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LiSA von Qualifiction

Begonnen von Biene, 04. März 2022, 14:24:40

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Biene

Hat jemand von Euch schon einmal das Analyseprogramm LiSA von Qualifiction benutzt?
Ich habe damit vor einigen Wochen meinen Roman Adonia – Schatten der Vergangenheit analysiert. Ich will ihn im Sommer veröffentlichen und ich war neugierig und wollte einfach wissen, wo ich stehe. Es war eine interessante und lehrreiche, aber auch ernüchternde Erfahrung.
Leider hat LiSA den Roman als Liebesroman mit Fantasyanteil eingeordnet. War so aber nicht gedacht. Daher ist der mögliche kommerzielle Erfolg nicht so hoch wie gehofft, denn für einen Liebesroman ist es zu düster (Denn es ist ja auch kein Liebesroman.  >:() und für den durchschnittlichen Fantasyleser ist es wohl nicht genug Fantasy. Abgesehen davon, dass ich das geplante Genre verfehlt habe, bin ich aber, was Stil, Figuren und ihre Beziehungen, Anteil wörtliche Rede etc. gut im Durchschnitt dabei, das passt also. Ich habe ja schon immer geahnt, dass ich nicht wirklich im Mainstream liege, es aber schwarz auf weiß zu sehen, war dann schon ein Schock. Wahrscheinlich verhält es sich bei meinen anderen Romanen ähnlich, dass Fantasy, wenn überhaupt, nur als Secundärthema erkannt wird. Es würde mich nicht wundern, wenn ein Teil in Moderne und Zeitgenössische Belletristik (Sprich, die Schublade wo der Ganze Bums reinkommt, der keinem Genre zugeordnet werden kann.) landet.  Man kann zwar generell Fantasyliteratur als Vergleich einschalten – aber die wird nur bei den Balkendiagrammen angezeigt. Für die anderen Bereiche würde ich gerne wissen, wie die Analyse bei einem Fantasyroman aussieht.
Leider war unter den Demos kein Fantasyroman, so dass ich keinen passenden Vergleich hatte. Hätte jemand von Euch Interesse daran, die Analysen zu teilen? Ich würde auch meine im Gegenzug bereitstellen.
Tu erst das Notwendige, dann das Mögliche, und plötzlich schaffst du das Unmögliche. (Franz von Assisi)

Robin

#1
Also ich muss sagen, dass ich nicht überzeugt bin, als ich mir das angesehen habe.  :-\

Ich hänge vor allem bei der Behauptung, man könnte mit einem Analyseprogramm erfassen, wie erfolgreich ein Buch wird. Das halte ich für eine unhaltbare Aussage. Es gibt zu viele externe Faktoren, die mitbestimmen, wie ein Buch sich auf dem Markt schlagen wird, dass man das mit der Analyse eigentlich gleich bleiben lassen kann.

Es ist zweifellos interessant, dass es so ein Programm überhaupt gibt, aber wie bei so vielem mit Algorithmen würde ich lieber erst mal wissen, wie die überhaupt funktionieren, bevor ich zu viel Wert darauf lege, was hinten wieder dabei raus kommt. Ich habe vergebens gesucht, ob man irgendwo Videos oder Erklärungen bekommt, wie das jetzt tatsächlich aussieht oder funktioniert - vielleicht habe ich nicht richtig gesucht, vielleicht gibt es das aber tatsächlich nicht. Wer weiß.

Fazit ist, ich bleibe weiterhin unüberzeugt, dass sich Texte einfach so von Algorithmen zusammenfassen lassen, und dass man dem wirklich Glauben schenken sollte.


Edit: Habe das Nutzungshandbuch gefunden, und es erklärt irgendwie herzlich wenig. Zudem ich jetzt noch misstrauischer geworden bin. Ich lass mir ja noch einreden, dass es so Dinge kann wie Satzmittellänge zuverlässig auszuspucken, aber spätestens bei der Sentimentanalyse muss ich sagen, sorry. Nein. Was Sprachverarbeitung angeht, sind automatisierte Programme noch immer extrem variabel in Qualität. Ich finde es daher extrem schwer zu glauben, dass es tatsächlich funktionieren soll, dass mir das Programm was zum Spannungsbogen sagt. Zudem... jeder Leser das anders empfinden wird. Ich bleibe daher bei einem "nette Spielerei" für das Programm.
~Work in Progress~

Biene

Ich habe die Vorstellung des Programms bei der Online-Autoren Messe von Jurenka Jurk 2019 gesehen und war von der Vorstellung begeistert, dass man vorab das Potential des Textes abschätzen lassen kann, um dann besser Entscheidungen treffen zu können, z. Bsp. wieviel man für das Selfpublishing investiert. Die Aussage von Qualifiction war, dass dieses Programm bis dato von Verlagen genutzt wurde, um das Potential von eingereichten Manuskripten herauszufinden und so abzuschätzen, ob es sich lohnt. Auf mehrfache Anfrage hin haben sie es  für die Autoren selbst geöffnet.
Vielleicht bin ich zu leichtgläubig, aber ich habe meinen Text in der Analyse wiedergefunden, sowohl was die Stimmung, die Top-Themen, die Figurenverteilung und -verknüpfung angeht, also ganz daneben liegen sie nicht. Genauso kann ich mir schon erklären, wie sie auf das Genre Liebesroman kommen, denn der Algorithmus kann ja nur mit Schlüsselwörtern, bzw. Wortgruppen arbeiten, die für das Genre typisch sind, bzw. häufig auftreten. In dem Roman hat die Hauptfigur diverse Liebhaber und auch die Nebenfigur bzw. Mentorin führt eine Liebesbeziehung und damit treten diese Elemente definitiv deutlicher auf als die Zauberkünste der Hauptfigur. Was das Programm nicht erkannt hat, dass es eigentlich um die Vergangenheitsbewältigung der Hauptfigur geht und diese für den Leser deutlich im Vordergrund steht.
Ich bin jetzt gespannt, ob ich mit den von mir geplanten Maßnahmen für die Veröffentlichung das geschätzte Potential erreichen kann, und ja, ich habe trotz allem die Hoffnung, dass LiSA doch daneben liegt.
Tu erst das Notwendige, dann das Mögliche, und plötzlich schaffst du das Unmögliche. (Franz von Assisi)

Alana

#3
Ich finde das durchaus interessant, würde aber gern wissen, ob es stimmt, dass "alle großen Verlage" es nutzen, wie die Betreiber in einem Artikel behaupten. Dem Tool ist der Kirschbuch Verlag angeschlossen, die veröffentlichten Bücher sehen durchaus hochwertig aus, haben aber nur wenige Rezensionen und finden sich auch nicht auf den Bestsellerlisten. Das spricht nicht unbedingt dagegen, da ja viele Faktoren für einen Bestseller zusammenkommen müssen, ist aber auch nicht überzeugend, dass Verlage damit ganz einfach potentielle Bestseller / Selbstläufer finden können.
Ich brauche jetzt kein Entenfett.

Der Inspektor

Zitat von: Alana am 05. März 2022, 12:05:50
Ich finde das durchaus interessant, würde aber gern wissen, ob es stimmt, dass "alle großen Verlage" es nutzen, wie die Betreiber in einem Artikel behaupten.
Vielleicht spricht die Naivität aus mir, aber ich fände die Vorstellung, dass mein Manuskript beim Verlag eventuell gar nicht erst von einem Menschen gesehen wird, ziemlich beunruhigend. Klar, Verlage wollen halt Bücher drucken, die zum Programm passen und sich gut verkaufen, aber trotzdem... Zu hoffen wäre doch zumindest, dass solche Wörterzählmaschinen, die ja nicht ernsthaft etwas über die Qualität eines Textes aussagen können, höchstens zusätzlich mal zum Einsatz kommen, oder? ???
"Ich habe die Schlimmste aller Sünden begangen, die ein Mensch begehen kann. Ich war nicht glücklich." -Jorge Luis Borges, Die Reue

Alana

Natürlich, diese Vorstellung gefällt mir auch nicht. Ich würde sagen, ich glaube das auch nicht, sondern denke, dass es eher zur Unterstützung zum Einsatz kommt, und die Verlage auch nicht rein mit dem Endergebnis arbeiten, sondern die Parameter in ihre Überlegungen einbeziehen. Aber sicher sein kann man da leider nicht. Deswegen wäre es eben gut zu wissen, ob es wirklich bereits großflächig verwendet wird und wie.
Ich brauche jetzt kein Entenfett.

Mondfräulein

Ich glaube nicht, dass das Programm irgendetwas kann, das ein geschulter Mensch, der das Manuskript liest, nicht auch könnte. Ich glaube auch, dass die Analyse fehleranfällig ist. Bestimmte Genres haben mehr Spielraum als andere, bei Romance zum Beispiel haben Leser*innen ganz spezifische Erwartungen und überraschen oder mit Konventionen brechen darf man nur bis zu einem gewissen Grad. Fantasy ist meinem Empfinden nach etwas offener gegenüber ungewöhnlichen Werken (also solchen, die aus den vorgegebenen Mustern ausbrechen), was aber nicht heißt, dass es hier gar keine Erwartungen gibt. Hier verändert sich die Branche im Moment schnell und deshalb bin ich skeptisch, ob der Vergleich mit schon erschienenen Werken der letzten zehn Jahre die Trends wirklich akkurat vorhersehen kann. Das sind alles Dinge, von denen ich nicht sicher bin, ob die Software sie so in die Analyse mit einbeziehen kann wie eine Person, die den Markt gut kennt. Ebenso habe ich gelesen, dass die Software Probleme hat, zwischen verschiedenen Ich-Erzähler*innen zu unterscheiden.

Ich glaube nicht, dass alle Verlage ihre Bücher so auswählen, denn es spielt eben doch mehr eine Rolle als der Text an sich. Etablierte Autor*innen bringen ihre Fans mit. Im New Adult Bereich bekommen immer mehr Autor*innen Verträge, die schon viele Social Media Follower mitbringen. Verlage achten darauf, was sie sonst noch im Programm haben (drei Romane über eine Frau, die nach ihrer Scheidung ein Bed & Breakfast in Irland kauft und renoviert, um sich selbst zu finden, haben vielleicht alle dasselbe Potenzial zum Bestseller, aber kein Verlag würde alle drei zur selben Zeit veröffentlichen). Das Marketing spielt eine große Rolle: Wie sieht das Cover aus? Spricht es Leser*innen an? Passt es zum Genre? Spricht das Buch die richtige Zielgruppe an?

Der Reiz der Software liegt denke ich vor allem in ihrer Effizienz. Ein Buch durch das Programm zu jagen ist schneller und billiger, als eine qualifizierte Person für ihre Zeit und Expertise zu bezahlen. Keine Ahnung, wie viele das Programm schon nutzen und in welchem Umfang, aber für Autor*innen ist es denke ich nur begrenzt hilfreich. Die Analyse für ein Buch kostet 49€ und das finde ich doch eher teuer. Das Geld ist anderweitig glaube ich besser investiert, zum Beispiel in ein professionelles Lektorat. Das Lektorat für ein ganzes Buch ist natürlich wesentlich teurer, aber verschiedene Lektor*innen bieten an, Expose, Leseprobe oder beides für unter 200€ anzusehen und ausführliches, spezifisches Feedback dazu zu geben. Das bringt einem glaube ich wesentlich mehr, denn dabei verbessert man nicht nur dieses Buch, sondern lernt auch viel dazu, was man auf die nächsten Bücher anwenden kann.

Alana

#7
Ich bezweifle vor allem, dass dieses Tool eine Aussage über die Dramaturgie eines Buches machen kann. Das würde aber erklären, warum mir in letzter Zeit immer mehr Marketingschwerpunkttitel ohne dichte Dramaturgie begegnen, besonders am Anfang fehlt mir da oft was. Bisher dachte ich immer, dass ich einfach anders gestrickt bin und dramaturgisch dichte Geschichten lesen will, während vielen Lesern das einfach nicht wichtig ist, was ja völlig ok ist. Aber vielleicht liegt die Erklärung ja in diesem Tool.  8) Als Autor wäre so ein Tool für mich auch gerade für die Dramaturgie interessant, deswegen wäre sehr spannend zu wissen, ob es das vielleicht doch kann und wie gut.
Ich brauche jetzt kein Entenfett.