Tintenzirkel - Das Fantasyautorenforum

Allgemeines => Tintenzirkel => Thema gestartet von: Alaun am 14. Juli 2009, 09:56:23

Titel: Homosexualität im Jugendbuch
Beitrag von: Alaun am 14. Juli 2009, 09:56:23
Hallo liebe Zirkler,

nachdem mir gestern einer meiner Protagonisten im Interview erzählte, dass er schwul ist (und ich so ganz wunderbar elegant ein Plotproblem lösen kann, prima!) frage ich mich gerade, wie verbreitet eigentlich inzwischen gleichgeschlechtliche Liebe in Fantasy-Jugendbüchern ist- kennt sich da jemand aus? Ist das ein "no-go" oder üblich?

Liebe Grüße,
*Alaun



Titel: Re: Homosexualität im Jugenbuch
Beitrag von: Koriko am 14. Juli 2009, 10:04:02
Also ich schreibe ja auch Jugendbücher und ja bei mir sind auch einige Nebencharas, teilweise sogar Hauptcharaktere homosexuell, dass ich wohl dasselbe Problem habe... leider muss ich sagen, dass soetwas überhaupt nicht gut ankommt. Ich hatte nicht das gefühl, dass Agenturen oder verlage da positiv drauf reagieren und das genauso ablehnen, wie wenn der Chrakater als laster das Rauchen hat, was ja in einem Jugendbuch zumindest im phantastischen Bereich einer Sünde gleichkommt (musste ich mir sagen lassen...).

Helden besonders jugendliche sollten immer ein Vorbild sein, sprich keine großen negativen Mängel haben... somit denke ich, du solltest dich damit eher zurückhalten. Von S&A weiß ich, dass sie mal ein Manuskript hatten, was Homoerotik am Rande mit behandelt, nach über einem Jahr Verlagssuche letztendlich doch ablegen mussten, da das nicht vermittelbar war... egal wie gut der Autor ist.

Bei mir habe ich alle Hinweise komplett gestrichen und auch wenn mein Prota nicht mit einem Mädel im Arm am Ende dasteht, sollte man nichts mehr von seiner Neigung merken...
Titel: Re: Homosexualität im Jugendbuch
Beitrag von: Alaun am 14. Juli 2009, 10:08:10
Oho, das ist ja mal spannend... Hätte ich jetzt gar nicht vermutet, dass es da doch so starke Berührungsängste zu geben scheint  :hmmm: Schließlich wird doch immer und überall die Toleranz auf die Fahnen geschrieben, nicht wahr? Aber vielleicht gilt die Vermittlung von Toleranz nur für manche Lebensbereiche.

Ich werde mal sehen, wie ich meine Figur trotzdem glücklich machen kann. Die Andeutung, dass 2 sich nicht kriegen, weil es in der Gesellschaft so nicht gewünscht ist, wäre ja vielleicht ok, oder? Da könnte man die Intoleranz auch noch mal "versteckt" auf der Ebene behandeln.
Titel: Re: Homosexualität im Jugendbuch
Beitrag von: Felsenkatze am 14. Juli 2009, 10:17:29
Also, in den Wilden Hühnern von Cornelia Funke ist eines der Mädchen lesbisch. Das stellt sich im Laufe des ... ich glaube fünften Buches heraus und wird sehr einfühlsam behandelt aber auch deutlich thematisisert wegen Toleranz und all dem.

Ich glaube, es gibt einen Unterschied zwischen "einfach nur" homosexuellen Charakteren und Homoerotik. Gerade im Jugenbuch würde ich sowieso nicht so sehr auf die erotische Seite abheben, und im Wesentlichen von Verliebtheit reden, höchstens andeuten, dass sie "es" getan/nicht getan haben, zumindest wird das oft so gehalten.
Wenn dein Protagonist also schwul ist, denke ich, ist das kein Problem, so lange du die Schwierigkeiten thematisierst, die sich für ihn dabei auftun. Und zwar nicht nur die mit der Gesellschaft, sondern auch welche, die sich durch sein Selbstempfinden und Selbstbild ergeben. Ich denke, gerade das ist zum Bilden von Toleranz gar nicht so unerwünscht.
Titel: Re: Homosexualität im Jugendbuch
Beitrag von: Falckensteyn am 14. Juli 2009, 10:25:28
Mein persönlicher Eindruck hierzu: Du erschwerst es Dir damit vermutlich. Nicht, weil es ein "no-go" ist, sondern weil es vermutlich grundsätzlich weniger gern gesehen ist.

Die Gesellschaft tut sich oft noch schwer mit Homosexualität, auch wenn überall Offenheit und Toleranz gepredigt wird. Es gibt unterdessen sicher sehr viele, tolerante Zeitgenossen, aber andererseits wohl auch noch viele Leute, die Homosexualität als Krankheit "abtun".

Wenn es für Dich nicht zwingend wichtig ist, dass es in den Deine Geschichte reinmuss, dann würde ich persönlich eher darauf verzichten.

Wobei andererseits, in meinen eigenen Plot hat sich eine Geschwisterliebe eingeschlichen. Das war auch nicht beabsichtigt und ergab sich, als sich die Charaktere bei mir meldeten. Ich bin mir da auch noch nicht so sicher, ob das bei der Leserschaft wirklich ankommen wird.... ::)
Titel: Re: Homosexualität im Jugendbuch
Beitrag von: Coppelia am 14. Juli 2009, 10:37:46
Ein weiterer Grund, dass homosexuelle Figuren einen schweren Stand haben, ist wohl, dass die meisten Leser  lieber über Romanzen zwischen Mann und Frau lesen, weil es ihnen leichter fällt, sich in die Figuren hineinzuversetzen, da sie selbst nicht homosexuell sind. Das muss nicht einmal etwas mit Intoleranz zu tun haben. Daher ist auch nicht zu erwarten, dass sich da so schnell was ändert.
Das Thema hat wohl hauptsächlich Chance in einem "Problembuch".
Als Nebenfiguren sind homosexuelle Charaktere ok, denke ich. Aber genau weiß ich das auch nicht ... wahrscheinlich lässt man das Thema am besten ganz raus, wenn man was verkaufen will.
Titel: Re: Homosexualität im Jugendbuch
Beitrag von: Judith am 14. Juli 2009, 10:44:35
Hm, also im Jugendbuch allgemein scheint es nicht wirklich ein "no-go" zu sein, siehe Andreas Steinhöfel "Die Mitte der Welt" - ein Roman, der auch für den Jugendliteraturpreis nominiert und allgemein sehr erfolgreich war. Und er thematisiert das ja auch in "Beschützer der Diebe", das sich an eine jüngere Zielgruppe (so ca. 12) richtet und kein "Problembuch" in dem Sinne ist.
Von daher hätte ich da jetzt nicht so ein Problem gesehen. Aber vielleicht ist das im Fantasybereich wirklich problematischer.  ???
Titel: Re: Homosexualität im Jugendbuch
Beitrag von: Jara am 14. Juli 2009, 11:52:23
Das Homosexualität in Jungendbüchern wirklich ein "no go" sein soll, erschüttert gerade schon sehr meinen Glauben in unsere Gesellschaft.
Ich würde ja gerne auf ziemlich bekannte Fantasy - Bücher hinweisen, die sich mit dem Thema am Rande oder auch etwas mehr beschäftigen, aber die fallen alle nicht in die Sparte Jugendbücher, sondern sind für älteres Publikum angelegt.
Ich vermute, dass es stimmt, dass es einfach nicht ankommt. Ich allerdings würde meinem Prota seinen Willen lassen, auch auf die Gefahr hin, dass der Roman keinen Abnehmer findet. Da schreibe ich lieber nur etwas für mich, als meinen Plot über den Haufen zu werfen . . .
Aber ich schreibe auch nicht so viele Jugendbücher, daher habe ich eventuell doch Chancen auch mit meinen homosexuellen Charas.
Echt ein blödes Thema  :P.
Titel: Re: Homosexualität im Jugendbuch
Beitrag von: Maja am 14. Juli 2009, 12:14:08
Wenn Homosexualität in Jugendbüchern wirklich ein Nogo sein sollte, ist das nur ein Grund mehr, das Ganze zu thematisieren. Es sind zu viele Schwule für ihr Schwulsein umgebracht worden, als daß ich da vor dem Markt und der Gesellschaft einknicken wollen würde. In Litauen ist es übrigens jetzt verboten, Homosexualität gegenüber Jugendlichen auch nur zu erwähnen, angeblich, weil man ihnen keine schlechten Ideen geben will - und damit weigere ich mich, auf einer Stufe zu stehen.
Ich bin selbst bisexuell und habe kein Interesse, mich deswegen zu verstecken, und viele potenzielle Leser sind ebenfalls homo- oder bisexuell, auch schon im Jugendalter - soll das für die etwa keine Bücher geben? Soll man das als etwas Abartiges thematisieren? Doch bitte nicht!

Ich habe in der Elomaran-Geschichte (die allerdings nicht direkt auf jugendliche Leser ausgerichtet ist, aber das hat andere Gründe) einen stockschwulen Protagonisten, und die Leserrückmeldungen, die ich wegen des Buches hatte, haben sich noch nie darüber aufgeregt (sondern über ganz andere Dinge). Leute, die sich an der Sexualität meiner Figuren stoßen, möchte ich nicht als Leser haben.

Ich finde es schlimm genug, daß Homosexualität in Büchern immer noch als Problem thematisiert werden muß, daß es nicht genauso beiläufig abläuft wie jede andere Art von Liebe - ein Fantasybuch, wo es genau so funktioniert, ist "Die Tür ins Feuer" von Diane Duane, das war auch das erste homosexuelle Liebespaar, dem ich in der Fantasy begegnet bin (wiederum kein Jugendbuch). Das Buch ist von 1979. Inzwischen sollte sich die Welt doch eigentlich zum Positiven verändert haben.
Titel: Re: Homosexualität im Jugendbuch
Beitrag von: Lomax am 14. Juli 2009, 12:26:01
Vermutlich trete ich jetzt einigen Leuten auf die Füße - aber ich denke, bei dem Thema muss das auch mal erwähnt werden. Nicht zuletzt um denjenigen, die über das Thema schreiben, Gelegenheit zu geben, das eigene Werk dementsprechend kritisch zu hinterfragen ...
  Wenn es bei Verlagen Vorbehalte gegen "schwule Themen" gibt, muss das nicht  nur mit Vorbehalten gegen ein heikles Thema an sich zu tun haben, oder gar mit Vorurteilen. Was auffällt, wenn man sich in der Branche eine Weile bewegt, ist, dass es wahnsinnig viele junge Frauen bis 25 gibt, die über "schwule Helden" schreiben ... und bei den meisten dieser Autorinnen verliert sich diese Vorliebe danach, weil sie kein Ausdruck eines literarischen Anliegens ist, sondern schlicht Teil eines Prozesses der persönlichen Selbfindung. Was auch immer dabei nun aufgearbeitet wird: Man merkt den Texten an, dass sie das Thema nicht angemessen und/oder glaubwürdig bearbeiten. Und schreiben als Aufarbeitung persönlicher Entwicklungsstufen bringt selten das hervor, was Verlage wollen - es fehlt dann einfach die Distanz, um ein Thema professionell zu bearbeiten (ich sage bewusst "selten", weil es doch einige Bücher dieser Art gibt, die sich ganz gut vermarkten lassen - wenn sie nämlich genau das Publikum ansprechen sollen, das gerade dieselben Entwicklungen verarbeitet. Ich will also auch nicht ganz davon abraten, es nicht trotzdem damit zu probieren ;)).
  Ich für meinen Teil habe jedenfalls schon so viele Texte zum Thema, mit immer denselben thematisierten Problemen und immer derselben Zuordnung zwischen Thema und Lebensstation der Autorin, gelesen, dass sich das bei mir irgendwann festgebrannt hat. Wenn ich inzwischen, auch als Lektor und Gutachter, ein Buch mit einem schwulen Protagonisten von einer U25(oder U30)-Autorin sehe, neige ich mittlerweile dazu, es gar nicht mehr genauer anzusehen, sondern gleich in die Schublade zu stecken mit dem Etikett: "Warum sollte man etwas lesen, was die Autorin selbst in ein paar Jahren nicht mehr anschauen würde"?
  Das mag im Einzelfall ungerecht sein, aber 99% der Manuskripte aus dieser Kategorie, die am Markt kursieren, sind genau so. Und in erster Linie geeignet als Fanfic für dieselbe Alters- und Interessengruppe. Man kann davon ausgehen, dass auch andere Lektoren das inzwischen festgestellt haben, und dass das wesentlich dazu beiträgt, das solche Manuskripte bei Verlagen einen schweren Stand haben.
  Ich weiß also nicht unbedingt, wie, in welchem Marktsegment und bei welchen Verlagen vielleicht echte Vorbehalte gegen "schwule Themen" verbreitet sind. Ich würde nur sagen, dass man, wenn man diese Themen anbietet, am besten (1) ein Mann, oder (2) über 30 sein sollte ... oder (3) dass man andernfalls bei seinem Angebot sehr genau und überzeugend begründen muss, warum man nicht "die übliche Jungmädchenschwulengeschichte" geschrieben hat, sondern ein Buch, dass sich an ein Publikum wendet und auch für einen Verlag interessant sein könnte. Jedenfalls dann, wenn man das wirklich begründen kann ;)

Tut mir leid, wenn sich jetzt jemand abqualifiziert fühlt, vor allem Angehörige der beschriebenen Altersgruppe, und vor allem solche, die glauben, sie hätten etwas ganz anderes und viel originelleres geschrieben. Wie gesagt, im Einzelfall mag das ja stimmen, und ich maße mir nicht an, jetzt ein Pauschalurteil über alle diese Werke abzugeben.
  Aber nach 20 Jahren Fandomerfahrung und 10 Jahren Arbeit für einen Großverlag ist bei mir deutlich der "gefühlte Eindruck" zurückgeblieben, dass jedes deutsche Mädchen zwischen 16 und 25 zumindest eine solche Geschichte mit schwulen Protagonisten schreibt (und das ich darum jetzt vermutlich gerade jeder Autorin im Forum auf die Füße getreten bin :-X). Ich bitte nur um Verständnis für die Ermüdungserscheinungen, die sich bei den Lektoren zu diesem Thema einstellen, nachdem sie ein paar Jahre lang mit mit solchen ewig gleichlaufenden Texten überflutet wurden - das macht dem Thema gegenüber nicht unbedingt aufgeschlossener, selbt wenn ein Verlag prinzipiell nichts dagegen hätte, auch homosexuellen Figuren in Romanen einen Platz einzuräumen.
Titel: Re: Homosexualität im Jugendbuch
Beitrag von: Falckensteyn am 14. Juli 2009, 13:12:27
Inzwischen sollte sich die Welt doch eigentlich zum Positiven verändert haben.

Sie sollte, aber ich habe das dumpfe Gefühl, dass sie es nicht tat. Es wird immer Kontroversen auslösen und man wird es nie für alle auf einen Nenner bringen. Vor ca. 1 Jahr habe ich einen Fernsehbeitrag gesehen über die Diskrimierung von Homosexuellen in Russland. Übelstes Mittelalter, was dort abgeht.

Ich bin weder homo- noch bisexuell und hatte auch nie solche Fantasien. Es ekelt mich wenn ich daran denke, wie das wohl wäre. Aber ich habe immerhin gelernt, eine Toleranz zu entwickeln und jede/r Mann/Frau nicht aufgrund seiner Vorlieben zu respektieren. Aber wenn sich ein Fantasy-Buch ausschliesslich um dieses Thema drehen würde, dann würde ich es wohl nicht lesen wollen.
Titel: Re: Homosexualität im Jugendbuch
Beitrag von: Koriko am 14. Juli 2009, 13:40:38
Also grundsätzlich denke ich, muss man zwingend unterscheiden zwischen:

Jugendbuch, dass sich mit realen problemen beschäftigt, sprich Drama, Gesellschaftsromane etc. (z.B. "Adrian Mayfield")

Jugendbuch mit phantastischen Themen, Sci-Fi, M;ystery etc. sprich alles, was nicht unbedingt das Coming-Out und die damit verbundenen Probleme als Thematik hat, sondern eine andere Geschichte.

Ist bei "erwachsenen" Romanen auch so... ich habe das gefühl, da unterscheidet man gerne udn gerade bei Fantasy denke ich manchmal, dass man doch sehr nach dem Motto arbeitet: "Schuster bleib bei deinen Leisten". Für Homoerotik sind die Alltagsstories da, bei Fantasy bleiben wir lieber bei dem altbewährten, sprich nichts homosexuelles oder anders geartetes.

Mag sein, dass es Ausnahmen gibt, doch gerade dabei hängt es stark davon ab, in welchem Land man als Autor lebt... Deutschland erscheint mir da immer wieder extrem dagegen zu sein, egal wie offen man tut, während man in anderen Ländern weitaus offener damit umgeht. Sicher... Cornelia Funke wäre eine Ausnahmen, aber sie ist alteingesessen udn beliebt... wieviele werden da schon noch was gegen sagen, zumal "Die wilden Hühner" glaube ich nicht unbedingt Fantasy ist, sondern auch eher Alltag, wo das wieder funktioniert.

Wie gesagt, das sind meine Erfahrungen und bisher hatte ich das Gefühl immer gegen eine Wand zu laufen, nur weil in einem Fantasybuch jemand nicht normal gepolt ist.

Titel: Re: Homosexualität im Jugendbuch
Beitrag von: Karin am 14. Juli 2009, 13:52:41
Ich denke, es kommt wohl auch darauf an, wie es gemacht ist.
In G. G. Kays "Reise nach Sarantium", das das alte Byzanz als Vorbild hat, ist es absolut normal, dass ältere, reiche Männer sich junge Geliebte nehmen, weil es in der damaligen Zeit eben so war. Da wird nicht einmal irgendein Aufhebens darum gemacht, auch im Buch nicht, schließlich hat das Buch eine ganz andere Handlung. Es wird eben bemerkt, so wie andere Eigenschaften oder Gewohnheiten eines Charakters auch.

Schwierig würde es wohl, wenn man eine Coming-Out-Geschichte in ein Fantasy-Setting packt, denn in Fantasy erwartet man wohl doch etwas anderes als Hauptthema als Gesellschaftskritik oder nur Romanze, egal ob homosexuell, bisexuell oder heterosexuell.
Aber Nebenpersonen, die nun einfach mal schwul sind, sollten wohl kaum stören. Homoerotik im Jugendbuch würde ich aber auch ablehnen - ebenso wie jede andere Erotik. Das muss ja nicht sein, schließlich kann man doch ganz gut und ohne Verlust ausblenden.

@ Lomax: Deine Ermüdungserscheinung kann ich gut verstehen. Mir geht es auch bei vielen Themen so, einfach wenn sie zu oft vorgekommen sind. Sehe ich einen Drachen auf einem Cover, ist das Buch für mich schon gestorben.
Oder eine schwule Romanze mit dem Inhalt: verliebt in den besten Freund, der dann natürlich - oh Zufall! - auch noch schwul und zurückverliebt ist. Na ja: gähn! Es ist immer ein Problem, wenn etwas schon zu oft da war, egal um welches Thema es sich handelt.
Titel: Re: Homosexualität im Jugendbuch
Beitrag von: Alaun am 14. Juli 2009, 13:59:47
Hallo,

das sind ja jede Menge aufschlussreiche Antworten, erstmal Danke für euer reges Interesse an dem Thema!
@Lomax: da kann ich ja froh sein, dass ich 31 bin und folglich eventuell selbst als Frau über Homosexualität schreiben darf, da schon weit genug in meiner Entwicklung vorangeschritten  ;) Nein, ich verstehe Deine Sichtweise und die Probleme, die sich da anscheinend im Verlagswesen auftun. Und ich finde es gut, das Du es so offen anmerkst. Man sollte wirklich wissen, auf was man sich einlässt, wenn man sich an "heisse Eisen" wagt.

Wobei ich es auch traurig finde, dass es immer noch ein "heisses Eisen" zu sein scheint, da sehe ich es wie Maja. Eigentlich wäre das ein Grund, erst Recht etwas diesbezügliches zu schreiben ( und den Roman so unglaublich gut zu machen, dass ihn einfach niemand ablehnen kann - jaja, nichts einfacher als das... ::))

Hm, schwierig.  :hmmm: Da meine Figur nicht die Hauptfigur ist, könnte es dennoch hinhauen, ohne schon nach dem ersten Blick ins Exposé bei den Lektoren durchzufallen. Es würde kein "schwules Buch" werden, aber dieser Teil wäre ein (nicht unwichtiger) Nebenhandlungsstrang.
In diesem Zusammenhang würde es mich reizen, es auszuarbeiten und ich glaube, ich werde das machen. Zum einen, weil die Figur es verlangt und es mir schlüssig erscheint. Zum anderen, um es drauf ankommen zu lassen. Und wenn das Buch dann letztendlich alle Hürden beim Verlag umschifft, dann geb ich ne Runde Prosecco aus  ;D
Titel: Re: Homosexualität im Jugendbuch
Beitrag von: Jara am 14. Juli 2009, 15:55:00
Mir ist nach langem Überlegen (obwohl ich das Buch erst vor ca 4 - 5 Wochen gelesen habe, was gegen meine grauen Zellen spricht) ein gutes Beispiel eingefallen.

Die Gilde der Schwarzen Magier von Trudi Canavan, Ich weiß nicht, ob du es gelesen hast. Es handelt sich um eine Triologie und so ab Ende von Band 2 wird sehr deutlich, dass eine der wichtigen Nebenfiguren schwul ist.
Es ist nicht die Haupthandlung sondern ein Nebenstrang, der für die Handlung durchaus essentiell ist. Das Ganze wird insofern problematisiert, als dass die Autorin verschiedene Völker geschaffen hat, die sich wohl sehr an unserer Welt orientiert haben. Darunter natürlich auch einige, die dem ganzen absolut intolerant gegenüberstehen und andere die es lockerer sehen.
Es wird auch ausdrücklich auf die Beziehung der beiden verwiesen, auch wenn natürlich nichts deutlicher beschrieben wird.
Das Buch ist zwar ein Allager allerdings bei Amazon ab 12 empfohlen also für mich ein Jugendbuch.
Von mangelndem Erfolg der Reihe kann man auch nicht sprechen. Ich habe noch nicht mal gehört, dass sich irgendwer auch nur ein bisschen daran gestoßen hat.

Das nur um dir Mut zu machen :knuddel:.
Titel: Re: Homosexualität im Jugendbuch
Beitrag von: Lomax am 14. Juli 2009, 17:41:19
da kann ich ja froh sein, dass ich 31 bin und folglich eventuell selbst als Frau über Homosexualität schreiben darf
Ja, wenn du den Lektor dann noch davon überzeugen kannst, dass du da keine Altlast loswerden willst, dann wird dein Manuskript vielleicht doch ernsthaft geprüft  ;D
Die Gilde der Schwarzen Magier von Trudi Canavan,  ...
Das Buch ist zwar ein Allager allerdings bei Amazon ab 12 empfohlen also für mich ein Jugendbuch.
Hm, ich hätte Canavan jetzt nicht als explizites Jugendbuch gerechnet ... Aber ich denke mal, mit einer Nebenfigur sollte das sowieso kein so großes Problem sein. Das "typische" sind halt eher die Coming-out-Geschichten, bei denen die Homosexualität des Helden und der Umgang damit und das schwere Leiden daran das Hauptthema sind, und zugleich auch das, was den Helden besonders interessant machen soll und im Mittelpunkt steht. Solange die Homosexualität nicht das Thema ist, kann sie auf jeden Fall vorkommen, und ich vermute mal im Jugendbuch in demselben Maße, wie Sexualität allgemein im Jugendbuch Platz findet: Nicht explizit, nicht mit dem Schwerpunkt auf erotisch, sondern alles in allem mehr "in der Schwebe".
  Man sollte halt vor Augen haben, wer sich dafür interessiert: In erster Linie natürlich die Betroffenen. Insofern kommt Homosexualität als "großes" Thema natürlich immer wieder in den entsprechenden Nischenverlagen. Als großes Aufklärungsthema für Nicht-Betroffene - ist man als Autor einfach 30 Jahre zu spät dran. Da sollte man dann auch darauf achten, dass es in dem Maße inszeniert wird, wie alles andere, was die Zielgruppe nur am Rande interessiert: Wie die Liebesgeschichte in Actions-Stories für Männer oder Gewalt in Liebesromanen; Wie Fußball in Mädchenbüchern oder Ponys in Jungsbüchern - klar kann das alles dort vorkommen und kommt es auch oft genug. Wenn man allerdings versucht, diese Themen zu zelebrieren, schreibt man leicht an den Zielgruppen vorbei.
Titel: Re: Homosexualität im Jugendbuch
Beitrag von: Hanna am 14. Juli 2009, 18:13:14
Trudi Canavan wollte ich auch anführen, aber da war ich noch im Büro, wo ich zwar lesen aber nicht posten kann.

Ich wollte noch viel mehr schreiben, aber alle Gedanken sind davon geflogen oder gegnomt worden. Ich habe diese Phase des Schreibens über Homosexualität wohl offenbar übersprungen, was damit zusammen hängen mag, dass ich schon immer bi war und Homosexualität für mich so normal, dass ich es nicht thematisieren muss. Dafür habe ich als Teenie viel über Missbrauch, Misshandlung und vergewaltigung geschrieben, was mir die Schulpsychologin auf den Hals gehetzt hat. Aber das wird jetzt arg off topic.

Schreib die Geschichte einfach bevor du darüber nachdenkst, ob du sie veröffentlichen kannst. Ich bin dagegen, Romanfiguren in Umerziehungslager zu stecken. das wird dort genauso wenig funktionieren wie im echten Leben.
Titel: Re: Homosexualität im Jugendbuch
Beitrag von: Alaun am 15. Juli 2009, 09:08:29
Gegnomte Gedanken...das kenne ich  :rofl:

Ja, Geschichte wird geschrieben! Vielen Dank euch allen für die wunderbaren und offenen Kommentare!

Liebe Grüße,
*Alaun
Titel: Re: Homosexualität im Jugendbuch
Beitrag von: Steffi am 15. Juli 2009, 12:09:45
@Lomax: die Sache mit homoerotischen Geschichten im Fandom ist allerdings nicht auf ein gewisses Alter begrenzt, ich kenne genug Leute weit jenseits der 16 (oder auch 25) die, was Fanfics betrifft, nur Slash lesen und schreiben und nie im Leben auf die Idee kämen, eine Geschichte mit einem traditionellem Pärchen zu lesen. Zugegebenermaßen ist der Prozentsatz in der unteren Altersklasse definitiv höher, das mag aber auch daran liegen, dass ein Großteil der Heranwachsenden irgendwann das Fandasein hinter sich lässt. Geschätzte 80% der Fanfiction da draußen ist Slash. Das mag an schlecht geschriebenen Frauenfiguren im jeweiligen Fandom liegen (nicht alle von uns können sich mit Frauen identifizieren, die nur shoppen oder über Jungs reden) oder aus ausgeprägter Eifersucht entspringen (wenn ich ihn nicht haben kann, dann auch sonst keine Frau), Fakt ist aber, diese Art der Fiktion ist keine auf ein bestimmtes Alter begrenzte Erscheinung.

Bei all der Hochkonjunktur, die Slash in Fankreisen erlebt, ist das aber nicht stellvertretend für die allgemeine Leserschaft zu sehen. Die meisten Menschen sind nunmal heterosexuell (oder bisexuell mit deutlicherer Neigung zur Heterosexualität), und möchten Liebesgeschichten mit ebenso heterosexuellen Figuren lesen, weil sie sich in diese besser einfühlen können. Das ist nunmal so. Die Verlage wollen verkaufen, ergo haben Bücher mit homosexuellen Paaren einen schweren Stand.  Das hat nichts mit Intoleranz zu tun, sondern damit, dass Verlage ja auch von irgendwas leben müssen, am liebsten von verkauften Büchern.
Titel: Re: Homosexualität im Jugendbuch
Beitrag von: Franziska am 15. Juli 2009, 18:22:10
Aber ich denke mal, mit einer Nebenfigur sollte das sowieso kein so großes Problem sein. Das "typische" sind halt eher die Coming-out-Geschichten, bei denen die Homosexualität des Helden und der Umgang damit und das schwere Leiden daran das Hauptthema sind, und zugleich auch das, was den Helden besonders interessant machen soll und im Mittelpunkt steht.



das beruhigt mich aber, ich hatte mir über das Thema auch schon Gedanken gemacht. Aber ich schreibe eigentlich auch kein Jugendbuch, sondern für junge Erwachsene. Ich denke, für Fantasy für Erwachsene sollte das kein Problem mehr sein. Da gibt es doch inzwischen genügend Beispiele. (z.b. auch die Serie Torchwood mit schwulen Hauptcharakteren) Für Jugendbücher würde ich zustimmen, es sollte nicht das Huaptthema sein, denn wenn es das Hauptthema ist, warum brauche ich dafür dann ein Fantasy-Setting? Ich würde aber auch nie meine Charas ändern, nur um ein Buch zu verkaufen. Das geht einfach nicht! Da muss ich  Maja zustimmen, wenn es so ein Problem damit gibt, ist es erst Recht ein Grund das Thema anzuschneiden.
Titel: Re: Homosexualität im Jugendbuch
Beitrag von: Lomax am 15. Juli 2009, 19:56:03
@Lomax: die Sache mit homoerotischen Geschichten im Fandom ist allerdings nicht auf ein gewisses Alter begrenzt, ich kenne genug Leute weit jenseits der 16 (oder auch 25) die, was Fanfics betrifft, nur Slash lesen und schreiben und nie im Leben auf die Idee kämen, eine Geschichte mit einem traditionellem Pärchen zu lesen.
Wenn du das einschlägige Fandom als empirische Grundlage nimmst, hast du natürlich denselben Messfehler drin, der auch viele Studien aus der klinischen Psychologie auszeichnet: Dir fehlt die "neutrale" Vergleichsgruppe. Denn im Fandom erwischt du natürlich nur diejenigen, die "dabeigeblieben" sind.

Klar gibt es auch ältere Autorinnen, die schwule Protagonisten bevorzugen - manchen ist das Thema eben wirklich ein Anliegen, und gerade im Fandom habe ich das Gefühl, dass die Gründe, dabeizubleiben, oft schlichtweg soziale sind. Aber nur bei jungen Autorinnen ist das Thema ein echtes Massenphänomen, und viele lassen das dann als Phase hinter sich, obwohl sie trotzdem weiterschreiben. Und längst nicht alle von ihnen haben viel Berührung zum Slasher-Fandom oder auch nur zu FanFic.
  Und gerade bei jungen Autorinnen ist das Thema ganz besonders unter den Perspektiven "Selbstfindung" und "Ertasten der Sexualität" aufbereitet. Bei den Slashern, die sich da dann reinsteigern, bekommt es ... ich sag mal, oft dann einen auf den Effekt zielenden Charakter. Ich denke mal, die Verlagstauglichkeit ist bei beiden Ausprägungen eher begrenzt.
Da muss ich  Maja zustimmen, wenn es so ein Problem damit gibt, ist es erst Recht ein Grund das Thema anzuschneiden.
Ich würd sagen, dass kommt wohl drauf an. Wenn es ein Problem mit gesellschaftlichen Vorbehalten gegen Homosexualität ist, dann wäre es vielleicht sinnvoll, dagegen anzugehen. Aber wenn es einfach das Problem ist, dass homosexuelle Beziehungen für heterosexuelle Leser nur am Rande interessant sind, dann wäre das sicher falsch verstandene Aufklärung - ich denke mal, wer sich nicht für Fußball interessiert, würde sich auch zu Recht über irgendwelche Leute aufregen, die aus aufklärerischen Motiven in jeden Roman irgendwelche Fußball-Geschichten unterschmuggeln, weil sie glauben, den Fußballverächtern müsste das Thema unbedingt näher gebracht werden ;)
  Diese Art von Bekehrungsanliegen geht garantiert nach hinten los.
Titel: Re: Homosexualität im Jugendbuch
Beitrag von: Koriko am 16. Juli 2009, 07:48:32
Naja.. wobei es ja durchaus auch Kleinverlage gibt, die sich in dem Sinne auf homoerotische Fantasy spezialisiert haben (DeadSoft).

@ Lomax:
Das Vergleich mt dem Fussball ist schön, den finde ich sehr einleuchtend... aber zum Glück ist ja der Geschmack verschieden und deswegen gibt eine Vielzahl an verschiedenen Genres... mit etwas Suchen, wird man auch in diesem Genre fündig, aber als Autor ist es eben schwer.
Wenn man nicht direkt die Publikumsverlage bei seiner Suche anpeilt, sollte das nicht das Problem sein. Und ich muss mal eine Aussage von Überreuter einwerfen, die vor Jahren Lysander bekommen hat: Schwule Hauptcharaktere sind in einem Jugendbuch nicht so das Problem, solange es nicht zu erotisch ist. Es handelte sich bei ihrem Manuskript um ein Mystery/Dark Fantasy Buch... sprich es gibt durchaus Verlage, die nicht gleich "nein" sagen  ;D
Titel: Re: Homosexualität im Jugendbuch
Beitrag von: AngelikaD am 16. Juli 2009, 20:19:52
Bei Fantasy und homosexuell kommt mir gleich Mercedes Lackey in den Sinn. Ihre Bücher sind auch für jugendliche Leser geeignet und ihre Last Herald Mage - Reihe hat ein homosexuelles Liebespaar als Hauptcharaktere.
Auch in den anderen Valdemarbüchern kommen lesbische und homosexuelle Nebencharaktere vor.

Constantine Storm hat einen anderen Weg eingeschlagen, sie hat einfach eine neue Menschenrasse erschaffen, von denen es nur eine Sorte (also keine Männlein und Weiblein sondern nur ein Weibmännlein) gibt und die sich also nur mit sich selbst vergnügen kann. Ihre Romane sind als Jugendbücher nicht geeignet, da homoerotisch, haben aber eine große oft auch jugendliche Fangemeinde.
http://www.fantasyguide.de/3066.0.html
Titel: Re: Homosexualität im Jugendbuch
Beitrag von: Joscha am 18. Juli 2009, 11:37:23
Ich würde sagen, dass Homosexualität in einem Jugend- bzw. All-Age-Buch kein Problem ist. Schau dir zum Beispiel mal Trudi Canavans "Die Gilde der Schwarzen Magier" an, da ist ein sehr wichtiger Charakter homosexuell.

Was das ganze allerdings erschweren würde, wäre, wenn du dich nicht einfach nur auf die Liebe der beiden gleichgeschlechtlichen Charaktere beschränkst, sondern auch homoerotische Szenen einbringst. Wenn du das nicht tust, sollte es eigentlich kein oder sehr wenige Probleme geben.
Titel: Re: Homosexualität im Jugendbuch
Beitrag von: Franziska am 19. Juli 2009, 19:25:54
Zitat
Ich würd sagen, dass kommt wohl drauf an. Wenn es ein Problem mit gesellschaftlichen Vorbehalten gegen Homosexualität ist, dann wäre es vielleicht sinnvoll, dagegen anzugehen. Aber wenn es einfach das Problem ist, dass homosexuelle Beziehungen für heterosexuelle Leser nur am Rande interessant sind, dann wäre das sicher falsch verstandene Aufklärung - ich denke mal, wer sich nicht für Fußball interessiert, würde sich auch zu Recht über irgendwelche Leute aufregen, die aus aufklärerischen Motiven in jeden Roman irgendwelche Fußball-Geschichten unterschmuggeln, weil sie glauben, den Fußballverächtern müsste das Thema unbedingt näher gebracht werden ;)
  Diese Art von Bekehrungsanliegen geht garantiert nach hinten los.

Da hast du mich entweder missverstanden, oder ich muss dir wiedersprechen. Es ging mir ja genau darum, dass es Vorbehalte gegen dieses Thema gibt, ich denke, darüber muss man nicht diskutieren. Und wenn es darum geht, dass einem ein Thema wichtig ist, finde ich, sollte man das nicht streichen, mnur damiot man ein Buch verkaufen kann. Dann würde man nur noch Bücher haben, die größtenteils die Ansichten der Mehrheitsgesellschaft reproduzieren, aber das wäre jetzt wohl ein zu großes Thema. ich möchte sicher niemanden dazu bekehren, etwas mit homosexuellen Charakteren zu lesen, wenn er dem nichts abgewinnen kann, aber trotzdem denke ich liegst du falsch, dass das nur junge Mädchen und eben Homosexuelle selbst lesen würden. Ich muss ja z.B. auch nicht drogensüchtig sein um ein Buch interessant zu finden, dass von einem drogensüchtigen handelt. Nunja, das wird gerade etwas o.t.
Titel: Re: Homosexualität im Jugendbuch
Beitrag von: AngelikaD am 19. Juli 2009, 20:30:10
Meiner persönlichen Erfahrung nach greifen Männer etwas, das auch nur entfernt nach Homosexualität klingt nur an, wenn es einen Oscar bekommen hat. Ein homosexueller Hauptcharakter (durch den der Leser ja das Geschehen erlebt) lädt sie nicht dazu ein, sich in ihn hinein zu versetzen. Es ist irrational aber viele Männer in meiner Umgebung behandeln Homosexualität wie etwas Ansteckendes. Die Frauen, die ich näher kenne, sind da um einiges toleranter was lesbische Hauptcharaktere anbelangt.
Titel: Re: Homosexualität im Jugendbuch
Beitrag von: Romy am 19. Juli 2009, 21:52:43
Ohne das verallgemeinern zu wollen, aber ich habe oft den Eindruck, dass (hetero) Frauen öfters ein Problem mit Lesben haben und mit Schwulen gar nicht und bei (hetero) Männern halt genau andersrum - Lesben sind okay und an Schwule traut man sich eher nicht ran ... Und bei den Autoren ist es ebenso. Warum schreiben weibliche Autoren über homosexuelle Männer und männliche Autoren über homosexuelle Frauen?
Ich finde, auch wenn man selbst hetero ist und über einen homosexuellen Prota schreiben will, sollte man doch auch beim schreiben beim eigenen Geschlecht bleiben.  :hmhm?: So viel Mut sollte sein.
Nun ja, meine Meinung. Ich muss zugeben, bei mir sind die Meisten Figuren sowieso hetero, erst ganz selten habe ich mal etwas anderes angedeutet. Ich wüsste einfach nicht, wie ich eine homosexuelle Figur glaubwürdig beschreiben sollte, egal ob männlich oder weiblich, deshalb lasse ich es ...

Zur ursprünglichen Frage: Ich denke, eine schwule Nebenfigur sollte auch im Jugendbuch okay sein, solange nichts explizit beschrieben wird.
Titel: Re: Homosexualität im Jugendbuch
Beitrag von: Nachtblick am 19. Juli 2009, 22:12:49
Ich denke, das liegt gerade daran, dass viele Männer gern zwei schöne Frauen zusammen sehen – und nicht denken müssen, Gott, was ist denn das für ein Kerl, den die sich ausgesucht hat?
Andersherum bei Frauen, da kommt denke ich auch noch das Eifersuchtsmotiv/die fehlende Möglichkeit der Identifikation (wurde hier schon benannt) hinzu. Wenn jetzt ein Mann über Schwule oder eine Frau über Lesben schreibt, dann fehlt hier doch ein Stück weit die Möglichkeit der Abgrenzung. "Immerhin könnte das auch meine Fantasie sein." Manche fühlen sich damit unbehaglich.

Nebenfiguren sind ziemlich sicher kein "Problem". Wenn sich die Geschichte komplett um die Homosexualität des Hauptcharakters dreht, kann ich mir vorstellen, dass sich weniger Leser dafür finden, aber soweit ich das mitbekommen habe, geht es ja nicht um explizite Sexszenen. Ein wichtiger Charakter sollte schwul bleiben dürfen, wenn er das fordert.

@ Maria: Das kann ich bestätigen. Besonders die männlichen Artgenossen meiner Jahrgangsstufe führen sich absolut ätzend in dem Punkt auf. Ich habe mal gefragt "Hast du was gegen Homosexuelle?" und einer sagte wortwörtlich: "Na ja, Lesben sind heiß, aber Schwule sind eklig." Ein Junge natürlich. Ich könnt jedes Mal... das sind so Sachen, die mich wütend machen.
 :happs:

Nox,
Nachtblick

ps.: Meine beiden Truppführer haben gerade ganz spontan beschlossen, ein Paar werden zu wollen. Mal sehen, was da noch draus wird...
 ::) ;D
Titel: Re: Homosexualität im Jugendbuch
Beitrag von: Romy am 20. Juli 2009, 02:24:04
Ich denke, das liegt gerade daran, dass viele Männer gern zwei schöne Frauen zusammen sehen – und nicht denken müssen, Gott, was ist denn das für ein Kerl, den die sich ausgesucht hat?
Andersherum bei Frauen, da kommt denke ich auch noch das Eifersuchtsmotiv/die fehlende Möglichkeit der Identifikation (wurde hier schon benannt) hinzu. Wenn jetzt ein Mann über Schwule oder eine Frau über Lesben schreibt, dann fehlt hier doch ein Stück weit die Möglichkeit der Abgrenzung. "Immerhin könnte das auch meine Fantasie sein." Manche fühlen sich damit unbehaglich.

Ich denke, dass Du damit absolut recht hast. Deshalb schrieb ich ja oben auch, dass es Mut erfordert, als Autor über Homosexualität bei seinem eigenen Geschlecht zu schreiben  ;) Das Ergebnis davon wäre m.M.n. jedenfalls authentischer, auch wenn man als Autor eigentlich Stock-hetero ist.  ;D
Wenn man fürchtet das Leser xy einem irgendwas unterstellen könnte (und da kann es ja auch um ganz andere Dinge als hetero oder homo gehen), dann sollte man auch besser nie ans Veröffentlichen denken. Genauso wie Schauspieler, sich auch nicht wundern und ärgern brauchen, wenn das Publikum sie mit ihren Rollen identifiziert. Wenn die sich über sowas ärgern, hätten sie halt nie in die Öffentlichkeit treten dürfen.  :hmhm?: 
Titel: Re: Homosexualität im Jugendbuch
Beitrag von: Simara am 03. Juni 2010, 17:56:55
In meinem Momentanen Werk (Meine Blut-Triologie ;D Es hat endlich einen Arbeitstitel!) hat sich mir mein Antoganist vor kurzem als Schwul geoutet und ich habe es mit einem Kopfnicken hingenommen- den Leser geht das schließlich nichts an. Doch jetzt stehe ich doch kurz davor ihn zu outen, schließlich kann man so etwas nicht verschweigen wenn man von seiner Jugend erzählt. Er wäre auch gar nicht alleine, im Laufe des Werkes trifft man schließlich auch auf eine Lesbische Vampirjägerin und einen (angedeutet) Bisexuellen Hauptcharakter.

Es schleichen sich bei mir immer mal wieder Homo- oder Bisexuelle (Neben-) Charaktere ein-warum auch nicht? Im echten Leben ist es nicht anders. Für mich wäre es einfach unnatürlich eine rein Heterosexuelle Welt zu erschaffen. (Schlieslich bin ich selbst Bi. :psssst:) Das bedeutet aber noch lange nicht das ich dem Leser jeden dieser "anderen" Charaktere auf die Nase binde, oft wird auf diesen Umstand bei mir nur durch kleine Andeutungen angespielt, so dass diejenigen welche sie nicht sehen wollen einfach darüber hinweg lesen.
Titel: Re: Homosexualität im Jugendbuch
Beitrag von: Runaway am 03. Juni 2010, 18:49:48
Ich muß sagen, daß ich es toll fand, bei Trudi Canavan (wie oben schon angesprochen) mal auf eine homosexuelle Figur in der Fantasy zu stoßen. Das war neu - für mich - und es hat mich begeistert. In meinem Freundeskreis gibt es auch ein paar Schwule und Lesben und ich fand das nie komisch. Ist doch wichtig, das einzubringen, denn dadurch wird es normal und das ist gut.
Sollte ich echt auch mal drüber nachdenken, das war echt inspirierend!
Ich find das übrigens sehr süß, wie du sagst, daß die Figur sich dir geoutet hat - ich empfinde meine Figuren auch meist als eigenständig und so als ob die tun, was sie wollen ;)