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Autor Thema: Unfreiwillige Komik  (Gelesen 8386 mal)

Offline Steffi

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Re: Unfreiwillige Komik
« Antwort #15 am: 09. Februar 2009, 17:58:31 »
Zu Übersetzungsmurks fällt mir spontan die "Gilmore Girls" Episode ein, wo sie Rorys "I need serious paper." tatsächlich mit "seriöses Papier" übersetzt haben, woraufhin Lorelais Ausführungen über depressive Bleistifte und trübsinnige Büroklammern überhaupt keinen Sinn mehr machen. Mensch, diesen false friend lernt man doch schon in der 7. Klasse...  ::)

Übrigens, unfreiwillige Komik fängt oft schon bei den Covern von Büchern an  ::)  Und ich weiß nicht, ob es Absicht des Autors war, aber den Engel aus Scar Night  "Dill" zu nennen finde ich persönlich etwas unglücklich...

Unfreiwillig komisch finde ich auch immer, wenn Geschichten gar zu offensichtlich an andere Geschichten angelehnt sind.
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Offline Felsenkatze

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Re: Unfreiwillige Komik
« Antwort #16 am: 09. Februar 2009, 21:28:01 »
Zu Übersetzungen sage ich nur: Harry Potters Charms-Prüfung im ersten Jahr, wo Professor Flitwick die Schüler einzeln in den Raum bittet "to see if they could make a pineapple tap-dance across the desk" und keinesfalls "um zu sehen, ob sie einen Ananas-Stepptanz auf dem Schreibtisch aufführen können".

Aber das nur nebenbei. Übermäßiger Schwulst und lang und breit ausgeschriebene Sexszenen mit den ungewöhnlichsten Positionen bringen mich meistens zum Lächeln - oder zum Augenverdrehen. Ansonsten: manchmal ärgert mich die Klischeekiste, manchmal amüsiert sie mich auch. Kommt aber sehr auf meine Stimmung an.
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Offline Ary

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Re: Unfreiwillige Komik
« Antwort #17 am: 09. Februar 2009, 22:34:36 »
Zu Übersetzungsmurks fällt mir spontan die "Gilmore Girls" Episode ein, wo sie Rorys "I need serious paper." tatsächlich mit "seriöses Papier" übersetzt haben, woraufhin Lorelais Ausführungen über depressive Bleistifte und trübsinnige Büroklammern überhaupt keinen Sinn mehr machen. Mensch, diesen false friend lernt man doch schon in der 7. Klasse...  ::)

Ich muss gestehen, den versteh ich jetzt nicht... ich wüsste allerdings auch nicht, wie man "serious paper" übersetzen sollte. Ich kenne die Wendung überhaupt nicht...*duck* Erklär mal! Ich will das jetzt wissen.
  Katzen sind Wörter mit Pelz. Wie die Wörter, so streifen sie um die Menschen herum, ohne sich je zähmen zu lassen. Wörter und Katzen gehören zur Rasse der Nichtgreifbaren. (Erik Orsenna)

Manja_Bindig

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Re: Unfreiwillige Komik
« Antwort #18 am: 09. Februar 2009, 22:40:11 »
"Serious" = "ernst" oder "ernsthaft"

In dem zusammenhang braucht sie ganz einfach Papier, das was taugt(und nicht sofort was brauch). Jedenfalls hab ich es immer so verstanden, weil mir mal auch erklärt hat, dass "serious" auch "brauchbar" heißen kann.

Offline Steffi

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Re: Unfreiwillige Komik
« Antwort #19 am: 10. Februar 2009, 00:02:19 »
Ich muss gestehen, den versteh ich jetzt nicht... ich wüsste allerdings auch nicht, wie man "serious paper" übersetzen sollte. Ich kenne die Wendung überhaupt nicht...*duck* Erklär mal! Ich will das jetzt wissen.

"Serious" bedeutet "ernst." Rory besucht eine ziemlich angestaubte und piekfeine Privatschule, in der jeder zum potentiellen zukünftigen Nobelpreisträger getrimmt wird. In dem Zusammenhang brauch sie also Papier, das zu der Ernsthaftigkeit der Schule passt (ihre Mutter möchte ihr nämlich lila Papier andrehen, weil es im Sonderangebot ist) . Die Übersetzung zu "seriös" an sich passt hier sogar fast, nur macht der ganze Dialog der darauf folgt leider keinen Sinn mehr.
 ;)

Unfreiwillig komisch finde ich übrigens auch, wenn ein Autor glaubt, er könne den Leser in die Irre leiten, der Leser aber dank ungeschickter Anlenkungsmanöver schon auf Seite drei weiß, wer der Schurke ist.
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Manja_Bindig

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Re: Unfreiwillige Komik
« Antwort #20 am: 10. Februar 2009, 00:23:11 »
(Und man möchte hierbei erwähnen, dass ihre Mutter ein recht unorthodoxer Mensch sein kann... recht ausgeflippt. Wie übrigens die ganze Stadt. *wegen OT duck und wegflitz*)

Ich hab mich mal doch noch an "twilight" rangewagt(mein Urteil bleibt das gleiche - der Schreibstil ist wirklich nicht schlecht. WEnn mich der rest mal genauso vom Hocker reißen würde...)

Hach je. Gut und schön, wenn eine 17-jährige sich in einen Schönling verguckt.(beide sind das, was man im Fanfiction-Jargon als Mary Sue bezeichnet und schon DIE sind unfreiwillig komisch ohne Ende... man lacht über sie, um sie nicht erwürgen wollen zu müssen)
Gut und schön, wenn sie seine Attraktivität immer wieder betonen will.
Auf jeder zweiten Seite und in den schönsten, blumigen Phrasen...

Tja.
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Offline Ary

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Re: Unfreiwillige Komik
« Antwort #21 am: 10. Februar 2009, 09:20:28 »
@Steffi: Danke! Dass serious ernst bedeutet, war mir schon klar, nur in dem Zusammenhang hab ich's einfach nicht gerafft - weil das ohne den Zusammenhang mit der besonderen Schule irgendwie auch nicht so ganz zu raffen ist.  ;)
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Offline Kati

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Re: Unfreiwillige Komik
« Antwort #22 am: 28. Mai 2009, 18:33:45 »
Mary Sues. Da lach ich mich immer tot, oder ich ärger mich unglaublich.
Mein liebstes Beispiel für unfreiwillige Komik stammt aus dem Twilightfilm, wo Edward ihr zeigt, dass er in der Sonne glitzert. Ich fand ihre schockierte Reaktion lustig, weil er eben NICHT geglitzert hat.  ;D
Ich liebe es auch wenn gute Bücher total schlecht übersetzt werden. Da kenne ich einige Beispiele.

LG,

Kati
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All things might wind up but they always unravel"
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Churke

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Re: Unfreiwillige Komik
« Antwort #23 am: 28. Mai 2009, 20:55:44 »
Heiligengeschichte. Kostprobe über den heiligen Hilarius, wie sie der heilige Hiernoymus überliefert:

"Ein Wagenlenker aus Gaza war auf seinem Wagen vom Teufel heimgesucht worden, so daß völlige Lähmung eintrat."
Heute würde man sagen: Vom Wagen gefallen und Rückmark verletzt.

"...und während er nur seine Zunge bewegen konnte, um seine Bitte vorzubringen, vernahm er, daß er nicht geheilt werden könne, ehe er an Jesus glaube und gelobe, seiner früheren Beschäftigung zu entsagen."
Interessanter Therapieansatz. (Hinweis: Wagenlenker galt als besonders anrüchiger Beruf.)

"Und er glaubte, legte das Gelöbnis, Christ zu werden, ab und wurde geheilt. Aber mehr noch frohlockte er über die Gesundung der Seele als über die des Körpers."
Gehe hin, dein Glaube hat dir geholfen.

Online Nikki

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Re: Unfreiwillige Komik
« Antwort #24 am: 18. Juli 2021, 12:42:10 »
*setzt Staubmaske und Staubwedel ab* Was man hier beim Stöbern alles so findet ...  ;D

Was unfreiwillige Komik ist, kann man eigentlich nur aus der Warte der Autor*innen beantworten, wenn sie die Leseeindrücke der Leser*innen kennen. Ich kann einen Satz in einem Buch noch so komisch und "schief" empfinden, wenn ich nicht weiß, ob di*er Autor*in und Lektor*in es nicht genau darauf angelegt haben, dass der Satz so wirkt, kann ich nicht beurteilen, inwiefern die Komik unfreiwillig ist.

Mein Paradebeispiel von unfreiwilliger Komik habe ich bekommen, als das erste Kapitel meines ersten Buches noch nicht "Spuren im Schnee", sondern "Unerhörtes Rufen" als Überschrift hatte. Für mich war immer klar, dass damit ein Ruf, der nicht erwidert wird, gemeint ist. Bis mir jemand sagte, "öhm, unerhörtes wie unverschämtes Rufen?" :rofl: Das Kapitel hatte so schnell einen neuen Namen, wie ich tippen kann.  ;D

Also die Bedingungen für unfreiwillige Komik:
  • Intention der Autor*innen/Lektor*innen muss bekannt sein,
  • es werden Assoziationen geweckt, die sich gravierend von der Grundintention unterscheiden
  • und diese driften im jeweiligen Kontext ins Lächerliche ab

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