• Willkommen im Forum „Tintenzirkel - das Fantasyautor:innenforum“.
 

Zeitrechnung

Begonnen von Kolibri, 08. Dezember 2009, 17:20:42

« vorheriges - nächstes »

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Lothen

@ Assantora: Wow, das klingt ja wirklich komplex  :lehrer: Respekt für so viel Arbeit, ich bin ja bei meinem vergleichsweise schlichten Kalender schon wahnsinnig geworden ^^ Ich denke, ich bleibe bei den klassischen Stunden und Minuten, einfach weil ich meine Schludrigkeit kenne - ich glaube, da würde ich recht bald Fehler machen und das wäre mehr als peinlich ;)

@ Fianna: Ich kann deine Bedenken gut nachvollziehen... Die Überlegung, das System zu ändern, basiert darauf, dass meine Hintergrundwelt eher im Low-Fantasy-Bereich verordnet ist, ich aber den Fantasy-Aspekt nicht ganz vernachlässigen möchte. Ich wünsche mir ein paar "Besonderheiten", die die Welt besonders und einzigartig machen und von der Realität abheben. In der Tat ist das gesellschaftliche System, das du erwähnst, in dieser Welt recht nahe am europäischen Mittelalter (das ist auch so gewollt), insofern fällt es als Besonderheit raus.

Fianna

Das irritiert mich. Damit hatte ich niemals Probleme. Es gibt soviele kulturelle Aspekte, das allein wegen des Plots oder Welt oder der logischen Verbindung von beidem etwas ganz eigenes, Tolles entsteht... Das ist eine meiner tiefen Grundüberzeugungen, dass das bei allen Welten/Autoren so ist, man merkt es nur evt selbst nicht wegen Betriebsblindheit oder sonstwas...
... hast Du am Mittwoch oder Donnerstag Lust auf einen Brainstorm-Chat bei FB oder Skype? Ich kitzel gerne aus anderen Leuten Weltendetails heraus, bisher hats auch immer geklappt :)

Schreib mir am besten eine PN, sonst gibts Schläge vom Mod  wegen OT:-D

Mithras

Für meine Welt ist es eminent wichtig, dass sich Tag und Jahr in meiner Welt genauso gliedern wie auf der Erde, da für die Mythologie meiner Welt Astronomie und Astrologie von großer Bedeutung sind. Im Wesentlichen geht es mir darum, dass die Präzession/das Platonische Jahr, d. h. der Zyklus der Verschiebung des Tierkreisrs, genauso funktioniert wie in unserer Welt. Daher muss ein Tag genauso lang sein wie auf der Erde, und das Jahr aus ebenso vielen Tagen bestehen, da sich der kosmische Hintergrund ansonsten nicht automatisch in das Kalendersystem einfügen würde, sondern neu berechnet werden müsste.

Zweitrangig ist jedoch, wie sich diese 365,25 Tage nun zu Wochen und Monaten zusammenfügen. Nach anfänglichen Versuchen, einer meiner Kulturen, für die die Zahlen 8 (= Symbol der Unendlichkeit) und 12 (= Zahl der Tierkreiszeichen) eine immense Rolle spielen, ein System aufzudrücken, das beide Zahlen berücksichtigt, musste ich feststellen, dass das System bei feststehender Jahreslänge nur schwer aufgeht, wenn ich versuche, eine gerade Zahl von Wochen in einen Monat zu quetschen. Es wird daher wohl darauf hinauslaufen, dass sich beide Systeme überschneiden und Wochen und Monate nicht korrespondieren. Schaltjahre wird es natürlich auch geben; der zusätzliche Tag wird dann als letzter Tag des Jahres eingeschoben und als Chodadad, als Geschenk Gottes, begangen.
Die Zeitrechnung beginnt - ganz klassisch - mit der göttlichen Offenbarung, die zugleich ein Ende der Fremdherrschaft und die Entstehung eines neuen Großreiches einläutet. Ironischerweise wurde das Kalendersystem der Fremdherrscher jedoch von der neuen Religion übernommen, während bis dahin in diesem Kulturkreis der Mondkalender verwendet wurde. Der Sonnenkalender eignet sich jedoch viel besser für die Zeitrechnung - gerade in Hinblick auf die religiösen Aspekte - und wird daher für die offzielle, religiöse Zeitrechnung wie auch in der damit untrennbar verbundenen Sternenkunde verwendet. In einigen Regionen hat sich der Mondkalender allerdings noch immer für den alltäglichen Gebrauch halten können und existiert parallel zum Sonnenkalender.
Tages- und Monatsnamen stehen bis auf wenige Ausnahmen noch nicht fest.

Das Kalendersystem einer anderen Kultur basiert 1 zu 1 auf unserem gregorianischen Kalender, dazu gibt's nicht viel zu sagen. Die Zeitrechnung beginnt ebenfalls mit einer religiösen Offenbarung, während Tages- und Monatsnamen auch hier noch nicht existieren.

In meinem Kopf - und mittlerweile auch auf Papier - existiert eine ausführliche Chronologie der letzten drei Jahrtausende. Zeitalter als festgelegte Kategorien kommen bei mir natürlich nicht vor, da jeder Teil meiner Welt anders tickt und es keine Ereignisse von globaler Bedeutung geben kann, die Anfang und Ende eines Zeitalters markieren könnten. Dieses Zeitalter-Konzept der klassischen Fantasyliteratur halte ich allgmein für sehr gewagt und unrealistisch.

Volker

Im MegaTraveller Science-Fiction-Rollenspiel haben sie die Wochen ganz weggelassen:

  • Alle Tage im Jahr sind schlicht 1-365 bzw. 366 durchnumeriert
  • Wochentage: Onday, Twoday, Threday, Forday, Fiday, Siday, Senday (zumindest so im Wesentlichen, wenn ich mich rictig erinnere)
  • Tag 365 hat einen besonderen "Wochentagsnamen":  Holiday!
  • (den Namen des Schalttages habe ich vergessen)

Bei 8 Wochentagen in 365.25 Tagen sind das 45 Wochen und 6.25 "übrige" Tage.
45 Wochen plus eine "angebrochene" auf 12 Monate aufteilen?


Wie wäre es mit einem ähnlich "krummem" Ansatz wie bei Megatraveller:
11 Monate zu je 4 Wochen - plus ein kurzer, 14 bzw. 15 tägiger, heiliger Feiertags-(Halb)Monat?
Nach 11 Monaten ist das reguläre Jahr "zu Ende" und alle warten/feiern/hoffen/beten auf die Wintersonnenwende, die dann das Jahr abschließt - wann immer sie auch kommt (Dank der fleißig opfernden Priester meist schon nach 14-15 Tagen...)
;-)

canis lupus niger

#34
Ein "halber" Monat ist, finde ich, schwierig zu begründen, nicht, von der Sache her (Feiertagsmonat), sondern von der Entstehung her. Ein MONaT leitet sich ja eigentlich von der astronomischen Erscheinung einer Mondphase her. Deshalb kann eine andere Welt mit einem schnelleren oder langsameren Mond (oder mehreren!) auch eine ganz andere Zeitrechnung haben. Eine Kultur/Zivilisation, die sich von der altertümlichen Beobachtung eines Trabanten unabhängig gemacht hat, kann natürlich jede beliebige andere Zeitrechnung haben , z.B. Sternzeit 321157,3 (Logbuch der Enterprise, Captain Picard ...)  :winke:

Mithras schrieb:
"Zeitalter als festgelegte Kategorien kommen bei mir natürlich nicht vor, da jeder Teil meiner Welt anders tickt und es keine Ereignisse von globaler Bedeutung geben kann, die Anfang und Ende eines Zeitalters markieren könnten. Dieses Zeitalter-Konzept der klassischen Fantasyliteratur halte ich allgmein für sehr gewagt und unrealistisch."
Andererseits könnten Angehörige einer bestimmten lokalen Kultur so überheblich sein, ihre Zeitrechnung (und damit ihre Festlegung von Zeitaltern) dorthin mitzunehmen, wohin sie gehen, bzw. wo sie erobern, missionieren  und kolonisieren. Unsere christlichen Missionare und Kolonisatoren (heißt das so?) haben ja auch in Südamerika und Asien die Jahre seit "Christi Geburt" gezählt. In Mittelerde sprach man unter den Elben und elbennahen anderen Kulturen allgemein vom dritten Zeitalter der Sonne. (Welche Zeitrechnung hatte man wohl in Harad?). Und auf Pratchetts Scheibenwelt hatte man das Zeitalter des Flughunds, wohin die Leute aus Ankh-Morpork auch gereist sind. Das muss man nicht so machen, aber wenn man will, kann man das auch ganz schön zum Belegen kultureller Missverständnisse verwenden.
-Als XY das Andersland erobert hat, war gerade das Jahr des überfahrenen Eichhörnchens, erinnerst du dich?
-Das Jahr des WAS?
- Ach ja , nach eurer Zeitrechnung war es ja das elfte Regierungsjahr eures Königs Ganzbesondersrumreich, des fünfzehnten aus der Dynastie der Kleinenteppichbeißer.
- Stimmt. Warum sagst du das nicht gleich? 
   

Mithras

#35
Zitat von: canis lupus niger am 13. März 2014, 19:18:52Andererseits könnten Angehörige einer bestimmten lokalen Kultur so überheblich sein, ihre Zeitrechnung (und damit ihre Festlegung von Zeitaltern) dorthin mitzunehmen, wohin sie gehen, bzw. wo sie erobern, missionieren  und kolonisieren.
Das sind aber auch zwei Paar Stiefel - das eine wird von den Charakteren/Kulturen im Buch festgelegt, das andere ist ein Konzept, das der Autor der Geschichte überstülpt. Anderen Kulturen seinen Stempel aufzudrücken oder sie gar auszulöschen ist ja leider etwas allzu Normales, doch wenn man so etwas in einem Buch schildert, ist dem Leser meistens klar, dass er diese Vorstellungen nicht allzu ernst nehmen darf. Grenzwertig wird es, wenn der Autor seiner Geschichte dieses Konzept einfach überstülpt und damit festlegt, dass es so ist. Den ersten Fall kann man als Leser hinterfragen, nicht jedoch den zweiten, den man einfach so hinnehmen muss. Und das stört mich eben, weil es die Komplexität und Vielschichtigkeit einer Welt zum Teil ignoriert.

canis lupus niger

Zitat von: Mithras am 13. März 2014, 21:54:52
Das sind aber auch zwei Paar Stiefel - das eine wird von den Charakteren/Kulturen im Buch festgelegt, das andere ist ein Konzept, das der Autor der Geschichte überstülpt.
[...]
Grenzwertig wird es, wenn der Autor seiner Geschichte dieses Konzept einfach überstülpt und damit festlegt, dass es so ist.

Keine Frage, da hast Du natürlich Recht.

Aber ob das so wirkt, als würdest du Deiner Geschichte etwas Plattes überstülpen, hängt ja auch davon ab, wie eng Du Deinen Leser an Deinen Perspektivträger und dessen kulturellen Hintergrund anbindest. Schreibst Du aus der Sicht eines Charakters, dann wäre es nicht mehr als korrekt, auch dessen kulturellen Hintergrund mitsamt Zeitrechnung vorrangig zu berücksichtigen. Dass andere Charaktere aus anderen Kulturkreisen Deiner Welt andere Zeitrechnungen haben, wird dadurch ja nicht ausgeschlossen.

Wie komplex Du Deine Welt in allen Aspekten gestaltest, bewundere ich sehr. Wir haben uns ja schon gelegentlich darüber ausgetauscht. Auch wenn Du in Deiner Geschichte nicht alles darstellen kannst, was Du gestaltet hast, so wird man doch bemerken, dass diese Komplexität DA ist. Du kannst bei Bedarf jederzeit auf die Hintergrundinformation zugreifen, als handelte es sich um reale Fakten einer realen Welt, ohne Dir irgend etwas aus den Fingern saugen zu müssen.