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eBook - Der falsche Weg für die Verlage?

Begonnen von Kaeptn, 07. Oktober 2010, 08:30:51

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Kaeptn

Hallo,

bin gerade bei heise über diesen Artikel gestolpert.
http://www.heise.de/newsticker/meldung/E-Books-Harter-Uebergang-fuer-den-Buchhandel-1102889.html

Zitat"Der Übergang wird sehr hart werden", so Betts. Das Geschäft mit E-Books werde von Online-Händlern dominiert. Daher werde es künftig weniger Geschäfte im Bucheinzelhandel geben, sagte die Expertin voraus.

Fragt man im Bekanntenkreis, schütteln die meisten über eBooks nur den Kopf und wollen lieber "richtige" Bücher haben, aber die technikgeile Jugend, die sich ein Leben ohne Handy und neuerdings Smartphone schon gar nicht mehr vorstellen kann und (was den männlichen Teil angeht) das Wort "Buch" meist nur mit Schule assoziiert, sieht das vielleicht anders.

Dennoch wundere ich mich sehr, dass gerade Verlage das Thema eBook so forcieren. Denn, wie es auch in dem Artikel so schön heisst: "Das Vorrecht der Verlage auf Vertrieb, Kontrolle und Eigentum von Inhalten habe ausgedient."
Genau das ist ja der Punkt. Was tut der Verlag für mich als Autor noch, wenn es als eBook erscheint? Lektorieren, eventuell Marketing. Aber der ganze Vertriebsteil, das, was ein Autor im Printbereich niemals allein leisten kann, fällt komplett weg, womit man sich als Autor schnell fragen kann, wozu man für ein reines eBook noch einen Verlag braucht.

Dazu haben die Verlage mit dem eBook den "Raubkopierern" Tür und Tor geöffnet. Früher musste ein gedrucktes Werk dazu erstmal digitalisiert werden, sowas hat bestimmt nicht mal eben der 14jährige Schüler bei Rapidshare reingestellt. Ein eBook zu knacken und hochzuladen ist da weit weniger Aufwand.

Für mich persönlich machen eBooks allenfalls als Sachbücher Sinn, da kann man schnell suchen und finden, unterstreichen, Notizen pinnen usw, ohne dass das Buch dabei Schaden nimmt. Ein Unterhaltungsbuch würde ich nur als eBook lesen, wenn es DEUTLICH billiger wäre, als das Printpendant. Schließlich spart der Verlag Druck und Vertrieb, während ich beim Lesen Strom verbrauche.

Ich bin jedenfalls gespannt, wie das die nächsten Jahre weitergeht, wo jetzt die Tablets den Markt überschwemmen und damit in den nächsten Monaten die Zahl der verkauften (zumindest potentiellen) eBook-Reader-Hardware massivst zunehmen wird.

Aber wir haben ja diverse Buch-Leute hier unter uns, deren Meinung mich sehr interessieren würde. Wie bereiten sich z.B. Bibliotheken darauf vor? Wird man (schon wegen der Kopiergefahr) jemals eBooks leihen können? Und haben wir auch eine/n Buchhändler/in unter uns? Sorge wegen der eBooks, oder doch viel Lärm um nichts?

Geli

Ich kann dazu nur sagen, wie wissenschaftliche Bibliotheken mit e-Books umgehen. Bei mir wurden Lizenzen für Gesamtpakete einiger Verlage gekauft. Daraus kann jeder Student/Wissenschaftler/Mitarbeiter "meiner" Universität kostenlos Inhalte herunterladen. Das funktioniert über die IP-Adresse seines Rechners - diese IP-Adresse muss natürlich vom Anbieter-Verlag als zugehörig erkannt werden.
Bei uns wird aber auch darüber nachgedacht, andere Literatur anzuschaffen, für die man dann eins der handelsüblichen Lesegeräte brauchte- und da liegt momentan noch der Hase im Pfeffer. Bei der augenblicklichen Finanzsituation für öffentliche Bibliotheken stellt es sich zumindest mir so dar, dass auf unserer Seite abgewartet werden wird, bis sich ein System als Standard etabliert hat. "Wir" werden vermeiden müssen, dass wir Lesegeräte verleihen, die in relevanter Zeit nicht mehr mit Inhalten zu beladen sein werden, weil die passenden Formate aufgegeben wurden.

Franziska

ich habe gerade heute Morgen eine Radiosendung über E-Books gehört (ich glaube es war DLF). Da wurde gesagt, dass es auf Deutsch ca 10 000 Bücher als E-Book gibt. Da lohnt es sich nicht wirklich, sich ein Gerät zum lesen anzuschaffen, wenn man dann das Buch, was man lesen will nicht bekommt. Das wird sich aber wahrscheinlich demnächst ändern, denn wenn ich das richtig mitbekommen habe, kommt ein neues Gerät und auch wesentlich mehr E-Books dafür.
In den USA hätten schon 80 % ein Gerät zum lesen.

Was die Verlagsarbeit angeht, glaube ich nicht, dass man darauf verzichten kann. Es geht ja vor allem um Markteting, was bringt es, dass Buch als E-Book zu veröffentlichen, wenn einen niemand kennt? In der Radiosendung wurde gesagt, dass es sein kann, dass E-Books Taschenbücher ersetzen, aber dass es auf jeden Fall weiter Hardcover geben wird. das glaube ich auch.

Und Raubkopien kann man auch machen, wenn man Bücher einscannt, wird ja jetzt auch so gemacht. Ich glaube, wenn die E-Books hier auch endlich günsiger werden, würden die auch mehr Leute kaufen. Funktioniert in den USA ja anscheinend auch.

Thaliope

Das iPad scheint da ein ganz interessantes Übergangsmedium zu sein: Man kann darauf überall eBooks lesen, aber auch noch andere Sachen damit machen. Ich schätze, dass sich eBooks über diese Mehrzweck-Medien eher durchsetzen werden als über solche, die man dann nur zum eBook-Lesen verwenden kann.
Wir werden es sehen ... :)

LG
Thali

Nachtblick

#4
Auauau, was ist denn das für eine Stimmung gegen Schüler? :snicker: Die böse nachfolgende verlotternde Generation, die nur noch Technik kennt und keine Bücher mehr? Die Gedrucktes gar nicht mehr lesen kann? Chrm. Blödsinn. ;)

Wenn die, über die du da sprichst – männliche Schüler mit Smartphones – überhaupt lesen, dann Bücher. Bücher zum Anfassen nämlich, zum Werfen, wenn es die ganz rabiaten sind, und zum Arbeiten. Selbst die verbohrtesten iPhoner haben "Die Physiker" lieber in der Hand zum Drinherummalen, Zerfleddern und an-die-Geschwister-Verkaufen als digital auf ihrem Handy. Und, wenn sie nur wenig lesen, macht sich "Harry Potter" im Bücherregal doch besser. Wir hatten das Thema unter Freuden, Bekannten und Kursteilnehmern querbeet. Niemand kann sich vorstellen, genauso gut mit einem richtigen Buch wie mit einem digitalen zurechtkommen zu können. Das gedruckte Buch wird immer – auch bei den allermeisten Freaks – den Vorzug haben.

Nicht einmal vorausgesetzt, man gehört der äußerst raren Gruppe "männlich, technikversiert, im Besitz eines Smartphones UND lesebegeistert" an – dazu braucht es schon viel – würde ich glauben, dass man gravierend etwas am E-Book-Umsatz ändert.

Mir ist in meinem Umfeld noch niemand begegnet, der den Vorteil "ich kann tausend Bücher mit mir herumschleppen" gegen Dutzende Nachteile aufwiegen könnte oder wollte. Und solange auch das E-Board (die elektronische Tafel, von denen es zwei in der Schule gibt) von Schülern lieber ausgeschaltet und die Tafel benutzt wird, solange passiert da, getrost, gar nichts. ;)

Ich bin immer noch sehr zuversichtlich, dass E-Books ihren Leserkreis finden und teils haben – aber er wird niemals den Leserkreis "gedrucktes Buch" überholen. Never ever.

Manja_Bindig

Ich halte von E-books wenig, weder vom wirtschaftlichen, logischen, noch vom ideellen her.

Sie sind verlagstechnisch der Supergau. Das wurde schon erklärt und bedarf keiner weiteren Ausführung, um es zu verstehen. Sobald der Markt sich ein wenig vergrößert hat, müssen wir uns nur noch zurücklehnen und abwarten, bis die Buchbranche ebensolchen schaden genommen hat, wie seinerzeit die Musikbranche durch Napster. Wie das aussah haben wir ja alle erlebt.

Der einzige Punkt, wo das E-book dem Autor noch ein bisschen weniger schaden könnte, ist spezifisch in Deutschland die Buchpreisbindung.
Die macht durchaus Sinn. Egal, ob ein Buch als Print oder digital erscheint - es hat die gleichen Vorbedingungen. Es muss gelesen, lektoriert, überarbeitet werden, was Zeit vom Autor, vom Lektor, von allen Beteiligten frisst. Der Satz muss gemacht werden, Cover- und eventuell Inhaltsillustrationen gemacht werden. Nicht zu vergessen Marketing. All das MUSS bezahlt werden, egal, ob es digital ist oder nicht. Wenn E-books jetzt extrem viel billiger sind, sehe ich nicht, wie das gehen soll. Durch die Buchpreisbindung wird zumindest dann der Verlag geschont, wenn keine Raubkopien in Umlauf geraten.

Das Problem sind die Reader. Mit einem Amazon-kindle kann ich nur bestimmte Bücher, die nur auf Amazon vertrieben werden, lesen, aber keine, die für einen Apple-Reader konzipiert sind. Solang die Reader nicht miteinander uneingeschränkt kompatibel sind, wird es sich noch sehr langsam entwickeln.


Ich persönlich HASSE E-books. Ich sitze jeden Tag für die Uni oder beim Schreiben am Computer. Ich sehe genug Bildschirm. Ich brauch nicht noch einen.
Ich liebe es, Papier in den Händen zu haben, etwas greifbares, festes, ein Buch, das ich beim LEsen streichel, wo sich schon beim Gefühl und Gewicht in meiner Hand Erinnerungen verknüpfen. Ich brauche den Geruch und das Rascheln von umblätternden Seiten. Es ist einfach ein so viel sinnlicheres und so viel schöneres Lesen als nur auf diesen kalten, leblosen Bildschirm zu starren.

Vielleicht ist das der Grund, warum auch die digitale Jugend ein Buch doch bevorzugt.
Es ist etwas Reales. Man kann es greifen.
Und womit kann man eher Erinnerungen verknüpfen? An ein Harcover von "Tintenherz", das einem eine liebe Freundin oder die geliebte Patentante einem geschenkt hat oder an einen USB-Stick, wo es als E-book drauf gespeichert ist?

zDatze

Ich gehöre nicht unbedingt zu der "technikgeilen Jugend", obwohl ich einen iPod und ein Handy mit mir herumtrage, egal wohin ich gehe. ;) Aber trotzdem liebäugle ich mit einem eBook-Reader. Der Haken an der Sache ist leider, dass mir die Technik noch zu neu und zu unausgereift ist. Da braucht man nur einfach zu Thalia gehen und die ausliegenden Demogeräte in die Hand nehmen.
Bei mir kommt dann immer dieselbe Entscheidung heraus: Nein. (Meistens "flasht" mir das Display zu sehr beim Ümblättern und das empfinde ich echt nicht als Lesevergnügen.)

Solange die eBook-Reader mich nicht überzeugen können, wird es für mich auch keine eBooks geben. Ganz einfache Rechnung.

Dazu kommt dann noch der Preis. 2 Euro billiger als das Buch? Öhm, ja dann doch lieber die gedruckte Variante... da hat man wenigstens nachher etwas in der Hand und kann es ins Regal stellen.

In unserem Köpfen ist der Gedanke vom Wert eines Dings noch zu eng mit der materiellen Ebene verknüpft. Mir widerstrebt diese materielle Fixierung gerade deswegen, weil ich sie selber nicht abschütteln kann.

Digitale Daten sind nichts wert. Ok, vielleicht sollte ich schreiben: Digitale Daten sind noch nichts wert. (Auch wenn jetzt sicher jemand aufspringt und schreit: "Stimmt nicht!". Mir ist klar, dass Userdaten gefragter sind denn je. Nur geht es hier nicht um Userdaten, die irgendein Konzern für seine Werbung einkauft.)

Der naheliegenste Ansatz ist natürlich, dass man den Preis der eBooks senkt. Soweit, bis für uns der Preis "angemessen" ist. ODER man schafft es doch irgendwie diese das-ist-nichts-wert-Mantalität zu knacken. Was bringen billige eBooks wenn der Autor dahinter "verhungert"?

Moni

So, nun mal eine Fachbuchhändlerstimme (meine  ;) )
Man muß im Bereich e-books und allgemein e-Pub ganz klar unterscheiden zwischen wissenschaftlicher und bellestristischer Nutzung.

Für die Belle wage ich die Prognose: wird sich nicht durchsetzen, solange das haptische Erlebnis beim Lesen eines Buches mit Papier - Geruch, Gefühl, Klang - verbunden ist. Zuviele verschiedene Formate konkurieren derzeit miteinander und auch wenn Libreka jetzt mit Apple zusammenarbeitet, so daß man auf IPad und IPhone künftig auch die E-Books lesen kann, die nicht nur im Applestore angeboten werden, ist das Buch dadurch im belletristischen Bereich nicht vom Markt verdängt.

Im wissenschaftlichen Bereich ist die Sachlage anders. Nicht nur Bücher, sondern besonders auch die durchaus teuren Fachzeitschriften (Jahresabopreise von 2000 - 3000 Euro für 4 Hefte sind hier keine Seltenheit!) und Loseblattwerke werden hier verstärkt in E-Formaten angeboten. Entweder als Zusatz zum Printwerk oder als kompletter Ersatz. Im Fachbereich kommen die hohen Kosten ja eher durch die Teilnahme von hochrangigen Wissenschaftlern, die eben für ihren Einsatz entsprechend honoriert werden wollen, daher macht der teils eher geringe Preisunterschied zwischen Print und E-Version im Fachbereich sich eigentlich gar nicht bemerkbar.
Ich denke, Fachliteratur wird auf Dauer von der Print auf die elektronische Ausgabe umgestellt werden. Falls dann überhaupt noch Print angeboten wird, dann vermutlich als PoD, um die Druckkosten so gering wie möglich zu halten.
Preismodelle mit Abocharakter, dh Neuauflage automatisch als Download zur Verfügung und zu einem Updatepreis, der unter dem Erstkaufspreis liegt, gibt es teilweise jetzt schon und könnten eine Alternative zum Neukauf jeder Neuauflage bieten.

Sobald die Reader im Preis noch etwas sinken und in der Funktionalität steigen, wird es hier immer mehr Umsteiger geben, da bin ich sehr sicher.
Deutsch ist die Sprache von Goethe, von Schiller...
und im weitesten Sinne auch von Dieter Bohlen[/i]
Stefan Quoos, WDR2-Moderator

»Gegenüber der Fähigkeit, die Arbeit eines einzigen Tages sinnvoll zu ordnen,
ist alles andere im Leben ein Kinderspiel.«[/i]
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Lomax

Nun, ich persönlich kann all die geäußerten Bedenken nachvollziehen und sehe das im Prinzip genauso - nur, es wird nicht besser, wenn die Verlage das Thema Ebook nicht forcieren und sich nicht alle Mühe geben, an vorderster Front dabei zu sein. Im Grunde kann man da aus den Erfahrungen der Musikindustrie lernen - und sollte es auch. Und was das betrifft, sind die Verlage in Deutschland eher noch zu langsam, um sich wirklich noch den Resteinfluss auf die Entwicklung sichern zu können.

Denn das Argument "Früher musste ein gedrucktes Werk dazu erstmal digitalisiert werden, sowas hat bestimmt nicht mal eben der 14jährige Schüler bei Rapidshare reingestellt" zieht leider nicht - schon seit Jahren existieren jede Menge Bücher auf diese Weise digitalisiert im Netz. Es ist eine kleine Szene, aber die bloße Existenz dieser Szene beweist, dass der Scan eines gedruckten Buches nicht wirklich ein Hindernis für den "14jährigen Schüler" ist. Der Hauptgrund, warum die Szene derzeit so klein ist, sind die fehlenden Abnehmer - kaum einer will Bücher am Monitor lesen, Lesegeräte sind nicht weit verbreitet. Da ist kaum Befriedigung und "Ansehen" für den Raubkopierer zu gewinnen.
  Wenn sich aber durch eine Verbreitung der Ebookreader die Nachfrage vergrößert, wird auch der Schwarzmarkt explodieren. Da ist es ziemlich egal, ob die Verlage den Ebookmarkt bedienen oder versuchen, sich dagegen zu sperren. Nur, wenn die Verlage nicht dabei sind, wird der Schwarzmarkt erst mal als einziger da sein, potenzielle Kunden werden sich zangsweise dorthin wenden und es etablieren sich Strukturen und Gewohnheiten, die man danach auf Jahre nicht mehr los wird.
  Wenn Verlage jetzt schnell sind, wenn sie die Hauptaufmerksamkeit der Kunden gewinnen können, haben sie zumindest die Chance, reguläre Vertriebswege für Ebooks in der ersten Reihe zu platzieren und den Schaden zumindest zu minimieren.
  Die Probleme für die klassische Wertschöpfungskette im Buchgewerbe sehe ich auch. Aber nur mit schneller Präsenz lässt sich eine Alternative etablieren, in der die Verlage überhaupt noch einen guten Platz bekommen können. Ich denke mal, darum geht es erst mal. Wie gut das klappt, wird sich zeigen. Aber stehen bleiben und nicht dabei sein kann man sich halt gar nicht erlauben.
  Offensiv vorgehen und zu versuchen, mit neuen Vermarktungsformen zu experimentieren, die das Ebook überhaupt erst möglich macht, könnte vielleicht am ehesten noch die Chance bieten, Ausfälle an der "klassischen" Struktur zu auszugleichen. Das wird sich dann zeigen müssen. Aber zu versuchen, sich an die Spitze der Bewegung zu setzen, bietet letztlich Verlagen immer noch mehr Möglichkeiten, als einfach nur zu hoffen, dass die Technik sich nicht durchsetzt und das Modethema Ebook in ein paar Jahren sich von selbst erledigt. Das kann immer noch passieren - aber betriebswirtschaftlich ist es eben auch für Verlage nicht sinnvoll, alles auf dieses Prinzip Hoffnung" zu setzen und ansonsten die Hände in den Schoß zu legen. Ich kann also die im ersten Post angesprochenen Sorgen nachvollziehen, halte aber ein Engagement der Verlage für das Ebook für ziemlich alternativlos.

Schreinhüter

@Nachtblick Danke, dass ich in deine ganz spezielle Kategorie falle, für die es schon "viel braucht". Ich fühle mich geschmeichelt.

@Manja "Hass" und dann in Capslock, ist doch eine wirklich starke Emotion, die man einem Gegenstand nicht gegenüber bringen sollte. Das ist der Aufwand der Psyche ja nicht einmal wert.

@zDatze Auch ich lebe nach dieser Rechnung. So lange es sich mir nicht als wirkliche Alternative bietet, wieso dann diesen Weg einschlagen? Und ich werd jetzt auch nicht aufspringen, aber digitale Daten sind unheimlich viel wert. Ob nun als gelevelter Charakter, den ein Chinese hoch gespielt hat bei WoW, oder aber digitale Bankdaten, die durch das SWIFT-Abkommen über den großen Teich fließen. Datenstaus, kosten Geld, Datenverluste, kosten Geld, sie haben keinen direkten Wert in sich, aber die Arbeit, die sie bedeuten, zur Erschaffung, oder Vernichtung, das ist menschlicher Aufwand und kostet.

Darüber hinaus sind zu negative Aussagen, wie auch zu positive mit großer Vorsicht zu genießen. Wollen wir denn enden, wie unsere Vorfahren, denen schon das Telefon zu viel war? Die der Bibliothek keine zehn Jahre mehr gegeben haben, nach dem Großeinsatz von Fernsehgeräten? Und, wer aus meiner Generation kommt, haben wir nicht auch über die großen Handyklötze an den Ohren der Manager gelacht? Nicht zuletzt, weil da gesagt wurde, sie würden die Privatsphäre schmälern, gefährliche Strahlen aussenden und das gepflegte Telefonat, ein soziales Ereignis, aber auch wirtschaftliches Ding, unmöglich machen?
Und wie steht das nun im Zusammenhang? Wurde nicht auch gesagt, das Internet tötet die Zeitung/Zeitschrift? Digital, am Ende doch nur eine Ausweichgelegenheit für den eher haptisch veranlagten Endverbraucher? Und wie viel erleichtert eigentlich der E-Reader wirklich? Wenn sich Schulen Lizenzen kaufen und die Anschaffung des Readers (der ja genauso Marker-funktionen, Einfügen von Bildern, Notizen, sogar Sprachmemos [iPad meines Wissens nach] - alles Werkzeuge, mit denen sich wunderbar lernen lässt) das einzige Geld ist, dass so eine Familie für die Anschaffung von mehreren Jahren wechselnder, hoffentlich neuester, Schullehrbücher auftreiben muss - ist das nicht ganz wunderbar? Die Rechnung geht wohl erst auf, wenn der E-Reader vom nächsten großen Ding abgelöst wird. Das ist mit allen Geräten so, hinter seinem Zenit, im Vergleich mit den neuen Sternen, wird sich die Wirkung auf die Gesellschaft und die Technik bewerten lassen. Alles vorher ist reine Mutmaßung, lassen wir es doch erstmal sacken.  ;)

Kaeptn

#10
Zitat von: Franziska am 07. Oktober 2010, 14:07:17Was die Verlagsarbeit angeht, glaube ich nicht, dass man darauf verzichten kann. Es geht ja vor allem um Markteting, was bringt es, dass Buch als E-Book zu veröffentlichen, wenn einen niemand kennt? In der Radiosendung wurde gesagt, dass es sein kann, dass E-Books Taschenbücher ersetzen, aber dass es auf jeden Fall weiter Hardcover geben wird. das glaube ich auch.

@Marketing: Siehe AppStore. Die Leute, die da die Kult-Apps eingestellt haben, kannte auch kein Mensch, die haben auch kein Marketing gemacht und sind z.T. jetzt Millionäre. Das dumme dabei ist nur, dass der AppStore deswegen mit jeder Menge Müll überflutet wird. Aber MundzuMund-Propganda funktioniert.

@TB/Hardcover: In den USA werden schon mehr eBooks als Hardcover verkauft. TBs sind hingegen noch weit, weit weg.

@Reader: Diese reinen LEse-Geräte kann man getrost vergessen, die Tablet-PCs a la iPad werden die in kurzer Zeit verdrängen. Gerüchteweise arbeitet auch Amazon an einem vollwertigen Tablet-PC auf Android-Basis.

@Lomax: Interesante und nachvollziehbare Sicht der Dinge, Danke!

@Schreinhüter: JA, du hast recht, es wird oft viel geunkt. ABER, das Internet macht Zeitungen/Zeitschriften kaputt. Braucjst dir nur beim IVW die Auflagenzahlen mal anzugucken. Es geht halt langsam, aber stetig bergab, gerade bei Medien die mit Onlinemagazinen echte Internet-Konkurrenz haben.

Nachtblick

#11
@ Schreinhüter: Oh, oh. ;D So wie ich das verstanden habe, fällst du nicht mehr in die Gruppe der verlotterten Jugendlichen – jedenfalls nicht mehr ganz so sehr wie die, die Kaeptn wohl meinte – und darüber hinaus tut niemand gleich Böses, weil er Gruppen aufstellt ;)
Bislang erscheint mir diese Gruppe in der Altersgegend bis 20 nach persönlichen Erfahrungen sehr rar. Es scheint Trend zu sein, bis zu einem gewissen Alter als Mann bloß nicht zuzugeben, dass man liest – auch das sei selbstverständlich (!) nicht allen unterstellt, aber auch da kenne ich ein paar spätreife Kandidaten, die erst dann anfingen.
Der gleichen Gruppe in etwas älter gehört aber mein Vater an – der liest auch gern und viel und gute Bücher, und E-Books sind bei ihm die Seltenheit.

Nuya

Ich finde das schwierig.
Ich lese gern, was andere schreiben - gedruckt oder am Computer.
Von daher würde ich mir Lieblinge vermutlich in gedruckter, als auch e-Book-Form kaufen - damit ich es entweder zwischendurch, nebenbei am Computer oder in Ruhe mit dem Werk in der Hand genießen kann.
Ob es der generell falsche Weg ist, möchte ich nicht sagen, ich fürchte, aufhalten kann man die Veränderung nicht, die insgesamt durch die Welt geht - wenn man es genau nimmt, wird alles digitalisiert und dem "Endnutzer" so bequem wie möglich gemacht.
Es wird immer die geben, die ein Buch bevorzugen, und die, die sich über die Neuheiten freuen, Bücher online bzw per Handy, Netbook, etc. lesen zu können.

Ich hoffe es kommt nicht so weit, dass die Zeitungen und Bücher, überhaupt Gedrucktes ganz verschwinden...

Sanjani

Hallo zusammen,

wir sind zwar eine Minderheit, aber dennoch möchte ich mich hier mal einklinken. :)

ich selbst bin ein großer Fan von gedruckten Büchern, Büchern in Normalschrift, nicht in Blindenschrift. Letztere sind leider ziemlich spärrig und brauchen viel zu viel Platz.
Ich bedauere sehr, dass ich ein Buch nicht einfach in die Hand nehmen und lesen kann, ich habe sie aber gerne im Regal stehen und mag inzwischen auch den Knick, der beim Scannen hinten entsteht, weil die Bücher dann gelesen aussehen :)

Die Entwicklung in Richtung EBook kommt mir prinzipiell entgegen, denn es ist wirklich lästig jede Seite einzeln auf den Scanner legen zu müssen. Sofern das buch klein genug ist, geht auch jede Doppelseite, aber Sachbücher sind ja oft größer als A5 und schwerer und da sitzt man dann an einem Tausend-Seiten-Wälzer einen halben Tag lang dran.

Gleichzeitig ist der Kopierschutz von EBooks aber so stark, dass meine Sprachausgabe davor kapituliert, sodass dieses Medium momentan auch noch keine Option für mich ist.

Ich würde mir wünschen, dass EBooks und gedruckte Bücher parallel existieren, dass ich z. B. ein gedrucktes Buch kaufen und dazu gleich die EBook-Version bekommen kann oder meinetwegen auch nur das EBook.
Auch die Sache mit dem Ausleihen wird spannend. Es wird ja in den kommenden Jahren die gemeinsame Bibliothek da geplant, ich erinnere mich nicht mehr, wie sie heißt, wo man Sachen wird ausleihen können. Ich hoffe, dass die Technik dahingehend fortschreitet und eine Möglichkeit zur Ausleihe entwickelt. Ich habe nämlich auch schon Bücher eingescannt, die ich als EBook hätte kaufen können, ganz einfach, weil ich das Geld dafür nicht ausgeben wollte, nachdem andere Studenten das Buch in der Unibib ausleihen konnte. Ich persönlich habe das als große - nun, vielleicht nicht Ungerechtigkeit, aber doch zumindest Unausgewogenheit empfunden.

Das mal meine Gedanken dazu.

LG Sanjani
Die einzige blinde Kuh im Tintenzirkel :)

Maja

Im Wissenschaftlichen Bereich, wie von Geli und Moni angesprochen, sind die Ebooks keine ebub-Bücher, die man sich auf seinen Reader runterlädt, sondern durch die Bank PDF-Dateien, die sich diejenigen, die eine passende IP haben, entsprechend runterladen können. Ebub-Dateien, die man auf seinen Reader lädt, eigenen sich IMHO nicht für Bibliotheken - wie will man die verleihen? Schon jetzt kosten die Bibliothekslizenzen für Zeitschriften entsprechend mehr als für Bücher, und wenn sich diese Entwicklung durchsetzt, sehe ich schwarz.

Auf der anderen Seite haben die oben erwähnten PDF-Ebooks, wie sie zB der Springer-Verlag (nicht Axel - der Wissenschaftsverlag!) anbietet, den Vorteil, daß sie immer da sind. Sie sind nicht verliehen, man muß nicht warten, bis sie aus dem Magazin da sind, und wenn ich recherchemäßig reinschauen muß, um einen Autor mit seiner Institutszuordnung zu überprüfen, ob das einer von unseren ist, ist das eine Sache von Minuten, und ich muß nicht mal das Büro verlassen.

Ich selbst will meine Sammlung nicht durch Ebooks ersetzen. Ich kann mir vorstellen, so ein Gerät zu besitzen, sicher bequem auf der Busfahrt, wenn man vorher noch nicht weiß, worauf man auf der Rückfahrt Lust hat - aber die Vorstellung, daß meine Bücher plötzlich veraltet und unbrauchbar sind, macht mich schaudern. Bücher veralten nicht, die fangen nur irgendwann an zu riechen, und selbst das ist schön.
Niemand hantiert gern ungesichert mit kritischen Massen.
Robert Gernhardt