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Piratenpartei - Runder Tisch für Schriftsteller

Begonnen von Schommes, 05. Juni 2012, 10:03:49

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Schommes

Ich bin fast sicher, dass das hier nicht hin gehört, aber ich wüsst auch nicht wo sonst. Also stimme ich schon mal vorsorglich jeder Verschiebung durch die Mods zu.

Ich sitze am kommenden Donnerstag, den 7.6. von 14 - 18 Uhr hier in Berlin an einem der Runden Tische der Piraten zum Urheberrecht http://www.piratenpartei.de/2012/05/21/urheberrechtsdebatte/, nachdem ich den verantwortlichen Piraten mit meiner Bitte um Teilnahme wochenlang auf die Nerven gegangen bin.
Ich sitze dort, weil ich ein Gegner der geplanten Reformen bin, vor allem aber, weil ich das Gefühl habe, dass die Piraten den Literaturmarkt nur sehr oberflächlich verstanden habe und ich etwas mehr Tiefe in die Debatte bringen will. Ich bin selber nicht Piratenmitglied, sondern bei den Grünen, die sich bei dem Thema m.E. derzeit ja leider auch nicht mit Ruhm bekleckern.

Warum schreibe ich das hier? Weil ich Euch bitten wollte, evtl. Impulse, die ich mit in die Debatte einbringen kann, mitzuteilen. Bitte keine rein polemischen oder sarkastischen Beiträge, denn die bringe ich schon von selber ;-)

Euer nicht unaufgeregter Schommes

Alaun

Lieber Schommes,
das ist toll, ich bin dir jetzt schon dankbar für dein Engagement pro Urheberrecht - egal, was dann letztendlich dabei herauskommt. Bin sehr gespannt, wie das dann ablaufen wird und was du danach berichtest.
Worum geht es dir denn bei deinem "Einsatz" vor allem? Hast du einen Masterplan für das Treffen mit den Piraten?  ;)

Ary

Konstruktives habe ich jetzt nicht beizutragen, aber ich finde es auch super, dass Du dich engagieren willst.
Einfach mal machen. Könnte ja gut werden.

Schommes

Zitat von: Aquamarin am 05. Juni 2012, 10:08:26
Worum geht es dir denn bei deinem "Einsatz" vor allem? Hast du einen Masterplan für das Treffen mit den Piraten?  ;)
Meine Hauptzielrichtung ist sicher, meinen Unmut über den Einsatz der Piraten für die Legalisierung von Filesharing (eBooks) und Verkürzung der Schutzfristen (von derzeit 70 a postmortem auf 10 a postmortem) kund zu tun. Daneben will ich aber auch einfach Sachverstand vermitteln (z.B. 50% des Buchpreises sackt der Grossist ein etc.), um gängige Fehlvorstellungen auszuräumen (Verlage sind Ausbeuter u.ä.).
Keine Ahnung, was ich in den vier Stunden anbringen kann, denn man hat uns mit Journalisten und Fotografen zusammengefasst, andererseits aber wohl z.B. Übersetzer außen vor gelassen.

Alaun

Zitataber wohl z.B. Übersetzer außen vor gelassen
??? Ist ja interessant. Kriegen die einen extra Termin? Oder werden die gar nicht angehört?  :wart:

Alia

Vielleicht kannst du denen die Augen öffnen, wenn du mal so ein nettes Kuchenschema zu dem Thema "Buchpreis" machst. Was davon wirklich beim Autor landet und die anderen bekommen, was Druck kostet, etc.

FeeamPC

Du kannst denen auch ruhig stecken, dass insbesondere Kleinverlage schon froh sind, wenn eine schwarze Null auf dem Konto steht. Nix mit Bereicherung auf Kosten der Autoren.
Die einzigen Bücher, mit denen ich bislang tatsächlich Gewinn gemacht habe, waren die, bei denen ich Autor und Verlag in einem war, und die dank heimatkundlicher Ausrichtung quasi eine garantierte Käufermenge hatten.
Alles andere ist eine sehr, sehr unsichere Lotterie.

gbwolf

Sehr schön, Schommes und danke für so viel Initiative, die ja uns allen zugute kommt  :jau:

Das mit der Senkung des Urheberrechts auf 20 Jahre nach dem Tod sehe ich persönlich gar nicht so kritisch, wie die anderen Überlegungen, beispielsweise zur Kulturflatrate. Wenn ich sehe, wie "hoch" mein VGWort-Scheck ist, dann wäre selbst eine Verdreifachung ein Witz.
Die wichtige Frage von meiner Seite aus ist: In welcher Höhe sollen die Schriftsteller entlohnt werden? Wenn die Prozente pro heruntergeladenem eBook für Verlag und Autor gleich bleiben (Oder nur geringfügig gesenkt werden, wenn wir mal annehmen, dass bei einer Flatrate auch viele Leute einfach horten, weil es kostenfrei ist), dann werden alle noch davon leben können, aber wenn es eine pauschale Vergütung von - wasweißich - 5 Cent pro Download gibt, dann werden ganz viele Leute nicht mehr davon leben können.
Ist dann an eine Art "Gehalt" für Künstler gedacht? Wenn ja: Wie soll festgelegt werden, wer berechtigt ist und wie soll das mit der minimalen Flatrategebühr finanziert werden?

Unterscheiden die Piraten denn zwischen "Künstlern", die sich vor allem künstlerisch ausdrücken wollen, ob es nun ein Publikum gibt oder nicht, und "Unterhaltern", also quasi Dienstleistern/Handwerkern, die wahrscheinlich auch Spaß am Schreiben haben, die aber vor allem ein Publikum ansprechen? Momentan wird das alles so in einen Topf geworfen. Dabei wird Künstlern heute schon vor allem durch Stipendien und Co. der Lebensunterhalt gesichert. Mir scheint oft das Bewusstsein zu fehlen, dass auch künstlerische Arbeit eine Tätigkeit mit einer 40-Stundenwoche sein kann, dass man damit seine Familie ernährt und seine Rente sichert.

TheaEvanda

Schommes: Hut ab, dass du dich da reinhängst. Ich denke immer nur darüber nach, weil ich so in Termindruck bin ...

Mein großes Problem mit den bisherigen Verlagsverträgen (Artikel, Heft und Buch) waren immer die so schön genannten "Total Buy-Out" - Klauseln, nach der ich im Prinzip neben dem Garantiehonorar lebenslänglich nichts mehr für meine Tätigkeit erwarten konnte. Meine Erben auch nicht, wenn wir schon dabei sind.

Was ich mir in diesem Falle wirklich wünsche ist, dass der Verlag in solchen Fällen gezwungen ist, mit mir nach ein paar Jahren (sagen wir, 5 Jahre? Die meisten Bücher sind ja sowieso schon nach einem Jahr vergriffen und werden nicht mehr aufgelegt) nachzuverhandeln. Diese  vollständige Abgabe der Verwertungsrechte "für die Dauer des gesetzlichen Urheberrechts" sollte eingeschränkt werden. Da sind die Verlage in einer unverhältnismäßigen Machtposition gegenüber dem Autor.

Die Urheberrechtsgarantie ist mit 70 Jahren nach dem Tod des Autors unverhältnismäßig lang. Da sind meine Kinder Rentner, wenn das Schutzrecht ausläuft.
Ja, wenn ich heute tot umfalle, sollte mein Nachwuchs ein paar Jahre von meiner Arbeit profitieren können. Das hätte ich gerne so. Aber im zarten Alter von 25 Jahren sollte mein Sohn langsam auf eigenen Füßen stehen und nicht mehr auf meine Tantiemen angewiesen sein. Und mein Mann ein eigenes Standbein entwickelt haben (hysterisches Gelächter bitte, er hält mich aus. Ich komme ja gerade eben so auf HartzIV-Niveau).
Da kommt mir ein Gedanke. Die gesetzliche Waisenrente wird (für Studis) bis zum 27. Lebensjahr gezahlt. Also die Schutzfrist über den Tod des Urhebers hinaus auf 27 Jahre senken. Dann sind auch meine Hinterbliebenen aus dem Schneider. Längere Fristen dienen nicht mir, sondern meinen Vertragspartnern mit den oben genannten alles abgreifenden Verträgen, die ich zum Zeitpunkt der Unterschrift nicht ablehnen konnte.

--Thea
Herzogenaurach, Germany

Schommes

Zitat von: Alia am 05. Juni 2012, 10:39:12
Vielleicht kannst du denen die Augen öffnen, wenn du mal so ein nettes Kuchenschema zu dem Thema "Buchpreis" machst. Was davon wirklich beim Autor landet und die anderen bekommen, was Druck kostet, etc.
Bist Du oder irgendwer anders evtl. sogar in der Lage so ein Kuchenschema zu produzieren und mir zukommen zu lassen?

Alia

Zitat von: Schommes am 05. Juni 2012, 12:32:32
Bist Du oder irgendwer anders evtl. sogar in der Lage so ein Kuchenschema zu produzieren und mir zukommen zu lassen?
Machen kann ich es dir gern, wenn ich die Zahlen habe. Magst du einfach pdf doc haben?

FeeamPC

#11
Habe mal ein Beispiel erstellt aufgrund einer Beispiel-Kalkulation, die ich im Internet gefunden habe:
http://www.voland-quist.de/verlagsblog/buchkalkulation-was-verdienen-autor-und-verlag-an-buchern/
Die Zahlen sind übrigens in Promille, nicht in Prozent, weil mein Programm nicht mit Kommas arbeiten wollte.
Ist natürlich nur ganz grob, weil ich das auf die schnelle alles gerundet habe. Aber der Trend ist, denke ich, gut sichtbar.
Bei Kleinverlagen wäre der Druck-Anteil in etwa genauso groß wie der Buchhandels-Anteil. Und der ganze Rest entsprechend kleiner.

Ach ja, und hier ist der Link zu der Webseite, mit der ich das Diagramm gemacht habe:
http://nces.ed.gov/nceskids/createagraph/default.aspx?ID=d2d4d441268d40b0bf47d06e6d061964

[Dateianhang durch Administrator gelöscht]

Luna

Ich sehe das mit der gesetzlichen Schutzfrist bis 70 Jahre nach Tot des Urhebers auch recht kritisch. Ich denke die 27 (oder 25 - ich meine das mit der Waisenrente wäre gesenkt worden) Jahre würden vollkommen reichen.
Eventuell könnte man auch gesetzlich die Marge der Großbuchhändler einschränken (warum bekommen die mehr als 50% vom Kuchen, wenn sie eigentlich fast nichts damit machen? Gut die haben auch gewisse Kosten - aber rechtfertigen diese mehr als 50%?)

Einer Kulturftlatrate stehe ich auch sehr kritisch gegenüber. Vorallem, weil sie noch keiner zuende gedacht hat. (Zu der Verteilung dieser Extra-Kopier-Einnahmequellen-Gesellschaften wie VGWort oder GEMA möchte ich mich auch nicht sonderlich zu äußern. Nur eines: Gerecht ist das zumindest bei der GEMA nicht).

Also, wenn du (vielen Dank auch von mir dafür) da Aufklärungsarbeit leisten und vielleicht dazu anregen kannst, dass die angefangenen Ideen bis zum Schluss gedacht werden, wäre das schon super  ;)

Ich könnte mir vorstellen, dass es mit ner Kulturflatrate funktionieren könnte. Aber die wäre dann so hoch, dass sie keiner Zahlen will (wie die GEZ) - frei nach dem Motto "Ich lese eh nicht. Ist doch eh alles nur mist!"

FeeamPC

Die Großbuchhändler bekommen keine 56%- sie nehmen zwar diese Marge, müssen aber natürlich ihrerseits dem normalen Buchhandel davon seinen Anteil von 30-40% abgeben. Und mit 30-40% vom Verkaufspreis ist der Buchhandel bei seinen Aufschlägen, wenn man andere Branchen betrachtet, auch nicht unbedingt teuer, denn das ist ja kein Gewinn, davon müssen die Miete für die Raumkosten, die Verzinsung des Buch- Lagerbestandes und die Gehälter etwaiger Angestellter bezahlt werden, bevor der Chef des Ladens sein eigenes Gehalt davon decken kann.

Nur mal so, damit hier besser informiert wird als bei unseren Politikern, von denen etliche anscheinend der Meinung sind, Umsatz wäre mit Gewinn gleichzusetzen.

Moni

Zitat von: FeeamPC am 05. Juni 2012, 14:31:17
Nur mal so, damit hier besser informiert wird als bei unseren Politikern, von denen etliche anscheinend der Meinung sind, Umsatz wäre mit Gewinn gleichzusetzen.

Das ist glaube ich eh eines der Probleme. Kaufmännisches Rechnen ist bei den wenigsten Politikern vorhanden...
Deutsch ist die Sprache von Goethe, von Schiller...
und im weitesten Sinne auch von Dieter Bohlen[/i]
Stefan Quoos, WDR2-Moderator

»Gegenüber der Fähigkeit, die Arbeit eines einzigen Tages sinnvoll zu ordnen,
ist alles andere im Leben ein Kinderspiel.«[/i]
Johann Wol