst wirklich spannend für mich machen.
Titel: Re: Emotionen und Schreiben
Beitrag von: Annie am 13. April 2020, 22:11:19
Da hast du absolut Recht. Ich denke auch, dass die Emotionen in einer Geschichte, aber auch in einem Bild, stärker sind, wenn man sie selber in dem Moment spürt.
Genau die Angst habe ich dann auch manchmal. Einmal, wie bei dir, in Bezug auf anderen Menschen, aber auch in der Hinsicht, dass ich mich frage "Wie würde ich mich fühlen, wenn ich diese Person wäre?". Doch wenn man selber mit den Charakteren mitfühlt, kann man wahrscheinlich auch beim Leser eher die gleiche Stimmung erzeugen. Es ist ja durchaus ein gutes Zeichen, wenn die eigenen Charaktere in gewisser Weise zum Leben erwachen. Außerdem kommt es ja auch darauf an, in welcher Zeit etwas spielt und wie damals das Leben war. Im Mittelalter ging es mit Sicherheit rauer zu und das beeinflusst dann natürlich auch das Setting. Das ist natürlich trotzdem manchmal schwer. Man entdeckt schließlich auch ggf. ungeahnte Seiten an sich selber. Am Ende des Tages ist es aber nur eine Kopfsachen.

[Edit] wenn du wüsstest, was ich für Gesichter bei den Gesangsübungen machen soll. Da fühle ich mich auch manchmal, sagen wir, sehr "speziell" ROFL
Titel: Re: Emotionen und Schreiben
Beitrag von: Anne C. S. am 15. April 2020, 15:15:32
Du sprichst mir aus der Seele!

Ich selbst schreibe eher aus dem Bauch heraus, plane die Handlung nicht wirklich, bevor ich schreibe.
Aber manchmal habe ich ... nennen wir es Gedankenblitze. Da kommt mit eine bestimmte Szene in den Sinn, und fiebere wochenlang auf den Moment hin, sie endlich einbringen zu können. Ich denke manchmal, ich werde wahnsinnig ;)

Und wenn ich sie dann geschrieben habe, lese ich sie mir meistens hunderte Male durch, und durchlebe ich sie voll und ganz. Manchmal muss ich grinsen, manchmal werde ich traurig oder wütend dabei - ich bin sehr emotional bei Büchern.
Aber ich schätze, das ist genau das, was Schreiben für mich ausmacht. Dass ich meine Gefühle und Gedanken zum Ausdruck bringen kann, und mich in den Geschichten verliere.
Titel: Re: Emotionen und Schreiben
Beitrag von: Annie am 15. April 2020, 17:38:35
Das bin ich auch. Ebenso bei Rollenspielen. Manchmal versetzte ich mich auch zu sehr in einer Szene und stehe mir dann im weg, weil ich auch Schrecke, Wut oder Entsetzten spüre und denke "Das kannst du doch nicht tun!". Meistens plotte ich den groben Rahmen und schaue dann, was sich alles ergibt. Wenn dann so eine Szene oder wie du es noch treffender nanntest Gedankenblitz die Inspiration deutlich ankurbelt, können in der Tat sehr intensive Szenen entstehen. Aber das macht es auch aus. Wenn ein Autor oder auch ein Spielentwickler solche Gefühle erzeugen kann, dann wird die Geschichte auch nochmal um einiges lebendiger :)