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Allgemeines => Buch- und Verlagswesen => Thema gestartet von: Maria am 03. Mai 2017, 13:15:08

Titel: Was ist eigentlich "Romantasy"?
Beitrag von: Maria am 03. Mai 2017, 13:15:08
Der Begriff kommt in dieser Ausschreibung ja dezidiert vor:
http://www.thienemann-esslinger.de/verlag/specials/fantasy-autorin-werden/

Gibt es eine von allen Verlagen und Lesern verstandene Definition dieses Subgenres?

Ich frage auch, weil ich bei den Büchereulen eine Diskussion um "Romantasy" angestoßen habe und die Leser offenbar sehr unterschiedliche Vorstellungen hatten, einige unterschieden sich da deutlich von meiner, dass ich sogar den Threadtitel in "romantische Fantasy" umgeschrieben habe, um nicht missverstanden zu werden.

Hier wäre der Thread:
http://www.buechereule.de/wbb2/thread.php?threadid=92506

Liebe Grüße
Angelika / Maria
Titel: Re: Was ist eigentlich "Romantasy"?
Beitrag von: Dämmerungshexe am 03. Mai 2017, 13:35:48
Ich würde sagen: "Romance, die in einem Fantasy-Setting spielt."

Soll heißen, dass
- die Liebesbeziehung zwischen zwei Personen im Mittelpunkt der Handlung steht (andere Elemente sind Hintergrund).
- das Setting nicht unsere normale Alltagswelt ist und die eine oder andere Form von Magie oder höher entwickelter Technologie enthält.
Titel: Re: Was ist eigentlich "Romantasy"?
Beitrag von: Sukie am 03. Mai 2017, 13:37:38
Ich verbinde das ultimativ und wahrscheinlich auch ungerechterweise immer mit Kitsch und Klischee. Frauen, die einem Mann auf hohem Ross nachträumen. Er ist meistens mysteriös, gerne Werwolf, oder ein dunkler Fürst. ^^ Daraus entwickelt sich dann eine Liebesgeschichte, wie man sie schon so oft gelesen hat.

Nicht mein Fall. Ich vermeide solche Bücher so gut es geht.  ;D

@Dämmerungshexe: Genau. Das fasst es gut zusammen.
Titel: Re: Was ist eigentlich "Romantasy"?
Beitrag von: Maubel am 03. Mai 2017, 13:43:36
@Sukie Dann habe ich ja Glück gehabt, dass du meines nicht vermieden hast.

Also Kitsch und Klischee gibt es wie in jedem anderen Romance Genre oder Fantasy Genre - gibt gute und schlechte. Definition ist wie Dämmerungshexe sagt, eine Fantasygeschichte, in der die romantische Beziehung im Vordergrund steht. Ein Subgenre, das ich wiederum nicht leiden kann (meistens) ist die paranormal romance, wo mindestens ein Geschlechtspartner ein magisches Wesen ist. Irgendwie kam da bisher nur Murks raus - also in den Büchern, in denen das Fokus ist, nicht generell Bücher, in denen es auch solche Beziehungen gab.
Titel: Re: Was ist eigentlich "Romantasy"?
Beitrag von: Sukie am 03. Mai 2017, 14:03:37
Ich sagte ja, dass ich ungerecht urteile.  ;D Nur was ich auf den ersten Hieb mit dem Wort Romantasy verbinde. ;) Und das ist halt leider Klischee. Vielleicht muss ich es noch etwas mehr einschränken - ich verstehe darunter wirklich eine reine Liebesgeschichte mit Fantasyelementen. Ohne komplexere Handlung, sondern allein fokusiert auf die Beziehung. Ganz in der Art von Twilight. Da ordne ich dein Buch nun wirklich nicht ein.

Titel: Re: Was ist eigentlich "Romantasy"?
Beitrag von: Maubel am 03. Mai 2017, 14:16:52
Ganz ehrlich: Ich würde mein Buch auch nicht unter Romantasy einordnen, aber da es den Romantasy-Wettbewerb gewonnen hat, muss es wohl doch reinpassen. Und ja, die reinen Beziehungsfokus-Bücher mag ich auch eher selten. Da gibt's leider viel zu viel Schund. Lustigerweise mache ich immer dann einen großen Bogen um das Buch, wenn in den Rezis erst mal steht "männlicher Char *Herzchen, herzchen*"
Titel: Re: Was ist eigentlich "Romantasy"?
Beitrag von: Sukie am 03. Mai 2017, 14:22:28
Zitat von: Maubel am 03. Mai 2017, 14:16:52
Ganz ehrlich: Ich würde mein Buch auch nicht unter Romantasy einordnen, aber da es den Romantasy-Wettbewerb gewonnen hat, muss es wohl doch reinpassen. Und ja, die reinen Beziehungsfokus-Bücher mag ich auch eher selten. Da gibt's leider viel zu viel Schund. Lustigerweise mache ich immer dann einen großen Bogen um das Buch, wenn in den Rezis erst mal steht "männlicher Char *Herzchen, herzchen*"

Dann sehen wir das ja ähnlich. Wahrscheinlich betrachte ich Romantasy viel zu engstirnig. Aber mir gefällt der Begriff auch überhaupt nicht. Er klingt zu sehr nach aufgepeppten Groschenroman.

Ich reagiere absolut allergisch auf
Zitat"männlicher Char *Herzchen, herzchen*
- in Büchern, wie in Filmen. Wahrscheinlich bin ich nicht mädchenhaft genug für so etwas. Noch nie ^^
Titel: Re: Was ist eigentlich "Romantasy"?
Beitrag von: Alana am 03. Mai 2017, 14:32:59
@Maubel: Woher hast du das mit der Paranormal Romance? Meiner Meinung nach ist das einfach der englische Begriff für Romantasy. Denn den gibt es ja im Englischen nicht. Bookshouse verwendet den Begriff auch für Seelenmagie und darin gibt es alles Mögliche, aber keine Gestaltwandler, nicht mal Vampire. Oder meinst du mit magisches Wesen auch Magier?

Auf jeden Fall ist es quasi unmöglich, diese Begriffe genau zu definieren. Jeder, mit dem man darüber spricht, hat eine leicht abweichende Vorstellung, es gibt große Überschneidungen, alle sind sich wohl einig, dass Bücher wie Twilight der Inbegriff von Romantasy sind. Aber darüber hinaus herrscht wenig Einigung, glaube ich. Wenn man einfach von Romance + Fantasy ausgeht, liegt man jedenfalls sicher nicht ganz falsch.
Titel: Re: Was ist eigentlich "Romantasy"?
Beitrag von: FeeamPC am 03. Mai 2017, 14:44:23
Paranormal Romance und Romantasy dürfte sich decken.
Was den Fokus auf die Liebesgeschichte angeht, wenn ich was rein zum Entspannen brauche, lese ich auch sowas. Kein Anspruch, aber schöne Unterhaltung mit garantiertem Happy-End. Manchmal braucht Frau eben so etwas. Ich lese Philosophie, Wissenschaft, Literatur- und ich lese Thrash. Mindestens genauso gerne. Wie mir dürfte es vielen Lesern gehen.
Gerade weil sie so verhersagbar ist, hat Romantasy ihren Stellenwert.
ich meine, wir lesen ja auch immer wieder gerne die Märchen, obwohl wir sie auswendig kennen und praktisch jeden Satz vorhersehen können. Und mal ehrlich, Aschenputtel ist reinrassige Romantasy, sobald man die Charaktere etwas belebt.
Titel: Re: Was ist eigentlich "Romantasy"?
Beitrag von: Maubel am 03. Mai 2017, 14:47:44
@Alana Das kann gut sein, dass das nur der englische Begriff ist. Der ist mir vor 5 Jahren als erstes begegnet und da waren darunter nur lauter solche Sachen wie: Frau liebt Dämon, Frau liebt Vampir, Frau liebt Schattenjäger... was auch immer, hauptsache Frau liebt etwas Übernatürliches. Da fallen sicher auch Magier drunter. Aber ich würde den Begriff auch gar nicht weiter definieren. Es ist ein Mix: Fantasy und Romancy, wobei die Romance eine große Rolle spielt und nicht nur die Love Interest ist. Genauer muss man das doch nicht einschränken und ganz ehrlich, viele Bücher fallen unter viele Genre. Ich meine, Faust ist doch auch erstklassige Urban Fantasy oder nicht? ;)
Titel: Re: Was ist eigentlich "Romantasy"?
Beitrag von: Trippelschritt am 03. Mai 2017, 15:06:12
Bastei Lübbe hate einmal einen entsprechenden Aufruf ins Netz gestellt. Vielleicht weiß noch jemand, wann das war. Sie hielten dieses Genre ein bisschen vage, aber deutlich wurde, dass es um eine Liebesgeschichte mit viel Gefühl in einem Fantasy-Setting ging und dass die Zielgrupp junge Mädchen waren.

Liebe Grüße
Trippelschritt
Titel: Re: Was ist eigentlich "Romantasy"?
Beitrag von: Zit am 03. Mai 2017, 16:15:25
Hm, meine Erfahrung mit Buchhändlern zeigt, dass die auch nicht wissen, was Romantasy ist. Die kriegste vielleicht noch mit Urban Fantasy, wobei ihnen da zumeist auch nur der Romance-Anteil einfällt. Oder es läuft halt einfach alles unter Fantasy. Ich habe zumindest auch nicht den Eindruck, dass sich der Begriff wirklich bei Lesern festgesetzt hat.
Titel: Re: Was ist eigentlich "Romantasy"?
Beitrag von: Alana am 03. Mai 2017, 19:01:41
Ja, für mich hat Romantasy auch einen ganz eindeutigen Jugendbuchklang, eben alles, was so in die Twilight Schiene fällt. Aber das kann auch subjektiv sein. Ich nenne meine Sachen inzwischen einfach romantische Fantasy. Da weiß jeder, was gemeint ist. Und Romance kann auch sehr tiefgründig sein, will ich nur mal anmerken. ;)
Titel: Re: Was ist eigentlich "Romantasy"?
Beitrag von: Denamio am 03. Mai 2017, 19:37:59
Zitat von: Zitkalasa am 03. Mai 2017, 16:15:25
Hm, meine Erfahrung mit Buchhändlern zeigt, dass die auch nicht wissen, was Romantasy ist. Die kriegste vielleicht noch mit Urban Fantasy, wobei ihnen da zumeist auch nur der Romance-Anteil einfällt. Oder es läuft halt einfach alles unter Fantasy. Ich habe zumindest auch nicht den Eindruck, dass sich der Begriff wirklich bei Lesern festgesetzt hat.

Also hier in der Buchhandlung hat es eigene Regale für Romantasy und da ist auch nur drin, was ich als solches bezeichnen würde. Also Bücher mit einem Primärfokus auf Liebesgeschichten und erst im zweiten Schritt einer Fantasywelt.
Allerdings ging das Ganze auf Kosten der Fantasyabteilung, die vollständig aussortiert wurde. Einzig G.R.R. Martin liegt noch in der Bestseller Kiste, alles andere ist spurlos verschwunden. Sanderson, Butcher, Bradley, Canavan und Co nur noch mit Verweis auf Onlinebestellung bei ihrem Webshop (haha, nein).

Und persönlich klingt ja bereits mit was Romantasy für mich ist. Vom Wort her eine Zusammensetzung aus Romance und Fantasy mit starkem Fokus auf ersterem.
Titel: Re: Was ist eigentlich "Romantasy"?
Beitrag von: Klecks am 04. Mai 2017, 05:59:28
Ich hätte spontan auch zwischen Romantasy und Paranormal Romance unterschieden. Romantasy ist für mich eine (romantische) Liebesgeschichte, oft mit einem "Urban Fantasy"-Setting, aber auf jeden Fall mit deutlicher Fantasy und dem Fokus eher auf der Liebesgechichte. Paranormal Romances sind für mich auch eher romantische Fantasy-Geschichten, in denen sich menschliche und nichtmenschliche Fantasy-Wesen (sei es Vampire, Werwölfe, ...) ineinander verlieben. Aber keine Ahnung, wieso ich das so sehe.  :hmmm:

Ich bin sicher, dass es richtig viele tolle Romantasy-Romane gibt, aber als ersten Reflex denke ich da an das Klischee "Prota verliebt sich in geheimnisvollen, attraktiven Kerl und muss sich von ihm retten lassen und schmachtet ihn sehnsüchtig an und ihr Leben ist sinnlos ohne ihn". Vielleicht ist es tatsächlich eine Genrekovention, die die Verlage umgesetzt sehen wollen und die es deshalb oft gibt (weil sie meinen, dass das die Leser wollen), vielleicht täusche ich mich mit dem Eindruck aber auch und tue dem Genre Unrecht. Das wäre jedenfalls meine erste Reaktion auf das Genre.

@Alana, interessanterweise definiere ich "romantische Fantasy" nochmal anders als Romantasy. Da denke ich nicht an Klischees, sondern an eine (tiefgründigere, ernsthaftere) Liebesgeschichte und ein Fantasy-Setting, und auf beidem könnte meiner Meinung nach das Hauptaugenmerk liegen.  :D
Titel: Re: Was ist eigentlich "Romantasy"?
Beitrag von: Maria am 05. Mai 2017, 10:03:32
Danke für euer Feedback.

Ich bin ein bisschen weiter, aber immer noch ratlos, ob Schattenthron jetzt Romantasy genannt werden sollte oder nicht.

Es ist kein Urban Fantasy Setting, sondern ein Märchenfantasysetting.
Die Romanze bekommt etwa 1/5tel Anteil und entwickelt sich langsam. Nix Hirn gegen Zuckerwatte-Tausch bei der Prota als sie ihn erblickt.

Andere Geschenisse stehen ebensosehr im Vordergrund wie die Romantik.

??? Okay.  Romantasy oder nicht?

Titel: Re: Was ist eigentlich "Romantasy"?
Beitrag von: Steffi am 05. Mai 2017, 10:08:08
Ich denke, was du dich fragen solltest ist: Ist dein Buch ein Liebesroman im Fantasysetting?

Oder ein Fantasyroman, in dem es auch eine Liebesgeschichte gibt?

Ersteres wäre Romantasy, zweiteres ein Fantasybuch mit ein bisschen Romantik ;)
Titel: Re: Was ist eigentlich "Romantasy"?
Beitrag von: Dämmerungshexe am 05. Mai 2017, 10:20:55
Manchmal habe ich den Eindruck, dass Geschichten, in denen irgendwo eine Liebesgeschichte vorkommt gerne als "Romance" vermarktet werden obwohl sie es nciht unbedingt sind (da die Liebesbeziehung nicht Dreh-und-Angelpunkt der Handlung ist), einfach, weil es sich besser verkauft. Zumindest bei einer gewissen Zielgruppe, die ihr bevorzugtes genre sehr intensiv konsumiert. Dabei werden ab und an andere Leser abgeschreckt, die mit dem Begriff nicht viel anfangen können. Was Schade ist, aber offenbar in Kauf genommen wird. Das Schubladendenken ist halt fürs Marketing wesentlich einfacher zu handhaben.

Andererseits gibt es auch echte Romance, die nicht als solche Vermarktet wird, weil sie mit den üblichen Konventionen bricht und durch andere Aspekte ein völlig anderes Publikum anspricht. Niemand würde "Die Matrix" als Liebesfilm bezeichnen - aber der Satz "Ich liebe dich." (von Trinity an Neo) löst den zentralen Konflikt (dass Neo seine Bestimmung annimmt).
Titel: Re: Was ist eigentlich "Romantasy"?
Beitrag von: Lothen am 05. Mai 2017, 13:24:38
@Maria : Ich glaube, eine echte Antwort kriegst du nur, wenn du dich bewirbst und mal schaust, was passiert. ;) Da es keine allgemeingültige Definition gibt, hängt die Entscheidung letztlich von der Marketing-Strategie des Verlags ab, und die kann keiner vorhersehen, der nicht drinsteckt.

Ich kann dein Dilemma aber nachvollziehen. Ich versuche mich einfach immer zu fragen: Könnte die Geschichte auch ohne die Romanze als eigenständige Story existieren? Wenn ja, ist es keine Romantasy, sondern - wie Steffi sagte - Fantasy mit Lovestory. Wenn nein, würde ich es als Romantasy bezeichnen.

Wobei ich, wie einige vorher schon anmerkten, die Zielgruppe berücksichtigen würde. Romantasy richtet sich nach meinem Empfinden an junge Frauen, dementsprechend sind auch die Protagonisten in der Regel im selben Alter (im Jugend- bis jungen Erwachsenenalter). Und die Protas sind in der Regel weiblich.