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Liebeschaos - zu viele Pärchen?

Begonnen von Moa-Bella, 17. August 2010, 19:46:15

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Vali

#15
Ein sehr interessantes Thema. Hättest du das Thema nicht angesprochen, Moa-Bella, wär mir bis heute nicht aufgefallen wie viele Pärchen ich doch in meinem eher weniger romantischen Projekt habe. Da sieht man dann schön, dass Liebe im Plot alleine und vor allem Anzahl an Pärchen noch keinen Liebesroman macht.

Dass einer meiner Protas eine Freundin bekommt, ging einfach nicht anders. Sie war die einzige Spielkameradin, die er je hatte. Sie kommt ganz am Anfang im ersten Kapitel vor. Klischee hin oder her, sie musste später einfach wieder auftauchen und wenn sie sich nach zehn Jahren als Erwachsene schon wiedertreffen, warum sollten sie dann nur Freunde sein? Also habe ich es ihnen erlaubt zusammen zu kommen, aber ihre Beziehung ist auch nur eine Nebenhandlung.
Mein Hauptprota ist dafür absolut frigid. Der hatte nun so oft Gelegenheit ein paar Frauen näher kennenzulernen und diese Frauen sind nun wirklich nicht doof oder häßlich (meiner Meinung nach). Er interessiert sich überhaupt nicht dafür. Mit Männern mag er's auch nicht. Dass der andere Prota unter die Haube kommt, tangiert ihn auch nur peripher. Er geht nun schon auf die 40 zu und in Rückblicken ist er noch zarte 18-25 Jahre alt. Und in dieser Zeit kein einziges Mal Schmetterlinge im Bauch? Ich habe mich gefragt warum. Also habe ich ihm eine sehr schlechte Erfahrung mit einer Frau in den Lebenslauf zugesteckt. Obwohl die zwei dann kein richtiges Liebespaar waren, hat es doch schon wieder was mit Liebe zu tun.
Ansonsten kommen bei den Nebenfiguren ein paar Paare vor. Besser gesagt, es wird nur erwähnt, dass die mit dem verheiratet ist. Mehr nicht. Ist ja absolut normal unter Erwachsenen, dass da welche verheiratet sind, oder etwa nicht? ;) Wär ja völlig unrealistisch, wenn da alle Single und alte Jungfrauen wären.

Trotz dieser hohen Anzahl an Pärchen, kann ich beim besten Willen mein Projekt nicht als Liebesroman bezeichnen (einer Freundin, die total auf Liebesromane und Vampirromanzen steht, könnte ich mein Geschreibsel echt nicht zumuten *g*). Dafür treten diese Beziehungen zu sehr in den Hintergrund. Im Plot geht es hauptsächlich um was ganz anderes. Ein richtiger Liebesroman hat als Hauptplot eher die oft komplizierten Beziehungen zwischen den Hauptpersonen wie: Sie lernt ihn kennen, aber er mag sie nicht und Papa erlaubt es auch nicht. Dafür kommt anderer er, der sie will, aber sie will ihn nicht, aber sie knutschen doch um ersten ihn eifersüchtig zu machen, aber es klappt nicht. Erster Er kommt mit bester Freundin von ihr zusammen, sie ist furchtbar eifersüchtig, blablabla. Welt retten, Volk befreien, Schatzsuche, Erleuchtung finden, bösen König stürzen und ähnliches kommt nicht vor und wenn, dann nur als Kulisse für das Liebesgeplänkel.

et cetera

Wie bei fast allem denke ich auch hier, dass man keine pauschale Antwort geben kann. Bei dem einen Roman sind drei Pärchen zwei zu viel, beim anderen kann es genau richtig sein. Das kommt sehr darauf an, wie die Geschichte generell angelegt ist und wie die Beziehungen dargestellt werden.

Persönlich (obwohl ich eine Frau bin) kann ich mit Liebesgeschichten nicht so viel anfangen. Ich habe ein paar Geschichten geschrieben, in denen kein Paar vorkam und bei vielen Romanen/Filmen habe ich den Eindruck, dass die Liebesgeschichte nur hineingequetscht wurde, weil es sich so besser verkaufen lässt und nicht, weil es die Story verlangt hätte.
Das heißt aber nicht, dass ich immer darauf verzichte. Ich meinem jetzigen Roman treten z.B. vier Paare auf:
1. Die Eltern der Protagonistin (aber nur in den ersten beiden Kapiteln und dort auch nicht als "Paar", sondern nur als "Eltern")
2. Die Protagonistin und ein Ritter, der sie begleitet (da sprühen zwar die Funken, aber so richtig kommen die beiden nie zusammen)
3. Eine Nebenfigur und dessen Frau (die Frau taucht nie auf, es wird nur erwähnt, dass er verheiratet ist)
4. Und der beste Freund, bzw. die beste Freundin des Ritters, die beide aber schon zu Beginn der Geschichte tot sind

Das zweite und das vierte Paar haben dabei die stärkste Gewichtung, wobei das vierte natürlich nicht so wirkt wie das zweite, da eben die Charaktere schon verstorben sind.

Für meine nächste Geschichte habe ich dagegen nur ein Paar im Kopf, das aber zu Beginn der Geschichte bereits wieder auseinander ist. Es kann also bei mir sehr unterschiedlich sein, wie viele Paare auftreten, genauso wie die Gewichtung sehr unterschiedlich sein kann.

Ich finde übrigens, dass man bei Harry Potter besonders gut sehen kann, wie unterschiedlich Paare gewichtet sein können und dennoch nebenher mitlaufen:
- Harry und Ginny --> deutlich
- Remus und Tonks --> im Hintergrund

Telas

Oh das ist ein sehr leidiges Thema für mich, hat vielleicht nicht nur mit dem zu tun, was ich selbst schreibe oder lese, sondern auch mit dem, was ich im wahren Leben so erlebe im Bezug auf dieses Thema.
Erst in meinem letzten Buch habe ich eine erste, kleine Romanze eingebaut und die habe ich tragisch enden lassen.
Ich finde es in manchen Büchern einfach nur ermüdend wenn von Anfang an glasklar ist, welche beiden Charaktere am Ende zusammenfinden und ihr Leben gemeinsam verbringen.
Und im Vorfeld muss man sich meist durch seitenlange, innere Monologe quälen, die alle immer nur dasselbe Lied singen. Der Charakter ist verliebt und weiß nicht, wie er es der Angebeteten beichten soll. Die Herzdamen haben dann meist die Angewohnheit dem Charakter augenzwinkernd zuzulächeln, was den Mann nur noch mehr aus der Fassung bringt.
Und am Ende, viele peinliche Momente später kommt das erste Date und die Liebe des Lebens ist gefunden...
Wenn dann mal eine Beziehung in die Brüche geht, dann wird dem ehemaligen Liebling seitenlang nachgeheult und der Charakter will sich umbringen, weil er nicht glauben kann, ohne ihn/sie weiterzuleben.
Das zieht sich aber auch durch die anderen Medien, im Fernsehen ist es natürlich am Schlimmsten. Ich glaube ich bin allergisch gegen diese endlosen Telenovelas.
Immer dieselben Maschen, entweder eine Liebe, die scheinbar nicht funktioniert, weil es der Vater nicht will, oder weil er (der Liebhaber) eine Andere hat oder weil die Kulturen zu unterschiedlich sind. Aber am Ende liegen sich wieder alle heulend in den Armen und sind glücklich, das hat doch mit dem wirklichen Leben nichts zu tun, oder vielleicht doch?!
Ich habe wirklich Verständnis für die vielen Frauen, die Actionfilme ohne jeden Tiefgang nicht mögen, allerdings geht es mir bei Literatur, Filmen oder Serien, in denen nur herumgesülzt wird leider auch nicht anders, da es sich immer wiederholt und das Ende vorhersehbar ist.

Um aber auf den Kern des Themas zurückzukommen. Sicher ist es mit der Liebe ähnlich wie mit dem Thread zum Alltagsgeschehen. In Maßen ist nichts dagegen einzuwenden, aber ab einem bestimmten Grad fängt es eben an zu nerven. Und die Grenzen dazu sind fließend und hängen vor allem vom Schreibstil des Autors und der Anzahl der unerwarteten Änderungen ab.
Interessant finde ich parallel ablaufende Beziehungen aber meist nur dann, wenn sich die Handlungsstränge kreuzen und ein Konflikt daraus entsteht.
Ich meine ein Buch, in dem alle Charakter überglücklich sind mit ihren Beziehungen bräuchte man ja gar nicht schreiben, es sei denn, etwas Unerwartetes bringt ein wenig Spannung in die Sache.

Chris

Hallo,

da ich gerade die als Fantasy deklarierten "Gefangene der Sinne" von Nalini Singh und "Kuss der Finsternis" von Kresley Cole gelesen habe (ich beende aus Prinzip jedes Buch  ;), dauert nur manchmal länger  :D), kann ich mich allen Vorrednerinnen, die sich gegen Liebesromane ausgesprochen habe, aus tiefstem Herzen anschließen!!!  :wums:

Ich hasse offensichtliche Liebesgeschichten, die genau in die erwartete Richtung laufen, egal, ob Krimi, Fantasy, historischer Roman etc. Wenn ich schon auf Seite 7 ahne, dass er und sie sich als glückliches Paar kriegen, setzt das große Gähnen ein.  :pfanne:

Für mich ist es Etikettenschwindel, wenn ich Fantasy kaufe und Klischee-Liebesroman bekomme (nicht, dass ich davon ausgehe, dass Du so etwas schreiben würdest  8)); daher vertrete ich die Meinung: Liebesgeschichte kann sein, aber sie sollte geschickt gestrickt und nicht dominierend sein  :). Manchmal passt's einfach und gibt den Charakteren oder der Geschichte Tiefe, manchmal finde ich es nur aufgesetzt und laaaangweilig - darin liegt, fürchte ich, die hohe Kunst und es kann keine eindeutige Antwort geben.  :engel:

Gruß
Chris

Romy

Es kommt m.E. vor allem stark darauf an, wieviel Platz man einem Paar einräumt. Wenn der Prota z.B. von Anfang an eine Partnerin hat und sie zusammen ihre Abenteuer bestehen und am Ende immer noch zusammen sind - oder wenn er allein seine Abenteuer besteht und dann zu ihr heimkehrt, dann ist ja in dem Roman gar keine Lovestory vorhanden.  :hmhm?: Klar der Prota hat eine Partnerin, aber außer das er gelegentlich mal an sie denkt und sich wünscht zu ihr heimzukehren, oder das friedliche Leben fortzusetzen, braucht man daran ja nicht viele Worte zu verlieren. Ich meine, man kann ein Paar darstellen, ohne große Irrungen und Wirrungen. ;) Beziehungen sind für die allermeisten Menschen schließlich ein ganz normaler Teil des Lebens, also warum sollte man das nicht darstellen? (Und das sage ausgerechnet ich Langzeitsingle *ahahaha*  :rofl: )
Im ersten Teil meiner Sessian-Trilogie hat meine Prota auch fast von Anfang einen Partner, bzw. sie kommen ziemlich reibungslos zusammen und bleiben bis zum Romanende zusammen, bzw. bis das der Tod sie scheidet, aber die werden ja ohnehin alle wiedergeboren, deshalb ist das halb so tragisch ... Allzu viel Rumgeschnulze gibt es jedenfalls nicht und vom Liebesroman ist das ohnehin meilenweit entfernt.
 
Also z.B. Eltern des Protas finde ich in Sachen "Paar" oder gar "Lovestory" gar nicht erwähnenswert, das ist nichts, worüber wir hier m.M.n. groß diskutieren müssten, solange so ein Elternpaar sowieso nur als Neben- oder Randpersonen auftauchen. Die meisten Menschen haben die Angewohnheit, Eltern zu haben. Auch wenn die Eltern tot sind, gab es ja mal welche. Wäre ja seltsam, wenn es nicht so wäre. ;)
Und Ähnliches wie für die Eltern gilt m.M.n. für alle Nebenpersonen-Paare, die zu Romanbeginn bestehen und die am Ende immer noch zusammen sind, ohne das da zwischendrin mal irgendwelche Beziehungsprobleme bestünden. Wenn man die Liebe nicht sonderlich beschreiben muss, dann ist es halt ein Paar, die gehören zusammen, aber da braucht man ja kein Wort irgendwelches rumgeschnulze drüber schreiben, sondern das ist dann halt einfach so. Das stört ja dann auch nicht weiter, sondern ist halt einfach ganz natürliches, menschliches Verhalten.  :hmhm?:

et cetera

Ich gebe dir Recht, Romilly, dass z.B. Eltern nicht zu den Paaren gehören, die hier gemeint sind, der Vollständigkeit halber wollte ich sie dennoch erwähnen.

Ansonsten sehe ich das ein bisschen anders: Auch ein Paar, das von Anfang an zusammen war, kann Stoff für eine Love-Story bieten, z.B. wenn einer nach und nach Dinge über den anderen herausfindet, die diese Liebe auf die Probe stellen. Oder wenn einer auf Abenteuerreise geht und der andere zurückbleibt - gerade die Frage, ob die Liebe diese Trennung aushält, kann durchaus spannend sein (muss aber nicht  ;))

Romy

Zitat von: et cetera am 18. August 2010, 21:02:41
Ansonsten sehe ich das ein bisschen anders: Auch ein Paar, das von Anfang an zusammen war, kann Stoff für eine Love-Story bieten, z.B. wenn einer nach und nach Dinge über den anderen herausfindet, die diese Liebe auf die Probe stellen. Oder wenn einer auf Abenteuerreise geht und der andere zurückbleibt - gerade die Frage, ob die Liebe diese Trennung aushält, kann durchaus spannend sein (muss aber nicht  ;))
Ja eben, es kommt auf die Darstellung an. Die bloßte Existenz bzw. Anzahl der Paare sagt ja erstmal rein gar nichts über den "Schnulz-faktor" der Geschichte aus. Wenn sich in der Beziehung nicht groß was ändert oder es halt nur Nebenpersonen sind und keiner von ihnen eine Perspektive hat, braucht man als Autor auch nichts darüber schreiben.
Das ist dann die Kurzfassgung von dem, was ich meinte. ;D

et cetera

Dann sind wir uns ja weitestgehend einig  :) Ich denke zwar, dass auch eine Liebesgeschichte, bei der keiner der Beteiligten eine Perspektive hat, wichtig und interessant sein kann, aber ansonsten sehe ich das genauso.

Einsamer Falke

Jein...Es kommt nicht darauf an, wie viele Päärchen es gibt, sondern darauf, dass sie glaubhaft sind und vor allem: Sie sollten nicht alle ähnlich sein, also zum Beispiel nicht alle frisch verliebt turtelnd oder alle streitend.
In meinem aktuellen Hauptprojekt gibt es eine Liebesgeschichte zwischen dem Protagonisten und einer Adeligen (sowas wie eine Prinzessin, nur eben nicht ganz so reich ;) ).
Nebenbei werde ich wahrscheinlich noch eine Beziehung zwischen 2 Nebencharakteren einbauen, die dann aber wenn, dann nur ganz am Rande für ein paar lustige Auflockerungen sorgt, während die Liebesgeschichte meines Hauptprotagonisten etwas eher ernstes ist (Ich habe mit ihrem Zukünftigen Sohn für Band 9 bereits was vor, Gott ich muss die Geschichte weiterschreiben, sonst platze ich. :gähn:).

Gruß
Eric