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Die perfekte Idee

Begonnen von Drachenfeder, 19. Januar 2008, 09:30:07

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Drachenfeder

Habt ihr das auch schon mal erlebt? Ihr denkt an nichts Besonderes, seit vielleicht in der Bahn, unter der Dusche, am Geschirrspülen, auf der Arbeit, oder wollt einfach nur Abends einschlafen... und dann kommt sie. Eine Idee. Ein paar wenige Bilder im Kopf, ein paar einzelne Worte, vielleicht sogar ein winziger eigener Trailer tanzt vor eure Augen vorbei. Und dann denkt ihr: Ja, das ist es. Das ist eine großartige Idee. Es ist egal wie viel Uhr es ist, ihrr geht, setzt euch hin und schreibt einige Stichpunkte auf, vielleicht auch den ersten Satz?

Ich habe so etwas noch nicht erlebt. Klar hatte ich schon einie gute Ideen, die ich dann auch umgesetzt habe, aber sowas, nein noch nie.

Doch jetzt war es soweit. Gestern Abend im Bett. Diese Idee hat mich die ganze Nacht begleitet. Und ich habe das Gefühl ich kann daraus eine richtig tolle Sache machen, wenn ich mich dahinter klemme. Ich glaube ich habe für mich die perfekte Geschichte gefunden und bin Feuer und Flamme an ihr zu Arbeiten.

Habt ihr das auch schon mal gehabt?
Die für Euch perfekte Idee?
Habt ihr sie umgesetzt?
Hat Eure Motivation angehalten?
Habt ihr irgendwann aufgegeben oder habt ihr es geschrieben und seit glücklich damit?

Ich bin sehr neugierig auf Eure Antworten.

Drachenfeder**



JulyRose

Hallo Drachenfeder,

gute Ideen gibt es häufig - die perfekte Idee hatte ich bisher noch nicht. Auch nicht unter der Dusche, obwohl ich da schon durchaus mit der einen oder anderen Idee konfrontiert wurde. (die letzte führte mich ja hierher ...)

Bei mir funktioniert es so:

Wenn ich eine Idee habe, ist es meist nur ein winziges Element einer Geschichte. Ein Fragment, das noch nicht mal bis zur Fertigstellung überleben könnte, eher eine Inspiration, der ich ein wenig Raum gebe. Eine Geschichte braucht, um überhaupt von mir irgendwie entwickelt und ausformuliert zu werden, ein paar Monate, in denen ich noch nicht mal irgendwas aufschreibe, sondern immer mal wieder darüber nachdenke. Ich bin wie dieser Pillendreher-Käfer, ich drehe diese Idee so lange in meinem Hirn um und um, bis ich nicht anders kann und mich intensiver damit beschäftigen muss. Darüber können aber schonmal drei bis neun Monate vergehen.

Dann erst setze ich mich hin und beginne, ein paar Notizen zu machen. Von dem ersten Gedanken ist dann unter Umständen schon gar nichts mehr übrig, aber ich mache trotzdem weiter, weil die Idee in der Zwischenzeit gewachsen ist. Sie hat also völlig neue Strukturen angenommen, hat vielleicht noch ein wenig was von der alten Idee.

Dass mir die perfekte Idee zufällt, die ich dann eins zu eins umsetze - nein, das ist mir noch nie passiert. Ich habe früher bei mancher Idee geglaubt, sie wäre perfekt, und ich habe mich dann mit Feuereifer an die Arbeit gemacht, aber im Grunde ging mir irgendwann die Puste aus, und die Geschichte ging für mich verloren. Zu viel Energie zu früh darauf verwandt - und damit im Grunde verschwendet. Meine Geschichten brauchen Zeit. Ich stecke sie in einen Gärtopf und schaue, was passiert. Manchmal gehen sie auf wie ein Hefeteig, manchmal fallen sie in sich zusammen wie ein misslungenes Soufflé.

Muss natürlich jeder selbst rausfinden, welche Art zu arbeiten seine richtige ist. Ich wünsche Dir mit Deiner Idee viel Erfolg und Motivation!

Liebe Grüße
Juliane

Shay

Ich schreibe grundsätzlich keine Idee sofort auf, und sei sie noch so gut, es sei denn, ich sitze gerade eh schon an dem Text. Ich habe für mich festgestellt, daß es nie schadet, eine Idee reifen zu lassen und wenn sie wirklich gut war, werde ich sie auch nicht vergessen. Deswegen führe ich auch kein Notizbuch.

Aber ich hatte schon ab und zu mal sehr gute Ideen, allerdings eigentlich nie für einen ganzen Roman. Romane wachsen bei mir aus vielen, vielen Einzelszenen.

Maja

Ich habe die perfekte Idee schon oft geträumt, den kompletten Plot für das Buch meines Lebens. Einmal ist mir das aber so knapp vor dem Einschlafen passiert, daß ich mich noch aufrappeln und im Halbschlaf die erste Seite zu Papier bringen konnte. Das Ergebnis, am anderen Morgen in unleserlicher Schrift neben mir im Bett gefunden, war... freundlich gesagt... ernüchternd.
Was im Traum so logisch und stimmig wirkt, ist oft für wache Köpfe nur wirr bis lustig. Aber einzelne Ideen habe ich schon sehr erfolgreich aus Träumen entnommen, zum Beispiel die Flöte aus Eis oder einen Grundplot für ein Jugendbuch, den ich zur Zeit ausarbeite, weil er viele Recherche erfordert. Aber ja, ich hatte schon diese perfekten Ideen. Das ist wie Autor auf Droge. Ein tolles Gefühl. Und wenn sich bei Licht betrachtet ein Teil der Perfektion wieder auflöst, ist das nicht so schlimm. Die Epiphanie ist wichtiger als das Schreiben.
Niemand hantiert gern ungesichert mit kritischen Massen.
Robert Gernhardt

Coppelia

Ja, ich kann das bestätigen. Ich kenne das Gefühl. Zwar halte ich meine Ideen nicht für die besten der Welt, aber es ist ein wenig ein Gefühl, als ob es einen selbst "aushebelt" - die Idee verschafft sich ihre Priorität und bremst alles mögliche aus, was man sonst noch tun wollte. Und ich bin dann aufgekratzt und völlig begeistert. Dabei habe ich eigentlich nie das Gefühl, als wäre es meine Leistung, sondern eher, als hätte ich ein wunderbares Geschenk bekommen. Und ich freu mich wie ein Kind darüber ...
Sowas passiert mir alle paar Jahre mal. Das letzte Mal letzten August. Es war krass. Ich hab mir morgens um halb 7 die Zähne geputzt und dabei über ein geschichtliches Ereignis nachgedacht. Und schlagartig hatte ich einen Plot, eine Hauptfigur und kaum einen Tag später eine sinnige Handlung. Ich schreibe die Geschichte noch, und es hat sich kaum etwas geändert. Ob es die perfekte Geschichte ist, keine Ahnung. Aber ich mag sie.

Wölfin

Oha,
die perfekte Idee?
Also, die meisten meiner Ideen kommen mir relativ spontan und in der Regel mache ich mir auch augenblicklich ein paar Stichpunkte dazu, aber wenn ich gerade mit etwas anderem beschäftigt bin, bemühe ich mich, dies zuerst zu Ende zu bringen.

Ob allerdings d i e perfekte Idee darunter war? Ich glaube, es gibt noch bessere Ideen, die tief in mir schlummern und warten, bis ich Zeit für sie habe.

Okami

Rumpelstilzchen

Von einzelnen Szenen werde ich ständig überrascht, die sich dann ziemlich schnell in meinem Kopf zu einer ganzen Geschichte entwickeln, aber meist wird daraus nichts weiter, weil ich so viel Romane gar nicht schreiben könnte, wie ich manchmal von guten Ideen überflutet werde. Aber die bis jetzt perfekte für mich war dabei.

Wie lange die Idee gebraucht hat, um sich zu entwickeln weiß ich nicht mehr. Es ging auf jeden Fall recht flott, bis ich angefangen habe sie aufzuschreiben, dass müsste Ende 2005 gewesen sein. Mit Schreiben war ich dann auch relativ schnell fertig, habe nicht ganz ein Jahr für Band 1 gebracht (für das reine Schreiben ohne Korrekturlesen, etc.)
An der sehr umfangreichen Idee schreibe ich übrings immer noch und immer noch sehr gerne. Ich weiß, dass ich diese Idee auf jeden Fall zu ende bringen werden, aber ich freue mich auch darauf endlich etwas neues anfangen zu können.

Manja_Bindig

Hm, nein. Bei mir ist es eher so, dass ich einen Satz, eine Szene, etwas komplett zusammenhangloses im Kopf hab - gerne auch mal die Idee zu einem Chara. Wenn mich das packt, versuche ich, es in einen Plot zu betten, einen guten Plot, der nicht allein auf dieses kleine Element ausgerichtet wirken darf...
...
und dann bekomm ich bei dem Plot das Gefühl: "Das isses." Einen Plot, der das Gefühl nicht trägt, schreib ich prinzipiell nicht aus, deshalb hab ich nur "Das isses"-Geschichten... ^^

Antigone

Ich hatte erst einmal eine perfekte Idee, und zwar die perfekte Idee für eine perfekte Vampirgeschichte. Unglücklicherweise passierte mir das genau eine Woche nach Einsendeschluß der Vampir-Ausschreibung!  :'(

dh. ich hab die Idee zwar geistig notiert, aber nicht aufgeschrieben, weil ich mich einfach so geärgert habe.

Lg, A.

Linda

Ja, das Gefühl kenne ich auch.
Manchmal habe ich solche Momente losgelöst im Alltag (der Kopf arbeitet ja immer mit) und manchmal beim Schreiben selbst. Viele kleinere Geistesblitze notiere ich mir nur ganz knapp (sonst geht der Zauber und das Lebendige verloren) - die größeren lasse ich auch reifen und daraus wird dann ein Exposé oder ähnliches.

Gruß,

Linda

Berjosa

Ja, doch, so etwas kommt bei mir immer mal wieder vor, vor allem zu unpassenden Gelegenheiten. Dann schreibe ich mir die "perfekte Idee" auf, arbeite meistens auch daran weiter, bis die nächste "perfekte Idee" vorbeikommt und Aufmerksamkeit verlangt.
Und irgendwann gibt es einen Anlass, sich mit den ganzen angefangenen und nie fertiggestellten Geschichten zu befassen, und siehe da, "perfekte Idee 1" und "perfekte Idee 2" ergeben zusammen ein Ganzes, das so interessant ist, dass ich es fertig schreibe.
Deshalb bin ich immer dahinter her, ein möglichst gut gefülltes Ideenlager zu haben, damit sich genügend Kombinationsmöglichkeiten finden.

Schöne Grüße

Berjosa

Judith

Eine perfekte Idee hatte ich noch nie, nein. Meistens schleichen sich nur sehr kleine Ideen gaaaanz langsam in meinen Kopf. Und über die grüble ich so lange nach, bis irgendwann was Brauchbares daraus wird.
Kleine Geistesblitze, die ich vielleicht alle ein, zwei Jahre mal habe, sind bei mir schon das höchste der Gefühle. Meistens betreffen die aber nicht einen ganzen Plot oder eine neue Geschichte sondern Plotlöcher bei Geschichten, die ich schon in Arbeit habe.

Also arbeite ich weiter an meinen kleinen Ideen und warte, ob mir irgendwann mal die "perfekte Geschichte" einfällt.  ;D

Drachenfeder

schööön so viele Antworten heute schon zu lesen. Sehr interessant was ich da gelsen habe. Perfekt bedeutet ja auch für jeden etwas anderes. Mal sehen, vielleicht kommt bei mir irgendwann eine weitere Idee, die ich dann eher perfekt finde, als die jetztige wer weiß.

Das was Maja geschrieben hast trifft völlig zu. Ein Teil der Perfektion hat sich heute schon aufgelöst. Aber ich glaube weil ich mir zu Zeit selbst zu viel Stress mache. Ich habe so viel im Kopf und so viel vor was das Schreiben angeht, dass mir momentan der Kopf schwirrt. Ich glaube das muss ich irgendwie mal unter Kontrolle bekommen bzw. mal einen geradlinigen Faden hin bekommen.

Zitat von: Maja am 19. Januar 2008, 11:23:33
Das ist wie Autor auf Droge. Ein tolles Gefühl.
Das ist wohl war. Und wie. Bin immer noch völlig hippelig



saraneth

Hallo Drachenfeder!

Ja klar, sowas hatte ich schon mal und es war super. Ich habe die Idee geträumt; eigentlich war es weniger als eine Idee, mehr eine einzelne Szene, die ich ganz klar vor meinen Augen gesehen habe.

Als ich aufwachte, habe ich mich gleich an den Pc gesetzt und sie aufgeschrieben, danach weitergeschlafen. Ich bin momentan noch dabei sie umzusetzen und die Begeisterung ist geblieben, wenn auch nicht die anfängliche überschäumende Freude, denn aus einer Szene muss ein ganzer Plott und schließlich eine Geschicht gemacht werden.

Früher hatte ich schon einmal so ein Erlebnis, auch während ich träumte. Leider habe ich im Halbschlaf so ein wirres Zeug niedergeschrieben, dass mir die Genialität, die noch im Traum unabstreitbar gewesen war, abhanden gekommen ist. Ich versuchte mehrere Tage lang wieder darauf zu kommen, aber vergebens, die Idee hatte sich wieder verflüchtigt und ich schrieb an einer anderen Geschichte weiter.

Beide Male hatte ich bisher das Gefühl, die perfekte Idee gefunden zu haben, aber im Nachhinein sieht man, dass das, was im Traum noch so einzigartig ist, in der Realität sehr viel mehr Arbeit bedarf, als man es sich anfangs vorgestellt hat.

Das hält mich jedoch nicht davon ab, meiner Traumszene eine Geschichte zu widmen, denn die Idee - das muss ich zugeben - ist trotz allem gar nicht mal so schlecht. ;)

Ary

Hi Drachenfeder,
manchmal passiert mir so etwas auch, aber meistens kommt nach kurzem nachdenken die Ernüchterung. ich hatte *pling* eine meiner Meinung nach tolle Idee für "Dolch und Stundenglas" und bei näherem nachdenken über die Idee wurde mir dann klar, dass es sowohl einen Dolch, wie ich ihn mir vorgestellt hatte, als auch ein Stundenglas, wie die Geschichte es brauchen würde, schon einmal gegeben hat, und ich wollte nicht klauen.
Die Idee für Feuersänger kam mir, als ich während einer langweiligen Kirchenpredigt über einen Plot für den NaNo nachdachte, und an der Idee bin ich klebengeblieben und bastele sie jetzt noch. Die Idee für Wüstenfeuer war so eine dieser Halbschlafsideen, die auch in wachen Zustand nicht zu abgedreht erschien. Perfekt sind diese Ideen alle nicht, aber sie gefallen mir so gut, dass ich was draus mache und sie nicht gleich auf den großen Ideenmüllhaufen schmeiße.
Einfach mal machen. Könnte ja gut werden.