• Willkommen im Forum „Tintenzirkel - das Fantasyautor:innenforum“.
 

Sanjani: Fünf Sinne ist einer zuviel

Begonnen von Ary, 21. September 2010, 20:42:51

« vorheriges - nächstes »

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Ary

Liebe Tintenzirkler und solche, die es werden wollen, Türen und Fenster auf, deckt den Abendbrotstisch, denn hier kommt Sanjani! Als Psychologiestudentin kann sie uns sicher helfen, die tiefsten Tiefen und Abgründe unserer gebeutelten Romanfiguren zu erforschen und die eine oder andere gepeinigte Protagonistenseele wieder ins Lot zu bringen. Zudem interessiert sie sich für Parapsychologie und Hunde - und sie ist von Geburt an blind. Dass sie sich trotzdem schreibenderweise und im realen Leben durchbeißt, das wird Sanjani uns hier zeigen! Tusch und herzlich willkommen! Und hier ist Sanjanis

Vorstellung: Liebe Autorinnen und Autoren,

kennt ihr das auch? Ihr habt gerade viel Zeit und nichts zu tun, also öffnet ihr einen Ordner auf euerer Festplatte, kramt ein uraltes Buchprojekt heraus und beginnt zu lesen. Ihr könnt kaum glauben, was für einen Unsinn ihr geschrieben habt, eine Handlung, der jegliche Logik fehlt und Personen, die völlig situationsunangemessen reagieren.
Manch einer verfällt angesichts dieser Anfänge in tiefste Traurigkeit. Für mich jedoch ist dies immer wieder ein großes Vergnügen, ich komme oft aus dem Lachen gar nicht mehr heraus, kann mir aber im Nachhinein auch sagen, dass ich mich doch in den letzten 12 Jahren um einiges weiterentwickelt habe, worauf ich durchaus stolz bin.
Als ich mit diesen sogenannten Buchprojekten anfing, war ich zwölf und obwohl ich schon damals sehr viel las, hatte ich noch kein Gefühl für realitätsnahe Handlungsstränge und angemessene Dialoge.
Inzwischen bin ich 24 und habe dahingehend dazugelernt.
Im realen Leben heiße ich Conni und komme aus Mittelfranken. Ich studiere derzeit Psychologie auf Diplom und ich kann sagen, dass das Fach mir durchaus manchmal weiterhilft, wenn ich Charaktäre entwerfe.

Das Schreiben bleibt für mich trotzdem stets eine große Herausforderung, denn ich bin von Geburt an blind. Besonders anspruchsvoll ist es daher für mich Dinge zu beschreiben, die ich selbst noch nie gesehen habe. Das geht bei der Einrichtung eines Hauses los und endet bei der Beschreibung eines wunderschönen Sonnenunterganges im Wald. Ich konnte mir durch das viele Lesen doch einiges aneignen, aber manches bleibt nichtsdestoweniger eine große und spannende Herausforderung. Und wahrscheinlich werde ich mich in der einen oder anderen Angelegenheit auch hilfesuchend an euch wenden. Ich hoffe aber auch, dass ich dem einen oder anderen von euch auch etwas weiterhelfen kann. Außerdem bin ich gespannt auf den Austausch über das Schreiben. Leider kann man ja mit nicht schreibenden Personen über solcherlei Dinge nicht so gut sprechen.

Derzeit plane ich mich auf Verlagssuche für eines meiner Fantasy-Werke zu begeben. Da das mit den Verlagen aber bekanntlich sehr schwierig ist, habe ich nach Literaturagenturen recherchiert. Dabei stieß ich auf dieses Forum. Ich las dann noch ein paar Beiträge im Bereich Recherche und war total begeistert, was für ein Fundus an interessanten Fakten sich dort findet. So kam ich hierher.

Mein letztes Werk trug sehr lange den Dateinamen Kein Plan. Dafür, dass ich keinen Plan hatte, wurde es allerdings sehr lang  ;-)  und eine Weile überlegte ich, es bei diesem Titel zu belassen, aber er hätte einfach überhaupt nicht gepasst.
Was ich schreibe, ist nicht so einfach zu sagen. Manche Bücher haben nur einen leichten fantastischen Touch, z. B. dass Personen auf mysteriöse Weise in die Zukunft oder Vergangenheit versetzt werden um dort etwas über sich selbst zu lernen. Das genaue Gegenteil ist Kein Plan, welches einerseits sehr klassisch ist (Gegenstände der Macht, Kampf gut gegen böse), andererseits aber auch neu sein soll. So habe ich z. B. eine neue Rasse - die Drachenkrieger - erfunden, wobei ich allerdings mittlerweile davon ausgehe, dass ich irgendwann etwas Ähnlichem begegnen werde und feststelle, dass ich nicht die erste war mit dieser Idee. Aber eine Weile zumindest möchte ich dieses Gefühl haben etwas völlig Neues kreiert zu haben  ;-) . Ich denke, besonders wichtig an der Fantasy ist, bereits Dagewesenes neu zu kombinieren und es mit neuen Ideen anzureichern, denn etwas wirklich völlig Neues zu schreiben ist, glaube ich, gerade in diesem Genre recht schwer.
Ansonsten schreibe ich aber auch Unterhaltungsromane, die in der Realität spielen. Mein größtes Ziel ist es, einmal einen historischen Roman zu schreiben, ich lese sie selbst sehr gerne, aber die Recherche dafür ist eine besonders große Herausforderung. An der Fantasy mag ich andererseits gerade die Tatsache, dass man nicht so stark an die Realität gebunden ist und Dinge in seinen Büchern wahr werden lassen kann, die in Wirklichkeit (noch) nicht möglich sind.

Neben dem Schreiben interessiere ich mich sehr für Psychologie (sonst würde ich es ja nicht studieren  ;-)  ) und auch für Parapsychologie, was für die Fantasy auch ganz gut passt. Außerdem spiele ich einige Instrumente (Geige, Klavier, Gitarre) und kenne mich mit Hunden aus. Vielleicht wird das ja irgendwann jemandem hier helfen  ;-)

Na gut, mehr fällt mir zu mir selbst gerade nicht ein. Ich habe immer die Angst mich zu wichtig zu nehmen  ;-)

In diesem Sinne herzliche Grüße,
Conni

PS: Fandet ihr die Sache mit dem guten Absatz auch schwierig?

Zitat: "Es ging mir schon mal besser. Weißt du, als ich dich fallen sah, da habe ich einfach gehandelt, ich habe über nichts Konkretes nachgedacht. Und dann hing ich an dem Felsen und wusste, ich schaffe es nicht und ich wusste, es gab eine Zeit, da hätte ich es geschafft... früher..." Er schluckte. "Das war ein schreckliches Gefühl."
Sie nickte und legte ihre Hand auf die seine. Es löste in ihm zwiespältige Gefühle aus, auf der einen Seite wünschte er sich, sie würde die Hand zurückziehen, auf der anderen Seite war es ihm, als streckte sie die Hand nicht nur nach ihm, sondern auch nach seiner Seele aus und er wollte sich nur zu gern fallen lassen und spüren, wie sie ihn auffing.
So wie Melinda früher...
Er kämpfte mit den Tränen, während sie wieder zum Sprechen ansetzte: "Früher, du meinst früher, noch vor deiner Gefangenschaft, nicht wahr?"
Er nickte. Früher, früher, das war sein Leben gewesen, früher. Jetzt war es nur noch ein leerer Raum, eine dunkle Straße, die man entlangging ohne wirklich zu wissen, ob sie zu einer Stadt führte oder ins verderben. Er wünschte, er hätte die Kraft Licht zu machen, doch er hatte sie nicht und Melinda war nicht mehr da um ihm welche zu geben.
Einfach mal machen. Könnte ja gut werden.

Derexor

Hallo Sanjani!
Herzlich Willkommen in diesem Forum!
Viel Spaß und gutes Gelingen bei deiner Agentensuche.  :)

Grüße,

Derexor

Kraehe

Hey Sanjani
Herzlich willkommen -
Und die Absatz-Frage finde ich von dir sehr gut gelöst, klingt spannend :D
Und Mittelfranken - dann sind wir gar nicht sooo weit auseinander.
Bis bald also zum regen Austausch,

Krähe

Dealein

Hey Sanjani ;)

Erstmal heiße ich dich herzlich willkommen und hoffe, dass du dich bei uns gut einlebst. Und jetzt hätte ich noch eine Frage:

Wie sind denn deine Drachenkrieger so? Was ist an ihnen anders wie an den bisherigen Drachenkriegern?

Alles Liebe
Dea

Smaragd

Herzlich willkommen, Sanjani! :winke:
Da hast du aber eine schöne Vorstellung geschrieben (oder gesprochen?). Sie klingt überhaupt nicht so, als würdest du dich zu wichtig nehmen - wenn überhaupt erzählst du uns noch viel zu wenig. An was schreibst du jetzt, wenn ich mal ganz neugierig fragen darf?
Ich hoffe, du lebst dich hier schnell ein und hast ganz viel Spaß!

Faol

Hallo :winke:
und viel Spaß hier.
Darf ich mal eine dumme Frage stellen?
Wie kommt man, wenn man blind ist mit dem Computer so klar? Gibt es da spezielle Programm?
Deine Vorstellung und dein Zitat gefallen mir gut,
Viele Grüße
Faolan
Two roads diverged in a wood, and I -
I took the one less traveled by,
And that has made all the difference.
(Robert Frost - The Road Not Taken)

Rigalad

#6
Hallo Sanjani!

Ein allerherzlichstes Willkommen auch von mir! Dein Vorstellungsbetreff mit dieser leisen Ironie ist bei sofort angekommen.
Ich freue mich immer über Hundefans, aber bevor ich jetzt anfange, zu schwärmen, wollte ich gerne noch los werden, dass ich deine Vorstellung sehr sympathisch finde. Ich glaube, wir haben einige Dinge gemeinsam. :)

Ich wünsche dir einen tollen Einstieg bei uns und bin mir sicher, dass du dich ganz schnell einleben wirst!


Liebe Grüße, Kati

Sternenlicht

Auch von mir ein herzliches Willkommen!
Ich wünsche Dir viel Spaß hier  :vibes:

Sprotte

Ein herzliches Willkommen auch von mir.
Lebe Dich ein, mach Dich mit uns vertraut - auf gute Zusammenarbeit und viel Spaß!

Mein Erstlingswerk habe ich mit 15 verfaßt. Das ist 25 Jahre her, und ich habe es in ständiger Reichweite, falls ich mal an mir zweifle. Einfach willkürlich eine Handvoll Sätze gelesen, und ich bin kuriert von allen Zweifeln. Ein weiter Weg liegt hinter mir. Aber ich kann auch darüber lachen, was für einen Schmalz ich da angerichtet habe.

Nuya

Hallo Sanjani,

herzlich Willkommen hier im Zirkel,
ich hoffe du lebst dich gut ein und hast Spaß hier.

Ich bin begeistert, wie viele Instrumente du spielst!

Meiner Meinung nach nimmst du dich genau wichtig genug... :)

Dein Zitat (ja, ein passendes zu finden ist nicht leicht) finde ich sehr schön.
Mich würde sehr interessieren, was um die paar Zeilen drumrum geschrieben steht.

Grüße,
Nuya

Sanjani

Hallo ihr lieben,

vielen Dank für die vielen Willkommensgrüße. Damit habe ich in so kurzer Zeit nicht gerechnet ;-)
Dann will ich mal versuchen die vielen Fragen zu beantworten:

@Dealein: Was an meinen Drachenkriegern anders ist, kann ich dir pauschal nicht sagen, einfach, weil ich selber noch nie was über andere kennen gelernt habe. Aber ich erzähl dir mal von meinen. Meine stammen von den Drachen ab, die genaue Geschichte steht im Buch, weshalb ich sie hier nicht erzähle. :-) Drachen waren einst weise Geschöpfe, doch die Drachenkrieger haben mit ihnen diesbzgl. nicht mehr allzu viel gemein. Sie sehen aus wie Menschen, sind aber deutlich größer, im Schnitt ca. 8 Fuß groß. Ihre Haut ist sehr zäh, ähnlich wie Schlangenhaut, und sie sehen aus, als hätten sie einen Schuppenpanzer, es ist aber nur eine angeborene Zeichnung auf der Haut. Sie sind unverwundbar, aber dafür zahlen sie einen hohen Preis, mehr darüber möchte ich an dieser Stelle auch nicht verraten ;-)
Sie werden von kleinauf zum Kampf ausgebildet und sind daher im Umgang mit dem Schwert wahre Meister. Dafür bleibt vieles andere auf der Strecke. Die Frauen erhalten eine geregelte Schulbildung, während die Jungen nur rudimentär Rechnen, schreiben und lesen lernen. Die meisten sind einfaches Kriegsvolk und es gibt nur einige wenige Köpfe, von denen sie geführt werden.
Das charakteristischste und einschneidendste ist jedoch, dass sie ein sehr gestörtes emotionales Innenleben haben. Sie sind fast nicht in der Lage Gefühle zu empfinden, v. a. Wärme und Zuneigung sind vielen fremd. Dafür fällt es ihnen oft leicht kalt und grausam zu sein. Außerdem werden Gefühle in der Gesellschaft zutiefst verachtet und diejenigen, die aus irgendeinem Grund zu mehr Gefühlen in der Lage sind, werden stets zum Gespött der Gesellschaft. Sie bilden sich viel auf ihre Kampfkunst ein und ebenso viel darauf, ihren Geist und ihren Körper allen möglichen Umständen anpassen zu können.
Die Gefühllosigkeit habe ich absichtlich gewählt um sie mit den Elfen kontrastieren zu können, welche bei mir sehr offen mit Gefühlen aller Art umgehen und deshalb die Drachenkrieger umso weniger verstehen können :-)

@Smaragd: Du fragtest, woran ich schreibe. Ehrlich gesagt schreibe ich zur Zeit hauptsächlich an meiner Diplomarbeit. ;-) Ansonsten möchte ich eine Fortsetzung zum ,,Geheimnis der Drachenkrieger" schreiben, aber ich hänge da noch ziemlich in der Dramaturgie fest.

@Faolan: Ich habe auf meinem Computer einen sog. Screenreader, der liest Bildschirminhalte in synthetischer Stimme vor. Außerdem habe ich noch eine Braillezeile. Das ist ein Gerät, wo Metallstifte rauskommen und Buchstaben in Brailleschrift bilden. Somit kann ich auch selbst nachlesen, was wo steht.

Wenn es noch mehr Fragen gibt, immer her damit.

Herzliche Grüße,

Sanjani
Die einzige blinde Kuh im Tintenzirkel :)

Valaé

Huhu!
Erst einmal Herzlich Willkommen hier!
Ich muss sagen, du hast meinen vollsten Respekt, weil du so viele Dinge meisterst, die schon für Sehende manchmal schwierig sind. Beispielsweise die Instrumente. Ich hätte auch gerne einmal eines erlernt aber kam nie dazu und empfinde es nach einigen wenigen kleinen Einblicken, die ich einmal erhalten konnte, als unglaublich schwierig. Wäre schon mit einer Blockflöte überfordert glaube ich.

Ansonsten muss ich dir Recht geben. Früher oder später entdeckt jeder Autor dass seine Ideen gar nicht sooo neu sind. Irgendetwas in der Art existiert meistens schon an anderer Stelle, aber letztlich ist das einzig Wichtige, dass nur etwas Ähnliches existiert, nicht aber dasselbe. Gerade bei Völkern ist das so. Irgendwoher nehmen wir doch alle Vorbilder her. Logisch, dass sich die Völker dann oftmals recht weit ähneln.

Dealein

Also solche Drachenkrieger habe ich wirklich noch nie "gesehen" :) Die sind wirklich anders, Sanjani!

Sanjani

Hallo,

@Valaé: Na ja, gemeistert habe ich die Instrumente auch nicht. Ich war leider nie der große Übeknecht, aber ich kann schon ganz gut spielen, denke ich, jedenfalls, wenn ich mich anstrenge ;-) Und auf der Gitarre reicht's bisher nur für eine Liedbegleitung aus. Neulich habe ich ein Solo komponiert, das ich selber gar nicht spielen kann, mit den Fingern zwar schon, aber nicht mit Plektrum. Das wird noch ne längere Übungssession :-)

@Dealein: Danke, das beruhigt mich. Neulich hatte ich mit einem Literaturagenten Kontakt, der fand, das wär alles schon althergebracht und ich dachte, entweder bin ich wirklich so wenig originell oder er hat es sich gar nicht richtig angeschaut.

LG Sanjani
Die einzige blinde Kuh im Tintenzirkel :)

Faol

ach, da fällt mir noch was ein:
Toll du spielst drei Instrumente, Geige, Klavier und Gittarre.
Was spielst du denn so für Stücke und wie lange spielst du schon?
Two roads diverged in a wood, and I -
I took the one less traveled by,
And that has made all the difference.
(Robert Frost - The Road Not Taken)