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Unterschiedliche Zielgruppen innerhalb der Fantasy?

Begonnen von Lord Bane, 05. Januar 2008, 15:30:21

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Lord Bane

Die Diskussion über Grausbücher hat bei mir folgende Überlegung angestoßen: Gibt es vielleicht nicht nur eine Zielgruppe für Fantasy, sondern ganz unterschiedliche Gruppen von Leuten, die eben unterschiedliche Arten von Fantasy bevorzugen?
Haben Leute, die z.B. Robert E. Howard (Schöpfer von Conan) bevorzugen, etwas mit Menschen zu tun, die überzeugte Tolkien-Fans sind? Mögen Harry Potter leser Michael Moorcock oder schließt das eine das andere aus?
Gehen diese verschiedenen Vorlieben vielleicht sogar mit der Einordnung in unterschiedliche soziologische Gruppen einher? So würde z.B. ein vierzehnjähriges Mädel, das aufs Gymnasium geht vielleicht eher zu Rowling greifen, während der schon ergraute Altrocker auf Howard, Moorcock oder David Gemmell schwört.

Ist eurer Meinung nach an diesen Überlegungen etwas dran oder bilde ich mir diese Abgrenzung nur ein? Und wenn an meinen Überlegungen etwas dran ist, gibt es bestimmte Gründe, warum eine soziologische Gruppe eine bestimmte Form von Fantasy bevorzugt?

(Das mit den Rockern und Moorcock stimmt übrigens nach meiner Erfahrung. In meiner Jugendzeit habe ich einen Haufen Leute kennengelernt, die ein Soziologe wohl eindeutig der "Rockerszene" zugeordnet hätten. Sogar ein paar Hell's Angels Mitglieder waren darunter. Da gab es Leute, denen man wirklich nicht zugetraut hätte, dass sie in ihrem Leben jemals etwas Anderes als Bikermagazine gelesen hätten, die im Bereich Fantasy unglaublich belesen waren. Lieblingsautoren von denen waren meistens Moorcock und Howard, also Sword&Sorcery Schreiber. Tolkien-Fans gab es auch, aber deutlich weniger.)


Freue mich auf eure Gedanken,
Lord Bane

Grey

Naja, ich würd mal sagen - gäbe es diese unterschiedichen Zielgruppen nicht, würde sich die Frage "Was für Fantasy schreibst du denn?" komplett erübrigen.

Natürlich gibt es diese Unter-Unterteilung. Aber die findest du überall. Unser Gehirn strukturiert ganz von selbst in Kategorien und Unterkategorien und Unter-Unterkategorien, ähnlich wie die Ordner am PC. Weil das so ist, kann da auch jeder was mit anfangen, und es passiert ganz von allein. ;)

In der Musik zum Beispiel auch. Beispiel Metal: Ein überzeugter Blackmetaller mag höchstwahrscheinlich kein Power-Melodic-Gedudel und umgekehrt, um mal ein Extrem zu nennen. Trotzdem hören beide Metal. Fängt man bei "Rock" (oder in unserem Fall "Phantastik") an, fächert sich das ganze noch viel viel weiter auf. Tokio Hotel oder Juli sind *nicht* Children of Bodom, nicht Helloween und erst recht nicht Cannibal Corpse.

Was aber nicht heißen muss, dass es nicht Menschen gibt, die mehrere dieser Untergruppen mögen...



Ary

So viele verscheidene Untergruppen, so viele verschiedene Leser gibt es auch. :) ich bin beim lesen schon ziemlich weit gefächert, auch bei Musik - ich höre fast alles außer avantgardistischer Klassik, zu hartem Hardrock und Tokio Hotel und Consorten, und ich lese viele verschiedene Genres. Und ich mag nicht alles, was Krimi ist, auch wenn ich gern Krimis lese. Ich mag nicht alles, was Fantasy ist, auch wenn ich hauptsächlich Fantasy lese. Ich finde nicht grundsätzlich alle historischen Romane toll, auch wenn ich historische Romane zum Mittag verschlinge.
Zu typisieren halte ich für gefährlich - nicht alle "Schulmädchen" lesen lieber Harry Potter als Moorcock, und nicht alle Tolkien-Fans kriegen bei Terry Pratchett die Krise. 
Inzwischen gibt es ja auch in  der Fantasy viele dieser "Sub-Genres" und Mischformen. Fantasy-Krimis, Fantasy-Liebesgeschichten, Fantasy-Kriegsromane, Fantasy-Schulgeschichten, Fantasy-Abenteuergeschichten und Fantasy-Reisebereichte. Vielleicht sogar fantasy/Phantastik-"Sachbücher" wie die beiden Harry-Potter-Spinoffs "Magische Tierwesen und wo sie zu finden sind" und "Quidditch im Wandel der Zeiten" (die ich beide zum Schreien komisch finde).
Einfach mal machen. Könnte ja gut werden.

Lavendel

Hm, ist das jetzt eine Überraschung? Es ist doch klar, dass alles, was irgendwie vermarktbar ist Zielgruppen im Augen hat. Guck dir nur mal aufmerksam Fernsehwerbung an. Meist erkennt man sie Zielgruppe in den ersten zwei Sekunden. Deo für Frauen wird anders beworben als Deo für Männer. Auf Bücher übertragen: Je nach Zielgruppe werden Cover, Satz etc. anders entworfen. Darum gibt es bei den Harry Potter Büchern doch diese 'Erwachsenenausgaben', die ganz anders aussehen, als die für Jugendliche, obwohl das gleiche drinsteht. Ein bestimmtes Buch verkauft sich mit einem anderen Cover plötzlich an eine ganz andere Zielgruppe.

Wahrscheinlich hat es auch mit der entsprechenden Peergroup zu tun. (Wenn alle meine Freunde etwas tun, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass ich es auch tue). Aber bestimmte Gruppen identifizieren sich ja auch über unterschiedliche Erkennungsmerkmale. Metaller über schwarze Bandshirts, Tokio Hotel Fans über (Achtung subjektiv) bescheuerte Frisur und viel Kajal (vereinfacht ausgedrückt, natürlich). Wenn man diese o.ä. Merkmale benutzt, um ein Produkt zu bewerben, ob nun Deo oder Buch, dann wird die entsprechende Gruppe an Menschen sich vermutlich für dieses und kein anderes Produkt entscheiden, weil sie sich damit identifizieren kann.

Lomax

Zitat von: Lord Bane am 05. Januar 2008, 15:30:21Gibt es vielleicht nicht nur eine Zielgruppe für Fantasy, sondern ganz unterschiedliche Gruppen von Leuten, die eben unterschiedliche Arten von Fantasy bevorzugen?
Dass es diese Zielgruppen gibt, die nicht nur bestimmte Arten von Büchern bevorzugen, sondern auch ansonsten durchaus spezifizierbare Gruppen bilden, lässt sich kaum bestreiten. So kann man beispielsweise durchaus feststellen, dass die Leser von Völkerromanen eher "junge Fantasyleser" sind, und auch einen höhren Anteil an männlichen Lesern haben als das Gesamtgenre. So einfach ist die Zielgruppenzuordnung dann allerdings auch nicht, denn zum einen gibt eine Zielgruppenbeschreibung immer nur eine statistische Tendenz an, und zum anderen gehört kaum ein Leser genau einer Zielgruppe zu.

Das bedeutet zum einen, dass natürlich weder jeder "junge, männliche Fantasyleser" auch "Völkerfantasy" mag - vermutlich nicht mal ansatzweise -, noch bedeutet es, dass jeder Leser von Völkerfantasy auch jung und/oder männlich ist. Längst nicht. Aber diese Zielgruppenmerkmale sind trotzdem signifikant, wenn man die Leser von "Völkerromanen" beispielsweise mit den Lesern von "Romantic Fantasy" vergleicht.
  Und zum anderen bedeutet es auch, dass die meisten Leser verschiedene Arten Bücher lesen. So mag der eine Leser womöglich Völkerromane und humorvolle Fantasy - und kann durchaus auch jeweils korrelierende Eigenschaften zu beiden Zielgruppen gleichzeitig erfüllen und dementsprechend in bestimmter Hinsicht "typisch" sein. Und ein Leser, der sowohl Völkerromane wie auch humorvolle Fantasy liebt, mag dann womöglich auch andere Titel aus den "Grauzonen" der Subgenres als solche Leser, die nur jeweils einer von beiden Zielgruppen angehören.

Die Betrachtung von Zielgruppen ist also durchaus komplex, und es geht dabei weniger um scharfe Schubladen, als vielmehr um Abhängigkeiten, um Statistik und um Mengen. Aber man kann durchaus damit rechnen, und je mehr Einzelbeispiele sowohl von Büchern wie auch von Lesern man betrachtet, umso deutlicher werden die Muster erkennbar. "Wen könnte dieses Buch überhaupt ansprechen" war bei Gutachten immer eine wichtige Frage - und wenn sich das einschätzen ließ, hat es mir eine Empfehlung für das Buch immer sehr erleichtert.

Lord Bane

@ Lomax

Kurze Verständnisfrage: Was sind Völkerromane?

gbwolf


Aneirin

Hallo,

ich glaube ganz sicher, dass innerhalb der Fantasy verschiedene Zielgruppen mit verschiedenen Lesegeschmäckern (-geschmäcken ... -geschmäcks - na ihr wisst, was ich meine) gibt.

Möglicherweise fängt es schon damit an, dass Frauen und Männer unterschiedlich lesen. An mir selber ist mir aufgefallen, dass ich lieber von Frauen geschriebene Bücher lese, egal ob es nun Fantasy ist, Krimi oder History. Wenn mir ein Buch zu schlachtenlastig und blutig ist, war es bisher immer von einem Mann geschrieben. Ich habe schon Bücher deswegen weggelegt.

Diese mir zu blutigen Bücher haben auch ihre Liebhaber, teilweise sind es richtige Bestseller. Daraus schließe ich, dass es unterschiedliche Zielgruppen gibt.

Grüße
Aneirin

Lord Bane

Zitat von: Aneirin am 06. Januar 2008, 15:39:48

Möglicherweise fängt es schon damit an, dass Frauen und Männer unterschiedlich lesen. An mir selber ist mir aufgefallen, dass ich lieber von Frauen geschriebene Bücher lese, egal ob es nun Fantasy ist, Krimi oder History. Wenn mir ein Buch zu schlachtenlastig und blutig ist, war es bisher immer von einem Mann geschrieben.

Ich glaube nicht, dass nur Männer brutale Szenen schreiben. Von Frauen gibt es auch ziemliche literarische Gemetzel. Kennt jemand hier z.B. Mary Gentle? Mehr Gemetzel geht teilweise wirklich nicht.


felis

Lord Bane, als ich Deine Beschreibung eines typischen Moorcock lesers gelesen habe, abe ich mich weggeschmissen  :rofl:
Mit Moorcock bin ich bekannt gemacht worden durch meinen Vater - pensionierter Amtsrichter und so weit weg vom Rocker, wie man nur sein kann.  ;D Aber der steht total auf das Zeug. Ich fand die Moorcockschen klischeehelden dagegen ultradröge...
Ich würde mal sagen, wenn übvwrhaupt schreibt M. ausgersprochene Männer - Fantasy. Ich kenne keine einzige Frau, die das Zeug gerne liest (Wahrscheinlich widerspricht mir hier sofoort eine...) ;)

Klar schreiben nicht nur Männer brutale Szenen, aber eine bestimmte Sorte brutaler Szenen (Schlachten) wird ganz offensichtlich von Männern signifikant häufig lieber gelesen als von Frauen.

Lord Bane

Zitat von: felis am 06. Januar 2008, 20:38:02
Ich würde mal sagen, wenn übvwrhaupt schreibt M. ausgersprochene Männer - Fantasy. Ich kenne keine einzige Frau, die das Zeug gerne liest (Wahrscheinlich widerspricht mir hier sofoort eine...) ;)

Gibt es wirklich Männer-Fantasy? Ich weiß, dass es Männer-Fantasien gibt, aber das ist ja wohl was völlig anderes  ;D.
Wenn es Männer-Fantasy gibt, dann muss es auch Frauen-Fantasy geben, aber wie soll die aussehen? Sind das Liebesgeschichten mit Elfen?

Ich habe übrigens nicht den "typischen" Moorcock-Leser beschrieben, sondern eben die Moorcock-Leser, die ich kenne.

Ich kenne auch keine einzige Frau, die Moorcock mag. Warum das so ist, weiß ich aber nicht.  Vielleicht lesen Frauen nicht gerne über Männer, keine Ahnung. Wenn dem so ist, dann werden wohl auch nicht viele Frauen mein Buch mögen, daran kann ich dann aber auch nichts ändern.

felis

@Lord Bane, dass Frauen nicht gerne über Männer lesen ist natürlich Quatsch - guck dir die vielen HdR Fans an und dass bei  nahezu auschließklich männlichen Protas.
Ich kann dir zumindest sagen, warum ich Moorcock nicht ausstehen kann: wegen seiner extrem klischeehaften Kreisch-/Dummerchen/Püppchen - Frauengestalten. Die spießigen 50er lassen grüßen...

Ary

Typische Frauen-Fantasy ist in meinen Augen Marion Zimmer Bradley. Mein Mann hat mal versucht, "Die Nebel von Avalon" zu lesen und hat es wieder weggelegt, ich habe das Buch gefressen. Ich habe einiges von ihr gelesen und das meiste hat mir gefallen (eine Ausnahme: "Die Matricharchen von isis" war selbst mir zu feministisch und dazu in meinen Augen noch männerdiskriminierend).
Moorcock... naja. Ich habe "Corum" gelesen, den ich bis auf teilweise doch recht heftige Selbstmitleidsschwelgorgien sehr gut fand. Elric hatte ich mal angefangen, dann aber wieder aufgehört, aber ich werde mich noch mal dransetzen, wenn ich mal wieder Lust auf ein über sechs Zentimeter dickes Buch habe. Momentan laufe ich vor diesen Wälzern eher davon.
Einfach mal machen. Könnte ja gut werden.

Lord Bane

#13
Zitat von: felis am 06. Januar 2008, 21:29:38
@Lord Bane, dass Frauen nicht gerne über Männer lesen ist natürlich Quatsch - guck dir die vielen HdR Fans an und dass bei  nahezu auschließklich männlichen Protas.
Ich kann dir zumindest sagen, warum ich Moorcock nicht ausstehen kann: wegen seiner extrem klischeehaften Kreisch-/Dummerchen/Püppchen - Frauengestalten. Die spießigen 50er lassen grüßen...

Also Tolkien ist da nicht wirklich eine Alternative, oder? Noch blassere Frauenfiguren als in seinen Büchern kann man meiner Meinung nach gar nicht schreiben. Ich meine, asexualität ist ja gut und schön, aber bei Tolkien ist es irgendwo fast lächerlich wie ungreifbar alle weiblichen Wesen bei ihm doch sind.

Moorcock hat übrigens auch weibliche Hauptfiguren wie zum Beispiel die Söldnerin Katinka van Bak oder die Traumdiebin Oone. (Ist OT, aber ich musste das jetzt einfach loslassen).

@ Aryana

Ist sowas wie Moorcock, also Heroic Fantasy, wirklich Männer-Fantasy? Ich bin ganz überrascht, weil ich das nämlich noch nie so gesehen habe.

Ary

@Bane:
Das habe ich nicht behauptet. Du hattest nur geschrieben, dass Du keine Frau kennst, die Moorcock gern liest. :)

Ich würde heroic fantasy nicht allgemein als Männerfantasy bezeichnen, ich mag es selbst auch, wenn es heroisch und episch wird, solange die Autoren es nicht übertreiben (zu viel epische Breite und zu viele "Superhelden" sind öde). Hm, typische Männerfantasy... mir fällt so auf Anhieb nichts ein, was ich darunter fassen wüde.
Einfach mal machen. Könnte ja gut werden.