Tintenzirkel - Das Fantasyautorenforum

Allgemeines => Tintenzirkel => Thema gestartet von: Alana am 30. Dezember 2008, 12:23:42

Titel: Andere lesen lassen - findet ihr das auch so intim?
Beitrag von: Alana am 30. Dezember 2008, 12:23:42
Hallo,

die Überschrift ist etwas blöd, ich wusste nicht so recht, wie ich das kurz und knapp ausdrücken sollte.

Also manchmal fragen mich Freunde oder Bekannte, ob sie mein Nano-Buch lesen dürfen.
Eigentlich freue ich mich über Interesse aber ich scheue mich immer ein bischen davor, weil
ich das Gefühl habe, etwas sehr intimes damit preiszugeben.
Ich habe ja ein Buch geschrieben, das mir selbst auch gefallen würde und denke eben,
dass es deshalb viel über meine privaten Gedanken und Gefühle verrät.
Und das ist mir dann manchmal etwas unangenehm.

Geht euch das auch so?

Titel: Re: Andere lesen lassen - findet ihr das auch so intim?
Beitrag von: Antigone am 30. Dezember 2008, 12:38:56
Nun, ich denke, das hängt ganz davon ab, was du mit deiner Schreiberei bezwecken möchtest. Schreibst du nur für dich, zu deiner Unterhaltung, womöglich ncoh, um private Erlebnisse, Erfahrungen und Gefühle zu verarbeiten... nun, dann glaub ich dir, dass das sehr intim ist. Dann ist es auch völlig legitim, dass du es niemanden lesen lässt.

Wenn du allerdings mit dem Gedanken liebäugelst, mal was zu veröffentlichen, oder auch nur ernsthaft daran arbeiten möchtest, dich zu verbessern... dann wird dir früher oder später nichts anderes übrig bleiben, als dich einer Leserschaft und somit Kritik zu stellen. Denn ohne das kommst du nicht weiter.

Ich wünschte, ich wäre (früher) in deiner Situation gewesen. Ich hatte immer größte Hemmungen, jemanden zu bitten, meine Sachen zu lesen (angeboten hat es sowieso keiner), und habe immer händeringend nach Betalesern gesucht. (gottseidank hat sich das mittlerweile, u.a. auch dank Internet! geändert)

Insofern freu dich doch über das Interesse.

lg, A.
Titel: Re: Andere lesen lassen - findet ihr das auch so intim?
Beitrag von: Alana am 30. Dezember 2008, 12:48:43
Hallo Antigone,

nunja, ich kann halt die Finger nicht still halten und habe in meinen Hauptforen natürlich stolz herumgebrüllt, dass ich tatsächlich den Nano geschafft habe.
Da blieben Fragen nach dem Manuskript nicht aus :)
Und eine Freundin von mir wollte es auch lesen.

Ich gebe dir absolut Recht und deshalb habe ich es dann ja auch einigen Leuten gegeben, obwohl es wirklich nur ein First Draft ist. Ich bin mir bewusst, dass das im Zweifelsfall vielleicht eher schlecht ist, ein total rohes Manuskript weiter zu geben.
Aber ich erhoffe mir Hinweise, ob sich eine weitere Bearbeitung und vor allem die nötige, aufwändige Recherche-Arbeit wohl lohnen würde.

Ich habe da auch nicht in dem Sinne etwas persönliches verarbeitet.
Aber ich habe eben Sachen geschrieben, die mir gefallen und das sagt ja schon einiges über mich aus. Vor allem die Liebesszenen :D
Ist jetzt alles nichts außergewöhnliches, aber vielleicht doch etwas, das die Anderen so von mir nicht kennen.
Titel: Re: Andere lesen lassen - findet ihr das auch so intim?
Beitrag von: Lomax am 30. Dezember 2008, 12:51:29
Geht euch das auch so?
Nein. Nie.
Dazu muss ich sagen, dass ich schon Geschichten erzählt habe, bevor ich richtig schreiben konnte. Das weiß ich daher so genau, weil meine Oma mir noch 10 Jahre später die ein oder andere Tierfabel vortragen konnte, die ich ihr damals auf dem Weg zu Schule erzählt hatte, und mich immer fragte, ob ich mich daran noch erinnern kann. Und zur Schule gebracht hat sie mich nur während des 1. und 2. Schuljahres.

Für mich war schreiben also nie etwas, das sich von "Tagebuch" oder ähnlich persönlichen Dingen ableitet. Es war eine Fortführung des Geschichtenerzählens. Und da das mündliche Erzählen ja meist an einen Zuhörer gerichtet ist, habe ich immer auch nur für Publikum geschrieben. Und ich hatte auch die künstlerische Distanz zu meinen Werken, noch bevor ich überhaupt wusste, was das ist ;)
  Ich weiß von Leuten, die (erst mal) nur für sich selbst schreiben, Schreiben als Selbsterkenntnis, als Bewältigungsstrategie - aber all das kenne ich nur theoretisch. Ich habe nie so geschrieben. Ich kenne Schreiben nur als Akt der Kommunikation, und ich habe nie etwas geschrieben, ohne dabei einen Leser im Kopf zu haben, der es auch lesen soll. Mein Problem war also nie, dass in meinen Texten Dinge standen, bei denen es mir unangenehm war, dass andere sie lesen - denn solche Dinge habe ich gar nicht erst aufgeschrieben. Mein Lernprozess war eher, diesen inneren Zensor fürs Publikum zurückzudrehen und dennoch Dinge zu schreiben, die "man" normalerweise nicht bedenkenlos sagen würde. Denn politische korrekte Literatur ist ja sehr langweilig ...

Was natürlich nicht heißt, dass ich bedenkenlos erste Ausführungen rausgebe. Aber das eher aus Sorge um formale Mängel als wegen persönlicher Inhalte.
Titel: Re: Andere lesen lassen - findet ihr das auch so intim?
Beitrag von: LoneRanger am 30. Dezember 2008, 13:00:50

Hallo, Alana

Ich bin sowohl Beta-Leser als auch jemand, der Sachen zum Lesen weitergibt bzw. in der Familie vorliest. Das stört mich nicht im Geringsten, ich schätze es sogar sehr, das es Menschen gibt, die sich gerne mit meinen Ergebnissen beschäftigen.

Aber: Ich gebe nur Dinge zu lesen, wenn sie fertig sind. Das beziehe ich nicht auf ein ganzes Buch, sondern auf einzelne Kapitel. Wenn ich einen Rohentwurf habe, dann ist das nichts, was andere etwas angeht. Dann ist das so, als renne ich halbnackt mit Bierbauch über die Strasse. Das wäre mir allerdings auch zu intim.  ;)

Wenn ich selbst etwas zu lesen bekomme und merke, der Autor hat sich noch nicht einmal die Mühe gemacht, daran zu feilen und ich bekomme sein Rohmaterial, dann werde ich es nicht zu schätzen wissen. Aus einem Rohmaterial ein Manuskript zu machen, ist ganz allein Sache des Autors. Er braucht dann Hilfe bei der Recherche und auch bei Sachfragen, ggf. eine Ermutigung, wenn er feststeckt. Dann kann mal eine Passage zum Lesen weitergegeben werden. Alles andere ist sein Job, seine Zeit und nicht die von Anderen.

Liebe Grüße

Stefan aka LoneRanger



 
Titel: Re: Andere lesen lassen - findet ihr das auch so intim?
Beitrag von: Alana am 30. Dezember 2008, 13:07:40
Hallo,

ja vielleicht liegt es wirklich daran, dass ich das Manuskript einfach noch nicht bearbeitet habe.
Ich habe aber meine wenigen Leser deutlich vor den Schwächen des Manusriptes gewarnt und ihnen auch klar gemacht, dass ich mir nur ein kurzes Feedback wünsche und keine ausführliche Einschätzung.
Der Rest wäre dann wirklich meine Arbeit, das sehe ich genauso.

Aber andereseits, ich schreibe ja gerne Schnulziges. Ich könnte mir schon vorstellen, mal einen Nackenbeißer zu schreiben, würde mir glaube ich auch Spaß machen.
Allerdings würde ich glaube ich nicht wollen, dass jemand weiß, dass das Buch von mir ist.
Ist das falsche Scham?
Oder liegt das an dem geringen Ansehen, das Nackenbeißer hierzulande haben?

Abgesehen davon würde sich ein Nackenbeißer mit meinem Namen wohl sowieso nicht verkaufen, da müsste ich mir schon ein passendes Pseudonym ausdenken :D

Titel: Re: Andere lesen lassen - findet ihr das auch so intim?
Beitrag von: Antigone am 30. Dezember 2008, 13:15:15
Aber ich habe eben Sachen geschrieben, die mir gefallen und das sagt ja schon einiges über mich aus. Vor allem die Liebesszenen :D
Ist jetzt alles nichts außergewöhnliches, aber vielleicht doch etwas, das die Anderen so von mir nicht kennen.

Tja.... ohne Zweifel kann es dir da passieren, dass du ein paar blöde Rückmeldungen bekommst. Vor allem von Leuten, die dich kennen. Da kommen dann so Sprüche wie: Ach, stehst du auf sowas? oder: ich wusste ja gar nicht, dass....

Aber da hilft nur eines. Ein dickes Fell zulegen, huldvoll lächeln und sich ein paar schlagfertige Antworten einfallen lassen. Glaubst du, der Autor von Hannibal träumt insgeheim davon, einen Menschen zu verspeisen? Oder die Autorin von "Feuer und Stein" tatsächlich von wildem Sex mit rothaarigen Schotten? (naja, obwohl.... ;D)

Was ich damit sagen will: wir schreiben doch alle über alle möglichen Dinge, ohne dies wirklich selbst zu wünschen oder jemals selbst zu machen. Hoffe ich jedenfalls!  ;D

lg, A.
Titel: Re: Andere lesen lassen - findet ihr das auch so intim?
Beitrag von: Moni am 30. Dezember 2008, 13:19:20
Das Thema ist ja wohl kaum OT... Ich verschieb mal.



Titel: Re: Andere lesen lassen - findet ihr das auch so intim?
Beitrag von: Grey am 30. Dezember 2008, 13:27:52
Nein. Nie.

Schön gesagt. ;)

Ich bin vor allem geltungssüchtig und eine Rampensau. Und ein Kritikjunkie. Darum kriegen die meisten Leute meine Geschichten zu lesen, wenn sie bloß ein bisschen Interesse zeigen. ;D
Titel: Re: Andere lesen lassen - findet ihr das auch so intim?
Beitrag von: Aarous am 30. Dezember 2008, 13:34:14
Nein. Nie.
Dazu muss ich sagen, dass ich schon Geschichten erzählt habe, bevor ich richtig schreiben konnte. Das weiß ich daher so genau, weil meine Oma mir noch 10 Jahre später die ein oder andere Tierfabel vortragen konnte, die ich ihr damals auf dem Weg zu Schule erzählt hatte, und mich immer fragte, ob ich mich daran noch erinnern kann. Und zur Schule gebracht hat sie mich nur während des 1. und 2. Schuljahres.

Für mich war schreiben also nie etwas, das sich von "Tagebuch" oder ähnlich persönlichen Dingen ableitet. Es war eine Fortführung des Geschichtenerzählens. Und da das mündliche Erzählen ja meist an einen Zuhörer gerichtet ist, habe ich immer auch nur für Publikum geschrieben. Und ich hatte auch die künstlerische Distanz zu meinen Werken, noch bevor ich überhaupt wusste, was das ist ;)
  Ich weiß von Leuten, die (erst mal) nur für sich selbst schreiben, Schreiben als Selbsterkenntnis, als Bewältigungsstrategie - aber all das kenne ich nur theoretisch. Ich habe nie so geschrieben. Ich kenne Schreiben nur als Akt der Kommunikation, und ich habe nie etwas geschrieben, ohne dabei einen Leser im Kopf zu haben, der es auch lesen soll. Mein Problem war also nie, dass in meinen Texten Dinge standen, bei denen es mir unangenehm war, dass andere sie lesen - denn solche Dinge habe ich gar nicht erst aufgeschrieben. Mein Lernprozess war eher, diesen inneren Zensor fürs Publikum zurückzudrehen und dennoch Dinge zu schreiben, die "man" normalerweise nicht bedenkenlos sagen würde. Denn politische korrekte Literatur ist ja sehr langweilig ...

Was natürlich nicht heißt, dass ich bedenkenlos erste Ausführungen rausgebe. Aber das eher aus Sorge um formale Mängel als wegen persönlicher Inhalte.

Kann ich nur unterschreiben. Mir werden auch alle paar Wochen Geschichten ins Gedächtnis gerufen, die ich vor 9, 10 Jahren mal erzählt habe... ;D
Auch den restlichen Beitrag kann ich auf mich beziehen. Schreiben, um das geschriebene für immer unter Verschluss zu halten, ist für mich ein No-Go (und Zeitverschwendung ^^), auch wenn ich Texte erst zur Kritik freigebe, wenn sie zumindest ein wenig geschliffen und verfeinert wurden.
Titel: Re: Andere lesen lassen - findet ihr das auch so intim?
Beitrag von: Grey am 30. Dezember 2008, 13:41:16
Vor allem bringt es einen ja auch schreiberisch weitern, wenn man sich kritisieren lässt. Ich habe durch meine lieben Betas schon unheimlich viel gelernt!
Titel: Re: Andere lesen lassen - findet ihr das auch so intim?
Beitrag von: Leon am 30. Dezember 2008, 13:54:11
Das schöne am schreiben ist doch, dass man sich als Autor die Freiheit nehmen darf, auch über delikate Dinge zu schreiben über die manch ein Anderer öffentlich nicht zu sprechen sich getraut. Ohne Gefahr zu laufen schief angeschaut zu werden.

Ich habe keinerlei Probleme damit, meiner Fantasie freien Lauf zu lassen. Natürlich gibt es auch hier Grenzen, die ich nicht überschreiten möchte und werde. Doch wie, und wo jeder seine Grenze setzt, ist ganz alleine seine Sache. Zumal ich fest davon überzeugt bin, dass der Leser ganz gut zwischen Roman und Ralität unterscheiden kann. Von daher habe ich auch keine Angst dabei, man würde alles was im Roman geschrieben steht, auf meine Person beziehen.

Gruß
Leon
Titel: Re: Andere lesen lassen - findet ihr das auch so intim?
Beitrag von: Schreiberling am 30. Dezember 2008, 16:05:40
Ich suche eigentlich immer Leute, die etwas von mir lesen, aber wenn sie dann die Geschichten haben überfallen mich Zweifel. Ich bin dann ganz hibbelig und frage mich, ob es wirklich eine gute Idee war, ihnen die Geschichte zum Lesen zu geben. Aber mit der Zeit wird das immer besser, bzw. ich immer ruhiger ;)
Die ersten paar mal, als jemand etwas von mir gelesen hat, hatte ich auch  immer Angst, dass jemand mich/meine Gefühle mit der Geschichte vergleicht, doch das war quatsch. Wer das macht, der kennt mich nicht oder will mich einfach nur ärgern.
Ich werde oft in der Schule gefragt, ob sie mal etwas lesen können und ich bringe ihnen gerne Sachen mit, aber Rohentwürfe lasse ich nur ungern lesen. Das sind oftmals Sachen die nicht das ausdrücken was ich meine und oft werden sie nochmal komplett umgeschrieben

Liebe Grüße,
Schreiberling
Titel: Re: Andere lesen lassen - findet ihr das auch so intim?
Beitrag von: Lavendel am 30. Dezember 2008, 16:16:16
Ich bin ja so jemand, dem immer alles peinlich ist, weil ich denke, ich bin nicht gut genug. Ich habe dann immer Angst, dass die Leute, das was ich fabriziert habe einfach schlecht finden und mich für einen Loser halten. Aber das sind eben die mehr oder weniger normalen Minderwertigkeitskomplexe. Die muss man dann wohl überwinden, sonst wird man auf Dauer furchtbar unglücklich.
Titel: Re: Andere lesen lassen - findet ihr das auch so intim?
Beitrag von: Alana am 30. Dezember 2008, 17:07:41
Hallo zusammen,

@Lavendel: so ähnlich meine ich das.
Es ist mir peinlich, dass andere meine teilweise doch eher oberflächlichen Neigungen oder Vorlieben dann so schwarz auf weiß lesen können.
Und das Ganze dan für total belanglos halten und wie man überhaupt über soetwas schreiben kann *g*
Aber vielleicht fehlt mir einfach noch das Selbstbewusstsein.
Ist ja auch kein Wunder, ich bin ja noch Anfänger und weiß selbst nicht, wie ich mich einschätzen kann bzw. muss.

Achso: Ich habe gerade eine lange Mail von einer Leserin meines Roh-Manuskriptes bekommen.
Sie fand es super (sie hatte auch gleich einige, sehr konstruktive Kritik für mich parat, was ich sehr begrüße)
und hat es gestern abend in einem Rutsch durchgelesen.

Das freut mich gerade total, zumal sie keine Freundin von mir ist, also keinen Grund hat, nicht ehrlich zu sein und weil ihre Mail deutlich gezeigt hat, dass sie nicht nur einfach so schreibt, dass es ihr gefallen hat sondern sich wirklich damit beschäftigt hat.
Und sie hat sich gleich als Betaleser angeboten, sollte ich das Buch mal überarbeiten wollen.

Hachja, ich freue mich grad sehr darüber, ist ja mein erstes richtiges Feedback für etwas, was ich geschrieben habe.
Titel: Re: Andere lesen lassen - findet ihr das auch so intim?
Beitrag von: Tenryu am 30. Dezember 2008, 20:58:24
Ich kenne niemanden, der sich für meine Werke interessiert. Daher stelle ich sie ins Internet und habe also keinerlei persönlichen Kontakt zu den Lesern (falls es überhaupt welche gibt.)

Aber ich kann das gut nachempfinden. Ich war eigentlich schon immer sehr schüchtern. Als Kind war das extrem. Was hatte ich mich damals geniert, wenn ich meinen (vom Lehrer explizit gelobten) Deutsch-Aufsatz vor der Klasse vorlesen mußte.

Heute würde ich aber keinen violetten, sondern nur noch einen roten Kopf bekommen, wenn ich selbiges tun müßte.  :-[
Titel: Re: Andere lesen lassen - findet ihr das auch so intim?
Beitrag von: Lomax am 30. Dezember 2008, 21:49:49
Ich war eigentlich schon immer sehr schüchtern.
Na, aber ganz im Gegenteil: Gerade für schüchterne Personen sind Geschichten doch das ideale Mittel der Kommunikation. Erfunden - so schön unverbindlich. Ohne den Zwang, etwas über sich selbst oder konkrete andere Personen sagen zu müssen. Abstrahierte Kommunikation.

Genau wie übrigens Schulaufsätze oder andere Sachartikel. Gerade als zurückhaltender Mensch habe ich es immer geschätzt, über Sachfragen reden zu können  ;)
Titel: Re: Andere lesen lassen - findet ihr das auch so intim?
Beitrag von: Hr. Kürbis am 31. Dezember 2008, 08:16:15
Ich hab nur manchmal Bedenken, wenn jemand meine Texte zu lesen bekommt, den ich näher kenne ... Aus dem einfachen Grund, weil die Leser dann oft nicht zwischen Realität und Fiktion unterscheiden können. Es wird viel zu oft auf den Autor umgemünzt, was in dem Text steht, dabei kommen wirklich nur sehr wenige autobiografische Erfahrungen  in meinen Geschichten zum tragen. Das meiste ist "erstunken und erlogen".
Bei Leuten, die selbst schreiben, ist das etwas anderes, da ist es mir egal und ich kann freier sein. Die wissen eben, dass ein Text nicht automatisch eigene Erlebnisse schildert.

Viel unangenehmer war es mir neulich auf einer unserer Lesungen, wo ich eine Geschichte über einen Mann und dessen Vater gelesen habe, deren Beziehung alles andere als gut läuft und eigentlich traurig endet. Das fasziniernde dabei ist, ich kann mich künstlich emotional in die Geschichte versetzen, so auch (unbeabsichtigt) bei dieser Geschichte. Deswegen wurde meine Stimme gegen Ende recht brüchig und das fand ich nicht so toll, immerhin kann dann das Publikum Rückschlüsse ziehen, die nicht der Wahrheit entsprechen ... Na ja, es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.
Titel: Re: Andere lesen lassen - findet ihr das auch so intim?
Beitrag von: Steffi am 31. Dezember 2008, 08:43:37
Ich bin ja so jemand, dem immer alles peinlich ist, weil ich denke, ich bin nicht gut genug. Ich habe dann immer Angst, dass die Leute, das was ich fabriziert habe einfach schlecht finden und mich für einen Loser halten. Aber das sind eben die mehr oder weniger normalen Minderwertigkeitskomplexe. Die muss man dann wohl überwinden, sonst wird man auf Dauer furchtbar unglücklich.

Das unterschreibe ich ebenfalls *seufz*

Ich gebe meine Texte gerne anderen Autoren zum Drübergucken, und habe auch keine Scheu, Fanfics zu posten und mich der Kritik zu stellen. Je mehr Kritik, desto besser. Aber ich würde nie meine Familie die Sachen lesen lassen und überlege ernsthaft dass - sollte ich tatsächlich mal veröffentlichen - ihnen die Titel meiner Bücher gar nicht zu nennen. Das ist einer der Gründe, warum ich wahrscheinlich unter einem Pseudonym veröffentlichen würde.
Titel: Re: Andere lesen lassen - findet ihr das auch so intim?
Beitrag von: Solatar am 31. Dezember 2008, 10:12:37
Ich bin vor allem geltungssüchtig und eine Rampensau. Und ein Kritikjunkie. Darum kriegen die meisten Leute meine Geschichten zu lesen, wenn sie bloß ein bisschen Interesse zeigen.

Boah...  ;D
Das hört sich so richtig brutal an, Grey. Irgendwie aber auch cool.  8)
Interesse zeig...  ;D

Bei mir selbst geht das in Richtung der Aussage von LoneRanger. Unfertige bzw. nicht korrigierte Manuskripte, Texte und Entwürfe lege ich anderen nur äußerst ungern vor.
Hinsichtlich der überarbeiteten "Finalversionen" habe ich damit kein Problem. Im Gegenteil, da geht es mir wie Grey. Ich will wissen, was die Leute darüber denken. Finden sie es gut oder schlecht. Der Kritikjunkie passt dann bei mir genauso gut. Dafür habe ich es schliesslich geschrieben. Es gibt dann nichts Schlimmeres als gar kein Feedback zu bekommen.
Das Einzige was mir schon öfter passiert ist  - und was mich zugegeben sehr ärgert - ist der Punkt, dass aus den Texten immer wieder auf die Persönlichkeit des Autors geschlossen wird.  :hmmm: zuletzt wurde ich von einer Verlegerin als Dr. Jekyll und Mr. Hyde bezeichnet (in meinem Kopf spucke ein versteckter Psychopath herum, was die dunklen Geschichten angeht). Solche Äußerungen finde ich meist befremdlich. Nur manchmal amüsant. Rückschlüsse auf die Psyche des Verfassers müssen aber nicht unbedingt sein.

Titel: Re: Andere lesen lassen - findet ihr das auch so intim?
Beitrag von: Cailin am 31. Dezember 2008, 10:32:39
das ist bei mir so ein bisschen zwiegespalten.

Wenn ich es jemandem außerhalb der Familie zu lesen gebe, will ich Feedback (ist dann absolute Bedingung, damit sie es überhaupt zu lesen kriegen) Aber ich scheue mich davor meine Sachen meiner Familie und hier vor allem meinen Eltern zu geben. Ich meine: Sie halten mich ja eh schon für 'seltsam' aber wenn sie dann auch noch meine Ergüsse lesen würden ...  neee, besser nicht.


@ Solatar: Wann kommt denn dein Buch endlich raus  :buch: *lesen will*
Titel: Re: Andere lesen lassen - findet ihr das auch so intim?
Beitrag von: Leon am 31. Dezember 2008, 10:35:01
Obwohl ich privat zu den "Stillen" und "Schüchternen" zähle, habe ich beim Schreiben überhaupt keine Scheu davor, auch mal ordentlich auf die Kacke zu hauen und die Sau heraus zu lassen. Weil ich mich beim Schreiben total in den jeweiligen Protagonisten hinein versetze. Was heißen will, mal stecke ich im Körper eines Lustmolches, mal bin ich ein Massenmörders, ein Eremit oder sonst was. Dann versuche ich eben immer, so gut es geht, aus dessen Sichtweise die Dinge zu schreiben.

Von daher reagiere ich auf so manch seltsame Bemerkung eines Familienmitgliedes oder Freundes, mit einem Lächeln und sage, ein Mörder, Lustmolch oder was auch immer, macht halt solche Sachen und nicht ich. Somit fühle ich mich nicht direkt angesprochen, und es besteht kein Grund, dass ich mich peinlich berührt fühlen muss.

Gruß
Leon
Titel: Re: Andere lesen lassen - findet ihr das auch so intim?
Beitrag von: Solatar am 31. Dezember 2008, 11:01:03
@ Solatar: Wann kommt denn dein Buch endlich raus  :buch: *lesen will*

Na, das freut mich aber.  ;D
Also... die Spannung steigt... 2009... im Frühjahr (März) geht es mit der Vorstellung los und dann geht es Schlag auf Schlag. Es befindet sich derzeit noch in der Druckerei.
Drei Bücher sind für 2009 geplant.
Titel: Re: Andere lesen lassen - findet ihr das auch so intim?
Beitrag von: Cailin am 31. Dezember 2008, 11:16:41
Na, das freut mich aber.  ;D
Also... die Spannung steigt... 2009... im Frühjahr (März) geht es mit der Vorstellung los und dann geht es Schlag auf Schlag.

äh ... versteh ich grad nicht.  :hmmm: Heißt das, ab März ist es zu haben, oder wie?

Drei Bücher sind für 2009 geplant.

Und alle bei Ueberreuter? Wie cool ist das denn? :vibes:


Sorry für das OT  :pfanne: bin schon weg
Titel: Re: Andere lesen lassen - findet ihr das auch so intim?
Beitrag von: Leon am 31. Dezember 2008, 11:54:36
Jetzt habt ihr mich neugierig gemacht? Von welchen Büchern ist denn hier die Rede? ???

Gruß
Leon

Ebenfalls sorry für das OT! (Off-Topic)
Titel: Re: Andere lesen lassen - findet ihr das auch so intim?
Beitrag von: Moni am 31. Dezember 2008, 11:58:55
Schön gesagt. ;)

Ich bin vor allem geltungssüchtig und eine Rampensau. Und ein Kritikjunkie. Darum kriegen die meisten Leute meine Geschichten zu lesen, wenn sie bloß ein bisschen Interesse zeigen. ;D

Dito.  ;D  Wer auch nur den Anschein von Schwäche zeigt, wird gekrallt und kriegt was zu Lesen vorgesetzt.
Titel: Re: Andere lesen lassen - findet ihr das auch so intim?
Beitrag von: Alana am 31. Dezember 2008, 12:07:37
Grundsätzlich bin ich auch exhibitionistisch veranlagt.
Ich will zu allem und jedem von  Anderen einen Kommentar (hab ja auch mal Turniertanz gemacht und wenn man da nicht exhibitionistisch veranlagt ist :D) und mit dem Schreiben ist es prinzipiell genauso.
Grundsätzlich lasse ich daher gern andere lesen, was ich geschrieben habe, aber trotzdem bleibt so ein bischen ein komisches Gefühl, aber das legt sich vielleicht mit der Zeit.
Titel: Re: Andere lesen lassen - findet ihr das auch so intim?
Beitrag von: Manja_Bindig am 02. Januar 2009, 14:53:27
Es gibt da eien schöne Episode - ich hab mal in einem Schreibkurs einen Romanauszug(Handschrift) vorgelesen, weil er gut zum Unterricht passte. Entsprechend die Kladde mit und ich habe mich standhaft geweigert, einen Kommilitonen hineinblicken zu lassen. ICh kann es nciht ab, meine Handschriften herzuzeigen. Abgetipptes - gern. Handschriften aber sind ein Unding!

Nun ja... kaum dreh ich mich zwei Sekunden weg, ratet mal wessen hand sich ranschleicht... wäh. Nee. Unbearbeitete Entwürfe ohne Erlaubnis zu lesen ist genauso schlimm, wie jemanden heimlich im Badezimmer zu filmen.
Titel: Re: Andere lesen lassen - findet ihr das auch so intim?
Beitrag von: Coppelia am 02. Januar 2009, 15:20:34
Ich habe, wenn ich anderen Leuten meine Geschichten präsentiere, immer Angst, ich könnte ihnen auf die Nerven gehen. Diese Angst ist es, was mich davon abhält, jeden, den ich treffe, 24 Stunden lang mit meinen Geschichten vollzutexten. Bevor ich irgend etwas darüber sage oder jemanden lesen lasse, überzeuge ich mich erst gaaanz lange, dass ich demjenigen ja auch auf keinen Fall auf die Nerven gehe.
Schuld daran sind wahrscheinlich Erfahrungen, die ich in meinem Leben gemacht habe, und die mir sehr unangenehm sind. :-[ Aber ansonsten habe ich kein Problem damit, dass andere Leute die Geschichten lesen, denn dazu schreibe ich sie ja überhaupt nur.
Titel: Re: Andere lesen lassen - findet ihr das auch so intim?
Beitrag von: Nachtblick am 02. Januar 2009, 15:38:40
Hai's zusammen. :D

im Grunde genommen habe ich keine Probleme damit, andere meine Geschichten oder meinen Roman lesen zu lassen. Eigentlich deshalb, weil da Kurzgeschichten schon wieder etwas anderes sind - da ich meistens zu Wettbewerben oder auf "Kommando" schreibe, gehe ich davon aus, dass sie ohnehin jemand lesen wird. Deshalb scheue ich mich auch überhaupt nicht, sie Leuten zu geben und habe auch kein Problem damit, mit anderen über den Inhalt meiner Texte zu sprechen.

Bei meinem Roman war es früher so, dass ich zu Weihnachten immer ausgedruckt und hergegeben habe - allerdings habe ich das nach einer großen Plotüberholung eingestellt und jetzt das erste Mal seit zwei Jahren meiner Familie wieder etwas gezeigt (ca. 250 Normseiten). Jetzt gibt es immer Buch-Teil-teilweise: Buch eins besteht aus vier Teilen, gerade gabs Teil 1, und jetzt geht es munter so weiter.

So weit eigentlich keine Probleme. Das Schwierige sind Texte mit "heiklen" Themen. Darunter fallen dann Dinge, wegen denen man im besten Falle schief angeguckt und im schlimmsten Falle zum Psychologen geschickt wird. :snicker: Da ich schon über einige recht bedenkliche Themen schreibe, die definitiv nicht meine Zielgruppe sind (vom Alter her... gut, ich bin ja doch in ein paar Tagen sechzehn, hihi), bin ich immer sehr vorsichtig, wem ich da etwas gebe. Ganz ehrlich, meine Familie kriegt das nicht zu sehen. ;D Höchstens ein paar gute Freunde, die zumeist selbst schreiben (wir sind moralisch flexibel).

Das Schlimmste ist, wenn mich jemand anspricht und sagt: "Ehhh... also, hast du das jetzt selbst so erlebt?"
Ich: "Um Himmels willen, nein!" o_o
Oder das Berühmte "Wenn ich das so lese, frage ich mich wirklich, ob du nicht vielleicht mal mit jemandem reden möchtest..."

Alles schon selbst erlebt. Wenn ich mit jemandem aus meiner Familie meine Charaktere durchspreche, vermeide ich die Beschreibungen, die ich meinen Freunden gebe, weil ich eben solche Äußerungen nicht möchte und sie eben als zu unangenehm ansehe. Beispielsweise würde ich ungern erzählen, dass ich eine Figur habe, die einst bis in den Wahnsinn gefoltert wurde, und ich würde auch nur ungern die Szenen herzeigen, in denen ich einige brutale Folterszenen (als Traum/Flashback) untergebracht habe (diese Szenen kommen glücklicherweise erst in Buch zwei, bis dahin bin ich "alt genug" ;D).
Bei meinen Freunden bin ich als Cliquensadist bekannt, und keiner hat Probleme damit oder will mich dem nächsten Psychologen unterschieben.

So - gerne. Aber bei heiklen Themen - überdenken, wem zu geben. :hmmm:

Nox,
Nachtblick
Titel: Re: Andere lesen lassen - findet ihr das auch so intim?
Beitrag von: Wieoderwas am 02. Januar 2009, 16:45:26
Ich habe große Probleme damit, meine Texte anderen geben. Ich bin nämlich ein Literaturkritiker, der gerne über andere Bücher herzieht, weil sie kein Süskind, Goethe oder Remarque geschrieben hat. Was gibt es dann noch Peinlicheres, als dass ich selbst solch banale kleinbürgerliche Bücher schreibe, die es eigentlich nicht verdient haben, von mir geliebt zu werden? Da habe ich sicher noch viel zu lernen, doch noch habe ich mich nicht aufgegeben.

Miltan
Titel: Re: Andere lesen lassen - findet ihr das auch so intim?
Beitrag von: Sarina am 04. Januar 2009, 09:45:35
Hallöchen!
Also in meiner Umgebung wissen nur äußerst wenige davon, dass ich neben dem Studium auch noch einen Roman schreibe - geschweige denn dass ich beim Heyne-Wettbewerb mitmachen möchte.
Das liegt aber daran, dass ich in jedem Fall meine Familie überraschen möchte. Natürlich wissen sie, dass ich schreibe (Kurzgeschichten, Gedichte - aber eben nichts vom Roman). Die sollen schön warten bis ich selbst sage, dass ist nun wirklich fertig.

Auf der anderen Seite suche ich immer mehr Betaleser, um die verschiedenen Meinungen einzufangen und die Stellen erkennen kann, die noch mal überarbeitet oder sogar völlig neu geschrieben werden müssen. Schon allein weil mir die Erfahrung fehlt (es ist mein erstes Buch).
Die erhalten dadurch noch nicht die Entfassung. Wenn ein neuer Betaleser die ersten Kapitel bekommt, bin ich so lange nervös, bis ich die erste Rückmeldung erhalte. Danach geht es.
Titel: Re: Andere lesen lassen - findet ihr das auch so intim?
Beitrag von: Tarah am 04. Januar 2009, 18:12:32
Hallo!

Bei mir ist es so, dass das Interesse meiner Freunde an meinen Geschichten recht groß ist. Sie unterstützen mich, wo sie nur können, und deshalb haben sie meiner Ansicht nach als erste ein Recht darauf, mein Geschriebenes zu lesen. Tja, aber mir geht es wie manchen anderem hier: Ich kann, wenn sie meine Texte lesen, einfach nicht ruhig bleiben. Besonders aufgeregt bin ich immer, wenn sie mir plötzlich sagen, dass sie meine Geschichten ihren Eltern gezeigt haben...
Also ich finde es nicht intim, nur... seltsam... Ein komisches Gefühl ist es ja schon, wenn andere meine selbst niedergetippten Worte lese.

Lg
Tarah